Overworld – Mehr als ein Game

„Overworld“ von Dan Wells ist der zweite Band der „Mirador“-Reihe. Das wusste ich nicht, hatte auch erst sehr spät beim Lesen den Verdacht, es könnte eine Vorgeschichte geben. Es war kein Problem dieses Buch unabhängig zu lesen.

Overworld - Dan Wells

Overworld – Dan Wells

Entscheide dich für dein Leben

Die Zukunft sieht übel aus. Die Umwelt ist nahezu zerstört, die Technologie weiter entwickelt. Menschen tragen Djinnis, Implantate, die ihnen eine permanente Vernetzung ermöglichen.

Die Verbindung mit dem Internet ist ein menschliches Grundbedürfnis, denn das ist unsere Art zu kommunizieren.

Sieht so unsere Zukunft aus? Digital vernetzt und wer in Gebieten mit schlechter Internetverbindung lebt, ist benachteiligt? 2050 gilt das Internet als überlebensnotwendig. Oder ist es das heute schon?

Man schrieb das Jahr 2050. Den Einwohnern von Los Angeles stand eine fast grenzenlos leistungsfährige Technologie zur Verfügung, und trotzdem kämpften die meisten ums überleben.

Marisa sorgt sich, ihre Familie könnte ihr Zuhause und das Restaurant verlieren. Würde sie mit ihrem Team das Overworld-Turnier gewinnen, könnte sie ihre Familie vielleicht retten. Doch es geht um so viel mehr, als ein Turnier. Es geht auch darum, wer du sein willst, darum, dass du dein eigenes Leben selbst in die Hand nehmen musst.

„Die ganze Welt ist eigentlich nur eine Ansammlung von Einsen und Nullen,“ […]
Einsen und Nullen.
Menschen, die etwas bewirken, und andere, die keinen Einfluss hatten.

Ein interessantes Bild, wenn auch stark schwarz-weiß. Doch manchmal verstärkt schwarz-weiß-Malerei einen Effekt, so lange man nicht im komplementären Denken verhaftet bleibt. In dieser Szene denkt Marissa über eine tiefgreifende Entscheidung nach und teilt ihre Gedanken mir der kleinen Schwester Pati, die damit noch nicht viel anfangen kann und ihre Schwester für betrunken hält.

Nein, du kannst dich nicht nur entscheiden, sondern du musst dich entscheiden. Wenn du dich nicht entscheidest, dann entscheidet die Welt für dich. Und sie entscheidet sich immer für die Null.

Das sind für mich starke Worte, ein Zitat für alle, die sich selbst im Wege stehen, sich nicht trauen anzufangen. Abwarten und noch nicht handeln. Wenn du dich nicht entscheidest zu handeln, dann passiert gar nichts. Das Leben entscheidet für dich. Ich kenne das zu gut.

Wach auf, sei mutig und geh deinen Weg. Entscheide dich, denn deine Entscheidung ist wahrscheinlich nicht so schwerwiegend wie die von Marisa.

Mehr als nur ein Spiel

Overworld ist das weltweit beliebteste Virtual-Reality-Spiel. Einige Spieler und Spielerinnen sind berühmt. Über Vidcasts kann man diesen Stars beim Spielen und im Alltag zusehen. Sie fokussieren sich auf das nächste Spiel, den nächsten Sieg.

Was erwartest du denn dann vom Leben? […] Du verwendest so viel Energie darauf, alle diesen kleinen Systeme zu beherrschen, aber … wohin führt dich das letzten Endes?

Diese Frage stellt Marisa Sahara, ihre Freundin, ebenfalls Spielerin im selben Team. Im Rahmen des Turniers treffen die vier jungen Frauen zum ersten Mal aufeinander. Nur Marisa und Sahara kannten sich bislang persönlich. Anja und Jaya reisen nach Los Angeles, um live am Turnier teilnehmen zu können. Sie teilen ihre Leidenschaft für das Spiel, ansonsten sind sie völlig verschieden. Dies gibt viel Stoff für interessante Interaktionen. Doch gemeinsam sind sie ein starkes Team und das müssen sie auch sein.

Marisa und ihr Team entdecken bald, dass es beim Overworld-Turnier um viel mehr geht, als ein Spiel zu gewinnen. Es geht um Macht und Korruption. Die Mädchen begeben sich in große Gefahr. Während sie parallel versuchen das Turnier zu gewinnen und das Geheimnis dahinter zu lüften, werde sie zu wahren Heldinnen.

Fazit

In der wirklich spannenden Geschichte stecken so viele wertvolle Details. Schnell war ich von der Handlung gefangen und konnte das Buch kaum auf Seite legen.

Gleichberechtigung aller „unabhängig vom Geschlecht, der Nationalität oder anderen Faktoren“. Dies wurde möglich, nachdem eine Frau mit ihrem Team die Weltmeisterschaft gewann. Es geht um die  Macht der Großunternehmen, der Technik und das Maß an Eigenverantwortung, welches wir selbst für uns übernehmen müssen. Es wird eine realitätsnahe Zukunft gezeichnet, bei der die Grenzen zwischen SciFi und bereits eingetretener Realität verschwimmen. Wie viel Macht haben Großkonzerne bereits über uns?

Eine klare Leseempfehlung, nicht nur für Gamer, sondern für alle, die sich Gedanken um unsere Zukunft machen.


Das Buch wurde mir vom Verlag über NetGalley zur Verfügung gestellt.

Overworld (Mirador Teil 2)
Dann Wells
Übersetzt von Jürgen Langowski
Piper
ISBN 978-3-492-28022-8
Erscheinungsdatum: 1.12.2017

Bücherschrank – Das Novemberbuch 2016

Die Suche

Nachdem das Septemberbuch aus Aachen und das Oktoberbuch aus Berlin kamen, sollte das Novemberbuch wieder eines aus Bonn sein.

Bücherschrank am Bonner Bogen

Dem Bücherschrank am Bonner Bogen wollte ich gerne nochmal eine Chance geben. Im August war er ziemlich leer und bot mir keine Möglichkeit ein Buch mit der Bedingung es solle lila sein zu finden.

Erneut wollte ich es mit einer Farbe versuchen, diesmal „rosa“, ebenfalls unwahrscheinlich, war aber bereit auf rot oder orange auszuweichen.

Erfreut durfte ich feststellen, dass der Schrank inzwischen gut gefüllt ist, was sicher nicht nur an der lieben Soledad von @bonntouren lag, die meinem Aufruf gefolgt war und einige Bücher vorbei gebracht hatte.

"Rosa" sollte es diesmal sein

„Rosa“ sollte es diesmal sein

Ich weiß, es ist nur an der Seite „rosa“, aber das ist der entscheidende Bereich, den man sieht, wenn man ein Buch aus dem Bücherschrank nimmt, also lasse ich es gelten.

Erinnerungen

Als ich das Buch in den Hängen hielt, fühlte ich mich direkt erinnert an Sommerferien bei Oma und Opa. Mein Opa ist ebenfalls ein ganz großer Bücherwurm. Im Esszimmer stand ein großer Vitrinenschrank aus Eichenholz, gefüllt mit Büchern. Was war ich stolz, als Opa mich für groß genug befand einige seiner Bücher zu lesen. In diesem Sommer entdeckte ich Krimis für mich. Das Format Goldmann-Krimi erinnerte mich an den gemütlichen Lesesessel bei Oma und Opa. Das waren schöne Ferien, Ausflüge, Spiele und Bücher.

Das Buch selbst erinnert ebenfalls an die 90er.

Eine Reise nach Genf -Jacques Berndorf

Eine Reise nach Genf -Jacques Berndorf

Das Buch

Siggi Baumeister ist freier Journalist, wie alt er ist, erschließt sich mir nicht. Beziehungen scheinen nicht seine Stärke zu sein, denn das Buch beginnt damit, dass er verlassen wird, nach 6 Wochen und er bemüht sich nicht im geringsten das zu verhindern.

Stattdessen stürzt er sich auf eine Story über einen sechs Jahre zurückliegenden Mordfall.

Erste Hürde: Überzeuge eine Zeitung dafür zu bezahlen.

Zweite Hürde: Überlebe den Fall.

Vor sechs Jahren wurde die Leiche eines deutschen Politikers in einem Genfer Hotel gefunden. Offiziell war es Selbstmord, doch für Siggi stinkt die Story und er macht sich auf den Weg eine Spur zu finden. Seine Strategie: „Finanzamt“ schreien. Der Hund eines Bekannten reagiert auf den Ruf „Finanzamt“ mit großem Gebell. Siggi braucht sein „Finanzamt“ in der Story, er muss die Hunde zum bellen bringen, die Menschen zum reden.

Doch so ein Ausruf ist gefährlich, denn es gibt einflussreiche Leute, die ganz und gar nicht mit Baumeisters Recherchen einverstanden sind.

Der Krimi ist übrigens Teil der Eifel-Krimi Reihe, nachzulesen bei Krimi-News.

Fazit

Die Zeitreise in die 90er hat mir gut gefallen. Leider sind meine politischen Kenntnisse zur Zeit der Wende nicht ausgeprägt genug, um beurteilen zu können, inwieweit und vor allem auf wen der Satz auf dem Klappentext zutrifft:

Jacques Berndorf erzählt eine Geschichte, in der „zufällige Ähnlichkeiten mit Lebenden oder Toten, tatsächlichen Ereignissen und politischen Gegebenheiten durchaus beabsichtigt sind“.

Hinweise werden gerne entgegen genommen.

Ich weiß schon ganz genau, wo ich das Buch hinbringen werde und freue mich auf mein Dezemberbuch. Ob es weihnachtlich wird?