Sonntagsgeschichte Kapitel 73 – Verkatert

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Blogroman Sonntagsgeschichte Kapitel 73 Verkatert

Bereits seit einigen Minuten bemühte sich Josephine darum Sarah zu wecken. „Komme schon, Prinzessin, wach auf, du hast lange genug geschlafen.“ Endlich schlug Sarah die Augen auf, nicht ganz, eher ein gewagtes Blinzeln. „Was ist denn los“, fragte sie.

„Du musst aufstehen. Ich muss gleich los und du triffst dich mit Jenny.“ Ein herzhaftes Gähnen war die Antwort. Als Sarah sich auf die andere Seite drehen wollte, hielt Josephine sie fest.

„Aufstehen“, murmelte Sarah, „habe verstanden.“

„Gut, soll ich für das Bad zeigen“, bot Josephine ihr an.

„Da war ich schon.“

„Ja, ich meine, soll ich dir zeigen, wie …“

Plötzlich war Sarah wacher, richtete sich auf und erklärte mit prinzessinhafter Stimme: „Ich weiß wie eine Dusche funktioniert, danke. Lore hat mich bereits ausführliche in Hygiene unterwiesen, inklusiver der Benutzung von Tampons, auch wenn ich diese noch nicht auszuprobieren brauchte.“

„Ah, okay, das ist gut. Ja, also wenn es so weit ist, ähm und du Fragen hast, sag Bescheid.“

„Keine Sorgen ich schaffe das schon.“

„Um so besser, würdest du dann jetzt aufstehen und wenn du angezogen bist, treffen wir uns in der Küche? Ich würde ungern zu spät kommen heute.“

„Alles klar.“ Sarahs Stimme klang schon wieder fröhlich. Doch als die sich erheben wollte, fiel sie noch einmal stöhnend zurück und hielt sich den Kopf.

„Kann ich vielleicht einen Kaffe bekommen?“, fragte sie kleinlaut.

„Mein Vater hat bestimmt schon eine Kanne gekocht. Ab mit der ins Bad, danach gibt es Kaffee und Frühstück.“

Sarah nichts brav, was keine gute Idee war. Sie verzog erneut schmerzverzerrt das Gesicht.

Josephine ließ sie alleine und ging nach unten. Kurz darauf hörte sie Türen öffnen und schließen, dann das Wasser der Dusche. Sie atmete auf und schmierte Brote für sich und ihre neue Schwester.

Wenig später kam Sarah in die Küche, sie war geduscht und angezogen, aber sah elend aus. „Ich fürchte ich bin krank. Ich weiß nicht, was los ist, aber so habe ich mich noch nie gefühlt.“

Josephine reichte ihr einen Becher mit dampfendem Kaffee, schwarz ohne Zucker oder Milch. „Trink, das wird dich wach machen. Du bist nicht krank. Du hast einen Kater.“

Verwirrt drehte sich Sarah im Kreis und suchte nach dem Tier. Da musste Josephine herzhaft lachen, verstummte aber, als Sarah sie verunsichert ansah. „Nein, kein Tier“, erklärte sie. „Du hast gestern Alkohol getrunken. Wenn man zu viel trinkt oder wie in deinem Fall keinen gewohnt ist, dann fühlt man sich am nächsten Tag so wie du jetzt. Du hast sogar noch Glück, denn scheinbar ist dir nicht schlecht und du musstest dich noch nicht übergeben.“

„Aha. Wenn das so ist, trinke ich lieber keine bunten Getränke mehr.“ Sarah setzte sich an den Tisch, trank ihren Kaffee und biss in das Marmeladenbrot, welches Josephine vor sie hinstellte.

„Das werden wir ja sehen“, antwortete Josephine grinsend. „Achte beim Trinken einfach darauf, wie du dich fühlst und hör rechtzeitig auf. Am besten trinkst du auch nicht so bunt durcheinander, so wie gestern, dann geht es dir am nächsten Morgen auch gut.“

Sarah nickte, das wollte sie sich merken. Zunächst einmal wollte sie sich aber merken, dass sie mit Kopfschmerzen nicht nicken sollte. „Darf ich heute denn vielleicht hier bleiben?“, versuchte sie es noch einmal.

Doch Josephine war streng mit ihr. „Ich bringe dich in fünf Minuten zum Treffpunkt mit Jenny. Hol deine Sachen.“ Hilflos starrte Sarah auf ihren Kaffee, von dem sie noch nicht viel getrunken hatte, weil er so heiß war. Aus dem Küchenschrank nahm Josephine einen Thermobecher, füllte den Kaffee um und erklärte, so könne sie ihn unterwegs trinken. Unglücklich ging Sarah nach oben, um ihre Tasche zu holen. Das moderne Leben war offenbar doch nicht bequemer als in den alten Zeiten der Anderswelt, dachte sie bei sich. Ihre Zwerge waren nie so streng mit ihr gewesen.

***

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Bob, ein lebensrettender Kater

Bob, der Streuner ~ James Bowen
Bob, der Streuner ~ James Bowen

Es ist eine wahre Geschichte, eine ehrliche Geschichte, eine wie viele, die nicht erzählt, nicht gehört, aber vor allem tabuisiert werden. Es ist die Geschichte von James, James der viel Scheiße gebaut hat, auf der Straße lebte, Drogen nahm und von der Gesellschaft missachtet wird, wie so viele.

Umgang mit „betteln“

Was denkt ihr, wenn ihr auf der Straße angesprochen und um Geld gebeten werdet? Verachtet und verurteilt ihr diese Menschen? Gebt ihr ihnen Geld oder etwas zu Essen? Sprecht ihr mit ihnen?

Ich gehe unterschiedlich damit um, versuche die Menschen nicht mit Missachtung zu strafen und wenn ich ihre Bitten ablehne, wenigstens freundlich zu sein. Eine Zeit lang saß jemand vor dem Supermarkt nahe meiner Arbeitsstelle. Ich kaufte im Herbst regelmäßig eine Kiste Mandarinen und gab davon welche ab. Ich bekam dafür ein Lächeln und hatte dabei das Gefühl das richtige zu tun. Eine Kollegin folgte der Idee. Bei Straßenmusikern fällt es mir tatsächlich leichter. Wenn mir die Musik gefällt, werfe ich gerne eine Münze in den Hut/Gitarrenkasten/etc.

Was sind das für Menschen, die auf der Straße leben? Was ist schief gelaufen?

Ich weiß es nicht, vermag es mir nicht vorzustellen. Vielleicht spielt auch die Angst mit rein, dass auch mir das passieren könnte, dass auch ich eines Tages durchs Netz falle, nicht mehr aufgefangen werde, nicht mehr weiter weiß und auf der Straße lande.

Wie seht ihr das? Wie geht ihr mit Menschen um, die euch um Geld bitten oder mit Straßenmusikern? Habt ihr besondere Erfahrungen gemacht?

Was ist James Geschichte?

James hatte es bereits als Kind schwer, zog mit seiner Mutter viel um, fand keinen Anschluss, wurde viel gemobbt. Mit 16 lief er von Zuhause weg, seine einzige Stärke, wie er sagt, sich selbst in Schwierigkeiten bringen. Doch er hat noch eine Stärke, eine Leidenschaft. Seine Musik.

Bei allem, was schief lief, ihn dazu brachte mit den Drogen anzufangen und schließlich eine Zeit lang auf der Straße zu schlafen. Ihm blieb die Musik. So verdiente er sich sein Geld in London als Straßenmusiker, nicht legal, aber er kam über die Runden.

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus James Leben!

Bob, der Lebensretter

Eines Tages fand James einen verletzten Kater vor seiner bescheidenen Sozialwohnung. An dieser Stelle beginnt das Buch. Er kümmerte sich um das Tier, wollte ihn wieder frei lassen. Doch Bob blieb bei James, sie wurden Freunde, eine Familie, ein Team.

In seinem Roman „Bob, der Streuner“ erzählt James persönlich seine Geschichte von seinem Leben als Straßenmusiker, seiner Vergangenheit und der Begegnung mit dem Kater. Ehrlich, gefühlvoll und Mut machend für all jene, die abgestürzt sind und ihr Leben wieder ändern möchten.

Bob und James in einfacher Sprache

Ganz ehrlich, die Geschichte hat mich berührt. Mir war während des Lesens nicht mehr bewusst, dass sie in einfacher Sprache erzählt (übersetzt) wurde. Da waren nur noch James und Kater Bob.

Eine Geschichte, die es wert ist gehört zu werden, eine Geschichte über jemanden am Rande der Gesellschaft. Eine Geschichte, die in einfacher Sprache Menschen dabei hilft einen Zugang zum Lesen zu finden.

Schaut hin

Die Geschichte von James Bowen und Bob ist auch verfilmt worden. Der Film „Bob der Streuner“ ist derzeit auf Netflix verfügbar. Auf welchem Weg auch immer, verschließt nicht völlig die Augen vor dem Thema, dass Menschen anders leben und manche davon am Rande der Gesellschaft.

Kennt ihr eigentlich Leeroy Matata? Auf seinem Kanal „Leeroy wills wissen“ spricht er mit sehr interessanten Leuten und fragt „Wie ist es xy zu sein bzw. z getan zu haben?“. Reinschauen lohnt sich!


Das Buch wurde mir vom Spaß am Lesen Verlag zur Verfügung gestellt. Link zur Verlagsseite mit Leseprobe

Bon, der Streuner
James Bowen
Text in einfacher Sprache Isabel Wirtz
Spaß am Lesen Verlag
Sprachniveau A2/B1
ISBN 978-3-947185-62-7