#LBC18 – BloggerCon mit Autorentipps

LitBlogCon LBC18

Letztes Jahr habe ich zum ersten Mal von der LitBlogConvention erfahren. „Oh eine Veranstaltung für Buchblogger“, dachte ich. „Und das auch noch bei mir in der Nähe.“ Dann der Blick auf das Datum, keine Chance, ich hatte keine Zeit. Ein kleiner Moment der Enttäuschung, dann der Vorsatz: nächstes Jahr. Doch im nächsten Jahr waren die Tickets ausverkauft, bevor ich reagieren konnte und das an meinem Geburtstag … Bei dem Andrang ließ ich mich auch nicht auf die Warteliste setzen, wollte gar nicht hoffen, dass es noch klappt. Doch kurz vor der Veranstaltung, ganz zufällig, konnte ich doch noch ein Ticket übernehmen. Danke!

Es wird ein etwas längerer Beitrag, daher ein Inhaltsverzeichnis zur Orientierung

Die Veranstaltung

Vier Verlage, einige Autoren, eine Menge Blogger, das ist die LitBlogCon in Köln (#LBC). Zum dritten mal fand die Veranstaltung am 9. Juni 2018 im Verlagshaus von Bastei Lübbe statt und ich war dabei. Kurz vorher kam bei mir eine Sorge auf, wenn so viele Buchblogger aufeinander treffen. Wie wird es mit dem Hype um einige Starblogger sein, Neid, Missgunst, Zickenkrieg? Ich habe nichts dergleichen mitbekommen. Soll nicht heißen, dass es das nicht gab. In meiner Schulzeit (Mädchenschule) habe ich gelernt, solchen Dramen gekonnt aus dem Weg zu gehen. Stattdessen habe ich viele interessante Leute kennen gelernt und einige wiedergesehen, während ich andere vermisst habe.

Über zwei Sessions, die ich ebenfalls besucht habe, berichte ich nicht, da ich nicht viel daraus mitgenommen habe.

Kurz zu den Rahmenbedingungen

Tolle Location im Verlagshaus von Bastei Lübbe in Köln, wenn auch anstrengend über viele Stockwerke verteilt, Foyer, 3., 4., 5. Stock und Dachterrasse oberhalb des 6. Stock … Ein kleiner Aufzug, runter bin ich gelaufen, kleine Etappen hoch auch. Die Verpflegung war großzügig und lecker, ebenso großzügig die Geschenke. Nach der ersten Session wurden vorne Bücher neben den Referenten gelegt und ich dachte tatsächlich, wir sollten sie kaufen und signieren lassen. Gekauft wurde an diesem Tag nichts …

Es gab 5 Veranstaltungen über jeweils 40 Minuten. Anschließend eine offene Talkrunde zum Thema Zusammenarbeit zwischen Bloggern und Verlagen und zum Abschluss ein offenes „Get Together“ bei einem Abendessen.

Es war kein Barcamp, sondern eine durchgeplante Veranstaltung, so konnte ich vorab auswählen und planen. Tatsächlich habe ich mich auch an meinen Plan gehalten. Die ersten drei Termine standen fest, bei den letzten beiden war ich noch ein wenig unentschlossen.

Mein Fazit zum Tag vorweg

Es war ein Blogger-Event und die Themen waren doch auf den ersten Blick eher an Autoren gerichtet. Schreiben, Recherchieren, Publizieren. Doch dann habe ich überlegt, was will ich als Buchbloggerin denn wissen? Selbst wenn ich kein eigenes Buch schreibe und eine Veröffentlichung plane, ist es doch unheimlich interessant, mehr Informationen darüber zu bekommen, wie Bücher geschrieben werden, was Autoren im Prozess erleben. Mir liegt hinterher lediglich ein fertiges Werk vor aus dem ich dann einen Blogbeitrag mache. In meiner Zeit vor dem Studium habe ich mich intensiv mit dem Thema Schreiben beschäftigt. Aktuell schreibe ich lediglich meinen Blogroman, aber noch immer interessiert mich alles rund um das Schreiben brennend.

Ich bin auf jeden Fall mit einem Sack neuer Informationen (buchstäblich auch Geschenke), neuen Kontakten und neuer Inspiration nach Hause gefahren und hoffe im nächsten Jahr wieder dabei zu sein.

Aussicht vom Dach des Bastei Lübbe Gebäudes über Köln

Aussicht vom Dach des Bastei Lübbe Gebäudes über Köln

Drehbuchschreiben mit einem Daily-Soap-Autor

Als ich noch zu Hause bei meinen Eltern gewohnt habe, schaute ich regelmäßig GZSZ und „Verbotene Liebe“. Nachdem ich ausgezogen war, passte „Verbotene Liebe“ nicht mehr in meinen Tagesablauf als junge Mutter. GZSZ eine Weile schon noch, aber das regelmäßige Daily-Soap-Gucken alleine wurde mir schnell anstrengend und langweilig. Ein Comeback meines täglichen Fernseh-Guckens ergab sich mit „Verliebt in Berlin“, der Telenovela, die von 2005 bis 2007 auf Sat1 lief. 

Als ich die Session „Schreib ein Drehbuch“ für mich auswählte, hatte ich keinen Schimmer, wer Chirstian Schünemann ist. Drehbücher finde ich spannend, insbesondere nach der Session von Drehbuch- und Romanautor Claus Vaske auf dem Litcamp Bonn 2018. Tja, Christian Schünemann ist Daily-Soap-Drehbuchautor. Schreibt aktuell im Autorenteam von GZSZ mit und war auch für „Verliebt in Berlin“ verantwortlich. Er kommt übrigens von keiner Filmhochschule, sondern aus der Praxis, hat zeitgleich als Storyliner bei GZSZ begonnen und seinen ersten Roman geschrieben. Sein aktueller Krimi spielt hinter den Kulissen einer Daily-Soap. Er sagt selbst, er habe die Dramen am Set ein wenig abgeschwächt, obwohl sie immer noch ein wenig übertrieben wirken. Ich habe das Buch „Daily Soap“ hier und werde demnächst berichten. Übrigens hat Christian Schünemann beim Roman-Schreiben manchmal das Gefühl, er müsse sich um alles kümmern, was er beim Drehbuch an andere Kollegen abgeben kann. Er muss nicht nur die Story plotten, auch die Dialoge schreiben, die Szenen gestalten und seine Figuren einkleiden. Kamera und Licht fallen in sein Ressort.

Entsprechend konzentrierte sich die Session darauf, uns zu erklären, wie ein Daily-Soap-Drehbuch geschrieben wird. Spannend finde ich, die Zusammenarbeit im Autorenteam. Es gibt die Leute, die sich die grobe Story ausdenken und dann die Dialogautoren. Letztere sitzen gemütlich alleine zu Hause, während erstere gruppenweise im Konferenzraum hocken und hitzige Diskussionen führen, so lange bis die Storyline steht.

Was braucht eine Storyline?

In der Storyline werden die Szenen in Kurzform ohne Dialog dargestellt. Es muss mit drin sein, wie die Szene endet, insbesondere welche Haltung die Person am Ende einnimmt. Es braucht unbedingt den Konflikt.

Der Aufbau einer GZSZ Folge: 7 Szenen Hauptgeschichte, 6 Szenen der neu eingeführten Handlung und 5 Szenen für den Handlungsstrang, der geparkt werden soll. Ich habe mir 2 Folgen GZSZ angesehen und versucht zu zählen. Es ist gar nicht so einfach die Szenen den einzelnen Strängen zuzuordnen, nicht einmal sie überhaupt zu zählen. Nach langer Abstinenz wieder rein zu kommen, ist leicht, einige der alten Figuren sind auch noch immer mit dabei. Der Aufbau der Folge hat ebenfalls eine feste Struktur. Die allerletzte Szene ist der Cliffhanger, davor kommt die letzte Szene der neuen Handlung, davor die des Parkstranges. Eine ähnliche Struktur ergibt sich am Anfang, die habe ich aber nicht mitgeschrieben.

Jede Szene bekommt einen Oneliner und ein Abstract:
Oneliner = Ein Satz, der beschreibt, welche Emotion transportiert werden soll.
Abstracts = Grauer Text unter dem Oneliner, der die Szene beschreibt: Wer, wo, wann?

In der Session haben wir eine lustige Szene entwickelt. Es ging um Nora, die eine Bloggerconvention besucht. Anhand dieser Szene zeigte uns Christian Schünemann, welche Elemente beim Plotten wichtig sind. Zu berücksichtigen gelten auch die Regeln für einen möglichen Außendreh. Alles was im Studio gemacht werden kann, ist kein Problem. Grundsätzlich brauchen wir einen Konflikt und müssen auf einen Cliffhanger am Ende der Folge zusteuern. Ein Außendreh muss sich lohnen, darf aber auch nicht zu viel werden. Es stellt sich dann die Frage, ob die Story einen zweiten Drehtag rechtfertigen würde. Bei Daily Soaps braucht es mindestens 3, maximal 7 Szenen.

Eine andere wichtige Frage ist, ob man die Geschichte in den Szenen erzählt bekommt. Bei Nora haben wir uns eine Verwechslungsgeschichte ausgedacht. Es muss innerhalb einer Szene ablaufen, dass sie verwechselt und in die neue Herausforderung geschubst wird. Ansonsten bliebe ihr ja Zeit die Verwechslung aufzuklären.

Wenn die Storyline vom Autorenteam steht, geht sie an die Redakteure. Bei GZSZ arbeiten übrigens 8 Storyliner, an unserem Nora-Hauptstrang wären wahrscheinlich drei beteiligt gewesen. Drei ist laut Christian Schünemann eine gute Konstellation, während zwei gegensätzliche Ideen diskutieren, kommt dem dritten, der zuhört, vielleicht die geniale Lösung. Die Redakteure sind die Feinde der Szene. Sie haben an allem etwas auszusetzen und hinterfragen grundsätzlich alles.

Die richtig guten Geschichten muss man bis aufs Blut verteidigen.

Wohlfühlmomente

Wir brauchen den Konflikt, damit die Handlung voran geh. Allerdings bekommen die Zuschauer*innen schnell das Gefühl, dass alle aufeinander böse sind.

Unsere Figuren kriegen immer eins auf die Fresse, Deswegen braucht es „Warm ums Herz Szenen „, jemand, der mitfühlt.

Es braucht Szenen in der es der Figur gut geht, in denen auch mal etwas gelingt. Gerade bei “ Verliebt in Berlin“ misslingt Lisa nahezu alles. Doch manchmal gibt es diese schönen Momente. Sie halten nicht lange an, denn wir brauchen ja wieder den Konflikt … Christian Schünemann verriet uns auch ein Geheimnis des Erfolges von „Verliebt in Berlin“: Hauptdarstellerin Alexandra Neldel hat auch die dümmsten Cliffs wirklich gut gespielt. Sie hat eine sehr gute Mimik und Ausstrahlung. Einer seiner liebsten Cliffs ist eine positive Szene. Alexandra Neldel springt als Lisa in die Luft und die Szene friert ein. Es gab übrigens eine Verlängerung für „Verliebt in Berlin“, leider erst spät angekündigt. Das Autorenteam hätte einiges gerne noch ausführlicher behandelt, stattdessen wurde ein neuer Twist eingebaut. Dies erklärt im Nachhinein einige Verwunderungen, an die ich mich leider nicht mehr erinnern kann.

Was ich für mich mitnehme

Einige der Aspekte treffen auch ganz gut auf meinen Blogroman zu, der zwar keine Daily-Soap, aber eine wöchentliche Geschichte ist, bei der ihr Leser*innen ja auch gespannt auf die nächste Szene sein sollt. Vielleicht kann ich meine Kapitel noch ein wenig verbessern, oder bin ich schon gemein genug? Cliffhanger gibt es ja bereits, Krisen und Wohlfühlmomente ebenfalls.

Ein Roman wie ein Weihnachtsbaum – (Plotten)

Nach dem Plotten eines Drehbuchs, ging es auch in meiner zweiten Session um das Thema Plotten. Diesmal mit Krimiautorin Romy Fölck und ihrer Lektorin Gerke Haffner. Ihre Informationen lassen sich auf beliebige Genres anwenden, sind als verschiedene Optionen gedacht, ein kleiner Werkzeugkoffer zum mitnehmen. Es gab sogar ein umfassendes Handout zur Session, ein tatsächlicher Werkzeugkoffer auf Papier. Über das Hörbuch von Romy Fölck „Totenweg“ werde ich später berichten. Nachdem ich über das Projekt Bücherschrank, wieder Lust auf einen Krimi bekommen habe, passt das gerade wunderbar.

Romy Fölck hat sich extra für ihren Vortrag mit der Theorie des Schreibens auseinandergesetzt, ist selbst eine intuitive Schreiberin mit Struktur, die sich weiter entwickelt hat. Ihr dringlichster Rat ist, sich eine*n Mentor*in zu suchen, jemanden, dem man sein Werk zum konstruktiven Zerreißen geben kann. Sie hat so jemanden gefunden. Er hat unheimlich viel aus ihr herausgeholt und sein Lob bedeutet ihr wahnsinnig viel. Wir brauchen konstruktive Kritiker!

Autorin Romy Fölck mit ihrer Lektorin Gerke Haffner; Totenweg

Autorin Romy Fölck mit ihrer Lektorin Gerke Haffner

Weihnachtsbaum

Ein Roman braucht nach Romy Fölck ein gutes Fundament. Hierzu hat sie eine schöne Metapher, den Weihnachtsbaum. Für den Baum braucht es den Christbaumständer, ohne kann der Baum nicht stehen. Wir brauchen zuerst ein Konstrukt, damit unser Baum (die Idee) stehen kann. Dies ist die Architektur der Geschichte, der dramaturgische Bauplan. Ganz zum Schluss kommen Christbaumkugeln und Lametta an den Baum. Neue Idee dürfen beim Schreiben auch eingefügt werden, wenn der Baum sie tragen kann. Er darf nicht kippen!

Schreibtypen

Es gibt unterschiedliche Schreibtypen, klassifiziert nach Randy Ingermanson, deswegen muss auch jede*r Schriftsteller*in den eigenen Weg finden.

Stephen King ist ein Seat-oft-the-Pants-Schreiber. Ganz ohne Plan schreibt er darauf los. Allerdings sagt er auch, dass er abends im Bett über seine Geschichten nachdenkt. Genau so hat Romy Fölck auch mal angefangen. Mein bisher einziges fertig gestelltes Manuskript ist ebenfalls so entstanden.

Eine darauf aufbauende Variante ist Edit-as-you-go.Hierbei wird erst das alte überarbeitet, um wieder rein zu kommen und dann geht es weiter. Schreiben – überarbeiten – weiter schreiben. Der Gedanke wieder rein zu kommen, macht für mich Sinn, aber wenn mir eine Idee unter den Nägeln brennt, will ich schreiben.

Ein Schreibtyp, zu dem ich sich wohl viele Informationen im Netz finden lassen, ist Snowflake. Das Prinzip erinnert an die Idee des Weihnachtsbaumes, ist aber noch flexibler, wenn ich es richtig verstehe. Es gibt ein Grundgerüst. Dieses wird während des Schreibens weiter entwickelt und auch angepasst. Eine Anpassung ist beim Christbaumständer nicht vorgesehen, der muss stabil stehen.

Die Profiplaner gehören zum Typ Outline. Vor dem Schreibprozess wird ein detaillierter Plot angefertigt, in dem alle Einzelheiten festgehalten sind. An diesem Outline, der mich ein wenig an die Storyline aus der Drehbuch-Session (s.o) erinnert, kann man sich dann während des Schreibens orientieren. So schreibt Romy Fölck jetzt. Es ist harte Arbeit, macht keinen Spaß, aber es lohnt sich. Ein Vorteil der Methode ist, dass sie jeden Morgen weiß, was am Tag zu schreiben ist.

Du weißt jeden Tag welches Lametta du in den Baum hängst.

Zusammenarbeit zwischen Autorin und Lektorin

Romy Fölck arbeitet sehr eng mit ihrer Lektorin Gerke Haffner zusammen. Im ersten Schritt gibt es ein Exposé. Anschließend ein 40 bis 60 Seiten langes Treatment, ein Szenenplan, der teilweise auch kleine Dialoge enthält. Es folgt eine enge Zusammenarbeit mit der Lektorin, bis die Geschichte steht. Was kommt an welche Stelle? Ist die Figurenführung plausibel? Stimmt der Spannungsbogen? Sie gehen tief in die Diskussion, teilweise schriftlich, teilweise im persönlichen Gespräch. Die Arbeit mit dem Treatment hilft, Schwachstellen im Plot zu erkennen.

Lektoren sind grundsätzlich dankbar, wenn sie früh in den Prozess einbezogen werden und Weichen stellen können. Bei „Bluthaus“ hatte die Lektorin eine gute Idee, lieferte ein entscheidendes Puzzelteil.

Das Manuskript gibt Romy Flöck erst an ihre Lektorin, wenn sie selbst wirklich zufrieden ist. Doch auch dann findet Gerke Haffner immer noch etwas. Romy Fölck rät dazu sich nocht auf andere zu verlassen und den eugenen Anspurch hochbzu setzen.

Tools fürs Plotten

Aus den vorgestellten Tools wendet Romy Elemente an, ohne sie offiziell streng einzusetzen. Leseerfahrungen verinnerlichen die Struktur eines Romans, auch die Besonderheiten eines Genres. Gewisse Erwartungshaltungen sind aufgebaut, die beim Schreiben erfüllt werden müssen. Abweichungen von erprobten Strukturen bergen Risiken.

Ein Roman jeden Genres muss Emotionen erzeugen, sonst gehen die Leser*innen nicht mit. Beim Plotten ist es wichtig darauf zu achten, dass die Figuren nicht unter die Räder kommen.

Nicht nur für Fantasy, auch für andere Genres eignet sich die „Heldenreise“ von Joseph Campbell. Eine Figur ist am Ende der Geschichte nicht mehr dieselbe, wie am Anfang. Sie entwickelt sich.

Was passiert mit dem Protagonisten im Buch, wie geht er raus, was nimmt er mit?  (das kann etwas Materielles sein, eine Belohnung oder auch eine Erfahrung, die Entdeckung einer Fähigkeit.)

Eine Alternative zur Heldenreise ist die 3-Akte-Struktur, etwas weniger komplex. Romy Fölck orientiert sich an dieser und findet, dass man seine Ideen sehr gut in diese Struktur schreiben kann.

Meine Idee dazu war, erst mit der 3-Akte-Struktur zu plotten, dann mit der Heldenreise zu prüfen, ob die Figur funktioniert. Es lohnt sich sicher, sich mit beiden Strukturen mal zu beschäftigen.

Recherche mit Leidenschaft – Schokoladenkrimiautor Tom Hillenbrand

Für meine letzte Session ging es erneut auf das Dach. Zeitgleich starte ich übrigens mit Jasmin Zipperling, sie zu Fuß, ich mit dem kleinen Aufzug. Was glaubt ihr wer zuerst oben war? 

Warum Zippi die Session besuchte, dürfte jedem klar sein, wer sie kennt. Selbst entschied ich mich für diese Session, nachdem mir klar wurde, dass Tom Hillenbrand der Autor von „Hologrammatica“ ist, jener SciFi-Roman auf den ich an den Ständen aufmerksam wurde. Ich habe das Buch beim Verlag angefragt, wenn es klappt, berichte ich bald auch darüber.

Vorsicht dieses Cover nicht zu lange anschauen! Hologrammatica von Tom Hollenbrand

Vorsicht dieses Cover nicht zu lange anschauen!
Hologrammatica von Tom Hollenbrand

Auch er hielt die Session gemeinsam mit seinem Lektor. Das fand ich sehr interessant an diesem Tag, der Einblick in die Lektorate, die sehr wertvoll für die Autoren und die fertigen Bücher sind. Die Arbeit von Lektoren, Übersetzern und anderen fleißigen Beteiligten am fertigen Roman könnte vielleicht mehr gewürdigt werden. Noch habe ich keine konkrete Idee, aber vielleicht fällt euch ja was ein.

In der Session von Tom Hillenbrand ging es um die Recherche zu seinem demnächst erscheinenden Kriminalroman „Bittere Schokolade“. Seine Recherchen waren beeindruckend gründlich. Er hat viel gelesen, viel gegessen. Uns hat er ein wenig Schokolade zum testen mitgebracht und erzählt, dass wenige Chocolatiers ihre Schokolade wirklich selbst von der Bohne an herstellen. Stattdessen wird eine Schokoladenrohmasse importiert. Eine der wenigen deutschen Schokoladenmanufakturen, die „from Bean to bar“ produzieren ist Coppeneur, über meinen Besuch dort habe ich bereits berichtet.

Tom Hillenbrand schreibt kulinarische Krimis, die Xavier Kieffer Reihe. Im Wechsel schreibt er einen Krimi und einen anderen Roman, der mal historisch, mal SciFi ist. (Eine Übersicht seiner Werke) Dabei konzentriert er sich immer nur auf ein Projekt. Wenn sich zwischendurch Ideen dazwischen mogeln, werden sie notiert und später beachtet. Zwischen zwei Projekten plant er eine gewisse schreibfreie Zeit, doch irgendwie juckt es ihn dann doch in den Fingern und es geht weiter.

Die Xavier Kieffer Krimis spielen in Luxemburg und werden dort auch sehr gerne gelesen, immerhin haben die Luxemburger ihn zum Ritter geschlagen. Verzeiht den Titel kann ich nicht korrekt wiedergeben. Die Strecken im Roman kann man tatsächlich auch genau so ablaufen, die Adressen stimmen allerdings nicht. Muss eine Hausnummer angegeben werden, existiert die Straße, aber genau dieses Haus nicht, damit nicht plötzlich ungebetene Gäste bei ahnungslosen Menschen klingeln. Luxemburg ist eine dreidimensionale Stadt, die sich nicht so einfach über eine Stadtkarte erschließt.

Der Lektor stellte sich als fieser Interviewer heraus, seine Fragen kamen aus der Kategorie „Fragen aus der Hölle“, wie beispielsweise diese hier:


Spannend empfand ich die Frage, ob es im Laufe der Reihe schwieriger oder leichter wird. Die Antwort dazu, war auch gut:


Die Herausforderung besteht darin, die Figuren weiter zu entwickeln, sie aber noch dieselben Typen mit ihren Macken sein zu lassen. Kulinarische Ideen scheinen Tim Hillenbrand auch noch nicht auszugehen.

Weitere Beiträge von anderen Teilnehmerinnen

Sina, meine wunderbare Reisebegleitung von Bonn nach Köln – wir haben viel Zeit zusammen verbracht, aber auch einige unterschiedliche Sessions besucht, schaut auf jeden Fall bei ihr vorbei!

Silvia vom Lecker-Kekse-Blog habe ich ganz zu Beginn wieder getroffen. Einen Keks habe ich bekommen und ihre Mitbloggerin Astrid getroffen. Anschließend habe ich die beiden nicht mehr wieder getroffen, das macht ihren Blogbeitrag zu einer wunderbaren Ergänzung zu meinem.

Nadine war mit mir in der Drehbuch-Session – kennengelernt haben wir uns nicht, aber sie hat mich zitiert 😉 Ich schlug vor, Nele könne ja einen attraktiven Autor treffen, tja, das ist Stoff für einen Drehmonat … Nadine berichtet über weitere andere Themen, lohnt sich reinzuklicken.

Im Nachhinein für sympathisch befunden, da wir uns nicht begegnet sind: Die Bloggerin von duchgebloggt – folge diesem „Nerd mit Herz“ jetzt auf Twitter.

Viele nette Menschen, die ich getroffen habe, haben leider keinen Beitrag verfasst, den ich euch hier verlinken kann.

Benefizlesung zu kleinen und großen Abschieden – Federleicht

Pantheon Theater Bonn

Pantheon Theater Bonn

Ich liebe spontane Aktionen, vor allem, wenn meine Freundin Ute mit schreibt: „Ich habe für heute Abend noch eine Karte, kommst du mit.“ So ging es mir erst neulich, als wir zusammen im inklusiven Theater bei „Leonce und Lena“ waren. Diesmal ging es zu einer Lesung und ich hatte überhaupt keine Idee, was und vor allem wer mich da erwartete. Auch das Pantheon habe ich noch nie besucht, kannte lediglich den alten Saal der Schauspielhalle Beuel.

Christine Westermann las am 11.06.2018 im Pantheon aus ihrem Buch „Manchmal ist es federleicht – Von kleinen und großen Abschieden“.

Benefiz-Lesung

Die Lesung im Pantheon fand zugunsten des Vereins „Bonn Lighthouse“ statt. Darf ich sagen, dass ich diesen Verein ein kleines bisschen kenne? Auch die Benefizlesung von Wolf Küper zu “ Eine Millionen Minuten“ wurde u.a. für Bonn Lighthouse veranstaltet. Damals hatte mich begeistert, wie drei Organisationen/ Vereine gemeinsam eine tolle Veranstaltung auf die Beine stellen konnten, sich gegenseitig unterstützten ohne sich als Konkurrenz im Kampf um Spendengelder zu sehen. Diesmal agierte Bonn Lighthouse alleine und wie ich hörte, zögerte Christine Westermann nicht eine Sekunde, sondern sagte sofort zu.

Bonn Lighthouse ist ein Verein für Hospizarbeit. Das Angebot ist vielfältig und unheimlich wichtig. Ein Verein, der durch ehrenamtliches Engagement lebt und auf Spenden angewiesen ist. Menschen, die andere Menschen in ihrem Abschied begleiten.

Christine Westermann auf der Benefizlesung im Pantheon - Foto: Ute Schulze

Christine Westermann auf der Benefizlesung im Pantheon – Foto: Ute Schulze

Christine Westermann – Na, wer kennt diese Frau genauso wenig wie ich?

Korrigiere: ich weiß ja inzwischen ein bisschen etwas über sie. Davon erzähle ich euch gerne weiter. Für ausführliche Fakten verweise ich auf die Webseite der vielfältigen Dame und das Buch, aus dem sie gelesen hat. Sie ist Journalistin, Moderatorin und Autorin, bekannt aus Radio und Fernsehen, insbesondere aus der Sendung „Zimmer Frei“, die 20 Jahre lief.

Wie der attraktive Orthopäde ihr am Morgen der Lesung bestätigte, ist sie 69,6 Jahre alt. Der Mann muss wohl ein ganz schöner „Schuss“ gewesen sein. Christine Westermann war dies auch einmal, wie ihr kürzlich erst ein alter Freund bestätigte, den sie mehrere Jahre nicht mehr gesehen hatte.

Sie hat mir einiges an Lebenserfahrung voraus, einiges davon in ihrem Buch verarbeitet und mich mit einigen dieser Erfahrungen tief berührt und nachdenklich gestimmt. Als sie über ihr Unvermögen Verpackungen zu öffnen erzählte, erinnerte sie mich an meine Oma. Ich glaube beide Damen wären wunderbar geeignete Produkttesterinnen für das Öffnen von Verpackungen. Diese Empfehlung hat auf jeden Fall der Mann, der Christine Westermann „liebt und auch geheiratet hat“ ausgesprochen. Ein Produkt, welches sie öffnen könne, sei ein gutes Produkt, oder so ähnlich. Meiner Oma habe ich als Kind oft einen „Kursus fürs Öffnen von Verpackungen“ vorgeschlagen. (Woher auch immer ich das merkwürdige Wort Kursus hatte).

Manchmal ist es federleicht …

In der Buchhandlung ist da Buch „Manchmal ist es federleicht – Von kleinen und großen Abschieden“ in der Ratgeber-Abteilung zu finden. Doch Frau Westermann ist da ganz eindeutig:

Es ist kein Ratgeber, ich kann Ihnen nicht sagen, wie Sie Abschied nehmen können. Ich kann Ihnen nur erzählen, was ich erlebt habe. (…) Vor dem einen großen Abschied habe ich genauso Angst wie Sie. (frei aus dem Gedächtnis zitiert)

Es ist eine Sammlung verschiedener Geschichten von großen und kleinen Abschieden aus dem Leben von Christine Westermann. Abschiede von Menschen, Abschiede von Gegenständen oder Orten. Erzählungen aus dem Leben, sehr persönlich mit viel Gefühl. Wir haben während der Lesung viel gelacht und mir standen auch Tränen in den Augen, dazu später mehr. Ihre Geschichten können inspirieren, zum nachdenken anregen. In dieser Absicht stimmen wir beide wunderbar überein, auch wenn mir ihre Lebenserfahrung und Weitsicht noch fehlen.

Über den Titel hat Christine Westermann lange mit dem Verlag diskutiert. Sie wollte unbedingt das Wort Abschied mit drin haben. Doch die „Menschen, die vom Marketing Ahnung haben“ rieten davon ab. Abschied sei zu schnell mit dem Tod assoziiert. Auch mir ging es so, als ich mich über die Lesung informierte, nachdem ich bereits zugesagt hatte. Doch ihr geht es anders und sie wollte das Wort „Abschied“ unbedingt mit im Titel haben. Abschiede seien manchmal federleicht und so ergab sich endlich ein passender Titel mit „federleicht“ am Anfang und dem „Abschied“ am Ende. Ihre Sprechweise ist auf jeden Fall wunderbar „federleicht“.

Erst als ich diesen Beitrag schreibe, fällt mir auf, dass das Buch im KiWi Verlag erschienen ist, dem Verlag, den ich erst am Samstag auf der LitBlog Convention (#lbc18) in Köln kennen gelernt habe. Bisher habe ich ihn einfach nicht bewusst wahrgenommen. Wäre ich nicht spontan auf der Lesung gewesen, wäre heute vielleicht der Beitrag zur LBC erschienen … Zufälle gibt es.

… von kleinen und großen Abschieden

Schon früh hat Christine Westermann ihren Vater verloren. Sie war erst 13 Jahre alt, als er starb. Zuvor hatte sie bereits von ihm Abschied nehmen müssen, als sich ihre Eltern scheiden ließen. Der Vater selbst nahm einst Abschied von der DDR, floh nach Westberlin und hatte dabei lediglich eine Aktentasche dabei.

Die junge Christine Westermann ging für zehn Jahre nach San Francisco, lagerte ihren Besitz bei verschiedenen Freunden ein und nahm nur wenig mit. Zwei Kaffeebecher und ein Buch. Warum die Kaffeebecher mit mussten, weiß sie nicht mehr. Welches Buch es war, erzählte sie später und es passte einiges so wunderbar zusammen. Ich glaube diese Frau, weiß ganz genau, welche Dinge und Menschen ihr persönlich wichtig sind und hat eine unglaubliche Fähigkeit loszulassen und nicht an allem festzuklammern. Doch auch sie ist nicht völlig frei von dem Bedürfnis nach Erinnerungsstücken und sehnsuchtsvollen Gefühlen. Dies wird deutlich, als sie von San Francisco nach Köln zieht. Ein Container macht sich auf Reisen … inklusive einer angefangenen Packung Frühstücksflocken (welche Sorte habe ich vergessen).

Der Abschied von „Zimmer Frei“ nach 20 Jahren fiel ihr nicht leicht. Sie wollte zunächst gar nicht kommen, hatte sie bei der vorletzten Folge einem Redakteur angedroht. Dahinter steckte die Sorge vor dem Publikum in Tränen auszubrechen. Er hatte Sorge, sie könne es ernst meinen und sich etwas besonderes für sie überlegt … Sie war bei der letzten Sendung dabei, hat es durchgestanden und auch genossen. Welche Worte Götz Alsmann in seinem Abschiedssong wählte, weiß sie nicht, ihre Gedanken waren eng bei ihrem Kollegen, damit beschäftigt mental seine Tränen zurück zu halten. Nach und nach begegnen ihr Erinnerungsstücke an diese Zeit oder ihr begegnen Fans, die einfach „Danke für 20 Jahre Zimmer Frei“ zu ihr sagen. Federleichte Glücksmomente nach dem Abschied.

In ihrem Buch und auch in der Lesung ging es nicht nur, aber auch um den Tod. Es ist noch nicht lange her, dass Anne aus Amsterdam verstarb. Christine Westermann erzählte so lebendig von dieser Freundin, dass ich auch kurz das Gefühl hatte, sie zu kennen, mich von ihr zu verabschieden und dann Weihnachten 2017 ohne sie zu feiern. Nein, nicht ohne sie, denn sie war dabei, saß vor Kopf und erfüllte den Abend mit ihrem Wesen. Geschichten, Erinnerungen, so leben wir alle weiter.

Kleine Anekdote zum Abschluss

Wir drei kleinen Menschen, Ute, ihre Schwester und ich hatten den perfekten Platz auf erhöhten Barhockern und somit einen wunderbaren Überblick über das Publikum und einen guten Blick auf die Bühne. Nahe bei uns saß ein Star aus Fernsehen und von der Bühne, den sogar ich kannte, denn hin und wieder besuche ich sehr gerne das Contra Kreis Theater (einmal hab ich sogar darüber berichtet). Er war derjenige, der mich auf den Tisch aufmerksam machte, beobachtet habe ich allerdings eine junge Frau, die sich mit einem Notizbuch zu ihm gesellte. Sie machte eifrig Notizen und wurde daher von mir verdächtigt Journalistin zu sein, vielleicht auch Bloggerin. Ich dagegen machte mir keine Notizen, lauschte, beobachtete und genoss den Abend. Daher ist meine Erinnerungen vielleicht auch ein wenig verzerrt. So wie diese: Es gab eine wirklich gute Stelle in der Lesung, erzählenswert. Tiefsinnig, lustig oder einfach nur schön? Alles, was ich euch erzählen kann, ist, wie mir auffiel, dass die eifrig schreibende junge Frau, diese nicht notiert hat. Ich auch nicht und das ist alles, an was ich mich erinnere.

Abschied

Christine Westermann hatte die perfekten letzten Worte für den Abschied von uns, bevor sie ins Foyer ging, um für Signaturen in Büchern, auf Armen oder Unterhemden zur Verfügung zu stehen.

Auch wenn etwas aufhört. Ist es noch lange nicht zu Ende.

Christine Westermann signiert alles, was man ihr hinhält

Christine Westermann signiert alles, was man ihr hinhält


Informationen zum Buch

Christine Westermann
Manchmal ist es federleicht – Von kleinen und großen Abschieden
Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-05050-9