Wild Card ~ Nina Casement

„Wild Card“ habe ich über BoD kostenlos zugeschickt bekommen, nachdem ich von Nina Casement gefragt wurde, ob ich ihr Buch lesen möchte.

Wild Card ~ Nina Casement
Wild Card ~ Nina Casement

In der nahen Zukunft steht der Weltuntergang bevor. Ein Asteroid, der Bevölkerung von der Bevölkerung liebevoll Krishna genannt wird, soll mit der Erde kollidieren. Kore schafft es in einem Bunker ihrer Familie den Aufprall zu überleben. Doch die Erde ist nicht mehr dieselbe und von nun an kämpft Kore um jeden einzelnen Tag.

Zwei Zeitstränge erzählen die Geschichte von Kore, die sich tapfer ihren Weg durch die zerstörte Welt bahnt, auf der Suche nach Nahrung und anderen Überlebenden. Irgendwann hören die „Früher“-Abschnitte auf. Ganz sicher bin ich mir nicht, aber ich denke es liegt daran, dass alles Wichtige von früher erzählt worden ist und es zeitlich gesehen mit den „Heute“-Abschnitten am Anfang des Buches weiter geht.

Kore ist eine bemerkenswerte Protagonistin, die um ihr Leben kämpft und das auf einer völlig zerstörten Erde. Es war spannend mit ihr zusammen durch die Welt zu laufen und mitzufiebern, ob sie wohl genug Nahrung findet. Während der Reise hatte ich das Gefühl, dass ihre Emotionen und das, was mit ihrer Psyche passiert, sehr gut rübergebracht. Mehr als einmal habe ich mit ihr gelitten und gehofft, das alles gut gehen wird.

Die Sache mit dem Klopapier

Die Menschen wussten, dass ein Weltuntergang bevorstehen könnte und was machen Menschen in solchen Situationen? Hamsterkäufe! Ein winziger Mini-Spoiler an dieser Stelle – keine Sorge er spoilert nicht die Handlung an sich.

Kore berichtet von diesen Hamsterkäufen und in der Auflistung, was die Leute so einkaufen, fehlt das Wort „Klopapier“. Das hat mich schon sehr schockiert! Da Kore aus Deutschland kommt, hätte ich zumindest erwartet, dass Klopapier gehamstert wird. Wer jetzt genauso entsetzt ist, dass das Lieblingshamsterprodukt der Deutschen in der Corona Pandemie nicht ordentlich genug gewürdigt wird, keine Sorge ich versichere dir. Das Klopapier wird in meinen Augen noch genug gewürdigt. Durchhalten musst du dafür nur bis Seite 257/258.

Eine verdammt nahe Zukunft

Was ich erschreckend fand, war wie nah die gewählte Zukunft liegt. 2026 ist Kore auf dem Weg Richtung Spanien. Fun Fact: Kore und ich wären zum Zeitpunkt der Apokalypse gleicht alt. Bei mir hat das an manchen Stellen ein seltsames Gefühl ausgelöst und ich habe mich gefragt, ob ich an Kores Stelle genauso gut klarkommen würde. Spannend fand ich die Konsequenzen der modernen Technik. Im Zuge der Zerstörung sind zum einen alle Atomkraftwerke in die Luft gejagt worden, zum anderen gibt es keinen Strom und kein Internet mehr. All das Wissen, was online gespeichert wurde, steht in einem solchen Szenario nicht mehr zur Verfügung. Ein Leben ohne Internet ist heutzutage quasi gar nicht mehr erdenkbar. Um so interessanter habe ich Kores Reise empfunden, wie sie durch die Welt reist und ohne klarkommt.

♥♥♥

Die Geschichte ist spannend geschrieben und zu keinem Zeitpunkt wirklich langweilig. Kores Abenteuer hat mich an manchen Stellen zum Nachdenken gebracht. Ich finde es sehr gut gemacht, dass auf der Reise eben nicht alles glattläuft und alles in einem plausiblen Rahmen gehalten wurde. Das einzige, was ich als einen glücklichen halb unrealistischen Zufall empfunden habe, war der Weg, wie sie die Apokalypse überlebt hat, aber gut, irgendwie muss unsere Heldin ja überleben, damit ihre Überlebensgeschichte erzählt werden kann.

Kathi 

Wild Card – Ein postapokalyptischer Roadtrip
Nina Casement
erschienen 2020, BoD
ISBN: 9783752625226

Die Kunst des Überlebens #FantastischerLeseherbst 4

Der Mitreiser und die Überfliegerin – Mira Valentin

Erst einmal möchte ich Mira Valentin meinen größten Respekt aussprechen für den Discaimer, den sie zu Beginn ihres Romans „Der Mitreiser und die Überfliegerin“ gestellt hat. Sie warnt davor, es nicht in akuten eigenen Krisen zu lesen, da das Buch Trigger enthalten könnte. Dieser Autorin liegen ihre Leser am Herzen, auch ihre Figuren!

Der Mitreiser

An seinem siebten Geburtstag kommt es zu einem tragischen Unfall bei dem seine beste Freundin stirbt. Danach ist Milan nicht mehr derselbe fröhliche Junge. Er wäre am liebsten hinter Jo her gesprungen. Er überlebt, wird behandelt wegen Depressionen und selbstverletzendem Verhalten. Doch überleben ist nicht leicht, vor allem, wenn man geplagt von Schuldgefühlen ist.

Die Überfliegerin

Julie ist eine Zirkusartistin und Milans Lebensretterin. Sie war tatsächlich an jenem schicksalhaften Tag dort gewesen, sowie Monate später, als sie ihn einfach mit nimmt, als Mitreiser im Zirkus. Sie ist diejenige, die ihm dabei hilft einen Weg zurück ins Leben zu finden. Dabei macht sie es ihm nicht leicht, denn der Weg zurück ins Leben ist niemals leicht! Doch jemandem zur Seite zu haben, der einem zeigt, dass es sich zu kämpfen lohnt, ist eine unbezahlbare Hilfe.

Auch Julie selbst hat ihre Schwierigkeiten, keine leichte Vergangenheit, aber sie hat ihren Platz im Leben gefunden und eine unglaublich ansteckende Art, den Augenblick zu genießen. Bei lesen hatte ich eine Freundin vor Augen, ein kleiner Wirbelwind mit bunten Haaren. Die Charaktere haben sich für mich vermischt und strahlen für mich eines aus: Lebensfreude.

Dank der unglaublichen Überfliegerin kamen mir mehrfach beim Lesen die Tränen, nicht bei den traurigen Stellen, von denen es zahlreiche gibt, sondern bei den wunderschönen und glücklichen Stellen. Diese haben mich tief berührt. Das ist Mira Valentins Magie!

Reale Magie

Wir alle tragen Magie in uns. Kein Hokus-Pokus, sondern besondere Fähigkeiten. Manche von uns sind besonders einfühlsam, andere können gut mit Tieren, sind besonders geschickt, können wunderbare Geschichten erzählen wie Mira oder …

Diese Fähigkeiten machen uns einzigartig und lassen uns häufig auch von der „Norm“ abweichend erscheinen. Ist das schlimm? Nein, überhaupt nicht. Doch manchmal fühlt es sich so an, als wäre es nicht in Ordnung, als dürfe das nicht sein.

Doch es gibt eine Grenze zwischen „anders“ und „verrückt“. Ziel im Leben sollte immer sein, glücklich zu sein, sich selbst zu finden und niemals sich selbst oder andere zu verletzen.

Genau hierfür macht Mira Valentins Geschichte Mut. Sie nimmt den Mitreiser und uns mit auf eine Reise in die Welt des Zirkus, eine bunte schillernde Welt voller Magie. Und doch sind auch Zirkusleute nur Menschen, Menschen mit Sorgen und Problemen, sogar Menschen mit Vorurteilen gegenüber denjenigen außerhalb ihres Zirkusplatzes.

Fazit

Kennt ihr „Momo“ von Michael Ende? Mira Valentins „graue Männer“ sind die Vertreter.

Die Vertreter sind die Feinde der Magie, Menschen die alles regeln und absichern wollen. Dazu zählen nicht nur Versicherungsvertreter, auch Polizisten, Psychologen und viele andere. Doch es ist nicht der Beruf an sich, die diese Menschen zu Vertretern macht, es ist ihre Einstellung zum Leben. Der Mitreiser findet einen Versicherungsvertreter, der offen für Magie ist. Dies ist ein schöner kleiner Hoffnungsschimmer!

Zur Einstimmung, empfehle ich euch übrigens den Film „Spirit, der wilde Mustang“. Leider habe ich ihn selbst noch nicht gesehen, muss ich aber dringend nachholen.

Auch wenn Mira Valentin selbst davor warnt, die Geschichte in akuten Krisensituationen zu lesen, möchte ich es allen Menschen, die ebenfalls mit Gespenstern (ein wunderbares Bild für Depressionen /Psychosen) zu kämpfen haben, in stabilen(!) Situationen empfehlen, denn diese Geschichte kann auch Hoffnung geben. Hoffnung, dass auch nach einer schlimmen Krise wieder Glück folgen kann.

Das Leben ist niemals immer schön und niemals leicht, aber es ist lebenswert!

Das ist eine wunderbare Botschaft!

Ein Buch kann keine Therapie ersetzen, aber genau wie gute Freunde eine hilfreiche und gute Ergänzung darstellen.

Glückwunsch

Mit diesem Roman hat Mira Valentin zu Recht, wie ich finde, den Kindle Storyteller Preis gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!

Die Augsburger Allgemeine hat darüber einen sehr schönen Artikel verfasst.

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Der Mitreiser und die Überfliegerin
Mira Valentin
Self-Publisher
ISBN-13: 978-1521837337