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Umgang mit Trauernden

Idylle und Ruhe am Laacher See

Lasst uns Zeit

Das ist ein Thema, das mir ganz besonders am Herzen liegt und das mit der Hauptgrund war, warum ich hier für euch schreibe:

Bitte lasst uns Zeit!!

Wir Trauernden hören häufig so Sätze wie:

"Jetzt hast Du sicher das Schlimmste überstanden“
"Du musst nach vorne blicken“
"Das Leben geht weiter“

und ja, auch ich habe – als ich noch ahnungslos war – so ähnlich gedacht und vielleicht auch Ähnliches gesagt.

Wir wissen, dass diese Sätze gut gemeint sind, aber nein, nach sechs Wochen ist noch nicht das Schlimmste überstanden. Da fing bei mir zum Beispiel die Trauer erst so richtig an. Bis dahin habe ich funktioniert, war eher betäubt. Hinzu kam bei mir, dass da zunächst ein Gefühl der Erleichterung war, Erleichterung, dass für meinen Mann das Leiden nun zu Ende war, Erleichterung, dass wir es geschafft haben diesen letzten Weg gut zusammen und gemeinsam mit der Familie gehen zu können. So hat dieses Gefühl die Trauer zunächst überdeckt. Sicher habe ich damit einige verwirrt. In den ersten Wochen konnte ich ganz ruhig über den Tod von Klaus reden, wenn mich jemand angesprochen hat. Wochen später kamen mir dann dabei jedes Mal die Tränen …

Hinzu kommt, dass man in dieser Situation zunächst irgendwie funktionieren muss. Es gibt ja soviel zu entscheiden und zu regeln, so dass man nicht wirklich zum Nachdenken kommt, nicht wirklich dazu kommt, sich seinen Gefühlen hinzugeben.

Leben im Ausnahmezustand

Und ja, ich habe schon mehrfach selber gedacht: „Jetzt ist das Schlimmste überstanden“ und dann hat mich die Trauer doch wieder eingeholt und war manchmal schlimmer als je zu vor. Nach einigen guten Tagen schlägt sie oft doppelt und dreifach zu. Sie ist unberechenbar. Gerade noch telefoniert und gesagt: „Es geht mir gut“, doch dann kommt ein Auslöser, der alles wieder hoch holt und die Tränen fließen lässt. Vorbei mit dem gut …

Früher gab es das Trauerjahr. Da wurde einem Trauernden selbstverständlich zugestanden, ein Jahr lang im Ausnahmezustand zu sein. Heute sollen wir am liebsten schon nach der Beerdigung wieder funktionieren. Doch nein, das geht nicht, der Ausnahmezustand bleibt. Unser Leben ist nicht mehr normal und wir sind es auch nicht, werden es noch ganz lange nicht sein und brauchen sogar sicher mehr als ein Jahr.

Trauern bringt uns weiter

Ja, das Leben geht weiter und das ist teilweise schlimm für uns. Denn unsere Welt steht gerade still, weil da ein Mensch, den wir geliebt haben, einfach nicht mehr da ist.
Wir wollen ja nach vorne blicken, doch das geht erst, wenn wir zurück geblickt haben, wenn wir das, was war, verarbeitet haben. Wir würden gerne wieder leben, lachen und die Trauer hinter uns lassen, aber Trauer ist Arbeit vor der man sich nicht drücken kann.
Ablenkung hilft immer mal kurzfristig um Kräfte zu sammeln, aber zu viel Ablenkung, die der Trauer keinen Raum lässt, schadet meiner Meinung nach eher.
Es gibt auch die Tage, da wollen wir gar keine Ablenkung, da können wir das nicht, da wollen wir in unserer Trauer sein und bleiben. Unsere Gefühle spüren, den Schmerz zulassen und vielleicht sogar hinaus schreien und dadurch merken, dass wir noch am leben sind. Dann lasst uns da! Denn auch das ist heilsam für uns.

Wir können vor der Trauer nicht fliehen, müssen uns ihr stellen und es ist dann schön, wenn es da Menschen im Umfeld gibt, die das akzeptieren können, die uns da abholen, wo wir gerade sind und die unser Gefühlschaos aushalten können. Damit helft ihr uns so sehr.

Weitere Gedanken zum Umgang mit Trauernden folgen in einem späteren Beitrag.

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