Wenn Du alles verlierst … (Nacht der fallenden Sterne)

Die Nacht der fallenden Sterne - Jennifer Alice Jager

Die Nacht der fallenden Sterne – Jennifer Alice Jager

So sehr das Titelbild von Jennifer Alice Jagers Roman “Die Nacht der fallenden Sterne” auch glitzert, so düster ist die Geschichte. Zu schade, dass es aktuell nur als E-Book verfügbar ist, so schön ist das Cover.

Lunas Verlust

Zu Beginn der Geschichte lebt Luna im Palast, ihre beste Freundin ist ihre Dienerin, der sie zu helfen versucht. Denn das einfach Volk leidet Armut, während es im Palast reichlich Nahrung, Kleidung und anderes gibt. Doch schon bald darauf wird ihr Vater, der Herrscher gestürzt und Luna verliert alles: ihre Familie, ihr Zuhause, ihre Sicherheit. Sie muss fliehen …

Dies ist das erste, aber nicht letzte Mal, dass sie Verluste erleidet, aber ich will nicht zu viel verraten. Jennifer ist nicht zimperlich darin, was sie ihren Figuren zumutet. Bereits nach den ersten vier Kapitel stellte ich ihr die Frage, wie es ihr selbst beim Schreiben ging, während sie Lunas Schicksal besiegelte.

Ich leide natürlich mit meinen Protas und in dieser Story war es besonders hart, weil ich einfach nicht wusste, ob das ein gutes Ende nehmen kann… 

Wenn selbst die Autorin es nicht weiß …

Wenn Sterne zersplittern

Wir alle erleben Krisen, Verluste und Rückschläge. Wenn all das, was negativ auf uns hereinbricht zu viel wird, drohen wir daran zu zerbrechen.

Jennifer Alice Jager hat wundervolle Bilder für das “Zerbrechen” in ihrer Geschichte. Es ist eine Fantasy-Geschichte, was ihr märchenhafte Möglichkeitet bietet. Eine Stelle hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Das Zitat habe ich bereits auf meiner Facebookseite gepostet, um eine Diskussion anzuregen, leider erfolglos.

“Egal, wie stark jemand sein kann, jeder zerbricht, wenn er zu viel zu tragen hat. Und die wenigsten merken, wie sich die Risse langsam durch ihre eigene Seele ziehen, bis man nur noch aus Scherben besteht. Gerade die Menschen, die stark wirken, sind in Wahrheit oft nur ein Scherbenhaufen, versteckt hinter einer Maske, die sie selbst für ihr wahres Ich halten.”

Ist das die bittere Wahrheit?

Ich fürchte, es trifft auf sehr viele zu, aber ich glaube auch daran, dass es wirklich starke Menschen gibt, die viel erlebt haben, gestärkt daraus hervorgegangen sind und mit sich selbst im Reinen in ihrem Kern ein Diamant sind, geschliffen von den Erfahrungen, anstatt tiefe Risse zu bekommen und zu zerbrechen.

Ob Scherbenhaufen oder Diamant hängt auch von den Menschen um uns herum ab, also achtet auf einander, gemeinsam sind wir stärker!

Das Zitat steht etwa mittig im Buch, ob Luna nach all den Verlusten zerbricht oder dadurch stärker wird, zeigt sich im Laufe der Geschichte.

Die Splitter zusammenhalten

In der Psychologie spielen die Ressourcen eines Menschen eine wichtige Rolle. Was sind die Stärken des Betroffenen und wen gibt es im direkten Umfeld, der unterstützen kann, praktisch entlasten oder emotional stärken? Diese gilt es zu fördern und in der aktuellen Krise einzusetzen.

Das Böse

Es geht nicht nur um das Zerbrechen in der Geschichte, noch stärker im Vordergrund, da auch eng verbunden mit dem Zerbrechen, steht die Thematik um “das Böse”. Jennifer Alice Jager gibt dem Bösen viele Gesichter und verschiedene Farben. Viele ihrer Figuren scheinen auf den ersten Blick “die Bösen” zu sein, während Luna versucht den guten Weg zu finden. Es gelingt der Autorin besonders bei einem Charakter deutlich zu machen, wie er zu dem wurde, was er ist. In der Leserunde merkte ich, wie er den anderen sehr schnell sympathisch wurde, während ich noch skeptisch war und mit dem “Bad Boy” Klischee haderte, von dem ich aktuell ein wenig genervt bin.

Jennifer zeigt uns auf jeden Fall, wie wichtig es ist, nicht vorschnell zu urteilen. Wie sehr es sich lohnt, sich die ganze Geschichte eines Menschen anzuhören, um ihn zu verstehen. Ich war während des Lesens sehr gespannt, ob ich auch irgendwann Verständnis für “den Feind” haben würde …

Eine ganz besondere Konstellation von Gut gegen Böse hat sie in der Figur Raven geschaffen. Raven ist kein Mensch, sondern ein Diener der Mondkönigin. Die Geschichte der Mondkönigin will ich euch nicht verraten, sie ist zentral für die Geschichte. Entscheidend ist, dass die Einstellungen von Lund und Raven zueinander, geprägt von ihrem vermeintlichen Wissen übereinander, negativ ist. Die anderen sind die Bösen … Doch warum ist das so? Erneut gilt es, Geschichten zu erzählen und zu verstehen. Es geht hier nicht nur um Individuen, sondern um ganz unterschiedliche Lebewesen, die voneinander denken, die anderen seien schlecht, Raven hält die Menschen sogar für wertlos.

Lesevergnügen

Es steckt viel wunderbares in der Geschichte, doch von Lesevergnügen zu sprechen fällt mir schwer. Die Geschichte ist düster, auch wenn das Cover so wundervoll glitzert. Luna widerfährt wenig Gutes. Sie muss viel aushalten und die Leser mit ihr. Gelesen habe ich dies allerdings deutlich distanzierter als die anderen Geschichten von Jennifer Alice Jager. Ihr Schreibstil ist nach wie vor leicht und phantasievoll, vielleicht habe ich die Distanz auch selbst gewählt und mich nicht auf das Leid eingelassen, das kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Andere in der Leserunde litten mit Luna mit und haben die Geschichte mit großer Spannung verfolgt, während ich für meine Verhältnisse langsam gelesen habe, mir allerdings auch sehr viele Gedanken gemacht habe. Ich hätte das ein oder andere gerne ein wenig anders gehabt, mir etwas mehr Hoffnung gewünscht, weniger Enttäuschung und Grausamkeit, aber genau das macht diese Geschichte aus und anders hätte sie nicht funktioniert, schließlich geht es um das Zerbrechen, um Hoffnung, Vertrauen und Liebe.

Fazit

“Die Nacht der fallenden Sterne” liest sich wie ein düsteres Märchen. Wenn du solche Geschichten magst, wird dir diese bestimmt gefallen. Jennifer Alice Jager schreibt wirklich wunderbar!

Inzwischen habe ich schon mehrere Bücher von ihr gelesen:


Das Buch wurde mir über die Autorin vom Verlag für die Leserunde auf Facebook zur Verfügung gestellt.

Die Nacht der fallenden Sterne
Jennifer Alice Jager
Impress, Carlsen
ISBN 978-3-646-60414-6

kleiner Komet (Stephanie)

kleiner Komet (Stephanie)

Ich liebe Geschichten - fiktive wie Geschichten aus dem echten Leben. Als kleiner Komet tauche ich ein in verschiedene Welten und erzähle euch von meinen Abenteuern.

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