Inspiriert zum Schreiben – Mein #litcampBN19

Aller Guten Dinge sind Drei!

Einmal ist ausprobieren. Zweimal ist Tradition und beim dritten Mal ist es Brauchtum.

So ist es im Rheinland üblich, so moderierte Ute Lange das Litcamp voller Vorfreude an.

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Ein Tag, fünf Sessions, viele bekannte und bislang unbekannte Leute, viele Tweets und Retweets, ein gelungenes Barcamp. Ich nehme vieles für mich mit, vor allem ganz viel Motivation zu schreiben. Ein wenig davon möchte ich in diesem Beitrag mit euch teilen. Da sich die Sessions so wunderbar ineinander gefügt haben, gibt es diesmal keine strikte Trennung und wie immer alles durchmischt, mit meinen eigenen Gedanken und Schlussfolgerungen.

Vom Plotten und reisenden Helden

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Plotten kann sehr vielfältig gestaltet werden, beispielsweise über einen „Doppelten Plot“, den „Sanduhrplot“ oder den „Pikaresken Plot“. Dann wäre da noch die Schneeflockenmethode … Tanja Hanika gab uns einen kurzen Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten.

Die Vorgehensweise beim Erstellen des Plots kann linear von Anfang bis Ende, rückwärts oder auch kreuz und quer erfolgen.

Ich bin wahrscheinlich der chaotische kreuz und quer Typ, daher ist die Idee einen Roman zu plotten, vielleicht ganz hilfreich. Dann kann ich ebenso chaotisch schreiben, aber habe ja einen Plan, an dem ich mich orientieren kann, damit ich mich nicht völlig in meiner Kreativität verlaufe. (Die Sonntagsgeschichte entsteht spontan kreativ, mit minimal groben Ideen, in welche Richtung es in den nächsten Wochen gehen soll).

Muss man denn plotten?

Nein, jeder wie er oder sie kann und mag. Wir hatten eine spannende Diskussion zum Thema und ich glaube es gab keine zwei Personen im Raum, die mit der gleichen Methode arbeiten. Die Möglichkeiten sind so wunderbar vielfältig und es gilt die passende für das eigene Projekt zu finden. Es lohnt sich, mal in die Thematik einzulesen. Tanja Hanika hat selbst auch ein „Handbuch für Autoren“ geschrieben.

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Vorher zu Plotten hilft dabei Logikfehler zu vermeiden und gute Figuren zu entwickeln.

Vorher Grübeln unterbricht nicht den Schreibfluss.

frei nach Tanja Hanika

Was wird denn überhaupt geplottet?

  • Setting – Was passiert Wo?
  • Figurentwicklung – Protagonist & Antagonist
  • grobe Handlung
  • Konflikte
  • Welche Fragen sollen sich die Leser stellen?
  • Eingestreute Hinweise sortieren
  • wichtige Gegenstände und wo sie sich befinden (gelernt in Janas Session, s.u.)

Der Plot selbst kann sehr konkret werden, Tanja Hanika plottet selbst eher grob.

Plotte so viel du brauchst, aber fang irgendwann an zu schreiben.

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Jessica hat noch einen Software-Tipp für vielfältige Figurentwicklung: „Figuren und Charaktere: Das Enneagramm als Werkzeug für Drehbuchautoren und andere Kreative“ (kein Open Source).

Die Heldenreise

Sie begegnet mir immer wieder und fasziniert mich auch sehr. Tanja Hanika erwähnte sie, Elke Pistor widmete ihr eine komplette Session.

Kurzgefasst

Nach dieser Session kaufte ich mir umgehend zwei Bücher:

  • „Rette die Katze! – Das ultimative Buch übers Drehbuchschreiben“ von Blake Snyder
  • „20 Masterplots – Die Basis des Story-Building in Roman und Film“ von Ronald B. Tobias

Auf ersterem basiert die Methode, die Elke uns präsentierte. Außerdem

Kreativ-twittern vom Boden aus

Genau wie Tanja, gab Elke zahlreiche Hintergrundinformationen und Tipps, die sich nicht alle mittwittern ließen. Da die Darstellung sehr bildhaft war, was ich teilweise in Gifs umsetzen konnte, ich an dieser Stelle meine Tweet-Story zu dieser Session mit euch teilen. Die einzelnen Etappen sind nicht vollständig!!

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(den Film habe ich nicht gesehen, daher habe ich mich gar nicht erst an der Bildsuche versucht)

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Neben Hitchcock haben zahlreiche weitere brillante Regisseure mit der Heldenreise nach Snyder gearbeitet. Sie eignet sich nach Elke Pistor auch hervorragend für Romane.

Ein nächster Band ist eine neue Reise mit einer weiterentwickelten Figur.

Noch ein paar Tipps von Elke zu den Protagonisten

Protagonisten wollen keine Konflikte, die Story braucht die aber. Brich das Problem runter, warum weigern sie sich? Was wollen sie? Am Anfang hast du einen Deppen, langweilig und voller Fehler.

Du darfst das größte Arschloch als Protagonisten haben, so lange er die Katze rettet. Daher der Titel von Snyders Buch „Rette die Katze!“. Die zentrale Frage ist: Wie wird aus dem Arsch ein guter Mensch?

Von Stolperfallen und verlorene Objekten oder wie wir plötzlich eine Leiche auf der Bühne lag

Der beste Session-Pitch des Tages ging eindeutig an Jana Tomy:

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Während Jana ein Manuskript las, wunderte sie sich ein wenig über eine am Stuhl gefesselte Frau, die abgeführt wurde. Hing der Stuhl jetzt noch an ihr dran? Lief sie daher komisch gebückt? (Jana führte dies anschaulich auf der Bühne vor.) Hätte ja sein können, doch dann trat ihr jemand in den Rücken. Ganz offensichtlich war der Stuhl irgendwo verloren gegangen!

Ein Fehler, der nicht selten passiert, daher wollte Jana mit uns ein Bewusstsein für Gegenstände entwickeln und hatte dafür ein paar ganz tolle Methoden aus dem Improtheater im Gepäck, die beim Schreiben nützlich sein können.

Übrigens ist Jana keine Plotterin, doch über ihre Gegenstände macht sie sich Gedanken.

Wir stellen einen Kessel auf die Bühne

Jana forderte uns auf, einen Gegenstand zu wählen, den wir imaginär auf die Bühne stellen. Wir wählten einen Kessel und sie fragte: Seht ihr ihn?

Tja, wie sieht der Kessel nun aus, groß, klein, mit oder ohne Henkel, etc.? Schnell waren wir mitten im Spiel, den Kessel so zu entwickeln, dass wir alle nahezu denselben Kessel vor Augen haben. Gar nicht so einfach:

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Dann kam einer mit dem Vorschlag, er habe eine Prägung. Ähm, nein! Da gingen nicht mehr alle mit. Wo denn? – „An der Seite, denn ich sehe keine.“

Die entscheidende Frage beim Schreiben ist nun: Ist diese Prägung später wichtig? Dann muss sie in die Beschreibung und zwar so, dass alle eine Chance haben, sie sich vorzustellen. Sie zwischendurch erneut zu erwähnen, bis sie gebraucht wird, ist ebenfalls hilfreich.

Gute Übung beim Schreiben, wie viel Info braucht der Leser, um dasselbe zu sehen wie ich und muss er das überhaupt?

Wir malen einen Wald

Nachdem wir den Kessel so schön gestaltet hatten, ging es an eine ganze Szene. Wir entschieden uns für den Wald. Während ich darauf wartete, dass der Kessel in Szene gesetzt wird, gingen die anderen abwechselnd nach vorne und malten das imaginäre Bild. Ein Baum wurde aufgestellt, eine Eule hineingesetzt, ein Pilzkreis auf dem Boden platziert. Von einer Stelle aus konnte man Wasser hören und nachdem wir einen Hochsitz hatten, lag da plötzlich EINE LEICHE!

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Male die Szene, bevor sie losgeht, visualisiere sie, um besser schreiben zu können, wie die Szene funktioniert Mit dem Setting entsteht vielleicht eine viel klarere Szene. Spiele und interagiere mit den vorhandenen Objekten.

Wenn ich Mal nicht weiß, was passieren soll, dann male ich mir so eine Szene und auf einmal liegt da so ein toter Jäger.

frei nach Jana Tomy

Wie viel soll ich denn nun beschreiben?

Eine schwierige Frage auf die Jana einen sehr guten Tipp hat:

Schreib im ersten Entwurf wie du dich am wohlsten fühlst. Für das richtige Maß hat man Testleser und Lektoren.

frei nach Jana Tomy

Das Problem ist ja, dass im Autorenkopf alles da ist, was in den Kopf eines Lesers noch rein soll. Bei Jana stand mal am Rand eines Manuskriptes die Frage: Wo sind wir gerade?

Ein Bewegungsspiel zum Abschluss

Mit ein paar Freiwilligen gab es noch eine lustige Impro-Übung zum Abschluss. Jana ging vor und die anderen sollten ihr in einer Reihe folgen und sie nachahmen. Wichtig ist, die Bewegung exakt an derselben Stelle nachzumachen. Das ist nicht nur lustig, gibt auch ein Gefühl für das Verhältnis von Körper und Raum.

Manch eine Romanfigur kommt ganz magisch an ihr Ziel, andere bewegen sich tatsächlich. Möchtest du deine Figuren durch Hindernisse beamen oder sie sicher hindurch führen?

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Social Media für AutorInnen und wie ich plötzlich auf YouTube landete

Ich war in der Session „Social Media für Autoren“ von Christian Milkus (und Zippi), habe in dieser nicht getwittert und schreibe jetzt völlig frei meine Gedanken zu dem Thema, unabhängig davon, ob wir es in der Session angesprochen haben. Es war eine schöne Diskussionsrunde. Gewürzt wird das Ganze mit Tipps aus der Session von Martina Troyer. die über Marketing für Autoren sprach und sich ebenfalls auf Social Media bezieht.

Beim Thema Social Media stellt sich immer die Frage: Muss ich das? Nein, du musst nicht, aber du kannst Social Media Kanäle als AutorIn nutzen, um mit deinen LeserInnen in Kontakt zu treten, dich und deine Bücher bekannt zu machen.

Ja, es kostet dich zusätzliche Zeit, aber es kann sich lohnen, nicht nur finanziell! Der Austausch mit anderen Buchmenschen, Lesende, Schreibende, Bloggende, Verlegende, Verkaufende ist unheimlich wertvoll.

Probiere aus, aber zwing dich nicht dazu einen bestimmten Kanal zu nutzen, der dir nicht liegt. Gib den Kanälen nur eine faire Chance. Schau dir andere Accounts an und lass dich inspirieren.

Was auch immer du tust, kommuniziere! Social Media ist Kommunikation, keine platte Einbahnstraßen-Werbung!

„Aber es geht doch nur um die Bücher“

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Viele AutorInnen möchten nicht ins Rampenlicht, da sollen die Bücher hin. Doch jede Geschichte hat ein Gesicht. Du bist das Gesicht deiner Geschichte, zeig dich!

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Auf dem Barcamp habe ich zwei Frauen zum ersten Mal getroffen und sie haben mich mit ihrer Persönlichkeit so beeindruckt, dass ich ihre Bücher unbedingt lesen möchte: Elke Pistor und Jana Tomy. Die Menschen, nicht die Cover oder Klappentexte!

Du bist AutorIn – Sei eine Marke

Werde online sichtbar – aber bitte mit Strategie (fordert Martina).

  1. Was macht mich aus? Was macht mich zu etwas Besonderem? USP
  2. Geh mit diesem Bild nach außen.
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Ich habe ja ganz chaotisch einfach mal gemacht und mich dabei selbst erfunden, als kleiner Komet. Chaos kann zum Ziel führen, wenn denn eines definiert ist oder Chaos bleiben. Es kommt wie immer darauf an, was du willst. Bücher verkaufen, Kontakte knüpfen?

Wen will ich wie und im zweiten Schritt wo erreichen?

frei nach Martina Troyer
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Martina findet online netzwerken gut und wichtig, schätzt aber ebenso das persönliche Gespräch #coffe42 (= Kaffee für zwei). Die 100 Kaffee Regel ist ein Ansatz um zu testen, wie dein Fremdbild wirkt. Probiere dich aus und finde in 100 persönlichen Gesprächen heraus, wie deine persönliche Geschichte bei anderen ankommt.

„Ich habe doch nichts zu erzählen/ zeigen“

Ich liebe ja die Frage „Was soll ich denn als Autor erzählen?“ Will doch niemand Fotos von mir am Schreibtisch sehen. Doch, zeig deinen Schreibtisch mit obligatorischer Tee- oder Kaffeetasse. Catcontent schadet auch nicht. Verwende dabei den Hashtag #Autorenleben.

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Tanja Hanika (schließen wir den Bogen zur ersten Session) geht in einen intensiven Austausch mit ihren Followern. Sie bindet ihre Leserschaft bereits beim Plotten, lässt sich Worte spenden, über Handlungen abstimmen, vergibt Namenspatenschaften oder Statistenrollen. Ihr zu folgen lohnt sich! Sie ist nicht die Einzige.

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Textschnipsel oder kurze Lesevideos funktionieren auch gut. Ich empfehle als schönes Beispiel den Instagram Account von Rose Snow.

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Nochmal zur Erinnerung, die Formel:

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Persönliches Storytelling ist mehr als der eigene Pitch Es ist dein Gesamtpaket, das bist DU!

Hab ein eigenes Zuhause und gehe aus

Ich mag Menschen, die das Internet wie ich verstehen, daher meine Tipps von Herzen:

Nutze eine eigene Webseite, ein Blog als digitales Zuhause. Hier gelten deine eigenen Regeln.

Nutze Social Media als Treffpunkte. Hier kannst du dich unterhalten, vernetzen, deine Themen (Links) verbreiten.

Nutze Veranstaltungen wie Barcamps, um dich ganz real zu vernetzen und ins Gespräch zu kommen. Bleibt über soziale Netzwerke in Kontakt.

… und YouTube

Videos sind ja eher nicht meine Welt, bisher. Doch als wir Steffis so mit Jasmin Zipperling rumalberten, sprang Zippi auf, sie brauche doch noch Videomaterial. Instastory dachte ich und plapperte albern los, als sie mir ihr Smartphone vor die Nase hielt … Tja, das Ergebnis ist dann doch länger als 24 Stunden zu sehen, denn sie drehte einen Vlog.

YouTube

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Wie immer nur ein kleiner Einblick …

… daher verweise ich an dieser Stelle auf die Sammlung aller Beiträge auf der Veranstaltungsseite und die bisher erschienen Beiträge:

Ein Blick in die zahlreichen Tweets #litcampBN19 lohnt sich ebenfalls, wobei ich gestehen muss, einen recht großen Anteil daran zu haben.

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Ausblick

Es wird auch ein viertes #LitcampBn20 geben, schließlich ist das Literaturcamp Bonn inzwischen Brauchtum!

Sind Konflikte sinnlos?

Im Rahmen einer zweitägigen Fortbildung bei der Lebenshilfe Bonn befasste ich mich mit dem Thema Konflikte. Dieser Beitrag basiert auf dem Input des Referenten Michael Steiner und stellt meine persönlichen Nachgedanken zum Seminar dar. Das Seminar wird hiermit nicht vollständig wieder gegeben!

New Orleans, kurz nach einem starken Regenschauer, Sonne und Pfützen
aufgenommen in New Orleans, kurz nach einem starken Regenschauer

Was ist ein Konflikt?

Konflikte sind bei uns meist negativ behaftet als unangenehme Auseinandersetzung mit anderen Menschen.

In Anlehnung an Friedrich Glasl liegt einem sozialen Konflikt eine Differenz zugrunde, welche allein aber noch nicht den Konflikt darstellt.

Ein sozialer Konflikt ist

– eine Interaktion zwischen sozialen Akteuren (Personen, Gruppen, Organisationen, Staaten etc.)

– in der mindestens eine/r der Beteiligten

unterschiedliche Meinungen, Werte, Interessen, Absichten, Bedürfnisse, Motive oder Handlungspläne usw.

– als Beeinträchtigung der eigenen Bedürfnisse durch den /die andere/n erlebt.

Michael Steiner

Es genügt, wenn eine der beteiligten Personen eine Beeinträchtigung empfindet, um sich in einem Konflikt zu befinden.

Gilt es Konflikte grundsätzlich zu vermeiden?

Das Problem mit Konflikten ist nicht der Konflikt an sich, sondern die Form der Konfliktaustragung, insbesondere wenn diese mit Gewalt erfolgt. Konflikte sind allerdings auch unvermeidbar und notwendig um soziale Veränderungen herbeizuführen. Dies kann sich auf den kleinen privaten oder den beruflichen Rahmen, aber auch auf den großen gesellschaftlichen bzw. politischen Rahmen beziehen. Ohne Konflikte hätten wir viele Rechte nicht, die in der Vergangenheit erstritten wurden.

Ein Konflikt ist, was ich daraus mache.

Michael Steiner

Ich kann kämpfen, nachgeben, nach einer fairen Lösung suchen, u.v.m.

Jeder verhält sich in Konfliktsituationen anders

Wir haben nicht nur interindividuell jeder unseren eigenen Konfliktstil. Je nach Situation verhalten wir uns selbst auch anders, abhängig von den beteiligten Personen und unserer Beziehung zu diesen, sowie der zugrundeliegenden Differenz und der Wichtigkeit, die wir dieser beimessen.

Die Verhaltensstile in Anlehnung an das „Dual-Concern-Modell“ variieren in Abhängigkeit von dem Grad der Orientierung an den eigenen Interessen und Zielen, sowie denen des Gegenübers. Dabei lassen sich vier Extreme beschreiben und einen Stil, der in der Mitte liegt. Wir alle bringen die Voraussetzungen zu jedem dieser Verhaltensstile mit, tendieren aber meist zu denselben gewohnten Verhaltensmustern. Es kann hilfreich sein, das eigene Verhaltensmuster zu verstehen.

Die einzelnen Extrem-Stile, stelle ich euch nur ganz knapp mit Vor- und Nachteilen vor. Es gibt sie in weiteren Variationen und sie treten eher in Mischformen unterschiedlicher Ausprägung auf. Jeder einzelne Stil hat seine Berechtigung.

Konfliktverhaltensstile
Konfliktverhaltensstile

Vermeiden

Weder den eigenen noch den Interessen und Zielen des anderen wird eine große Bedeutung beigemessen. Der Konflikt wird ignoriert, verschoben oder ihm ausgewichen. Der Vorteil dieser Strategie ist, dass wenig Energie aufgewendet werden muss. Der Nachteil ist, dass sich nichts ändern wird.

Sich anpassen

Wenn wir den eigenen Interessen keine Bedeutung beimessen, uns der Beziehungsaspekt aber zu 100% wichtig ist, geben wir in Konfliktsituationen nach und akzeptieren die Lösungswünsche des anderen. Die Vorteil liegt darin, dass die andere Person zufrieden ist, was möglicherweise mit einem positiven Effekt für uns einher geht. Der Nachteil ist allerdings, dass die eigenen Interessen komplett zurück stecken mussten.

Sich durchsetzen

Das genaue Gegenteil davon sich anzupassen ist sich durchzusetzen. Dabei stehen die eigenen Interessen und Ziele im Fokus und die des anderen spielen keine Rolle. Ob dies durch überreden, manipulieren oder zwingen (bzw. ein Machtwort, z.B. als Vorgesetzter) erfolgt, der Vorteil ist ein Sieg für die eigenen Interessen. Der Nachteil entsprechend, dass die Ziele des anderen nicht erfüllt wurden, was mit negativen Faktoren wie Unzufriedenheit, Ärger oder Frust einhergeht.

Kooperieren

Gelingt es alle Interessen und Ziele zu vereinen ist dies meist das Ergebnis eines offenen und intensiven Austauschs. Der Vorteil ist offensichtlich, denn alle sind zufrieden. Der Nachteil hingegen ist ein hoher Aufwand und leider ist eine Kooperation auch nicht immer möglich.

Kompromisse

Das typische Ergebnis einer (politischen Debatte) ist ein Kompromiss. Die Ziele der Beteiligten werden gegeneinander abgewogen und aufgerechnet. Jede Partei macht Abstriche. Der Vorteil ist, dass eine Lösung gefunden wird. Der Nachteil ist, dass häufig doch niemand wirklich zufrieden mit dem Kompromiss ist und erneut ein Weg gesucht werden muss, das eigentliche Ziel zu erreichen oder es aufzugeben.

Nur die Spitze des Eisbergs

Ein sich selbst logisch zu erschließendes Modell ist das Eisbgerg-Modell in dem der sichtbare Konflikt die Spitze des Eisberges einnimmt, eben die, die sichtbar ist. Unterhalb der Oberfläche spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle. Je genauer wir diese Faktoren kennen und in die Lösung einbeziehen, desto besser können wir Missverständnisse, Kommunikationsprobleme oder strukturelle Probleme u.v.m. lösen. Im Bild seht ihr, welche Faktoren uns im Seminar eingefallen sind.

Das Eisberg-Modell mit den Ergebnissen aus dem Seminar

Konflikte bearbeiten

Auch eine Trennung ist eine Lösung, sich loslösen vom anderen. Eine nachhaltigere Lösung ist konstruktiv und gewaltfrei. Nicht jeder Konflikt lässt sich lösen, aber bearbeiten.

Wir können unsere Kinder nicht erziehen. Sie machen uns eh alles nach!

Karl Valentin

Konfliktanalyse

Eine Möglichkeit den Konflikt zu bearbeiten ist die Analyse der Bedürfnisse und Ängste nach Diana Francis. Hierbei werden in einem ersten Schritt das Thema formuliert und die Beteiligten benannt. Diese Analyse kann auch durchgeführt werden, ohne dass alle Konfliktpartner anwesend sind. Annahmen über die Bedürfnisse und Ängste der anderen sind Hypothesen, können aber helfen ein Gespräch vorzubereiten, insbesondere wenn die Analyse mit Unterstützung durchgeführt wird. So kann jemand anderes die Perspektive übernehmen und darin unterstützen eine Strategie für die Konfliktlösung, Ideen für ein Gespräch mit den tatsächlich Beteiligten zu finden.

Forum Theater

Ein Ansatz einen Konflikt zu lösen kann sein, sich in einer wiederkehrenden problematischen Situation anders zu Verhalten. Das Forum Theater nach Augutso Boal bietet die Möglichkeit eine andere Perspektive auf die typische Situation zu erhalten und Inspiration zu finden, wie man anders agieren könnte.

Zunächst wird einer Gruppe eine möglichst konkrete Situation geschildert. Dann werden Informationen über die beteiligten Personen bereit gestellt. Schließlich wird eine Person aus der Runde zum Antagonisten bestimmt, die die Rolle des Konfliktpartners fest übernehmen soll.

Anschließend wird die erzählte Szene nachgespielt. Die Person kann sich selbst als Protagonist in diesem ersten Durchlauf spielen. Weitere Personen bilden das Forum. Sie beobachten und sind die Zu-Schauspieler, die als Protagonist einwechseln, um dieselbe Szene anders zu spielen.

Alles was nicht verboten ist, ist erlaubt. Alles was verboten ist, ist möglich.

Augusto Boal

Eine Option ist, dass ein Moderator zwischen den Szenen den Protagonisten oder Antagonisten interviewen.

Umgang mit Konflikten

Hinter jedem Handeln und hinter jedem Konflikt steckt eine Motivation, wenn diese auch noch so unsichtbar ist. Verstehen wir diese, ist dies hilfreich bei der Bearbeitung des Konfliktes.

Konflikte wird es immer geben, denn wir Menschen sind vielfältig und unsere Ziele widersprechen sich daher hin und wieder. Manche Konflikte sind trivial und es lohnt den Aufwand nicht.

Für mich ist entscheidend, in welcher Beziehung ich zu der Person stehe und wie wichtig mir meine Ziele sind, die mit diesem Konflikt im Zusammenhang stehen. Je wichtiger beides ist, desto stärker strebe ich eine kooperative Lösung an, gebe nach, vermeide den Konflikt oder suche nach einem Kompromiss.


Zur Transparenz: Als Mitarbeiterin der Lebenshilfe Bonn konnte ich kostenfrei in meiner Freizeit an dieser Fortbildung teilnehmen. Dieser Artikel entstand ebenfalls in meiner Freizeit mit Einverständnis des Referenten Michael Steiner.

Miteinander statt gegeneinander

Auch wenn es sich um den zweiten Band einer Dilogie handelt, kannst du den Beitrag ruhig lesen.

Camp der drei Gaben: Diamantenschimmer – Andreas Dutter

Ein kleiner Komet mit Leseverwirrungen

Zugegeben mit dem ersten Band „Camp der drei Gaben: Juewelenglanz“ hatte ich gewisse Schwierigkeiten. Jetzt bin ich froh, trotzdem den zweiten Teil gelesen zu haben. Es lag offenbar tatsächlich daran, dass ich mich daran gestört habe, wie Fleur ihren Weg ins Camp gefunden hatte und die Geschichte sich dann anders entwickelte als erwartet. Jetzt hat sich alles zu meiner Zufriedenheit aufgeklärt und der zweite Teil war ein Lesevergnügen, wie bereits der erste Roman von Andreas Dutter „Beauty Hawk“.

Schwierig im ersten Teil war für mich auch nachzuvollziehen, warum die Enchanter gegen die Wandler kämpfen müssen. In meiner Verwirrung hatte ich dann ein Brett vor dem Kopf oder ich habe mich vielmehr ganz schön reinlegen lassen. Im zweiten Teil gibt es ebenfalls eine „Lebenslektion“ die mir in der Art ganz und gar nicht gefallen hätte. Doch diesmal war ich aufmerksamer und ahnte, dass Andreas Dutter das so niemals stehen lassen würde. Es war schön zu lesen, wie er alles wieder aufgelöst hat!

Enchanter und Wandler

Wie wir es aus zahlreichen Geschichten und leider auch der Realität kennen, gibt es Auslöser für Konflikte zwischen zwei Gruppen, die diesen endlos schwelenden Konflikt nicht rechtfertigen. Die Denkmuster verhärten sich, die Feindschaft vertieft sich und es scheint unmöglich wieder aufeinander zu zu gehen.

Doch es gibt immer wieder einzelne aus beiden Gruppen, die aus den bestehenden Mustern ausbrechen, sich auflehnen und vielleicht sogar die Feindschaft beenden können.

Die meisten Wandler sind gefährlich, aber einige durchbrechen ihre Denkmuster und wenn er einer von diesen ist, dann hilf ihm!

Dieses Muster ist zugleich simpel, als auch unglaublich komplex. Daher bieten Konflikte zwischen zwei verfeindeten Gruppen unendlichen Stoff für phantastische Geschichten.

Die Geschichten wiederum können kleine Denkanstöße sein, Hoffnungsschimmer für die Realität, dass bestehende feindliche Denkmuster durchbrochen werden können. Andreas Dutter erzählt eine solche Geschichte mit dem „Camp der drei Gaben“.

Miteinander können wir immer mehr erreichen, als gegeneinander!

Regenbogen der Liebe

Ein Thema bei dem es in unserer Gesellschaft wirklich Zeit wird feindliche Denkmuster zu durchbrechen ist die Vielseitigkeit der Liebe!

Andreas Dutter lässt dieses Thema mit einer Selbstverständlichkeit in seine Nebenfiguren einfließen. Bereits im ersten Band fand ich es erfrischend zu lesen, dass Fleurs bester Freund schwul ist und dies einfach so ist, wie es ist, ohne ein großes Thema zu sein. Leider tauchte er dann nicht mehr auf, was ich sehr schade fand, denn Josh war mir sympathisch. Doch er kommt wieder im zweiten Band!

Im zweiten Band gibt es eine weitere Nebenfigur, Hannah, die Fleur ihr Geheimnis offenbart, eines, das bereits alle anderen kennen. Trotzdem ist es für sie schwierig darüber zu sprechen und Fleurs Reaktion abzuwarten. Sie ist operiert und nimmt Medikamente, um eine Frau sein zu können.

Die Reaktion, ist genau die, die ich mir für unsere Gesellschaft wünsche:

„Es stört dich nicht?“

„Öhm, nein. Warum auch? Du bist doch trotzdem Hannah, die Nervensäge!“

Denn genau darum geht es doch:

Sexuelle Interessen brauchen nur zwischen (potentiellen) Sexualpartnern eine Rolle zu spielen.

In allen anderen Beziehungen zählt es, was für eine Persönlichkeit der Mensch hat. 

Nicht das Geschlecht oder die sexuellen Vorlieben entscheiden darüber, ob man eine Person leiden oder mit ihr zusammen arbeiten kann.

Für mich scheint das simpel zu sein, aber ich erlebe immer wieder, wie schwer sich Menschen damit tun und sich tatsächlich den Kopf darüber zerbrechen, welche intimen Interessen andere haben. Ganz ehrlich, ich möchte gar nicht so genau wissen, was meine Freunde und Bekannte so in ihren Betten treiben.

Fazit

Die Dilogie „Camp der drei Gaben“ von Andreas Dutter hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Die Geschichte hat Tiefe, Romantik, Spannung und Verwirrungen.

Wenn Du Urban-Fantasy Geschichten magst, in denen junge Menschen ihre magischen Fähigkeiten entdecken und mit den Rahmenbedingungen hadern, mit denen sie plötzlich konfrontiert sind, empfehle ich diese die Bücher auf jeden Fall!


Das Buch wurde mir vom Carlsen Verlag über Netgalley zur Verfügung gestellt.

Das Camp der drei Gaben 2: Diamantenschimmer
Andreas Dutter
Impress, Carlsen
ISBN 978-3-646-60364-4