Tote sind keine Heiligen

alter Friedhof in Paris

Heute möchte ich euch einfach nur ein paar Gedankenanregungen mit auf den Weg geben, ohne diese allzu weit auszuführen.

Nur Gutes reden über Verstorbene

Ist euch auch schonmal aufgefallen, dass über Verstorbene meist nur Gutes gesagt wird?

Ja, es gibt diesen Spruch, dass man über Tote nicht schlecht reden soll, aber es geht ja nicht um das schlecht reden, es geht darum, den Verstorbenen auch im Nachhinein mit all seinen Fehlern und Schwächen anzunehmen.
Sich so an ihn zu erinnern, wie er wirklich war.

Auch an Fehler und Schwächen erinnern

Heilige werden verehrt und auf einen Sockel gestellt. Unsere Verstorbenen gehören aber nicht auf einen Sockel, sie sollen einen Platz in unserem Herzen behalten, menschlich, so wie sie waren und nicht als idealisierte Erinnerung. Wir haben sie doch mit oder trotz ihrer Fehler geliebt!

So finde ich es vollkommen in Ordnung, wenn jemand in einer plötzlichen Erinnerung sagt: „Ja, der Klaus konnte schon manchmal stur sein.“ Konnte er und das zu hören, ist kein Grund auf die Barrikaden zu gehen.

Wenn man den Toten idealisiert und sich nur noch die schönen Seiten vor Augen hält, macht man es sich doch irgendwo noch zusätzlich schwer. Auch in der Trauer sollte man ehrlich sein.

Es gibt da auch die Seiten und Situationen, die man eher nicht so vermisst und das ist in Ordnung. Wir sind keine Heiligen und unsere Herzensmenschen waren es auch nicht.

Die scheinbar perfekte Ehe

Oft hat man das Gefühl alle Ehen von Witwen/Witwern waren absolut perfekt. Wobei sich gleichzeitig natürlich die Frage stellt, was eine perfekte Ehe ausmacht …

Nein, ich stehe dazu. Klaus und ich, wir hatten zwar eine gute Ehe, aber es gab durchaus Dinge, die besser hätten laufen können und es hilft auch darüber zu sprechen!

Es hilft zu sagen, schade, dass uns die Nähe, die wir in den letzten 15 Monaten hatten, vorher im Alltag etwas verloren gegangen war. Auch das ist eine Trauer, die verarbeitet werden muss.

Da gibt es sicher auch Situationen, in denen man selber als Ehepartner heute rückblickend lieber anders gehandelt hätte. Da gibt es dieses ab und zu aufkommende schlechte Gewissen und auch damit muss man sich auseinander setzen, kann das nicht einfach unter den Teppich kehren.

Sich und dem anderen verzeihen

Man darf das ehrlich so empfinden, darf sich erinnern, aber dann sollte man sich und dem Verstorbenen vergeben und das liebevoll hinter sich lassen. Ändern kann man nichts mehr, also muss man damit leben. Immer wieder darüber grübeln hilft nichts.

Sollte man nicht davon loskommen, hilft vielleicht die Übung mit dem Brief.