Königreich der Schatten – Rückkehr des Lichts

Königreich der Schatten - Rückkehr des Lichts ~ Sophie Jordan

Königreich der Schatten – Rückkehr des Lichts ~ Sophie Jordan

Der erste Teil von „Königreich der Schatten“ hat mich begeistert. Eine blinde Protagonistin in einer finsteren Welt. Es war eine ganz besondere Sinneserfahrung.

Mit großen Erwartungen habe ich den zweiten Teil „Die Rückkehr des Lichts“ gelesen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum mich die ersten Kapitel gelangweilt haben.

Macht und Ohnmacht

Luna hätte nach ihrer Geburt getötet werden sollen, wurde aber gerettet und wuchs in einem Turm im Wald auf, bis zu jenem Tag an dem sie mit Fowler fliehen musste.

Aus dem finsteren Wald heraus kommen sie an den Hof von Fowlers Vater. Ein Ort des Lichts an dem niemand die Wahrheit über Luna kennt, weder wer sie ist, noch dass sie blind ist. Kann sie diese Geheimnisse bewahren?

Ich war blind, hatte mich aber nie beeinträchtigt gefühlt, nie verloren oder haltlos. Bis jetzt.

Die Gefahren am Königshof sind ganz andere, als die in der Finsternis. Die Vorteile ihrer Sinne können Luna nicht viel helfen. Ihr eigenes Schicksal scheint nicht mehr in ihrer Macht zu liegen.

Sie war das Schicksal, vor dem er davongelaufen war … dabei wurde mir eben erst klar, dass es unmöglich war, vor seinem Schicksal davon zu laufen.

Fazit

Auch diese Geschichte hat ihren Reiz, eine gewisse Spannung und ein würdiges Ende. Dennoch konnte sie mich nicht so begeistern wie der erste Teil.


Das Buch wurde mir vom Verlag über NetGalley zur Verfügung gestellt.

Königreich der Schatten: Die wahre Königin (Link zur Verlagsseite mit Leseprobe)
Sophie Jordan
Harper Collings
ISBN: 9783959677417

Overworld – Mehr als ein Game

„Overworld“ von Dan Wells ist der zweite Band der „Mirador“-Reihe. Das wusste ich nicht, hatte auch erst sehr spät beim Lesen den Verdacht, es könnte eine Vorgeschichte geben. Es war kein Problem dieses Buch unabhängig zu lesen.

Overworld - Dan Wells

Overworld – Dan Wells

Entscheide dich für dein Leben

Die Zukunft sieht übel aus. Die Umwelt ist nahezu zerstört, die Technologie weiter entwickelt. Menschen tragen Djinnis, Implantate, die ihnen eine permanente Vernetzung ermöglichen.

Die Verbindung mit dem Internet ist ein menschliches Grundbedürfnis, denn das ist unsere Art zu kommunizieren.

Sieht so unsere Zukunft aus? Digital vernetzt und wer in Gebieten mit schlechter Internetverbindung lebt, ist benachteiligt? 2050 gilt das Internet als überlebensnotwendig. Oder ist es das heute schon?

Man schrieb das Jahr 2050. Den Einwohnern von Los Angeles stand eine fast grenzenlos leistungsfährige Technologie zur Verfügung, und trotzdem kämpften die meisten ums überleben.

Marisa sorgt sich, ihre Familie könnte ihr Zuhause und das Restaurant verlieren. Würde sie mit ihrem Team das Overworld-Turnier gewinnen, könnte sie ihre Familie vielleicht retten. Doch es geht um so viel mehr, als ein Turnier. Es geht auch darum, wer du sein willst, darum, dass du dein eigenes Leben selbst in die Hand nehmen musst.

„Die ganze Welt ist eigentlich nur eine Ansammlung von Einsen und Nullen,“ […]
Einsen und Nullen.
Menschen, die etwas bewirken, und andere, die keinen Einfluss hatten.

Ein interessantes Bild, wenn auch stark schwarz-weiß. Doch manchmal verstärkt schwarz-weiß-Malerei einen Effekt, so lange man nicht im komplementären Denken verhaftet bleibt. In dieser Szene denkt Marissa über eine tiefgreifende Entscheidung nach und teilt ihre Gedanken mir der kleinen Schwester Pati, die damit noch nicht viel anfangen kann und ihre Schwester für betrunken hält.

Nein, du kannst dich nicht nur entscheiden, sondern du musst dich entscheiden. Wenn du dich nicht entscheidest, dann entscheidet die Welt für dich. Und sie entscheidet sich immer für die Null.

Das sind für mich starke Worte, ein Zitat für alle, die sich selbst im Wege stehen, sich nicht trauen anzufangen. Abwarten und noch nicht handeln. Wenn du dich nicht entscheidest zu handeln, dann passiert gar nichts. Das Leben entscheidet für dich. Ich kenne das zu gut.

Wach auf, sei mutig und geh deinen Weg. Entscheide dich, denn deine Entscheidung ist wahrscheinlich nicht so schwerwiegend wie die von Marisa.

Mehr als nur ein Spiel

Overworld ist das weltweit beliebteste Virtual-Reality-Spiel. Einige Spieler und Spielerinnen sind berühmt. Über Vidcasts kann man diesen Stars beim Spielen und im Alltag zusehen. Sie fokussieren sich auf das nächste Spiel, den nächsten Sieg.

Was erwartest du denn dann vom Leben? […] Du verwendest so viel Energie darauf, alle diesen kleinen Systeme zu beherrschen, aber … wohin führt dich das letzten Endes?

Diese Frage stellt Marisa Sahara, ihre Freundin, ebenfalls Spielerin im selben Team. Im Rahmen des Turniers treffen die vier jungen Frauen zum ersten Mal aufeinander. Nur Marisa und Sahara kannten sich bislang persönlich. Anja und Jaya reisen nach Los Angeles, um live am Turnier teilnehmen zu können. Sie teilen ihre Leidenschaft für das Spiel, ansonsten sind sie völlig verschieden. Dies gibt viel Stoff für interessante Interaktionen. Doch gemeinsam sind sie ein starkes Team und das müssen sie auch sein.

Marisa und ihr Team entdecken bald, dass es beim Overworld-Turnier um viel mehr geht, als ein Spiel zu gewinnen. Es geht um Macht und Korruption. Die Mädchen begeben sich in große Gefahr. Während sie parallel versuchen das Turnier zu gewinnen und das Geheimnis dahinter zu lüften, werde sie zu wahren Heldinnen.

Fazit

In der wirklich spannenden Geschichte stecken so viele wertvolle Details. Schnell war ich von der Handlung gefangen und konnte das Buch kaum auf Seite legen.

Gleichberechtigung aller „unabhängig vom Geschlecht, der Nationalität oder anderen Faktoren“. Dies wurde möglich, nachdem eine Frau mit ihrem Team die Weltmeisterschaft gewann. Es geht um die  Macht der Großunternehmen, der Technik und das Maß an Eigenverantwortung, welches wir selbst für uns übernehmen müssen. Es wird eine realitätsnahe Zukunft gezeichnet, bei der die Grenzen zwischen SciFi und bereits eingetretener Realität verschwimmen. Wie viel Macht haben Großkonzerne bereits über uns?

Eine klare Leseempfehlung, nicht nur für Gamer, sondern für alle, die sich Gedanken um unsere Zukunft machen.


Das Buch wurde mir vom Verlag über NetGalley zur Verfügung gestellt.

Overworld (Mirador Teil 2)
Dann Wells
Übersetzt von Jürgen Langowski
Piper
ISBN 978-3-492-28022-8
Erscheinungsdatum: 1.12.2017

Die Macht der Entscheidung

Magisterium von Holly Black und Cassandra Clare links Band 1 "Der Weg ins Labyrinth, rechts Band 4 "Die silberne Maske"

Magisterium von Holly Black und Cassandra Clare
links Band 1 „Der Weg ins Labyrinth, rechts Band 4 „Die silberne Maske“

Ist jemand ein böser Mensch, weil er eine böse Seele hat?

Machen seine Taten ihn zu einem bösen Menschen?

Und wenn er nur aus Liebe so gehandelt hat?

Gut und Böse lassen sich selten klar voneinander trennen, was es für Autoren so reizvoll macht, mit den Attributen zu spielen. Die Leser herauszufordern und zu testen, wie weit sie mitgehen. Dann irgendwann die Spannung los lassen und alles vielleicht doch „zum Guten“ wenden?

Holly Black und Cassandra Clare haben in ihrem vierten Magisteriums-Band ein ganz besonderes moralisches Dilemma für uns:

Erweckung von den Toten

Neben der Frage, ob es überhaupt möglich ist, steht die moralische Frage. Sollte man einen geliebten Menschen zurück ins Leben holen? Der Wunsch ist wahrscheinlich für die meisten nachvollziehbar, insbesondere, wenn es um jemanden geht, der viel zu früh eines fürchterlichen Todes gestorben ist.

Wenn es ginge, was wäre der Preis für die Wiederbelebung? Wäre der Wiederbelebte tatsächlich dieselbe Person oder bliebe etwas von ihm verloren und sei es nur das Trauma des Sterbens.

Diese Fragen sind alle rein hypothetisch, aber unheimlich spannend zu lesen, wenn dem die Prise der Möglichkeit beigemischt wird. Denn genau dann entsteht ein innerer Konflikt, tun oder nicht tun? Auch der Konflikt mit anderen, die ihre Haltung zu dem Thema haben.

Moral

Auf einer übergeordneten Ebene steht dieser krasse Konflikt stellvertretend für viele kleinere moralische Konflikte, denen wir uns alle immer wieder stellen müssen. Egal, um welches Dilemma es sich handelt, es geht immer um die Frage:

Soll ich es tun oder lieber doch nicht?

Callums Konflikt in „Magisterium – Die silberne Maske“ zu durchleben, sich mit ihm zu quälen, war eine spannende und grausame Erfahrung, die ich zum Glück gemütlich auf dem Sofa mit einem Buch in der Hand durchlebt habe.

Magisterium-Reihe

Da es sich mit „Die silberne Maske“ um den vierten Band der Magisteriums-Reihe handelt, mag ich gar nicht viel mehr darüber verraten, als die Thematik, die in der Geschichte steckt. Neben der moralischen Frage, muss Callum sich auch erneut dem Thema Mädchen stellen und der Frage, wie er sich einem ganz bestimmten Mädchen gegenüber am besten verhalten sollte …

Wenn ihr die Reihe noch gar nicht kennt, empfehle ich euch gerne meinen ersten Beitrag zur Magisteriums-Reihe, in dem ich ein wenig darüber berichte, um was es in der Reihe geht. Zum dritten Band habe ich einen Leseeindruck geschrieben, der allerdings nicht ganz spoilerfrei gegenüber den ersten beiden Bänden ist.

Fazit

Ich lese die Reihe sehr gerne. Es gibt viele Vorwürfe, es sei zu nah an Harry Potter oder den Shadow Hunters. Das empfinde ich nicht so, auch wenn sich einige Elemente darin wiederfinden. Allerdings sind beide Reihen doch wieder recht verschieden, dass auch eine Mischung aus beiden, wieder etwas neues wäre. Mein Vorteil ist allerdings auch, dass ich einen zeitlichen Abstand zu beiden Reihen habe und die Details nicht so präsent sind, dass sich Vergleiche aufdrängen. Das erging mir nur beim Anfang des ersten Bandes so.

In letzter Zeit habe ich allerdings bei vielen Urban-Fantasy Geschichten das Gefühl, es gibt nicht viele Varianten in die Geschichte einzusteigen. Dazu demnächst mehr zu einem anderen Buch, bei dem es mich tatsächlich genervt hat.

Daher lautet mein Fazit: Ich mag die Reihe sehr gerne und freue mich auf den nächsten Teil, hoffe sehr, dass es nicht wieder knapp zwei Jahre werden, bis es so weit ist.


Das Buch wurde mir freundlicherweise von Bastei Lübbe zur Verfügung gestellt.

Magisterium – Die silberne Maske (Teil 4)
Cassandra Clare und Holly Black
übersetz von Anne Brauner
253 Seiten
ONE
ISBN: 978-3-8466-0059-7
ERSTERSCHEINUNG: 26.01.2018

Bücherschrank – Das Oktoberbuch 2017

Malvea und der Herr der Adler – isolde Heyne

Im Oktober war der Wurm drin. Erst bin ich nicht zu einem Bücherschrank gekommen – versuche ja jeden Monat einen anderen aufzusuchen und die in meinem direkten Umfeld habe ich bereits alle für das Projekt besucht. Dann hatte ich mich entschieden, einfach eines aus meinem eigenen Bücherregal zu nehmen:

Seit der letzten Neusortierung gibt es ganz unten im Regal ein Fach mit diversen ungelesenen Büchern, die ich eher nicht in nächster Zeit lesen werde. Diese Sortierung liegt schon eine ganze Weile zurück und seitdem habe ich auch diesem Regalfach keine Beachtung mehr geschenkt.

Drei Bücher hatten es in die engere Auswahl geschafft: Fantasy, Science Fiction und ein historischer Roman. Das Science Fiction Buch hat mein Mann sich ausgesucht, um es zu lesen. Gewählt habe ich dann den Fantasy-Roman.

Nach der Entscheidung habe ich es auch gleich zu lesen begonnen, allerdings kam ich dann dank böser Erkältung und dem spontanen kleinen Urlaub nicht zum bloggen … einfach ein verhexter Oktober.

Ist Liebe der Preis für Macht?

Sind Liebe und Macht vereinbar?

Oder gilt die Formel: Je mehr Macht du hast, desto weniger kannst du vertrauen?

Die Geschichte von Isolde Heyne über den Herrn der Adler gibt eine interessante Antwort auf diese Frage: Auch ein mächtiger Herrscher kann es verdienen, geliebt zu werden. Dennoch darf er nicht blind jedem vertrauen.

Malvea und der Herr der Adler

Der Beginn des Buches war erst einmal harte Kost. Wir erfahren, auf welche Weise Malveas Leben entstand. Im Tal der Adler gibt es eine in meinen Augen außergewöhnliche Tradition zum Sonnenwendefest: Man wählt einen Partner, mit dem man diese Nacht verbringt. Dies muss unbedingt einvernehmlich geschehen. Die Wahl des Herrn der Adler fiel damals auf Malveas Mutter, die sich allerdings gegen ihn wehrte. Dennoch ist Malvea aus jener Nacht hervor gegangen. Da dies eben nicht einvernehmlich geschah, sondern eine Vergewaltigung stattfand, wurde der Herrscher dazu verurteilt, dieses Kind als seinen Nachfolger zu benennen. Zu seinem Missfallen kam Malvea als Mädchen zur Welt.

Aufgewachsen ist sie in einem Kloster unter liebevoller Betreuung und Lehre. Ihre eigene Mutter durfte sie nicht sehen. Erst an dem Tag, als sie zu ihrem Vater gebracht werden sollte, lernt sie auch ihre Mutter kennen und erfährt ihre Geschichte.

Malvea wird zur Vorsicht gemahnt, gibt ihrem Vater aber eine Chance, einander kennen zu lernen.

Das Tal der Adler selbst liegt abgeschottet vom Rest der Welt. Niemand darf das Tal verlassen, besser gesagt, niemand kann es verlassen, denn es wird nach innen hin und auch von außen geschützt. Für die Welt von außen existiert das Tal gar nicht. Dennoch gibt es einige Dinge von draußen, die dem Herrn der Adler das Regieren leichter machen. Niemand darf über die Selbstverständlichkeit dieser Dinge erfahren, die in der anderen Welt allen zur Verfügung stehen …

Kritik

Die Idee der Geschichte ist sehr interessant, auch die verborgene kleine Welt hat viel Potential. Dennoch wird die Geschichte auf gut 200 Seiten abgehandelt, bei einem Format, das relativ wenig Text pro Seite hat. Daher lässt die Erzählweise wenig Tiefe zu und es liest sich stellenweise wie eine Zusammenfassung. Malveas Figur ist dennoch sehr präsent und ich kann sie mir gut vorstellen, ich hätte mir einfach ein wenig mehr gewünscht und auch die anderen Figuren gerne näher kennen gelernt.

Mich stört die intensive Betonung, dass Malvea ein Mädchen ist und trotzdem eben ein „starkes Mädchen“ ist und vieles erreichen kann. Was sie letztendlich erreicht ist großartig, aber es kommt alles sehr schnell für mich als Leser.

Projekt Bücherschrank

Lange habe ich nichts mehr dazu gesagt, wie es weiter geht. In den ersten Beiträgen gab es immer noch einen kleinen Abschnitt.

Mein November-Buch habe ich bereits hier, dazu wird es auch noch eine kleine Anekdote geben. Daher bleibt Malvea noch ein wenig bei mir und wird vielleicht gegen das Dezemberbuch eingetauscht, mal sehen, was sich ergibt. Es geht auf jeden Fall auf Reisen!


Malvea und der Herr der Adler
Isolde Heyne
Arena, 2001
ISBN: 9783401048734

Machtspiele um Fella

Mondgeflüster in Fella – Lara Kessing

Leserunde

Früher habe ich Autoren über Bücher entdeckt. Inzwischen ist es oft andersherum und das finde ich besonders interessant. Auf die Leserunde bei Lovelybooks habe ich mich nämlich erst beworben, nachdem ich Lara auf Facebook entdeckt hatte.

Lara Kessing ist eine ganz liebe Autorin. Sie hat allen Bewerbern derLeserunde ein E-Book zur Verfügung gestellt.  Sie war auch sehr aktiv an der Runde beteiligt, hat Fragen beantwortet, sich über Lob gefreut und Kritik angenommen. Es war eine Leserunde die besonders viel Spaß gemacht hat, die Mitleser waren nämlich ebenfalls alle sehr nett.

Aufbau der Reihe

Streng genommen ist „Mondgeflüster in Fella“, der zweite Teil der Fella-Reihe. Das macht aber nichts, denn im Grunde hat Lara Kessing ihn nur als zweite geschrieben. Die Handlungen von „Windgeflüster in Fella“ spielen parallel. Die beiden Hauptfiguren werden im dritten Band der Reihe aufeinander treffen.

Ein sehr interessantes Konzept und ich kann bestätigen, es ist überhaupt kein Problem mit diese Buch anzufangen.

Fella

Es handelt sich um eine Dystopie. Darüber wie die Welt vor der Geschichte war, wird nicht viel verraten. Die Situation zu Beginn der Geschichte ist die, dass es eine Gang gibt, die sich Senk nennt. Es gibt Anhänger der Gang und Leute, die nicht gut finden, was diese tun. Es bleibt unklar welches übergeordnete Ziel die Gruppe verfolgt. Wollen sie die Welt verbessern oder einfach nur Macht ausüben?

Da ich nicht sicher war, ob die Ausgangssituation vielleicht im ersten Band deutlicher geschildert wird, habe ich in der Leserunde nachgefragt und eine interessante Antwort von Lara Kessing erhalten:

Wenn es nichts Besonderes zu erwähnen gibt, lasse ich es weg und konzentriere mich nur auf das Hier und Jetzt in der Geschichte. In dem die Protagonisten dringend den Normalzustand wiederherstellen wollen, deute ich etwas an, dass vorher alles in Ordnung war. Die Leute waren vielleicht nicht gerade zufrieden, dass die Polizei wenig gegen die Gang gemacht hat. Das wird zu Beginn angedeutet, ansonsten ist nichts gegen die Regierung erwähnt worden. Also kann man schon sagen: Der Umgang mit den Senk war etwas zu sorglos, aber ansonsten der übliche Wahnsinn des Alltags 🙂

Machtkämpfe und Vertrauen

Es kommt zu einem extremen Unwetter, eines das viele Häuser zerstört und Fella in ein Chaos stürzt. Es sind die Senk, die beim Aufbau helfen. Sind die Senk also doch die Retter der Welt?

Die Behörden und die Polizei haben nach dem Unwetter nichts mehr zu melden, die Senk über die Macht aus. Entweder gehört man zu den Senk oder ist zumindest Unterstützer, oder man ist gegen sie, was keine wirklich gute Idee ist. Es bilden sich Anti-Senk-G>ruppen, die im Verborgenen agieren.

Es bleibt geheimnisvoll!

Im Zentrum dieser Geschichte steht die junge Andra, 17 Jahre alt. Vor dem Unwetter gehörte sie zusammen mit ihrem besten Freund zu den Senk. Ihre Eltern waren davon wenig begeistert und stellten sie vor ein Ultimatum. Sie scheint ein typischer Mitläufer gewesen zu sein, jemand, der manches nicht gut findet, aber dazu gehören wollte.

Nach dem Unwetter spielt sie eine interessante Rolle. Ihre Entwicklung wird stark von den äußeren Umständen beeinflusst, doch ihr eigener Charakter festigt sich und sie wird sich selbst bewusst, wofür sie einstehen möchte.

Um sie herum gibt es einige männliche Charaktere, ihr bester Freund mit dem sie bei den Senk war und weitere Personen, die sie im Laufe der Geschichte kennen lernen wird. Bei jedem einzelnen stellt sich für Andra und den Leser die Frage: Auf welcher Seite steht diese Person? Kann ich ihm vertrauen?

Philosophie

Was motiviert die Menschen? Geht es wirklich nur um Macht?

Ist einmal eine gewisse Schwelle überschritten, schließen sich andere der Gruppe an. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Angst. Es ist besser dazu zu gehören, denn die Alternative ist als Feind angesehen zu werden. Reicht das aus?

Braucht eine Gang kein weiteres Motiv, als das Machtmotiv?

Können aus besten Freunden Feinde werden?

Ist es möglich sich zum Schein einer fanatischen Gruppe anzuschließen, um dieser von Innen zu schaden? Wie weit muss man dafür gehen?

Es sind einige Fragen, die die Geschichte aufwirft, Fragen die auch unsere Welt betreffen, unsere Geschichte und unsere Gegenwart.

Dystopien sind für mich Gedankenexperimente. Die Welt von Fella ist eines davon und Andra beschreitet für uns den Weg durch ein Minenwelt der Macht und des Widerstandes.

Vielleicht habt ihr es schon gelesen, hatte den Link bereits auf Facebook geteilt. Stella Delaney hat einen tollen Beitrag auf Schreibmeer verfasst, der sich mit dem Genre Dystopie befasst. Dort findet ihr auch viele weitere spannende Beiträge zu verschiedenen anderen Genres und Themen.

Fazit

Stellenweise ist die Geschichte sehr gut geschrieben, manche Stellen haben mir weniger gut gefallen.

Einige zarte Anspielungen lassen sich finden, aber ich bin nicht sicher, ob diese gewollt sind oder ich zu viel hineininterpretiere. Die Geschichte lässt auf jeden Fall viel kreativen Raum für eigene Gedanken.

Die Grundidee der düsteren Geschichte ist spannend und ein Lesetipp für Dystopie-Leser.

Da ich zu den kritischeren Lesern der Runde gehörte, möchte ich euch gerne noch eine zweite Meinung vorstellen. Nique ist eine ganz liebe Mitleserin und wir haben unabhängig voneinander dasselbe Zitat in der Rubrik „Lieblingszitate“ ausgewählt, so ganz verschieden sind wir nicht. Schaut doch mal bei ihr auf Booknerd in Chucks vorbei.

„Was macht dich besser als die? Du kannst doch nicht einfach über Leben und Tod entscheiden. Das sind Menschen.“
„Das sind Senk!“
„Senk, was soll das sein? Du kannst doch nicht alle in einen Topf werden. Jeder ist individuell.“

Was ist mir dir? Liest du Dystopien? Magst du auch das Gedankenspiel daran oder ist es etwas anderes, was dich an dem Genre reizt?


Dieses Buch wurde mir für die Leserunde von der Autorin zur Verfügung gestellt.

Mondgeflüster in Fella
Lara Kessing
Selfpublisher
ISBN: 978-1521386965