Sonntagsgeschichte Kapielt 59 – Nicht Sven

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Blogroman Sonntagsgeschichte Kapitel 59

Während die kleine Marie Sven von oben bis unten musterte, wollte er am liebsten weglaufen, so unwohl fühlte er sich. Er wollte sie fragen, was sie meinte, wen sie meinte, warum sie ihn so anstarrte. So viele Fragen und er brachte kein Wort heraus. Josephine brauchte ebenfalls einen Moment. Jenny dagegen schwang sich über den Zaun und hockte sich neben die beiden Mädchen. „Hallo ihr zwei“, grüßte sie freundlich. Ihre Stimme klang dabei so locker, als würde sie gerade einfach nur zwei Kinder kennen lernen. „Ich bin Jenny und das ist mein Bruder Sven. Wir waren gerade mit Josephine spazieren. Sie hat euch gesehen und erzählt, dass sie euch aus dem Kindergarten kennt.“

„Ja“, strahlte Nora. „Jophine kommt immer in unseren Kindergarten und erzählt uns Märchen.“ Dann fällt ihr ein, dass sie sich ebenfalls vorstellen sollte. „Ich heiße Nora.“ Dabei hielt sie Jenny wohlerzogen die Hand hin. Jenny lächelte und schüttelte ihr die Hand. „Freut mich, dich kennen zu lernen, Nora.“

Anschließend stupste Nora ihre Freundin an. „Mensch Marie, sei nicht so unfreundlich.“ Doch Marie konnte ihren Blick einfach nicht von Sven lösen. „Du siehst genau so aus wie er“, hauchte sie nahezu stimmlos. Doch Jenny, die immer noch neben den Mädchen hockte, verstand sie. „Wie wer sieht er denn aus? Sven ist mein Bruder, einen Zwilling hat er nicht. Seinen Doppelgänger würde ich gerne kennen lernen.“ Dabei versuchte sie zu lachen, aber so locker war Jenny dann doch nicht.

„Wer sind Sie denn?“, erklang eine skeptische Frauenstimme hinter den Kindern. Maries Mutter war von der Bank aufgestanden und hergekommen, um zu sehen, mit welchen Fremden die Mädchen da sprachen.

„Guten Tag Frau Waldhorn“, grüßte Josephine höflich, froh endlich ihre Stimmer wieder gefunden zu haben. „Mama“, auch Marie sprach wieder und wandte sich endlich von Sven ab, der erleichtert aufatmete. „Das ist Jophine, aus dem Kindergarten.“

„Aha“, antwortete Frau Waldhorn noch immer ein wenig skeptisch. Sie musterte die drei jungen Leute und ihr Blick blieb an Sven hängen. „Irgendwie kommen Sie mir bekannt vor“, überlegte sie. „Er sieht aus wie Lars“, erklärte Marie und ihre Mutter nickte zustimmend.

Jenny und ihr Bruder warfen sich einen hoffnungsvollen Blick zu, während Josephine Svens Hand nahm. Sie waren der Lösung ihres großen Rätsels ein Stück näher gekommen. War dieser Lars möglicherweise derjenige, den sie suchten. Fanden sie ihn, bevor sie richtig begonnen hatten zu suchen.

„Du kennst tatsächlich jemanden, der aussieht wie mein Bruder?“, erneut war es Jenny, der es gelang das Gespräch zu führen. Marie nickte eifrig. „Du hast Recht“, stimmte Frau Waldhorn ihrer Tochter zu. „Ihr beide könntet Zwillinge sein.“

„Das ist ja lustig“, bemühte Sven sich zu sagen, doch er klang leider wenig amüsiert. „Wer ist denn Lars?“, erkundigte sich Josephine. Für Nora war das Gespräch schrecklich langweilig. Sie kannte Lars nicht und zupfte schon eine Weile an Maries Arm. Schließlich gab die Freundin nach und die Mädchen liefen davon, um erneut auf das Klettergerüst zu klettern.

„Lars ist mein Neffe, eigentlich nicht mein leiblicher Neffe. Die Geschichte ist etwas komplizierter. Wartet einen Augenblick, ich glaube ich habe ein Foto von ihm auf meinem Smartphone. Es ist kaum zu glauben, wie ähnlich ihr euch sieht.“ Noch einmal musterte sie Sven, dann lief sie zu ihrer Handtasche, die noch immer auf der Bank stand.

„Wir müssen diesen Lars treffen“, sagte Sven. Ihm war noch immer unheimlich zu Mute. Seine Freundin drückte ihm liebevoll die Hand, auch sie war aufgeregt.

„Schaut mal“, sprach Frau Waldhorn Ihnen das Handy hinhaltend. Es war für Sven als sähe er ein Foto von sich und doch war er es nicht. Der junge Mann auf dem Bild trug das Haar ein wenig anders, aber sonst hätten sie tatsächlich Zwillinge sein können.

„Das ist wirklich ein unglaublicher Zufall. Den Doppelgänger meines Bruders würde ich zu gerne kennen lernen. Meinen Sie, dass wäre möglich?“, stellte Jenny die Frage, die allen dreien am dringendsten war.

„Ich weiß nicht“, überlegte Frau Waldhorn. „Also, mein Bruder wohnt nicht weit von hier im Vorgebirge, aber Lars ist im Moment nicht da.“

***
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Sonntagsgeschichte Kapitel 58 – Ein seltsamer Mann

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Sonntagsgeschichte Kapitel 58 Blogroman

Auch wenn sie es selbst vorgeschlagen hatte, fühlte Josephine sich unwohl, während sie sich mit Jenny und Sven dem Spielplatz näherte. Sie brauchten nur ein paar Straßen zu gehen, bis das Lachen spielender Kinder ihnen entgegen schallte. Würde Marie auch dort sein? Wie würde sie auf Sven reagieren? Wie war es überhaupt möglich, dass ein so kleines Mädchen, so unglaublich gut malen konnte? So gut, dass sie ihren eigenen Freund auf dem Bild zu erkennen glaubte? Gar nicht! Wahrscheinlich spielte ihre Phantasie ihr nur einen Streich.

Gerade als sie die anderen aufhalten und zum Umkehren bewegen wollte, erreichten sie den Zaun des Spielplatzes. Marie war tatsächlich dort. Sie hockte zusammen mit ihrer besten Freundin Nora oben auf dem Klettergerüst. Fröhlich winkten beide Mädchen ihr zu. Zum Umkehren war es zu spät. Sven und Jenny lehnten sich lässig an den Zaun und beobachteten die spielenden Kinder. „Hier haben wir früher auch oft gespielt“, erinnerte sich Jenny. „So lange ist das gar nicht her“, zog Sven seine Schwester auf. „Stimmt“, lachte sie. „Ist noch nicht lange her, dass ich auf meinen kleinen Bruder hier aufpassen musste.“

Während die beiden sich kabelten kam ein Mann an den Zaun. „Was treibt ihr hier?“, schimpfte er. „Zum Spielen seid ihr zu alt. Eltern seid ihr auch keine. Also verschwindet!“

„Wir stehen doch nur hier“, versuchte Sven ihm zu widersprechen. „Papperlapapp, nur stehen. Das sagen sie alle. Und dann, wenn ich nicht aufpasse, entführt ihr eines der Kinder.“ Sven starrte ihn nur fassungslos an.

„Herr Wolf, was treiben Sie denn schon wieder auf dem Spielplatz“, erklang eine strenge Stimme hinter ihnen, ein Polizist. „Hatten wir Ihnen nicht ausdrücklich untersagt, sich hier aufzuhalten?“ Dabei ging er um den Zaun herum und packte den älteren Herren sanft am Arm, um ihn fort zu führen.

„Jawohl, Herr Wachtmeister. Doch ich komme meiner Bürgerpflicht nach und passe auf die Kinder auf. Nehmen Sie mal lieber diese jungen Leute hier fest, die stehen hier rum und suchen nach ihrem nächsten Opfer.“

Josephine wollte zu einer Erklärung ansetzen, aber der Polizist schüttelte nur den Kopf. Sie verstand und schwieg, während sich die Geschwister einen wissenden Blick zuwarfen. Offenbar kannten sie den Polizisten oder Herrn Wolf.

„Habt noch einen schönen Nachmittag“, grüßte der Polizist zum Abschied. „Ihnen einen ruhigen Dienst, Herr Michels“, verabschiedete sich Jenny. Also den Polizisten, dachte Josephine.

„Jophine“, riefen zwei Kinderstimmen fröhlich. Marie und Nora waren vom Klettergerüst herunter geklettert und kamen zum Zaun gelaufen. „Was machst du denn hier?“, freute sich Nora, während Marie Sven von oben bis unten musterte. „Du siehst aus wie er“, erklärte sie, „aber du bist es nicht.“

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