35. Buch: J.D. Salinger, Der Fänger im Roggen

Der Fänger im Roggen ~ J.D. Salinger
Der Fänger im Roggen ~ J.D. Salinger

Das Buch schildert in der Ich-Form wenige Tage aus dem Leben des 16-jährigen Holden Caulfield. Wir lernen ihn kurz vor Weihnachten kennen als er gerade (mal wieder) von der Schule geflogen ist. Seine Eltern erwarten ihn erst in wenigen Tagen, aber da er es in der Schule unerträglich findet, verlässt er diese schon früher und begibt sich nach New York – ohne wirklichen Plan wie er dort die Zeit überbrücken soll. Er nimmt sich zunächst ein Hotelzimmer und lässt sich dort von dem Fahrstuhlführer zum Buchen einer Prostituierten überreden was ihm Ärger einhandelt ohne dass er, der in dieser Beziehung noch unerfahren ist, mit ihr sexuellen Verkehr hat.

Er ist auf der Suche nach Nähe und Zuwendung und schleicht sich schließlich in die elterliche Wohnung um seine kleine Schwester Phoebe zu treffen, die er sehr liebt. Diese reagiert aber sauer, weil sie Angst hat, dass sein Vater ihn wegen des erneuten Schulverweises umbringt. Zum Ende hin macht sie ihn aber glücklich als er ihr patschnass beim Karrusselfahren zusieht, er ist glücklich einfach nur, weil sie so verdammt nett aussieht, wie sie da immer im Kreis fährt.

Gott, ich wünschte, ihr hättet auch da sein können.

Der Fänger im Roggen, J.D. Salinger

Damit enden die wenigen Tage. Es folgt noch ein kurzes Kapitel, in dem wir erfahren, dass er danach wohl heim gegangen, krank geworden ist und sich bei einem Psychoanalytiker in einem Sanatorium befindet. Er will nichts mehr erzählen, verrät uns aber noch, dass er alle vermisst. Das Buch endet mit dem Rat:

Erzählt nie einem was. Denn sonst vermisst ihr alle mit der Zeit.

Der Fänger im Roggen ~ J.D. Salinger

Meine Meinung

Das Buch beginnt mit dem Satz:

Wenn ihr das wirklich hören wollt, dann wollt ihr wahrscheinlich als Erstes wissen, wo ich geboren bin und wie meine miese Kindheit war und was meine Eltern getan haben und so, bevor sie mich kriegten, und den ganzen David-Copperfield-Mist, aber eigentlich ist mir gar nicht danach, wenn ihr`s genau wissen wollt.

Der Fänger im Roggen, J.D. Salinger

Und ich denke ok, das wird interessant, ein Buch in Jugendsprache. Aber die wird – was mich stört – nicht konsequent durchgezogen. Vielleicht wäre es dann aber auch tatsächlich zu anstrengend zum Lesen. Nur so empfinde ich es irgendwie als unstimmig. Wir erfahren viel über Holden, beginnend mit der Liebe und Bewunderung zu seinen Brüdern wovon einer verstorben ist und der andere „jede Menge Kohle hat“, die er beim Filmen in Hollywood verdient. Und später kommt die Liebe zu seiner kleinen Schwester dazu.

Die wenigen Tage, die wir ihn begleiten werden sehr detailliert geschildert und ich kann meist gut nachempfinden wie es ihm geht. Er hat mir fast durchgehend leid getan.

Der Bezug zum Titel kommt nur an zwei Stellen im Buch zum Tragen. Auf Seite 151 als er einen kleinen Jungen beobachtet, den er klasse findet.

Er sang das Lied „Wenn einer einen fängt, der durch den Roggen kommt“.

Der Fänger im Roggen, J.D. Salinger

Er freut sich über den Kleinen und es geht ihm gleich besser. Und ein zweites Mal auf Seite 220 als seine kleine Schwester, die genervt ist, weil er alles scheinbar nur negativ sieht, von ihm nur eine einzige Sache wissen will, die ihm gefällt.

Du kennst doch das Lied >Wenn einer einen fängt, der durch den Roggen kommt< (…) Ich wär einfach der Fänger im Roggen und so. Ich weiß, es ist verrückt, aber das ist das Einzige, das ich richtig gern wäre.

Der Fänger im Roggen, J.D. Salinger

Holden ist zwar ein seltsamer Typ, aber irgendwie auch ein liebenswerter, gutmütiger Junge und man ist gerne mit ihm unterwegs. Das Buch ist anders, aber es hat mir gefallen.

Nachbemerkung

Ein absolut lustiger Zufall. Das Buch, das ich danach gelesen habe war: „Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ von Lilly Lindner und in diesem Buch wird Bezug genommen auf den Fänger im Roggen!

Es geht in dem Buch um zwei Schwestern, die sich sehr nahe stehen. Eine davon liegt wegen Magersucht in der Klinik, die Jüngere schreibt ihr unzählige Briefe. In einem der Briefe geht es um die Namen der beiden Mädchen. Phoebe war eifersüchtig, weil ihre große Schwester ihrer Meinung nach den schöneren Namen hat. Sie heißt April nach dem Lieblingsmonat ihrer Mutter, nach dem Monat in dem das Wetter sich austobt und manchmal sogar Tränen lacht, während sie selber nur den Namen von dem kleinen Mädchen aus Papas Lieblingsbuch hat. Nach einiger Zeit liest April das Buch und erklärt ihr, dass sie, Phoebe, den schöneren Namen habe.

Weißt du eigentlich, dass du deinen Namen aus einem der größten Bücher hast? (…) Du hast einen Namen, den Menschen mit viel mehr verbinden als nur mit Frühlingsblumen und Sonnenschein. Du bist voll von Geschichten.

Ein sehr rührendes, liebens- und absolut lesenswertes Buch, ein Buch bei dem die Gefühle Achterbahn spielen. Ich habe selten bei einem Buch so herzhaft gelacht und kurz drauf so bitterlich geweint.


Der Fänger im Roggen
J.D. Salinger
Deutsch von Eike Schönfeld
rororo Taschenbuch
ISBN 978-3-499-23539-9

Benefizlesung zu kleinen und großen Abschieden – Federleicht

Pantheon Theater Bonn

Pantheon Theater Bonn

Ich liebe spontane Aktionen, vor allem, wenn meine Freundin Ute mit schreibt: „Ich habe für heute Abend noch eine Karte, kommst du mit.“ So ging es mir erst neulich, als wir zusammen im inklusiven Theater bei „Leonce und Lena“ waren. Diesmal ging es zu einer Lesung und ich hatte überhaupt keine Idee, was und vor allem wer mich da erwartete. Auch das Pantheon habe ich noch nie besucht, kannte lediglich den alten Saal der Schauspielhalle Beuel.

Christine Westermann las am 11.06.2018 im Pantheon aus ihrem Buch „Manchmal ist es federleicht – Von kleinen und großen Abschieden“.

Benefiz-Lesung

Die Lesung im Pantheon fand zugunsten des Vereins „Bonn Lighthouse“ statt. Darf ich sagen, dass ich diesen Verein ein kleines bisschen kenne? Auch die Benefizlesung von Wolf Küper zu “ Eine Millionen Minuten“ wurde u.a. für Bonn Lighthouse veranstaltet. Damals hatte mich begeistert, wie drei Organisationen/ Vereine gemeinsam eine tolle Veranstaltung auf die Beine stellen konnten, sich gegenseitig unterstützten ohne sich als Konkurrenz im Kampf um Spendengelder zu sehen. Diesmal agierte Bonn Lighthouse alleine und wie ich hörte, zögerte Christine Westermann nicht eine Sekunde, sondern sagte sofort zu.

Bonn Lighthouse ist ein Verein für Hospizarbeit. Das Angebot ist vielfältig und unheimlich wichtig. Ein Verein, der durch ehrenamtliches Engagement lebt und auf Spenden angewiesen ist. Menschen, die andere Menschen in ihrem Abschied begleiten.

Christine Westermann auf der Benefizlesung im Pantheon - Foto: Ute Schulze

Christine Westermann auf der Benefizlesung im Pantheon – Foto: Ute Schulze

Christine Westermann – Na, wer kennt diese Frau genauso wenig wie ich?

Korrigiere: ich weiß ja inzwischen ein bisschen etwas über sie. Davon erzähle ich euch gerne weiter. Für ausführliche Fakten verweise ich auf die Webseite der vielfältigen Dame und das Buch, aus dem sie gelesen hat. Sie ist Journalistin, Moderatorin und Autorin, bekannt aus Radio und Fernsehen, insbesondere aus der Sendung „Zimmer Frei“, die 20 Jahre lief.

Wie der attraktive Orthopäde ihr am Morgen der Lesung bestätigte, ist sie 69,6 Jahre alt. Der Mann muss wohl ein ganz schöner „Schuss“ gewesen sein. Christine Westermann war dies auch einmal, wie ihr kürzlich erst ein alter Freund bestätigte, den sie mehrere Jahre nicht mehr gesehen hatte.

Sie hat mir einiges an Lebenserfahrung voraus, einiges davon in ihrem Buch verarbeitet und mich mit einigen dieser Erfahrungen tief berührt und nachdenklich gestimmt. Als sie über ihr Unvermögen Verpackungen zu öffnen erzählte, erinnerte sie mich an meine Oma. Ich glaube beide Damen wären wunderbar geeignete Produkttesterinnen für das Öffnen von Verpackungen. Diese Empfehlung hat auf jeden Fall der Mann, der Christine Westermann „liebt und auch geheiratet hat“ ausgesprochen. Ein Produkt, welches sie öffnen könne, sei ein gutes Produkt, oder so ähnlich. Meiner Oma habe ich als Kind oft einen „Kursus fürs Öffnen von Verpackungen“ vorgeschlagen. (Woher auch immer ich das merkwürdige Wort Kursus hatte).

Manchmal ist es federleicht …

In der Buchhandlung ist da Buch „Manchmal ist es federleicht – Von kleinen und großen Abschieden“ in der Ratgeber-Abteilung zu finden. Doch Frau Westermann ist da ganz eindeutig:

Es ist kein Ratgeber, ich kann Ihnen nicht sagen, wie Sie Abschied nehmen können. Ich kann Ihnen nur erzählen, was ich erlebt habe. (…) Vor dem einen großen Abschied habe ich genauso Angst wie Sie. (frei aus dem Gedächtnis zitiert)

Es ist eine Sammlung verschiedener Geschichten von großen und kleinen Abschieden aus dem Leben von Christine Westermann. Abschiede von Menschen, Abschiede von Gegenständen oder Orten. Erzählungen aus dem Leben, sehr persönlich mit viel Gefühl. Wir haben während der Lesung viel gelacht und mir standen auch Tränen in den Augen, dazu später mehr. Ihre Geschichten können inspirieren, zum nachdenken anregen. In dieser Absicht stimmen wir beide wunderbar überein, auch wenn mir ihre Lebenserfahrung und Weitsicht noch fehlen.

Über den Titel hat Christine Westermann lange mit dem Verlag diskutiert. Sie wollte unbedingt das Wort Abschied mit drin haben. Doch die „Menschen, die vom Marketing Ahnung haben“ rieten davon ab. Abschied sei zu schnell mit dem Tod assoziiert. Auch mir ging es so, als ich mich über die Lesung informierte, nachdem ich bereits zugesagt hatte. Doch ihr geht es anders und sie wollte das Wort „Abschied“ unbedingt mit im Titel haben. Abschiede seien manchmal federleicht und so ergab sich endlich ein passender Titel mit „federleicht“ am Anfang und dem „Abschied“ am Ende. Ihre Sprechweise ist auf jeden Fall wunderbar „federleicht“.

Erst als ich diesen Beitrag schreibe, fällt mir auf, dass das Buch im KiWi Verlag erschienen ist, dem Verlag, den ich erst am Samstag auf der LitBlog Convention (#lbc18) in Köln kennen gelernt habe. Bisher habe ich ihn einfach nicht bewusst wahrgenommen. Wäre ich nicht spontan auf der Lesung gewesen, wäre heute vielleicht der Beitrag zur LBC erschienen … Zufälle gibt es.

… von kleinen und großen Abschieden

Schon früh hat Christine Westermann ihren Vater verloren. Sie war erst 13 Jahre alt, als er starb. Zuvor hatte sie bereits von ihm Abschied nehmen müssen, als sich ihre Eltern scheiden ließen. Der Vater selbst nahm einst Abschied von der DDR, floh nach Westberlin und hatte dabei lediglich eine Aktentasche dabei.

Die junge Christine Westermann ging für zehn Jahre nach San Francisco, lagerte ihren Besitz bei verschiedenen Freunden ein und nahm nur wenig mit. Zwei Kaffeebecher und ein Buch. Warum die Kaffeebecher mit mussten, weiß sie nicht mehr. Welches Buch es war, erzählte sie später und es passte einiges so wunderbar zusammen. Ich glaube diese Frau, weiß ganz genau, welche Dinge und Menschen ihr persönlich wichtig sind und hat eine unglaubliche Fähigkeit loszulassen und nicht an allem festzuklammern. Doch auch sie ist nicht völlig frei von dem Bedürfnis nach Erinnerungsstücken und sehnsuchtsvollen Gefühlen. Dies wird deutlich, als sie von San Francisco nach Köln zieht. Ein Container macht sich auf Reisen … inklusive einer angefangenen Packung Frühstücksflocken (welche Sorte habe ich vergessen).

Der Abschied von „Zimmer Frei“ nach 20 Jahren fiel ihr nicht leicht. Sie wollte zunächst gar nicht kommen, hatte sie bei der vorletzten Folge einem Redakteur angedroht. Dahinter steckte die Sorge vor dem Publikum in Tränen auszubrechen. Er hatte Sorge, sie könne es ernst meinen und sich etwas besonderes für sie überlegt … Sie war bei der letzten Sendung dabei, hat es durchgestanden und auch genossen. Welche Worte Götz Alsmann in seinem Abschiedssong wählte, weiß sie nicht, ihre Gedanken waren eng bei ihrem Kollegen, damit beschäftigt mental seine Tränen zurück zu halten. Nach und nach begegnen ihr Erinnerungsstücke an diese Zeit oder ihr begegnen Fans, die einfach „Danke für 20 Jahre Zimmer Frei“ zu ihr sagen. Federleichte Glücksmomente nach dem Abschied.

In ihrem Buch und auch in der Lesung ging es nicht nur, aber auch um den Tod. Es ist noch nicht lange her, dass Anne aus Amsterdam verstarb. Christine Westermann erzählte so lebendig von dieser Freundin, dass ich auch kurz das Gefühl hatte, sie zu kennen, mich von ihr zu verabschieden und dann Weihnachten 2017 ohne sie zu feiern. Nein, nicht ohne sie, denn sie war dabei, saß vor Kopf und erfüllte den Abend mit ihrem Wesen. Geschichten, Erinnerungen, so leben wir alle weiter.

Kleine Anekdote zum Abschluss

Wir drei kleinen Menschen, Ute, ihre Schwester und ich hatten den perfekten Platz auf erhöhten Barhockern und somit einen wunderbaren Überblick über das Publikum und einen guten Blick auf die Bühne. Nahe bei uns saß ein Star aus Fernsehen und von der Bühne, den sogar ich kannte, denn hin und wieder besuche ich sehr gerne das Contra Kreis Theater (einmal hab ich sogar darüber berichtet). Er war derjenige, der mich auf den Tisch aufmerksam machte, beobachtet habe ich allerdings eine junge Frau, die sich mit einem Notizbuch zu ihm gesellte. Sie machte eifrig Notizen und wurde daher von mir verdächtigt Journalistin zu sein, vielleicht auch Bloggerin. Ich dagegen machte mir keine Notizen, lauschte, beobachtete und genoss den Abend. Daher ist meine Erinnerungen vielleicht auch ein wenig verzerrt. So wie diese: Es gab eine wirklich gute Stelle in der Lesung, erzählenswert. Tiefsinnig, lustig oder einfach nur schön? Alles, was ich euch erzählen kann, ist, wie mir auffiel, dass die eifrig schreibende junge Frau, diese nicht notiert hat. Ich auch nicht und das ist alles, an was ich mich erinnere.

Abschied

Christine Westermann hatte die perfekten letzten Worte für den Abschied von uns, bevor sie ins Foyer ging, um für Signaturen in Büchern, auf Armen oder Unterhemden zur Verfügung zu stehen.

Auch wenn etwas aufhört. Ist es noch lange nicht zu Ende.

Christine Westermann signiert alles, was man ihr hinhält

Christine Westermann signiert alles, was man ihr hinhält


Informationen zum Buch

Christine Westermann
Manchmal ist es federleicht – Von kleinen und großen Abschieden
Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-05050-9

Die Macht des Vergessens

Stadt aus Trug und Schatten - Mechthild Gläser

Stadt aus Trug und Schatten – Mechthild Gläser

Es war einmal

vor nahezu 6 Jahren, da habe ich ein Buch gelesen.

Ein Buch, wunderbar geschrieben, eine Geschichte, in die ich eintauchen konnte, aber die mich dann verzweifelt zurück gelassen hatte.

Es war ein Debütroman, das Debüt von Mechthild Gläser. Lange habe ich immer wieder hoffnungsvoll nachgesehen, ob denn nicht ein zweiter Teil erscheinen würde. Die Erinnerungen an das Buch selbst verblassten, der Wunsch blieb.

Irgendwann erschien der zweite Band, landete auf meinem Wunschzettel, die verzweifelte Sehnsucht war verblasst mit den Erinnerungen.

Mein Wunsch wurde erfüllt und ich hatte mich sehr darüber gefreut, dennoch nicht direkt mit dem Lesen begonnen.

Denn ich wusste: Zuerst musste der erste Teil gelesen werden und Zeit sein, den zweite direkt hinter her zu lesen.

Diese Zeit habe ich nun zu Beginn 2018 gefunden, als ich mit einer blöden Erkältung ins Jahr gestartet bin.

Erinnerungen an Geschichten

Vergessen ist ein vollkommen natürlicher Vorgang. Wir können uns niemals an alle Details erinnern. Je enger Details mit Emotionen verknüpft sind, desto besser können wir sie erinnern. So ist es nur natürlich, dass ich mich daran erinnere, wer mir das Buch vor nahezu sechs Jahren geschenkt hatte, ebenso an meine Verzweiflung nach dem Ende und meine Hoffnungen auf den zweiten Band.

Die Erinnerungen an die eigentliche Geschichte sind verblasst, schwarz weiß, wie die „Stadt aus Trug und Schatten“ selbst, dumpfe Erinnerungen an eine Traumwelt.

Beim Lesen selbst kamen nach und nach Erinnerungen zurück, aber es war spannend wie beim ersten Lesen.

Das Vergessen ist eben auch eine Chance, eine Chance die Geschichte noch einmal zu erleben, wenn genügend Zeit vergangen ist.

Könnt ihr das auch oder erinnert ihr euch an die entscheidenden Handlungselemente, die es euch nicht ermöglichen, ein wunderschönes Buch noch einmal zu lesen?

Floras Erinnerungen

Die Hauptfigur Flora aus Mechthild Gläsers Geschichte hat ebenfalls mit fehlenden Erinnerungen zu kämpfen.

Sie erwacht in einer schwarz-weißen Traumwelt, in Eisenheim, einer Stadt in der alle Menschen ihre Schlafzeit verbringen. Doch nur einige erleben diese Zeit wach, sie sind Wandernde zwischen den Welten. Flora ist nun auch eine Wanderin, hat diese Entscheidung angeblich selbst getroffen. Doch warum hat ihre Seele das getan? Durch das Erwachen hat sie all die Erinnerungen an ihre Zeit in Eisenheim, als sie noch eine Schlafende war, verloren. Ihre Seele hat etwas getan, doch niemand kann ihr erklären warum sie das getan hatte. Schlimmer noch, es werden Hoffnungen in sie gesetzt, Hoffnungen, die sie erst erfüllen kann, wenn sie sich erinnert …

Fazit

Auch beim zweiten Lesen bin ich mit großer Spannung in die Traumwelt von Eisenheim eingetaucht.

Das Ende war erneut fies, weil einfach viel zu vieles offen blieb, aber dieses Mal steht der zweite Band im Regal und wartet bereits auf mich.


Stadt aus Trug und Schatten

Mechthild Gläser

LOEWE, 2012

ISBN 978-3-7855-7402-7