Sonntagsgeschichte Kapitel 74 – Die Suche

Das erste Kapitel findest du hier, du kannst auch von Kapitel zu Kapitel blättern.
letztes Kapitel

Blogroman Sonntagsgeschichte Die Suche

Als Josephine den Kindergarten mittags verließ sah sie Jennys Auto wenige Meter entfernt am Straßenrand stehen. Sie saß am Steuer, neben ihr eine hibbelige Sarah und hinten stieg gerade Sven aus, um sie zu begrüßen. Er küsste sie flüchtig zur Begrüßung. „Unser Schneewittchen ist das reinste Nervenbündel, lassen wir sie lieber nicht warten“, flüsterte er ihr ins Ohr. Sie nickte und beeilte sich einzusteigen. „Hallo ihr zwei“, begrüßte sie Sarah und Jenny, die los fuhr, sobald die Türen wieder geschlossen waren.

Sven grinste Josephine an und nahm ihre Hand. Sie grinste zurück und sie hielten schweigend Händchen, während Sarah vorne wie ein Wasserfall redete. Ohne Zusammenhang und durcheinander teilte sie ihnen Erinnerungen an ihren Prinzen mit, so wie ihre Sorgen, ihn nicht zu finden. Dann wiederum war sie sich ganz sicher, dass niemand außer ihr ihn finden können würde.

„Die Kraft der Liebe“, machte Jenny ihr Mut. Sie parkte vor Lukas Haus. Tante Lore kam ihnen bereits entgegen. Josephine atmete erleichtert auf, sie würden sich nicht lange bei Lukas aufhalten, sondern direkt aufbrechen. Die arme Sarah hätte keine weitere Verzögerung verkraftet. Dann kam Lukas heraus, ignorierte alle anderen und schloss Sarah in seine Arme. Josephine und Sven tauschten einen erstaunten Blick, denn Sarah entspannte sich sichtlich. Sie hätten das nicht für möglich gehalten. Als Lukas Sarah los ließ, sagte er nur kurz „Hi Leute“, mehr nicht. Er hielt ihre Hand und als auch Loreley aus dem Haus kam und die Haustür hinter sich schloss, machten sie sich auf den Weg. Lukas ging mit Sarah an der Hand voran.

Sie kannten den Weg zur Lieblingsstelle von Lars, die Marie ihnen beschrieben hatte. Mit neuer Hoffnung näherten sie sich dem kleinen Steinkreis. Sarah hockte sich hin und strich über die Steine. „Ich kann seine Aura spüren, er war oft hier.“ Die anderen bildeten einen Kreis um sie herum und warteten schweigend ab. Alle, bis auf Lukas. Er hockte sich Sarah gegenüber. Noch immer schweigend war er einfach nur bei ihr.

In diesem Moment erkannte Josephine, dass es bei Seelengefährten nicht nur darum ging, sich ähnlich zu sein, manchmal brauchte es einen Gegenpol. Lukas gelang es Sarah zu erden, zu beruhigen. Mit geschlossenen Augen hockte Schneewittchen auf dem Waldboden, fühlte die Aura ihres geliebten Prinzen, Tränen flossen ihr über die Wangen. Sie wusste nicht weiter, wusste nicht, wohin sie die Spur führen sollte. Lukas beugte sich langsam nach vorne und griff nach ihren Händen. Sie ließ es geschehen.

Josephine hielt den Atmen an und griff nach Svens Hand. Dieser drückte ihre und nahm seine Schwester an die andere. So schlossen sie mit Loreley und Lore einen Kreis um Lukas und Jenny. Dann geschah es. Ohne viel Spektakel. Nur ein sanftes Flimmern. Sie befanden sich noch immer im Wald. Standen im Kreis um Lukas und Sarah. Doch etwas war anders. Neben ihnen stand eine steinerne Statue. Sarah sprang auf und rief: „Mein Prinz!“

***

nächstes Kapitel

Der suchende Hase

Es war einmal ein Hase. Der Hase reiste viel durch die Welt. Die ganze Zeit war er auf der Suche nach etwas, aber er wusste nicht wonach. Eines Tages traf der Hase auf eine Prinzessin. Sie sah unendlich traurig aus. Der Hase dachte, dass Prinzessinnen immer glücklich und fröhlich sein müssten. Diese war aber alles andere als eine typische Prinzessin und da der Hase es nicht ertrug die Prinzessin so traurig zu sehen, nahm er sie mit auf seine Reisen.

Er hoffte, wenn die Prinzessin die schönen Dinge der Welt sähe, würde sie fröhlicher werden. Es machte ihn glücklich zu sehen, wie die Prinzessin immer öfter lächelte und glücklicher wirkte. Aber eines Tages war die Prinzessin verschwunden. Der Hase fragte sich, wo sie nur hin verschwunden sei. Drei Tage und drei Nächte wartete er, aber sie kam nicht wieder. Er glaubte daran, dass die Prinzessin ohne ihn besser dran sei und so zog er ohne sie weiter. Ein Jahr verging bis er seine Prinzessin wieder traf. Es war eiskalt in dem Ort und alles war mit Schnee bedeckt. Dachte der Hase damals schon, dass seine Prinzessin jämmerlich aussah so übertraf dieser Anblick alles. Doch ihre Augen strahlten einen Zorn aus, die dem Hasen fast Angst machte. Die Prinzessin war wütend und schrie den Hasen an, warum er sie verlassen hätte. Der Hase war so erschrocken über den Zorn der Prinzessin, dass er schnell das Weite suchte. Im Wald traf der Hase auf eine gute Fee. Sie bot dem Hasen ihre Hilfe an, doch der Hase lehnte ab. Ihm sei nicht mehr zu helfen, erklärte er der Fee. Doch die Fee lächelte nur und schenkte dem Hasen eine Rose. Der Hase dachte die Fee sei verrückt, was sollte er denn mit einer Rose anfangen? So ließ er die Rose im Schnee liegen und zog weiter. Es vergingen erneut einige Monate bis der Hase wieder in dem Ort ankam, wo er die Prinzessin zuletzt getroffen hatte. Er hörte die Leute flüstern, dass es der Prinzessin sehr schlecht ginge. In Sorge um die Prinzessin eilte der Hase schnell zu ihr. Sie sah sehr blass aus und als sie den Hasen sah, fing sie an zu weinen. In ihrer Hand hielt sie eine Rose, eine Rose, die dem Hasen sehr bekannt vorkam. Es war die Rose der guten Fee. „Du hattest mich damals nicht alleine gelassen, oder“?, fragte die Prinzessin. Der Hase schüttelte den Kopf. „Die Rose hat es mir erzählt, aber als ich es verstanden hatte, warst du schon längst weg.“

Der Hase begriff an diesem Tag, dass alles was er je gesucht hatte, bei der Prinzessin war und er verstand, die Prinzessin hatte auch nach ihm gesucht. Und wenn sie nicht gestorben (oder getaut) sind so leben beide noch heute glücklich miteinander.

(c) by Kathi