Klassiker 21 von 50: Wahlverwandtschaften

Wahlverwandtschaften ~ Goethe
Wahlverwandtschaften ~ Goethe

Goethe ohne Verse?

Ja, das gibt es! Er hat tatsächlich Prosa geschrieben und es liest sich überraschend leicht und flüssig, zumindest der erste Teil. Mit dem zweiten Teil tat ich mich schwerer, es wurde stellenweise langweiliger. Die Ereignisse überspannten einen längeren Zeitraum.

Wahlverwandtschaften

Eduard und Charlotte wird ein spätes Glück zuteil. Ihrer jugendlichen Liebe konnten sie nicht nachgehen. Doch nachdem beide verwitwet waren, heiraten sie und verleben eine glückliche Zeit.

Goethe beginnt die Geschichte nach diesem vermeintlichen Happy End.
Ein Freund Eduards steckt in Schwierigkeiten und er will ihn aufnehmen. Charlotte will ihre Nichte zu sich nehmen. Beide zögern, zweifeln, ob diese Entscheidung ihrem eigenen Glück abträglich sei.

Und ja, so ist es. Einst hatte Charlotte Eduard Ottilie vorgestellt, in der Absicht dieser eine gute Partie zu verschaffen. Doch Eduard hatte damals nur Augen für Charlotte gehabt.

Nun kommen sich auch der Hauptmann und Charlotte näher und alles wird kompliziert.
Kann es ein glückliches Ende für alle geben, die Partner einfach getauscht werden? Könnte es so leicht sein, dürfte es das?

Ehe und Liebe zu Goethes Zeiten

Goethe (1749-1832) zeichnet ein Bild seiner Zeit, ein Bild der Ehe, des Ehebruchs, welcher wahrscheinlich nicht selten war und der Rolle der Frauen, sowie dem Thema der Ehre …


In meiner Ausgabe enthalten sind ein Essay von Walter Benjamin, sowie Erläterungen von Hans-J. Weitz, welche ich nicht gelesen habe.

Wahlverwandtschaften
Goethe
insel taschenbuch, 1997
ISBN 3458338258

21. Buch: Goethe, Faust

Faust ~ Johann Wolfgang von Goethe
Faust ~ Johann Wolfgang von Goethe

Diesmal war ein wirklich echter Klassiker dran und ja, ich hatte den Faust bisher tatsächlich noch nicht gelesen.

Aber meine Tochter hat sich hier in der Schule mal durchgequält(?) und ich hatte so ein Exemplar mit vielen unterstrichenen Stellen, handschriftlichen Bleistiftnotizen und einem ausführlichen Kommentar im Anhang von Erich Trunz zur Hand.

Worum geht es in der Tragödie erster Teil?

Eine Wette zwischen Gott und dem Teufel – Mephistopheles. Wird es diesem gelingen Dr. Faust zum Bösen zu verführen. Der Wissenschaftler ist eigentlich Gott zugetan, zweifelt aber an der Wissenschaft und seinem Leben und ist bereit diesem ein Ende zu setzen. Als er das tödliche Mittel trinken will läuten aber die Osterglocken und versetzen ihn gedanklich in seine Kindheit zurück und so schafft er es nicht den Trank zu leeren. Mephistopheles schleicht sich bei ihm als Pudel ein und verführt ihn dazu, dass dieser ihm seine Seele verspricht. Mephistopheles sorgt dafür, dass Dr. Faust mit Gretchen (Margarete) zusammen kommt und so nimmt das Drama seinen Lauf…

Ich war überrascht, dass es mich so bald gepackt hatte, bin ich doch eher etwas lustlos an das Buch gegangen. Aber schon die „Zueignung“ hat mir gefallen und ab dem „Prolog im Himmel“ bin ich dann einfach nur begeistert.

Die Sonne tönt nach alter Weise

In Bruderspähren Wettgesang,

Und ihre vorgeschriebne Reise

Vollendet sie mit Donnergang.

Ihr Anblick gibt den Engeln Stärke,

Wenn keiner sie ergründen mag;

Die unbegreif´lich hohen Werke

Sind herrlich wie am ersten Tag.“

Ich möchte am liebsten laut lesen und ja ich habe plötzlich Lust Theater zu spielen. Ok, ganz wirklich auswendig lernen möchte ich das Werk aber vielleicht doch nicht …

Man sagt ja so leichthin „Goethe war gut“, aber ja das war er. Dieses Spiel mit den Worten einfach grandios. Und wenn man sich überlegt, dass ja fast der ganze Text in Reimform ist, so war Goethe schon genial.

Und wieviele Zitate man findet, die man kennt…

Da steh´ich nun, ich armer Tor, Und bin so klug als wie zuvor!

Die Botschaft hör´ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube;

Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, Meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen

um nur einige zu nennen.

Ein wenig schockiert bin ich dann aber auch, als es von Gretchen heißt: „ist über 14 Jahr doch alt“, also noch so jung und obwohl „es ist ein gar unschuldig Ding“ so schnell verführbar ist. Vieles wird nur angedeutet und man muss schon genau den Worten folgen.

Und natürlich gibt es kein Happy End, sondern ein dramatisches Ende.

Ja, ich bin dankbar diese Challenge mitzumachen, denn ansonsten hätte ich mich dem Faust wohl eher nicht gewidmet. Ich habe ihn gerne und erstaunlich zügig gelesen und werde mir Teil 2 auch noch vornehmen. Und ich finde es gut, dass sich auch heute noch Schüler mit diesem Werk beschäftigen. Kathi hat ihn ebenfalls im Deutschunterricht gelesen und anschließend als Theaterstück in den Kammerspielen Bad Godesberg in einer sehr modernen Version angeschaut.


Anmerkung des kleinen Kometen: Auch wenn diese Faust-Ausgabe eine Schullektüre war und ich es nicht freiwillige gelesen habe, so las ich es doch gerne und tatsächlich freiwillig den Faust der Tragödie zweiter Teil.

Faust
Johann Wolfgang von Goethe
C.H. Beck, 1999
ISBN: 3 406 45214 0