Sonntagsgeschichte Kapitel 54 – Angst

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Blogroman Sonntagsgeschichte 54

„Ein bisschen seltsam ist deine Mutter schon“, sagte Lametta, als sie in Joephines Zimmer kamen und sie sich aus ihrem Haar löste. „Vielleicht würde sie sich mit ihren mittelalterlichen Vorstellungen gut mit Schneewittchen verstehen.“

Josephine schaute irritiert, dann fing sie an zu lachen. „Wahrscheinlich hast du Recht.“

Es war seltsam wieder zu Hause zu sein. Es war nur ein Wochenende gewesen, nicht einmal weit weg, nur in der Eifel. Doch es hatte sich so viel verändert und es war eine Reise in eine andere Welt gewesen. So unrecht hatte ihre Mutter vielleicht gar nicht, wenn sie das Gefühl hatte Josephines Großeltern seien gewöhnlich gegenüber Opa Henry. Doch der Unterschied lag nicht darin, dass er auf der Aquilaburg lebte, vielmehr in seiner engen Verbindung zur Anderswelt und dem Zwergenkönig, der sein Seelengefährte war. Josephines Familie bestand ausschließlich aus Menschen. Dem war doch so, oder? Wie konnte es sein, dass in Svens Familie so viele Personen eine Verbindung zur Anderswelt hatten? Wäre es möglich …

„Worüber grübelst du denn so viel?“, fragte Lametta, die um sie herum schwirrte. Die lange Zeit, die Josphine mit ihren Eltern verbracht hatte, konnte das Lilling-Mädchen sich nicht bewegen. Das Leben als Haarspange behagte ihr nicht. Doch sie nahm ihre Aufgabe als Beschützerin ernst. Außerhalb der Mauern der Aquilaburg zu sein bedeutete auch außerhalb des mächtigen Schutzwalls, dem Henry und Lore dort errichtet hatten. Zuhause hatte sie sich bisher sicher gefühlt, doch wusste sie genau, dass der Fuchsteufel ihr jederzeit wieder auflauern konnte, um die Drachenschuppe zu bekommen.

„Warum ist mein Leben so kompliziert?“, fragte sie Lametta. „Ist es gar nicht“, lachte diese. „Es ist nur nicht langweilig.“ Dabei drehte sie ein paar Loopings in der Luft und landete schließlich auf Josephines angewinkeltem Knie. „Menschen, die mit der Anderswelt in Berührung kommen, leben niemals ein langweiliges Leben. Oder möchtest du das?“

„Ich weiß es nicht“, seufzte sie und betrachtete die zarten Schmetterlingsflügel. „Es gibt so viel wunderbares zu entdecken, aber auch so viele Gefahren. Ich glaube, ich habe Angst.“ Lametta blickte sie fragend an.

„Angst vor dem Fuchsteufel. Angst zu versagen. Es ist einfach zu viel, zu viele Fragen, zu wenige Antworten.“

„Du bist ungeduldig“, erklärte Lametta mit bestimmter Stimme. „Und du bist unsicher, was aus dir werden soll.“ Josephine nickte. Das traf es ganz gut. Doch Lametta war noch nicht fertig. „Wenn du Johanna nie begegnet hättest, wie sähe dein Leben jetzt aus? Hättest du dich für ein Studium oder eine Ausbildung entschieden? Wüsstest du, wie du dein Leben gestalten solltest? Hättest du weniger Angst?“

Das tat weh, denn es war die Wahrheit. Es war die Ungewissheit der Zukunft, die sie ängstigte. Mit oder ohne Magie, sie wusste nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen sollte. Wenn sie ganz ehrlich zu sich selbst war, wusste sie es dank Johanna ein wenig besser. Sie hatte eine Aufgabe, auch wenn ihr noch nicht ganz klar war welche. Die Verbindung zur Anderswelt musste gehalten werden und es war ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Magie der Geschichten nicht verloren ging. Sie war nicht allein. Lametta war bei ihr, ihre Seelengefährtin Johanna und nun auch Sven, der allerdings noch weniger verstand als sie. Josephine legte sich hin, kuschelte sich in ihre Kissen und griff nach ihrem Handy, um mit Sven zu schreiben.

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Sonntagsgeschichte Kapitel 38 – Wahrheit

Dies ist das 38. Kapitel des Blogromans.

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Blogroman kleiner Komet Sonntagsgeschichte

„Es wird Zeit für die Wahrheit, meint ihr nicht auch?”, sagte Sven und schaute den drei Frauen der Reihe nach in die Augen. Zunächst seiner Schwester, dann seiner Großtante und zuletzt seiner Freundin, die auf seinem Schoß saß. Keine sagte etwas. Das Schweigen wurde unangenehm. Bis Josephine es nicht mehr aushielt, sie stand von Svens Schoß auf, drehte sich zu ihm um und begann endlich zu sprechen: „Erinnerst du dich an unseren Spaziergang am Rhein?“ Sven sah sie weiterhin erwartungsvoll an. Sie gingen oft am Rhein spazieren. Josephine holte tief Luft und setzte nochmal an. „Da waren die Hunde, einer hatte dich gebissen, danach warst du bei mir Zuhause und du hattest einen merkwürdigen Traum.“ Sven nickte. Er erinnerte sich, brauchte mehr Erklärungen. „Nun, also“, jetzt wurde es für Josephine schwierig. Sie hatte so oft versucht ihn von dem Thema abzulenken, ihn glauben lassen, er hätte nur einen Traum gehabt. Es war alles noch gar nicht lange her und doch fiel es ihr schwer, jetzt die Wahrheit zu sagen. Doch er hatte Recht, er hatte die Wahrheit verdient. Sie liebte ihn und nur gemeinsam konnten sie die offenen Fragen beantworten. „Erzähl es ihm,“ ermunterte Lore sie. Auch Jenny nickte ihr aufmunternd zu.

„Ok, also, der Hund, der dich gebissen hat, der war kein Hund. Naja und dein Traum, das war auch kein Traum, nehme ich an. Ja, du hast in meinem Bett geschlafen, wahrscheinlich hast du auch geträumt, aber du hast auch etwas erlebt, das unglaublich war.“ Verzweifelt blickte sie in Svens Augen, fand darin keinen Vorwurf. Er liebte sie, er vertraute ihr. Auch wenn sie ihm so viel verschwiegen hatte, seine Schwester und Tante belogen ihn schon viel länger. Seine Hand nach ihr ausstreckend, fragte er sanft: „Wie bin ich zu dir nach Hause gekommen?“ Das war die Frage gewesen, die sie ihm nie beantwortet hatte. Ihm war doch klar, dass sie ihn nicht alleine vom Rhein zu sich hätte bringen können, wenn er bewusstlos war. Natürlich wäre es viel sinnvoller gewesen einen Krankenwagen zu rufen. Sie hatte es nicht getan und er hatte aufgehört zu fragen.

„Wir haben eine Umweg genommen, einen, der nicht durch unsere Welt führt. Erinnerst du dich an unseren Kuss?“ Ein sanftes Steicheln über ihren Handrücken bestätigte, dass er sich erinnerte. Sie sollte weiter sprechen. „Ich weiß nicht wie es möglich war. Das ist eines der größten Rätsel an dieser Geschichte. Jedenfalls habe ich dich während unseres Kusses in die Anderswelt gebracht. Dort haben wir Johanna und Lametta getroffen.“

„Johanna sieht aus wie du, oder?“, fragte Sven. In seinem Traum, der ja nun doch keiner war, hatte er zwei Josephines gesehen und empfand dies verstörender als den Schmetterling mit Menschenkörper. Fantasierte er tatsächlich von zwei Mädchen? Reichte ihm Josephine nicht. Er liebte sie und wirklich erotisch war der Traum dann auch nicht gewesen, oder doch? Die zweite Josephine hatte ihn berührt, sein Bein untersucht. Dann war das Schmetterlingsmädchen dazu gekommen. Er schüttelte den Kopf, verließ seine Erinnerungen, er wollte jetzt die ganze Geschichte hören, endlich verstehen, was los war. Sein sehnlichster Wunsch war, zu hören, dass er nicht verrückt war. Denn all diese Bilder hatte er nicht zum ersten Mal gesehen.

„Ja, das tut sie. Sie lebt in der Anderswelt und sie hat dir gemeinsam mit Lametta geholfen. Lametta, sie sieht aus wie ein Schmetterling“ Mit einem Nicken deutete ihr Sven an, dass er genau wusste, wer diese Lametta war. „Sie hat uns zu mir nach Hause begleitet und dich geheilt. Das hatte sie Wochen zuvor für mich auch getan.“

„Und was hat mich gebissen?“

„Es war ein Fuchsteufel, ein Wesen der Anderswelt, gefangen in unserer. Er verfolgt mich seit unserer Party in der Rheinaue.“

Endlich war es raus. Die Geschichte hatte noch Lücken, vor allem eine Menge Fragezeichen, auf die Josephine selbst gerne Antworten hätte. Doch die große Mauer des Schweigens zwischen ihr und Sven war gefallen. Ihm ging es wir ihr, er zog sie an der Hand, die er schon eine Weile hielt,  sanft zurück auf seinen Schoß. Sie kuschelte sich an ihn und sie küssten einander, ein Kuss voller Liebe und Vertrauen.

Als sich die beiden nach einer Weile wieder voneinander lösten, wandte sich Sven an seine Schwester und Großtante: „Und was habt ihr beide mit der ganzen Sache zu tun?“

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Sonntagsgeschichte Kapitel 35 – Jennys Plan

Dies ist das 35. Kapitel des Blogromans.

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Jenny nahm Josephine nach dem Nachtisch bei der Hand und stand auf. Nichts ahnend ließ sie sich mitziehen. Als sie den Saal verlassen hatten, fragte Josephine: „Was hast du vor?“ Jenny grinste: „Wir Mädels gehen zur Toilette.“ Es war eigentlich nicht Josephines Art, gemeinsam mit anderen Mädels die Toilette aufzusuchen, aber in Anbetracht der Tatsache, dass sie sich auf der Aquilaburg nicht auskannte und nun auch ein gewisses Bedürfnis bei sich spürte, hatte sie nichts dagegen.

Als sie beim Waschbecken wieder aufeinander trafen, prüfte Jenny kurz, ob sie wirklich allein waren, dann begann sie mit einem verschwörerischen Blick mit geheimnisvoller Stimme endlich zu reden: „Sven hat dir garantiert versprochen, dich an diesem Wochenende nicht allein zu lassen.“ Josephine nickte. „Dachte ich mir, so ist mein Bruder, aber Großvater hat es bereits geschafft, dich ihm zu entführen und mir ist es soeben auch gelungen.“ Sie grinste. Josephine stellte sich gerade ebenfalls vor, wie Sven seine Schwester und Freundin zur Toilette begleitete. Nein, besser nicht. „Gut, also wird uns das nachher auch gelingen. Das ist ganz simpel, du musst nur eben Bescheid wissen und mitspielen. Also, Lukas wird Sven nachher bitten mit in den Herrensalon zu kommen, auf eine Zigarre und einen Whisky. Es geht eher um eine antiquierte Familientradition unter den Männern, eine Zigarre wird Sven sicher nicht rauchen. Dir zu Liebe wird er das Angebot ablehnen. Ermuntere ihn, sag entweder, du seist müde oder auch die Wahrheit, dass du bereits mit mir in den Garten gehen wolltest. Allerdings wird er sicher viel lieber mit dir den Sonnenuntergang sehen wollen, als Männergespräche führen. Ist eigentlich nicht so sein Ding. Mein’s auch nicht, denn im Grunde werden wir Frauen schon lange nicht mehr von der Tradition ausgeschlossen, so altmodisch ist unsere Familie nämlich nicht, bevor du das denkst. Doch was würdest du wählen, ein Abend in einem Rauchersalon oder an der frischen Luft?“ Sie ließ Josephine keine Zeit zu antworten. „Eben, also gehst du mit uns nach draußen und Lukas nimmt Sven mit, der Großvater den Gefallen sicher tun wird, wenn er von dir ein klares Signal bekommt, dass du ihn nicht brauchst. Alles klar?“

Gar nichts war Josephine klar, aber so langsam wunderte sie an diesem Ort nichts mehr. Kurz ließ sie sich ablenken, als ihr aus dem Wasserhahn zwei Augen entgegen blicken, nur ganz kurz zwinkerten, dann waren sie auch schon wieder verschwunden.

„Dann lass uns mal zurück gehen“, verkündete Jenny fröhlich. „Ja, ich weiß, du hast Fragen. Erklären wir dir alles später, aber ohne Sven. Nur du, ich und Großtante Lore.“

Jennys Plan ging auf und so saß Josephine später mit Jenny und ihrer Großtante im Garten. Sie waren durch ein kleines Heckenlabyrinth gegangen und hatten es sich in einer schmiedeeisernen Sitzgruppe bequem gemacht. Lore hatte Kissen für sie drei mitgebracht und Jenny zauberte eine Flasche Rotwein und drei Gläser aus dem Korb hervor. Während sie die Gläser füllte, verkündete sie verschwörerisch: „Sven weiß nichts und braucht auch nichts zu erfahren.“ Was Sven tatsächlich alles nicht wusste, Jenny und Lore dagegen schon, wurde Josephine im Laufe eines äußerst ungewöhnlichen Abends bei lieblich-fruchtigem Rotwein klar. Ihre kleine Damenrunde wurde ergänzt von Lucinda und bald darauf auch einigen ihrer Schwestern … Hätte Josephine nicht bereits zuvor Bekanntschaft mir Lametta gemacht, hätte sie die Erscheinung der Schmetterlingsfeenwesen, den Lillingen, wie sie sich selbst nannten, auf den Rotwein geschoben.

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Sonntagsgeschichte Kapitel 24 – Warum?

Dies ist das 24. Kapitel des Blogromans.

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Sonntagsgeschichte Kapitel 24

„Wie konnte das alles nur passieren?“, fragte Lametta und flatterte aufgeregt um Josephine herum.

„Das wüsste ich auch gerne“, antwortete das Mädchen. „Wieso hat der Fuchsteufel Sven gebissen?“

„Wieso konnte er in die Anderswelt überwechseln und vor allem, wieso erinnert er sich daran?“, ergänzte Lametta, die für die Schmetterlingsfee viel drängenderen Fragen. „Ich sehe es in seinen Augen, er glaubt nicht an einen Traum.“

„Ist das denn so ungewöhnlich? Ich erinnere mich doch auch.“ Diese Fragen hatte Josephine sich bisher nicht gestellt. Die Sorge, dass Sven nun auch in Gefahr war, erschien ihr wichtiger. Die Tatsache, dass ihre Rettung in die Anderswelt geklappt hatte, war für sie schlicht großes Glück gewesen. Johanna hatte zwar gesagt, dass ihr das gar nicht hätte gelingen dürfen, weil sie ja nur ein Mensch sei, aber bis jetzt hatte sie darüber gar nicht nachgedacht.

Was bedeutete es, nur ein Mensch zu sein, aber eine Verbindung in die Anderswelt zu haben? Darüber hatte sie bisher nicht nachgedacht. Die Rätselfrage, warum Johanna ihr so unglaublich ähnlich sah, war sie auch nicht mehr nachgegangen. Zu viel hatte sie immer wieder davon abgelenkt. Sie musste endlich Antworten finden. Johanna wusste das bestimmt, wollte es ihr aber offensichtlich noch nicht erklären, warum auch immer. Ihre Drachenschwester tat gerne geheimnisvoll und behielt die Kontrolle über die gemeinsamen Gespräche. Dabei verriet sie stets nur das nötigste und lenkte gerne von Josephines eigentlichen Fragen ab.

Es drehte sich immer alles um Sicherheit, Geheimhaltung und die große Aufgabe, die Welt zu retten, wobei Josephine auch hier, kaum Informationen hatte. Manchmal war es einfach zum verzweifeln. Waren alle Drachen so stur? Die Geschichten über diese Wesen waren zumindest ein guter Hinweis darauf.

„Du musst Johanna treffen“, unterbrach Lametta ihre Grübeleien. „Sie ist hier, aber du weißt ja, sie kann nicht einfach im Gebäude erscheinen.“ Ja, das wusste Josephine, Gebäude waren ein Hindernis für die Wesen der Anderswelt und das war auch gut so. Nicht alle Wesen waren so freundlich, wie ihre Drachenschwester Johanna. Vor dem Fuchsteufel war sie innerhalb von Gebäuden sicher, nur draußen konnte er sie angreifen und das bisher eigentlich nur, wenn sie nahezu alleine war. Große Menschenmengen waren eigentlich auch ein Schutz für Josephine gewesen. Bisher.

Warum galt das nicht mehr? Und warum zum Teufel, griff dieses Wesen ihren Freund an?

„Nun geh schon. Sven kommt bestimmt gleich aus dem Bad zurück“, drängte Lametta. Endlich hörte Josephine auf sie und verließ ihr Zimmer. Sie wusste genau, wo Johanna auf sie wartete.

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Sonntagsgeschichte Kapitel 22 – Die anderen Seite

Dies ist das 22. Kapitel des Blogromans.

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Josephine hielt Sven fest im Arm. Er war schwach, dennoch erwiderte er ihren Kuss. Seine Augen waren geschlossen und so nahm er das Flimmern um sie herum nicht wahr, auch nicht die sich verändernde Landschaft. Statt des befestigten Rheinufers mit geplatteten Gehwegen, befanden sie sich nun auf natürlichen Auen, umgeben vom Grün der Natur.

Josephine strich ihm sanft über die Wange und löste langsam ihre Lippen von seinen.

„Josephine“, erklang eine besorgte Stimme. „Was machst du, was macht ihr denn hier?“

Johanna kam in ihrer menschlichen Gestalt angelaufen und blieb neben dem Paar stehen. Sven starrte die junge Frau überrascht an. Sie war das Ebenbild seiner Freundin, er hatte nicht gewusst, dass sie eine Zwillingsschwester hatte. Dann nahm er die Umgebung wahr, erkannte, dass er nicht mehr ganz bei sich war und fiel tatsächlich in Ohnmacht.

Er war zu schwer für Josephine, so dass sie seinen Sturz nur abfedern, aber nicht verhindern konnte.

„Was ist mit ihm passiert“, erkundigte sich Johanna.

„Er wurde vom Fuchsteufel gebissen“, erklärte Josephine mit zitternder Stimme. Sie kniete neben ihrem Freund, mühte sich, ihn zu wecken, aber Johanna hielt sie zurück. „Lass ihn, so ist es leichter für ihn.“

Entsetzt drehte Josephine sich zu ihrer Schwester um. Wie konnte sie so etwas sagen. Johanna lächelte und deutete auf Lametta. Josephine hatte die kleine Schmetterlingsfee noch gar nicht bemerkt. Sie versorgte bereits die Wunde, heilte Sven, so wie sie vor einigen Wochen auch Josephine geheilt hatte. Sie ließ sich von Johanna fortziehen, nahm auf einem Baumstamm Platz und erzählte vom Angriff des Fuchsteufels am Rheinufer.

„Das heißt, auch unter  Menschen bist du nicht mehr sicher“, überlegte Johanna. „Es waren ja nicht viele vor Ort. Bei uns war das Wetter auch nicht so schön, wie hier.“

„Verstehe“, nickte Johanna. „Aber er hat jetzt auch Gefährten, sagst du? Gewöhnliche Hunde?“

„So sahen sie zumindest aus.“

Wieder nickte Johanna und schwieg eine Weile überlegend.

„Wie konntest du ihn herbringen?“

Zerknirscht sah Josephine ihrer Schwester in die Augen: „Es tut mir leid, ich wusste mir keinen anderen Rat. Er war so schwach, das Gift schien bei ihm viel schlimmer zu wirken, als bei mir. Ich hatte Angst und das Flimmern zuvor hatte mir Hoffnung gemacht, dass es funktionieren könnte.“

„Nein, das meine ich nicht. Natürlich sehen wir es nicht gern, wenn wahllos Menschen bei uns auftauchen. Es geht mir aber eher darum, wie du es geschafft hast. Eigentlich hättest du das gar nicht können dürfen. Du bist doch ein Mensch. Welches Flimmern zuvor meinst du?“

Josephine berichtete, dass sie und Sven sich kurz vor dem Angriff geküsst hatten, eigentlich sogar bis zum Angriff. Bereits da hatte es um sie herum geflimmert, als würden die Welten miteinander verschmelzen …

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