Sonntagsgeschichte Kapitel 83 – fuchsteuflische Pläne

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Josephine gönnte sich einen Moment den Blick vom Drachenfelsen auf den Rhein und das Tal hinab zu genießen. Frei von Schiffen und Gebäuden war er noch viel beeindruckender als eh schon. „Erzähl mir von deinem Plan“, unterbrach Johanna diesen kurzen Moment der Ruhe. Sie hatte wieder ihre menschliche Gestalt angenommen, nachdem sie mit Josephine auf dem Rücken hergeflogen war. Es wäre nicht nötig gewesen, schließlich hätten sie auch in Josephines Garten reden können. Doch beiden Frauen tat dieser Ort gut nach den Ereignissen der letzten Tage und es war ein seltener Moment zu zwei für die beiden Seelenschwestern.

„Der Plan ist noch nicht fertig, das ist das Problem“, begann Josephine. „Es wird Zeit etwas gegen den Fuchsteufel zu unternehmen. Neulich habe ich in der Bibliothek von Opa Henry etwas gelesen und seitdem viel überlegt. Als ich ihn gestern Abend wieder traf, sagte ich ihm, ich hätte eine Idee, ihm zu helfen.“

„Ein gefährliches Versprechen meine Liebe.“ Johanna sah sie streng an und Josephine seufzte schwer. „Ich weiß, aber in dem Buch stand, wer den größten Wunsch eines Fuchsteufels kenne, dem gelänge es vielleicht ihn in eine Falle zu locken. Sie sind verschlagen und mit einem verschlagenen Plan können wir ihn mit seinen eigenen Waffen schlagen.“

„Na immerhin bist du nicht auf die Idee gekommen, dich von ihm retten zu lassen.“
„Du kennst also den Text?“
„Ich kenne sogar den Verfasser des Textes und nein, ich werde ihn dir nicht vorstellen, denn mehr kann er dir wirklich nicht erzählen. Seine Recherchen waren gründlich, in die Falle gelockt hat er keinen Fuchsteufel je erfolgreich.“
„Aber irgendwas muss ich doch tun.“
„Was hast du dir denn bis jetzt überlegt?“
„Nun, sein größter Wunsch ist es zurück in die Anderswelt zu kommen. Dabei kennt er diese nicht einmal. Schließlich verhindert die Erbschuld seit Generationen, dass die Fuchsteufel die Anderswelt betreten.“
„Sofern diese Theorie stimmt“, warf Johanna ein.
„Du glaubst nicht daran?“
„Ich habe mich nicht weiter damit beschäftigt, als über das Gespräch mit dem Verfasser hinaus. Allerdings waren seine Belege dahingehend dünn und jede andere Theorie für den Aufenthalt der Fuchsteufel in eurer Welt, ohne dass es hier noch welche gäbe, wäre ebenso plausibel.“
„Gibt es hier wirklich keine mehr?“
„Es sei denn sie leben sehr verborgen.“

Josephine überlegte eine Weile. Dann kam ihr eine Idee. „Wäre denn das nicht die Lösung? Ein verborgenes Leben?“
„Wie meinst du das?“
„Na, wir schicken ihn irgendwo hin und ermahnen ihn zu seiner eigenen Sicherheit, sich nicht aus einem bestimmten Gebiet zu entfernen.“
„Das klappt doch nie.“
„Na, wenn er glaubt, dass er seinen sehnlichsten Wunsch erfüllt bekommen hat, vielleicht doch. Er braucht nicht mehr suchen.“
„Er wäre alleine.“
„Dann schicken wir ihn mit einer Gefährtin dorthin.“
„Hat er denn eine?“
„Ich habe keine Ahnung, besser wäre es.“

„Und wohin willst du ihn schicken? Wirklich in die Anderswelt? Falls doch etwas an der Erbschuld dran ist, könnte es magische Grenzen für ihn geben.“
„Dann käme er zurück und ich hätte ihn noch immer am Hals. Das wäre nicht gut. Wie wäre es, wenn wir ihn in ein entlegenes Waldstück schicken, wo er mit Füchsen und Wölfen eine gute Gesellschaft hat.“
„Habt ihr so etwas noch in eurer Welt?“
„Deutschland war mal das Land der Wälder, habe ich in der Schule gelernt. Wälder kenne ich viele, aber ich glaube, wir brauchen ein größeres Gebiet, als die, die ich kenne.“

Diesmal überlegte Johanna eine Weile. Dabei wanderte sie hin und her. Josephine beobachtete sie gespannt und erkannte, dass sie immer wieder flimmerte und stellenweise ihre Drachengestalt zu sehen war. Das sah wunderschön aus.

„Ich habe eine Idee“, verkündete Johanna schließlich. „Du recherchierst ein Gebiet und ich bereite einen Zauber vor. Wir nutzen eine Drachenschuppe, keine von meinen, aber ich habe noch welche, das wird er nicht merken. Diese verbinde ich mit einer zweiten, wie ein Portal. So kann er von einer Schuppe zur anderen reisen, dabei die Illusion haben, in die Anderswelt zu reisen, ohne eure Welt zu verlassen. Unsere Welt bleibt vor ihm geschützt, denn ich bin sicher, es gibt einen guten Grund für die Verbannung. Du bist ihn los und andere Menschen, vor allem die mit einer Verbindung zur Anderswelt, sind ebenfalls sicher vor ihm, sofern es dir gelingt ihm einzuschärfen seinen Wald nicht zu verlassen.“

„Das klingt wunderbar“, freute Josephine sich.
„Dann komm, ich bringe dich nach Hause“, sagte Johanna, vollzog die Verwandlung und ließ die Freundin aufsteigen. Schon ging es im Drachenflug rheinaufwärts zurück nach Bonn. Wenn irgendjemand die Landung in einem Beueler Garten gesehen hätte, würde die Person ihren Augen trauen? Wahrscheinlich nicht. Es sei denn es wäre ein kleiner Junge mit sehr viel Phantasie.

***

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Sonntagsgeschichte Kapitel 12 – Pläne

Dies ist das 12. Kapitel des Blogromans. Das erste Kapitel findest du hier, du kannst auch von Kapitel zu Kapitel blättern.

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Sven saß schweigend neben ihr im Bus . Es war ein angenehmes Schweigen. Es beruhigte Josephine, dass er da war. Sie schaute aus dem Fenster als sie gerade über den Rhein fuhren. Sie liebte den Blick über den Fluss, insbesondere bei Nacht, wenn die Lichter im Rhein schimmerten. Ihr Blick ging rheinaufwärts Richtung Siebengebirge. Es waren inzwischen einige Tage vergangen, seit sie mit Johanna geflogen war. Beinahe kam es ihr unwirklich vor, aber heute hatte sie sie wieder gesehen. Sie war nicht in Gefahr, so lange sie unter Menschen war. Im Bus war sie sicher, der Fuchsteufel würde wohl kaum Bus fahren und weitere Personen fuhren ebenfalls mit. Doch was wäre, wenn sie ausstieg? Sven müsste eigentlich ein Stück weiter fahren. Sollte sie ihn bitten, sie nach Hausse zu bringen? Es war eigentlich auch nicht weit von der Haltestelle bis nach Hause.

Während sie grübelte schimmerte es auf einmal blau vor ihren Augen. Sie erkannte Lametta, den Lilling. Vorsichtig warf sie Sven einen Blick zu, ob er Lametta bemerkt hatte. Er fing ihren Blick auf und lächelte sie an. Erleichtert erwiderte sie sein Lächeln, während Lametta es sich auf ihrer Schulter bequem machte. „Du brauchst dir keine Sorgen machen, es lauern keine weiteren Gefahren auf dem Heimweg.“

Josephine nickte erleichtert. „Es war ein schöner Abend“, sagte Sven „Auch mit dem kitschigen Feuerwerk. Naja, vielleicht nicht ganz so schön für Angi.“

„Ich glaube Angi, hat morgen noch was von dem Abend“, stimmte Josephine ihm zu. Sie lachten beide kurz, dann bekam Josephine ein schlechtes Gewissen, so über ihre Freundin zu lachen.

„Sag mal, hast du morgen schon etwas vor?“, fragte Sven vorsichtig. Gleichzeitig brummte Josephines Handy, eine Nachricht von Basti: „Wo bist du?“

„Im Bus“, tippte sie und an Sven gewandt antwortete sie: „Ich wollte nach Königswinter fahren.“

Basti: „Du hast dich gar nicht verabschiedet. *Enttäuschter Smily*“

Sven: „Königswinter klingt toll, da war ich lange nicht mehr. Was hast du vor, Sealife oder Drachenfels?“

Basti: „Was ist mit morgen? Muss wahrscheinlich wieder Sarah belustigen. Sie ist gerade für kleine Mädchen und ich hab mal 5 Minuten Ruhe. Da stelle ich fest, ihr seid alle weg!“

„Habe noch keinen genauen Plan, wollte einfach mal wieder hin“, versuchte Josephine Svens Frage auszuweichen. „Basti hat übrigens bemerkt, dass wir alle weg sind. Sarah scheint ihn genervt zu haben.“

„Wundert mich nicht“, lachte Sven. „Die schien echt anstrengend zu sein und, naja, ein wenig vereinnahmend.“

„Das trifft es ganz gut“, fand Josephine. „Wir wollten euch nicht stören“, schrieb sie an Basti.

„Ui, das ist frech“, meinte Sven, der ihr über die Schulter geschaut hatte. „Ich glaube der arme Kerl braucht wirklich Hilfe. Lass uns doch morgen alle zusammen nach Königswinter fahren.“

Alle zusammen? Josephine war sich nicht sicher, ob sich das hier in eine günstige Richtung entwickelte. Es wäre sicherer für sie, wenn sie nicht alleine fahren würde, aber schließlich wollte sie doch Johanna treffen.

Neue Nachricht von Angi: „Bin zu Hause. Gute Nacht Süße!“

Das klang schon mal gut. Angi! Als sie Johanna das erste Mal getroffen hatte, stand Angi neben ihr und hatte von ihrem Ausflug nichts mitbekommen. Das dürfte eigentlich kein Problem sein. Warum war es dann ein Problem heute Nachmittag am Rhein?

„Magst du morgen mit nach Königswinter kommen“, schrieb sie an Angi, statt an Basti.

„Oki“, kam sofort die Antwort mit einem Herzchen, gefolgt von einer neuen Nachricht mit einer Reihe von Fisch-Emojis.

„Das ist ein guter Plan“, flüsterte Lametta auf der Schulter. „Du wirst sehen, es wird kein Problem mit dem Treffen geben, die anderen werden nichts merken und du bist geschützt. Allerdings glaube ich kaum, dass der Fuchsteufel nach Königswinter kommt, aber wer weiß, wer sich dort alles rum treibt. Ich nicht, mein Revier ist hier.“

„Gut, also Angi auch. Na, je mehr desto lustiger und um so weniger, kann diese Sarah uns nerven.“ Sven schien sich schon sehr auf den Ausflug zu freuen. „Schreib Basti noch.“

„…?!?“, kam gerade eine ungeduldige Nachricht von Basti. Eigentlich war er eher geduldig, offenbar trieb die Freundin seiner Schwester ihn gerade wirklich in den Wahnsinn.

„Königswinter?“, schrieb sie zurück.

„Gute Idee. Danke. Ah sie kommt wieder.“

„Dann noch einen schönen Abend“, schrieb Josephine. Sven stubste sie an, fand es offenbar wieder frech, aber so war sie eben.

„Haha“, kam die Antwort von dem armen gequälten Basti.

Gerade rechtzeitig hatte sie den Plan fertig, als sie sich Josephines Haltestelle näherten.

„Danke fürs Heimbringen.“
„Noch bist du nicht zu Hause, soll ich dich begleiten?“

„Nicht nötig, sind ja nur ein paar Meter.“

Sven schenkte ihr einen intensiven Blick, als wollte er in ihr lesen, wie sie ihre Antwort meinte.

„Wirklich, alles gut!“, versicherte sie ihm und stand auf. Er stand ebenfalls auf, um sie raus zu lassen. Kurz, aber intensiv umarmte er sie. „Bis morgen“, verabschiedeten sie sich und schon verschwand Josephine in die Nacht.

„Schlaf gut“, schrieb er ihr und winkte ihr nach, ohne zu wissen, ob sie es noch sehen konnte. Er freute sich auf den gemeinsamen Ausflug.

***

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