Und plötzlich war es ganz einfach …

lautet  der Schreibimpuls von Anna in der 39. Blognacht.

Das Gefühl kenne ich. Mir einen Kopf um Dinge zu machen, nicht anfangen und dann irgendwann ist es plötzlich alles ganz einfach, nämlich genau dann, wenn ich im Tun bin.

Eine konkrete Geschichte zu greifen fiel mir im ersten Moment schwer. Ich ließ meine Gedanken schwirren, spielte mit Worten und plötzlich …

Ich liebe es mit Worten zu spielen und habe bereits als Kind gerne Geschichten geschrieben. Vom eigenen Buch habe ich sehr früh geträumt und hart daran gearbeitet. Doch eines wollte mir nie gelingen, ein Buch zu Ende zu schreiben …

Es mag viele Gründe geben, woran es gelegen hat. Ein Buch zu Ende schreiben erschien mir irgendwann als ein Ding der Unmöglichkeit!

Komplexität und Planlosigkeit

Meine ersten kindlichen und jugendlichen Schreibversuche waren vor allem eins: planlos. Ich fing an zu schreiben, erlebte die Story mit meinen Figuren und empfand es selbst als spannend, was sie erleben würden.

Problematisch wurde es dann, wenn ich erfolgreich eine auswegslose Situation geschaffen hatte, aus der ich nicht mehr heraus kam.

Nicht mehr wissen, wie die Geschichte weiter gehen soll ist aber nicht unbedingt das hauptsächliche Problem gewesen, eher mich in der Geschichte selbst zu verlieren und keine Vorstellung von einem möglichen Ende zu haben, weder ein Ziel noch ein Kernproblem, welches gelöst werden sollte.

Ich schrieb um den Schreibens willen, liebte meine Figuren und erlebte mit ihnen Szene um Szene. Insofern war das Schreiben damals eigentlich auch ganz einfach, denn Seite um Seite füllte sich.

Später wurden die Geschichten dann komplexer, grundsätzlich als Mehrteiler angedacht und verschiedene Handlungsstränge oder Erzählebenen erdacht.

Komplexität ist mein Ding und diese zu reduzieren lerne ich seit meiner systemischen Ausbildung. Ganz ausmerzen mag ich sie nicht, denn sie hat eben auch ihren Reiz. Bei Romanen liebe und lobe ich Vielschichtigkeit und Komplexität, sie muss nur eben auch sauber zu Ende geführt und aufgelöst werden, ohne die Lesenden unterwegs völlig zu verwirren und verlieren.

Bevor ich mich jetzt hier in der Komplexität meiner Gedanken verliere, komme ich zurück zum Ausgangsthema.

Und plötzlich war es ganz einfach …

Es war irgendwann im Jahr 2005. Ich schrieb ein kleines Kinderbuch in mehrern Kapiteln zu Ende. „Der Teddy mit dem schiefen Ohr.“ An den Schreibprozess kann ich mich im Moment überhaupt nicht mehr erinnern, mehr an das was danach passiert ist.

In einem Kindergarten habe ich mit diesem Buch ein Projekt durchgeführt, die Kapitel vorgelesen und die Kinder dazu malen lassen. Hierzu gibt es wenige gedruckte und selbst mit Spirale gebundene Exemplare, erschienen 2006 mit den Zeichnungen der Kinder. Das Buch ist sogar lektoriert und leider trotzdem nicht 100% fehlerfrei.

Ich ging auf Verlagssuche, scheiterte allerdings.

Entmutigen ließ ich mich nicht.

Ein Kinderroman in 2 Wochen

2006 las ich regelmäßig den Newsletter des Uschtrinverlages, in dem über Ausschreibungen berichtet wurde. Die Ausschreibung zum Astrid-Lindgren-Preis begeisterte mich und ich wollte unbedingt etwas einreichen. Viel Zeit blieb mir nicht und so setzte ich mich dran.

Die Idee war da, die Deadline trug ebenfalls dazu bei, wie auch die Begrenzung der Länge des Manuskriptes. Ich glaubte an mich. Ich würde es schaffen und plötzlich war alles ganz einfach. Die Geschichte floß in die Tasten und war nach 2 Wochen beendet. Einfach so. Ich staunte sehr über mich, denn Komplexität hat diese allemal.

In den letzten Jahren habe ich mehrfach darüber nachgedacht, was ich aus dieser Geschichte mache und eines ist klar, ich muss mich den verschiedenen Themen darin widmen, sie zugleich reduzieren und dafür aber auch ausbauen. Dieses eine kleine Buch hat Potential für eine ganze Reihe. Ans Neuschreiben habe ich mich bisher noch nicht gewagt.

Eines weiß ich aber inzwischen: Ich kann ein Buch zu Ende schreiben.

Dazwischen kam ein Studium und eine Schreibpause.

Inzwischen habe ich mehre Buchprojekte in verschiedenen Stadien

Nachdem ich einmal raus hatte wie es geht, eine Geschichte auch zu Ende zu erzählen, fiel es mir leichter das zu wiederholen.

Mit jedem Schreibprojekt lerne ich dazu. Irgendwann komme ich vielleicht auch an den Punkt, an dem eine Veröffentlichung plötzlich ganz einfach ist … Hier stehe ich mir aktuell selbst im Weg mit guten Argumenten.

Die Komplexität begleitet mich nach wie vor und wurde bei meinem ersten großen Schreibprojekt nach dem Studium auch glattt wieder zum Verhängnis.

Projekt Elfenprinzessin ist allein in der Grundidee komplex, da es mehrere Hauptfiguren gibt und nach wie vor ungeklärt ist, wann und wie ich diese alle einführe … Es gibt Ideen.

Ich begann recht früh zu schreiben, liebte es und kam immer wieder an Fragen, die es zu beantworten galt. Namen bekamen Platzhalter, kein Problem. Doch gewisse Hintergrundinformationen waren essentiell, ebenso die Regeln der Magie …

Irgendwann legte ich das Projekt beiseite und sagte mir, ich schreibe erstmal etwas einfacheres, abgeschlossenes. Das war Komets Zeitreiseprojekt in seiner ersten Version …

Status: Band 1 ist inzwischen lektoriert und es gab mal einen konkreten Veröffentlichungplan, sogar eine Crowdfunding-Idee, die verworfen wurde … 

Aus dem Einzelband wurde dank meiner Lektorin eine Reihe, der zweite Band ist inzwischen geschrieben, weitere Bände grob geplant. In diesem ist unter anderem ein Handlungsstrang aus dem ersten Entwurf verarbeitet.

Und was wurde aus der Elfenprinzessin?

Schreiben ohne Veröffentlichungsabsicht

Die Elfenprinzessin brauchte eine Background Story. Ich musste in die Hintergründe eintauchen und das tat ich schreibend im NaNoWriMo. Zielsetzung dieser Aktion lautet: Schreibe im November 50.000 Worte.

Klingt unmöglich oder?

Ich habe nicht an mich geglaubt, wollte die Chance nutzen, um an der Hintergrundgeschichte zu schreiben.

Empfehlungen lauten, man müsse gute Vorarbeit leisten, einen Plan haben. Klingt nach mir, oder … nicht …

Ich schrieb drauf los mit einer groben Idee und es war plötzlich ganz einfach. Das Buch soll niemals veröffentlicht werden. Ich schrieb es für mich, um die Hintergründe zu verstehen und die eigentliche Reihe schreiben zu können.

Ein unglaublich schönes Schreiberlebnis, einmalig bisher und das ist ok.

Der erste Band von Projekt Elfenprinzessin ist inzwischen geschrieben. Es steckt noch viel Arbeit darin und vor allem wichtige Entscheidungen. Die Komplexität der Gesamtgeschichte ist ebenfalls grob strukturiert und es gibt verschiedene Möglichkeiten, sie weiter zu erzählen.

Es ist möglich

Das wäre meine Botschaft an dich mit diesem Blogbeitrag. Wenn du alle Bedenken mal beiseite lässt und dich auf das konzentrierst, was du wirklich möchtest, eröffnen sich dir verschiedene Wege.

Du darfst entscheiden, welchen Weg du gehst. Verliere dich bitte weder im Glauben, es sei unmöglich, noch im Tunnelblick, der dir die Sicht auf die Möglichkeiten versperrt.

Vielleicht ist es jetzt gerade schwierig. Das darf es sein. Möglicherweise wird es aber auch plötzlich ganz einfach.

Schritt für Schritt, geh deinen Weg, den Weg, den du gehen möchtest. Und unterwegs darfst jederzeit die Richtung ändern und deine Wünsche anpassesn.

Und wenn es ums Schreiben geht, nimm dir Annas Rat zu Herzen: Schreiben lernst du nur übers Schreiben. Komm in ihre Blognacht alle vier Wochen oder sei im Februar bei 28TageContent dabei, egal ob du Bloggerin bist oder ein Buch schreibst.

 

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Am liebsten schreibe ich intuitiv, meiner Kreativität folgend. Gleichzeitig liebe ich Schreibtechniken und Formate, um meiner Kreativität eine Struktur zu geben. Zeit mal zu schauen, welche Formate ich bereits nutze.