Sonntagsgeschichte Kapitel 75 – Erwachen

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Blogroman Sonntagsgeschichte Kapitel 75 Erwachen

Sarah umarmte die steinerne Figur. „Mein Prinz“, rief sie erneut, während ihr Tränen über die Wangen liefen. Die anderen blieben im Kreis stehen, gemeinsam waren sie in die Anderswelt übergetreten. Lars hatte sich offenbar nie vom Steinkreis fortbewegt. Er war zu Stein geworden und geblieben, heim gekehrt in die Anderswelt. Warum hatten sie das nicht gespürt? Josephine versuchte Loreleys Blick aufzufangen. Sie hatte doch gesagt, sie habe eine Spur, war diese zu schwach gewesen? Warum hatten sie nicht nachgesehen? War sie nicht sogar vom Steinkreis aus in die Anderswelt gereist? Hätte sie ihn nicht sehen müssen? Zu viele Fragen, aber Josephine spürte, dass es nicht der richtige Zeitpunkt war, diese zu stellen.

Während alle schwiegen, klang das leise Schluchzen des Schneewittchens laut. Es schmerzte sie so weinen zu sehen. Dann schluckte Sarah, strich Lars sanft über die steinerne Wange und küsste ihn auf den harten Mund. Es war wie im Märchen, nur umgekehrt. Naja, eigentlich auch wieder ganz anders, denn es wäre nicht nur Schneewittchen, die mit einem Kuss erlöst werden müsste. Sie wäre vor allem nicht versteinert. Und doch geschah es. Kleine Kieselsteinchen lösten sich von Lars, fielen einfach von ihm ab auf den Waldboden. Sarah erschrak kurz, löste den Kuss, sah sich um. Lore lächelte ihr aufmunternd zu und sie küsste ihren Prinzen erneut. Weitere Steine fielen von ihm ab, seine blasse Haut kam zum Vorschein. Die steinernen Lippen wurden weicher, röter, bis sie endlich Schneewittchens Kuss erwiderten.

Einen Moment später, der Sarah und den Umstehenden endlos erschien, schlang Lars seine Arme um sie und hielt sie ganz fest. Einem Impuls folgend begann Josephine zu applaudieren. Jenny sah sie irritiert an, dann machte sie mit, die anderen fielen ebenfalls ein. Alle waren erleichtert und glücklich, Schneewittchen und ihren Prinzen wieder vereint zu sehen. Es war beinahe zu einfach gewesen.

„Mein Sohn“, erklang eine tiefe kräftige Stimme. Alle bis auf Lars wandten sich ihm zu. Klein, aber mächtig stand er da, der Zwergenkönig.

„Komm“, forderte er seinen Sohn. Dabei streckte er die Hand nach ihm aus. Sarah starrte ihn an, während sie Lars fest umklammert hielt. Dieser stand mit dem Rücken zu seinem Vater. Behutsam lockerte er Sarahs Umarmung und wandte sich um, ohne sie los zu lassen. Er sagte nichts.

„Komm“, forderte der Zwergenkönig erneut und als sein Sohn nicht gehorchte, ging er die wenigen Schritte auf ihn zu und packte ihn an der Schulter. Das sah seltsam aus, denn er reichte seinem eigenen Sohn knapp bis zur Brust. Entsprechend musste er seinen Arm lang strecken, um die rechte Schulter zu erreichen. Doch das spielte keine Rolle, denn etwas geschah, womit niemand gerechnet hatte. Die beiden verschwanden. Sie lösten sich einfach in Luft auf.

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Sonntagsgeschichte Kapitel 70 – Die Austauschstudentin

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Blogroman Sonntagsgeschichte Kapitel 70

„Ich bin selber ein wenig überrascht“, erklärte Josephine, als sie wieder in den Speisesaal zurück kehrte, „aber du kannst gerne zu uns kommen.“ Sarah sprang von ihrem Stuhl auf und umarmte Josephine stürmisch. „Wie hast du das geschafft?“

„Wenn ich das wüsste“, lachte Josephine und löste sich aus der Umarmung. Beide setzten sich wieder und alle warteten gespannt auf Josephines Erklärung. „Ich habe ihnen erzählt, dass du dich in deiner Gastfamilie in der Eifel nicht wohl fühlst. Der Weg zur Uni nach Bonn sei auch viel zu weit und dass du daher dringend eine neue Familie suchst. Dafür hatten meine Eltern Verständnis. Dann habe ich ihnen erzählt, wie gut wir uns verstehen, seit wir uns neulich bei der Familienfeier kennen gelernt haben. Was mich allerdings wirklich erstaunt ist, dass meine Eltern so spontan zugestimmt haben, ohne dich selbst kennen zu lernen. Du kannst gerne morgen mit mir nach Bonn kommen. Das ist zwar ganz untypisch für meine Eltern, aber großartig. Meint ihr nicht auch?“

Alle stimmten zu, nur Lore hatte den Kopf schief in den Nacken gelegt und sah nachdenklich und ein wenig skeptisch aus. Erst als sich die Tür zum Speisesaal öffnete, entspannten sich ihre Gesichtszüge. Loreley betrat den Saal: „Guten Abend zusammen. Vielleicht kann ich ein wenig dazu beitragen, die Verwirrung zu lösen.“

Alle starrten sie erwartungsvoll an, wie kurz zuvor noch Josephine. „Ich war bei dir Zuhause. Entschuldige, ich habe eine Abkürzung genommen, war etwas in Eile, weil ich euch berichten wollte, was ich herausgefunden habe. Keine Sorge, ich bin nicht direkt in deinem Zimmer aufgetaucht, nur im Flur und ich habe auch angeklopft. Aber ich hatte mich geirrt, ich hätte das prüfen sollen. Jedenfalls hörte ich die Stimme deiner Mutter und schnell erkannte ich, um was es ging. Offenbar war ich nicht ganz umsonst gekommen.“

Sie grinste, gab aber keine weitere Erklärung. Lore stand auf, begrüßte ihre Seelenschwester und sagte: „Danke dir.“

Endlich verstand auch Josephine, was die Worte zu bedeuten hatten: „Du hast meine Mutter verzaubert?“

„So könnte man es nennen“, antworte ihr Lorely mit einem Zwinkern. „Im Grunde habe ich nur ein wenig gesungen. Meine Stimme hat manchmal so eine beruhigende Wirkung … Während deine Mutter im Wohnzimmer hin und her ging , saß dein Vater in seinem Sessel und hörte über Lautsprecher mit. Er sagte einfach nur: Gönn dem Kind doch den Spaß.“

Diese Worte hatten eine erheiternde Wirkung auf die Menschen im Raum, denn alle lachten herzlich und die Anspannung löste sich vollends. Es war eine Lösung gefunden und Schneewittchen würde nun als Sarah in der Menschenwelt leben. Natürlich gab es noch ein paar Formalitäten zu regeln, aber mit Loreley auf ihrer Seite machten sie sich darum erst einmal keine Sorgen.

„Was hast du denn herausgefunden? Hast du eine Spur zu meinem Prinzen?“, erkundigte sich Sarah hoffnungsvoll.

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Sonntagsgeschichte – Kapitel 69 Die Entscheidung

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Blogroman Sonntagsgeschichte Kapitel 69

„Ich bin so weit!“, verkündete Sarah lautstark. Schwungvoll war sie dabei von ihrem Stuhl aufgesprungen und zog die Aufmerksamkeit aller bei Tisch auf sich. Löffel fielen in die Suppenteller. „Ich werde hinaus gehen in eure Welt. Ich werde Lars finden!“

Josephine berührte sie sanft am Arm, wollte sie zurück auf den Stuhl ziehen, aber Sarah reagierte nicht. Sie blickte einmal in die Tischrunde, sah jeden einzelnen ernst an und blieb schließlich bei Lore hängen. Sie musste überzeugt werden, die ältere Dame war in den letzten Tagen ihre Lehrerin gewesen. Sie hatte ihr alles über die Menschenwelt beigebracht, sie gelehrt mit Technik umzugehen, womit sie sich selbst schwer tat. Auch die Sprechweise der jungen Leute war nicht ganz ihr Fachgebiet. Doch in vielen anderen Bereichen war sie ihr eine große Hilfe gewesen. Lukas hatte ihr das kleine Zaubergerät besorgt, dass sie seither immer bei sich trug. Er nannte es Handy. Darin steckte unendlich viel Wissen und sie konnte immer und überall mit ihm reden. Sie würde ihm jetzt gerne eine Nachricht schicken, würde ihm sagen, dass sie käme. Doch erst musste sie Lore überzeugen.

„Es ist zu früh!“, sagte diese. Lore blieb ruhig, betonte jedes Wort einzelnen. Sie schenkte Sarah einen liebevollen Blick und fuhr fort, als spräche sie mit einem Kleinkind. „Du hast lange geschlafen, viel verpasst. Ich verstehe deine Sehnsucht, deine Verzweiflung. Doch du bist noch nicht so weit, gib dir noch ein wenig Zeit.“

„Wir haben keine Zeit!“ Sarahs Stimme wurde lauter, zorniger, aber auch flehender. „Lars war die ganze Zeit in Lukas Nähe, aber jetzt ist er verschwunden. Nur ich kann ihn finden!“

„Loreley hat seine magische Spur …“, warf Lore ein.

„Sie wird verblassen, je länger wir hier diskutieren“, ihr kamen die Tränen, aber sie blieb stehen, wollte stark bleiben, ihren Willen durchsetzen. Sie war Schneewittchen, kein kleines bockiges Kind.

„Unser Plan ist noch nicht fertig“, wechselte Lore die Strategie.

„Dann machen wir ihn fertig“, forderte Sarah und sah hilfesuchend die Geschwister Sven und Jenny an. „Wenn ich nicht bei Lukas wohnen kann, dann vielleicht bei Josephine?“ Dabei wandte sie den Kopf und blickte auf die neben ihr sitzende herab.

„Ähm“, stotterte diese, nahm ihre Hand runter, die noch immer auf Sarahs Arm gelegen hatte und starrte sie überrascht an. Lore seufzte und begann zu erklären, was sie sich bisher überlegt hatten. Sarah entspannte sich und setzte sich endlich wieder hin. Hoffnungsvoll richtete sie ihren Blick auf Josephine, die Lore interessiert zuhörte:

„Wir haben uns überlegt, Sarah als Studentin aus dem Ausland auszugeben. Das würde darüber hinwegtäuschen, dass sie sich manchmal merkwürdig ausdrückt. Die Idee war, dass Lukas sie als Gast aufnimmt. Er hat bei seinen Eltern bereits angefragt, was sie davon halten und sie haben abgelehnt. Beide arbeiten sehr viel und hätten keine Zeit, sich um einen Gast zu kümmern. Das ist ja irgendwie einleuchtend, aber das war für uns auch Teil des Planes, je weniger Zeit sie mit Sarah verbrächten, desto mehr Zeit bliebe ihr, sich an unsere Lebensweise zu gewöhnen ohne aufzufallen. Lukas hat noch nicht aufgegeben, aber die Chancen stehen schlecht, dass sie sich überreden lassen, vor allem kurzfristig jemanden aufzunehmen. Das ist eh das Problem, wie erklären wir jemandem, dass Sarah so kurzfristig ein Zuhause benötigt?“

„Das ist doch kein Problem“, warf Jenny ein. „Ihr erzählt, dass sie die Gastfamilie wechseln muss, weil es in ihrer alten Probleme gab. Noch besser, einer ihrer Gasteltern ist krank geworden, nein die Großmutter. Sie müssen sich um die Großmutter kümmern, sie aufnehmen und benötigen den Platz, das Zimmer, in dem Sarah untergebracht ist.“

Lore überlegte eine Weile, dann nickte sie ergeben. Sarah jauchzte bereits vor Freude, dass sie es geschafft hätte. Doch Lores Blick bremste sie. „Die Geschichte klingt gut, aber wir brauchen noch eine Familie für dich. Das ist leider alles nicht so einfach.“

Für eine Weile schwiegen alle, dachten nach. Schließlich stand Josephine auf. „Ich rufe meine Eltern an“, sagte sie und ehe jemand etwas einwenden konnte, hatte sie den Raum auch schon verlassen.

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Sonntagsgeschichte Kapitel 67 – Sarah

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Sonntagsgeschichte Kapitel 67 Blogroman

„Klopf klopf“, unterbrach eine helle freundliche Stimme die Stille in der Bibliothek. „Was steckt ihr eure Köpfe denn noch immer in die Bücher? Es gibt Abendessen.“

„Schneewittchen“, freute sich Josephine, „wie geht es dir?“ Sie stand auf und umarmte die junge Frau, die im Gegensatz zu ihre eigentlich uralt war.

„Mir geht es gut, danke dir. So langsam finde ich mich wieder im Leben zurecht. Ich nenne mich nun Sarah“, erklärte Schneewittchen. Auch Jenny kam zu ihnen herüber und sie verließen gemeinsam die Bibliothek. „Ich habe Lukas und Sven eben bereits erzählt, dass Lore und ich lange nach einem passenden Namen für mich gesucht haben. Wenn ich die Aquilaburg verlasse, kann ich mich nicht als Schneewittchen vorstellen. So heißt niemand bei euch.“ Sie kicherte, was bei ihr beinahe wie Gesang klang.
„Nur eure Märchenprinzessin heißt Schneewittchen. Ich habe den Film gesehen.“ Die Mädchen warfen sich einen Blick zu, den einen? Doch während Sarah weiter plapperte wurde schnell deutlich, dass es die Disney Verfilmung gewesen sein musste, die sie gesehen hatte. „Ich erkenne tatsächlich meine eigene Geschichte ein wenig darin wieder. Jetzt möchte ich mein Happy End mit meinem Prinzen, auch wenn ich inzwischen wieder wach bin. Sarah bedeutet übrigens Prinzessin, deswegen fand Lore diesen Namen passend für mich. Jedenfalls sagte sie, ihr hattet eine Spur zu meinem Prinzen?“

„Hatten wir“, bestätigte Jenny ihr.

„Oh nein, ist ihm etwas zugestoßen?“ Tränen standen ihr plötzlich in den eben noch strahlenden Augen.

„Nein, das heißt wir wissen es nicht. Wir haben seine Spur verloren.“

„Oh nein.“

„Vielleicht auch nicht. Loreley kümmert sich darum“, ergänzte Josephine und warf Jenny einen fragenden Blick zu. Sie verstand nicht, warum sie so wenig Vertrauen in Loreleys Fähigkeiten hatte, warum sie die Situation so negativ einschätzte.

Jenny ging nicht darauf ein, ging stattdessen schweigend weiter. Daher erzählte Josephine Sarah auf dem Weg zum Speisesaal was sie erfahren hatten, angefangen bei ihrer Märchenstunde im Kindergarten.

Während des Essens erzählte sie weiter, fügte hier und da eine Erklärung ein, da Sarah noch immer mit vielen alltäglichen Dingen nicht vertraut war. Sie beendet ihre Erzählung am Steinkreis, wo Loreley sie vor wenigen Stunden zurück gelassen hatte.

Schneewittchens Augen leuchteten aufgeregt. „Ich weiß was passiert ist“, erklärte sie aufgeregt.

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Sonntagsgeschichte Kapitel 62 – Unter dem Baum

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Sonntagsgeschichte Kapitel 62, Blogroman

Als Josephine nach Hause zurückkehrte, wurden sie und Sven bereits erwartet. Lucinda hockte auf der Blume am Fenster. Der Lilling kam ihr freudig entgegen geflogen, kaum dass sie die Tür geöffnet hatte. „Da seid ihr ja“, erklang ihre helle Stimme. „Lametta hat mich benachrichtigt, dass du sie zurück gelassen hast. Das war eine gute Idee von dir. So können wir erfahren, welche Rolle die kleine Marie in all dem spielt. Ich glaube ja, es ist ihre kindliche Phantasie, die alles für möglich hält. In ein paar Jahren wird sie alles vergessen haben, nicht mehr an Magie glauben und sich an den lieben Cousin erinnern, der ihr Geschichten erzählt hat. So ist es doch immer.“ Sie begleitete den letzten Satz mit einem tiefen Seufzer.

„Schön, dich zu sehen Lucinda“, kam Josephine zu Wort. „Wie kommt es, dass du schon Bescheid weißt?“

„Sagte ich doch, Lametta hat mich benachrichtigt. Daraufhin habe ich selbstverständlich Lore Bericht erstattet und deswegen bin ich hier. Sie möchte dich sehen, euch sehen“ ergänzte sie mit einem Blick auf Sven. Er nickte, obwohl ihn das alles noch verwirrte. Diese kleinen Schmetterlingswesen hatten offenbar bessere Möglichkeiten zu kommunizieren als Smartphones, Entfernungen schienen für sie ebenfalls keine Rolle zu spielen, schließlich war nicht viel Zeit vergangen, seit Josephine Lametta bei Marie zurück gelassen hatte. Kurz darauf hatten sie sich verabschiedet und waren her gekommen. Und doch wirkte Lucinda als warte sie bereits seit Stunden auf sie.

„Kommt, ab in den Garten mit euch. Ihr trefft Lore auf der anderen Seite.“

Josephine drehte sich zur Tür, während Sven einen Blick aus dem Fenster in den Garten warf, ob seine Großtante dort unten auf sie wartete? Wie konnte sie aus der Eifel so schnell her gelangen? Er ließ sich von Josephine an die Hand und mit zur Treppe nehmen. In Gedanken versunken folgte er ihr nach unten. Die andere Seite? Natürlich, die Anderswelt. Konnte man durch diese schneller reisen? Gab es Portale? Warum hatte er so wenig Ahnung von etwas, was offenbar Teil seiner Familiengeschichte war? Es war frustrierend und verwirrend.

„Bereit für den Übergang“, fragte Josephine, nachdem sie im Garten neben dem knorrigen Baum standen. Er schüttelte den Kopf. „Ich weiß immer noch nicht wie.“

„Natürlich weißt du das“, sanft strich Josephine ihm über die Wange. „Entspann dich und folge mir.“

Sven war viel zu nervös, um sich zu entspannen. Das Herumgeflatter von Lucinda war dabei nicht hilfreich. „Kommt schon ihr Turteltäubchen. Schmatz, schmatz und ab mit euch.“ Josephine scheuchte sie mit einer Handbewegung fort wie ein lästiges Insekt. Sie gehorchte und löste sich augenblicklich in Luft auf. Dann küsste Josephine Sven, erst sanft, dann intensiver, als sie spürte, dass er sich doch entspannte.

Die Liebe ist der Schlüssel, erinnerte sich Sven. Mit Josephine würde er überall hingehen. Und genau das tat er.

„Ihr könnt dann jetzt aufhören zu Knutschen“, erklang erneut das nervige Schmetterlingsmädchen. Jegliche Entspannung löste sich bei Sven wieder auf und kaum hatte er sich von seiner Freundin gelöst, stand ihm seine Großtante gegenüber, doppelt. Einmal so wie er sie kannte mit grauem Haar und faltigem Gesicht, daneben ewig jung und wunderschön Loreley, ihre Seelengefährtin. Hinter den beiden stand sein Cousin Lukas und grinste ihn an.

„Schön euch beide zu sehen“, grüßte Lore sie und umarmte zuerst ihren Neffen, dann seine Freundin. Loreley nickte ihnen lediglich zu, aber schenkte ihnen ein herzliches Lächeln. Kein Wunder, dass sie damit unzählige Seeleute in den Tod getrieben hatte, dachte Sven bei sich. Doch bevor er darüber nachdenken konnte, wie es wohl seiner Großtante in jungen Jahren ergangen sein musste, wurden sie gebeten sich hinzusetzen. Im Gegensatz zu Josephines Garten befand sich hier eine gemütliche Sitzecke, ähnlich der auf der Aquilaburg, wo die Frauen beisammen gesessen hatten, an jenem Abend, als er alles erfahren hatte.

„Ihr habt eine Spur des Prinzen gefunden?“, fragte Loreley gerade heraus?

„Ob es wirklich eine Spur ist, weiß ich nicht, denn er ist verschwunden.“ Dann erzählte Josephine alles der Reihe nach, von Maries Zeichnung, dem Treffen auf dem Spielplatz und schließlich vom heutigen Nachmittag. Sie endete mit der Beschreibung des kleinen Steinkreises im Wald.

„Ich glaube, ich weiß, wo der ist“, sagte Lukas, der bisher schweigend dabei gesessen hatte. Dieser Karl könnte der Nachbar meiner Oma sein, direkt hinter ihrem Haus geht es in den Wald. Ich weiß, Karl ist kein seltener Name, aber er lebt dort mit seinem Lebensgefährten Peter und sie haben einen erwachsenen Sohn. Leider habe ich ihn nie getroffen. Wenn sie das wirklich sind, wäre es doch wirklich ärgerlich, dass ich ihn nie kennen gelernt habe. Karl und Peter kenne ich auch nicht, meine Oma erzählt nur hin und wieder von den hilfsbereiten Herren von neben an. Sie seien richtige Männer, betont sie immer wieder und könnten ordentlich anpacken, wenn es darum ginge eine neue Waschmaschine in den Keller zu tragen.“ Er verdrehte die Augen, als er die Einstellung seiner Oma zu ihren Nachbarn beschrieb.

„Es ist kein ungewöhnlicher Zufall“, erklärte Loreley. „Es ist magische Anziehungskraft. Wenn du dich an diesem Ort häufiger aufhältst und sich in der Nähe des Hauses ein magischer Ort wie dieser Steinkreis befindet, dann hat es den Prinzen dort hingezogen. Reine Magie, kein Zufall.“

„Wir sollten nachsehen“ entschied Lore, stand auf und streckte die Hände aus. Die anderen folgten ihr, sie nahmen einander an den Händen und Sven dachte noch: Keine Portale, einfache Teleportation, reine Magie, kein Zufall. Schon flimmerte die Luft um sie herum und sie befanden sich kurz darauf am Waldrand hinter einem Gartenzaun wieder.

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