„Stephanie, wer ist dein Vorbild?“

Diese Frage habe ich als Kind gehasst, hatte nie eine wirkliche Antwort darauf. Irgendwann habe ich dann gesagt, meine Oma sein mein Vorbild. Sie war eine tolle Frau gewesen, immer für andere da, engagiert und machte großartige Handarbeiten. Sie war eine liebevolle Oma.

Wollte ich werden wie sie? Nein, mir war klar, dass das unmöglich war.

Ich wollte lieber Ich sein, herausfinden, wer ich war. Doch immer kamen mir Menschen mit diesen Vorbildern.

Frau steht seitlich auf einem Feldweg Text: Wer ist dein Vorbild? In einer Gedankenblase steht: Darf ich bitte ich selbst sein.

Was ich als Kind unter einem Vorbild verstanden habe

Eine oder mehrere Personen soll ich mir als Vorbild nehmen und versuchen wie sie zu sein.

Das erschien mir unmöglich. Sobald ich mich auf die Idee einließ, machten mir die Menschen, die dafür in Frage kamen, meine eigenen Unzulänglichkeiten bewusst.

Meine Oma brachte mir Sticken und andere Handarbeiten bei. Ich war nicht so geschickt wie sie. Niemand verriet mir, was ich heute weiß, wie immens der Vorsprung von Oma war und das auch sie mal angefangen hatte … 

„Ich kann das nicht.“ Dieser Satz verfestigte sich. Auch wenn ich mich in anderen Dingen mit anderen Kindern verglich, schnitt ich nicht gut ab. Es gab immer jemanden, die besser war als ich, was für mich auch absolut Sinn ergibt.

Die Beste zu sein, ist auch nicht das Ziel, vielmehr zufrieden mit dem, was ich kann und weiter lernen. So meine heutige Haltung.

Theorie der Sozialen Vergleiche

Wir Menschen können nicht anders als uns zu vergleichen, besagt eine Theorie der Sozialen Vergleiche nach Leo Festinger.

Es gibt verschiedene Richtungen, nach denen wir uns vergleichen können.

  • aufwärts
  • abwärts
  • horizontal

Ein Vergleich mit meiner Oma ist ein Aufwärts-Vergleich. Sie hatte mehr Lebenserfahrung und im Sticken mehr Übung.

Seit meiner Kindheit habe ich übrigens nicht mehr versucht zu sticken. Wäre ich dran geblieben, wer weiß. Meine Motivation hätte aber glaube nicht ausgereicht, um so gut wie Oma zu werden. Sie hat es geliebt. Ein Aufwärts Vergleich kann uns Ansporn geben, uns zu verbessern. Hier passt vielleicht die Vorbild-Sache ganz gut, als Orientierung.

Abwärts Vergleiche stärken unseren eigenen Selbstwert und das habe ich als Kind fürchte ich eher nicht getan. Sie kamen mir nicht fair vor, den anderen gegenüber. 

Horizontale Vergleiche sind ebenfalls nicht ganz einfach. Als Kind neigte ich nämlich dazu, mich mit Gleichaltrigen zu vergleichen und schlussfolgerte daraus, was ich alles können müsste und sollte. Übersehen habe ich dabei dann wahrscheinlich all die Themen, in denen ich gar nicht so schlecht abgeschnitten hätte.

Mache faire Vergeleiche, schrieb ich im Suisei-Blog, als ich dort über Soziale Vergleiche schrieb. Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, begreife ich, warum mir diese Theorie zu wertvoll ist, denn fair zu mir, bin ich damals sicherlich nicht gewesen.

Wen ich mich also heute mal mit mir selbst vergleiche, kann ich sagen: Ich habe mich weiter entwickelt. 🙂

Vorbilder als Orientierung

Wie machen andere das?

Diese Frage beschäftigt mich seit einigen Wochen wieder, in Bezug auf die Veröffentlichung von Büchern. Ich habe auf Blogs und in Social Media gelesen, Orientierung gesucht. Es ging mir nicht darum, den Erfolg zu vergleichen, sondern darum, neue Ideen zu bekommen für mich.

  • Was funktioniert für andere?
  • Welche Wege gibt es noch?
  • Was davon passt zu meinen Projekten und möchte ich ausprobieren?

Viele Menschen sind vor mir denselben Weg gegangen und ich kann von ihnen lernen.

Das schätze ich sehr. Ich lese gerne Erfahrungsberichte oder spreche mit anderen Menschen.

Allerdings habe ich inzwischen für mich verstanden, dass ein Vorbild in der Form, wie ich es als Kind verstanden hatte, für mich nicht funktioniert.

Ich bin ich und deswegen kann nur ich herausfinden, welcher Weg für mich funktioniert. Andere Menschen können mich inspirieren, mir mögliche Wege zeigen. Vielleicht können sie mich auch ein Stück auf dem Weg begleiten, gehen muss ich selbst.

Und genau das ist auch meine Haltung mit der ich an meine Systemsiche Beratung gehe.

Ich möchte für niemanden ein Vorbild sein. Andere zu inspireren liebe ich sehr. Menschen dabei zu begleiten, für sich neue Ideen zu entwickeln oder zu sich selbst zu finden, begeistert mich jedes Mal wieder.

Zur Entstehung des Beitrages

Dieser Beitrag entstand Montag Früh, nachem mir am Freitag in der Blognacht zum Thema „Vorbilder“ nicht viel mehr eingefallen ist, als „Ich mag das Thema nicht“. Mir ging es aber auch nicht gut, die Woche war lang gewesen, ich litt noch unter den Nachwirkungen den übermäßigen Hitze und an diesem Tag hatte ich bereits einige Termine.

Nach einem kühlen Sonntag gestern, sitze ich motiviert am Schreibtisch und auf einmal war der Beitrag da. Im Sinne der Blognacht-Prinzipien, mache ich ihn auch direkt fertig.

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