Sonntagsgeschichte Kapitel 81 – zwei Welten

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Sonntagsgeschichte Blogroman Kapitel 81
Sonntagsgeschichte Blogroman Kapitel 81

Sarah sah verheult aus und doch strahlten ihre Augen. Dieses Bild würde Josephine so schnell nicht vergessen. Kaum erschien Lukas mit Sarah in dieser Höhle voller bunter Kissen, sprang Lars auf und schloss sein Schneewittchen in die Arme. „Endlich“, seufzte er. Am liebsten hätte Josephine die beiden alleine gelassen. Doch der Zwergenkönig räusperte sich und ermahnte die beiden sich hinzusetzen. „Für eure Wiedersehensfreude habt ihr nachher Zeit. Zuerst gilt es diese Versammlung zu beenden.“

So streng er auch sprach, schlich sich trotzdem ein Lächeln in das mürrische Gesicht. Auch an ihm ging das offensichtliche Glück der beiden nicht spurlos vorbei. Langsam löste sich das Paar voneinander, sich weiterhin an den Händen haltend setzten sie sich gemeinsam hin. Langsam wurde der Kreis ein wenig enger und es wurde hin und her gerutscht. Jedoch benötigte Sarah nicht viel Platz, sie war zierlich und kuschelte sich eng an ihren Prinzen. Den Blick richtete sie erwartungsvoll auf den Zwergenkönig, während sie den anderen in der Runde keine Beachtung schenkte. Dies wirkte keineswegs unhöflich. Alle fühlten mit ihr und wünschten ihr nach der scheinbaren Ewigkeit, Zeit zu zweit.

„Nun denn“, ergriff der Zwergenkönig erneut das Wort. „Wir haben diskutiert und entschieden. Du wirst fortan bei uns in der Mine leben, so bin ich gewillt die Verbindung zu meinem Sohn zu akzeptieren.“

Während Sarah fragend Lars ansah, erhob sein Zwillingsbruder Fundin das Wort. „Vater“, mahnte er, „wir sprachen doch darüber, Schneewittchen nach ihrer Meinung zu fragen.“

Der Zwergenkönig seufzte und in seinem Blick stand eindeutig zu lesen, dass diese Weibsbild keine eigene Meinung zu haben brauche, wenn sie doch seinen Sohn liebte. Doch Opa Henrys Hand auf seiner Schulter mahnte ihn zu schweigen.

Lars und Sarah beendeten ihre stumme Kommunikation und Schneewittchen wandte sich an den König. „Herzlichen Dank für dieses Angebot, verehrter König. Ich danke auch euch Prinz, dass Ihr mir erlaubt eine freie Entscheidung zu treffen. So werde ich euch allen nun meine Entscheidung mitteilen.“ Zum ersten Mal ließ sie ihren Blick durch den Raum schweifen, blickte jede einzelne anwesende Person kurz an, bis sie den Blick wieder auf den König richtete und weiter sprach: „Ich bin ein Kind vieler Welten, weder hier bei den Zwergen, noch dort bei den Menschen heimisch. Mir fehlen Jahrhunderte, die ich in steinernem Schlaf verbrachte. Es ist wichtig für mich, meinen Platz in diesem neuen Leben zu finden. Wo dieser Platz sein wird, kann ich jetzt und heute nicht klar benennen.“

Der König starrte sie überrascht an, während Lars Blick voller Liebe und Vertrauen war. Er wollte sie nicht wieder verlieren und er wusste genau, dass er ihr die Freiheit lassen musste, die sein Vater ihr verwehren wollte.

„Für eure Gastfreundschaft bin ich euch dankbar und ich werde sie gerne annehmen, jedoch nicht dauerhaft hier in den Minen wohnen. Die kurze Zeit auf der Aquilaburg hat mich viel gelehrt“, liebevoll lächelte sie Opa Henry zu, „vor allem, dass ich Herrin meines eigenen Lebens bin. Ich und zwar ich ganz alleine, kann Entscheidungen über mein Leben treffen. Niemand kann und darf mir diese abnehmen.“ Nun wandte sie sich Josephine zu. „Du bist mir in kurzer Zeit eine Freundin geworden, hast mir ein Zuhause angeboten. Ihr alle habt mir eine neue Lebensgeschichte gegeben und diese sieht vor, dass ich für ein Jahr bei dir als Gaststudentin wohne. Das will ich tun.“

Sie hielt einen Moment inne, bevor sie die letzten Worte sprach: „Mein Prinz und ich waren ewig getrennt, auch für ihn wird nun vieles anders, jetzt, wo er wieder hier in der Miene ist. Die Menschen nennen es eine Fernbeziehung und eine solche will ich nun führen. Wir können nur gemeinsam glücklich in die Zukunft gehen, wenn es uns ebenfalls gelingt auch ein eigenes Leben zu führen. Wie dieses eigene und auch das gemeinsame Leben aussieht, das müssen wir beide herausfinden und zwar jeder für sich.“

Lars drückte sie an sich und nickte bestätigend. Auch wenn sie sich nicht mit Worten abgesprochen hatten, teilte er ihre Ansicht. „Wir haben einen Vorteil gegenüber den Menschen, die es Fernbeziehung nennen. Auch wenn wir in zwei verschiedenen Welten leben, ist die Verbindung stark und die Reisezeit beträgt entsprechend wenige Augenblicke.“

Der Zwergenkönig starrte das Paar überrascht an. Da klatschte Opa Henry in die Hände und stand auf. „So ihr lieben Mitmenschen, es wird Zeit für uns zu gehen. Es ist offensichtlich alles gesagt.“

Seine Enkel Sven und Lukas erhoben sich und traten an seine Seite. Josephine ging die wenigen Schritte auf Sarah zu und umarmte sie, was nicht ganz einfach war, da Lars sie nicht losließ. „Du hast bei mir immer ein Zuhause. Lasst euch Zeit und wir sehen uns später.“ Sarah erwiderte die Umarmung, küsste ihre Freundin auf die Wange und flüsterte ihr zu: „Es wird wohl morgen werden, das ist hoffentlich kein Problem.“ Josephine grinste und schüttelte den Kopf, dann löste sie sich und ging zu den drei Männern, um die Anderswelt zu verlassen.

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Sonntagsgeschichte Kapitel 79 – Happy End?

Dieses Kapitel ist für mich deswegen etwas Besonderes, weil es der 1000 Blogbeitrag ist, der online geht. Ich blogge jetzt seit 4 Jahren. Relaunch der Seite war am 06.02.2016, online ging der kleine Komet bereits am 23. März 2007, feiert also im Grunde morgen mit mir den 13. Geburtstag. Auch wenn hier Happy End mit Fragezeichen im Titel steht, ist dieses chaotische Schreibexperiment noch lange nicht zu Ende, dafür macht es mir zu viel Freude.

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Sonntagsgeschichte Kapitel 79 Happy End?

„Ihr Menschen glaubt auch bei einem guten Tropfen ließe sich alles regeln“, donnerte der Zwergenkönig wütend, doch dann schlich sich ein Lächeln in sein zorniges Gesicht. „Dann kommt halt rein“, knurrte er und machte eine einladende Geste in Richtung Mineneingang. Erst jetzt erkannte er, dass sein Sohn wie angewurzelt da stand. „Fundin“, erklang seine noch immer knurrige Stimme. Dabei stieß er seinen Sohn unsanft an. „Beweg deinen faulen Hintern und führ unsere Gäste in die Stube.“ Dieser löste sich aus der Starre und ging voraus. Sven folgte ihm, ohne sich nach den anderen um zu sehen. „Danke mein Freund“, bemühte sich Opa Henry weiterhin um einen höflichen Ton und betrat nach dem Zwergenkönig die Mine.

Josephine und Lukas folgten ihnen unsicher. Sie betraten einen düsteren Gang. An den Wänden hingen zwar Fackeln, aber nach dem Sonnenlicht draußen, brauchten ihre Augen einen Moment, bis sie sich an die sparsamen Lichtverhältnisse gewöhnt hatten. Der Gang war hoch genug, dass sie aufrecht gehen konnten, stellte Josephine erleichtert fest, schließlich waren sie in einer Zwergenmine. Doch Lars war groß wie die Menschen. Noch immer fragte sie sich, ob das seine wahre Gestalt war.

Der Gang wurde breiter und sie kamen in eine große Halle. „Willkommen in Moria“, flüsterte Lukas, aber an Herr der Ringe wollte Josephine jetzt wirklich nicht denken, denn die Szene in den Minen ging nicht gut aus. Sie ertappte sich dabei, wie sie Opa Henry mit Gandalf verglich, dann schüttelte sie den Kopf, um sie von diesen Gedanken zu lösen. „Nicht hilfreich“, zischte sie Lukas zu, der sie daraufhin angrinste. Für ihn war es offenbar hilfreich so mit dieser Situation umzugehen. Sollte er doch.

Mehrere Gänge zweigten von der Halle ab und sie folgten Fundin in die angekündigte Stube. Irritiert hielt Josephine kurz am Eingang zum Raum inne. Sie hatte mit allem gerechnet, aber nicht mit dieser leuchtenden orientalischen Gemütlichkeit. Das erste was ihr ins Auge fiel waren knallbunte Farben, die gar nicht orientalisch waren. Auf dem steinernen Boden lagen Kissen, viele bunte Kissen in unterschiedlichen Mustern als Sitzgelegenheiten. Steinerne Möbel standen an den Wänden, als Tische und Regale für Geschirr und Bücher. Die Gruppe machte es sich auf den Kissen gemütlich, während ein weiterer Zwerg sich an dem Tischen zu schaffen machte und dampfende Becher verteilte. Josehine beeilte sich, zwischen Lukas und Sven Platz zu nehmen. Ihr wurde ebenfalls ein dampfender Becher in die Hand gedrückt. Er war aus Stein und fühlte sich von außen nicht unangenehm heiß an. Es roch blumig, sie nahm an es sei eine Art Tee. Unsicher blickte sie in die Runde, niemand trank, also wartete sie.

„Willkommen meine Freunde“, sprach der Zwergenkönig mit erhobenen Becher. Seine Stimme klang noch immer knurrig, aber weniger bedrohlich. „Bevor wir uns besprechen, will ich euch als Freunde in unserer Stube willkommen heißen. Trinken wir auf die Freundschaft.“ Er erhob seinen Becher und trank. Josephine ahmte seine Geste nach und trank ebenfalls. Sie hatte Recht gehabt und sich gründlich geirrt. Das Getränk war heiß und es war blumig. Doch es war kein Tee, wie sie angenommen hatte, es war ein guter Tropfen, wie Opa Henry gefordert hatte, einer mit einem offenbar hohem Alkoholgehalt, sie würde vorsichtig sein, auch wenn es ihr wirklich gut schmeckte.

„Nun denn, reden wir“, sprach der Zwergenkönig weiter. „Ich weiß, warum ihr gekommen seid. Ihr wollt meinen Sohn zurück in die Menschenwelt führen. Daraus wird nichts!“

Lukas wollte aufspringen und etwas erwidern, doch Josephine bremste ihn, indem sie ihn mit der freien Hand am Arm packte und zurück auf die Kissen zog.. „Lass deinen Opa erstmal reden“, flüsterte sie ihm zu. Er nickte und setzte sich wieder, auch wenn es ihm sichtlich schwer fiel. Er litt mit Sarah und wollte sie mit ihrem Prinzen vereint sehen.

„Viel Zeit ist vergangen, seit ich meinen Sohn das letzte Mal in die Arme geschlossen habe. Mehrere Generationen eurer menschlichen Leben sind seitdem vergangen. Ihr könnt euch das Leid nicht vorstellen, dass dies für mich bedeutet hat. Er bleibt nun hier, wo er sicher ist.“

„Ich verstehe dein Leid gut, fühle ich doch einen Teil deines Leides selbst durch unsere Verbindung“, sprach Opa Henry mit fester ruhiger Stimme. Josephine spürte wie Lukas sich bei den Worten des Königs weiter angespannt hatte und nun ruhiger wurde. Er kannte seinen Opa gut, liebte ihn und vertraute ihm. Sie beide spürten, dass er derjenige war, der hier etwas erreichen konnte. Sven und Fundin saßen schweigend da, sie starrten einander nicht mehr an, vielmehr sah Sven inzwischen aus, als hielte er sich an seinem Becher fest, den er inzwischen bereits halb geleert hatte, in kleinen nervösen Schlucken.

„Doch denkst du auch an das Leid von Schneewittchen?“, fragte Opa Henry. „Aus ihrem steinernen Schlaf ist sie erwacht und sehnt sich seitdem danach ihren Prinzen wieder zu finden. Sie lebt nun in einer Welt, die ihr völlig fremd ist und es zerreißt ihr das Herz.“

„Pah die Liebe“, spottete der Zwergenkönig, doch Henry unterbrach ihn gleich. „Spotte nicht mein Freund, sonst wecke ich deine Erinnerungen.“ Ein Moment der Stille trat ein, während die beiden sich ein stummes Blickduell lieferten. Schließlich senkte der Zwergenkönig den Blick und sprach: „Gut, ich spotte nicht über die Liebe, aber es geschieht dem Mädchen recht. Sie hat schließlich meinen Sohn verzaubert.“
„War er es nicht, der den steinernen Zauber sprach?“
„Unwichtige Details.“
„War sie es nicht, die den Fluch brach und ihn erlöste?“
„Ist der Fluch wirklich gebrochen? Sie riss ihn mit sich ins Verderben, nun ist er hier. Da wo er hin gehört.“
„Und wird er hier glücklich?“
„Er hat hier alles, was er braucht.“
„Auch Liebe?“
„Du mit deiner Liebe.“ Erneut knurrte der Zwergenkönig.
„Ja, Liebe ist wichtig, wir alle sehnen uns nach Liebe. Geht es nicht genau darum? Liebst du nicht deinen Sohn und willst ihn deswegen bei dir behalten? Hast du nicht gelitten, weil dein geliebter Sohn verloren war, wie du sagst?“

„Hör auf!“

Erneutes Schweigen. Diesmal noch unangenehmer für alle im Raum. Nur Opa Henry sah seinen Seelengefährten weiterhin mit ruhigem und gütigem Blick an. Der Vergleich mit Gandalf kam Josephine noch einmal in den Sinn, der hatte auch die Fähigkeit mit jähzornigen Zwergen umzugehen. Doch hier gab es eine noch tiefere Verbindung zwischen den beiden. Henry spürte die Wut, Verzweiflung und Sorge des Königs, offenbar auch die Liebe, mit der er ihn immer wieder reizte. Diese Verbindung bestand in beide Richtungen und Josephine konnte beobachten, wie die ruhigen sanften, ja zuversichtlichen Gefühle von Opa Henry beim Zwergenkönige ankamen. Seine mürrischen Gesichtszüge wurden sanfter, entspannten sich.

„Hol deinen Bruder“, wies er Fundin schließlich an. Diesmal gehorchte er sofort, denn auch er hatte seinen Vater gespannt beobachtet. „Vielleicht können wir eine gemeinsame Lösung finden“, räumte der Zwergenkönig ein.“Vielleicht kann das Mädchen hier bei uns leben, auch wenn das nun wirklich kein Ort für eine wie sie ist. Ich weiß nicht, wie meine Familie sie aufnimmt, aber wenn es um das Glück meines Sohnes geht …“ Er verstummte und blickte nachdenklich drein.

Josephine versuchte sich Sarah hier vorzustellen. Konnte das funktionieren? Sie hatte zu wenig von der Mine und dem Leben der Zwerge gesehen, um das beurteilen zu können. Sarah hatte gerade begonnen sich in ihrem menschlichen Leben einzugewöhnen, jetzt sollte sie noch einmal neu beginnen? Erst einmal zählte, dass sie ihren Prinzen wieder sehen durfte, dann würden sie weitere Probleme lösen. Gespannt wartete Josephine auf die Rückkehr der Zwergenzwillinge.

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Sonntagsgeschichte Kapitel 71 – Schwestern

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BlogromanSonntagsgeschichte Kapitel 71 Schwestern

Bevor sie die Haustür aufschließen konnte, wurde Josephine von Sarah am Arm gepackt. „Werden deine Eltern mich auch wirklich mögen? Was, wenn ich mich seltsam verhalte? Vielleicht hatte Lore doch recht und es ist zu früh.“

„Dafür ist es auf jeden Fall jetzt zu spät. Lass uns rein gehen, ich stelle dich meinen Eltern vor und dann wird sich alles finden. Du wirst schon sehen, meine Eltern sind ganz lieb.“

Sarah umarmte sie noch einmal. „Danke, dass du das für mich tust“, dann ließ sie ihre Freundin endlich die Tür aufschließen. Es duftete nach frisch gebackenem Kuchen und Josephine grinste. Ihre Mutter war ebenfalls nervös. Sie buk immer, wenn sie nervös war und auf etwas warten musste, ohne Einfluss darauf nehmen zu können. Aber Kuchen würde ihnen allen gut tun. Gemeinsam am Tisch sitzen und Kuchen essen, war etwas so wunderbar Normales.

„Da seid ihr ja“, Josephines Mutter kam ihnen entgegen. Sie breitetet die Arme aus und strahlte Sarah an. „Willkommen bei uns liebes Kind. Ich bin Marion.“ Sarah lächelte schüchtern und ging einen Schritt auf Marion zu. Dann ließ sie sich in eine herzliche Umarmung ziehen. Josephine schloss derweil die Haustür. Das lief doch schon mal gut. Ihr Vater tauchte ebenfalls im Flur auf. Weniger überschwenglich als seine Frau reichte er Sarah die Hand und stellte sich als Franz vor. Sarah bedankte sich höflich und die erste Begegnung war geschafft, denn nun ging Mutter Marion die Treppe nach oben, um Sarah das Gästezimmer zu zeigen. Josephine folgte ihrer Freundin und Vater Franz trug den Koffer hinterher. Dieser war noch relativ leer. Eine dringende Shoppingtour mit Jenny stand noch aus. Um ein unverdächtiges Gewicht zu erreichen, lagen einige Bücher aus der Bibliothek bei den wenigen Kleidungsstücken.

„Ich hoffe es gefällt dir hier. Du kannst den Raum gerne nach deinen Wünschen dekorieren. Handtücher habe ich dir ins Bad gelegt. Ich zeige dir später wo du frische findest, auch frische Bettwäsche. Komm erst mal in Ruhe an. Josie kann dir nachher das Haus zeigen und ich koche uns allem mal einen Tee. Bis gleich.“ Mit einem liebevoll Lächeln verließ sie mit ihrem Mann zusammen das Zimmer. Josephine ließ sich erleichtert auf das Bett fallen. „Danke“, sagte Sarah schlicht und setzte sich neben sie.

Josephine lächelte und drückte kurz Sarahs Hand. „Willkommen zu Hause.“ Sarah nickte, dann schwiegen sie eine Weile.

„Jetzt müssen wir nur noch meinen Prinzen finden“, flüsterte Sarah schließlich. „Das werden wir“, versicherte Josephine. „Auch wenn Loreleys Neuigkeiten dann doch keine waren. Du wirst ihn finden. Dieser ganze magische Kram ist noch neu für mich, aber ich habe dich erwachen sehen. Du warst eine Steinfigur und jetzt wohnst du bei mir. Zusammen schaffen wir das.“

„Danke“, sagte Sarah erneut. „Du bist eine wahre Schwester.“

Noch einmal umarmten sich die beiden Freundinnen, Schwestern, dann verließen sie zusammen das Zimmer, um mit den Eltern Tee zu trinken und Kuchen zu essen.

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Sonntagsgeschichte Kapitel 70 – Die Austauschstudentin

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Blogroman Sonntagsgeschichte Kapitel 70

„Ich bin selber ein wenig überrascht“, erklärte Josephine, als sie wieder in den Speisesaal zurück kehrte, „aber du kannst gerne zu uns kommen.“ Sarah sprang von ihrem Stuhl auf und umarmte Josephine stürmisch. „Wie hast du das geschafft?“

„Wenn ich das wüsste“, lachte Josephine und löste sich aus der Umarmung. Beide setzten sich wieder und alle warteten gespannt auf Josephines Erklärung. „Ich habe ihnen erzählt, dass du dich in deiner Gastfamilie in der Eifel nicht wohl fühlst. Der Weg zur Uni nach Bonn sei auch viel zu weit und dass du daher dringend eine neue Familie suchst. Dafür hatten meine Eltern Verständnis. Dann habe ich ihnen erzählt, wie gut wir uns verstehen, seit wir uns neulich bei der Familienfeier kennen gelernt haben. Was mich allerdings wirklich erstaunt ist, dass meine Eltern so spontan zugestimmt haben, ohne dich selbst kennen zu lernen. Du kannst gerne morgen mit mir nach Bonn kommen. Das ist zwar ganz untypisch für meine Eltern, aber großartig. Meint ihr nicht auch?“

Alle stimmten zu, nur Lore hatte den Kopf schief in den Nacken gelegt und sah nachdenklich und ein wenig skeptisch aus. Erst als sich die Tür zum Speisesaal öffnete, entspannten sich ihre Gesichtszüge. Loreley betrat den Saal: „Guten Abend zusammen. Vielleicht kann ich ein wenig dazu beitragen, die Verwirrung zu lösen.“

Alle starrten sie erwartungsvoll an, wie kurz zuvor noch Josephine. „Ich war bei dir Zuhause. Entschuldige, ich habe eine Abkürzung genommen, war etwas in Eile, weil ich euch berichten wollte, was ich herausgefunden habe. Keine Sorge, ich bin nicht direkt in deinem Zimmer aufgetaucht, nur im Flur und ich habe auch angeklopft. Aber ich hatte mich geirrt, ich hätte das prüfen sollen. Jedenfalls hörte ich die Stimme deiner Mutter und schnell erkannte ich, um was es ging. Offenbar war ich nicht ganz umsonst gekommen.“

Sie grinste, gab aber keine weitere Erklärung. Lore stand auf, begrüßte ihre Seelenschwester und sagte: „Danke dir.“

Endlich verstand auch Josephine, was die Worte zu bedeuten hatten: „Du hast meine Mutter verzaubert?“

„So könnte man es nennen“, antworte ihr Lorely mit einem Zwinkern. „Im Grunde habe ich nur ein wenig gesungen. Meine Stimme hat manchmal so eine beruhigende Wirkung … Während deine Mutter im Wohnzimmer hin und her ging , saß dein Vater in seinem Sessel und hörte über Lautsprecher mit. Er sagte einfach nur: Gönn dem Kind doch den Spaß.“

Diese Worte hatten eine erheiternde Wirkung auf die Menschen im Raum, denn alle lachten herzlich und die Anspannung löste sich vollends. Es war eine Lösung gefunden und Schneewittchen würde nun als Sarah in der Menschenwelt leben. Natürlich gab es noch ein paar Formalitäten zu regeln, aber mit Loreley auf ihrer Seite machten sie sich darum erst einmal keine Sorgen.

„Was hast du denn herausgefunden? Hast du eine Spur zu meinem Prinzen?“, erkundigte sich Sarah hoffnungsvoll.

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Sonntagsgeschichte – Kapitel 69 Die Entscheidung

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Blogroman Sonntagsgeschichte Kapitel 69

„Ich bin so weit!“, verkündete Sarah lautstark. Schwungvoll war sie dabei von ihrem Stuhl aufgesprungen und zog die Aufmerksamkeit aller bei Tisch auf sich. Löffel fielen in die Suppenteller. „Ich werde hinaus gehen in eure Welt. Ich werde Lars finden!“

Josephine berührte sie sanft am Arm, wollte sie zurück auf den Stuhl ziehen, aber Sarah reagierte nicht. Sie blickte einmal in die Tischrunde, sah jeden einzelnen ernst an und blieb schließlich bei Lore hängen. Sie musste überzeugt werden, die ältere Dame war in den letzten Tagen ihre Lehrerin gewesen. Sie hatte ihr alles über die Menschenwelt beigebracht, sie gelehrt mit Technik umzugehen, womit sie sich selbst schwer tat. Auch die Sprechweise der jungen Leute war nicht ganz ihr Fachgebiet. Doch in vielen anderen Bereichen war sie ihr eine große Hilfe gewesen. Lukas hatte ihr das kleine Zaubergerät besorgt, dass sie seither immer bei sich trug. Er nannte es Handy. Darin steckte unendlich viel Wissen und sie konnte immer und überall mit ihm reden. Sie würde ihm jetzt gerne eine Nachricht schicken, würde ihm sagen, dass sie käme. Doch erst musste sie Lore überzeugen.

„Es ist zu früh!“, sagte diese. Lore blieb ruhig, betonte jedes Wort einzelnen. Sie schenkte Sarah einen liebevollen Blick und fuhr fort, als spräche sie mit einem Kleinkind. „Du hast lange geschlafen, viel verpasst. Ich verstehe deine Sehnsucht, deine Verzweiflung. Doch du bist noch nicht so weit, gib dir noch ein wenig Zeit.“

„Wir haben keine Zeit!“ Sarahs Stimme wurde lauter, zorniger, aber auch flehender. „Lars war die ganze Zeit in Lukas Nähe, aber jetzt ist er verschwunden. Nur ich kann ihn finden!“

„Loreley hat seine magische Spur …“, warf Lore ein.

„Sie wird verblassen, je länger wir hier diskutieren“, ihr kamen die Tränen, aber sie blieb stehen, wollte stark bleiben, ihren Willen durchsetzen. Sie war Schneewittchen, kein kleines bockiges Kind.

„Unser Plan ist noch nicht fertig“, wechselte Lore die Strategie.

„Dann machen wir ihn fertig“, forderte Sarah und sah hilfesuchend die Geschwister Sven und Jenny an. „Wenn ich nicht bei Lukas wohnen kann, dann vielleicht bei Josephine?“ Dabei wandte sie den Kopf und blickte auf die neben ihr sitzende herab.

„Ähm“, stotterte diese, nahm ihre Hand runter, die noch immer auf Sarahs Arm gelegen hatte und starrte sie überrascht an. Lore seufzte und begann zu erklären, was sie sich bisher überlegt hatten. Sarah entspannte sich und setzte sich endlich wieder hin. Hoffnungsvoll richtete sie ihren Blick auf Josephine, die Lore interessiert zuhörte:

„Wir haben uns überlegt, Sarah als Studentin aus dem Ausland auszugeben. Das würde darüber hinwegtäuschen, dass sie sich manchmal merkwürdig ausdrückt. Die Idee war, dass Lukas sie als Gast aufnimmt. Er hat bei seinen Eltern bereits angefragt, was sie davon halten und sie haben abgelehnt. Beide arbeiten sehr viel und hätten keine Zeit, sich um einen Gast zu kümmern. Das ist ja irgendwie einleuchtend, aber das war für uns auch Teil des Planes, je weniger Zeit sie mit Sarah verbrächten, desto mehr Zeit bliebe ihr, sich an unsere Lebensweise zu gewöhnen ohne aufzufallen. Lukas hat noch nicht aufgegeben, aber die Chancen stehen schlecht, dass sie sich überreden lassen, vor allem kurzfristig jemanden aufzunehmen. Das ist eh das Problem, wie erklären wir jemandem, dass Sarah so kurzfristig ein Zuhause benötigt?“

„Das ist doch kein Problem“, warf Jenny ein. „Ihr erzählt, dass sie die Gastfamilie wechseln muss, weil es in ihrer alten Probleme gab. Noch besser, einer ihrer Gasteltern ist krank geworden, nein die Großmutter. Sie müssen sich um die Großmutter kümmern, sie aufnehmen und benötigen den Platz, das Zimmer, in dem Sarah untergebracht ist.“

Lore überlegte eine Weile, dann nickte sie ergeben. Sarah jauchzte bereits vor Freude, dass sie es geschafft hätte. Doch Lores Blick bremste sie. „Die Geschichte klingt gut, aber wir brauchen noch eine Familie für dich. Das ist leider alles nicht so einfach.“

Für eine Weile schwiegen alle, dachten nach. Schließlich stand Josephine auf. „Ich rufe meine Eltern an“, sagte sie und ehe jemand etwas einwenden konnte, hatte sie den Raum auch schon verlassen.

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