Was wäre, wenn wir in die Zukunft sehen könnten?

Ich mag Bücher, die sich spannend lesen und dazu inspirieren über wichtige Themen nachzudenken. „Future ~ Die Zukunft gehört dir“ von Dan Frey erfüllt beide Erwartungen.

Was wäre, wenn wir in die Zukunft schauen könnten?

Ein alter Menschheitstraum, von denjenigen gelebt, die sich mit Wahrsagerei befassen. Mich fasziniert das Thema, Zeitreise, habe ich doch meine eigene Zeitreise-Reihe begonnen zu schreiben. Auch wenn Komets-Zeitreise-Projekt noch nicht veröffentlicht ist, sind bereits zwei Bände geschrieben und weitere Bände in Vorbereitung.

Es gibt viele Theorien über die Frage, ob wir den Verlauf der Zeit verändern können. Entstehen dann alternative Parallelwelten oder wird der lineare Zeitverlauf umgeschrieben. Gibt es vielleicht keinen freien Willen und alles ist vorherbestimmt? Können wir uns selbst begegnen oder löst das Paradoxon dann eine Katastrophe aus?

Andere Fragen drehen sich um die Macht, die wir damit hätten. Wie würden wir mit dieser Möglichkeit umgehen? Wäre es eine wichtige Aufgabe, die geheim gehalten werden muss? Was wäre, wenn alle die Möglichkeit hätten? Die letzte Frage spielt in „Future“ eine interessante Rolle, wie sie mir bisher noch nicht begegnet ist. Zeitreisen ist in allen Geschichten, die mir gerade einfallen, eher ein Privileg und ein Geheimnis. Die Idee, allen einen Blick in die Zukunft zu ermöglichen, hat die Lektüre für mich sehr spannend gemacht.

Future: Die Zukunft gehört dir ~ Dan Frey
Future: Die Zukunft gehört dir ~ Dan Frey

Future ~ Die Zukunft gehört dir

In „Future ~ Die Zukunft gehört dir“ geht es um einen technologischen Blick in die Zukunft. Zu Beginn erfahren wir, dass das Experiment geglückt sei, als eine Mail aus der Zukunft im Postfach erscheint. Es scheint aber auch ein ernstes Problem zu geben, denn es gibt eine Anhörung. Nicht vor einem Gericht, sondern dem Kongress.

Erzählweise

Es ist keine Prosa. Wir lesen Mails, Chatnachrichten oder die Protokolle der Kongressanhörung und weitere Textformate, wie Blogbeiträge oder Google Docs. Es ist ein wenig wie ein Briefroman mit modernen Kommunikationswegen.

Wir erfahren Informationen aus der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Am Anfang musste ich zwischendurch nochmal zurück blättern, wer von den beiden Freunden, die das StartUp gründen, war jetzt wer? Auf welcher Zeitebene sind wir gerade? Natürlich stehen da Daten. Irgendwann hatte ich danit keine Schwierigkeiten mehr und war gefesselt von der Geschichte.

Basisplot

So neuartig und modern die Geschichte wirkt, steckt in ihr der klassische Plot „Vom Tellerwäscher zum Millionär“. Ich befasse mich gerade parallel mit den 7 Basisplots von Christopher Booker.

Ben Boyce und Adhvan Chaudry sind nicht die typischen Silicon Valley StartUp Gründer, auch wenn sie beide in Stanford studierten, wo sie sich kennen gelernt haben. Ben Boyce ist Schwarzer, dessen Vater abgehauen ist, nachdem er arbeitslos wurde. Seine Motivation ist, es mal besser zu machen. So spekulierte er während des Studiums an der Börse, was in horrenden Krediten endete.

Adhvans Familie kommt aus Indien. Sein Vater wollte den amerikanischen Traum leben, fand dafür aber nicht den passenden Platz am Arbeitsmarkt. Stattdessen führte ihn das „Rad des Schicksals“ an den Roulettetisch und er erlag dem Glücksspiel. Adhvan würde gerne seine Mutter finanziell unterstützen und ihr ermöglichen, nicht mehr in der Reinigung arbeiten zu müssen.

Aus den beiden „Armen Jungs“ werden Gründer eines Unicorn-StartUps. Eine interessante Entwicklung mit all ihren Konsequenzen, die dieser Wandel mit sich bringt.

Es ist nicht der einzige Basisplot, der in diesem Roman eine Rolle spielt. Würde ich weiter darauf eingehen, würde ich zu viel von der Geschichte verraten, nur so viel, die Plotstruktur ist komplex und beim Lesen der ersten Kapitel begleitete mich die Frage: Um was genau geht es hier?

Autismus-Klischee

Adhvan Chaudry ist Autist. Leider wird er sehr klischeehaft dargestellt als der emotionslose Nerd. Sein Autismus hat eine wichtige Funktion für die Geschichte. Um so mehr ärgert es mich, dass dieser im Verlaufe des Buches nicht mehr benannt wird. Plötzlich steht eine andere Diagnose im Vordergrund. Er kann durchaus beide Diagnosen haben, dennoch hätte Autismus im psychiatrischen Bericht erwähnt werden müssen und da fällt es weg. Hier hätte es auf jeden Fall Möglichkeiten gegeben, jenseits eines typische Klischees eine interessante Figur entwickeln zu können. Ein weitere Trope, die mit seiner Figur bedient wird, ist „der programmierende Inder“.

Immerhin sind es Figuren aus marginalisierten Gruppen, die die Hauptfiguren darstellen. Allerdings tragen beide in meinen Augen dazu bei, Klischees zu füttern. Bei Ben ist es die Trope des Schwarzen, der raus aus dem Ghetto will.

Die großen Fragen

Ist die Zukunft änderbar? Wie gehen wir mit Informationen über die Zukunft um?

Mal angenommen es wäre möglich, Informationen über die Zukunft zu erhalten. Was würden wir damit anstellen?

Was tatsächlich möglich ist, ist Zukunftsforschung zu betreiben und Prognosen zu erstellen.

Wie wir privat und politisch mit Prognosen zum Thema Klimawandel umgehen, ist bekannt. Leugnen, anzweifeln, oder ignorieren sind alles psychologische Strategien, die kurzfristig helfen, aber kein Problem lösen.

Technik der Zukunft und Ethik

Eine weitere spannende Frage stellt der Roman. Wenn eine neue Technologie entwickelt wird, die missbraucht werden kann, wie kann das ethische Dilemma gelöst werden?

Was ist die Konsequenz aus der Frage? Die Technologie zu vernichten? Löst das das Problem?

Die erste Antwort des Romans darauf: Nein, denn jemand hat gezeigt, dass eine solche Technologie entwickelt werden kann und dies können auch andere tun.

Kann dieses Szenario verhindert werden, indem ein ethischer Umgang mit der bereits entwickelten Technologie gefunden wird?

Spannende Gedanken, die für unsere Realität äußerst relevant sind.

Fazit zum Buch

Das Buch stößt einige wichtige Fragen an, bleibt dabei aber unterhaltsam und spannend. Das Ende ist gut gewählt. Die Geschichte ist rund, abgeschlossen, aber auch offen. Wir können für uns entscheiden, was wohl als nächstes geschieht, der Weg ist gezeichnet. Das Buch inspiriert dazu über große Fragen nachzudenken und zu diskutieren.

Die Frage bleibt. Wie gehen wir mit Technologie um, die nicht unbedingt nützlich für die Menschheit ist, Schaden anrichten kann, aber für einige verlockend erscheint. Wenn sie einmal entwickelt wurde, können das auch andere? Wer sollte entscheiden dürfen, wie mit der potentiellen Macht umgegangen wird?

Es ist auf jeden Fall eine empfehlenswerte Lektüre, nicht nur für Fans der Science Fiction. Es ist sehr realitätsnah und spielt im Zeitraum Dezember 2021 bis Dezember 2022, in der nahem Zukunft. Die deutsche Erstausgabe erschien im Januar 2022.


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Das Buch wurde mir über das Bloggerportal als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Future: Die Zukunft gehört dir
Dan Frey
Heyne, 2022
übersetzt von Bernhard Kempen