An Neujahr scrollte ich durch Instagram und blieb bei einem Reel von Beate Mader hängen.

Mache einen Screenshot und ziehe deinen Wert des Jahres.

Das klang lustig und war schnell gemacht. Ich starrte auf mein Smartphone und mir kamen zahlreiche Gedankend und Emotionen gleichzeitig.

Diese wirkten noch eine Weile nach. Dann traf ich beate im Cowirk-Space, erzählte ihr davon und stellte fest, ich habe es im Neujahrsartikel vergessen zu erwähnen … Ich entschied einen eigenen Beitrag zu meinem Wert des Jahres zu machen.

Text: Wenn Fleiß mein Wert des Jahres wäre, Danke Beate
Bild mit Biene

Ist Fleiß überhaupt ein Wert?

Ist es und zu meiner eigenen Überraschung findet es sich auch in meiner eigenen Werteliste.

Ohne Fleiß kein Preis

Dieser Spruch kam mir in den Sinn, dazu auch weitere.

Fleiß war für mich dasselbe wie Anstrengung. Wenn ich mich genug anstrenge, dann erreiche ich mein Ziel. Falls nicht, habe ich etwas falsch gemacht oder mich nicht genügend angestrengt.

Fleiß war in meinem Kopf eher negativ behaftet und daher habe ich mich nicht darüber gefreut, es als Wert des Jahres zu ziehen.

Allerdings hat es einiges ausgelöst und dafür allein war es wertvoll.

Was würde es bedeuten, wenn Fleiß mein Wert des Jahres wäre?

Ich würde mich auf meine Ziele konzentrieren und fleißig dran setze, diese auch zu erreichen.

Konkret: Mir Zeit nehmen für meine Marketingstrategien (Buch und psychologische Angebote) und fleißig posten.

Dann würde ich fleißig Bücher verkaufen, Beratungstermine anbieten und erfolgreich sein.

Fleißig sein würde also bedeuten, viel zu arbeiten.

Habe ich zu wenig gearbeitet letztes Jahr? Nein. Es darf mehr bezahlte Zeit sein und dafür könnte ein besseres Marketing hilfreich sein.

Fleiß assoziiere ich mit Disziplin und für mich persönlich auch schnell mit einem Mangel an diesem. Entsprechend empfinde ich Druck, ich müsste mehr von dem, was mir schwer fällt. Es regt sich ein Widerstand: Ich kann das nicht. Auch ein: Will ich nicht.

Einfach mehr machen ist sicherlich nicht die Lösung, strategisch fleißig sein und anpassen, wenn es nicht funktioniert, ist sinnvoller.

Aber was genau ist jetzt der Fleiß daran, wenn Strategie die Lösung ist?

Perspektivwechsel

Warum fühle ich mich mit dem Wert Fleiß unwohl und was kann ich daraus jetzt machen?

Bedeutung des Begriffes

Was ist Fleiß wirklich, frage ich mich und der Duden ernüchtert mich, auf der Suche nach einer positiven Bedeutung:

strebsames und unermüdliches Arbeiten; ernsthafte und beharrliche Beschäftigung mit einer Sache
Quelle: Duden

Auch im Wertelexiokon der Values-Academy findet sich die Duden-Definition zu Fleiß. Disziplin wird nicht als Synonym aufgeführt. In der Beschreibung findet sich mein Gedanke wieder, dass ich mich nur genügend anstrengen müsste:

So kann der gewünschte Erfolg alleine durch Fleiß erreicht werden und andere hochgeschätzte Fähigkeiten – wie „Talent“,  „Intelligenz““ oder „Wissen“ – in den Schatten stellen. Das Gegenteil von Fleiß ist „Faulheit“.

Also scheine ich ja Recht zu haben. Wenn ich nicht fleißig bin, bin ich faul und wenn ich den gewünschten Erfolg nicht erziele, muss ich fleißiger sein.

Dekonstruktion der negativen Haltung

Mein Widerstand hängt eng mit dem Pflichtgefühl von müssen zusammen.

Dabei arbeite ich durchaus sehr gerne. Ich liebe es mit meinen Klient*innen zusammen zu arbeiten. Ich liebe es Bücher zu schreiben.

Dann gibt es wiederum Aufgaben, die ich nicht gerne mache und das geht uns allen so. Den Begriff „fleißig“ verwende ich tatsächlich eher bei unangenehmen Aufgaben. „Ich habe fleißig aufgeräumt“, dann bin ich stolz auf das, was ich geschafft habe. „Ich habe fleißig beraten oder geschrieben“, sage ich nie, tue ich einfach.

Nochmal zur Duden-Definition

Was wäre denn, wenn unermüdlich tatsächlich eine Form des Arbeitens wäre, die nicht ermüdend ist. Wenn es darum ginge mit Freude ein Ziel zu verfolgen? Wenn die beharrliche Beschäftigung mit einer Sache Flow bedeutet?

Sich vertiefen, dran bleiben und ganz dabei aufgehen. Ich liebe dieses Gefühl. Es ist allerdings auch gefährlich, wenn es dazu führt, dass die Versorgung wichtiger Grundbedürfnisse, wie Trinken oder Essen außer Acht gelassen werden. Ich bin schon nach Stunden vom Stuhl aufgestanden und mein Kreislauf ist weggesackt.

Wie so oft kommt es auf das richtige Maß an, ein zu viel schadet. Fleiß ist kein Dauerzustand.

Ich mache schon viel richtig

Für mich ist es unvorstellbar 8 Stunden am Tag zu beraten. Das ist einer der Gründe, warum ich mich gegen den Weg zur Approbation entschieden habe. Um qualitative Beratung oder Therapie anzubieten, brauche ich längere Pausen zwischen den Terminen, das ist mit einem Kassensitz nicht umsetzbar.  Gute Arbeit ist das eine, meine eigene Gesundheit der andere Faktor. Das bedeutet nicht, dass ich faul wäre, weniger arbeite oder schlechter.

Ich arbeite so, wie es für mich gut funktioniert und achte dabei auf meine eigene Gesundheit.

Rekonstruktion einer Bedeutung von Fleiß für mich

Ich löse Fleiß von Disziplin und verbinde es mit den Begriff Fokus, der mich schon länger begleitet. Zielstrebig ist Teil der Definition. Strategie ist ein weiterer Aspekt, der mir bei Fleiß sinnvoll erscheint.

Ich kann auch ganz fleißig einer eintönigen Tätigkeit nachgehen und nach Stunden feststellen, dass es absolut sinnlos war und nicht zum Ziel geführt hat. Dann war ich nicht faul, aber auch nicht effektiv. Erschöpft wäre ich auf jeden Fall.

Für 2026 habe ich mir Ziele gesetzt, die ich gerne erreichen möchte und ich bin bereit dafür auch etwas zu tun. Dafür kann und möchte ich fleißig sein. Und zwar zu meinen Bedingungen.

  • Konzentriert unf fokussiert arbeiten.
  • Ausreichend Pausen machen, auf Abwechslung achten.
  • Flow genießen, ohne diesen zu übertreiben.
  • Regelmäßig inne halten, den Fokus prüfen.
  • Prüfen, ob das fleißige Treiben zum gewünschten Erfolg führt, oder es Anpassungen braucht.

Es geht mir in 2026 ums Umsetzen, mich nicht von Ängsten aufhalten zu lassen. Auch dazu passt Fleiß, auch wenn es nicht dasselbe ist. Mein Umsetzen geht mit Fleiß Hand in Hand, während an der anderen Hand die Angst eine Begleiterin ist, die es nicht nur schlecht mit mir meint.

Und in diesem Sinne habe ich mich in den letzten Tagen häufiger überrascht, dass ich abends dachte: Heute war ich sehr fleißig. Ich habe viel geschafft. Und das war ein gutes Gefühl von Zufriedenheit. Eine Versöhnung mit dem Begriff Fleiß.

Was bedeutet für dich Fleiß?

Ist es eher positiv oder negativ assoziiert?

Was wäre, wenn Fleiß, dein Wert des Jahres wäre?

Wenn du magst zieh dir auch einen Wert des Jahres von Beate auf Instagram.

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