Klassiker 18 von 50 Combray

Combray ~ Marcel Proust
Combray ~ Marcel Proust

„Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust hatte ich mir auf die Liste der 50 Klassiker gesetzt, die ich innerhalb von 5 Jahren lesen wollte. Das ist ein siebenteiliger Roman. „Eine Liebe Swanns“ ist ein Teil dieses Romans, welches laut Wikipedia:

Un amour de Swann ist der Mittelteil des ersten Bandes und fällt formal aus dem Rahmen der Recherche, denn diese in sich abgeschlossene Erzählung ist aus der Perspektive eines auktorialen Erzählers in der Er-Form geschrieben, während der sonstige Roman ausschließlich eine Ich-Erzählung ist.

Wikipedia

In der Stadtbücherei fand ich „Combray“, welches laut Klappentext eine „Ouverture von Prousts Jahrhundertroman ‚Auf der Suche nach der verlorenen Zeit'“, ist.

Das erschien mir eine gute Lösung, einen abgeschlossenen Text von Proust zu lesen, der mit 287 Seiten auch noch recht überschaubar war. Mit dem Gesamtwerk könnte ich mich dann immer noch nach Abschluss dieser Challenge befassen, falls mich seine Erzählweise überzeugte.

Combray

Ein lyrisches Ich erzählt uns seine Geschichte, nimmt uns mit in die eigene Vergangenheit, mit nach Combray, einem scheinbar kleinen Ort nicht weit von Paris.

Schlaflosigkeit

Das lyrische Ich hat Schlafprobleme und nimmt uns daher mit in seine Gedankenwelt. Der erste Teil dreht sich vor allem um das Zubettgehen als Kind und seinem Bedürfnis einen Gute-Nacht-Kuss von seiner Mama zu erhalten, welcher ausfallen musste, wenn diese Gäste zum Abendessen empfing. Noch heute hat er mit diesem Kind eins gemeinsam, das lange wach liegen und nicht schlafen können.

Und so lag ich oft bis zum Morgen und sann über die Zeiten Combrays nach, über meine tristen schlaflosen Abende und auch über all die Tage, deren Bild mir erst in jüngster Vergangenheit durch den Geschmack – das, was man in Combray ‚Aroma‘ genannt hätte – einer Tasse Tee wiedergeschenkt wurde; sowie, mittels der Verknüpfung von Erinnerungen, an das, was ich, viele Jahre nachdem ich diese kleine Ortschaft verlassen hatte. über eine Liebesbeziehung, die Swann vor meiner Geburt hatte, mit all der Genauigkeit in den Einzelheiten erfuhr, die manchmal über das Leben von vor Jahrhunderten gestorbenen Leuten einfacher zu erlangen ist als über das unserer besten Freunde, und die einem ebenso unmöglich vorkommt, wie es unmöglich erschien, sich von einer Stadt zur nächsten miteinander unterhalten zu können – solange man das Mittel nicht kannte, mit dem dieser Unmöglichkeit abzuhelfen war.

Combray, Seite 286

Es geht um Erinnerungen, geweckt durch ein Aroma, eine Tasse Tee. Unsere Sinne speichern Erinnerungen und Erinnerungen sind verknüpft, nicht immer Logisch hronologisch, eher sinnlich oder durch Zusammenhänge, die für andere nicht so naheliegend sind, wie für uns, die wir es erlebt und wahrgenommen haben.

Spaziergänge

Im zweiten Teil spielen Spaziergänge durch Combray eine zentrale Rolle und die Menschen dort, Menschen aus der Familie und Menschen aus dem Ort. Es geht auch um Frauen und seine Beschreibungen sind leider sehr Mann des frühen 20. Jahrhunderts …

Und auf diese Weise habe ich von den Spaziergängen in Richtung Guermantes gelernt, jene Seelenzustände zu unterscheiden, die sich in mit zuweilen ablösen und so weit gehen können, sich einen jeden Tag untereinander aufzuteilen, wobei der eine den anderen mit der Pünktlichkeit eines

Combray, Seite 180

Fazit

Es ist eine sprachliche schöne aber keine leichte Lektüre. Die Worte sind so wohklingend und kunstvoll , dass es sogleich sicher vieles zwischen den Zeilen zu entdecken gibt, ebenso wie bei einem Gemälde. Der Sinn liegt im Auge des Betrachters. Ich bin sicher, es steckt viel mehr in fem Buch, als ich herausgelesen habe und ich wünsche mir für mich selbst, mich irgendwann dich mit „Der Suche nach der verlorenen Zeit“ zu beschäftigen.

Combray
Marcel Proust
Aus dem Französischen von Michael Kleeberg
Büchergilde Gutenberg

ausgeliehen in der Stadtbibliothek Bonn

31. Buch: Marcel Proust, Eine Liebe Swanns

Eine Liebe Swanns ~ Marcel Proust
Eine Liebe Swanns ~ Marcel Proust

Die Liebe Swanns

Es geht in dem ganzen Buch tatsächlich nur um die Liebe Swanns zu einer Person, die eigentlich so gar nicht in sein Beuteschema passt. Ein Buch, das in der Seele, im Herzen spielt ohne viel Handlung. Aber am besten sagt es uns der Klappentext:

Eine Liebe Swanns“ (1913) ist eine psychologische Studie, die Prousts Meisterschaft verrät, feinste Nuancen des Seelenlebens in Worte zu fassen und intimste Gefühlsregungen literarisch erfahrbar zu machen. Vor den Augen des Lesers entsteht ein Kaleidoskop der Emotionen zwischen erwachender Liebe, brennender Leidenschaft und verzehrender Eifersucht. Zugleich porträtiert Proust satirisch das großbürgerliche und adlige Gesellschaftsleben in einer untergegangenen Welt: dem fin de siècle.

Meine Meinung

Ein gewöhnungsbedürftiges Buch, auf das ich mich konzentrieren musste, was vor allem an den zum Teil abschnittlangen Sätzen lag. Aber faszinierend wie detailreich die Entstehung dieser Liebe beschrieben wird und wie sich meine Gefühle als Leser dabei wandeln. Tut mir Odette (die Geliebte) anfangs noch leid, weil er immer erst bereit war, sie nach dem Abendessen zu treffen, …

Doch Swann sagte sich, daß Odette, wenn sie (dadurch, daß er immer erst bereit war, sie nach dem Abendessen zu treffen) merkte, er habe noch andere Vergnügungen, die er dem Zusammensein mit ihr vorziehe, seiner auf lange Zeit hinaus nicht müde werden würde. Außerdem war es ihm bedeutend lieber, den Beginn des Abends mit einer jungen Arbeiterin zu verbringen, die, frisch und blühend wie eine Rose, an Schönheit in seinen Augen Odette bei weitem übertraf und in die er verliebt war, als mit ihr, die er ja ohnehin noch hinterher sehen würde.

…, so wandeln sich meine Gefühle bald und ich frage mich: „Wann wacht der Depp endlich auf und schießt sie in den Wind.“ Mein anfängliches Mitleid mit Swann wandelt sich später ebenfalls in ein: „Wer so blöd ist hat selber Schuld. „

Proust ist ein Könner und ich bin begeistert wie er mit Worten spielt. Ich liebe besonders die Stelle zur Musik – er hat eine kleine Melodie, die ihn ganz besonders mit Odette verbindet.

War es ein Vogel, war es die noch unfertige Seele des kleinen Themas, war es eine Fee, dieses unsichtbare seufzende Wesen, dessen Klage das Klavier dann so zärtlich eindringlich wiederholte? Seine Schmerzensrufe brachen so plötzlich hervor, daß der Geigenspieler eilends den Bogen ansetzen mußte, um sie aufzugreifen. Ein Zaubervogel! Der Geigenspieler schien ihn beschwören, bezähmen und einfangen zu wollen.

Faszinierend die Beschreibungen wie er sich je nach Situation Odette schön oder schlecht redet, es ist so menschlich so nachvollziehbar und jeder kann das auf sich und völlig andere Situationen übertragen. So sind wir alle mal.

Das Ende war von Anfang an klar: die Liebe endet, aber wie es dazu kommt ist dann doch eine kleine nette Überraschung.

Auf jeden Fall ein lesenswertes Buch.


Eine Liebe Swanns Band 39 Süddeutsche Zeitung Bibliothek 50 große Romane des 20. Jahrhunderts 2004 ISBN 3-937793-46-1