Sonntagsgeschichte Kapitel 81 – zwei Welten

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Sonntagsgeschichte Blogroman Kapitel 81
Sonntagsgeschichte Blogroman Kapitel 81

Sarah sah verheult aus und doch strahlten ihre Augen. Dieses Bild würde Josephine so schnell nicht vergessen. Kaum erschien Lukas mit Sarah in dieser Höhle voller bunter Kissen, sprang Lars auf und schloss sein Schneewittchen in die Arme. „Endlich“, seufzte er. Am liebsten hätte Josephine die beiden alleine gelassen. Doch der Zwergenkönig räusperte sich und ermahnte die beiden sich hinzusetzen. „Für eure Wiedersehensfreude habt ihr nachher Zeit. Zuerst gilt es diese Versammlung zu beenden.“

So streng er auch sprach, schlich sich trotzdem ein Lächeln in das mürrische Gesicht. Auch an ihm ging das offensichtliche Glück der beiden nicht spurlos vorbei. Langsam löste sich das Paar voneinander, sich weiterhin an den Händen haltend setzten sie sich gemeinsam hin. Langsam wurde der Kreis ein wenig enger und es wurde hin und her gerutscht. Jedoch benötigte Sarah nicht viel Platz, sie war zierlich und kuschelte sich eng an ihren Prinzen. Den Blick richtete sie erwartungsvoll auf den Zwergenkönig, während sie den anderen in der Runde keine Beachtung schenkte. Dies wirkte keineswegs unhöflich. Alle fühlten mit ihr und wünschten ihr nach der scheinbaren Ewigkeit, Zeit zu zweit.

„Nun denn“, ergriff der Zwergenkönig erneut das Wort. „Wir haben diskutiert und entschieden. Du wirst fortan bei uns in der Mine leben, so bin ich gewillt die Verbindung zu meinem Sohn zu akzeptieren.“

Während Sarah fragend Lars ansah, erhob sein Zwillingsbruder Fundin das Wort. „Vater“, mahnte er, „wir sprachen doch darüber, Schneewittchen nach ihrer Meinung zu fragen.“

Der Zwergenkönig seufzte und in seinem Blick stand eindeutig zu lesen, dass diese Weibsbild keine eigene Meinung zu haben brauche, wenn sie doch seinen Sohn liebte. Doch Opa Henrys Hand auf seiner Schulter mahnte ihn zu schweigen.

Lars und Sarah beendeten ihre stumme Kommunikation und Schneewittchen wandte sich an den König. „Herzlichen Dank für dieses Angebot, verehrter König. Ich danke auch euch Prinz, dass Ihr mir erlaubt eine freie Entscheidung zu treffen. So werde ich euch allen nun meine Entscheidung mitteilen.“ Zum ersten Mal ließ sie ihren Blick durch den Raum schweifen, blickte jede einzelne anwesende Person kurz an, bis sie den Blick wieder auf den König richtete und weiter sprach: „Ich bin ein Kind vieler Welten, weder hier bei den Zwergen, noch dort bei den Menschen heimisch. Mir fehlen Jahrhunderte, die ich in steinernem Schlaf verbrachte. Es ist wichtig für mich, meinen Platz in diesem neuen Leben zu finden. Wo dieser Platz sein wird, kann ich jetzt und heute nicht klar benennen.“

Der König starrte sie überrascht an, während Lars Blick voller Liebe und Vertrauen war. Er wollte sie nicht wieder verlieren und er wusste genau, dass er ihr die Freiheit lassen musste, die sein Vater ihr verwehren wollte.

„Für eure Gastfreundschaft bin ich euch dankbar und ich werde sie gerne annehmen, jedoch nicht dauerhaft hier in den Minen wohnen. Die kurze Zeit auf der Aquilaburg hat mich viel gelehrt“, liebevoll lächelte sie Opa Henry zu, „vor allem, dass ich Herrin meines eigenen Lebens bin. Ich und zwar ich ganz alleine, kann Entscheidungen über mein Leben treffen. Niemand kann und darf mir diese abnehmen.“ Nun wandte sie sich Josephine zu. „Du bist mir in kurzer Zeit eine Freundin geworden, hast mir ein Zuhause angeboten. Ihr alle habt mir eine neue Lebensgeschichte gegeben und diese sieht vor, dass ich für ein Jahr bei dir als Gaststudentin wohne. Das will ich tun.“

Sie hielt einen Moment inne, bevor sie die letzten Worte sprach: „Mein Prinz und ich waren ewig getrennt, auch für ihn wird nun vieles anders, jetzt, wo er wieder hier in der Miene ist. Die Menschen nennen es eine Fernbeziehung und eine solche will ich nun führen. Wir können nur gemeinsam glücklich in die Zukunft gehen, wenn es uns ebenfalls gelingt auch ein eigenes Leben zu führen. Wie dieses eigene und auch das gemeinsame Leben aussieht, das müssen wir beide herausfinden und zwar jeder für sich.“

Lars drückte sie an sich und nickte bestätigend. Auch wenn sie sich nicht mit Worten abgesprochen hatten, teilte er ihre Ansicht. „Wir haben einen Vorteil gegenüber den Menschen, die es Fernbeziehung nennen. Auch wenn wir in zwei verschiedenen Welten leben, ist die Verbindung stark und die Reisezeit beträgt entsprechend wenige Augenblicke.“

Der Zwergenkönig starrte das Paar überrascht an. Da klatschte Opa Henry in die Hände und stand auf. „So ihr lieben Mitmenschen, es wird Zeit für uns zu gehen. Es ist offensichtlich alles gesagt.“

Seine Enkel Sven und Lukas erhoben sich und traten an seine Seite. Josephine ging die wenigen Schritte auf Sarah zu und umarmte sie, was nicht ganz einfach war, da Lars sie nicht losließ. „Du hast bei mir immer ein Zuhause. Lasst euch Zeit und wir sehen uns später.“ Sarah erwiderte die Umarmung, küsste ihre Freundin auf die Wange und flüsterte ihr zu: „Es wird wohl morgen werden, das ist hoffentlich kein Problem.“ Josephine grinste und schüttelte den Kopf, dann löste sie sich und ging zu den drei Männern, um die Anderswelt zu verlassen.

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Sonntagsgeschichte Kapitel 80 -Krisensitzung

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Blogroman Sonntagsgeschichte 80 Krisensitzung

Fundin kehrte mit seinem Zwillingsbruder zurück. Dieser schaute überrascht in die Runde, suchte nach einem bestimmten Gesicht und verbarg die Enttäuschung darüber nicht, dass Schneewittchen nicht anwesend war. Dann machte er es sich neben seinem Bruder bequem. Die Zwillinge sahen sich nur bei genauem Hinsehen in den Gesichtszügen ähnlich. Dagegen war die Ähnlichkeit zwischen Lars und Sven stärker, da sie beide eine menschliche schlanke Statur hatten. Josephine erkannte, je länger sie die Zwillinge betrachtete, dass die Ähnlichkeit zwischen Lars und Sven, abgesehen von der Statur auf die Merkmale zurück zu führen war, die Lars mit seinem Zwergenzwilling teilte. Lars schenkte Sven keine besondere Beachtung, sah dagegen erwartungsvoll seinen Vater an, bis er schließlich selbst das Schweigen brach: „Lässt du mich gehen?“

„Nein“, antwortete der Zwergenkönig ohne zu zögern.

„Nun, dann weiß ich nicht, was ich hier soll, Vater.“ Das letzte Wort betonte er abfällig, ohne jegliche Achtung, wie Fundin sie dem Vater entgegenbrachte.

„Warte Bruder“, bremste Fundin ihn. „Lass uns bitte reden.“

„Es gibt nichts zu reden. Ich bin nun kein Gefangener des Steines mehr, stattdessen ein Gefangener meines Vaters in diesen steinernen Hallen. Was glaubst du was mehr schmerzt?“

Auch Fundin erhob nun die Stimme: „Was glaubst du, wie sehr es geschmerzt hat, ohne dich zu leben, Bruder?!“

Lars erwiderte nichts, blieb aber sitzen.

„Wenn ihr zwei dann fertig seid mit eurem kindischen Benehmen, können wir endlich reden. Genau deswegen habe ich dich erst auf Bitten holen lassen, Sohn. Vielleicht war es ein Fehler, lass es mich nicht bereuen. Nun denn, eines habe ich nun mehr als deutlich gemacht. Ich bestehe darauf, dass du hier bleibst, in Sicherheit. Wir müssen auch sicher gehen, dass der Fluch wirklich gebrochen ist.“

„Es war kein Fluch, Vater“, widersprach Sven, diesmal in ruhigerem Ton. „Es war der Preis für einen Zauber, den ich gewirkt habe. Ein Zauber, die Liebe meines Lebens zu beschützen. Ich habe ihn gern auf mich genommen, übrigens in vollem Bewusstsein, was ich tat. Wahre Verbundenheit würde den Zauber eines Tages lösen. Dabei dachte ich allerdings, dass ich Schneewittchen selbst erlösen würde in den Zeiten die mir blieben, sie in der Menschenwelt zu finden, aber zum Glück genügte die Verbindung von Seelengefährten ebenfalls. So fand sie mich, erlöste mich und nun bin ich hier …“ Seine weiteren Worte wurden von seinem Schluchzen erstickt.

Sein Bruder legte ihm tröstend den Arm um die Hüfte, an seine Schulter reichte er kaum heran. Sven schluchzte ebenfalls auf. Josephine sah ihren Freund überrascht an, wurde er ebenfalls von Lars Gefühlen überwältigt, hatte sie sich geirrt? Doch dann blickte sie erneut zu den Zwillingen, blickte in das leidende Gesicht Fundins. Ob es seine eigenen Gefühle waren, oder die geteilten seines Zwillings, Sven fühlte offenbar mit ihm. Sie strich ihrem Freund liebevoll über das Bein und richtete ihre Worte an die Runde: „Wir brauchen eine Lösung, eine, die Sarah und Lars ermöglicht, wieder zusammen zu sein.“

Der König räusperte sich und sprach: „Ich habe mich bereits bereit erklärt, Schneewittchen bei uns aufzunehmen. So lange sie unter meinem Schutz steht, wird ihr innerhalb der Minen nichts zustoßen.“

Lars lachte auf, es klang unheimlich. „Sie wäre ebenso eine Gefangene wie ich.“

„Nein, Bruder, ihr währt wieder zusammen.“

„Wie könnte sie in den Minen leben?“

„Wie könnte sie ohne dich leben? Wie könnten wir ohne dich leben? Ihr könnt doch auch raus, euch frei in Vaters Reich bewegen, durch den Wald und über die Wiesen wandeln, wie es euch beliebt. Wir wollen euch doch nur in Sicherheit wissen, nicht erneut um dich sorgen müssen.“

Sven richtete sich auf und sprach zu Josephines Überraschung: „Vielleicht fragt ihr sie. Wir können doch nicht einfach über sie entscheiden, wo sie leben soll. Ladet sie ein und lasst sie selbst entscheiden, wo sie leben möchte.“

„Das ist eine gute Idee“, stimmte Josephine ihm zu. „Sie hat bei uns ein neues Zuhause gefunden, ein Ort an dem sie willkommen ist, ebenso auf der Aquilaburg. Ladet sie ein und lasst sie selbst entscheiden. Frei und ohne Vorschriften.“

„Und wer fragt mich“, begehrte Lars auf. Sven und Josephine schwiegen, sie verstanden seinen Protest, wussten aber keinen Rat, kannten sich mit den Regeln der Zwergenwelt nicht aus, aber sie erkannten, dass Lars inzwischen mehr Mensch als Zwerg war, wenn er denn je anders gewesen war.

Opa Henry wandte sich seinem Seelengefährten zu. „Ich denke die jungen Leute haben Recht. Wir sollten Sarah einladen, es wird nicht leicht für sie und deinen Sohn. Nach all der Zeit sollten wir ihnen ein wenig Zeit zu zweit gönnen und sie dann selbst entscheiden lassen, wo sie leben wollen. Ich rate dir auch deinen Sohn frei entscheiden zu lassen, sonst wirst du ihn auf andere Weise verlieren. Hab Vertrauen und sei für ihn da, dann bleibt er dir erhalten.“

Lukas saß schweigend neben Josephine, drückte aber vor Aufregung ihre Hand. So sehr hoffte er auf eine gute Lösung für Sarah, seine Seelengefährtin.

„Nun denn, dann ist es wohl entschieden“, sprach der Zwergenkönig schließlich und klang dabei, als wolle er ein Urteil verkünden. Sein Blick traf Lukas. „Seelengefährte des Schneewittchen, kehre zurück in die Menschenwelt und hole das Weib, welches das Herz meines Sohnes gestohlen.“

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Sonntagsgeschichte Kapitel 79 – Happy End?

Dieses Kapitel ist für mich deswegen etwas Besonderes, weil es der 1000 Blogbeitrag ist, der online geht. Ich blogge jetzt seit 4 Jahren. Relaunch der Seite war am 06.02.2016, online ging der kleine Komet bereits am 23. März 2007, feiert also im Grunde morgen mit mir den 13. Geburtstag. Auch wenn hier Happy End mit Fragezeichen im Titel steht, ist dieses chaotische Schreibexperiment noch lange nicht zu Ende, dafür macht es mir zu viel Freude.

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Sonntagsgeschichte Kapitel 79 Happy End?

„Ihr Menschen glaubt auch bei einem guten Tropfen ließe sich alles regeln“, donnerte der Zwergenkönig wütend, doch dann schlich sich ein Lächeln in sein zorniges Gesicht. „Dann kommt halt rein“, knurrte er und machte eine einladende Geste in Richtung Mineneingang. Erst jetzt erkannte er, dass sein Sohn wie angewurzelt da stand. „Fundin“, erklang seine noch immer knurrige Stimme. Dabei stieß er seinen Sohn unsanft an. „Beweg deinen faulen Hintern und führ unsere Gäste in die Stube.“ Dieser löste sich aus der Starre und ging voraus. Sven folgte ihm, ohne sich nach den anderen um zu sehen. „Danke mein Freund“, bemühte sich Opa Henry weiterhin um einen höflichen Ton und betrat nach dem Zwergenkönig die Mine.

Josephine und Lukas folgten ihnen unsicher. Sie betraten einen düsteren Gang. An den Wänden hingen zwar Fackeln, aber nach dem Sonnenlicht draußen, brauchten ihre Augen einen Moment, bis sie sich an die sparsamen Lichtverhältnisse gewöhnt hatten. Der Gang war hoch genug, dass sie aufrecht gehen konnten, stellte Josephine erleichtert fest, schließlich waren sie in einer Zwergenmine. Doch Lars war groß wie die Menschen. Noch immer fragte sie sich, ob das seine wahre Gestalt war.

Der Gang wurde breiter und sie kamen in eine große Halle. „Willkommen in Moria“, flüsterte Lukas, aber an Herr der Ringe wollte Josephine jetzt wirklich nicht denken, denn die Szene in den Minen ging nicht gut aus. Sie ertappte sich dabei, wie sie Opa Henry mit Gandalf verglich, dann schüttelte sie den Kopf, um sie von diesen Gedanken zu lösen. „Nicht hilfreich“, zischte sie Lukas zu, der sie daraufhin angrinste. Für ihn war es offenbar hilfreich so mit dieser Situation umzugehen. Sollte er doch.

Mehrere Gänge zweigten von der Halle ab und sie folgten Fundin in die angekündigte Stube. Irritiert hielt Josephine kurz am Eingang zum Raum inne. Sie hatte mit allem gerechnet, aber nicht mit dieser leuchtenden orientalischen Gemütlichkeit. Das erste was ihr ins Auge fiel waren knallbunte Farben, die gar nicht orientalisch waren. Auf dem steinernen Boden lagen Kissen, viele bunte Kissen in unterschiedlichen Mustern als Sitzgelegenheiten. Steinerne Möbel standen an den Wänden, als Tische und Regale für Geschirr und Bücher. Die Gruppe machte es sich auf den Kissen gemütlich, während ein weiterer Zwerg sich an dem Tischen zu schaffen machte und dampfende Becher verteilte. Josehine beeilte sich, zwischen Lukas und Sven Platz zu nehmen. Ihr wurde ebenfalls ein dampfender Becher in die Hand gedrückt. Er war aus Stein und fühlte sich von außen nicht unangenehm heiß an. Es roch blumig, sie nahm an es sei eine Art Tee. Unsicher blickte sie in die Runde, niemand trank, also wartete sie.

„Willkommen meine Freunde“, sprach der Zwergenkönig mit erhobenen Becher. Seine Stimme klang noch immer knurrig, aber weniger bedrohlich. „Bevor wir uns besprechen, will ich euch als Freunde in unserer Stube willkommen heißen. Trinken wir auf die Freundschaft.“ Er erhob seinen Becher und trank. Josephine ahmte seine Geste nach und trank ebenfalls. Sie hatte Recht gehabt und sich gründlich geirrt. Das Getränk war heiß und es war blumig. Doch es war kein Tee, wie sie angenommen hatte, es war ein guter Tropfen, wie Opa Henry gefordert hatte, einer mit einem offenbar hohem Alkoholgehalt, sie würde vorsichtig sein, auch wenn es ihr wirklich gut schmeckte.

„Nun denn, reden wir“, sprach der Zwergenkönig weiter. „Ich weiß, warum ihr gekommen seid. Ihr wollt meinen Sohn zurück in die Menschenwelt führen. Daraus wird nichts!“

Lukas wollte aufspringen und etwas erwidern, doch Josephine bremste ihn, indem sie ihn mit der freien Hand am Arm packte und zurück auf die Kissen zog.. „Lass deinen Opa erstmal reden“, flüsterte sie ihm zu. Er nickte und setzte sich wieder, auch wenn es ihm sichtlich schwer fiel. Er litt mit Sarah und wollte sie mit ihrem Prinzen vereint sehen.

„Viel Zeit ist vergangen, seit ich meinen Sohn das letzte Mal in die Arme geschlossen habe. Mehrere Generationen eurer menschlichen Leben sind seitdem vergangen. Ihr könnt euch das Leid nicht vorstellen, dass dies für mich bedeutet hat. Er bleibt nun hier, wo er sicher ist.“

„Ich verstehe dein Leid gut, fühle ich doch einen Teil deines Leides selbst durch unsere Verbindung“, sprach Opa Henry mit fester ruhiger Stimme. Josephine spürte wie Lukas sich bei den Worten des Königs weiter angespannt hatte und nun ruhiger wurde. Er kannte seinen Opa gut, liebte ihn und vertraute ihm. Sie beide spürten, dass er derjenige war, der hier etwas erreichen konnte. Sven und Fundin saßen schweigend da, sie starrten einander nicht mehr an, vielmehr sah Sven inzwischen aus, als hielte er sich an seinem Becher fest, den er inzwischen bereits halb geleert hatte, in kleinen nervösen Schlucken.

„Doch denkst du auch an das Leid von Schneewittchen?“, fragte Opa Henry. „Aus ihrem steinernen Schlaf ist sie erwacht und sehnt sich seitdem danach ihren Prinzen wieder zu finden. Sie lebt nun in einer Welt, die ihr völlig fremd ist und es zerreißt ihr das Herz.“

„Pah die Liebe“, spottete der Zwergenkönig, doch Henry unterbrach ihn gleich. „Spotte nicht mein Freund, sonst wecke ich deine Erinnerungen.“ Ein Moment der Stille trat ein, während die beiden sich ein stummes Blickduell lieferten. Schließlich senkte der Zwergenkönig den Blick und sprach: „Gut, ich spotte nicht über die Liebe, aber es geschieht dem Mädchen recht. Sie hat schließlich meinen Sohn verzaubert.“
„War er es nicht, der den steinernen Zauber sprach?“
„Unwichtige Details.“
„War sie es nicht, die den Fluch brach und ihn erlöste?“
„Ist der Fluch wirklich gebrochen? Sie riss ihn mit sich ins Verderben, nun ist er hier. Da wo er hin gehört.“
„Und wird er hier glücklich?“
„Er hat hier alles, was er braucht.“
„Auch Liebe?“
„Du mit deiner Liebe.“ Erneut knurrte der Zwergenkönig.
„Ja, Liebe ist wichtig, wir alle sehnen uns nach Liebe. Geht es nicht genau darum? Liebst du nicht deinen Sohn und willst ihn deswegen bei dir behalten? Hast du nicht gelitten, weil dein geliebter Sohn verloren war, wie du sagst?“

„Hör auf!“

Erneutes Schweigen. Diesmal noch unangenehmer für alle im Raum. Nur Opa Henry sah seinen Seelengefährten weiterhin mit ruhigem und gütigem Blick an. Der Vergleich mit Gandalf kam Josephine noch einmal in den Sinn, der hatte auch die Fähigkeit mit jähzornigen Zwergen umzugehen. Doch hier gab es eine noch tiefere Verbindung zwischen den beiden. Henry spürte die Wut, Verzweiflung und Sorge des Königs, offenbar auch die Liebe, mit der er ihn immer wieder reizte. Diese Verbindung bestand in beide Richtungen und Josephine konnte beobachten, wie die ruhigen sanften, ja zuversichtlichen Gefühle von Opa Henry beim Zwergenkönige ankamen. Seine mürrischen Gesichtszüge wurden sanfter, entspannten sich.

„Hol deinen Bruder“, wies er Fundin schließlich an. Diesmal gehorchte er sofort, denn auch er hatte seinen Vater gespannt beobachtet. „Vielleicht können wir eine gemeinsame Lösung finden“, räumte der Zwergenkönig ein.“Vielleicht kann das Mädchen hier bei uns leben, auch wenn das nun wirklich kein Ort für eine wie sie ist. Ich weiß nicht, wie meine Familie sie aufnimmt, aber wenn es um das Glück meines Sohnes geht …“ Er verstummte und blickte nachdenklich drein.

Josephine versuchte sich Sarah hier vorzustellen. Konnte das funktionieren? Sie hatte zu wenig von der Mine und dem Leben der Zwerge gesehen, um das beurteilen zu können. Sarah hatte gerade begonnen sich in ihrem menschlichen Leben einzugewöhnen, jetzt sollte sie noch einmal neu beginnen? Erst einmal zählte, dass sie ihren Prinzen wieder sehen durfte, dann würden sie weitere Probleme lösen. Gespannt wartete Josephine auf die Rückkehr der Zwergenzwillinge.

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Sonntagskapitel 78 – Zwergenmine

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Blogroman, Sonntagsgeschichte Kapitel 78 Zwergenmine

Die Hände in die Hüften gestemmt, stand der Zwergenkönig breitbeinig vor dem Eingang der Mine. Diese Körperhaltung und sein strenger Blick ließen ihn bedrohlicher aussehen als seine Körpergröße annehmen ließ. „Mein Freund“, sprach Opa Henry seinen Seelengefährten mit ruhiger Stimme an. Langsam ging er mit offenen Armen auf den König zu. Josephine und die beiden Jungs hielten sich noch zurück. Sie begutachtete den Eingang zur Mine und fragte sich erneut, ob dies der Ort war, den sie bei ihrem ersten Kontakt mit der Anderswelt von der Rheinaue aus gesehen hatte. Doch sie war damals zu verwirrt gewesen, um sich Details zu merken. Einige Zwerge mit ihrem Werkzeug hatte sie damals gesehen. Heute stand nur einer hier und war offenbar gewillt, sie nicht durchzulassen. Sven legte ihr seinen Arm um die Schultern, während Lukas zu ihrer linken, nervös an seinen Fingernägeln zu kauen begann. Sie nahm seine rechte Hand und er drückte sie dankbar. Schließlich ging es hier um das Glück seiner Seelengefährtin.

Wer war eigentlich Lars Seelengefährte? Sven sah ihm zum Verwechseln ähnlich, aber bedeutete das, dass sie eine Verbindung hatten? Als sie im Wald waren schien Sven nichts gespürt zu haben. Er hatte keine Reaktion gezeigt, außer der Überraschung, wie sie alle, schien nicht magisch angezogen worden zu sein, weder von der Stelle, an dem sein Seelengefährte versteinert stand, noch von ihm selbst. Konnte es einen anderen Grund für die Ähnlichkeit geben?

Was war mit der kleinen Marie? Sie schien eine starke Verbindung zu ihrem viel älteren Adoptiv-Cousin zu haben und in ihm Schneewittchens Prinzen zu sehen. Lag das nur an seinen Geschichten und ihrer kindlichen Phantasie? Es erschien Josephine so viel plausibler.

Sven riss sie aus ihren Gedanken, weil er zu zittern begann. Sie sah ihn überrascht an, erkannte seinen starren Blick und folgte diesem. Ein weiterer Zwerg war aus der Mine getreten. Er sah aus wie Lars, in kleiner. War Lars zu seiner Zwergengestalt zurück gekehrt? Hatte Sarah ihr nicht erzählt, dass ihr Prinz gar nicht so klein wie die anderen Zwerge war, vielmehr menschlich wirkte?

Dann war da auch noch Svens Reaktion, ein beinahe magisches zittern hatte ihn ergriffen und wie in Trance ging er auf den Zwerg zu. Josephine hatte er los gelassen und sie verfolgte gespannt, was passieren würde. Auch der Zwerg kam auf Sven zu und sie trafen sich in der Mitte des Weges zwischen ihnen, so dass sie beinahe direkt neben Opa Henry und seinem Seelengefährten stehen blieben.

„Das ist doch verrückt“, flüsterte Lukas Josephine zu. Diese nickte nur, den Blick starr auf die Szene vor sich gerichtet. Beide bleiben als stumme Beobachter stehen.

„Darf ich euch meinen Sohn Fundin vorstellen. Er ist der Zwillingsbruder von Lars, wie ihr meinen Sohn Lundin nennt.“ Fundin deutete eine höfliche Verbeugung an, wobei er seinen Kopf leicht senkte, dann aber wieder Sven anstarrte. „Bisher hat er sich von der Menschenwelt fern gehalten. Das Schicksal seines Bruders hat ihn schwer getroffen. Wie ich sehe, hat ihn das beinahe um die Begegnung mit seinem Seelengefährten gebracht.“

Also waren sie tatsächlich Seelengefährten. Josephine und Lukas drückten gleichzeitig vor Aufregung ihre Hände, dass es beinahe schmerzte. Doch sie waren zu aufgeregt, um den Schmerz zu spüren. „Du siehst selbst“, begann Henry erneut zu sprechen. Erst jetzt merkte Josephine, dass sie das vorherige Gespräch zwischen Herny und dem Zwergenkönig verpasst hatte. „Die Verbindung zwischen zwei Seelengefährten ist stark. Nicht nur diese, auch die zwischen zwei Liebenden ist es. Deswegen hatte ich dir meinen Enkel Sven und seine Freundin Josephine mitgebracht.“ Der Zwergenkönig lachte tief und fies: „Diese Freundin, die dort mit einem anderen Händchen hält?“

„Ich bin Lukas, der Seelengefährte Schneewittchens und in ihrem Namen fordere ich euch auf, eurem Sohn frei entscheiden zu lassen, wohin er gehen mag. Sarah leidet sehr und ich mit ihr. Josephine hier liebt nur meinen Cousin und auch ich hege nichts als Freundschaft für sie. Sie steht mir lediglich bei, denn es erfordert viel Kraft, hier ruhig zu stehen, während es mich drängt eure Miene zu stürmen, um Lars zu Sarah zurück zu bringen.“

Diese Worte erlösten Sven von seinem Bann und er starrte seinen Cousin überrascht an. So eine leidenschaftliche Rede hatte er noch nie von dem sonst eher zurückhaltenden jungen Mann gehört.

„Du wagst es“, donnerte der Zwergenkönig los und Opa Henry beeilte sich beschwichtigend auf ihn einzuwirken. „Magst du uns nicht in deine Stube bitten und wir reden in Ruhe bei einem guten Tropfen über alles?“

Der Zwerg stieß einige unverständliche Flüche aus.

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Sonntagsgeschichte Kapitel 77 – Warum?

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Blogroman Sonntagsgeschichte Kapitel 77

Auf der Drachenfelsebene in der Anderswelt trafen sie wieder aufeinander, dort wo in der realen Welt das Ausflugslokal steht, unterhalb des Gipfels mit der Ruine, die in der Anderswelt ebenfalls nicht existiert. Loreley und Johanna versorgten Sarahs Wunden, die zum Glück alle nicht tief waren. Ihr Herz dagegen schien gebrochen. Seit einer Weile floßen keine Tränen mehr, nicht weil sie sich beruhigt hätte, vielmehr schien Schneewittchen leer geweint. Für einen kurzen Moment hatte sie ihren Prinzen wieder gefunden, ihn befreit durch ihre magische Liebe und dann war er ihr wieder genommen worden.

Lukas hockte neben Sarah, hielt ihre Hand und teilte den Schmerz des Verlustes. Beinahe sahen sie aus wie Liebende, doch ihre Bindung ging in eine andere Richtung, sie waren Seelengefährten. Daher fühlte Lukas tatsächlich Sarahs tiefen Schmerz, fühlte nicht nur mit ihr. Auch wenn sie sich erst kürzlich gefunden hatten, war ihre Bindung tief und mächtig. So hatte Lukas Schneewittchen aus dem steinernen Schlaf erretten können, ganz ohne Kuss der Liebe. Seit ihrem Erwachen gab es für Sarah nur ein Ziel, ihren Prinzen wieder zu finden. Gemeinsam mit Lukas und den anderen war ihnen das heute gelungen. Doch kaum war Lars erlöst, tauchte sein Vater der Zwergenkönig auf und nahm ihn mit.

„Warum?“, hauchte Sarah verzweifelt, ihre Stimme versagte nach dem vielen Weinen. „Warum?“, fragte Lukas lauter und erhob sich. Sein Großvater hatte die Lichtung betreten und er ging auf diesen zu. Anklagend, verzweifelt, hilflos. Den alten Mann erreichend, schlug er ihm gegen die Brust, doch dieser hielt stand und zog seinen Enkel in eine liebevolle Umarmung. Da brachen auch bei Lukas die Dämme und die Tränen strömten einem Unwetter gleich über seine Wangen. „Warum?“, brachte er den Vorwurf erneut vor, diesmal weniger wütend, dafür noch verzweifelter.

„Ich weiß es nicht“, erwiderte Opa Henry. „Wenn du so weit bist, werden wir zwei es herausfinden. Vielleicht kann Josephine uns noch begleiten?“

Lukas versuchte sich zu beruhigen, währenddessen begrüßte Josephine seinen Großvater, den sie ebenfalls Opa Henry nannte, obwohl er der Opa ihres Freundes Sven war. „Wohin willst du mit uns gehen?“

„Zum Zwergenkönig“, antwortete er knapp und gab keine weiteren Erklärungen preis. Der Zwergenkönig war sein eigener Seelenbruder. Wenn einer mit ihm reden konnte, dann er. Vielleicht ließ die Bindung aber auch nicht zu, dass er sich ihm entgegenstellte, während Lukas alles tun würde, um den Zwergenprinzen zurück zu seinem Schneewittchen zu bringen. Josephine erkannte die Tragweite ihrer Aufgabe, warf noch einen Blick auf Sarah, die bestens versorgt wurde. Sven und seine Schwester Jenny nickten ihr ebenfalls aufmunternd zu. Dann ergriff sie die Hände von Lukas und Opa Henry . Die Welt um sie herum verschwand und sie fanden sich vor einer Burg wieder. Josephine blickte sich um, erkannte in der entgegen gelegenen Richtung einen Eingang zu einer Miene, der ihr bekannt vorkam. Damals am Rhein, als sie zum ersten Mal Bilder in die Anderswelt erblick hatte … War das möglich?

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