Rückblick zum ersten KreativDigitalCamp

Miro-Board zum KreativDigitalCamp
Miro-Board zum KreativDigitalCamp

Eine kurze Zusammenfassung des #KreativDigitalCamp vom 21. Januar 2022 habe ich euch schon im letzten Wochenrückblick gegeben. Es war kreativ, inspirierend und wunderbar! Inzwischen steht fest, es gibt einen zweiten Termin am 4. November 2022. Wir müssen nicht einmal ein Jahr darauf warten!

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Organisatorin Sandra verkündet den neuen Termin auf Twitter 🙂

Ein BarCamp mit Voraborganisation

Es gab im Vorfeld eine Diskussion auf Twitter, ob es überhaupt ein BarCamp sei, wenn die Sessions vorab eingereicht werden. Es gab auch noch Raum für spontane Sessions. Die Veranstalterinnen hatten sich viel zu viele Sorgen gemacht. Es gab viel mehr Anmeldungen als erwartet und das Session-Board war ebenfalls gut gefüllt. Die Begeisterung war hoch.

Die Sessions wurden dennoch gepitcht und auch wenn die Spontanität der Organisation gewichen ist, war es ansonsten ein sehr typisches BarCamp nach meinem persönlichem Empfinden.

Ich habe mich am Vorabend entschlossen meine Session einzureichen, obwohl ich die Idee schon eine Weile hatte, damit füllte ich die letzte freie Lücke der Vorplanung.

Die Organisation bei diesem Camp war interessant. Es gab ein hübsch gestaltetes Miro-Board mit allen Informationen und Links zum Ablauf. Für die Begrüßung und Verabschiedung gab es einen Link zu Teams. Dort hätten wir auch während der gesamten Veranstaltung jemanden bei Fragen getroffen. Die Sessions selbst wurden über verschiedene Tools, vor allem Zoom angeboten, über die Tools der Sessiongebenden. Hier gab es aber auch Unterstützung von den Organisatorinnen, soweit ich das mitbekommen habe. Das hatte einige Vorteile, aber zwischendurch hatte ich das komische Gefühl, ich sei draußen und wollte wieder rein ins Event. Es gab auch einen Pausenraum auf Wonder-Me zum freien Vernetzen. Dahin habe ich es selbst nur einmal kurz geschafft. Irgendwie ist nie genügend Zeit auf einem BarCamp.

Danke Sandra, Christiane & Katalin für die Organisation!

Storytelling mit Tobias Grewe und Roberto Riehle

Ein BarCamp Tipp lautet: Geh in die Session von der du am wenigsten Ahnung hast. Diesmal habe ich das BarCamp mit einem Thema begonnen, mit dem ich mich selbst intensiv beschäftige: Storytelling.

Wir lernen nie aus und es ist immer spannend zu sehen, wie andere das Thema betrachten und angehen. So habe ich für mich einiges aus der Session mitgenommen und viel Spaß an der Übung gehabt. Im Einführungsteil hatte ich immer wieder den Gedanken: Ja genau so sehe ich das auch!

Auf die Übung habe ich mich dann voll und ganz eingelassen, sie zielte auf etwas ähnliches ab, was ich selbst anbiete und war doch ganz anders gestaltet.

Wir gingen zu zweit in BreakOut-Räume und konnten die Aufgabe über ein Miro-Board sehen und bearbeiten. Hier lief sogar ein Timer fürs Timeboxing mit.

  • 5 Minuten Reflektion der Fragen
  • 90 sec vorstellen
  • 90 sec Wechsel
  • 5 Minuten gegenseitiges Feedback
  • 5 Minuten Shaping, etwas aus dem Feedback machen

Bei uns hat es tatsächlich richtig gut geklappt mit dem Zeitplan. Im Anschluss durften dann einzelne Teams sich gegenseitig vorstellen. Sehr spannend zu hören.

Es gab vier Hilfsfragen für die eigene Story:

  • Woher kommst du? (Land, Leute, Werte)
  • Auf wessen Schultern stehst du? (Wer hat dich beeinflusst? Was lebst du weiter? Themen, Kompetenzen, Personen, Teams)
  • Worauf bist du im Leben neugierig? (Projekte, Themen, Menschen)
  • Welches Rätsel versuchst du zu Lösen? (sich wiederholende Motive, Grenzen, die du sprengen willst, Zukunftsvisionen)

Hier berührt das Storytelling wunderbar die systemische Beratung für mich, denn es kommt auf die richtigen Fragen an, um bei anderen eine gute Geschichte herauszukitzeln. Tobias Grewe ist übrigens u.a. Systemischer Coach und Storyteller (Webseite). Mit der letzten Frage tat ich mich ein wenig schwer, bin in die Weltfriedenfalle getappt. Im ersten Entwurf lautete meine Notiz zu dieser Frage: „Das Leben tagtäglich glücklicher gestalten, eine diverse, digitalreale persönliche Gesellschaft zu werden“. Dazu gab es das Feedback meines Partners, darunter könne er sich nicht wirklich was vorstellen, verständlich, denn ich habe verdammt viel darein gepackt.

Meine Story

Hallo, ich bin Stephanie aus Bonn, komme aus den Bereichen Psychologie, Systemische Beratung und Geschichten erzählen. Mein Aha-Erlebnis war für mich, als mir klar wurde, wie eng all das zusammen hängt. 
Geholfen hat mir dabei eine kreative offene Haltung und mich von vielen Seiten beeinflussen zu lassen.
In diesem Sinne bin ich neugierig auf Geschichten, reale Geschichten von Menschen, die ich in meiner systemischen Beratung begleiten darf, sowie fiktive, die ich selbst schreibe oder lese/schaue.
Welches Rätsel möchte ich lösen? Im Kleinen wie im Großen, de Weg in ein glückliches Leben, Schritt für Schritt, persönlich und gesellschaftlich, hin zu einer pluralistischen, in der alle . sie selbst sein dürfen, sowie digital ebenso real ist, wie das RealLife.

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Den Input aus dem Einführungsteil habe ich in diesem Beitrag nicht wiedergegeben, hier lohnt ein Blick in meine Twitter-Notizen ;-):

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Meine Session zum Thema Reframing

Reframing

Meine Idee hinter der Session war ein kurzer Input und anschließend ins Doing kommen. Das ging auch gut auf und wir haben mehrere Beispiele besprochen, sowie ein kreatives Reframing in der Gruppe durchgeführt. Gerade in der Gruppe können wir die verschiedenen Perspektiven und Kreativität der anderen nutzen, um neue Impulse zu setzen.

Was ist Reframing?

Welcher Kontext wäre denkbar, unter dem das gezeigte Verhalten sinnvoll wäre?
Welcher Kontext wäre denkbar, unter dem das gezeigte Verhalten sinnvoll wäre?

Wir gehen aus der systemischen Perspektive davon aus, dass jedes Verhalten einen Sinn hat. Eventuell müssen wir es in einem anderen Rahmen betrachten, um den Sinn dahinter zu verstehen. Genau das bedeutet Reframing, etwas in einem anderen Rahmen betrachten.

Ein Teilnehmer fasste die entscheidenden Fragen beim Reframing noch einmal sehr gut zusammen (siehe auch das Foto im Tweet):

  • In welchem Kontext macht das Verhalten Sinn?
  • Wie können wir es positiv betrachten?
  • Welche Stärken liegen eventuell dahinter?
  • Welche gute Absicht kann dahinter stecken?
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Design Thinking mit Claudia Carl

Wenn man einmal ins Systemische Denken eingetaucht ist, entdeckt man es überall. So ergeht es mir zumindest ständig. Überall sind Geschichten und überall sind systemische Fragen. Das gefällt mir. Design Thinking ist mir ein Begriff und ich habe ein Buch hier liegen, in dem es um Storytelling im Design Thinking geht. Claudia Carl hat mir das Thema nun näher gebracht.

Im Grunde ist es nichts anderes als Storytelling und Systemik 🙂 Ich bin begeistert, auch beeindruckt, wie viel sie in eine 45-minütige Session gepackt und durchgezogen hat.

6 Schritte des Design Thinking

  1. Understand – Worum geht es eigentlich?
  2. Observe – Beobachten oder Befragen, wie Menschen sich verhalten
  3. Point of View – Alle Daten kommen in einen Trichter und es kommt eine Fragestellung dabei heraus.
  4. Ideate – Aus dem Problemraum gehen wie in den Lösungsraum. Jetzt wird es kreativ, denn wir gehen in die Ideenentwicklung. Quantität vor Qualität! Alles ist möglich!
  5. Prototype – Eine oder mehrere Ideen werden ausgewählt und mit den Händen zu einem Prototypen gebaut. Sobald wir mit den Händen was tun, aktivieren wir weitere Hirnareale.
  6. Test Wir haben was, das wir präsentieren und testen können. Feedback einholen zum Prototyp.

Der gesamte Prozess ist iterativ, zirkulär. Wir können nach dem Test wieder von vorne beginnen oder auch mitten drin, eben da, wo es nötig ist. Auch zwischendrin können wir einzelne Prozessschritte wiederholen, alles ganz agil und flexibel.

Eine wichtige und wertvolle Haltung im Design Thinking lautet: Einfach mal machen! Der iterative Prozess ermöglicht es, frei kreativ erstmal alle Ideen zuzulassen. Es kann jederzeit korrigiert und verengt werden.

Super Hero Methode

Zum Abschluss haben wir die Super Hero Methode durchgeführt, die direkt einem systemischen Werkzeugkoffer entspringt und ich sicher auch in meine Arbeit bei SuiseiNo-Beratung einfließen lassen werde.

Claudia gab uns ein kurzes Fallbeispiel und bat uns zunächst, selbst Ideen zu entwickeln. Diese sollten wir uns aufschreiben. In drei weiteren, zeitlich extrem kurzen Phasen bat sie uns verschiedene Perspektiven einzunehmen und fragte, was würden Pippi Langstrumpf, der Pabst oder ein Zeitreisender aus der Zukunft mit einem Sack voll Geld vorschlagen?

Anschließend ging es in Breakout-Gruppen und wir sollten einen Prototypen zeichnen zu einer Lösung, auf die wir uns einigten. Das war wieder eine interessante Erfahrung.

Twitter Thread:

Auch hier findet ihr meine Live-Notizen auf Twitter:

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Kunst mit Ulrike Lehmann

Ulrike nannte ihre Session selbst „Innovationskraft durch Kunstbetrachtung“, der Titel klang irgendwie schwer, dabei war so viel Leichtigkeit in der Session. Ulrike macht etwas ganz ähnliches wie wir in unseren StoryUp Your Artefact Workshops. Sie nutzt die Kunstbetrachtung, um kreative Prozesse in Gang zu setzen, umdenken anzuregen, neue Perspektiven zu entdecken. Hier arbeitet auch sie wieder ganz systemisch mit kreativen Fragen.

Das erste von zwei Bildern, die Giraffe im Glas „The cut-glass bath“ von Rene Margritte von 1946 eignete sich dazu hervorragend. Was macht die Giraffe in dem Glas? Im ersten Schritt betrachteten wir das Bild, in einem zweiten übertrugen wir die Gedanken auf unsere Lebenswelt. „Welche Gewohnheiten werden in Frage gestellt?“

Es hat großen Spaß gemacht, auch hier, wie in allen anderen Sessions dieses Nachmittags, fand ich mich in tollen Gruppen wieder.

Für mich, die sich immer als Kunstbanausin betrachtet hat, ist es faszinierend, wie viel wir aus Kunstwerken mitnehmen können, ohne ein besonderes Verständnis für Stile und Technik haben zu müssen. Unabhängig davon, was die Künstler*innen sich beim Malen gedacht haben, kann ich in Gemälden eine Geschichte lesen, eine, die vielleicht sehr viel mit mir zu tun hat, woraus ich wiederum Inspiration ziehen kann.

Es war großartig zu erleben, wie Ulrike mit Kunst arbeitet und wie begeistert andere mitarbeiten. Mit StoryUp Your Artefact stehen wir noch am Anfang einer spannenden Reise, diese Session hat mir noch einmal Mut gemacht, wie sinnvoll und wichtig unser Projekt ist. Mit Geschichten finden wir einen anderen Zugang zu Kunst, über Kunst finden wir einen besonderen Zugang zu uns selbst. Dabei müssen die Artefakte nicht immer Kunstwerke sein, es können auch andere historische Gegenstände sein, wie wir sie im LVR Landesmuseum Bonn finden, wo wir im Frühling zwei Workshops anbieten werden. Ich freue mich so sehr darauf.

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Auch hier habe ich live mitgetwittert

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Fazit

Besuche auf einem BarCamp gerne Themen, die dir nicht sagen, um deinen Horizont zu erweitern. Gehe auch in Sessions zu deinen Themen, finde Gleichgesinnte und vernetze dich. Gehe auf BarCamps und lass dich inspirieren. Trau dich, biete eine eigene Session an, es macht Spaß und lohnt sich.

Ich freue mich auf das nächste DigitalKreativCamp, hoffe dort einige wieder zu sehen, andere kennen zu lernen und vieles zu vertiefen. Alle Infos findest du auf der Webseite und den Social Media Kanälen der Organisatorinnen: Sandra Richter (Twitter, LinkedIn), Katalin Pöge (LinkedIn) & Christiane Richter (LinkedIn).

So Systemisch das ganze BarCamp gewesen ist, hätte der Beitrag auch in meinem anderen Blog erscheinen können.

Meine Woche KW24 in 2021

Steinfigur Wichtel mit Zipfelmütze auf der Holzterrasse, im Hintergrund Lavendel und Wiese.

Was war das für eine Woche, eine in der Freude und Trauer nah beieinander lagen, eine heiße Woche voller Produktivität.

Autorinnenleben

Plötzlich war er da, der neue Plot. Drei Figuren haben sich mir vorgestellt, mehr frech als freundlich polterten sie in mein Leben und fordern, dass ich ihre Geschichte erzähle. Mache ich gerne. Die Entwicklung des Plots geht stark von den Figuren und ihren Bedürfnissen aus, sie scheinen sehr dominant zu sein und ich bin gespannt, wie sich das beim Schreiben auswirken wird. Vermutlich ist es das Beste, nicht zu viel zu plotten, sondern bald ins Schreiben zu gehen. Das neue Projekt hat bereits einen Arbeitstitel unter dem es erste Tweets gibt, die ersten Tweets sind noch ohne #KometsZwillinge

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Storytelling – der erste StoryUp Your Artefact Workshop /Event

Nach wochenlanger Planung mit Astrid und Mélina vom StoryAtelier ist es diese Woche endlich so weit gewesen, unser erster Workshop als Testlauf für Freunde fand statt. Es war phantastisch, die Geschichten, die die Teilnehmenden am Ende geteilt haben, waren so großartig, berührend und inspirierend. Das erste Feedback war ebenfalls begeistert. Wir holen noch einmal kritisches Feedback ein, stecken unsere Köpfe zusammen und planen dann weitere Workshoptermine für euch.

StoryUp Your Artefact

… verbindet bildende Kunst mit der Kunst Geschichten zu erzählen. Unser Programm richtet sich an Kunstbanausen und Personen, die ihren Deutschunterricht gehasst haben. Will sagen, ihr braucht keine Kunstexperten zu sein oder erfahrene Geschichtenerzähler*innen. Wir sind überzeugt davon, dass das Erzählen von Geschichten in uns allen liegt. Um Kunst zu erleben, braucht es kein hohes intellektuelles Niveau, denn es gibt verschiedene Ebenen auf denen wir Kunst genießen können. Es beginnt mit der Betrachtung eines Bildes … Wie Denny richtig schrieb, ist es vielmehr ein Event als ein Workshop, denn der Fokus liegt stark auf dem Erlebnis.

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Erleben unserer Teilnehmenden

Einige unserer Teilnehmenden berichteten, dass sie zuletzt in ihrer Kindheit Geschichten geschrieben hatten. Es hat ihnen Freude gemacht, sich kreativ auszuprobieren, frei vom Anspruch, dass etwas Besonderes dabei herauskommen muss, was es letztendlich bei allen tat. Mit anderen gemeinsam ein Kunstwerk zu betrachten, sich über die Eindrücke auszutauschen, hat ihnen gefallen, sie inspiriert und Lust darauf gemacht in eine Ausstellung zu gehen und dort mit anderen über einzelne Kunstwerke ins Gespräch zu kommen.

Kunst kann Inspiration sein, Emotionen herauskitzeln. Es war für uns alle spannend zu sehen, wie unterschiedlich und doch auch verbunden die einzelnen Geschichten waren. Die Teilnehmenden kannten einander nicht und doch entstand in diesem virtuellen Raum Nähe und Gemeinschaft, verbunden durch die Kunst und die Geschichten.

Meine Geschichte

Während die Teilnehmenden Zeit hatten, ihre Geschichten zu schreiben, habe ich mir selbst zehn Minuten genommen, um eine spontane Geschichte zu schreiben. Spannend war, dass meine intuitive Wahl auf das Bild fiel, welches mich bereits in der Vorbereitung am meisten inspirierte. In diese Geschichte flossen meine Assoziationen, die der Teilnehmenden, sowie die Hintergrundinformationen, die Astrid recherchiert und den Teilnehmenden erst zum Abschluss präsentiert hatte. Es spielte aber auch noch etwas anderes eine Rolle, nämlich meine Emotionen. Emotionen, die sehr viel mit mir zu tun haben, ich aber auf meine fiktive Figur, die Person im Gemälde übertragen habe. Meine Geschichte habe ich zum Kunstwerk „El Astrónomo“ von Vermeer aus dem Jahr 1688 geschrieben, welches im Louvre ausgestellt ist.

Ich gebe die Geschichte hier in ihrer Rohfassung wieder.

El Astrónomo ~ Vermeer

Wie an so vielen Abenden zuvor saß ich an meinem Schreibtisch am Fenster. Dort stand mein größter Schatz, mein Globus. Wie hatte meine Frau diesen gehasst, geglaubt ich würde diesen und meine Studien mehr lieben als sie. Wie sehr sie doch irrte. Doch leider wurde mir die Gelegenheit verwehrt, ihr von meinen wahren Träumen zu erzählen. Meinen Träumen mit ihr die Welt zu bereisen, doch die Welt kostet ihr Geld und dafür musste ich hart arbeiten, damit wir uns das Reisen leisten können.

Dazu kam es nicht mehr. Sie ist fort, geblieben sind mir mein Globus und meine Träume. Aus Gewohnheit legte ich meine Hand auf den Globus, spürte die raue Ölfarbe, fuhr die Linien der europäischen Küste entlang, nahm die Seeroute nach Amerika hinüber. Einmal mit einem Schiff reisen, hinüber auf den anderen Kontinent, aber nein. Mein Blick ging aus dem Fenster in die Ferne, die gar nicht so fern ist.

Die Sonne lachte mich freundlich an, lockte mich hinauszugehen. Doch wohin sollte ich gehen? Auf dem Friedhof bin ich heute bereits gewesen, habe das Grab gepflegt, neue Blumen gepflanzt. Nein, das Fernweh packte mich nicht mehr, mich erfüllte eine andere Sehnsucht, eine Reue. Mehr Zeit mit meiner Frau, gemeinsam einen Tee trinken, von meinen Träumen erzählen. Ihr zuhören, ich hätte ihr viel mehr zuhören sollen. Jetzt ist es zu spät.

„Ach Luise, wenn du jetzt bei mir wärst.“
„Was dann mein Liebster?“, erklang eine Stimmer hinter mir. „Würdest du dann nicht auch hier an deinem Globus sitzen, aus dem Fenster starren und deinen Träumen nachgehen.“
„Ja, genau das würde ich wahrscheinlich, aber ich wüsste du bist bei mir.“
„Das bin ich mein Liebster, ich bin immer bei dir.“

Todestag meines Papas

Ich habe es nicht so mit Daten, traue mir auch zu meinen eigenen Geburtstag zu vergessen und so habe ich den Todestag meines Papas in meiner Planung nicht wirklich berücksichtigt gehabt. Das bedeutet aber nicht, dass mir Jahrestage wenig bedeuten würden.

Emotional ergriff mich der Moment, nachdem ich am Tag vor dem Jahrestag die Schule verließ. Dies war vor einem Jahr der Moment gewesen, in dem ich die Gedanken zugelassen hatte, dass es so weit ist. Auf der Fahrt nach Hause entschied ich, wir fahren hin. Besprach es mit meinen Töchtern und wir fuhren zu meiner Mutter, in der Erwartung nur noch für sie da sein zu können. Es kam anders, Papa hatte auf uns gewartet, wir haben noch viele letzte Stunden miteinander verbracht und er starb erst am nächsten Nachmittag. Eine wertvolle Zeit, eine Zeit, die mir geholfen hat, Abschied zu nehmen, liebevolle Erinnerungen zu schaffen.

Meine Mama hat eine neue Reihe im Blog gestartet, in der es unter anderem um ihr erstes Trauerjahr geht. Es soll um Themen wie Abschied nehmen, Trauer, Krankheit und Buchtipps rund um Trauer und Tod gehen.

Lehre

Während es in der Schule diese Woche verkürzte Stunden gab, hätte ich auch meinen Studierenden insbesondere am Donnerstag gerne ein wenig hitzefrei gegönnt … Bei Temperaturen über 30 Grad zu lehren und lernen ist ganz schön herausfordernd. Umso mehr beeindruckte mich die anwesende Gruppe, die sich intensiv mit der gestellten Aufgabe befasste und das beste aus der gemeinsamen Zeit machte.

Lesen und Bloggen

Ich merke, wie gut es mir tut, bewusste kleine Lesezeiten zu nehmen. Darauf zu achten, dass nicht alles Arbeitszeit ist. Im Moment lese ich vor allem die Bücherbingo Bücher und samstags an meinem Lesetag liegen neben dem letzten Sherlock Holmes Band einige Fachbücher bereit.

Gestern ging auch endlich mal wieder ein Beitrag über ein Buch online, der schon längst hätte fertig sein können. Langsam erobert sich das Blog wieder Zeitslots zurück. Nur noch zwei Wochen Schule, dann steht mir die Zeit wieder anders zur Verfügung …

Habt ein schönes Wochenende!

Gespräche an virtuellen Buchmesseständen

Fakriro Onlinemesse #FakriroTalk Virtuelle Standgespräche auf der #LBM20Reloaded

Die Leipziger Buchmesse 2020 musste leider ausfallen. Die Buchszene im Netz hat sich einiges einfallen lassen, um virtuellen Ersatz zu schaffen und das begeistert mich! Auch wenn ich selbst nicht zur Messe gefahren wäre, beteilige ich mich bei der Online-Messe mit einer eigenen Idee. Auf Fakriro Online findet ihr virtuelle Messestände von Autor*Innen, Verlagen und Anbietern verschiedener Services für Autor*innen.

Ich möchte euch mit meinem Beitrag mitnehmen auf die virtuelle Messe, hierzu habe ich virtuelle Standgespräche geführt und nehme euch mit. Stellt euch vor, ihr steht neben mir an den Ständen und lauscht. Die Bücher sind zum Greifen nah.

Gespräch mit der unermüdlichen Mary Cronos

Mary Cronos auf ihrem Messestand (c) Mary Cronos
Mary Cronos auf ihrem Messestand (c) Mary Cronos

Die alternative virtuelle Buchmesse Fakriro Online ist die wahnsinnige und turboschnelle Umsetzung einer Idee von Mary Cronos. Gemeinsam mit Sabrina Schuh hat sie sich die Nächte um die Ohren geschlagen und tatsächlich ist es mir gelungen sie kurz zu erwischen (na gut, sie ist freiwillig kurz stehen geblieben in ihrer Rennerei).

Hallo Mary, es freut mich sehr, dich in diesem Trubel zu treffen und kennen zu lernen. Danke, dass du einen Moment Zeit für mich hast. Du hast dir mit deinem kleinen Team die Nächte um die Ohren geschlagen und etwas ganz großartiges mit der Fakriro Online auf die Beine gestellt. Warum machst du das alles? Habt ihr eine Armee an Heinzelmännchen?

Mary Cronos: Hallo liebe Stephanie, die Freude ist ganz meinerseits! Ein Wunder, dass Du mich hier gefunden hast. Tja. Unser Kernteam besteht tatsächlich aus drei Menschen. Keep it simple. Sabrina (Schuh) kam nach der BuchBerlin mit der Idee zu Fakriro auf mich zu und hatte mich dummerweise so ziemlich auf Anhieb überzeugt. Damit fing der irrwitzige Plan an, innerhalb eines knappen Monats (und über Weihnachten und Silvester hinweg) eine GbR zu gründen und einen Messesupport für Selfpublisher auf die Beine zu stellen. Um ehrlich zu sein, war schon das ziemlich verrückt. Eine Onlinemesse innerhalb einer knappen Woche auf die Beine zu stellen, hat unsere eigene Verrücktheit dann wohl nochmal auf eine neue Stufe gehoben. Und ohne ihren Mann, der uns tapfer Tag und Nacht zur Seite stand, wäre es sicher schwierig geworden. Aber nicht nur er war in der vergangenen Woche dabei: Wir haben viele fleißige Helferlein da draußen, die für uns nach weiteren Ausstellern und Bloggern gesucht haben, die für uns Plakate und Postkarten gedruckt und in ihren Städten verteilt haben, die uns helfen, die vielen eingehenden Ausstellerbewerbungen in die Website einzupflegen. Vielleicht keine Armee, aber eine gut ausgewählte Gruppe an wirklich guten, engagierten Menschen. Und wie sich daraus eine Kooperation nach der anderen ergab, gibt unserer Idee doch recht.

Du fragst nach dem Warum. Der Auslöser war natürlich die Absage der Leipziger Buchmesse. Aber auch davon abgesehen ist unser Warum größer: Ich hab eine Allergie gegen Missgunst und Konkurrenzdenken in der Kreativbranche. Kreativität lässt sich nicht vergleichen und je mehr kreative Geister sich miteinander verbinden, desto größeres kann entstehen. Ich liebe diese Art des Netzwerkens und Zusammenarbeitens. Die Messe in Leipzig fällt vielleicht aus. Aber was hier gerade geschieht, ist das schon beinah wert. (Und das sage ich, obwohl mich dieses Messe-Aus wirklich viel kostet.)

Mary Cronos hält ihr Buch Houston Hall geöffnet in der Hand und liest
(c) Mary Cronos

Fakriro ist nicht nur der Name der Messe. Wer seid ihr und was macht ihr?

Mary Cronos: Ich glaube, knackiger und präziser als auf unserer Website bekomme ich es nicht hin (wir haben laaange daran gefeilt): 

Fakriro, das ist dein Theater auf den großen Buchmessen: Ausstellungsraum, Buchhandlung, Lounge und Bühne in einem – für Selfpublisher*innen only. Fakriro zeigt das Beste, was Selfpublishing zu bieten hat und will so ein Spiegel für die Qualität von modernem Selfpublishing sein. Aber es zeigt die literarischen Schätze des Selfpublishings nicht nur. Fakriro macht die ausgestellten Titel erlebbar: Durch Lesungen, Signierstunden, Meet&Greets und natürlich Buch-Shopping.

Fakriro

Daher die herzliche Einladung an alle Selfpublisherinnen und Selfpublisher, die nun über Fakriro Online stolpern: Lasst uns doch zusammen nach Frankfurt gehen. 🙂

(c) Mary Cronos
(c) Mary Cronos

Du scheinst mir auch sonst eine vielseitig kreative Frau zu sein. „Artist, writer, creative chaos in person. trying to do too much things at same time.“, steht in deinem Profil.  Arbeitest du gerne an verschiedenen Projekten gleichzeitig?

Mary Cronos: Ja, ich glaube, bei mir ist irgendwann die Funktion kaputt gegangen, einfach eine Sache zufriedenstellend zu erledigen. Mit jeder neuen Erfahrung kommen neue Projekte, neue Fähigkeiten. Und ich sehe es gar nicht ein, mit dem Lernen aus solchen Erfahrungen aufzuhören. Momentan bin ich (obwohl eigentlich studierte Theologin) freischaffende Künstlerin in den Bereichen Fotografie, Design und Illustration, Podcasterin und Autorin – und Fakriro-Mama. Schon jetzt weiß ich, dass spätestens 2021 zwei weitere Projekte dazukommen werden. Womöglich sogar drei. Ich bin gespannt, wie sich all meine Tätigkeitszweige weiterentwickeln werden. Das ist ja das Schöne an der Kreativität: Lässt man sie erstmal ein, hört sie gar nicht mehr auf. 

Eigentlich wolltest du doch ein Crowdfunding für dein Hörbuch starten. Erzähl mir doch etwas über dein Buch.

Mary Cronos: Tjaaa. Das Crowdfunding startete mehr oder weniger still und heimlich am vergangenen Donnerstag auf Startnext. Die liebe, talentierte Fanny Bechert wird meinem „Houston Hall – Schatten der Vergangenheit“ ihre Stimme verleihen. Dieser Titel war mein Verlagsdebüt Anfang 2018. Jetzt habe ich mir ein paar der Nebenrechte zurückgeholt, weil ich meine Leserinnen und Leser nicht mehr warten lassen wollte. Ich wollte ihnen ein Hardcover und ein Hörbuch schenken und nun ist am 11.03. mein Hardcover erschienen und seit dem 05.03. läuft das Hörbuchcrowdfunding. Das macht mich sehr stolz – und zugleich bin ich etwas traurig, dass ich gerade so wenig Zeit für diese beiden Veröffentlichungen habe. Ich hoffe, meine Leserinnen und Leser haben mehr Zeit dafür. Es würde sich lohnen.

Houston Hall ist nämlich so ein Buch, das man in keine Schublade stecken kann. Es verbindet viele Genre miteinander – so wie ich es selbst auch als Leserin mag: Ein Krimi vor der Kulisse der schottischen Lowlands der 60er, schottische Mythologie, ein 300 Jahre altes Familiengeheimnis und natürlich Liebe für den Genuss des Ganzen.

Ich würde mich natürlich freuen, wenn mich der eine oder die andere bei meinem Crowdfunding unterstützen würde. Ich glaube, ich habe mir ein paar schöne Dankeschöns ausgedacht – auch für die, die das Buch noch nicht kennen.

Houston Hall ~ Mary Cronos (c) Mary Cronos
Houston Hall ~ (c) Mary Cronos

Herzlichen Dank für deine Zeit!

Weiterführende Links

Autorenseite von Mary Cronos
Kreatives von Mary Cronos
Blog von Mary Cronos
Podcast von Mary Cronos

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Crowdfunding zum Hörbuch „Houston Hall“

Fakriro

Autorenseite von Sabrina Schuh

Gespräch mit Autor Matthias Zimmermann

Kryonium, Bild vom Messestand auf der Frankfurter Buchmesse 2019 (c) Matthias Zimmermann
Kryonium, Bild vom Messestand auf der Frankfurter Buchmesse 2019 (c) Matthias Zimmermann

Bei Matthias Zimmermann bleibe ich stehen, weil das Cover meine Aufmerksamkeit fordert. Die Schneekugel, ein unbekanntes Wort „Kryonium“, und dann noch die Worte „Die Experimente der Erinnerung“, da feuern meine Neuronen und wollen mehr wissen. Ich möchte die Schneekugel schütteln und wissen was passiert, doch die Schneekugel hat ein Schloss und der Schlüssel liegt daneben. Was bedeutet das? Mein Wissenschaftlerinnenherz will mehr über die Experimente erfahren und bei Erinnerungen sind wir doch gleich mitten in der Psychologie.

Mit dem Buch in der Hand nutzen wir doch gleich mal die Gelgenheit mit dem Autor darüber zu sprechen:

Hallo, das ist ein tolles Cover! Wofür steht Kryonium? Ist es ein Fremd- oder Kunstwort?

Matthias Zimmermann: „Kryonium“ ist ein Kunstwort. Bildlich gesehen, ist es das Fadenkreuz, an dem alle Erzählstränge hängen. Herauszufinden, was es damit genau auf sich hat, ist Teil der Geschichte und darf vorab nicht verraten werden 😉

Aber was man diesem Wort schon mal entnehmen kann, ist, „Kryo“, was „Kälte“ bedeutet – passend zur Schneekugel und der schneeverwobenen, kühlen Atmosphäre in der Geschichte.

Das macht neugierig und klingt nach einer unheimlichen Geschichte? Spielst du mit Ängsten?

Matthias Zimmermann: Das könnte man so sagen. Aber die Ängste gehen hier weniger von den Figuren aus, als vielmehr von den Räumen und Landschaften, die sich wie ein seltsamer Organismus verändern.

Auf dem Klappentext steht etwas von Virtualität. Es klingt für mich als wisse deine Figur nicht mit Sicherheit, ob sie sich noch in der realen Welt befindet.

Matthias Zimmermann: Das ist richtig. Die Figur weiß es nicht. Wissen wir es denn mit Sicherheit? Schon Platon hatte sich in der Antike Gedanken zu solchen Fragen gemacht. Womöglich erwachen wir erst dann, wenn wir gestorben sind.

Herrlich, ich liebe solche komplexen Ansätze. Die Räume und Landschaften hast du zuerst als Kunstwerke geschaffen und dann in den Roman eingebaut?

Matthias Zimmermann: Ich komme von der Malerei und Digitalkunst her. Als Künstler sucht man per se nach neuen Innovationen, versucht gängige Muster zu durchbrechen und neue Wege zu finden. Mein Ziel war es also, eine Geschichte entgegen der gängigen Muster zu entwerfen. Acht Jahre habe ich an dem Roman geschrieben und mich mit zahlreichen Büchern über Storytelling beschäftigt. Das brachte mich auf die Idee, die Erzählstränge wie ein Uhrwerk zusammenzusetzen, in dem jedes Objekt, jede Figur, jeder Raum und einfach alles miteinander verflochten ist. Die Zeit ist dann auch wie ein Klebstoff, der das Erzählkonstrukt zusammenhält – und es in sich zusammenbrechen lässt, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Die Ideen zu dem Roman, entstammen meinen Bilderwelten. Darauf zu finden sind ähnliche Objekte und Figuren wie im Roman.

(c) Matthias Zimmermann

Mit Storytelling befasse ich mich auch gerade, ein spannendes Feld. Lag ein Teil der Geschichte bereits in den Bildern oder erhielten sie im Roman teilweise eine neue Bedeutung?

Matthias Zimmermann: Einige Aspekte aus den Bilderwelten meiner Gemälde habe ich für die Geschichte in meinem Roman verwendet. Etwa das Motiv der Schneekugel, das prominent auf dem Cover platziert ist. Davor steht ein Schlüssel, es dreht sich alles um das Aufschlüsseln von Dingen, Informationen und Fragen. Die Dramaturgie von der ersten bis zur letzten Seite ist eine einzige, große Entschlüsselung. Auf dem Schlüssel die Zahl „1001“, auch das hat was zu bedeuten. Dann sehen wir auf dem Cover eine Schneefläche, die wie Papier umgeblättert wird; dahinter erscheint eine neue, ganz andere Ebene. Auch das ist ein Aspekt der Geschichte.

Das klingt alles großartig! Ich danke dir für deine Zeit.

Matthias Zimmermann: Immer gern doch, Stephanie!

Kryonium - aufgeschlagenes Buch (c) Matthias Zimmermann
Kryonium – aufgeschlagenes Buch (c) Matthias Zimmermann

Weiterführende Links

Autorenseite von Matthias Zimmermann
Buchtrailer zu Kryonium (Youtube)
Matthias Zimmermann auf Instagram
Kryonium ist im Kulturverlag Kadmos erschienen

Gespräch mit Anke Schlachter über den Chaospony Verlag

(c) Chaospony Verlag
(c) Chaospony Verlag

Vom Chaospony Verlag habe ich bisher noch nichts gehört und auch nichts gelesen. Auf den ersten Blick wird deutlich: Hier geht es um Fantasy. Also bleiben wir stehen und schauen uns den Stand genauer an. Mir springt direkt ein Buch ins Auge: Cinderella hält eine Axt hinter dem Rücken. Mit diesem Buch in der Hand beginnen wir ein Gespräch mit der Lektorin Anke Schlachter:

Verirrte Prinzen & bockige Prinzessinnen (c) Chaospony Verlag
Verirrte Prinzen & bockige Prinzessinnen (c) Chaospony Verlag

Hallo, vom Chaospony Verlag habe ich bisher noch nie gehört. Seid ihr noch neu auf dem Markt oder habt euch bisher nur vor mir versteckt?

Anke Schlachter: Hallo Stephanie, uns gibt es seit 2017. Wir wären dieses Jahr das zweite Mal auf der LBM gewesen. Möchtest du mehr zur Prinzenanthologie wissen?

2017, na dann wird es Zeit euch mal kennen zu lernen. Ja bitte, erzähl mir mehr über die Prinzenanthologie.

Anke Schlachter: Bei dem Projekt hatten wir die verrückte Idee, wie Märchen aussehen würden, wenn nicht alles Friede Freude Eierkuchen wäre und vor allem die Prinzessin nicht willig aus ihrem Turm gerettet wird. Herausgekommen ist eine herrliche Mischung von ganz unterschiedlichen Geschichten. Mal spannend, mal lustig, immer mit einem zwinkernden Auge zu sehen. Wir haben hier 29 Geschichten von ich glaube 26 Autoren und Autorinnen. Besonders schön ist auch, dass wir Einsendungen mit Gendervielfalt oder auch queere Einsendungen bekamen. Aber nicht alle Geschichten umfassen das.

Jede der Geschichten ist einzigartig, aber es war einfach toll und unheimlich lustig, die ganzen Einsendungen zu lesen und dann zu dritt die auszusuchen, die uns allen gefallen. Jede Geschichte bekam dazu noch eine individuelle kleine Zeichnung von uns :-).

Das ist ein wunderbarer Ansatz! Sind die Märchen stilistisch dann noch märchenhaft oder ist es ein lustiger Genremix geworden?

Anke Schlachter: Sie sind alle märchenhaft, aber ein paar spielen auch in der Gegenwart oder sogar in der Zukunft.

Von der Thematik her sind sich die Geschichten ähnlich. Prinz soll die Prinzessin retten. Daher findest du hier keine Krimis oder sowas, aber eben ganz individuelle Ansätze.

Es kommen sogar Einhörner vor. Und Drachen. Aber das versteht sich ja fast von selbst ;-).

Schnipsel aus „Verirrte Prinzen & bockige Prinzessinnen“ (c) Chaospony Verlag

Also ein modernes Märchenbuch ohne vor Liebe entbrennende Prinzessinnen beim Anblick des Prinzen und einem „und wenn sie nicht gestorben sind dann leben sie noch heute“?

Anke Schlachter: Manchmal gibt es auch ein Happy End. Aber eher selten. Und modern ist es auf jeden Fall!

Ich glaube das gefällt mir (blättert ein wenig im Buch)

Anke Schlachter: Die Zeichnungen haben immer etwas mit dem zu tun, was in der Geschichte vorkommt.

Zeichnung aus  "Verirrte Prinzen & bockige Prinzessinnen" (c) Chaospony Verlag
Zeichnung aus „Verirrte Prinzen & bockige Prinzessinnen“ (c) Chaospony Verlag

Süß, sind es alles schwarz/weiß Zeichnungen?

Anke Schlachter: Ja. Auch alle unschattiert, weil wir erst nur Doodles nehmen wollten, dann aber kurz vor knapp feststellten, dass das nicht aussieht. Daher haben wir dann zu viert unser Möglichstes getan, was kleine Skizzen angeht.

Passt ja stilistisch gut zu einem Märchenbuch

Anke Schlachter: Ja, das denken wir auch.

Ihr seid drei Verleger*innen, die auch alle auch illustrieren?

Anke Schlachter: Nein, wir sind eine Verlegerin und zwei Lektorinnen sowie eine Standfee.

Das Coverbild stammt von unserer Lektorin Josie. Und die Zeichnungen im Buch von uns allen.

Ich bin auch „nur“ eine Lektorin im Verlag. Aber da alle Bücher durch meine Hand gehen müssen (ich mach die Manuskripteprüfung, Lektorat oder Korrektorat), kann ich dir über all unsere Bücher etwas sagen.

Das klingt gut, ich liebe Urban Fantasy. Wenn unsere alltägliche Welt ein wenig magisch auf den Kopf gestellt wird, gerne mit ein wenig Humor, am liebsten mit ein paar gesellschaftskritischen Seitenhieben ohne offensichtlicher Moralkeule. Kannst du mir da etwas empfehlen?

Anke Schlachter: Wir haben mehrere Urban Fantasy Titel im Programm. Zum einen haben wir Aaranai und Banhabarus, beide von Timo Koch. Dort findet sich auch eine gute Portion Romantik.
Dann haben wir Die Perlen der Bajar, wenn du Harry Potter magst, ist das auf jeden Fall etwas für dich.
Und finsterer geht es bei Die Verdammte Karte von J.S. Hartmann zu. Zu welchem Buch soll ich dir mehr erzählen?

Aarani ~ Timo Koch (c) Chaospony Verlag
Aarani ~ Timo Koch (c) Chaospony Verlag

Erzähl mir mehr zu Aaranai, bitte.

Anke Schlachter: Aaranai ist der erste Teil einer dreibändigen Reihe. Der Hauptcharakter gewinnt eine Reise nach Schweden. Dort beginnen auf einmal, unheimliche Ereignisse seinen Alltag zu stören. So findet er ein seltsames Amulett, das in seiner Nähe aufleuchtet. Und Wölfe strolchen um ihre Villa in den schwedischen Bergen. Er macht sich Sorgen, denn es ist ja schon ziemlich einsam dort, wo sie hingekommen sind und er möchte seine Frau unbedingt beschützen. Dann wird ihm offenbart, dass er die Verkörperung eines göttlichen Wesens ist und die Dinge nehmen ihren Lauf.

Es handelt sich hierbei definitiv nicht um ein Jugendbuch, da die Hauptcharaktere auch schon etwas älter und gesetzter sind. Aber es gibt hier durchaus versteckte Gesellschaftskritik und eben auch eine gefestigte Beziehung – und eben die Schwierigkeiten, die sich ergeben, wenn der eine Partner auf einmal vor so eine Herausforderung gestellt wird.

Klingt spannend, geht es in eine bestimmte mythologische Richtung oder um eine frei erfundene Götterwelt? Bei Schweden denke ich direkt an nordische Mythologie.

Anke Schlachter: Es beruht nicht auf der nordischen Mythologie. Ob die Aspekte frei erfunden sind, oder tatsächlich auf einem irgendwann mal vorhandenen Kult fußen, kann ich dir gar nicht genau sagen.

Das macht ja nichts. Es dürften uns auf jeden Fall weniger vertraute Elemente erwarten, nehme ich an?

Anke Schlachter: Ja, das ist richtig.

Ich sehe hier den zweiten Band, dort steht „Die andere Seite“. Handelt es sich um eine Geschichte aus einer anderen Perspektive?

Anke Schlachter: Ja genau. Bei Banhabarus werden die Ereignisse, die zum Schlußpunkt des ersten Buchs geführt haben, aus der Sicht der Gegenseite beschrieben. Natürlich nicht nur die Ereignisse aus dem ersten Band, das wäre ja total langweilig. Aber es gibt genug Überschneidungen, dass man beide Bände unabhängig voneinander lesen kann – für den noch kommenden dritten Band muss man dann aber beide Bücher gelesen haben.

Banhabarus ~ Timo Koch (c) Chaospony Verlag
Banhabarus ~ Timo Koch (c) Chaospony Verlag

Interessantes Gefüge, haben wir im finalen Teil dann beide Perspektiven drin?

Anke Schlachter: Banhabarus ist auch intensiver, was persönliche Konflikte vor allem mit dem eigenen Weltbild angeht. Auch, was das Vertrauen in Freunde und Verwandte angeht. Man erlebt hier intensiv die Seite mit, die im ersten Teil als „böse“ dargestellt wird – aber vielleicht ist die Seite ja gar nicht so böse? Es ist eine Sache der Perspektive. Und das macht die beiden Bücher interessant.

Über den finalen Band kann und darf ich dir zu diesem Zeitpunkt noch nichts sagen, aber es wird definitiv dazu führen, dass alle losen Enden aufgelöst werden.

Ich liebe solche Spiele mit Gut und Böse, haben wir nicht alle beide Seiten in uns?

Anke Schlachter: Definitiv. Es kommt immer auf den Standpunkt an.

Verstehe ich, dass du noch nichts verraten darfst, ein Versuch war es wert. Darfst du verraten für wann den dritte Teil geplant ist?

Anke Schlachter: Der Autor plant, diesen nächstes Jahr zu schreiben. Dann hängt es auch davon ab, wie schnell er fertig ist.

Also noch ein wenig Geduld, aber zwei Bände sind ja bereits erschienen und wollen erst einmal gelesen werden.

Anke Schlachter: Genau.

Ich danke dir für deine Zeit. Du hast mich sehr neugierig auf eure Bücher gemacht.

Anke Schlachter: Seher gerne.

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Gespräch mit Katharina Gerlach über Qindie

Messstand von Qindie (c) Qindie
Messstand von Qindie (c) Qindie

Wir kommen an einen Stand an dem groß „Qindie“ steht, kein Verlag. Die Assoziation mit Indie-Autor*innen ist direkt da, doch was genau ist Quindie, fragen wir doch einmal nach. Katharina Gerlach erzählt uns gerne mehr:

Hallo Katharina, ich habe noch nie von Quindie gehört, magst du mir erzählen, was genau ihr macht?

Katharina Gerlach: Qindie ist ein Zusammenschluss von Indie-Autoren, die sich für Qualität bei Selfpublishern einsetzen. Wir zeichnen Bücher von Autoren aus, die sich bei uns mit ihrem veröffentlichten Buch bei uns bewerben und deren Leseprobe uns überzeugt.

Dabei gucken wir in erster Linie auf den Text (Rechtschreibung, Grammatik, Umgang mit Sprache, Spannungsaufbau und Figurenzeichnung), beziehen aber auch Klappentext und Titelbild ein. Bewertet werden die Bewerbungen von allen Qindies, die das Siegel bereits haben.

Damit der Einzelne nicht zu viel zu tun hat, sind die Mitglieder in 3 Gruppen eingeteilt, die jeweils monatlich drei Bewerber bewerten. Nur in Grenzfällen werden alle zu einer Bewerbung gerufen (hatten wir neulich mal).

Für Leser*innen ist das Siegel eine gute Orientierungshilfe, und für die Autor*innen eine Vernetzungsmöglichkeit.

Qindie Bücherreagel (c) Qindie
Qindie Bücherreagel (c) Qindie

Das erscheint mir tatsächlich sehr nützlich zu sein für uns Lesenden. Nehmt ihr ausschließlich Bewerbungen von den Autor*innen persönlich oder können euch auch Blogger Bücher empfehlen?

Katharina Gerlach: Wir nehmen nur Bewerbungen von den Autor*innen selbst an, da diese uns einige Informationen zur Verfügung stellen müssen. Aber man kann sich mit jeder Geschichte bewerben, als auch Kurzgeschichten, Flash Fiction, Novellen etc.

Wir bieten auch interessierten Bloggern die Möglichkeit, sich auf unserer Homepage vorzustellen.

Es klingt für mich nach unheimlich viel Arbeit, die ihr da rein steckt.

Katharina Gerlach: Wir nehmen jeden Monat 9 Bewerbungen an, aber es ist ähnlich schwer, das Siegel zu bekommen, wie einen Verlagsvertrag. Im Sommer und im Winter nehmen wir uns eine Pause, damit alle Mitglieder wieder auftanken können.

Und wie bei allen Aktionen oder Vereinen, gibt es bei uns auch Mitglieder, die aktiver sind als andere. 🙂

Katharina Gerlach packt kleine Mäppchen mit Flyern und Lesezeichen, -proben (c) Qindie
Katharina Gerlach packt kleine Mäppchen mit Flyern und Lesezeichen, -proben (c) Qindie

Das klingt nach fairen Regeln für alle Beteiligten. Du hast gesagt, dass Siegel sei eine Möglichkeit für AutorInnen sich zu vernetzen. Wie darf ich mir das vorstellen?

Katharina Gerlach: Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, aber die wichtigste sind die Messen. Wir haben (zumindest solange unser Kollege und ich das organisieren) einen 5m² Stand auf der Leipziger Buchmesse. In der Größe ist es nicht ganz billig, und als Einzelautor kriegt man den meist gar nicht voll. In der Gruppe aber ist das zu schaffen, so dass pro Mitaussteller ca. 50€ reichen. Wer sich nur 1-49€ leisten kann, darf gerne Flyer, Lesezeichen oder Leseproben schicken. Das Personal am Stand (also wir Qindies vor Ort) gibt sich größte Mühe, alle Bücher anzupreisen und zu verkaufen, was mit wachsendem Bekanntheitsgrad recht gut gelingt.

Außerdem fahren wir idR. auch zur BuchBerlin, mit der wir bisher gute Erfahrungen gemacht haben.

Einmal im Jahr (bis auf letztes Jahr, da ist es ausgefallen) geben wir eine Anthologie mit düsteren Geschichten heraus, die sich bei Leser*innen wachsender Beliebtheit erfreut. Zu dieser Anthologie können alle Q-Autor*innen eine Kurzgeschichte beisteuern. Das ist ein sehr guter Weg, um neue Leser zu erreichen. Aus dieser Anthologie wird bei „Leipzig liest“ idR. auch gelesen. Erlöse werden zugunsten der Messebesuche verbucht.

Was auch möglich ist, ist ein Austausch von Leseproben zwischen Autor*innen oder andere kleine Aktionen. Wenn z.B. ein Qindie bei sich vor Ort eine Lesung organisiert hat und noch eine/n Mitleser/in sucht, kann er bei uns jemanden finden.

Wow das sind großartige Möglichkeiten. Ich danke dir herzlich für diese Einblicke.

Katharina Gerlach: Ach ja, in unseren Reihen gibt es auch Designer, Lektoren und andere Bücherschaffende, so dass man immer jemanden findet, der einem helfen kann, oder den man engagieren kann (z.B. für Cover-Design).

Vielen Dank. Ihr Blogger seid einfach klasse. Euch kann man nicht mit Gold aufwiegen.

Weiterführende Links:

Webseite von Qindie
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Webseite von Katharina Gerlach
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Gespräch mit Autorin Mira Valentin

Mira Valentin als "Aira" (c)  Wustaphoto
Mira Valentin als „Aira“ (c) Wustaphoto

Auf einer Buchmesse ist sie kaum zu übersehen. Mira Valentin, die es liebt ihre Figuren und die ihrer Autorenfreunde im Cosplay zu repräsentieren. Oft tritt sie auch in Gruppen auf. Viel zu lange habe ich nichts mehr von Mira gelesen, daher freue ich mich sehr über diese Begegnung

Hallo Mira, es ist Donnerstag, der erste Messetag, in welchem Cosplay treffe ich dich an?

Mira Valentin: Hallo Stephanie, am Donnerstag hätte ich in Leipzig auf jeden Fall mein „Aira“-Cosplay getragen – ein schwarzes Brautkleid mit einer sehr pompösen schwarzen Krone – passend zur Seraph-Preisverleihung, die an diesem Nachmittag stattfinden sollte. Denn hier ist das dazugehörige Buch „Windherz“ (zusammen mit Co-Autor Erik Kellen) in der Kategorie „Bester Indie-Titel“ nominiert. In den Tagen danach wollte ich die Mondfluch-Reihe von Kathrin Wandres und meine Wikinger-Saga „Nordblut“ cosplayen.

Mein aktuelles „Schwerpunkt-Cosplay“ ist allerdings die Walküre Herja, passend zu „Nordblut“. Es ist im Grunde mehr eine historische Gewandung als ein Cosplay – aber es ist auch viel Fantasy dabei, genau wie im Buch. An diesem Cosplay schraube ich schon seit über einem Jahr herum – es wird ständig ergänzt und verändert und ist wirklich sehenswert. Damit es nun trotz ausgefallener Messe unter die Leute kommt, werde ich es am Donnerstagabend zu meiner Lesung im Kreuzgewölbe Großpösna tragen, wo ich gemeinsam mit Sandra Florean und C.J. King auftrete.

Mira Valentin als Herja (c) privat
Mira Valentin als Herja (c) privat

Wow, ein ganzes Jahr, schön, dass du es wenigstens auf der Lesung tragen wirst. Erzählst du mir etwas zu dem Buch zu diesem tollen Cosplay?

Mira Valentin: Nordblut ist historische Fantasy – sie erzählt also eine wahre Geschichte, die ich mit Fantasyelementen aus der nordischen Mythologie angereichert habe. Kurz zusammengefasst geht es dabei um drei Männer, von denen jeder den Tod einer anderen Person verschuldet hat. Doch die Götter sind sich nicht darüber einig, wie nun mit ihnen zu verfahren sei und beginnen deshalb ein Spiel, das nur einer der drei gewinnen kann. Ich habe für dieses Buch so sehr recherchiert wie noch für kein anderes zuvor. Nicht nur im Internet, sondern live vor Ort an den Schauplätzen in Haithabu und Island. Ich habe ein Wikingerschiff gemietet und über die Ruhr gerudert, eine ganze Bibliothek gewälzt, mit Experten geredet und mich von Schwertkämpfern verprügeln lassen. Doch dieser enorme Aufwand hat sich gelohnt – ich bin der Meinung, es ist ein sehr gutes Buch dabei herausgekommen. Wenig Liebe, aber viel Emotion – wenig „Geschichtsunterricht“, aber viel Atmosphäre.

Wikingerschiff, Mira Valentin & ihre Crew (c) privat
Wikingerschiff, Mira Valentin & ihre Crew (c) privat

Inzwischen lese ich von dir kaum noch einen Beitrag, ohne, dass du deine Weltenbauer erwähnst. Was bedeutet dir dieses Team?

Mira Valentin: Ohne die Weltenbauer kann ich mir mein Autorenleben gar nicht mehr vorstellen. Mit Sam Feuerbach und Greg Walters kann man wirklich Pferde stehlen. Egal ob es um die Arbeit am gemeinsamen Stand geht, um persönlichen Austausch oder das Planen zukünftiger Projekte – wir stoßen entweder ins gleiche Horn oder werden uns schnell einig. Das kann alles nur funktionieren, weil wir uns auch als Menschen gegenseitig sehr schätzen und respektieren. So muss die Zusammenarbeit mit anderen Autoren sein – ich möchte das nicht mehr missen!

Herzlichen Dank für deine Zeit!

Mira Valentin als "Herja" beim Schwerttraining (c) Wustaphoto
Mira Valentin als „Herja“ beim Schwerttraining (c) Wustaphoto

Weiterführende Links

Webseite Mira Valentin
Mira Valentin auf Instagram
Mira Valentin auf Facebook
Webseite der Weltenbauer

„Meine“ Blogartikel zu den Büchern von Mira Valentin

Das Geheimnis der Talente (Talente-Reihe 1)
Das Bündnis der Talente (Talente-Reihe 2)
Der Krieg der Talente (Talente-Reihe 3)
Die Legende von Enyador (Enyador-Saga 1)
Der Mitreiser und die Überfliegerin 

Die Fakriro Online beginnt gerade erst

Hier geht es weiter. Schaut euch um, entdeckt wunderbare Menschen und neue Bücher. Weitere Standgespräche folgen wahrscheinlich noch im Blog, seid gespannt. Die Idee solche Gespräche zu führen darf gerne nachgemacht werden, teilt sie gerne unter dem Hashtag #FakriroTalk oder lasst mir einen Link in den Kommentaren da.

Viel Spaß auf den zahlreichen virtuellen Messeständen!
wünscht euer kleiner Komet <3

Edit: Hier gibt es weitere Beiträge von mir in der Reihe #FakriroTalk

Ein Buch wie ein Gemälde

Wege ihrer Sehnsucht ~ Fiona Davis
Wege ihrer Sehnsucht ~ Fiona Davis

Vielleicht sind es auch zwei Gemälde? Zu sehen sind zwei Frauen, eine aus den 20ern, eine aus den 70ern, nicht gebürtig. Es geht um die Momentaufnahme. Beide Frauen sind sehr detailliert zu sehen.

Grand Central

Der zentrale Ort der Handlung ist der Grand Cenztral Station, der streng genommen keine Station, sondern ein Terminal ist, weil es keinen Durchfahrtsverkehr gibt, wie ich aus dem Buch lernte. Es ist ein Kopfbahnhof, wie auch der Frankfurter Hauptbahnhof.

In den 20ern beherbergte er eine Kunst-Akademie, nicht nur im Roman. In den 70ern gab es Bestrebungen den Denkmalschutz aufzuheben, um auch an diese Stelle einen Wolkenkratzer zu setzen. Die historischen Ereignisse entwickelten sich ein wenig anders als im Roman, aber die Idee gab es wirklich. Der Bahnhof mit den weltweit meisten Gleisen (67) ist heute noch erhalten (Quelle: Wikipedia).

Frauen

Der Roman erzählt die Geschichte von zwei Frauen.

1974 braucht die geschiedene Virginia einen Job, den sie am Grand Central findet. Doch dort findet sie noch etwas ganz anderes, die verlassene Kunstakademie und in dieser findet sie Spuren der Vergangenheit …

Zu Clara Darden, einer Lehrerin der Kunstakademie. Clara begleiten wir mehrere Jahre, erleben, wie sie sich als Künstlerin in New York am Ende der 20er Jahre durchsetzt, wie sie die Liebe erlebt und die Wirtschaftskrise durchsteht. Sie wird zu einem Symbol, einem Gemälde jener Zeit.

Aber auch Virginia wird zu einem Gemälde, als geschiedene Frau in den 70ern, die ihr Hausfrauendasein als Anwaltsgattin hinter sich lässt und sich ein eigenes Leben aufbaut. An ihrer Seite, ihre erwachsene Tochter, die ihren eigenen Weg geht …

Kunst

Das zentralste Element des Romans ist die Kunst. Clara ist Künstlerin, Virginia findet ein Gemälde und ihre Tochter Ruby ist auch eine Künstlerin, Fotografin. Kunst verbindet, Kunst macht einsam, Künstler sind sonderliche Wesen. Kunst ist vor allem eins: facettenreich und das versucht dieses Buch darszustellen. Es verliert sich dabei zwischendurch in Details …

Bisher hatte ich zu viel in das Bild einbezogen, sodass der Betrachter nicht recht wusste, wohin er schauen sollte, was eigentlich wichtig war.

Wege ihrer Sehnsucht, Fiona Davis, Seite 151

Mein Lesevergnügen

Der Anfang des Buches gefiel mir richtig gut, die erste Betrachtung der beiden Frauen. Doch dann kam ich langsamer voran, die Geschichte plätscherte vor sich hin, die Sehnsucht bezog sich nicht mehr auf die Erfüllung der eigenen Träume … Doch diese Stellen blieben andeutungsweise und brachen ab, ohne sich in Details zu verlieren.

Immer wieder kommt Spannung auf, verliert sich in Längen. Das Thema ist interessant, die Kulisse farblich schön ausgestaltet, die Figuren klar umrissen.

Das Ende mit dem spektakulären Showdown hat dann noch einmal richtig Spaß gemacht.


Das Buch wurde mir über das Bloggerportal von RandomHouse zur Verfügung gestellt. Link zur Verlagsseite mit Leseprobe.

Wege ihrer Sehnsucht
Fiona Davis
übersetzt von Doris Heinemann
Goldmann, 2019
ISBN:978-3-442-48903-9

Leonardo da Vinci ein Genie?

Leonardos Erbe ~ Matthias Eckholdt
Leonardos Erbe ~ Matthias Eckholdt

Das Bild von Leonardo da Vinci als weit aus seiner Zeit herausragendes Genius könnte auf gravierenden Missverständnissen beruhen und eine Legende der Nachgeborenen sein.

Leonardos Erbe, Matthias Eckholdt, Vorwort, Seite 13

Eine starke These, die auf den folgenden Seiten mit zahlreichen Argumenten untermauert wird. Dabei würdigt Mathhias Eckholdt Leonardo da Vinci als kreativen Künstler, als neugierigen Menschen mit vielfältigen Interessen. Allerdings kratzt er stark an seinem Status als genialem Erfinder. Dabei geht es nicht nur darum, dass zahlreiche seiner Skizzen nicht funktionieren würden, sondern auch darum, dass es gar keine innovativen Erfindungen sind, die seiner Zeit voraus greifen, wie von vielen angenommen wird.

Kreative Neugier

Leonardo da Vinci scheint ein guter Beobachter zu sein, der die Welt verstehen möchte. Wie funktioniert die Natur? Wasser. Luft. Leben. Kraft. Seine Stärke ist die Denkweise in Analogien.

Wie der Menschenkörper stellt sich auch der Erdenkörper für Leonardo als Gestalt dar. In dieser Art des Denkens in Analogien steht das Ganze vor den Teilen. Aus der Beobachtung wird eine Schau, in der von Details abstrahiert wird, um das Gesamte in den Blick zu bekommen und Strukturen ebenso wie Funktionszusammenhänge zu erkennen.

Leonardos Erbe, Matthias Eckholdt, Seite 32

Leonardos Ideen werden von Matthias Eckholdt in den aktuellen wissenschaftlichen Kontext eingeordnet, so lernen wir nebenbei nicht nur seine Denkweise kennen, auch einiges über die Dinge, die er beobachtet hat. Er lag in vielen richtig, wie zum Beispiel, dass die Berge nicht von der biblischen Sintflut erfasst wurden und dort deswegen fossile Muscheln zu finden sind. Stattdessen war dies einst der Meeresgrund. Nicht wissen oder ahnen konnte er, dass die Berge erst entstanden.

Kritik am Erfindergenie

Zahlreiche Skizzen zu verschiedenen Maschinen hat Leonardo angefertigt. Doch würden diese auch funktionieren? Es gibt Notizen, aber keine Modelle in seinem Nachlass. Die Notizen beziehen sich aber nicht unbedingt darauf, wie die Maschinen gebaut werden sollen oder wie sie funktionieren. Neben seinem Schaufelradboot finden sich beispielsweise lateinische Vokabeln, „die Leonardo besonders in seiner ersten Mailänder Zeit paukt“.

Zu der Erfindung der Kanalbaumaschine äußert sich Matthias Eckholdt besonders kritisch:

Bei genauerem Hinsehen handelt es sich auch gar nicht um eine Kanalbaumaschine. Eine solche würde die Bezeichnung als Maschine erst verdienen, wenn sie in der Lage wäre, den Abraum auszuheben und ihn dann aus dem Kanal herauszubefördern, so wie es etwa ein Bagger tut.

Leonardos Erbe, Matthias Eckholdt, Seite 61

Schritt für Schritt räumt der Autor mit dem Mythos auf Leonardo habe Schaufelradboote oder gar das U-Boot erfunden.
Sein Schaufelradboot ist streng genommen nicht einmal eins, da es nur zwei Schaufeln hat und somit „lediglich von senkrecht montierten Paddeln angetrieben wird“. Der gezeichnete Antrieb würde nicht funktionieren, dabei sind Schaufelräder zu Leonardos Zeit bereits 1300 Jahre bekannt.

Das Schaufelradboot ist nicht mehr als eine hingeworfene Skizze eines hellwachen Geistes und vielseitig interessierten genialen Malers.

Leonardos Erbe, Matthias Eckholdt, Seite 78

Lesevergnügen

Der erste Teil hatte großen Spaß gemacht zu lesen, danach weniger. Möglicherweise liegt es daran, dass dieser auch der spektakuläre war. Danach war mir klar, dass Leonardo nicht dass Genie ist für das er gefeiert wird. Ein genialer Künstler, ja, ein genialer Erfinder, nein.

Vergleicht man Leonardos kühne Ideen zum Flug oder seine eigenwilligen Theorien über die Natur des Wassers mit seinen Notizen zum Krieg, so fällt auf, wie wenig originell sie sind. Nur ein Mal lässt er seiner spekulativen Ader freien Lauf, wenn er sie die Folgen eines Schusses aus einer Bombarde ausmalt, der auf einen kleinen von mauern umgebenen Hof abgefeuert wird. Aus der Dramatik seiner Schilderung spricht das Talent des Malers, der in seinen Bildern bewegende Geschichten erzählt.

Leonardos Erbe, Matthias Eckholdt, Seite 186

Ich habe mir zahlreiche Textstellen notiert und musste mich bremsen, euch nicht zu viele in diesen Blogbreitag zu packen. Ich will euch die Lesefreude nicht verderben, denn abgesehen vom spannenden Thema, ist das Buch auch durchaus ansprechend und unterhaltsam geschrieben.

Zum Abschluss noch ein würdigendes Zitat:

Es ist zwar gänzlich verfehlt, Leonardo als Erfindergenie zu bezeichnen, trotzdem aber erschließt er neue Räume des Wissens. Insofern hätte er nicht nur seine, Trommelautomaten den Takt vorgeben können, sondern auch seinen Nachgeborenen. Durch seine unstillbare Neugier, mit der er alles, was sich seinen Augen zeigt, hartnäckig befragt und in immer neuen Anläufen bedenkt und skizziert, wagt er den Schritt in eine neue Form der Empire. Auf der Grundlage der Erfahrung versucht er die Theoriebildung …

Leonardos Erbe, Matthias Eckholdt, Seite 282

Das Buch wurde mir über das Bloggerportal von Randomhouse zur Verfügung gestellt. Link zur Verlagsseite mit Leseprobe

Leonardos Erbe
Matthias Eckholdt
Penguin Verlag, 2019
ISBN: 978-3-328-10328-8