Klassiker 27 von 50: Schöne neue Welt

Schöne neue Welt ~ Aldous Huxley
Schöne neue Welt ~ Aldous Huxley

Dystopien habe ich einige gelesen. „Schöne neue Welt“ war meine erste Utopie. Ist es möglich eine Geschichte in einer utopischen Welt zu erzählen? Einer Welt, frei von Schmerz und Leid, einer guten Welt, in der alle Probleme gelöst sind? Aldous Huxley hat es getan und sein Werk „Schöne neue Welt“ getauft.

Ist Huxleys Welt schön?

Keine Krankheiten mehr und alle Bedürfnisse werden gestillt. Menschen sind ewig jung und schön, Genuss ist frei von Nebenwirkungen. Großartig, oder?

Doch was ist der Preis, für ein Leben ohne Probleme? Sind die Menschen glücklich? Was brauchen wir zum glücklich sein und was brauchen wir zum Leben?

Menschen werden in Huxleys Welt nicht mehr geboren. Sie entstehen im Labor, als Duzentlinge, optimiert gezüchtet. Es gibt verschiedene Klassen von Menschen mit verschiedenen Funktionen, die sie in ihrem Leben ausüben. Nur die oberen Schichten sind mit Intelligenz versorgt und von ihnen gibt es auch keine Duzentlinge, sondern Individuen.

Psychologie

Konditionierung und Konformität. Aldous Huxleys Werk basiert auf der psychologischen Forschung des Behaviorismus. Das Verhalten von Menschen scheint leicht zu manipulieren. Verhalten wurde allein als Reaktion auf äußere Reize betrachtet. Huxley lässt die Kinder in Schlafschulen lernen, in denen ihnen in optimierter Wiederholungszahl, Reime prsäentiert werden, die die Werte der schönen neuen Welt vermitteln.

Mir fehlt die Perspektive des Humanismus, welche sich erst in den 1940ern verbreitete. Erst in der Kognitiven Wende Mitte des 20. Jahrhunderts wandte die Psychologie sich wieder dem Inneren der „Black Box“ zu. Gedanken, Emotionen und Persönlichkeit haben einen wichtigen Einfluss auf unser Verhalten. Gene und Umweltfaktoren haben beide Einfluss auf uns und wir wiederum Einfluss auf unsere Umwelt. Ein unterschätzter Faktor in „Schöne neue Welt“. Michael „der Wilde“ ist zu starken Emotionen fähig, lehnt die nebenwirkungsfreie Droge ab und wird zum Störfaktor im System.

Quälende Lektüre

Zu spüren, dass die Basis der Geschichte auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht und zu erahnen wie gut dieses 1932 erstmals veröffentlichte Werk in ein Weltbild passte, das sicher einige damals für erstrebenswert hielten, macht „Schöne neue Welt“ zu einer quälenden Lektüre für mich. Erschreckend allein Aldous Huxleys Vorwort von 1946 in dem er nochmal über „Schöne neue Welt“ sinniert:

Von unserem gegenwärtigen Aussichtspunkt – fünfzehn Jahre weiter unten auf der schiefen Ebene der Geschichte der Neuzeit -, wie wahrscheinlich erscheinen da seine Voraussagen? Was ist in der schmerzensreichen Zwischenzeit geschehen, was die Prophezeiungen aus dem Jahr 1031 bestätigen oder widerlegen können?

Vorwort zu „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley, Seite 12

Wertvolle Lektüre

Auf jeden Fall ist es eine wertvolle Lektüre! Es tut weh, aber er Schmerz ist es wert. Wer gerne Dystopien liest, sollte Aldous Huxley nicht scheuen. Wer Geschichten über die Zukunft selbst verfasst, sollte unbedingt „Schöne neue Welt“ gelesen haben. Wer sich damit beschäftigt, in welch einer Welt wir leben wollen, sollte ebenfalls „Schöne neue Welt“ lesen. Es ist ein wertvoller Schmerz und Schmerz spielt auch in dieser schönen neuen Welt eine interessante Rolle.

Warum steht dieses Buch eigentlich nicht auf den Listen der typischen Schullektüren? Ich würde es gerne auf die Liste der Bücher, die man gelesen haben sollte, setzen.

Du darfst wählen, aber du zahlst dafür.

Letzter Satz aus dem Vorwort zu „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley, Seite 19

*Anzeige* Falls dich das Buch interessiert, nutze gerne diesen Affilatelink zu GenialLokal.

Schöne neue Welt
Aldous Huxley
autorisierte Übersetzung, Herberth E. Herlitschka
Fischer Taschenbuch Verlag, 61. Auflage, 2003
ISBN: 359200261

1984 – Klassiker 5 von 50

1984 ~ George Orwell
1984 ~ George Orwell

In letzter Zeit tauchte George Orwells 1984 in verschiedenen Kontexten immer wieder auf, insbesondere als Warnung, dass es nicht zur Realität werden darf. Für mich ein klares Zeichen: Es wird Zeit diesen Klassiker endlich zu lesen. Das Buch steht auf meiner Liste, der 50 Klassiker, die ich eigentlich in 5 Jahren lesen wollte …

Twitter

Mit dem Laden des Tweets akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Twitter.
Mehr erfahren

Inhalt laden

1984 entstand 1948

1984 ist Orwells letzter Roman. Laut Daniel Kehlmann (Nachwort im Buch) habe er es noch gerade geschafft, den Roman zu beenden. Er starb 1950. Selbst totkrank konnte er sich gut in seine morbiden Szenarien einfühlen und hatte möglicherweise selbst den Blick gen erlösendem Tod. Er hinterließ uns ein erschreckendes und zugleich kostbares Vermächtnis. Schrieb er den Roman 1948 kurz nach dem zweiten Weltkrieg, nach dem Niedergang Hitlers, ist der beginnende kalte Krieg und das Prinzip des Wettrüstens Bestandteil seiner Geschichte. Das totalitäre Gedankengut der damaligen Zeit ist die Basis für Orwells Gesellschaft in 1984. Er teilt die Welt in drei Mächte ein und lässt die Geschichte in London spielen, einer Stadt in Ozeanien, zu der unter anderen die USA und Großbritannien zählen. Die anderen Mächte sind Eurasien (Russland + Europa) und Ostasien, eine Einteilung, die durchaus nicht abwegig ist, betrachtet man die weltpolitische Lage von 1948.

Jeder sollte Orwells Szenario kennen

Und es war eine gute Entscheidung, dieses Buch endlich zu lesen und auf Wanderschaft zu schicken. Es ist ein unglaublich wertvolles Buch. Ein düsteres Szenario, dass nicht Wirklichkeit werden darf. Niemand kann sich eine solche Gesellschaft wirklich wünschen und doch steckt so viel Wahrheit in der Geschichte, dass es durchaus vorstellbar wird. Die Möglichkeit allein, dass es Realität werden könnte ist schlimm genug. Im Nachwort schreibt Daniel Kehlmann:

Orwell hat unser politisches Bewusstsein so nachhaltig geprägt, daß sein Roman zu einer sich selbst verhindernden Prophezeiung geworden ist;

(Nachwort zu 1984, Seite 383)

Mögen sich diese Worte bewahrheiten! Hierzu ist wichtig, die Erinnerungen an die Geschichte lebendig zu halten. Das Buch weiterhin zu lesen, darüber zu diskutieren und die totale Kontrolle nicht möglich werden zu lassen. Das Buch verrät uns auch wie, es verrät, dass Denken und Bildung unsere wertvollsten Ressourcen sind. Die Wahrheit darf nicht veränderlich werden.

Komets Wanderbuch

Wie bereits angekündigt habe ich das Buch auf Reisen geschickt. Jetzt, nachdem ich es gelesen habe, erscheint es mir um so mehr eine gute Wahl für eine solche Aktion. So lange das Buch unterwegs ist, könnt ihr an der Aktion teilnehmen. Ich kann euch allerdings nicht sagen, wie lange ihr warten müsst, aber ich melde mich, bevor es sich auf den Weg zu euch macht. Alle Informationen zur Aktion findet ihr hier.


1984
George Orwell
übersetzt von Michael Walter
Ullstein, 2018, 44. Auflage
ISBN: 978-3-548-23410-6

Die Macht der Angst

19 Das erste Buch der magischen Angst - Rose Snow

19 Das erste Buch der magischen Angst – Rose Snow

Angst hat zunächst einmal eine Daseinsberechtigung, uns zu warnen und vor Gefahren zu beschützen. So weit so gut. Doch entscheidend ist das richtige Maß. Zu viel Angst kann krank machen, kann blockieren und uns im Alltag einschränken.

Es gibt viele Formen der Angst. Angst vor bestimmten Tieren, vor Menschen (vielmehr soziale Situationen), vor Öffentlichkeit, vor Geschlossenen Räumen, vor Dunkelheit, vor Höhe, vor Blut oder auch eine generalisierte Angststörung, bei der die Angst unabhängig von bestimmten Situationen als Dauerzustand besteht. Jede dieser Ängste kann klinisch bedeutsam sein. Insbesondere die generalisierte Angststörung geht meist mit depressiven Episoden einher. Ängste und Depressionen müssen nicht zusammen auftreten, kommen aber häufig gemeinsam vor.

Der gesellschaftliche Umgang mit Ängsten und Depressionen wandelt sich langsam. Doch meistens bekommen Menschen noch immer zu hören: „Stell dich nicht so an.“ Von außen betrachtet, sind viele Situationen vollkommen harmlos und doch erlebt ein einzelner Mensch starke Angst und kann diese nicht überwinden. Vieles kann in dieser Situation helfen, die Aufforderung, sich zusammen zu reißen, definitiv nicht. Wenn du nicht weißt, wie du helfen kannst, frag denjenigen, was los ist und was du tun kannst.

Ich selbst habe Angst vor Hunden. Mir hilft es, wenn ich darauf vertrauen kann, dass jemand mir die Sicherheit gibt, dass der Hund auf Abstand zu mir bleibt und ich meinen sicheren Freiraum habe.

Die Bücher der magischen Angst

In ihrer gewohnt liebevollen Art haben Rose Snow sich dem Thema Ängste gewidmet. Im ersten Buch der magischen Angst thematisieren sie verschiedene Formen der Angst von kleinen Ängsten, über Prüfungsangst, bis hin zum Phänomen der Massenpanik. Die Situationen sind anschaulich, aber gut aushaltbar, sofern keine eigenen Phobien getriggert werden. Das kann ich nicht beurteilen.

Widney zieht zum Studieren nach New York. Sie landet in einer außergewöhnlichen WG und freut sich auf einen Neuanfang. Sie braucht dringend Abstand vor etwas, was sie sehr belastet. Begleitet wird sie von einem schwarzen Raben, der bereits beim Kofferpacken am Fenster erschienen ist und auch in New York ständig wieder auftaucht. An ihrem 19. Geburtstag wird ihr Leben dann völlig auf den Kopf gestellt, als sie auf einmal besondere Fähigkeiten bei sich beobachtet …

Schwierige Themen romantisch aufbereitet

Prüfungsangst, Angst zu versagen oder nicht gemocht zu werden, Angst das falsche zu tun oder Ängste, die mit einer chronischen Krankheit einher gehen. Der Umgang mit einer schweren Krankheit. Depression. Schuldgefühle von Angehörigen. Jedes einzelne Thema für sich ist schon harter Stoff. Alles miteinander verwoben zu einem komplexen Geflecht mit Geheimnissen und Romantik, ergeben eine zauberhafte Geschichte, die zugleich aufklärt und zum Nachdenken anregt, ohne den Zeigefinger zu erheben. Das ist eine ganz besondere Stärke von Rose Snow! Mir scheint auch, dass die beiden Autorinnen eine besondere Faszination für die Gene-Umwelt-Debatte hegen, welche sie bereits bei den Büchern des Blutadels thematisierten.

Die WG-Mitbewohner sind jeder einzelne außergewöhnlich, auf ihre ganz eigene Weise liebenswert bis nervig.

Da wäre beispielsweise „Freud“, der Psychologie-Student, der permanent seine Mitmenschen analysiert. In ihm vereinen sich so einige Vorurteile, die mir sehr bekannt vorkommen. Er mag verrückte Experimente, die so absurd sind, dass sie den anderen schon wieder Spaß machen. So muss beispielsweise die Topfpflanze der WG im Vorbeigehen beleidigt werden. „Wikipedia“ ist der hochbegabte Nerd der WG, mit einem unglaublichen Gedächtnis und der eher ungewöhnlichen Fächerkombination von Computerwissenschaften und Anthropologie.

Leseempfehlung

Das Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite in den Bann gezogen. Zunächst dachte ich, es sei gut, dass ich es tagsüber lese, doch es war gar nicht so furchteinflößend, wie das Angstthema vermuten ließ. Es war gefühlvoll in der gesamten Palette der Emotionen, spannend und grausam, als es zu Ende war. So wie es sich für eine Rose Snow Trilogie gehört. Habt ein wenig Geduld, bis alle drei Bände erschienen sind und ihr reichlich Zeit habt, dann gönnt euch diesen Lesegenuss. Die beiden Folgebände sind ebenfalls für Dezember angekündigt.


Das Buch habe ich von Rose Snow erhalten.

19 Das erste Buch der magischen Angst (Link zur Leseprobe auf der Autorenseite, eingebunden in den Blogroman)
Rose Snow
Self Publisher
ISBN: B07L1ZGTFQ

Hommage an die 80er und Blick in die Zukunft

Ready Player One - Ernest Cline

Ready Player One – Ernest ClineDan

Ein Meister der Symbolik ist Dan Brown. Seine Figur Robert Langdon ist Harvard Professor und Experte für Religiöse Symbolik. Die Romane um Robert Langdon drehen sich um die katholische Kirche und Kunst. Ich habe alle bisher erschienen Bände mit großer Begeisterung gelesen.

Nun habe ich einen neuen Meister der Symbolik entdeckt: Ernest Cline. Er ist Experte für die Popkultur der 80er, Filme, Bücher, Musik und Computerspiele. Seinen Roman Ready Player One habe ich Starlord geschenkt, nachdem es schon viel zu lange auf seinem Wunschzettel stand. Innerhalb weniger Tage haben wir es dann beide gelesen …

Zukunfts-Szenario

Die Menschheit hat Scheiße gebaut. Aus der Wohlstandsgesellschaft ging es steil bergab in die Energiekrise. Auch Nahrungsmittel, Wohnraum und Arbeitsplätze sind knapp geworden. Ein Szenario, das wir nicht wahrhaben wollen, eines, das Ernest Cline wunderbar skizziert, ohne darauf viele Worte verwenden zu müssen.

Die Technologien haben sich weiter entwickelt und es gibt eine virtuelle Realität OASIS. OASIS kann viel mehr als heutige VR-Brillen. Zur Mindestausstattung gehören Brille und Handschuhe, aber es ist noch viel mehr möglich …

Ursprünglich als virtuelle Spielwelt gedacht, ist OASIS zu einer virtuellen Lebenswelt für viele geworden. Es gibt dort Schulen und Arbeitsplätze. Diese virtuelle Welt ist vielseitig, komplex und unglaublich faszinierend.

Das Spiel

Der „Vater“ von OASIS James Halliday hat nach seinem Tod verfügt, dass der Erbe von OASIS und seines milliardenschweren Vermögens, sein Easter Egg finden muss. Easter Eggs sind versteckte Überraschungen in Computerspielen, geheime Räume oder Botschaften. Hierzu hat er erste Hinweise hinterlassen, nur jemand, der seine Leidenschaften kennt und teilt, wird in der Lage sein, die Aufgaben zu bestehen und das Easter Egg in OASIS zu finden.

Hommage an die 80er

James Halliday ist ein Kind der 80er, geboren 1972 wuchs er mit den ersten Computern und Konsolen auf, spielte die verschiedenen Spiele und begann selbst welche zu programmieren. Seine Leidenschaft gilt auch dem Pen & Paper Rollenspiel „Dungon & Dreagons“. Zahlreiche Filme, Fantasy und Science Fiction Romane, sowie Comics zählen zu seinen Leidenschaften. Ein wahrer Jäger kennt sie alle und natürlich auch seine Lieblingsmusik.

Der Roman ist voll von Anspielungen auf die Kultur der 80er. Mit viel Liebe zum Detail werden Spiele und Filme eingeflochten und Elemente in OASIS unsterblich gemacht.

Lesevergnügen

Auch wenn ich jünger als James Halliday bin und nur einen kleinen Teil der Spiele und Filme kenne, die in dem Buch erwähnt werden, habe ich den Flair der 80er gespürt, gepaart mit einer Zukunftsvision, die mich zugleich fasziniert, als auch erschreckt hat.

Sie ist verdammt realistisch und zwar in jeder Hinsicht. Sowohl die Energiekrise, als auch die Entwicklung der virtuellen Realität, die in dieser Geschichte die perfekte Alternative bietet. Wie gut diese Alternative wirklich ist, welche Chancen sie bietet und welches Element der Realität sie nicht ersetzen kann, wird ebenfalls liebevoll thematisiert.

Bei aller Liebe zum Detail und der ausgesprochenen Länge des Buches, verliert sich Ernest Cline niemals in Ermahnungen oder Sozialkritik. Es bleibt bei klaren Anspielungen, eingebettet in die Hommage an die 80er. Genau das macht den Reiz des Buches aus, eine spannende und faszinierende Geschichte vor einem ernsten Hintergrund.

Fazit

Ein wunderbares Buch, nicht nur für Gamer! Man sollte sich aber schon auf die Vorstellung einlassen können, was in einer virtuellen Realität möglich ist. Wenn du ein Kind der 80er bist, damalige Filme, Computerspiele, Musik, Science Fiction oder Fantasy liebst, lies diese Geschichte. Das Buch lässt Erinnerungen wieder aufleben, zeigt aber auch zugleich, wohin uns die Zukunft führen könnte.


Ready Player One
Ernest Cline
aus dem Amerikanischen von Hannes und Sara Riffel
TOR, 3. Auflage 2018
ISBN-13: 978-3596296590

Die Welt mit Kinderaugen sehen

Fayra Das Herz der Phönixtochter - Nina Blazon

Fayra Das Herz der Phönixtochter – Nina Blazon

Ein guter Rat, denn wenn wir die Welt mit Kinderaugen betrachten, müssen wir nicht alles logisch und abstrakt durchdenken. Wir dürfen kreativ und frei denken, wir dürfen das Unmögliche für möglich halten. Ich glaube die Autorin Nina Blazon hat sich diese wunderbare Fähigkeit bewahrt. Zudem glaubt sie aber auch an Kinder, traut ihnen einiges zu, auch, dass sie einen Roman von 460 Seiten lesen, wenn er nur gut genug geschrieben ist.

Kinderbuch ab 10 Jahren

„Fayra Das Herz der Phönixtochter“ wird vom cbj Verlag ab 10 Jahren empfohlen. Ich habe das Buch geliebt, hätte es als Kind genau so geliebt und sehr gerne gelesen. Die Kapitel sind relativ kurz (51 auf 460 Seiten) und die Hauptfiguren mit zwölf Jahren relativ jung. Ansonsten hatte ich überhaupt nicht das Gefühl ein Kinderbuch zu lesen, auch wenn ich es rückblickend für junge Leser und Leserinnen geeignet halte.

Fayra – Die Phönixtochter

Anna-Fee ist mit ihren Eltern vor kurzem in ein riesiges und uraltes Haus gezogen. Sie bewohnen nur eine Wohnung im Südflügel. Damit erfüllte sich ein Kindheitstraum von Fees Mutter, ein Sternenwunsch. Fees Vater kennt zwei Arten von Wünschen, Glühwürmchen und Sternenwünsche.

Glühwürmchen

begleiten uns, viele verlöschen auf dem Weg und an ihrer Stelle leuchten sofort neue auf.

Sternenwünsche sind anders, sind immer da, wenn auch oft versteckt

Wenn der Himmel klar ist, leuchten sie in tiefster Nacht so hell, dass wir niemals einsam sind. Sie weisen uns außerdem den Weg zu unserem eigenen Herzen.

Er hat auch einen guten Rat, wie wir mit solchen lebenswichtigen Wünschen umgehen sollen:

Bis sie erfüllt sind, behält man Sternenwünsche am besten ganz für sich, sonst verwandeln sie sich in … Glühwürmchen.

Eigentlich ist Fee ein ängstliches und schreckhaftes Mädchen. Als kleines Kind hatte sie einen Unfall gehabt, von dem sie noch Narben trägt. Ihre Eltern sind verständnisvoll, ihre Oma hingegen akzeptiert die Erklärung nicht, dass sie vorsichtig ist, nachdem sie den Unfall überlebt hat, schließlich sei sie damals noch ein Baby gewesen.

Sie hatte ja keine Ahnung, wie es war, immer wieder davon zu träumen, endlos zu fallen, umgeben von Flammen und Rauch.

Geheimnisse und Gefahren

Im Park des geheimnisvollen Hauses finden Fee und ihre Feundin Nelly ein seltsames Mädchen. In zerrissenen Kleidern sitzt sie auf einem Baum und braucht dringend Hilfe. Die beiden verstecken sie und versuchen die zahlreichen Geheimnisse zu lösen.

Wer ist die Fremde? Was hat es mit dem Haus und dem gruseligen Hausmeister Mr. Danes auf sich?

Die ängstliche Anna-Fee begibt sich in große Gefahren, um ihre neue Freundin zu retten.

In einem Schlüsselmoment, als sie endlich einmal alles ausspricht, bringt sie ihre Aufgabe wunderbar auf den Punkt:

Und trotzdem suche ich jetzt nach einem magischen Tor und setze alles daran, um eine feuerfeste Disneybraut mit Amnesie nach Hause zu bringen – ohne zu wissen, wo das überhaupt sein soll.

Der Glaube an Magie

Anna-Fee und ihre Freundin Nelly haben im Alter von zwölf keine Schwierigkeiten an eine mystische Parallelwelt zu glauben. Allerdings bleibt Nelly anfangs noch skeptisch, als sie das magische Wesen im Park auflesen. Sie braucht länger, um dem fremden Mädchen zu vertrauen, während Fee sich direkt zu ihre hingezogen fühlt.

Anschaulich wird der kindliche Glaube an eine andere Welt, als die älteren Jugendlichen die Wahrheit erfahren und mit großer Skepsis reagieren. Sie sind zwar Live-Rollenspieler, lieben es, sich als Fantasy-Wesen zu verkleiden und in Rollen zu schlüpfen, aber die Trennung von Realität und Phantasie haben sie klar im Kopf vollzogen.

Auch einige Erwachsene spielen eine interessante Rolle in diesem Zusammenhang. Als Kinder vermochten sie noch zu sehen und zu glauben, als Erwachsene gehen sie unterschiedlich mit diesen Erinnerungen um.

Ein besonderer Freund

Eine weitere wichtige Figur der Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Über seine Rolle, will ich gar nicht viel verraten, lernt ihn kennen, lernt über ihn unsere Welt kennen. Er weiß, wie es ist einsam und fremd zu sein. Er ist zugleich vieles und fühlt sich oft wie ein Nichts.

Mein Vater spricht Syrisch und Arabisch, die Muttersprache meiner Mutter war Griechisch. Mein Großvater sang ihr als Kind türkische Lieder vor. Eine meiner Großmütter hat Nomadenblut in den Adern. (…)

Ich bin also Junis von überall und nirgendwo. Ich habe niemanden außer mich selbst.

Fazit

Die Geschichte ist großartig und es gibt von mir eine klare Leseempfehlung, nicht nur für Kinder!

Von Nina Blazon habe ich vor einigen Jahren bereits das Jugendbuch „Zweilicht“ gelesen. Die Erinnerungen sind verblasst, aber ich weiß noch, dass es mir sehr gut gefallen hatte.

Auf mich wartet noch „Silfur“, ein Buch, dass mir meine Tochter gegeben hat, in der Überzeugung, dass es mir gefallen wird.


Das Buch wurde mir vom Verlag über das Random House Bloggerportal zur Verfügung gestellt.

Fayra Das Herz der Phönixtochter
Nina Blazon
cbj Kinderbücher
ISBN: 978-3-570-16493-8
Erschienen:  09.10.2017