Einhorn-Anthologie und Making Off zur eigenen U-Files Geschichte

Ein Rückblick auf eine interessante Leserunde mit meinem Einhornteam und weiteren Gästen.

In der Planungsphase zu dieser Leserunde entstand ja auch das kreative Einhorn-Schnipsel-Projekt. Somit ist es nicht nur ein Rückblick zu den einzelnen Geschichten, sondern auch ein bisschen ein Making Of zu meiner eigenen Einhorn-Geschichte. Die Reihenfolge der Geschichten entspricht der Reihenfolge in der Anthologie und ist nicht wertend zu verstehen.

Die Einhorn-Chroniken

Eine Sammlung äußerst vielfältiger Geschichten, die nur eines gemeinsam haben, es taucht mindestens ein Einhorn auf.

Die Mischung der Autoren ist auch sehr interessant, Autoren, die ihre erste Geschichte veröffentlichen, aber auch Autoren, die bereits mehrere Romane veröffentlicht haben. Das gefällt mir sehr gut.

Dr. Zorn und der Edle Ed von Jörg Fuch Alameda

Eine humorvolle Geschichte über das Leben und den Tod, eine tröstliche Geschichte, die ermahnt, sich nicht in der Trauer zu verlieren. Es ist schlimm einen geliebten Menschen zu verlieren, aber diesem ist nicht damit geholfen, wenn das eigene Leben nicht gelebt wird.

Aus dieser Geschichte stammt auch einer der vier Schnipsel. Interessanterweise war es auch der Schnipsel, der mich zu einer ersten Rahmengeschichte inspiriert hatte. Es war so, dass ich mir die Schnipsel in ein Dokument kopiert hatte, um sie zu bearbeiten, dieser war mir spontan ins Auge gefallen und ich hatte ihn als einzigen gelesen. Dann kam mir die Idee, vielleicht erst einmal eine grobe Idee zu entwickeln und anschließend die anderen Textschnipsel in diese Geschichte einzubauen.

Leider entwickelte sich die Geschichte sehr selbstständig und ich war am Ende sehr traurig. Spätestens nach dem Lesen der restlichen Schnipsel war klar, diese Vorgehensweise taugte nichts, ich musste mich mit den Schnipseln selbst auseinander setzen und mich von allen gemeinsam inspirieren lassen.

Lichtbringer von Tina Alba

Eine Geschichte über Obdachlose, eine Randgruppe der Gesellschaft. Finde es gut, sich mit dem Thema auseinander zu setzen, aber ich bin nicht sicher, ob in dieser Geschichte nicht eher Klischees thematisiert werden, oder es um das tatsächliche „Leben auf der Straße“ geht. Die Rolle des Einhorns in dieser Geschichte ist auf jeden Fall mal eine ganz andere.

Der letzte Funke von Valerie Gaber

Zu dieser Geschichte gab es zum Glück zwei Schnipsel, den Beginn der Geschichte und den zweiten, den ich gewählt hatte. Das Ich wird von einer T-14 Drohne verfolgt. Kurz war ich versucht eine Science Fiction Geschichte zu schrieben. Die Kombination mit einem Einhorn und vor allem den anderen Schnipseln war mir dann zu komplex und ich habe es mir leichter gemacht. Diese Geschichte barg nämlich noch eine andere Herausforderung, sie ist im Gegensatz zu den anderen drei Schnipseln in der Ich-Perspektive verfasst.

Die Kombination von Science Fiction, Magie und ihren Wesen ist Valerie Gaber sehr gut gelungen, wenn auch auf traurige Weise.

Oh wir haben ein Herz, nur lassen wir keine Wesen mehr ein, die unwürdig unserer Liebe sind.

Ich mag solche Ideen. Irgendwann schreibe ich bestimmt auch mal eine magische Science Fiction Geschichte, denn ich mag beide Genres sehr gerne. Allerdings dann bitte frei von weiteren Vorgaben.

Wer die Kombination High-Fantasy und Science Fiction auch sehr gerne mag, dem mag ich eine meiner Lieblingsserien ans Herz legen, die ich unbedingt noch einmal lesen muss: Die Höhenwelt-Saga von Harald Evers.

Goldrote Tränen von Tanja Hammer

Ohje, eine Wintergeschichte im Sommer war mein erster Gedanke als ich „Väterchen Frost“ las. Mit so etwas habe ich ehrlich Probleme. Wie geht es euch? Wenn jemand im Sommer Weihnachtslieder singt, bringt mich das auf die Palme.

Diese Geschichte gab übrigens den Ort für meine Geschichte vor, das Königreich Ludvijen. Es war für mich besonders spannend im Anschluss an das Schreiben, dieses Königreich besuchen zu dürfen. Auch wenn dieser Schnipsel eine starke Figur beinhaltete, sind zwei ganz unterschiedliche Charaktere entstanden, die doch auch ein wenig gemeinsam haben.

Eine interessante Geschichte, die eigentlich nicht so kurz sein dürfte. Tanja Hammer hat in der Leserunde zum Glück verraten, dass ihr ein böser Charakter ständig hinterher läuft, weil er noch viel zu erzählen hat. Jetzt schreibt sie ihm eine Triologie, das finde ich großartig.

Der Herrscher des Waldes von Anne Haubner

Schöne erste Sätze, die mich in eine gute Stimmung versetzen liebe ich ja.

An einem Spätsommermorgen saß Rem, der Waldmann, im Geäst einer mächtigen Eiche am Waldrand und wartete.

Eine traurig-schöne Fantasy-Geschichte über die Kluft zwischen den Menschen und der Natur.

Einhörner und andere Nervtöter von Anna Holub

Der größte Nervtöter in dieser Geschichte ist wohl die Prinzessin mit ihren Wünschen, zu deren Geburtstag alles organisiert werden muss. Vielleicht auch eine weitere Person, die ich nicht nennen will, um die Wende nicht vorweg zu nehmen. Es ist eine etwas merkwürdige Geschichte für meinen Geschmack.

Diese Geschichte scheint sich auf humorvolle Art ein wenig gegen den aktuellen Hype um Einhörner zu richten. Ich liebe Einhörner seit ich ein kleines Mädchen war, aber Einhörner überall nimmt ihnen den Zauber und Einhorn-Bratwurst geht schlichtweg zu weit!

Die eigentliche Intention der Autorin könnte aber auch gewesen sein, verwöhnte kleine Kinder zu thematisieren.

Einhörner gibt es nicht von Laurence Horn

1886, zwei Tote und der Verdächtige? Bereits mehrfach wurde ein Einhorn gesichtet …

Ein interessanter Kriminalfall mit einer noch interessanteren Gruppe, die den Fall klären will, allerdings nicht als Team.

Sie sind nur aus einem Grund hier, so wie wir alle. Die Liebe zur Jagd. (…) Ob nun ein Verbrecher, eine gute Geschichte, neue Erkenntnisse oder die Aussicht auf kulinarische Genüsse.

Vielleicht ist alles aber auch ganz anders? Auf jeden Fall habe ich die Geschichte gerne gelesen.

Sascha von Agga Kastell

Humorvolle Geschichte in der der Protagonist ein Einhorn auf dem heimischen Sofa vorfindet, dass nach mehr „Bölkstoff“ verlangt. Werner lässt grüßen.

Ich war auf dem Heimweg durch ein Raum-Zeit-Kontinuum gefahren und in einer Parallelwelt gelandet.

Wer bei dem Titel an ein lustiges Kinderlied denken muss, ja, das passt „njanjanjanja“, es passt auch zu einem regenbogenfurzenden Einhorn.

Das Schwarze Einhorn von Lillith Korn

Am Anfang der Geschichte dachte ich, es geht um Vorurteile und darum, dass es wichtig ist, sich selbst eine Meinung zu bilden. Davon ist auch noch etwas übrig geblieben, aber der Beigeschmack der schwarz-weiß-Malerei ist dann doch dabei.

Der Fund im Dämmerforst von Daniela Perndl

Wenn man eben keiner Mainstream-Forschung macht, gibt es Schwierigkeiten in der wissenschaftlichen Gesellschaft, das kommt mir sehr bekannt vor. Die Biologin Louisa Barthlot baut ein Skelett wieder zusammen, eben kein eindeutiges Pferdeskelett, aber dem Einhorn fehlt das Horn. Für sie eine Selbstverständlichkeit, denn wegen diesem wurde es ja wahrscheinlich getötet. Doch Dressler ermahnt sie, nicht über Magie zu sprechen. Dennoch begleitet er sie zum Fundort …

Louisa trifft am Ende eine wunderbare Entscheidung, habe diese Geschichte sehr gerne gelesen.

Das Einhorn vom Dansenberg von Lyakon

Am Anfang  gibt es  eine Formulierung, die ich sehr gerne lese, es darf nur nicht zu oft sein.

In jenen Tagen, als die Menschheit noch jung, doch die Erde bereits alt war, bevölkerte die geheimnisvolle Rasse der Einhörner bereits seit Jahrmillionen den eurasischen Kontinent.

Allerdings sind meine Erwartungen dann auch entsprechend hoch, besondere Geheimnisse und Weisheiten zu erfahren.

Der Rahmen ist super, der eingebetteten Legende fehlt der hoffnungsvolle Charakter.

Einhornwut von Liane Mars

Dieses Geschichte ist aus der Sicht des Einhorns geschrieben, ein Einhorn, das als Menschenmädchen umher läuft und uns die Geschichte seines Versagens erzählt.

Hierzu gibt es eine ordentliche Portion Sarkasmus, eine Geschichte, die Spaß macht.

Der Name Liane Mars ist mir in letzter Zeit öfter begegnet, ich würde sagen zu Recht. Sie schreibt sehr schön!

Wenn du nur fest genug daran glaubst von Linn Peltzer

Die Botschaft steht bereits im Titel und sie wird wunderbar umgesetzt in dieser Geschichte.

Im Bann des Re’em von Jasmin Aurel

Es begab sich zu der Zeit, als zwei junge englische Gentlemen und ihr Diener durch den transsilvanischen Wald ritten …

Es darf wie gesagt nicht zu oft, in diesem Stil geschrieben sein. Leider habe ich die Geschichte von Lyaon tags zuvor gelesen und diese Formulierung hier klingt dann doch zu sehr nach der Weihnachtsgeschichte:

Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. (Lukas, 2,1)

Es ist aber nur der erste Satz. Anschließend folgt ein locker geschriebenes Gespräch, das mich aber nicht wirklich in seinen Bann ziehen kann. Es kommt zu einer dramatischen Begegnung mit einer Herde Einhörner, die keine lieben Glitzerpferdchen sind. Es ist quasi eine Anti-Einhorn-Glitzer-Geschichte.

Verschwundene Kinder von Matthias Ramtke

Auf diese Geschichte war ich besonders gespannt, denn hier versteckt sich ein wichtiger Schnipsel meiner Geschichte, derjenige, der mich vor die größte Herausforderung gestellt hatte, nachdem ich alle Schnipsel miteinander verbunden hatte. Denn es galt noch die „verschwundenen Kinder“ wieder zu finden.

Er setzte den Krug an die Lippen und trank ihn mit einem Zug zur Hälfte aus. „Hast du Honig?“ Das Gesicht der Alten verfinsterte sich. „Ihr kommt, um mich zu töten, trinkt vorher meine Milch und verlangt noch Honig dazu?“ „So wie ich das sehe, hast du einen Auftrag für mich. Und der lautet: Findet den wahren Grund für das Verschwinden der Kinder. Bezahlen kannst du mich nicht, das sehe ich ebenfalls.“

Auch tat ich mich mit diesem Schnipsel lange schwer, abgesehen davon, dass ich aus der Alten in der ersten Fassung einen Mann gemacht hatte, böse Grammatikfalle. Es steckt auch noch dieser Widerspruch in dem Schnipsel, dass der mörderische Gast in Ruhe am Tisch sitzt und Milch trinkt. Letztendlich hatte ich mich dazu entschieden, diesem Schnipsel eine so große Bedeutung beizumessen, dass ich ihn an den Anfang gesetzt habe.

Es ist eine so völlig andere Geschichte! Vieles ist hier anders als es zunächst scheint, eine Geschichte, die auf einige Verworrenheiten in unserer Welt anspielt.

Das Einhorn von Rawalpindi von Ida Reizenstein

Was für ein wundervoller Einstieg, eine geheimnisvolle Botschaft eines Wissenschaftlers, seine Aufzeichnungen und seine Erlebnisse, die uns im Folgenden geschildert werden. Eine Forschungsreise am Ende des 19. Jahrhunderts nach Indien. Das wissenschaftliche Gehirn wird mit einer Begegnung konfrontiert, die es kaum verarbeiten kann.

Das Ende hat mir sehr gut gefallen, auch Wissenschaftler können offen für Magie sein.

Die Wahl von Veronika Rothe

In dieser Geschichte versteckt sich eine wunderbare Idee, dass nämlich die magischen Wesen Menschen als ihre Begleiter erwählen. Allerdings ist das Mädchen in der Geschichte zunächst so gar nicht begeistert von einem Einhorn erwählt zu werden.

Es entwickelt sich eine wunderbare Geschichte, die viel Kraft in sich birgt und Mut machen kann, zu sich selbst zu stehen.

Die Insel des Doktor Maggiore von Michael Schäfer

Diese Geschichte war für mich eine große Überraschung, zufällig durfte ich zu dieser die Fragen in der Leserunde stellen. Die erste Frage, die sich mich stellte, war, ob ich dem Autor tatsächlich bereits begegnet war. Via Twitter ließ sich das recht schnell klären.

Michael Schäfer hat einen interessanten Vortrag auf dem #LitcampBN17 über „Die Gute Figur“ gehalten.
Eine seiner Methoden ist es, sich mit seiner Figur auf einen Kaffee zu treffen oder gedanklich in Urlaub zu fahren. Da war die Frage für die Leserunde schnell klar:

„Wen würdest du lieber in einem Café treffen, Franziska oder den Doktor? Über was würdet ihr plaudern?“

Die Geschichte ist übrigens wunderbar geschrieben und vielleicht sollte ich mal bewusster die Augen offen halten nach diesem Autor mit den guten Figuren.

Die Tränen des schwarzen Einhorns von Adrian Schwarzenberger

Gleich in den ersten Zeilen wird man in die Märchenwelt entführt, der Stil ist angepasst an die klassischen Märchen. Die Prinzessin muss eine lange und schwierige Reise antreten, um einen Weg zu finden, ihren Bruder zu erlösen. Ein Märchen darüber niemals aufzugeben.

Billy O’Mally begegnet einer Bestie von Nele Sickel

Diese Geschichte ist einfach lustig!

Ich konnte mir die Szene im Pub bildlich vorstellen, wie Billy seine Kumpel auf die Folter spannt und ihnen die Geschichte erzählt.

Fabelhaft (r)evolutionäre Einhorn von Silke Vogt

Hinter der Geschichte mag ein positiver Gedanke stecken, das entnehme ich den begeisterten Kommentaren der Leserundenteilnehmerinnen.

Mich hat die Geschichte einfach nur genervt und es ist die einzige, die ich tatsächlich abgebrochen habe.

Es sind einfach zu viele Beschreibungen, zu viele Klischees. Wenn ich mich bis zur Wende, durch feministische und jetzt auch noch rassistische (an der Stelle habe ich abgebrochen) Gedanken kämpfen muss, mag ich einfach nicht, habe davon aktuell echt ne Überdosis in den Sozialen Medien genossen. Um eine Parabel zu schreiben, muss die Parallele zwischen den Fabelwesen und Menschen nicht innerhalb der Geschichte betont werden.

Hinter den Bildern, zwischen den Seiten von Jessie Weber

Eine wunderbare magische Geschichte, die Trost und Mut spendet! Fantastisch geschrieben!

Die Reiter von Draz Al D’yr von Jenny Wood

Ein düsterer spannender Abschluss dieser Anthologie.

Danke

Ein herzlichen Dank an meine Einhornmädels! Ohne euch hätte ich das Buch nie gelesen! Freue mich sehr, dass wir eine so tolle Aktion daraus gemacht haben.

Ebenso danke ich dem Talawah-Verlag und seinen Autoren für die wunderbaren Geschichten und die Unterstützung. Viele Autoren haben sich an der Leserunde beteiligt, das hat mich sehr gefreut. Besondere Unterstützung haben wir darin erfahren, dass uns das Buch vom Verlag zur Verfügung gestellt wurde und vier Autoren uns in unserem eigenen Schreibprojekt unterstützt haben! Es war eine Herausforderung, die großen Spaß gemacht hat!

Fazit zur Anthologie

Die Geschichten sind sehr unterschiedlich, manche haben mir besser gefallen, andere weniger gut. Das gehört bei einer so bunten Mischung dazu Bis auf eine habe ich auch alle zu Ende gelesen. Obwohl ich viel lieber Bücher als Kurzgeschichten lese und seit meinen Erfahrungen mit dem Intrag-Verlag ein sehr gespaltenes Verhältnis zu Anthologien habe, hat mir das Lesen viel Spaß gemacht.

Team Einhorn und die weiteren Geschichten

Zum Abschluss wird es Zeit, die weiteren Geschichten aus dem Team vorzustellen. Aus denselben Schnipseln sind acht völlig verschiedene Geschichten entstanden, die ihr euch nicht entgehen lassen sollten. Seid jedoch gnädig, denn diese Geschichten wurden nicht von Autoren geschrieben, die bereits publiziert haben, sie stammen aus Hobbyfedern, wobei diese Grenze dann doch auch sehr dünn werden kann. Die Reihenfolge entspricht wie in der Anthologie dem Erscheinungsterminen:

Franzis Geschichte

Bei Franzi hat Jim verrückte Träume, in denen er gemeinsam mit einem Einhorn seine Bestimmung suchen muss, damit diese Träume endlich enden. Eine sehr gute Idee, die auf den ersten Blick so gar nicht zueinander passenden Textschnipsel zu verknüpfen. Doch seid gewarnt, Träume enden offen!

Michaelas Geschichte

Michaela nimmt sich Zeit und schreibt einen stimmungsvollen Einstieg in das Abenteuer, bevor der erste Schnipsel kommt, Sabrina und Wolfi machen sich auf den Weg, bis sich ihnen ein merkwürdiges Bild bietet: weidende Einhörner in einer mittelalterlich wirkenden Umgebung, doch dann taucht eine Drohne auf. Das Perspektivenproblem hat sie übrigens mit Leichtigkeit gelöst. Sabrina ist das Ich in der Geschichte und die anderen drei Schnipsel beschreiben einen „Er“, das ist Wolfi. Da habe ich es mir etwas komplizierter gemacht, indem ich den einen Ich-Schnipsel als Gedanken dargestellt habe.

Am Ende der Geschichte musste ich herzlich lachen, allerdings ist es auch ein gemeines Ende, ähnlich wie bei Franzi, aber mehr verrate ich euch nicht.

Nadjas Geschichte 

Diese Geschichte ist etwas ganz besonderes und ich bin sehr stolz, dass sie auf meinem Blog erschienen ist, eigentlich hätte sie auch in der Anthologie stehen können. Nadja hat einen richtig tollen Schreibstil und eine tolle Phantasie!

Wer mehr von ihr lesen möchte, findet sie auf Sweek.

Ilkas Geschichte

Ganz anders als Michaela und genau wie ich startet Ilka direkt mit einem Schnipsel, wenn auch mit einem ganz anderen. Sie verzaubert mit einer Geschichte über fliegende Kuchen und sprechende Pferde. Die Schnipsel hat sie wunderbar fließend eingebaut!

Nadja Zs. Geschichte 

An Nadjas Geschichte gibt es eine Besonderheit, sie hat als Einzige von uns zugesagt, weiter zu schreiben. Wenn ihr diese lest, braucht ihr euch also nicht vor einem offenen Ende zu fürchten. Eine zweite Besonderheit erwartet euch bei ihr, sie hat dem Text schöne Bilder beigefügt.

Julias Geschichte

Fünf völlig verschiedene Geschichten gelesen und dann überrascht Julia mit neuen Wesen und Romantik.

Auch Julia startet direkt mit einem Schnipsel, verwendet dabei wieder einen anderen als Ilka und ich.

Und schon muss ich mich korrigieren, denn bei Interesse schreibt auch Julia eine Fortsetzung.

Beccis Geschichte

Die finale Geschichte stammt von Becci, die von sich selbst behauptet, keine gute Geschichtenerzählerin zu sein, aber dann in den ersten Sätzen wie eine Märchenerzählerin auftritt.

In einem weit entferneten Land, vor vielen hundert Jahren, da zählte Magie noch zum alltäglichen Handwerk der Menschen. Es gab hochrangige Zauberer an den Höfen, die dem König und den Adligen dienten, aber auch in jedem Dorf fand man eine Kräuterhexe oder kleinen Zauberer der das harte tägliche Leben vereinfachen konnte.

Das Ende ist genial und könnte nicht passender für den Abschluss der Einhorn-Akten sein!

***

Wer noch nicht genug gelesen hat, kann gerne auch meine eigene Geschichte lesen, die ich an dieser Stelle nicht weiter kommentieren möchte

Komets Beitrag zu den U-Files Die Einhornakten

Diese Geschichte entstand im Rahmen eines gemeinsam Projektes im Einhornteam  Die als Zitate markierten Textstellen stammen von den Autoren der U-Files Anthologie. Sie wurden uns von den Autoren zur Verfügung gestellt und unverändert eingebaut.

(c) Stephanie Katharina Braun

Er setzte den Krug an die Lippen und trank ihn mit einem Zug zur Hälfte aus. „Hast du Honig?“ Das Gesicht der Alten verfinsterte sich. „Ihr kommt, um mich zu töten, trinkt vorher meine Milch und verlangt noch Honig dazu?“ „So wie ich das sehe, hast du einen Auftrag für mich. Und der lautet: Findet den wahren Grund für das Verschwinden der Kinder. Bezahlen kannst du mich nicht, das sehe ich ebenfalls.“

Dabei nahm er die Kapuze ab und gab sich endlich zu erkennen. Die Alte seufzte und begriff, dass sie sich getäuscht hatte. Sie blickte nicht ihrem Mörder ins Gesicht, stattdessen jemandem, den sie Jahre nicht mehr gesehen hatte.Doch so, wie der düstere Herr vor einer Weile in ihr Haus gekommen und seine unglaublichen Kräfte entfesselt hatte, hatte sie nur das Schlimmste annehmen können. Er hatte sie vertrieben, die Männer, die täglich kamen und sie mit Fragen löcherten. Gardisten schimpften sie sich, dieses dreckige Pack in den albernen Gewändern. Sie wollten die Jungen doch nur mustern, ob sie endlich groß und kräftig genug waren, um der Garde beizutreten. Und die Mädchen? Oh wie sehr hasste sie es, wenn sie die Mädchen musterten. Nie konnten sie ihre Finger bei sich behalten. Diejenigen, die kräftig und weniger hübsch waren, verschwanden in der Schlossküche, nahm sie an. Was mit den anderen geschah, traute sie sich nicht aus zu malen.

Sie hatte ihren Hof und die Kinder, um die sie sich kümmerte. Es waren nicht ihre eigenen, schon lange nicht mehr. Sie kamen zu ihr, fanden bei ihr ein Heim. Wenn sie das Glück hatten der Garde zu entkommen, half sie ihnen ein Handwerk zu erlernen oder auf einem der anderen Höfe der Gegend unter zu kommen. Viele Herrschaften wussten, dass sie die Kinder gut erzog und ihnen viel beibrachte. Die Mädchen wurden ihr liebend gern abgenommen, als Ammen oder Haushälterinnen. Einigen von ihnen brachte sie auch die Grundlagen über die Heilkräuter bei, das machte sie besonders beliebt.

Doch jetzt war sie allein. Sieben Kinder hatten bis vor Kurzem noch bei ihr gelebt. Eines morgens waren sie einfach verschwunden. Die Gardisten beschuldigten sie, sie würde sie vor ihnen verstecken. Als wenn sie sich nicht genug Sorgen machen würde, kamen diese elenden Kerle jeden Tag und belästigten sie. Bis heute.

Heute war dieser Mann aufgetaucht. Dieser Mann, der dort auf der Bank saß und inzwischen völlig abwesend schien.

Ganz unrecht hatte die Alte nicht. Der Magier war erschöpft, ein wenig in Gedanken versunken, sammelte er seine Kräfte.

„Der Einsatz der Magie hatte noch etwas mehr an meinen Kräften gezehrt. Daher blieb ich weiter in dem muffigen Gebäude sitzen. Mit kindlicher Begeisterung beobachtete ich die kleinen Staubpartikel, die in dem kalten Sonnenstrahl, der durch ein Loch in der gegenüberliegenden Wand drang, tanzten. Sie reckten sich in die Höhe, sanken elegant wieder zu Boden, nur um erneut ihren Tanz zu beginnen. Hätte ich nicht etwas zu tun gehabt, ich wäre noch eine ganze Weile hier sitzen geblieben, aber ich wollte bald den Wald erreichen.

Es wurde Zeit, sich wieder auf die Gegenwart und die Aufgabe zu konzentrieren. Ich muss den Blick vom Staub lösen und mich der Alten wieder zuwenden.

„Wie sieht es aus? Habe ich den Auftrag?“

„Edler Herr“, stammelte die Alte, doch der Magier fiel ihr ins Wort. „Vergesst das mit dem Herrn, erst recht den edlen. Es geht um die Kinder. Berichtet mir, was ihr wisst und Ihr seid mich bald los.“

Die Alte begann zu erzählen …

Unterdessen entledigte sich ein junger Mann in einem Hinterhof seiner Kleider. Finn hatte eine Entscheidung getroffen, er war nicht länger bereit seiner Aufgabe nachzukommen. Am liebsten würde er die Gewänder verbrennen, doch das war zu gefährlich, er könnte entdeckt werden. Stattdessen begnügte er sich damit, die einfachen Beinkleider und das Hemd überzuziehen. Er hatte sie einem Farmer entwendet, wohl wissend, dass sie für ihn kostbar sein mussten. So hatte er ein paar Silberlinge hinterlassen, in der Hoffnung ihn so zu entschädigen. Einen unauffälligen Umhang mit Kapuze hatte er sich auf ähnlichem Wege besorgt. Er war bereit, mehr als das. Das Abenteuer seines Lebens konnte beginnen. Er würde sie finden, seine Geschwister. Den Blick der Alten hatte er kaum ertragen können, als er gestern mit im Haus war. Sie hatten ihm keine Wahl gelassen, so sehr er sich auch weigern wollte. Doch jetzt war es vorbei, endgültig. Er trat hinaus auf die Straße und machte sich auf den Weg, hinaus aus dem Dorf auf den Weg zum Waldrand.

Abgesehen von diversen Reisen in die drei Nachbarstädte, denen er in seiner Funktion als Leibgarde des Königs von Ludvijen beigewohnt hatte, war er nie weit von den Mauern seiner Heimatstadt weggekommen. Da wollte er sich ganz gewiss nicht auch noch in seiner spärlichen Freizeit mit deren Belangen oder gar seiner Arbeit beschäftigen. Viel lieber sah er zu, wie über ihm eine Gruppe Schwalben durch die Lüfte tanzte und sich die Farbe des Himmels in aller Seelenruhe verdunkelte. Der schwarze Schatten, der für den Bruchteil einer Sekunde durch sein Sichtfeld huschte, entging ihm dabei gänzlich. Die sich ihm kurz darauf vom Waldrand aus nähernden, bedächtigen Schritte bemerkte er jedoch sofort, richtete sich verwundert auf und fand sich einem Wesen gegenüber, dessen Besuch ihm ausgerechnet jetzt unwillkommener nicht sein konnte.

Ein Pferd stand vor ihm, weiß wie Schnee mit langer wehender Mähne und einem merkwürdigen Horn auf der Stirn. Auffälliger ging es nicht? Finn beschleunigte seinen Schritt und eilte auf den Wald zu, das Tier folgte ihm. Als er die erste Baumreihe hinter sich gelassen hatte, atmete er erleichtert auf und verlangsamte seine Schritte. Zwei Reihen weiter, erlaubte er sich über die Schulter zurück zu blicken. Das Pferd war stehen geblieben. Dort war ein zweiter Mann, einer der genau wie er einen Umhang trug. Er schien mit dem Pferd zu sprechen.

Vorsichtig schlich er sich im Schutz der Bäume näher, um sie verstehen zu können.

Der Mann schien ebenfalls nicht begeistert von dem seltsamen Pferd zu sein.

»Ist das dein Ernst?« Er deutete mit beiden Händen auf das Einhorn und starrte genervt gen Himmel. »Du schickst mir einen Gaul? Sind dir die verdammten Engel ausgegangen?« »Niemand schickt mich!« Das Tier näherte sich ihm und bewegte dabei die Lippen. »Ich bin wie Sie, edler Herr, nicht hier und nicht da.«

„Was ist denn heute nur los“, fluchte der Kapuzenmann. „Ich bin kein edler Herr, verdammt noch eins! Einfach Tom, ok.“

„Kein Problem“, sagte das Pferd. „Dann lass uns den jungen Mann hinterm Baum mal hervor holen, dann können wir endlich los. Ich heiße übrigens Neria.“

„Als wenn du ein Engel wärst“, murmelte Tom kopfschüttelnd, aber Neria trabte bereits auf den Baum zu, hinter dem Finn nervös stand.

„Kommt hervor edler Herr, wir haben das gleiche Ziel.“

Finn zögerte, aber was blieb ihm anderes übrig. Hatte er wirklich eine Chance gegen den düsteren Kerl und das sprechende Pferd? Er war ja ein ganz toller Held.

„So ist es gut“, freute sich Neria wiehernd und setzt sich in Bewegung. Sie blickt nicht zurück, erwartete, dass die Herren ihr folgen würden. Sie taten es auch, wenngleich sie weder edel noch Herren waren.

Eine Weile schwiegen sie, dann begann Tom das Gespräch mit dem Jungen: „Was treibt euch in den Wald junger Freund?“ „Finn ist mein Name, werter Herr“, stotterte der ehemalige Gardist. „Lass gut sein, nenn mich einfach Tom. Bin zwar älter als du, aber Förmlichkeiten sind mir zu wider. Erzähl mir deine Geschichte.“ Da war etwas in Toms Stimme, dass den Jungen ruhiger werden ließ, etwas, dass ihn dem Älteren bedingungsloses Vertrauen schenken ließ. So begann er zu erzählen, von seiner Kindheit auf einem Hof, die er meist eingesperrt im Stall verbracht hatte. Wie er fortgelaufen war und eine Familie gefunden hatte. Dort hatte ihn die Garde gefunden. Er wollte kein Gardist werden, wollte nicht kämpfen, wollte niemanden einsperren. Dennoch hatte er ein paar Jahre ein gutes Leben gehabt. Doch als er zu der Alten geschickt wurde, war es zu viel. Er musste die Kinder suchen, auch wenn er keine Ahnung hatte wie. Ein Traum hatte ihm den Weg zum Wald gewiesen, weiter hatte er noch nicht gewusst. Nun sei er auf das merkwürdige sprechende Pferd und Tom getroffen.

„Du befindest dich in bester Gesellschaft mein Junge. Reinen Herzens bist du aufgebrochen. Neria ist ein Einhorn, kein komisches Pferd und allein, dass du sie sehen darfst, spricht für dich. Meine Wenigkeit, bitte erschrick nicht, ist ebenfalls nicht von dieser Welt. Ich bin ein Magier.“

Eine Weile schwieg der Junge respektvoll, dann sprudelten die Fragen aus ihm heraus. Tom gefiel der Kerl und so begann er zu erzählen. Sie folgten dem Einhorn, das zielsicher durch den Wald trabte, ohne sich nach ihnen umzublicken. So ging es eine ganze Weile, ohne Rast und ohne Ermüdung.

Schließlich blieb Neria an einer Baumgruppe stehen, wieherte leise. Dann neigte sie ihren Kopf und berührte mit dem Horn einen Baumstumpf. Finn, der sie neugierig beobachtet hatte, schloss reflexartig die Augen, denn es wurde hell um sie herum. Der Wald war dicht geworden, das Licht fiel nur noch spärlich durch die Bäume, so dass er jetzt geblendet seine Augen schützen musste. Er spürte, wie Tom ihm die Hand auf die Schulter legte. „Es ist so weit. Hab keine Furcht junger Freund, wir betreten jetzt das Reich Juvneldi durch das Portal“.

Wie in Trance ließ Finn sich vom Tom durch das leuchtende Portal ziehen und war enttäuscht. Er drehte sich um, doch das Portal war bereits erloschen. Um ihn herum befanden sich Bäume, nichts als Bäume, ein sprechendes Einhorn und der seltsame Kerl. So langsam zweifelte er an seinem Verstand. Er befand sich etwa zwei Meter weiter vorne, aber ganz sicher nicht in einer anderen Welt. Das Ganze war einfach zu verrückt, aber so lange er keinen anderen Plan hatte, folgte er lieber den Verrückten, die scheinbar dasselbe Ziel hatten.

Es ging so schnell, dass er es gar nicht richtig mitbekam. Schon fand er sich auf dem Rücken des Einhorns wieder. Er wollte protestieren, doch Tom deutete ihm an, still zu sein. Dann verschwand er, löste sich einfach in Luft auf. Was noch schlimmer war, das Einhorn verschwand ebenfalls, war nicht mehr zu sehen. Finn blickte auf seine eigenen Beine hinunter. Er konnte sie spüren, ebenso den Körper des Einhorns auf dem er saß, aber da war nichts, absolut nichts zu sehen. Bevor er in Panik ausbrechen konnte, hörte er Schritte. Seltsame Wesen tauchten zwischen den Bäumen auf, kamen auf sie zu.

Er spürte, wie das Einhorn auswich und die Fremden knapp an ihnen vorbei eilten. Schweigend ging es weiter, bis sie plötzlich anhielten und wieder sichtbar wurden. Um sie herum erschien eine Waldhütte. Finn sprang vom Rücken des Einhorns und wollte gerade zu einer aufgeregten Rede ansetzen, doch Tom ließ ihn nicht.

„Wir hätten dich vorwarnen können junger Freund, aber ich hatte nicht so schnell mit Feinden gerechnet. Willkommen im sicheren Versteck der Magiergilde von Juvneldi, mein Sohn.“ Endlich nahm Tom seine Kapuze ab und Finn, der geglaubt hatte nichts könne ihn inzwischen noch überraschen, blickte in einen Spiegel, einen Spiegel mit Altersverzerrung. Eine Weile starrten die beiden Männer sich in die Augen, bis Tom auf Finn zutrat und ihn kurz aber bestimmt in die Arme nahm. „Ja, mein Sohn, das ist wörtlich gemeint. Uns bleibt nicht viel Zeit, daher die Kurzfassung. Den Traum von letzter Nacht habe ich dir gesandt, damit du mich findest. Ich musste dich als kleinen Jungen gehen lassen. Du bist an Prinzessin Regina gebunden, solltest sie begleiten und beschützen. Es geht dir schlechter, seit du sie verloren hast?“

„Prinzessin Regina, du meinst meine Schwester Rina?“

Tom nickte bestätigend. „Ihr stammt beide aus dieser Welt. Rina drohte Gefahr und wir brachten euch in Sicherheit bei meiner Tante. Leider hat die Garde euch getrennt und so konntest du sie nicht länger mit deiner Magie schützen.“

„Magie? Du meinst, ich bin ein Magier?“

„Natürlich, du bist mein Sohn. Deine Kräfte sind aber gebunden, da wir dich nicht ausbilden konnten. Du reagierst instinktiv auf den Schutz der Prinzessin. Vorsicht, das könnte jetzt ein wenig unangenehm werden.“

Tom legte Finn die Hände auf den Kopf. Es kribbelte, wurde warm, nein heiß, dann wurde ihm schwindelig. Es fühlte sich an als würde er gleich ohnmächtig, doch dann wurde er stärker, wacher, wacher als er es je zuvor gewesen war. Finn öffnete seine Augen und sah, wie er nie zuvor gesehen hatte. Da waren so viele Details in der Hütte und Neria erst. Wie konnte er nur schlecht über dieses unglaublich schöne Wesen gedacht haben.

„Noch sind nicht alle deine Kräfte freigegeben, die Verbindung zu Regina steht noch. Wir werden jetzt nochmal etwas ausprobieren. Hab keine Angst, es ist wichtig, dass du die Verbindung nicht löst.“

Finn nickte. Er erlaubte sich nicht nachzudenken, dafür war später Zeit. Seine Schwester, seine beste Freundin Rina war eine Prinzessin. Sie war in Gefahr und es war seine Schuld, er hatte sie im Stich gelassen. Nicht nachdenken! Er musste sich konzentrieren. Er musste tun, was Tom, sein Vater, ihm sagte. Neria, das Einhorn stand mit gesenktem Kopf vor ihm. Sanft streichelte er ihm über das weiche Fell, die Mähne fühlte sie so unglaublich seidig an. Langsam näherten sich seine Finger dem Horn, wurden magisch angezogen. Er umfasste es und spürte die Energie fließen. Sein Vater stand hinter ihm, hielt ihn an den Schulter. Es gab ihm Kraft, dass er da war, als die Bilder kamen.

„Rina“, flüsterte er und wollte nach ihr greifen. Doch er konnte seine Hand nicht bewegen. Sie hielt weiterhin das Horn. Er wusste, er durfte es nicht loslassen. Das Einhorn war irgendwie in einer anderen Dimension. Dort saß Rina, er wollte zu ihr, konnte es aber nicht.

„Halte das Bild“ erklang Toms Stimme in seinem Kopf. In seinem Kopf? Nicht ablenken lassen. er konzentrierte sich auf Rina. Sie war in einem Gebäude, der Boden war steinern. Sie saß auf dem Boden in ihrem Lieblingskleid, welches schmutzig und zerrissen war. Sie sah unversehrt aus, aber es tat ihm weh, sie dort hocken zu sehen. Konzentriert prägte er sich jedes Detail ein bis die Verbindung brach.

„Hast du es gesehen“, fragte Tom. „Ich weiß, wo sie ist“, erwiderte Neria zufrieden. „Wenn ihr bereit seid können wir aufbrechen. Am besten wieder unsichtbar. Wenn ihr beide auf meinen Rücken steigt sind wir vor Anbruch der Nacht dort und können sie befreien.

„Wie? Wo ist sie? Und was ist mit den anderen?“ Neria schüttelte den Kopf. „Junge, du stellst eindeutig zu viele Fragen und die falschen Fragen. Steig auf und verhalte dich leise. Mit mir kannst du unsichtbar sein, aber hören kann man dich trotzdem.“

Widerwillig nahm er hinter Tom Platz und schon setzte sich das Einhorn in Bewegung. „Sorge dich nicht, mein Sohn“, erklang die Stimme wieder in seinem Kopf. „Gemeinsam werden wir sie befreien, doch das eigentliche Abenteuer wird erst danach beginnen. Prinzessin Rina ist die Tochter des Königs von Ludvijen, der Welt in der du aufgewachsen bist. Die Könige der beiden Welten sind Zwillingsbrüder, sie beide wurden als Säuglinge verflucht. Ihre Seelen wurden in diesem Fluch aneinander gebunden und neu aufgeteilt. So ist der eine zum Gegenstück des anderen geworden, vereint unser König von Juvneldi alle guten Eigenschaften der Zwillinge, so sind es bei seinem Bruder die schlechten.“ Nur schwer konnte Finn ein Aufstöhnen unterdrücken. Er wusste, dass der König ein übles Subjekt war, aber dass es so schlimm, um den Mann stand, dem er die Treue hatten schwören und dienen müssen, traf ihn hart. „Es gibt eine Möglichkeit, diesen Fluch zu brechen, denn jede mächtige Magie hat seine Hintertür. Sollte einer von beiden Nachkommen zeugen, so sollte es diesen gelingen, die Welten wieder zu vereinen. Leider gibt es bei uns einige, die genau das verhindern wollen. Für viele ist es nämlich gar nicht so schlecht hier. In Ludvijen ist das Leben dagegen hart für das Volk. Es tut mir wirklich leid, dass ich euch dorthin geschickt habe. Nur dort wart ihr sicher, denn die Feinde der Widervereinigung leben nur hier, die Gilde des Widerstandes. Nicht-menschliche Wesen, die ihre Freiheit lieben, die der gütige König ihnen gewährt. In seiner unendlichen Liebe zu allen Geschöpfen sieht er jedoch nicht, was sich am Rande seines Königreiches ereignet, welches Leid, die Feinde der Widervereinigung dort verursachen. Ich möchte dich nicht unnötig ängstigen, du hast sie vorhin gesehen. Sie sind auf der Suche nach uns, um uns an der Aufgabe zu hindern.“

Ganz sicher war Finn sich nicht, ob er all das verstand. Rina war wichtig und er musste dabei helfen sie zu retten. Dies war für ihn unumstößlich und an diesem Gedanken hielt er sich fest, egal welche unglaublichen Wahrheiten ihm sonst noch offenbart würden.

Sie kamen an einer kleinen Burg an. Wenn das der Ort war, an dem Rina festgehalten wurde, würden sie sie niemals befreien können. „Bleib ruhig“, ermahnte Tom ihn. Neria trabte locker zum Tor und wartete. Nicht einmal lange mussten sie warten, als es sich öffnete. Finn hielt den Atem an und duckte sich hinter Toms Rücken. „Sie können dich nicht sehen.“ Natürlich wusste Finn das, aber das Bedürfnis sich vor denen zu verstecken war zu groß. Entspannt schlich Neria durch das Tor, einfach unsichtbar an den Feinden vorbei. „Sie sind furchteinflößend, auch gefährlich im Nahkampf, aber sie können keine Magie wirken. Jetzt brauchen wir dich Junge. Neria konnte dank deiner Bilder diesen Ort erkennen. Nur du kannst uns jetzt den Weg weisen, höre in dich hinein und spüre, wo Regina sich aufhält.“ Finn tat wie geheißen. Er suchte Rina in seinen Gedanken, sah sie als kleines Mädchen, dann als junge hübsche Frau. „Wir brauchen die Gegenwart“, ermahnte ihn sein Vater. Konnte er seine Gedanken lesen? „Falls du dich fragst, ob ich deine Gedanken lese, das kann ich leider nicht, nur Neria, wenn du mit ihr über das Horn in Verbindung stehst. Was ich allerdings kann, ist in deinem verliebten Gesicht lesen.“ Augenblicklich lief Finn feuerrot an. Verliebt? Sie sprachen hier von seiner Schwester. Streng genommen seiner Ziehschwester, denn sie waren nicht blutsverwandet. Eine vertraute Stimme drang aus einem offenen Fenster. „Cassie!“ „Still!“, ermahnte ihn die väterliche Stimme im Kopf. Da du noch nicht in Gedanken kommunizieren kannst, nimm meine Hand, drücke einmal für ja, zweimal für nein. Verstanden?“ Finn drückte einmal und kam sich ein wenig albern vor. „Wer ist diese Cassie? Eines der Kinder, die bei der Alten gelebt haben?“ Finn drückte einmal. Neria trabte zum Fenster und sie blickten in den Raum. Es war eine Küche. Neben Cassie waren zwei weitere Mädchen anwesend. „Gehören sie auch zu euch?“ Finn drückte einmal.

Tom war zufrieden, sie hatten bereits drei der verschwunden Kinder gefunden. Es fehlten noch Rina und die drei Jungen. Er sah sich suchend um, aber es blieb ihnen keine Wahl, der Zeitpunkt war günstig. „Finn, du musst sichtbar werden. Steig ab, aber spring direkt durchs Fenster. Es bleibt keine Zeit für ein Wiedersehen. Sprich mit Cassie, finde heraus, wo die Jungen sind. Dann ermahne sie, weiter zu arbeiten. Kehre so schnell du kannst zurück.“

Finn verlor keine Zeit und sprang. Bei der Garde hatte er seine Fähigkeiten verbessert, war wendig und schnell. Es dauerte nicht lange, da war er auch schon wieder zurück, stieg auf Nerias Rücken, diesmal vorne, um noch beim Aufsteigen ihr Horn zu berühren. Sie fanden die drei vermissten Jungen tatsächlich in den Ställen, wie Cassie es ihm gesagt hatte. Unter einem Vorwand sollten sie sich zu den Mädchen in die Küche gesellen und dort warten, während sie Rina suchten.

Inzwischen konnte Finn sie spüren, im Keller des Turmes. Dorthin führte eine Wendeltreppe, die für Neria unmöglich zu überwinden war. So blieb das Einhorn vor dem Küchenfenster zurück und legte einen Schutzzauber über die verschwundenen Kinder, die bald wieder verschwinden würden.

Im Kerker fanden sie die weinende Rina auf dem Boden. Für Toms Magie war es kein Problem die Schlösser zu knacken. Schnell war Finn bei ihr, nahm sie in seine Arme und spürte die tiefe Verbundenheit zwischen ihnen. Jetzt wusste er, was ihm gefehlt hatte, wer ihm gefehlt hatte. Er war wieder vollständig. Unter Tränen streichelte Rina sein Gesicht. „Mein Finn. Du bist gekommen um mich zu retten. Oh Finn, wie ich dich liebe.“

Jetzt mussten sie nur noch alle aus dieser Burg entkommen und gemeinsam die Welten retten.

Kreatives aus dem Einhornteam

In der Drachenmond-Lesechallenge bin ich Mitglied im Team Einhorn. Auch wenn die Challenge namentlich im Zusammenhang mit dem Drachenmond Verlag steht und auch von diesem unterstützt wird, sind wir Leser und Blogger frei in dem, was wir lesen und welche Aktionen wir planen. Meine Einhornkolleginnen sind sehr gut mit anderen Autoren und Verlagen vernetzt.

Bereits zu Beginn der Challenge Anfang Mai sprachen wir darüber gemeinsam ein Buch zu lesen, dass unserem Teamnamen Ehre macht. Geeinigt haben wir uns auf die Anthologie „The U-Files, Die Einhorn Akten“ aus dem Talawah-Verlag. Aktuell läuft auf Facebook noch unsere Leserunde zu den 23 einzelnen Geschichten: Teil 1 und Teil 2.

Doch eine Leserunde war uns zu wenig, wir wollten gerne selbst kreativ werden.

Inspiriert von der gerade auslaufenden Team-Aktion in der wir ALLE ACHT zusammen an einer Geschichte schreiben, entstand ein neuer Plan, der netterweise von den Autoren der Anthologie unterstützt wird. Herzlichen Dank an die Teamkolleginnen mit den tollen Kontakten!

Aus vier Geschichten haben wir jeweils einen kurzen Textschnipsel erhalten. Bei zwei Geschichten sind es zwei geworden, Autoren sind nicht immer so entscheidungsfreudig.

Jede von uns hatte dieselben Textbausteine zur Verfügung und schrieb daraus eine eigene Geschichte. Hierbei galt, dass die Schnipsel unverändert eingebaut werden mussten. Bei den doppelten Schnipsel pro Autor durfte jeweils einer von beiden gewählt werden.

Wir sind schon sehr gespannt, wie unterschiedlich die einzelnen Texte geworden sind. Ab morgen gehen die Geschichten nach und nach online.

Daher möchte ich euch an dieser Stelle gerne das Einhornteam vorstellen:

Wir lesen inzwischen seit zwei Monaten zusammen, sind sehr verschieden, auch in unseren Leseinteressen, aber haben uns bisher sehr gut verstanden, was keine Selbstverständlichkeit in so einer eher zufällig zusammen gewürfelten Gruppe ist. Wir haben auch einen Teamleiterin, Bianca, die uns bei Fragen zur Seite steht und unsere fleißig erlesenen Kekse in ihrer Keksdose sammelt. Im Monat Mai waren wir übrigens das fleißigste Team von 8, auf die Auswertung von Juni warten wir noch gespannt.

Zum Abschluss verrate ich euch noch, wer die lieben Autoren sind, die für uns Schnipsel aus ihren Geschichten ausgewählt haben:

Jörg Fuchs AlamendaTanja HammerMatthias Ramtke und Valerie Gaber

Geschichten

Hier präsentiere ich euch stolz die fertigen Geschichten aus unserem Team:

Franzis Geschichte

Michaelas Geschichte

Nadjas Geschichte

Ilkas Geschichte

Nadja Zs. Geschichte

Julias Geschichte

Beccis Geschichte

und meine eigene Geschichte