Leben mit und im Internet

Das Internet muss weg ~ Schlecky Silberstein
Das Internet muss weg ~ Schlecky Silberstein

Das Internet ist für uns (= ich, die in dieses Internet rein schreibt + ihr, die mindestens in diesem Internet lest, sonst würdest du nicht diesen Text lesen) Alltag geworden. Das Internet ist Bestandteil unseres Lebens. Was genau tun wir hier eigentlich? Was machen wir mit dem Internet und was macht das Internet mit uns?

Fragen, die wir uns ab und zu stellen sollten. Gehen wir mit den Antworten bewusster um, ist das Teil der viel geforderten Medienkompetenz – nicht nur für Kinder, auch für Erwachsene!

Das Internet muss weg

So lautet der provokante Titel von Schlecky Silbersteins Buch. Ich habe dieses Buch unter anderem in der Schule vor dem Unterricht gelesen. Ein Schüler kam ganz entsetzt zu mir „Frau Braun das Internet muss nicht weg!“. Ich konnte ihn beruhigen, dass dies weder meine Absicht noch die des Autors sei. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht so viele Seiten gelesen, allerdings entnahm ich bereits dem Klappentext die folgende Information über den Autor:

Schlecky Silberstein, Blogger und Kultakteur in der Netzgemeinde, weiß, wovon er spricht.

Das Internet muss weg, Schlecky Silberstein

Kann so jemand tatsächlich fordern, dass das Internet weg muss? Ich war sicher: Nein.

Was will er dann?

Aufklären!

Und das tut er. In einem leicht lesbaren gut verständlichen und anschaulichen Rundumschlag durch viele Facetten des Internets.

Zu einem bewussten Umgang auffordern!

Wenn du verstanden hast, wie das Internet funktioniert, kannst du dein eigenes Verhalten besser nachvollziehen und steuern. Bis zu einem gewissen Grad, denn genau das ist der Punkt, dass viele Prozesse unbewusst ablaufen und zahlreiche Funktionen unser Belohnungssystem locken wollen. Dies zu kontrollieren ist unglaublich schwierig. Wäre dem nicht so, gäbe es keine Suchtproblematiken.

Was wir allerdings tun können, ist frei zu wählen, welchen Reizen und Mechanismen wir uns aussetzen wollen. Und wann wir das tun. Permanent oder zu bestimmten Tageszeiten?

Wenn wir verstanden haben, welchen Wert unsere persönlichen Daten haben, welches Interesse an diesen besteht, können wir mit diesen bewusster haushalten und entscheiden, welche Daten wir wem in welcher Form preisgeben.

Digitale Zukunft

Schlecky Silberstein befasst sich auch mit der Frage, wohin sich die Digitalisierung entwickelt und mit ihr unsere Gesellschaft. Was passiert mit unserem Arbeitsmarkt? Es steht außer Frage, dass er sich verändert!

Wie können und wollen wir als Gesellschaft damit umgehen? Welche Konsequenz hat das für die Ausbildung unserer Kinder? Wenn klassische Berufe wegfallen, welche bleiben, welche entstehen vielleicht neu oder fällt das traditionelle Erwerbsmodell komplett weg und das bedingungslose Grundeinkommen wird eingeführt?

Kann und wird unserer Wirtschaftssystem weiter funktionieren? Vieles ist inzwischen kostenfrei nutzbar, ohne monetäre Bezahlung. Bezahlt wird mit Daten und im Gegenzug erhalten wir gezielte Werbung. Doch dieses Prinzip kann nur funktionieren, so lange es noch eine monetäre Kaufkraft gibt, Produkte gekauft und Werbung bezahlt wird.

Klare Leseempfehlung!

Schlecky Silberstein beschreibt das Jetzt und gibt Denkanstöße für die Zukunft. Das Internet geht nicht mehr weg, es entwickelt sich weiter, verändert sich. Ob es besser oder schlimmer wird, können wir nicht eindeutig vorhersagen. Mit dem, was wir jetzt haben, müssen wir umgehen. Wir können uns dem Internet verweigern, theoretisch – du und ich können es offensichtlich nicht, denn wir sind hier.

Lasst uns die grundlegenden Prinzipien verstehen und besser damit umgehen lernen. Dabei kann dieses Buch sehr hilfreich sein, auch wenn es bereits 2017 geschrieben wurde.

Lasst uns diskutieren und mitbestimmen wie sich unsere digitale Gesellschaft entwickeln soll.


Das Buch wurde mir über das Bloggerportal von RandomHouse zur Verfügung gestellt.

Das Internet muss weg
Schlecky Silberstein
Knaus, 2018
ISBN:978-3-8135-0794-2

Overworld – Mehr als ein Game

„Overworld“ von Dan Wells ist der zweite Band der „Mirador“-Reihe. Das wusste ich nicht, hatte auch erst sehr spät beim Lesen den Verdacht, es könnte eine Vorgeschichte geben. Es war kein Problem dieses Buch unabhängig zu lesen.

Overworld - Dan Wells

Overworld – Dan Wells

Entscheide dich für dein Leben

Die Zukunft sieht übel aus. Die Umwelt ist nahezu zerstört, die Technologie weiter entwickelt. Menschen tragen Djinnis, Implantate, die ihnen eine permanente Vernetzung ermöglichen.

Die Verbindung mit dem Internet ist ein menschliches Grundbedürfnis, denn das ist unsere Art zu kommunizieren.

Sieht so unsere Zukunft aus? Digital vernetzt und wer in Gebieten mit schlechter Internetverbindung lebt, ist benachteiligt? 2050 gilt das Internet als überlebensnotwendig. Oder ist es das heute schon?

Man schrieb das Jahr 2050. Den Einwohnern von Los Angeles stand eine fast grenzenlos leistungsfährige Technologie zur Verfügung, und trotzdem kämpften die meisten ums überleben.

Marisa sorgt sich, ihre Familie könnte ihr Zuhause und das Restaurant verlieren. Würde sie mit ihrem Team das Overworld-Turnier gewinnen, könnte sie ihre Familie vielleicht retten. Doch es geht um so viel mehr, als ein Turnier. Es geht auch darum, wer du sein willst, darum, dass du dein eigenes Leben selbst in die Hand nehmen musst.

„Die ganze Welt ist eigentlich nur eine Ansammlung von Einsen und Nullen,“ […]
Einsen und Nullen.
Menschen, die etwas bewirken, und andere, die keinen Einfluss hatten.

Ein interessantes Bild, wenn auch stark schwarz-weiß. Doch manchmal verstärkt schwarz-weiß-Malerei einen Effekt, so lange man nicht im komplementären Denken verhaftet bleibt. In dieser Szene denkt Marissa über eine tiefgreifende Entscheidung nach und teilt ihre Gedanken mir der kleinen Schwester Pati, die damit noch nicht viel anfangen kann und ihre Schwester für betrunken hält.

Nein, du kannst dich nicht nur entscheiden, sondern du musst dich entscheiden. Wenn du dich nicht entscheidest, dann entscheidet die Welt für dich. Und sie entscheidet sich immer für die Null.

Das sind für mich starke Worte, ein Zitat für alle, die sich selbst im Wege stehen, sich nicht trauen anzufangen. Abwarten und noch nicht handeln. Wenn du dich nicht entscheidest zu handeln, dann passiert gar nichts. Das Leben entscheidet für dich. Ich kenne das zu gut.

Wach auf, sei mutig und geh deinen Weg. Entscheide dich, denn deine Entscheidung ist wahrscheinlich nicht so schwerwiegend wie die von Marisa.

Mehr als nur ein Spiel

Overworld ist das weltweit beliebteste Virtual-Reality-Spiel. Einige Spieler und Spielerinnen sind berühmt. Über Vidcasts kann man diesen Stars beim Spielen und im Alltag zusehen. Sie fokussieren sich auf das nächste Spiel, den nächsten Sieg.

Was erwartest du denn dann vom Leben? […] Du verwendest so viel Energie darauf, alle diesen kleinen Systeme zu beherrschen, aber … wohin führt dich das letzten Endes?

Diese Frage stellt Marisa Sahara, ihre Freundin, ebenfalls Spielerin im selben Team. Im Rahmen des Turniers treffen die vier jungen Frauen zum ersten Mal aufeinander. Nur Marisa und Sahara kannten sich bislang persönlich. Anja und Jaya reisen nach Los Angeles, um live am Turnier teilnehmen zu können. Sie teilen ihre Leidenschaft für das Spiel, ansonsten sind sie völlig verschieden. Dies gibt viel Stoff für interessante Interaktionen. Doch gemeinsam sind sie ein starkes Team und das müssen sie auch sein.

Marisa und ihr Team entdecken bald, dass es beim Overworld-Turnier um viel mehr geht, als ein Spiel zu gewinnen. Es geht um Macht und Korruption. Die Mädchen begeben sich in große Gefahr. Während sie parallel versuchen das Turnier zu gewinnen und das Geheimnis dahinter zu lüften, werde sie zu wahren Heldinnen.

Fazit

In der wirklich spannenden Geschichte stecken so viele wertvolle Details. Schnell war ich von der Handlung gefangen und konnte das Buch kaum auf Seite legen.

Gleichberechtigung aller „unabhängig vom Geschlecht, der Nationalität oder anderen Faktoren“. Dies wurde möglich, nachdem eine Frau mit ihrem Team die Weltmeisterschaft gewann. Es geht um die  Macht der Großunternehmen, der Technik und das Maß an Eigenverantwortung, welches wir selbst für uns übernehmen müssen. Es wird eine realitätsnahe Zukunft gezeichnet, bei der die Grenzen zwischen SciFi und bereits eingetretener Realität verschwimmen. Wie viel Macht haben Großkonzerne bereits über uns?

Eine klare Leseempfehlung, nicht nur für Gamer, sondern für alle, die sich Gedanken um unsere Zukunft machen.


Das Buch wurde mir vom Verlag über NetGalley zur Verfügung gestellt.

Overworld (Mirador Teil 2)
Dann Wells
Übersetzt von Jürgen Langowski
Piper
ISBN 978-3-492-28022-8
Erscheinungsdatum: 1.12.2017