Magische Orte gibt es auch ohne Fantasy-Elemente

Wolkenschloss ~ Kerstin Gier

Wolkenschloss ~ Kerstin Gier

Vorfreude und Erwartungen

Als 2017 ein neuer Roman von Kerstin Gier angekündigt wurde, war ich zunächst voller Vorfreude. Alles deutete darauf hin, dass es kein Frauenroman werden würde, sondern ein Roman für Jugendliche. Wahrscheinlich wieder Urban-Fantasy wie bereits die Edelstein- oder Silber-Trilogie. Beide Reihen habe ich sehr gerne gelesen. Das Buch landete auf meinen Wunschzettel.

Der Erscheinungstermin kam, die Kritiken folgten. Viele waren enttäuscht. Schade, dachte ich und nahm das Buch erst einmal vom Wunschzettel. Näher befasst habe ich mich mit den Kritiken nicht, mir vorgenommen, das Buch später zu lesen, wenn sich eine Gelegenheit ergibt. Die ergab sich, als ich es zufällig in der Bücherei entdeckte.

Ich freute mich auf das Buch, war gespannt, wie es mir gefallen würde. Auch wenn ich mich bemühte die Erwartungen aufgrund der zahlreichen kritischen Äußerungen gering zu halten, hatte ich gewisse Erwartungen. Das lilafarbene Cover ist einfach wunderschön, das kann auch der Bücherei-Code kaum mindern. Den Klappentext habe ich nicht gelesen, aber die drei rot gedruckten Zeilen fielen mir doch ins Auge:

Ein magischer Ort in den Wolken.
Eine Heldin, die ein bisschen zu neugierig ist.
Und das Abenteuer ihres Lebens.

Ich erwartete einen Hauch von Magie, ohne zu wissen welcher Art. In der Edelstein-Trilogie waren Zeitreisen möglich. in den Silber-Bänden das Wandeln in Träumen, inklusive persönlicher Begegnungen … Was wäre im Wolkenschloss möglich?

Wolkenschloss

Das Wolkenschloss ist ein Hotel in der Schweiz. Es liegt in den Bergen, fernab jeglicher Zivilisation und ist ein traditionelles Familienunternehmen. Stand das Hotel einst für Luxus, blättert dieser langsam verglichen mit modernen Standards ab. Doch über Weihnachten und Sylvester ist das Wolkenschloss gut besucht und die 17-jährige Praktikantin und Schulabbrecherin Fanny Funke aus Deutschland hat viel zu tun und darf so einiges erleben …

Mein Leseerlebnis

Der Prolog gibt einen Ausblick auf die dramatische Szene, auf die wir mit dem Roman zusteuern. Ein Satz aus diese habe ich ganz klar missinterpretiert in meiner Erwartung besonderer Fähigkeiten.

… trotzdem spürte ich, wie meine Kräfte noch einmal zurückkehrten.

Magische Kräfte? Oder doch einfach menschliche Kräfte, die nahezu magisch sind, wenn es darum geht in Extremsituationen unglaubliches leisten zu müssen. Was ist überhaupt Magie? Müssen es übernatürliche Fähigkeiten sein?

Der Einstieg war amüsant. Ich mag Kerstin Giers Schreibstil und ihre lebendigen Figuren. An diesen Aspekten gibt es auch überhaupt nichts zu kritisieren. Recht früh deutet sich auch an, dass etwas im Wolkenschloss nicht mit rechten Dingen zugeht. Der Spuk der weißen Frau, die sieben Hugos, die Fanny am Dachfenster besuchen kommen oder auch die nächtlichen Geräusche in der Leitung. Dann wäre da noch die verbotene Katze, die alle kennen, außer dem Hoteldirektor, der sie verbannen würde, wenn er sie fände. Es sind zahlreiche Kleinigkeiten, die den Ort zu einem magischen Ort machen. Dazu zählen vor allem die Menschen. Zahlreiche Angestellte für die das Wolkenschloss ein Zuhause ist, Gäste die regelmäßig wieder kommen. Die Brüder, die das Hotel leiten und Ben, der künftige Erbe …

Wir lernen sehr viele Menschen kennen, in der Mitte des Buches hatte ich irgendwann das Gefühl, es werden mir zu viele Figuren. Zum Glück vermag Kerstin Gier sie so gut zu schreiben, dass ich niemanden verwechsle und nicht durcheinander komme. Das mag bei mir sehr viel bedeuten!

Doch auch nach der Hälfte des Buches warte ich noch auf die Enthüllung der besonderen Fähigkeiten. Stattdessen entwickelt sich eine Liebesgeschichte und ein Krimi. Beides schön geschrieben, aber absolut nicht das, was ich erwartet hatte. Das Buch hat einiges zu bieten, Humor, Liebe und Spannung. Alles dezent und nicht übertrieben. Eine Prise Übernatürliches gibt es auch, aber vor allem einen wunderschönen magisches Ort in den Schweizer Bergen. Wer Schneeromantik liebt, wird sicher wunderschöne Bilder vor Augen haben. Ein altmodisches Gemäuer mit Geheimgängen für die Angestellten, einer wunderschönen Bibliothek, einem Ballsaal und einem Spielzimmer mit Spielzeug, das andere ins Museum stellen würden.

Etwas ganz Neues von Kerstin Gier

Dieses in sich abgeschlossene Buch zählt weder zu den zahlreichen Frauenromanen von Kerstin Gier, noch passt es so recht zu Silber oder den Edelsteinen. Es ist ein romantisches Jugendbuch mit einem Krimi, unabhängig und anders. Wer mit den falschen Erwartungen an das Buch heran geht und wie ich die Magie als besondere Fähigkeit sucht, wird vergeblich suchen. Ich kann die Enttäuschung einer Leserinnen nachvollziehen.

Wer sich einfach auf diese neue Geschichte einlassen kann, wird sehr viel schönes finden können.

Allen, die wie ich nach den ersten Kritiken skeptisch waren, empfehle ich, dem Buch eine Chance zu geben und es einfach in dem Wissen zu lesen, dass es etwas neues und anderes ist. Die Silber-Trilogie war ja auch ganz anders, als Rubinrot, Saphirblau und Smaragdgrün, auch wenn beide Reihen mehr Elemente der Phantastik enthielten.


Dieses Buch habe ich in der Stadtbibliothek Bonn ausgeliehen.

Wolkenschloss
Kerstin Gier
Fischer FJB
ISBN: 978-3-8414-4021-1

kleiner Komet (Stephanie)

kleiner Komet (Stephanie)

Ich liebe Geschichten - fiktive wie Geschichten aus dem echten Leben. Als kleiner Komet tauche ich ein in verschiedene Welten und erzähle euch von meinen Abenteuern.

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