Besondere persönliche Begegnungen

Von einem kleinen Zettel, der in einem Herrenhemd um die halbe Welt reiste und unser Leben für immer veränderte ~ Claudia Klütsch, Dirk Höner

Von einem kleinen Zettel, der in einem Herrenhemd um die halbe Welt reiste und unser Leben für immer veränderte ~ Claudia Klütsch, Dirk Höner

Begegnung auf dem Schulhof

Nicht nur Kinder, auch Erwachsene kommen auf dem Schulhof ins Gespräch. Man lernt sich kennen, plaudert über die Arbeit und hin und wieder fällt auch mal ein privates Wort.

Wie du hast ein Buch geschrieben?

so in etwa war meine erste Reaktion

Eigentlich wollte Claudia mir ja nur erzählen, dass sie am nächsten Tag nicht da sein würde. Ich wünschte ihr viel Spaß in Berlin, zögerte und hakte nach, dass es doch einen schönen Grund gäbe. Sie fuhr wegen eines Interviews nach Berlin, weil sie ein Buch geschrieben hatte. Da wird man als Buchbloggerin doch gleich hellhörig.

Zu diesem Zeitpunkt kannten wir uns flüchtig, etwa fünf Monate. Hin und wieder ein kurzes Gespräch auf dem Schulhof. Inzwischen habe ich ihr Buch gelesen und das Gefühl sie viel besser zu kennen. Das Buch las sich tatsächlich, wie unsere kleinen Gespräche. Claudia erzählt ihre persönliche Geschichte „Von einem kleinen Zettel, der in einem Herrenhemd um die halbe Welt reiste und unser Leben für immer veränderte“.

Claudias Begegnung mit dem Zettel

Vor etwa dreizehn Jahren bekam Claudias Mann Martin ein Hemd zum Geburtstag geschenkt. Als Claudia dieses einige Tage später auseinander faltete, fiel ihr ein kleiner abgerissener Zettel entgegen. Ein Zettel, der sie nicht mehr los ließ und ihr Leben auf den Kopf stellte. Es war ein Hilferuf aus Bangladesch. Zweifel, Neugier und viele Gespräche führten letztendlich zu einer ganz besonderen Begegnung und der Fund des kleinen Zettels war der Beginn einer ganz besonderen Freundschaft.

Claudia und Martin begegnen Gazi

Mit dem Journalisten Dirk Höfner, der Claudia Klütsch auch beim Schreiben des Buches unterstützte, reiste das Ehepaar Klütsch nach Bangladesch. Sie nehmen uns mit auf eine abenteuerliche und ganz persönliche Reise und doch ist es wirklich passiert, einem Menschen, den ich persönlich kennen gelernt habe.

Während des Lesens habe ich Claudias Stimme im Ohr, spüre ihre Begeisterung für die Erlebnisse und die Zuneigung für Gazi uns seine Familie. Ich sehe die Sehnsucht in ihren Augen, erneut nach Bangladesch zu reisen. Doch da sind auch Zweifel. Sie ist keine Heilige, hat keine Millionen zu verschenken. Ihre Familie ist eine ganz gewöhnliche Familie aus Wesseling. Doch Claudias Herz ist außergewöhnlich groß und sie ist hartnäckig. Zwei Eigenschaften, die sie trotz aller Zweifel nicht aufgeben lassen. Auch nach Jahren hinterfragen sie und ihr Mann ihre Unterstützung an die Familie. Ist es richtig was sie tun? Müssten sie mehr tun?

Meine Begegnung mit Claudias Geschichte

Ohne den persönlichen Bezug, hätte ich mir beim Lesen ganz sicher öfter bewusst machen müssen, dass es eine autobiografische Geschichte ist, kein fiktiver Roman und schon gar kein Roman, der in einer anderen Zeit, Welt oder gar auf einem fernen Planeten spielt. Menschen wie Gazi leben heute auf unserem Planeten so, wie Claudia es erlebt hat. Und das ist unglaublich!

Ja, ich habe bereits Berichte gehört und Dokumentationen gesehen. Und doch berührte diese Geschichte mich noch einmal persönlich. Die Geschichte stimmt mich nachdenklich. Im Gegensatz zu vielen Berichten fehlt dieser Geschichte der anklagende Zeigefinger. Claudia erzählt von ihren Erlebnissen, verschweigt keine Zweifel, beschönigt nichts. Leider hat sie auch keine universelle Lösung parat. Viele Marken produzieren günstig in Asien. Ohne Aufwand ist es kaum nachvollziehbar unter welchen Bedingungen unsere Kleidung entstanden ist. Wurden die letzten Schritte in Europa gefertigt, steht die ursprüngliche Fertigung in Asien gar nicht im Etikett.

Doch eines erreicht sie auf jeden Fall: Aufmerksamkeit für das Thema.

Wie können wir Menschen aus Entwicklungsländer nachhaltig unterstützen und ihre Arbeitsbedingungen verbessern?

Eine Frage auf die ich auch nach dem Lesen des Buches keine klare Antwort habe. Familie Klütsch unterstützt eine Familie und konnte viel vor Ort bewirken. Diese Möglichkeiten haben wir nicht alle. Es gibt viel Leid auf der Welt und wir können nicht alle retten? Wir können anfangen. Dies kann hier um die Ecke sein oder am anderen Ende der Welt. Es muss nicht viel sein, aber gemeinsam können wir die Welt ein kleines bisschen besser machen, jeden Tag.

Nicht nur in Bangladesch kam die finanzielle und persönliche Unterstützung an. Auch hier in Deutschland schafft Claudia mit ihrem Mann es, ein wenig Aufmerksamkeit auf die Thematik zu lenken und das ist wichtig. Neben dem Buch haben sie vor Ort die Dokumentation gedreht und seitdem auch weitere Interviews gegeben.

Wäre ein Vermeiden gewisser Marken eine Lösung für die Menschen, die in den Fabriken arbeiten? Welche Marken müssen dann vermieden werden?Zunächst hätten die Menschen vor Ort gar keine Arbeit mehr. Einfach weiter machen ist aber auch nicht die Lösung. Wir können bewusster einkaufen, bewusster leben, weniger Ressourcen verschwenden. Wir können Hilfsorganisationen unterstützen und den Menschen eine Stimme geben, indem wir Forderungen stellen an die Firmen und die Politik.

Menschenrechte müssen für alle gelten!

Deine Chance auf eine Begegnung mit einem Blick in eine fremde Welt

Was Claudia und ihr Mann erlebt haben, möchte ich euch nicht erzählen. Lest es selbst oder hört ihr zu. Am 25. April 2019 liest sie in Bonn. Diesen und weitere Termine findet ihr auf der Verlagsseite.


Das Buch wurde mir über das Bloggerportal von Random House zur Verfügung gestellt.

Von einem kleinen Zettel, der in einem Herrenhemd um die halbe Welt reiste und unser Leben für immer veränderte
Claudia Klütsch, Dirk Höner
blanvalet, 2018
ISBN: 978 3 7645 0680 3

Durch alle Zeiten – Steampunk

Timless Die Retter der verlorenen Zeit ~ Armand Baltazar
Timless Die Retter der verlorenen Zeit ~ Armand Baltazar

Stell dir vor die Zeit bricht zusammen. Aus Vergangenheit und Zukunft wird Gegenwart. Mehrere Zeitalter existieren parallel. Was würde passieren?

Ein Abenteuer. Ein Krieg.

Moderne Technik funktioniert nicht mehr, trifft stattdessen auf alten Kram – Willkommen im Steampunk.

Hooverboards und Dampfschiffe

Willkommen in der Welt von „Timeless – Retter der verlorenen Zeit“, einer Welt nach der großen Zeitkollision. Wer bereits mit Marty McFly in die inzwischen vergangene Zukunft von 2015 gereist ist, kennt sie, die Hooverboards, die Skateboards einer möglichen Zukunft, keine Rollen, sondern schwebende Boards ohne Reibung.

Ein solches bekommt Diego von seinem Vater Santiago, der Mechaniker ist zum Geburtstag. Seine Mutter Siobhan ist Pilotin. Der Geburtstag beginnt recht gewöhnlich, mit Frühstück und de Geburtstagsgeschenk. Doch noch ehe der Tag zu Ende ist, steckt Diego mit seinem besten Freund Petey und den Freundinnen Lucy und Paige in einem spannenden Abenteuer, der Rettung seines und Lucys Vater. Die vier Kinder sind nicht nur unterschiedliche Charaktere, sie entstammen auch unterschiedlichen Zeitaltern. Entsprechend haben sie, vor allem aber ihre Eltern, unterschiedliche Vorstellungen von der Gesellschaft, dem Leben und der Zukunft.

Einige akzeptieren die Zeitkollision und möchten auf den gegebenen Umständen aufbauen, andere setzen alles daran, diese wieder rückgängig zu machen. Dies hätte vor allem für die Menschen Konsequenzen, die sich nicht ausschließlich mit Menschen aus ihrer Epoche umgeben, sich sogar in jemanden aus einer anderen Zeit verliebt haben. Was geschähe mit einem Kind aus einer solchen Verbindung?

Ein Kinderbuch?

Ein Abenteuer, definitiv ein All-Age-Roman.

Auch wenn die Welt auf dem Kopf steht, die Zeiten kollidieren, bleiben die Menschen, was sie sind. Einige halten sich für etwas besseres und wollen mit den anderen nichts zu tun haben. Ob sich das wohl jemals ändern wird?

Lieber Print als eBook

Das Buch ist wirklich schön und mein einziger Kritikpunkt ist tatsächlich, dass ich es eBook gelesen habe. Es enthält wunderschöne bunte Steampunk-Grafiken. Daher ist es nicht auf einem eBook-Reader lesbar. Daher habe ich es auf dem Smartphone gelesen, was ich wirklich nicht gerne mache. Die Bilder kamen auf dem kleinen Display (4,6″) definitiv nicht zur Geltung. Ich empfehle daher unbedingt die Printausgabe!

Die Bilder sind nicht nur wunderschön, sie passen perfekt in die Geschichte, welche ebenso farbenfroh und anschaulich erzählt ist. So läuft die gesamte Geschichte zwangsläufig wie ein Film vor einem ab. Es bleibt noch genügend Freiraum für die eigene Phantasie. Es ist der erste Roman eines Filmdesigners (DreamWorks, Walt Disney, Pixar).


Das Buch wurde mir über das Bloggerportal von RandomHouse zur Verfügung gestellt.

Timeless – Die Retter der verlorenen Zeit (Link zur Verlagsseite mit Leseprobe)
Armand Baltazar
übersetzt von Tabja Ohlsen
cbj, 2017
ISBN: 978-3-570-17447-0

Wenn alles auf einer Lüge basiert …

Drachenflüsterer Saga - Boris Koch

Drachenflüsterer Saga – Boris Koch

Stell dir vor, du erfährst, dass alles, an das du geglaubt hast, an dem du dich orientiert hast, eine Lüge ist. Was würde passieren? Würde dein Wertesystem wie ein Kartenhaus zusammen brechen?

Oder hast du deine Überzeugungen bereits hinterfragt und bist dir sicher, gute Werte für dich gefunden zu haben?

Wenn wir uns in den sozialen Medien umschauen, begegnen wir immer wieder Menschen, die völlig absurde Überzeugungen haben, anders denken und ihre Propaganda verbreiten. Warum? Wer hat Recht und wie überzeugt man sie vom Gegenteil?

Jemanden davon zu überzeugen, dass der Grundgedanke völlig falsch ist, ist unheimlich schwierig. Es genügt nicht, die Wahrheit auszusprechen. Wir müssen es oft erst selbst erleben, um zu erkennen, wenn wir uns irren. Niemand ist davor sicher, sich zu irren. Doch manch ein Irrtum ist gefährlich. Gefährlich wird es dann, wenn andere pauschal verurteilt werden, als Bedrohung hingestellt, die sie nicht sind. Angst ist dabei ein mächtiger Faktor, derartige Überzeugungen zu verbreiten und zu verfestigen.

Die Legende der Drachen

In der von Boris Koch geschaffenen Welt ist die Legende der Drachen wohl bekannt. Sie gelten als von Samoth verflucht. Samoth ist der Gott der Finsternis. Sein Gegenspieler ist Hallwah, der lichte Gott zu dem die Menschen beten. So besagt die Legende, dass Samoth den Drachen Flügel gab und sie so böse wurden. Der Orden der Drachenritter, Hellwahs Diener, bekämpft die Drachen, lockt sie mit an den Pfahl gebundenen Jungfrauen in die Falle. Nähert sich ein Drache der Jungfrau, wird sie vom Drachenritter errettet und dem Drachen werden die Flügel abgeschlagen. Ein flügelloser Drache kann bezwungen werden und gehorcht demjenigen, der sie ihm abgeschlagen hat.

Ben der Drachenflüsterer

Ben lebt in einem kleinen Ort im Großirdischen Reich, ohne Vater. Seine Mutter trinkt viel und bei den anderen aus dem Dorf ist er nicht beliebt. Nur einen besten Freund hat er: Janko. Sein Traum ist es ein Drachenritter zu werden. Als er eines Tages zur Flucht gezwungen ist, begegnet er einem Drachen und macht eine unglaubliche Entdeckung. Er hat besondere Fähigkeiten und die Legende über die Drachen ist nicht wahr!

Fortan befindet er sich auf der Flucht, begleitet von Ayphiron, einem ausgewachsenen fliegenden Drachen. Er erfährt was Freundschaft und Liebe bedeuten, lernt die Gefahr kennen und übernimmt eine große Aufgabe …

Und die Wahrheit kann keiner glauben, denn Drachen mit Flügeln lügen. Daher ist es unmöglich, dass sie friedlich sind, auch wenn sie es selbst sagen. Eine verfluchte Zwickmühle …

Wie ich zu den Drachen kam

Es war ein lustiger Zufall. Gerade hatte ich das Bloggerportal von Randomhouse entdeckt und mit Begeisterung mein erstes Buch angefragt. Stolz zeigte ich Drachenreiterin, ich würde ein Drachenbuch bekommen. Sie reagierte völlig anders, als ich erwartet hatte und sagte: „Oh es gibt einen vierten Teil!“. Ähm, da hatte ich wohl mal wieder nicht aufgepasst … Ein dummer Fehler, der zum Glück nur halb so schlimm war. Sie brachte mir die ersten drei Teile in einem Band – 1130 Seiten … „Das habe ich dir schon mal zu lesen gegeben.“ Hätte ich mal …

Diese Geschichte ereignete sich bereits im Sommer 2017 (*Augen zuhalte und verstecke*). Ich begann auch zeitnah das Buch zu lesen. Tatsächlich gefiel mir die Geschichte richtig gut und ich liebe auch dicke Bücher, Geschichten in die man so richtig eintauchen kann. Genau hierzu lädt Boris Koch ein. Er hat eine magische Welt geschaffen, die er nicht langwierig erklären braucht. Wir steigen mit Ben ein und erfahren mit ihm, was wir wissen müssen, ohne komplizierte Sprünge und endlose Beschreibungen. Alles genau so erzählt, wie ich es am liebsten habe!

Doch, wenn ich ganz schrecklich ehrlich bin, kam ich bis zur Hälfte und ließ mich ablenken, immer wieder, bis die Drachenflüsterer ein wenig in Vergessenheit gerieten. Dann kam ein böser Faktor hinzu, nämlich „Du musst noch“ und das widerspricht meiner Grundregel, Lesen darf nicht stressen!

Dann kam Kathi auf die verrückte Idee mit dem Lesemarathon für längst angefangene Bücher. Wir setzten sie sehr spontan am 18. Juli um und das war der richtige Moment. Ich kehrte zurück zu Ben und seinen Drachen. Es waren Monate vergangen und doch kam ich sofort wieder in die Geschichte rein. Es war vollkommen egal, dass ich mitten im Kapitel aufgehört hatte. Als hätte ich ganz zufällig einen Freund wieder getroffen.

Fazit

Die Drachenflüsterer Saga ist eine fantastische Trilogie, die keine ist, denn es gibt inzwischen einen vierten Band, über den ich bald ebenfalls berichten werde. Es ist eine Geschichte, die ich allen Drachenliebhabern empfehlen kann.

Ein Held, der auch im dritten Band noch kein typischer Held ist. Eine spannende Geschichte, über den Wert von Freundschaft, eine Wahrheit, die keiner glauben kann und die Wichtigkeit, für die eigene Überzeugung einzustehen, die es wirklich wert ist. Eine Geschichte für jüngere und erwachsene Leser (vom Verlag ab 12 Jahren empfohlen).

Auf den Seiten des Verlages gibt es noch ein lesenswertes Special mit dem dinoverrückten Autor Boris Koch und Janko, Bens besten Freund.

Ich freue mich jetzt auf den vierten Band, den ich wirklich bald lesen werde!

Edit: Wer wissen mag, wie mich der vierte Teil beschäftigt hat, mag hier weiter lesen.


Das Buch stammt aus Drachenreiterins Bücherregal und stände es da nicht bereits, müsste es unbedingt dahin.

Die Drachenflüsterer Saga
Sammelband Teil 1 bis 3, inklusive Bonusmaterial
Boris Koch
HEYNE, 2013, 2. Auflage
ISBN: 978-3-453-53439-1

Wenn die Bedürfnisse nach Freiheit und Schutz sich gegenüberstehen

Auch wenn es in diesem Beitrag um einen zweiten Band geht, lies ihn ruhig, ich verrate nicht viel. Lasse mich von dem Buch zu einigen Gedanken inspirieren, die dir vielleicht Lust auf die Reihe machen, oder über die Themen zu sprechen.

Palace of Silk - C. E. Bernard

Palace of Silk – C. E. Bernard

London versus Paris

Spielte der erste Band der Palace-Saga „Palace of Glass“ noch im zukünftigen London, erleben wir im zweiten Band „Palace of Glass“ ein freies zukünftiges Paris. Die Kontraste sind unglaublich. Die Menschen, die Mode, die Stadt, eine völlig andere Welt. Die Autorin C. E. Bernard hat eine Zeit lang in Paris gelebt und nimmt uns mit in ihre Stadt. Dabei verliert sie sich nicht in endlosen Beschreibungen, verknüpft elegant das heutige Paris mit ihren Vorstellungen. Es entsteht eine lebendige Stadt vor meinem inneren Auge, eine Stadt, über die ich bereits viel gelesen, von der ich viele Bilder gesehen und zahlreiche Geschichten gehört, aber noch nie mit eigenen Augen gesehen habe.

Sei du selbst

Stehe zu dem, was du bist. Sprich aus, wer du wirklich bist. So ergeht es Rea Emirs gleich zu Beginn der Geschichte. Im freien Paris wäre es möglich. Und doch kann sie nicht so leicht aus sich heraus, kann nicht stolz sein, auf das, was sie ist. Diese Frage, ob sie nicht doch offen eine Magdalena sein kann, beschäftigt sie immer mehr. Drängender, je lauter die Forderung nach einem Berührungsverbot wird und entsprechend auch der Widerstand dagegen steigt.

Es gibt in unserer Welt immer wieder mutige Menschen, die sich tapfer vor eine Menschenmenge stellen und für das einstehen, was sie sind. Unabhängig zu welcher Minderheit sie gehören, ob aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer Sexualität oder ihrer politischen Einstellung. Diese Menschen stehen zu ihren Überzeugungen, stehen auf und sagen ihre Meinung. Dabei riskieren sie manchmal sogar ihr Leben. Dieser Schritt ist nicht leicht und sollte auch nicht leichtfertig gegangen werden. Niemand sollte sinnlos sterben! Doch wenn alle schweigen, wird sich auch nichts ändern.

In „Palace of Silk“ gibt es eine Figur, eine die lange zögert, mit sich selbst hadert und schließlich den Mut aufbringt öffentlich zu sprechen. Es gelingt ihr andere mitzureißen und ich glaube auch etwas zu bewirken. Noch kenne ich nicht den finalen Band der Reihe, doch ich liebe und schätze diese Figur sehr!

Sie steht für mich symbolisch für viele Menschen, Menschen aus der Geschichte und der Gegenwart. Ich nenne keine Namen, um niemanden zu vergessen. Es sind bekannte und unbekanntere Personen, die mir in den Sinn kommen. Helden der Geschichte, sowie Helden des Alltages.

Menschen kämpfen dafür, damit andere sein können, wer sie wirklich sind. Traurig, dass es auch im 21. Jahrhundert noch immer nötig ist, an so vielen Fronten für Gerechtigkeit und Freiheit zu kämpfen.

Danke!

Die Mittel zum Zweck

Das Problem mit den großen Zielen ist, dass es keine objektive Wahrheit gibt, was der „richtige Weg“ ist, für den es sich zu kämpfen lohnt. C.E. Bernard gelingt es, mir deutlich zu machen, wie wichtig es ist, die Magdalenen vor der Unterdrückung zu befreien. Eine „Hexenjagd“, wie wir sie im ersten Band in London gelesen haben, ist furchtbar, ohne Zweifel. Trotzdem wird im zweiten Band auch die andere Sicht deutlich, die Angst vor den Magdalenen und das Bedürfnis, die Menschen vor ihnen und ihrer Macht zu beschützen. Macht geht immer mit Verantwortung einher, eine, mit der nicht jeder umgehen kann. Die Versuchung sie zu missbrauchen ist groß, ebenso der Schaden, der dabei entstehen kann. Auf der anderen Seite ist Angst ein starker Faktor, der Menschen zu grausamen Taten gegenüber anderen Menschen verleiten lässt.

Es gibt also zwei große gegensätzliche Ziele in der Palace-Reihe: Freiheit und Schutz, beide nachvollziehbar. Einzelne haben ihre ganz eigenen Ziele und Interessen …

Wenn man sich für eines der beiden Ziele oder ein persönliches entschieden hat, stellt sich die Frage der Mittel. Reichen Worte aus, um etwas zu bewegen? Mit Worten erreicht man Menschen, viele Menschen gemeinsam erreichen noch mehr … Doch was ist mit anderen Mitteln im Kampf für die gute Sache? Ist jedes Mittel zu erreichen eines hohen Zieles recht? Lässt sich das Mittel im Nachhinein mit dem Ziel rechtfertigen? So hypothetisch lässt sich die Frage noch relativ leicht mit nein beantworten, aber wo ist die Grenze?

Unterschiedliche Figuren mit ihren verschiedenen Zielen, treffen individuelle Entscheidungen und nehmen vielfältige Wege, ihre Ziele zu erreichen. Dabei treten sie gemeinsam oder gegeneinander an, teilweise ohne die klaren Ziele der anderen zu kennen oder zu verstehen.

Fazit

Die Figuren der Palace-Reihe sind alle sehr lebendig, die Geschichte spannend, fesselnd und bietet unglaublich viel Stoff zum nachdenken und philosophieren.

Ich habe tatsächlich sehr lange gebraucht, bis ich mich endlich an diesen Beitrag gesetzt habe. „Palace of Silk“ hat mich noch eine Weile beschäftigt, mich nicht losgelassen. Noch immer bin ich mir sicher, mit diesem Beitrag dem Roman nicht gerecht zu werden, aber er ist ein kleiner Einblick in die Welt der Palace-Saga, der euch vielleicht inspiriert oder Lust auf das Buch macht, ohne euch zu viel über die Handlung zu verraten. Wenn mir das gelungen ist, bin ich zufrieden. Einen weiteren Beitrag habe ich geschrieben, zu nur einem einzelnen Thema, das mit in diesem Buch steckt. Dieser folgt in den nächsten Tagen. EDIT: Beitrag „Freiheit für die Liebe“ ist online.

Wenn es noch nicht deutlich geworden ist: Ich liebe diese Reihe, die mich so nachhaltig beeindruckt! C.E. Bernard schreibt wundervoll, zugleich sprachlich elegant und kunstvoll, als auch leicht verständlich. Nachdem ich das Buch vor zwei Wochen beendet habe, habe ich einige Bücher begonnen. Keines konnte mich so begeistern. Sie waren nicht schlecht, aber blass.

Am 23.07.2018 erscheint „Palace of Fire“

Dem dritten finalen Band fiebere ich entgegen. Insbesondere bin ich gespannt, ob ich mit meinen Vermutungen Recht habe. Ich verrate euch nur eine meiner Theorien: Ich glaube nicht an ein Happy End für Rea und den Prinzen, die beiden werden nicht heiraten.

Falls es wieder eine Release-Party wie zu „Palace of Glass“ oder „Palace of Silk“ geben wird, bin ich gerne wieder dabei. Ich fürchte nur, nach diesem Buch wird es mir erneut so gehen, dass andere Bücher blass wirken …

Feierliche Verurteilung

Nach all meiner Begeisterung wird nun eines fällig: C.E. Bernard gehört auf die Liste der „bösen Autoren“.

Warum?

Wer mir so lange mit ihrer Geschichte im Kopf herumgeistert, es mir schwer macht, andere Bücher zu genießen, erreicht doch ein ganz neues Level einer Bösen Autorin! Hier liegt übrigens gerade ein Roman von Rose Snow, die ebenfalls auf er Liste stehen (Autorenduo). Ich traue mich nicht das Buch zu lesen!

Übrigens hatte ich bereits nach dem ersten Band über eine Verurteilung nachgedacht, war mir aber nicht sicher, ob dies nicht zu beeinflusst von der wunderbaren Release-Party und der unglaublichen Vanessa Basilio de Luca war, die wir gleich mit auf die Liste setzen könnten. Auf die Besetzungsliste für die Verfilmung der Palace-Reihe gehört sie auf jeden Fall. Vanessa ist Rea!


Das Buch wurde mir über das Bloggerportal von Random House zur Verfügung gestellt.

Palace of Silk
C. E. Bernard
penhaligon
ISBN: 978-3-7645-3195-9
Erscheinungsdatum: 25.05.2018

Buch-Release-Party für „Palace of Glass“

Es flatterte eine freundliche Einladung in mein Mail-Postfach, eine Fantasy-Lesung fände in Bonn statt, Eintritt frei. Irgendwie kam mir das Buch „Palace of Glass“ bekannt vor … Doch es würde erst am 19.3.2018 erscheinen, am Tag der Lesung … Ich fand es, auf dem Wunschzettel meiner Tochter, die sich bereits mit den anstehenden Neuerscheinungen befasst hatte.

eine glückliche Autorin: C. E. Bernard wird herzlich begrüßt

eine glückliche Autorin: C. E. Bernard wird herzlich begrüßt

Palace of Glass

Der Debütroman von C. E. Bernard ist der Auftakt zu einer Fantasy-Trilogie, die laut Klapptext verspricht „verführerisch, fesselnd, großartig“ zu werden.

Auf der Lesung habe ich das erste Kapitel gehört und halte dieses Versprechen für sehr realistisch. Wenn ein Fantasy-Roman mich bereits im ersten Kapitel fesselt, ist das ein verdammt gutes Zeichen!

Keinerlei Berührung. So lautet das oberste Gebot, das uns von Kindesbeinen an eingebläut wird, die einzige Regel die wirklich von Bedeutung ist. Trage stets deine Handschuhe.

Ich werde diese Regel jetzt brechen.

Das ist doch mal ein Einstieg oder?

Die Geschichte spielt im zukünftigen London, einer Zeit in der gewisse magische Fähigkeiten wiederentdeckt wurden. Magdalenas können bei Berührung der Haut, die Gedanken anderer lesen und sogar verändern. So kehren die Menschen mitsamt ihrer fortschrittlichen Technologie im Jahre 2054 wieder zurück zum Kleidungsstil des 19. Jahrhunderts und erlassen kuriose Gesetze aus Angst. Ähnlich wie damals zu Zeiten der Hexenverfolgung werden die Fähigkeiten der Magdalenas gefürchtet. Berührungen nackter Haut sind verboten, einzig erlaubt unter Eheleuten und auch dann nur zum Zwecke der Fortpflanzung. All das verleiht dem Roman bereits im ersten Kapitel einem sanften erotischen Unterton.

Inspiration

Im Interview auf Bonn FM vom 20.08.2018 erzählt C. E. Bernard, wie ihre Gedanken ins Rollen kamen, angefangen beim Thema Verzicht … dann kam die Kreativität dazu.

Wie wäre es, auf Körperkontakt verzichten zu müssen. Körperkontakt ist etwas wunderbares, zumindest mit vertrauten Menschen.

Dann brauchte es einen Grund für das Verbot und so kam eine Idee nach der anderen … bis inzwischen alle Bände fertig sind …

Eine weitere Quelle der Inspiration war Musik: Clara Clasens Song „Irrelevant“ war die Inspiration für die Hauptfigur Rea Emris. Calvin Harris mit „Fire“ spielt und Mumford und Sons gehören auf die Playliste der Autorin.

Umwege des Buches

Geschrieben auf Englisch und eingereicht an eine britische Agentin, kehrte das Buch zurück nach Deutschland. Bei der britischen Agentur ist es üblich, Manuskripte weltweit anzubieten. So kam es, dass ausgerechnet ein deutscher Verlag zugriff. „Palace of Glass“ ist bei penhaligon erschienen.

So wurde das englischsprachige Manuskript der deutschen Autorin von Charlotte Lungstrass-Kapfer ins Deutsche übersetzt.

Palace of Glass

Der Palace of Glass und ein Buch-Kuchen

Release-Party

Kaum zurück von der Leipziger Buchmesse fand am Montag Abend, dem offiziellen Erscheinungstermin des Buches, eine Release-Party in der Bonner Kulturkneipe Brotfabrik statt. Diese wurde nicht von der Autorin oder dem Verlag ausgerichtet, sondern organisiert von wunderbaren und kreativen Freunden der Autorin, junge Talente der Bonn University Shakespeare Company und sicher auch anderen.

Ina, Lara und Eva-Lotte haben sich um die Organisation gekümmert, hatten dabei zahlreiche kreative und fleißige Helfer. Das rote Kleid der Autorin wurde extra für sie passend zum Buch geschneidert, Buchkuchen gebacken und den Palast gab es auch. Der Wahnsinn!

Eine Buch-Geburtstagstorte, zu schön zum Essen

Eine Buch-Geburtstagstorte, zu schön zum Essen

Beim Einlass erhielten die Gäste rote Seidenbänder ums Handgelenk gebunden, passend zum Buch. Die Organisatorinnen trugen das rote Seidenband ins Haar geflochten. Vorab wurden die Bänder mit den Büchern an ausgewählte Blogger geschickt. Auf der Leipziger Buchmesse wurde das rote Seidenband zu einem Erkennungszeichen für die Autorin. Leider bin ich offenbar zum falschen Zeitpunkt gekommen, erst zu früh und schließlich waren mehr Gäste gekommen als erwartet und die Bänder reichten nicht für alle. Mit viel Liebe zum Detail gab es kleine Tütchen mit Süßigkeiten oder Chips, dazu wurde Sekt oder Saft zum Anstoßen gereicht.

Lesung

Da die Party ein Geschenk ihrer Freunde war, brauchte die Autorin auch nicht selbst lesen, sondern konnte entspannt (naja, dazu war sie sicher viel zu aufgeregt) bei ihrem Freund sitzen und der Lesung lauschen.

C. E. Bernard während der Lesung

C. E. Bernard während der Lesung

Gelesen haben Vanessa Basilio de Luca und Robin Hemmersbach, beide Schauspieler mit unglaublich starken Stimmen! Vanessa begann mit dem ersten Kapitel in der deutschen Übersetzung. Robin übernahm und las aus dem englischen Original.

Lesung Palace of Glass

Robin und Vanessa bei den letzten Absprachen kurz vor der Lesung

Signierstunde

Eines kann ihr niemand abnehmen und ich glaube, das hätte Christine sich auch nicht nehmen lassen: das Signieren ihrer Bücher. Die Buchhandlung Witch & Behrendt hatte einen hübschen Büchertisch aufgebaut. Bei meiner Ankunft dachte ich noch, er sei riesig, doch es blieben tatsächlich kaum Exemplare zurück.

Meinem Eindruck nach, der mir auch von denjenigen mit denen ich mich unterhalten habe, bestätigt wurde, waren überwiegend Freunde, Familie und Bekannte von Christine anwesend, um mit ihr diese Veröffentlichung zu feiern. Einige von ihnen hatten eine weite Anreise und waren sogar mit in Leipzig bei der Buchmesse gewesen. So nahm sie sich für jeden einzelnen Zeit, eine individuelle persönliche Widmung zu schreiben, kurz zu sprechen und zu umarmen. Auch ich habe in meinem Exemplar eine sehr schöne Widmung, die ich herzlich gerne meiner Tochter gönne.

Live-Musik

Im Anschluss an die Signierstunde gab Clara Clasen, Singer und Song-Writer aus Bonn, ein kleines Konzert.

Clara Clasen live

Clara Clasen live

Mir wurde von vielen Seiten dringend angeraten zu warten, es würde sich lohnen. Trotz schrecklicher Müdigkeit, denn das Wochenende mit Familienfeier zum 18. Geburtstag war verdammt anstrengend, blieb ich. Es hatte sich mehr als gelohnt!
Clara Clasen hat eine unglaubliche Stimme! Und dabei war sie heiser, sagte sie, man hörte es auch beim sprechen, der Gesang war unglaublich. Gänsehaut!

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Irrelevant von Clara Clasen

„Irrelevant“ ist der Song, der bereits vor dem Roman geschrieben wurde, inzwischen aber Rea Emris gewidmet ist.

The only thing that’s true about me is that the world will turn without me.

Im September erscheint Clara Clarsens erstes Album!

Fazit

Es war ein wunderbarer Abend an dem ich viele nette Menschen getroffen habe. Herzliche Grüße an Nadja und Julia, die nicht Janine ist. Es hat mich sehr gefreut euch kennen zu lernen!

Das Buch hat mich sehr sehr neugierig gemacht. Auch wenn ich das auf der Lesung gekaufte Exemplar verschenkt habe, werde ich es garantiert lesen! Die nächsten beiden Bände erscheinen bereits im Mai und Juli 2018. Wir müssen nicht lange leiden, das finde ich sehr sehr nett.

Außerdem werde ich die Augen offen halten, denn ich möchte gerne einmal C. E. Bernard selbst live lesen hören. Auch einen Auftritt der Bonn University Shakespeare Company muss ich unbedingt einmal besuchen, es ist eine wirklich coole Truppe.

Update

Inzwischen habe ich das Buch gelesen und auch einen Auftritt der BUSC miterleben dürfen. Hamlet steht im Sommer noch aus.


Infos zum Buch:

Palace of Glass – Die Wächterin
C. E. Bernard
Deutsch von Charlotte Lungstrass-Kapfer
penghalion
erschienen am 19.03.2018