Wenn die Bedürfnisse nach Freiheit und Schutz sich gegenüberstehen

Auch wenn es in diesem Beitrag um einen zweiten Band geht, lies ihn ruhig, ich verrate nicht viel. Lasse mich von dem Buch zu einigen Gedanken inspirieren, die dir vielleicht Lust auf die Reihe machen, oder über die Themen zu sprechen.

Palace of Silk - C. E. Bernard

Palace of Silk – C. E. Bernard

London versus Paris

Spielte der erste Band der Palace-Saga „Palace of Glass“ noch im zukünftigen London, erleben wir im zweiten Band „Palace of Glass“ ein freies zukünftiges Paris. Die Kontraste sind unglaublich. Die Menschen, die Mode, die Stadt, eine völlig andere Welt. Die Autorin C. E. Bernard hat eine Zeit lang in Paris gelebt und nimmt uns mit in ihre Stadt. Dabei verliert sie sich nicht in endlosen Beschreibungen, verknüpft elegant das heutige Paris mit ihren Vorstellungen. Es entsteht eine lebendige Stadt vor meinem inneren Auge, eine Stadt, über die ich bereits viel gelesen, von der ich viele Bilder gesehen und zahlreiche Geschichten gehört, aber noch nie mit eigenen Augen gesehen habe.

Sei du selbst

Stehe zu dem, was du bist. Sprich aus, wer du wirklich bist. So ergeht es Rea Emirs gleich zu Beginn der Geschichte. Im freien Paris wäre es möglich. Und doch kann sie nicht so leicht aus sich heraus, kann nicht stolz sein, auf das, was sie ist. Diese Frage, ob sie nicht doch offen eine Magdalena sein kann, beschäftigt sie immer mehr. Drängender, je lauter die Forderung nach einem Berührungsverbot wird und entsprechend auch der Widerstand dagegen steigt.

Es gibt in unserer Welt immer wieder mutige Menschen, die sich tapfer vor eine Menschenmenge stellen und für das einstehen, was sie sind. Unabhängig zu welcher Minderheit sie gehören, ob aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer Sexualität oder ihrer politischen Einstellung. Diese Menschen stehen zu ihren Überzeugungen, stehen auf und sagen ihre Meinung. Dabei riskieren sie manchmal sogar ihr Leben. Dieser Schritt ist nicht leicht und sollte auch nicht leichtfertig gegangen werden. Niemand sollte sinnlos sterben! Doch wenn alle schweigen, wird sich auch nichts ändern.

In „Palace of Silk“ gibt es eine Figur, eine die lange zögert, mit sich selbst hadert und schließlich den Mut aufbringt öffentlich zu sprechen. Es gelingt ihr andere mitzureißen und ich glaube auch etwas zu bewirken. Noch kenne ich nicht den finalen Band der Reihe, doch ich liebe und schätze diese Figur sehr!

Sie steht für mich symbolisch für viele Menschen, Menschen aus der Geschichte und der Gegenwart. Ich nenne keine Namen, um niemanden zu vergessen. Es sind bekannte und unbekanntere Personen, die mir in den Sinn kommen. Helden der Geschichte, sowie Helden des Alltages.

Menschen kämpfen dafür, damit andere sein können, wer sie wirklich sind. Traurig, dass es auch im 21. Jahrhundert noch immer nötig ist, an so vielen Fronten für Gerechtigkeit und Freiheit zu kämpfen.

Danke!

Die Mittel zum Zweck

Das Problem mit den großen Zielen ist, dass es keine objektive Wahrheit gibt, was der „richtige Weg“ ist, für den es sich zu kämpfen lohnt. C.E. Bernard gelingt es, mir deutlich zu machen, wie wichtig es ist, die Magdalenen vor der Unterdrückung zu befreien. Eine „Hexenjagd“, wie wir sie im ersten Band in London gelesen haben, ist furchtbar, ohne Zweifel. Trotzdem wird im zweiten Band auch die andere Sicht deutlich, die Angst vor den Magdalenen und das Bedürfnis, die Menschen vor ihnen und ihrer Macht zu beschützen. Macht geht immer mit Verantwortung einher, eine, mit der nicht jeder umgehen kann. Die Versuchung sie zu missbrauchen ist groß, ebenso der Schaden, der dabei entstehen kann. Auf der anderen Seite ist Angst ein starker Faktor, der Menschen zu grausamen Taten gegenüber anderen Menschen verleiten lässt.

Es gibt also zwei große gegensätzliche Ziele in der Palace-Reihe: Freiheit und Schutz, beide nachvollziehbar. Einzelne haben ihre ganz eigenen Ziele und Interessen …

Wenn man sich für eines der beiden Ziele oder ein persönliches entschieden hat, stellt sich die Frage der Mittel. Reichen Worte aus, um etwas zu bewegen? Mit Worten erreicht man Menschen, viele Menschen gemeinsam erreichen noch mehr … Doch was ist mit anderen Mitteln im Kampf für die gute Sache? Ist jedes Mittel zu erreichen eines hohen Zieles recht? Lässt sich das Mittel im Nachhinein mit dem Ziel rechtfertigen? So hypothetisch lässt sich die Frage noch relativ leicht mit nein beantworten, aber wo ist die Grenze?

Unterschiedliche Figuren mit ihren verschiedenen Zielen, treffen individuelle Entscheidungen und nehmen vielfältige Wege, ihre Ziele zu erreichen. Dabei treten sie gemeinsam oder gegeneinander an, teilweise ohne die klaren Ziele der anderen zu kennen oder zu verstehen.

Fazit

Die Figuren der Palace-Reihe sind alle sehr lebendig, die Geschichte spannend, fesselnd und bietet unglaublich viel Stoff zum nachdenken und philosophieren.

Ich habe tatsächlich sehr lange gebraucht, bis ich mich endlich an diesen Beitrag gesetzt habe. „Palace of Silk“ hat mich noch eine Weile beschäftigt, mich nicht losgelassen. Noch immer bin ich mir sicher, mit diesem Beitrag dem Roman nicht gerecht zu werden, aber er ist ein kleiner Einblick in die Welt der Palace-Saga, der euch vielleicht inspiriert oder Lust auf das Buch macht, ohne euch zu viel über die Handlung zu verraten. Wenn mir das gelungen ist, bin ich zufrieden. Einen weiteren Beitrag habe ich geschrieben, zu nur einem einzelnen Thema, das mit in diesem Buch steckt. Dieser folgt in den nächsten Tagen. EDIT: Beitrag „Freiheit für die Liebe“ ist online.

Wenn es noch nicht deutlich geworden ist: Ich liebe diese Reihe, die mich so nachhaltig beeindruckt! C.E. Bernard schreibt wundervoll, zugleich sprachlich elegant und kunstvoll, als auch leicht verständlich. Nachdem ich das Buch vor zwei Wochen beendet habe, habe ich einige Bücher begonnen. Keines konnte mich so begeistern. Sie waren nicht schlecht, aber blass.

Am 23.07.2018 erscheint „Palace of Fire“

Dem dritten finalen Band fiebere ich entgegen. Insbesondere bin ich gespannt, ob ich mit meinen Vermutungen Recht habe. Ich verrate euch nur eine meiner Theorien: Ich glaube nicht an ein Happy End für Rea und den Prinzen, die beiden werden nicht heiraten.

Falls es wieder eine Release-Party wie zu „Palace of Glass“ oder „Palace of Silk“ geben wird, bin ich gerne wieder dabei. Ich fürchte nur, nach diesem Buch wird es mir erneut so gehen, dass andere Bücher blass wirken …

Feierliche Verurteilung

Nach all meiner Begeisterung wird nun eines fällig: C.E. Bernard gehört auf die Liste der „bösen Autoren“.

Warum?

Wer mir so lange mit ihrer Geschichte im Kopf herumgeistert, es mir schwer macht, andere Bücher zu genießen, erreicht doch ein ganz neues Level einer Bösen Autorin! Hier liegt übrigens gerade ein Roman von Rose Snow, die ebenfalls auf er Liste stehen (Autorenduo). Ich traue mich nicht das Buch zu lesen!

Übrigens hatte ich bereits nach dem ersten Band über eine Verurteilung nachgedacht, war mir aber nicht sicher, ob dies nicht zu beeinflusst von der wunderbaren Release-Party und der unglaublichen Vanessa Basilio de Luca war, die wir gleich mit auf die Liste setzen könnten. Auf die Besetzungsliste für die Verfilmung der Palace-Reihe gehört sie auf jeden Fall. Vanessa ist Rea!


Das Buch wurde mir über das Bloggerportal von Random House zur Verfügung gestellt.

Palace of Silk
C. E. Bernard
penhaligon
ISBN: 978-3-7645-3195-9
Erscheinungsdatum: 25.05.2018

Vampire in verschiedenen Erscheinungsformen

Vampire Academy, Blutschwestern - Richelle Mead

Vampire Academy, Blutschwestern – Richelle Mead

Vampire

Es gibt zwei typische Varianten der Vampire, die klassischen düsteren blutrünstigen und die modernen: Sexy, nicht gut für junge Mädchen, aber eigentlich nicht wirklich böse. Sie jagen sogar oft gar nicht mehr, trinken Blut aus Blutbanken oder tierisches Blut.

In „Vampire Academy“ von Richelle Mead gibt es beide Varianten und noch eine dritte; die Dhampire.

Moroi trinken Blut von freiwilligen Spendern, diese genießen es. Im Idealfall werden Spender gut versorgt. Moroi haben magische Fähigkeiten, spezialisieren sich dabei auf eines der Elemente, setzen diese aber nicht zum Kampf ein, das war früher mal anders. Sie schlafen tagsüber, sind nachts wach und sterblich, können aber Kinder zeugen und bekommen.

Der Preis der Unsterblichkeit ist die Aufgabe von Magie und jeglicher Gefühle, sowie Moralvorstellungen. Das sind die Strigoi, welche in „Vampire Academy“ einem klassischen Vampirbild entsprichen. Es gibt zwei Arten ein Strigoi zu werden:

  1. Ein Moroi tötet beim Trinken des Blutes.
  2. Der Biss eines Strigoi wird überlebt. Dies führt zur klassischen Verwandlung in ein unsterbliches Monster.

Dann gibt es noch die Dhampire. Sie entstehen aus einer Verbindung zwischen Moroi und Mensch oder Dhampir. Dhampire können ausschließlich Kinder mit Moroi bekommen, nicht miteinander, nicht mit Menschen. Neue Moroi entstehen ausschließlich aus Moroi-Verbindungen. Das führt dazu, dass es weniger Dhampire als Moroi gibt. Viele Dhampire haben eine Dhampir-Mutter und einen Moroi-Vater, der nicht Teil der Familie ist. Dhampire trinken kein Blut, können keine Magie wirken, haben aber schärfere Sinne und sind stärker als Menschen.

Persönliche Hingabe und Werte

Dhampire fungieren in der Vampire Academy Gesellschaft, die übrigens Royal strukturiert ist, als Wächter. Früher, als Moroi ihre Magie noch zum Kampf einsetzen, kämpften Dhampire und Moroi Seite an Seite. Doch irgendwann haben Dhampire sich zu Wächtern der Moroi entwickelt, sie schützen sie vor den Strigoi. Diese Aufgabe nehmen sie äußerst ernst und führen sie mit einer Hingabe aus, die das Leben des Moroi über ihr eigenes stellt.

Wer lebt solche Werte noch? Wer setzt sein eigenes Leben für andere ein, wertet damit anderes Leben als wertvoller, als das eigene? Zunächst denke ich an alte Traditionen, inspiriert durch den royalen Touch der Geschichte. Doch dann fallen mir auch andere ein, Berufsgruppen, die es auch heute noch gibt: Soldaten, Leibwächter, Agenten und Polizisten. Sie beschützen andere und riskieren ihr eigenes Leben. Was motiviert sie, dies zu tun? Erachten sie anderes Leben wirklich für wertvoller, als das eigene?

Ich weiß es tatsächlich nicht, finde den Gedanken beängstigend, aber auch wichtig. Es ist eine Tatsache, dass Menschen im Dienst sterben, um andere zu beschützen, um sich für Recht und Ordnung einzusetzen. Meiner Wahrnehmung nach erfahren bei uns in Deutschland Polizisten wenig Respekt, eher Verachtung und stehen stark in der öffentlichen Kritik. Und trotzdem treten sie ihren Dienst an. Stellen sich wütenden Menschen in den Weg, die zu allem bereit sind für ihre Sache. Auch diese Menschen haben sich mit Hingabe einer Sache verschrieben. Welche Motive leitet sie?

Ein weites Feld, viele Fragen …

Doch Hingabe muss nicht gleich zum Tod führen. Für einen anderen Menschen sorgen, dabei sich selbst zurück nehmen, weniger wichtig nehmen. Dieser Aspekt spielt für viele Menschen eine Rolle. Wie sieht es hier mit den Motiven und Werten aus? Sind Fürsorger und Umsorgter gleichwertig, oder kommt es zur hingebungsvollen Aufopferung? Kann Hingabe auch ohne Selbstaufgabe funktionieren?

Wie sieht es aus bei Eltern, Pflegenden von Angehörigen, Pflegepersonal und sozialen Berufsgruppen?

Vampire Academy

Rose ist ein junges Dhampir-Mädchen, 17 Jahre alt und in der Ausbildung zur Wächterin. Ihre beste Freundin Lissa ist eine Moroi, die letzte ihrer Familie, eine Prinzessin und mögliche Anwärterin auf den Thron. Rose und Lissa sind zusammen von der Akademie geflohen und kehren zu Beginn der Geschichte unfreiwillig zurück nach Hause. Rose wird zur Verantwortung gezogen, mit Hausarrest bestraft und bekommt zusätzliche Trainingsstunden bei Wächter Belikov.

Liebe, Intrigen, Geheimnisse und eine unbekannte Bedrohung beschäftigen beiden Mädchen mit der besonderen Verbindung, die seit dem Autounfall bei dem Lissas Eltern und ihr Bruder ums Leben kam, zwischen ihnen besteht.

Kann es überhaupt eine erfüllte Liebe für einen Dhampir geben? Steht der Schutz der Moroi nicht immer im Vordergrund und der Liebe im Weg?

Der Film

Der erste Band der Vampire Academy Reihe ist verfilmt worden. Kurz nachdem mir das Buch vom Verlag zur Verfügung gestellt wurde, stolperte ich über die DVD zu einem verführerisch günstigen Preis. Tatsächlich habe ich den Film zuerst gesehen und mit einigen Monaten Abstand das Buch gelesen. Das war gut so, denn der Film ist erstaunlich nah dran am Buch. Natürlich gibt es im Buch mehr Details zu den Figuren und Handlungen, einzelne Szenen sind anders umgesetzt, aber die Haupthandlung ist parallel und das gefällt mir wirklich gut. Auch der Film hat dasselbe fiese Ende und ja, wenn du den Film gesehen hast und wissen willst, wie es weiter geht, kannst du ruhig direkt Band 2 lesen.

Fazit

Das Buch ist sehr gut geschrieben, durchgehend spannend, leicht und schnell zu lesen. Liebe und Freundschaft spielen eine zentrale Rolle, ebenso Zusammenhalt und Vertrauen. Das Ende ist fies, darüber können auch die vier Bonusgeschichten, die es im Jubiläumsband gibt, nicht hinweg trösten. Es braucht den zweiten Band der Reihe.

Wer moderne Vampir-Bücher mag, dem sei auch diese Reihe empfohlen.

Reihenüberblick

  1. Vampire Academy – Blutschwestern
  2. Vampire Academy – Blaues Blut
  3. Vampire Academy – Schattenträume
  4. Vampire Academy – Blutschwur
  5. Vampire Academy – Seelenruf
  6. Vampire Academy – Schicksalsbande

Weitere Meinungen

Nadine von Nadines Lesewelt hat es eigentlich nicht so mit Vampir-Geschichten, ist dann doch einer Empfehlung gefolgt und hat „Vampire Academy, Blutschwestern“ gelesen.

„Ein Buch zum Erleben“ ist das Fazit bei Spohias Bookplanet.

Zwei weitere sehr schöne Blogbeiträge hatte ich in der Vorbereitung verlinkt, leider sind diese Blogs inzwischen offline :-(.


Das Buch wurde mir von LYX über NetGalley zur Verfügung gestellt.

Vampire Academy – Blutschwestern
Jubiläumsausgabe mit 4 Bonus-Storys
Richelle Mead
übersetzt von Michaela Link
LYX

ISBN: 978-3-7363-0612-7
Erscheinungsdatum: 03.08.2017