Es war im Urlaub als das Smartphone kaputt ging. Erträglich, kein Drama. Auf dem Heimweg merkte ich, dass ich in der Straßenbahn und an der Bushaltestelle reflexartig das Gerät rausholen und drauf schauen wollte. Das passierte erst, als ich wieder in Bonn war. Gewohnte Muster lassen sich nur schwer ablegen. Im Urlaub ist das leichter.

Das brachte mich dazu, diesen Beitrag zu schreiben, in die Reflexion zu gehen. Wozu und wann brauche ich das Gerät wirklich?

Foto: Bucht von Portinax, Strand und Meer. Im Vordergrund sind fünf Arme zu sehen, die Smartphones in den Händen halten, die Displays zeigen verschiedene Farben und Emojis bzw. ein Herz.

Text: Wozu braucht es das Smartphone
und wann auch nicht?

Kamera

Fotos machen ist vor allem im Urlaub die Hauptfunktion. Ich bin auch schon ohne Gerät im Urlaub gewesen, was befreiend war. Inzwischen bin ich dazu übergegangen, es nahezu ausschließlich als Kamera zu nutzen, teilweise im Flugmodus, den ich inzwischen nicht mehr brauche, sondern einfach reinkommende Nachrichten ignoriere, bis ich zurück bin.

Messenger

Ich würde sagen, dafür nutze ich das Gerät am meisten und vermisse es auch dafür. Tatsächlich nutze ich verschiedene Apps und habe nicht alle auf dem Computer zur Verfügung. Das ist okay. Im Urlaub gar kein Problem.

Zu Hause habe ich darüber nachgedacht, welche Kommunikationsmöglichkeiten mir jetzt fehlen. Kurzzeitig okay, längerfristig problematisch. Teilweise gibt es alternative Kommunikationswege, aber nicht mit allen Personen oder Gruppen.

Social Media

Gehören zu den im Alltag häufig geöffneten Apps. Im Urlaub bleiben diese aus. Pushbenachrichtigungen sind bei LinkedIn und Instagram deaktiviert, bei Mastodon aktiv.

Es fehlt mir bis jetzt nicht. Und ich merke, dass ich in letzter Zeit auch einen bewussteren Umgang mit den Kanälen pflege, sie stärker im Browser als auf dem Smartphone nutze. Nutze, um in Interaktion zu gehen, nicht um mir die Zeit zu vertreiben. Das ist eine positive Entwicklung, die ich beibehalten möchte.

[Diesen Abschnitt habe ich auch erst nachträglich eingefügt, weil er mir beim ersten Schreiben gar nicht in den Sinn kam.]

Telefonieren

„Wir können ja morgen telefonieren“, schrieb ich meiner Mama über den Messenger am Computer. Später saß ich auf dem Sofa und fragte mich: Wie?

Wir haben noch eine Festnetznummer, aber die läuft über eine App aufs Handy … und das funktioniert ja gerade nicht.

Mein Smartphone ist mein Telefon!

Tickets

Ich bin sehr froh, dass ich meine Deutschland-Ticket als Karte und nicht mehr in der App habe. Das wäre ein großes Problem auf dem Heimweg gewesen!

Andere Tickets habe ich digital, könnte sie aber auch ausdrucken.

Navigation

Super Funktion, die ich schätze. Im Urlaub hatten wir dafür das Smartphone meines Mannes, auch um Ausflüge zu planen. Ich nutze das Smartphone sowohl zur Navigation im Auto, als auch wenn ich zu Fuß oder mit Bus & Bahn unterwegs bin.

Audio (Musik & Hörbücher)

Kein Hörbuch zum Einschlafen hören können war schwierig, vor allem, nach dem nächtlichen Aufwachen. Es geht auch ohne, schöner ist mit.

Duolingo

Wer die App nutzt, kennt den Streak. Meiner ist nun unterbrochen oder vielleicht auch noch „on ice“, ich bin nicht sicher, wie lange ich das überbrücken kann, ohne zu zahlen. „Oh nein“, der Gedanke war nur kurz da, zum Glück. Er wurde schnell ersetzt von der Frage „Wozu nutze ich die App?“
Das tägliche Wiederholen von kleinen Spanisch-Lektionen – ich mag es. Hilft es mir? In letzter Zeit habe ich einige Beiträge gelesen, dass man mit Duolingo nicht weit komme. Das war alles nachvollziehbar. Weit und schnell lernt es sich damit nicht. Mir hilft es beim Dranbleiben. Einige Vokabeln und einfache Sätze zu wiederholen. Vor einigen Jahren wollte ich im Urlaub gerne spanisch sprechen, verstand einiges, aber brachte kein Wort heraus.

Das hat sich verändert. Zwei Wege bin ich gegangen: Duolingo und Bücher lesen.
Also habe ich mir ein neues Buch auf den E-Reader geladen. Und ich werde mit Duolingo weiter machen, kleine Schritte zum Dranbleiben.

Spiele

Im Urlaub spiele ich nicht, also habe ich sie nicht vermisst. In Bus und Bahn höre ich gerne Hörbuch und spiele dabei. Manchmal unterhalte ich mich auch oder schaue auch mal nur aus dem Fenster.
Klingt jetzt nach einer Lektion: Lies lieber, statt spielen. Oder wende die Aufmerksamkeit mal nach außen. Es wird weiterhin ein Sowohl als Auch sein, denn ich lese viel. Phasenweise darf es auch weniger spielen sein, wenn ich nicht unterwegs bin.

Uhr, Wecker, Timer

Eine Armbanduhr trage ich schon lange nicht mehr und mein Zeitgefühl ist miserabel. Da liege ich oft Stunden daneben, wenn ich schätzen müsste. 

Allerdings komme ich auch gut ohne Uhr zurecht, genieße es tatsächlich oft, die Zeit nicht zu kennen. Wichtig ist mir eine Uhr, wenn ich Termine habe oder der Tag strukturiert ist. Dafür nutze ich auch gerne die Weckfunktion. Das sind allerdings definitiv Herausforderungen für den Alltag, fern vom Urlaub.

Falls ich nachts wach werde, schaue ich auf die Uhr und ich frage mich warum. Lohnt es sich nochmal einzuschlafen, ist eine Frage, die mich dabei beschäftigt. Wäre es nicht viel nützlicher in mich hinein zu spüren, ob ich noch etwas Schlaf brauche?

Spannende Erkenntnis. Einen Wecker stelle ich mir inzwischen bewusst, wenn ich morgens frühe Termine habe und ich werde oft vor diesem wach.

Gestern Abend habe ich mir die Uhr, die sonst auf meinem Schreibtsich steht, um die Zeit während Terminen entspannter im Blick zu haben, auf den Nachttisch gestellt und nicht genutzt …

Fürs Teekochen brauche ich einen Timer, aber dafür hatte ich heute Morgen zum Glück eine Sanduhr. Fürs Kochen nutze ich den Timer ebenfalls regelmäßig, da würde mir das Smartphone langfristig fehlen. Allerdings hätte ich dafür auch noch irgendwo eine Eieruhr im Küchenschrank stehen.

Weitere Apps

Die Periode in die App eintragen finde ich nützlich. Da ich kein gutes Zeitgefühl habe, kann ich dort nachsehen, wann es wieder so weit sein könnte, ebenso abschätzen, wie wahrscheinlich es eben auf Reisen ist.
Es nicht nachsehen zu können fühlt sich seltsam an, aber ist kein Problem.

Picnic – unsere Supermarkt-App. Tatsächlich können wir nur über die App bestellen, über den Browser ist das nicht möglich. Zum Glück haben mein Mann und ich diese beide installiert, denn die laufende Bestellung möchte heute noch ergänzt werden.

Meine Bibliothek – nach dem Koffer auspacken wollte ich noch die neuen Manga einscannen, die mein Mann als Urlaubslektüre gekauft hat. In der App sind unsere Bücher und Comics/Manga gespeichert. Erst kürzlich habe ich endlich alle Reagele fertig eingescannt. Ich hoffe sehr, dass diese Daten nicht verloren sind.

Und dann fallen mir noch weitere Apps udn Funktionen ein: Krankenkasse, Versicherung, Zweifaktor Authentifikation …

Nichts was ich jetzt heute bräuchte, aber in den nächsten Tagen sicher.

Fazit

Im Alltag schaue ich definitiv zu oft reflexartig aufs Smartphone!

Im Urlaub komme ich gut ohne zurecht. Es kann aber auch nützlich sein, es dabei zu haben. Vor allem aber nicht nur für Fotos. Es könnte sein, dass ich den lieben Mann ein wenig genervt habe mit den Wünschen um Motive.

Alltag ohne Smartphone erscheint mir tatsächlich inzwischen unmöglich zu sein. Allerdings nutze ich es inzwischen für viele Funktionen, für die es auch Alternativen gibt. Sobald ich ein neues Gerät einrichte, werde ich bewusst entscheiden, welche Apps neu installiert werden. Diese Frage werde ich mir vor allem bei jenen stellen, die mir jetzt gar nicht in den Sinn kommen. Brauche ich diese wirklich? Möchte ich sie weiterhin nutzen?

Und wann mag ich diese Freiheit der Unerreichbarkeit, die ich mir im Urlaub bewusst erlaube, auch im Alltag gönnen?

Diese Frage nehme ich aus der Erfahrung für mich mit.

Und wofür brauchst du dein Smartphone im Alltag? Wofür im Urlaub und auf welche Apps könntest du auch gut verzichten?

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