Sonntagsgeschichte Kapitel 62 – Unter dem Baum

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Sonntagsgeschichte Kapitel 62, Blogroman

Als Josephine nach Hause zurückkehrte, wurden sie und Sven bereits erwartet. Lucinda hockte auf der Blume am Fenster. Der Lilling kam ihr freudig entgegen geflogen, kaum dass sie die Tür geöffnet hatte. „Da seid ihr ja“, erklang ihre helle Stimme. „Lametta hat mich benachrichtigt, dass du sie zurück gelassen hast. Das war eine gute Idee von dir. So können wir erfahren, welche Rolle die kleine Marie in all dem spielt. Ich glaube ja, es ist ihre kindliche Phantasie, die alles für möglich hält. In ein paar Jahren wird sie alles vergessen haben, nicht mehr an Magie glauben und sich an den lieben Cousin erinnern, der ihr Geschichten erzählt hat. So ist es doch immer.“ Sie begleitete den letzten Satz mit einem tiefen Seufzer.

„Schön, dich zu sehen Lucinda“, kam Josephine zu Wort. „Wie kommt es, dass du schon Bescheid weißt?“

„Sagte ich doch, Lametta hat mich benachrichtigt. Daraufhin habe ich selbstverständlich Lore Bericht erstattet und deswegen bin ich hier. Sie möchte dich sehen, euch sehen“ ergänzte sie mit einem Blick auf Sven. Er nickte, obwohl ihn das alles noch verwirrte. Diese kleinen Schmetterlingswesen hatten offenbar bessere Möglichkeiten zu kommunizieren als Smartphones, Entfernungen schienen für sie ebenfalls keine Rolle zu spielen, schließlich war nicht viel Zeit vergangen, seit Josephine Lametta bei Marie zurück gelassen hatte. Kurz darauf hatten sie sich verabschiedet und waren her gekommen. Und doch wirkte Lucinda als warte sie bereits seit Stunden auf sie.

„Kommt, ab in den Garten mit euch. Ihr trefft Lore auf der anderen Seite.“

Josephine drehte sich zur Tür, während Sven einen Blick aus dem Fenster in den Garten warf, ob seine Großtante dort unten auf sie wartete? Wie konnte sie aus der Eifel so schnell her gelangen? Er ließ sich von Josephine an die Hand und mit zur Treppe nehmen. In Gedanken versunken folgte er ihr nach unten. Die andere Seite? Natürlich, die Anderswelt. Konnte man durch diese schneller reisen? Gab es Portale? Warum hatte er so wenig Ahnung von etwas, was offenbar Teil seiner Familiengeschichte war? Es war frustrierend und verwirrend.

„Bereit für den Übergang“, fragte Josephine, nachdem sie im Garten neben dem knorrigen Baum standen. Er schüttelte den Kopf. „Ich weiß immer noch nicht wie.“

„Natürlich weißt du das“, sanft strich Josephine ihm über die Wange. „Entspann dich und folge mir.“

Sven war viel zu nervös, um sich zu entspannen. Das Herumgeflatter von Lucinda war dabei nicht hilfreich. „Kommt schon ihr Turteltäubchen. Schmatz, schmatz und ab mit euch.“ Josephine scheuchte sie mit einer Handbewegung fort wie ein lästiges Insekt. Sie gehorchte und löste sich augenblicklich in Luft auf. Dann küsste Josephine Sven, erst sanft, dann intensiver, als sie spürte, dass er sich doch entspannte.

Die Liebe ist der Schlüssel, erinnerte sich Sven. Mit Josephine würde er überall hingehen. Und genau das tat er.

„Ihr könnt dann jetzt aufhören zu Knutschen“, erklang erneut das nervige Schmetterlingsmädchen. Jegliche Entspannung löste sich bei Sven wieder auf und kaum hatte er sich von seiner Freundin gelöst, stand ihm seine Großtante gegenüber, doppelt. Einmal so wie er sie kannte mit grauem Haar und faltigem Gesicht, daneben ewig jung und wunderschön Loreley, ihre Seelengefährtin. Hinter den beiden stand sein Cousin Lukas und grinste ihn an.

„Schön euch beide zu sehen“, grüßte Lore sie und umarmte zuerst ihren Neffen, dann seine Freundin. Loreley nickte ihnen lediglich zu, aber schenkte ihnen ein herzliches Lächeln. Kein Wunder, dass sie damit unzählige Seeleute in den Tod getrieben hatte, dachte Sven bei sich. Doch bevor er darüber nachdenken konnte, wie es wohl seiner Großtante in jungen Jahren ergangen sein musste, wurden sie gebeten sich hinzusetzen. Im Gegensatz zu Josephines Garten befand sich hier eine gemütliche Sitzecke, ähnlich der auf der Aquilaburg, wo die Frauen beisammen gesessen hatten, an jenem Abend, als er alles erfahren hatte.

„Ihr habt eine Spur des Prinzen gefunden?“, fragte Loreley gerade heraus?

„Ob es wirklich eine Spur ist, weiß ich nicht, denn er ist verschwunden.“ Dann erzählte Josephine alles der Reihe nach, von Maries Zeichnung, dem Treffen auf dem Spielplatz und schließlich vom heutigen Nachmittag. Sie endete mit der Beschreibung des kleinen Steinkreises im Wald.

„Ich glaube, ich weiß, wo der ist“, sagte Lukas, der bisher schweigend dabei gesessen hatte. Dieser Karl könnte der Nachbar meiner Oma sein, direkt hinter ihrem Haus geht es in den Wald. Ich weiß, Karl ist kein seltener Name, aber er lebt dort mit seinem Lebensgefährten Peter und sie haben einen erwachsenen Sohn. Leider habe ich ihn nie getroffen. Wenn sie das wirklich sind, wäre es doch wirklich ärgerlich, dass ich ihn nie kennen gelernt habe. Karl und Peter kenne ich auch nicht, meine Oma erzählt nur hin und wieder von den hilfsbereiten Herren von neben an. Sie seien richtige Männer, betont sie immer wieder und könnten ordentlich anpacken, wenn es darum ginge eine neue Waschmaschine in den Keller zu tragen.“ Er verdrehte die Augen, als er die Einstellung seiner Oma zu ihren Nachbarn beschrieb.

„Es ist kein ungewöhnlicher Zufall“, erklärte Loreley. „Es ist magische Anziehungskraft. Wenn du dich an diesem Ort häufiger aufhältst und sich in der Nähe des Hauses ein magischer Ort wie dieser Steinkreis befindet, dann hat es den Prinzen dort hingezogen. Reine Magie, kein Zufall.“

„Wir sollten nachsehen“ entschied Lore, stand auf und streckte die Hände aus. Die anderen folgten ihr, sie nahmen einander an den Händen und Sven dachte noch: Keine Portale, einfache Teleportation, reine Magie, kein Zufall. Schon flimmerte die Luft um sie herum und sie befanden sich kurz darauf am Waldrand hinter einem Gartenzaun wieder.

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Sonntagsgeschichte Kapitel 38 – Wahrheit

Dies ist das 38. Kapitel des Blogromans.

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Blogroman kleiner Komet Sonntagsgeschichte

„Es wird Zeit für die Wahrheit, meint ihr nicht auch?”, sagte Sven und schaute den drei Frauen der Reihe nach in die Augen. Zunächst seiner Schwester, dann seiner Großtante und zuletzt seiner Freundin, die auf seinem Schoß saß. Keine sagte etwas. Das Schweigen wurde unangenehm. Bis Josephine es nicht mehr aushielt, sie stand von Svens Schoß auf, drehte sich zu ihm um und begann endlich zu sprechen: „Erinnerst du dich an unseren Spaziergang am Rhein?“ Sven sah sie weiterhin erwartungsvoll an. Sie gingen oft am Rhein spazieren. Josephine holte tief Luft und setzte nochmal an. „Da waren die Hunde, einer hatte dich gebissen, danach warst du bei mir Zuhause und du hattest einen merkwürdigen Traum.“ Sven nickte. Er erinnerte sich, brauchte mehr Erklärungen. „Nun, also“, jetzt wurde es für Josephine schwierig. Sie hatte so oft versucht ihn von dem Thema abzulenken, ihn glauben lassen, er hätte nur einen Traum gehabt. Es war alles noch gar nicht lange her und doch fiel es ihr schwer, jetzt die Wahrheit zu sagen. Doch er hatte Recht, er hatte die Wahrheit verdient. Sie liebte ihn und nur gemeinsam konnten sie die offenen Fragen beantworten. „Erzähl es ihm,“ ermunterte Lore sie. Auch Jenny nickte ihr aufmunternd zu.

„Ok, also, der Hund, der dich gebissen hat, der war kein Hund. Naja und dein Traum, das war auch kein Traum, nehme ich an. Ja, du hast in meinem Bett geschlafen, wahrscheinlich hast du auch geträumt, aber du hast auch etwas erlebt, das unglaublich war.“ Verzweifelt blickte sie in Svens Augen, fand darin keinen Vorwurf. Er liebte sie, er vertraute ihr. Auch wenn sie ihm so viel verschwiegen hatte, seine Schwester und Tante belogen ihn schon viel länger. Seine Hand nach ihr ausstreckend, fragte er sanft: „Wie bin ich zu dir nach Hause gekommen?“ Das war die Frage gewesen, die sie ihm nie beantwortet hatte. Ihm war doch klar, dass sie ihn nicht alleine vom Rhein zu sich hätte bringen können, wenn er bewusstlos war. Natürlich wäre es viel sinnvoller gewesen einen Krankenwagen zu rufen. Sie hatte es nicht getan und er hatte aufgehört zu fragen.

„Wir haben eine Umweg genommen, einen, der nicht durch unsere Welt führt. Erinnerst du dich an unseren Kuss?“ Ein sanftes Steicheln über ihren Handrücken bestätigte, dass er sich erinnerte. Sie sollte weiter sprechen. „Ich weiß nicht wie es möglich war. Das ist eines der größten Rätsel an dieser Geschichte. Jedenfalls habe ich dich während unseres Kusses in die Anderswelt gebracht. Dort haben wir Johanna und Lametta getroffen.“

„Johanna sieht aus wie du, oder?“, fragte Sven. In seinem Traum, der ja nun doch keiner war, hatte er zwei Josephines gesehen und empfand dies verstörender als den Schmetterling mit Menschenkörper. Fantasierte er tatsächlich von zwei Mädchen? Reichte ihm Josephine nicht. Er liebte sie und wirklich erotisch war der Traum dann auch nicht gewesen, oder doch? Die zweite Josephine hatte ihn berührt, sein Bein untersucht. Dann war das Schmetterlingsmädchen dazu gekommen. Er schüttelte den Kopf, verließ seine Erinnerungen, er wollte jetzt die ganze Geschichte hören, endlich verstehen, was los war. Sein sehnlichster Wunsch war, zu hören, dass er nicht verrückt war. Denn all diese Bilder hatte er nicht zum ersten Mal gesehen.

„Ja, das tut sie. Sie lebt in der Anderswelt und sie hat dir gemeinsam mit Lametta geholfen. Lametta, sie sieht aus wie ein Schmetterling“ Mit einem Nicken deutete ihr Sven an, dass er genau wusste, wer diese Lametta war. „Sie hat uns zu mir nach Hause begleitet und dich geheilt. Das hatte sie Wochen zuvor für mich auch getan.“

„Und was hat mich gebissen?“

„Es war ein Fuchsteufel, ein Wesen der Anderswelt, gefangen in unserer. Er verfolgt mich seit unserer Party in der Rheinaue.“

Endlich war es raus. Die Geschichte hatte noch Lücken, vor allem eine Menge Fragezeichen, auf die Josephine selbst gerne Antworten hätte. Doch die große Mauer des Schweigens zwischen ihr und Sven war gefallen. Ihm ging es wir ihr, er zog sie an der Hand, die er schon eine Weile hielt,  sanft zurück auf seinen Schoß. Sie kuschelte sich an ihn und sie küssten einander, ein Kuss voller Liebe und Vertrauen.

Als sich die beiden nach einer Weile wieder voneinander lösten, wandte sich Sven an seine Schwester und Großtante: „Und was habt ihr beide mit der ganzen Sache zu tun?“

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