Wenn eine Protagonistin sich langweilt

Secret Elements ~ Johanna Danninger

Secret Elements ~ Johanna Danninger

Secret Elements

Ein Waisenkind erhält ein magisches Amulett und wird in die Anderswelt gebracht …

Das wäre die Kurzfassung, um die Handlung zu beschreiben. Jay wurde von ihrer Mutter in der Babyklappe abgegeben und wuchs im Waisenhaus auf. Trotz strenger Regeln findet sie ihren Weg und lebt ihre eigene Freiheit, nachts, in Bars. Mit ihrer magersüchtigen Zimmernachbarin versteht sie sich nicht besonders gut. Die beiden haben sich arrangiert und gehen sich möglichst aus dem Weg. Als ihr eine geheimnisvolle Frau eines Tages ein Amulett schenkt, ändert sich ihr Leben. Die Kette lässt sich nicht mehr abnehmen … und dann wird sie auch noch quasi in eine andere Welt entführt.

In der Anderswelt wird sie nicht schlecht behandelt, aber jeglicher Freiheit beraubt, zu ihrem eigenen Schutz darf sie das Gelände nicht verlassen. Auch hier darf niemand erfahren, dass sie das Amulett trägt. Antworten bekommt sie auch kaum …

Es stecken einige gute Ideen in der Geschichte, mystische Verwebungen, Geheimnisse und doch überwiegt die Langeweile, die Jay empfindet und die fühle ich mit ihr.

Fazit

Der Anfang der Geschichte hat mir gefallen. Es war typisch Urban-Fantasy mit einer Protagonistin, deren Leben sich auf den Kopf stellt, als sie ein magisches Amulett erhält. Dabei war die Geschichte auch nicht klischeehaft abgegriffen. Als sie allerdings in die Anderswelt gebracht wird, verliert die Geschichte mich. Es sind zwar gute Ideen mit dabei, aber die Umsetzung langweilt mich. Die Protagonistin langweilt sich ebenfalls, daher nicht verwunderlich. Einzig die Szene am See mit der Meerjungfrau hat mir noch mal gut gefallen. Die aufkeimende Liebesgeschichte nervt mich leider, denn die ist klischeehaft, nach dem Muster, dass er arrogant ist und sie sich zunächst nicht leider können, dann aber näher kommen.

Ich werde die Reihe, die in vier Bänden geplant ist, nicht weiter verfolgen.


Das Buch wurde mir von Carlsen über NetGalley zur Verfügung gestellt.

Secret Elements – Im dunklen See (Link zur Verlagseite mit Leseprobe)
Johanna Danniger
Impress, Carlsen
ISBN: 978-3-551-31722-3

Wenn Du alles verlierst … (Nacht der fallenden Sterne)

Die Nacht der fallenden Sterne - Jennifer Alice Jager

Die Nacht der fallenden Sterne – Jennifer Alice Jager

So sehr das Titelbild von Jennifer Alice Jagers Roman „Die Nacht der fallenden Sterne“ auch glitzert, so düster ist die Geschichte. Zu schade, dass es aktuell nur als E-Book verfügbar ist, so schön ist das Cover.

Lunas Verlust

Zu Beginn der Geschichte lebt Luna im Palast, ihre beste Freundin ist ihre Dienerin, der sie zu helfen versucht. Denn das einfach Volk leidet Armut, während es im Palast reichlich Nahrung, Kleidung und anderes gibt. Doch schon bald darauf wird ihr Vater, der Herrscher gestürzt und Luna verliert alles: ihre Familie, ihr Zuhause, ihre Sicherheit. Sie muss fliehen …

Dies ist das erste, aber nicht letzte Mal, dass sie Verluste erleidet, aber ich will nicht zu viel verraten. Jennifer ist nicht zimperlich darin, was sie ihren Figuren zumutet. Bereits nach den ersten vier Kapitel stellte ich ihr die Frage, wie es ihr selbst beim Schreiben ging, während sie Lunas Schicksal besiegelte.

Ich leide natürlich mit meinen Protas und in dieser Story war es besonders hart, weil ich einfach nicht wusste, ob das ein gutes Ende nehmen kann… 

Wenn selbst die Autorin es nicht weiß …

Wenn Sterne zersplittern

Wir alle erleben Krisen, Verluste und Rückschläge. Wenn all das, was negativ auf uns hereinbricht zu viel wird, drohen wir daran zu zerbrechen.

Jennifer Alice Jager hat wundervolle Bilder für das „Zerbrechen“ in ihrer Geschichte. Es ist eine Fantasy-Geschichte, was ihr märchenhafte Möglichkeitet bietet. Eine Stelle hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Das Zitat habe ich bereits auf meiner Facebookseite gepostet, um eine Diskussion anzuregen, leider erfolglos.

„Egal, wie stark jemand sein kann, jeder zerbricht, wenn er zu viel zu tragen hat. Und die wenigsten merken, wie sich die Risse langsam durch ihre eigene Seele ziehen, bis man nur noch aus Scherben besteht. Gerade die Menschen, die stark wirken, sind in Wahrheit oft nur ein Scherbenhaufen, versteckt hinter einer Maske, die sie selbst für ihr wahres Ich halten.“

Ist das die bittere Wahrheit?

Ich fürchte, es trifft auf sehr viele zu, aber ich glaube auch daran, dass es wirklich starke Menschen gibt, die viel erlebt haben, gestärkt daraus hervorgegangen sind und mit sich selbst im Reinen in ihrem Kern ein Diamant sind, geschliffen von den Erfahrungen, anstatt tiefe Risse zu bekommen und zu zerbrechen.

Ob Scherbenhaufen oder Diamant hängt auch von den Menschen um uns herum ab, also achtet auf einander, gemeinsam sind wir stärker!

Das Zitat steht etwa mittig im Buch, ob Luna nach all den Verlusten zerbricht oder dadurch stärker wird, zeigt sich im Laufe der Geschichte.

Die Splitter zusammenhalten

In der Psychologie spielen die Ressourcen eines Menschen eine wichtige Rolle. Was sind die Stärken des Betroffenen und wen gibt es im direkten Umfeld, der unterstützen kann, praktisch entlasten oder emotional stärken? Diese gilt es zu fördern und in der aktuellen Krise einzusetzen.

Das Böse

Es geht nicht nur um das Zerbrechen in der Geschichte, noch stärker im Vordergrund, da auch eng verbunden mit dem Zerbrechen, steht die Thematik um „das Böse“. Jennifer Alice Jager gibt dem Bösen viele Gesichter und verschiedene Farben. Viele ihrer Figuren scheinen auf den ersten Blick „die Bösen“ zu sein, während Luna versucht den guten Weg zu finden. Es gelingt der Autorin besonders bei einem Charakter deutlich zu machen, wie er zu dem wurde, was er ist. In der Leserunde merkte ich, wie er den anderen sehr schnell sympathisch wurde, während ich noch skeptisch war und mit dem „Bad Boy“ Klischee haderte, von dem ich aktuell ein wenig genervt bin.

Jennifer zeigt uns auf jeden Fall, wie wichtig es ist, nicht vorschnell zu urteilen. Wie sehr es sich lohnt, sich die ganze Geschichte eines Menschen anzuhören, um ihn zu verstehen. Ich war während des Lesens sehr gespannt, ob ich auch irgendwann Verständnis für „den Feind“ haben würde …

Eine ganz besondere Konstellation von Gut gegen Böse hat sie in der Figur Raven geschaffen. Raven ist kein Mensch, sondern ein Diener der Mondkönigin. Die Geschichte der Mondkönigin will ich euch nicht verraten, sie ist zentral für die Geschichte. Entscheidend ist, dass die Einstellungen von Lund und Raven zueinander, geprägt von ihrem vermeintlichen Wissen übereinander, negativ ist. Die anderen sind die Bösen … Doch warum ist das so? Erneut gilt es, Geschichten zu erzählen und zu verstehen. Es geht hier nicht nur um Individuen, sondern um ganz unterschiedliche Lebewesen, die voneinander denken, die anderen seien schlecht, Raven hält die Menschen sogar für wertlos.

Lesevergnügen

Es steckt viel wunderbares in der Geschichte, doch von Lesevergnügen zu sprechen fällt mir schwer. Die Geschichte ist düster, auch wenn das Cover so wundervoll glitzert. Luna widerfährt wenig Gutes. Sie muss viel aushalten und die Leser mit ihr. Gelesen habe ich dies allerdings deutlich distanzierter als die anderen Geschichten von Jennifer Alice Jager. Ihr Schreibstil ist nach wie vor leicht und phantasievoll, vielleicht habe ich die Distanz auch selbst gewählt und mich nicht auf das Leid eingelassen, das kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Andere in der Leserunde litten mit Luna mit und haben die Geschichte mit großer Spannung verfolgt, während ich für meine Verhältnisse langsam gelesen habe, mir allerdings auch sehr viele Gedanken gemacht habe. Ich hätte das ein oder andere gerne ein wenig anders gehabt, mir etwas mehr Hoffnung gewünscht, weniger Enttäuschung und Grausamkeit, aber genau das macht diese Geschichte aus und anders hätte sie nicht funktioniert, schließlich geht es um das Zerbrechen, um Hoffnung, Vertrauen und Liebe.

Fazit

„Die Nacht der fallenden Sterne“ liest sich wie ein düsteres Märchen. Wenn du solche Geschichten magst, wird dir diese bestimmt gefallen. Jennifer Alice Jager schreibt wirklich wunderbar!

Inzwischen habe ich schon mehrere Bücher von ihr gelesen:


Das Buch wurde mir über die Autorin vom Verlag für die Leserunde auf Facebook zur Verfügung gestellt.

Die Nacht der fallenden Sterne
Jennifer Alice Jager
Impress, Carlsen
ISBN 978-3-646-60414-6

Wenn Aliens auf die Erde kämen …

Starfall - So nah wie die Unendlichkeit - Jennifer Wolf

Starfall – So nah wie die Unendlichkeit – Jennifer Wolf

… ein häufiges Science Fiction Motiv.

Was wäre dann?

Wie würden sie uns begegnen und wie würden wir Menschen reagieren?

In vielen Geschichten und auch Verschwörungstheorien versuchen die Behörden den Rest der Menschheit vor der Wahrheit zu schützen. Bei den „Men in Black“ gibt es sogar das kleine handliche Gerät das „Blitzdingsbums“ mit dem menschliche Erinnerungen manipuliert werden, damit sie die Begegnung mit den Aliens vergessen.

Wie wären die Aliens? Wären sie völlig anders als wir oder uns ähnliche Humanoide?

Zahlreiche Fragen, viele Spielvarianten sind möglich.

Jennifer Wolf hat sich für eine interessante Variante in ihrem Roman „Starfall“ entschieden:

Ihre Aliens sind Humanoide und die Behörden verheimlichen ihre Ankunft nicht.

Ganz kurz müssen wir daher auf das Vorwort eingehen. Die Geschichte spielt nämlich in Washington D.C., die Gestaltung der Stadt unterliegt dabei gewissen künstlerischen Freiheiten. Was allerdings entscheidender ist, die Autorin Jennifer Wolf entschuldigt sich bei den Amerikanern und Amerika-Liebhabern, dass sie dem Land einen neuen Präsidenten gegeben hat:

Herr Trump hätte die Aliens wahrscheinlich kurz nach der Landung abschlachten lassen oder nach Mexico, hinter seine Mauer, geschickt.

Dank der fiktiven Präsidentin hat das Buch nun mehr als ein Kapitel.

Ab dem heutigen Tag sind wir nicht mehr Amerikaner, Europäer, Asiaten … Nein, wir sind Menschen. Egal was die Ankunft dieser Wesen zu bedeuten hat, DAS sollten wir immer im Kopf behalten. Wir. Sind. Menschen. Und wir dürfen unsere Menschlichkeit in der kommenden Zeit unter keinen Umständen verlieren. (Fernsehansprache der Präsidentin am Tag des Absturzes)

Starfall

Das Alien-Raumschiff stürzt auf die Erde, dabei kommt es leider zu Stromausfällen, Verletzten und es herrscht erst einmal Panik unter den Menschen. Bei diesem Absturz wird auch Melodys Bruder Felix verletzt. Ihre Mutter arbeitet im Militärkrankenhaus in das sowohl Felix, als auch die Aliens gebracht werden.

Melodys erste Reaktion ist völlig menschlich, sie macht die Aliens dafür verantwortlich, dass ihr Halbbruder im Koma liegt. Ihre Sorge gilt dem geliebten Menschen und all ihre negativen Gefühle projiziert sie auf die Aliens. Ihre Mutter dagegen reagiert völlig anders. Sie ist nicht Felix leibliche Mutter, hat ihn nach dem frühen Tod seiner Mutter aufgezogen, obwohl ihr Mann sie in der Schwangerschaft betrogen hatte. Daher ist ihre Beziehung zu dem Jungen weniger emotional, sie empfindet keinen Hass für die Aliens, sondern Neugier.

Die Angst in deinem Herzen kommt nicht von Neven, Liebling. Sie kommt durch seine Fremdartigkeit. Etwas, das Menschen schon immer gefürchtet haben: Dinge, die sie nicht verstehen.

Melody und ihre Mutter nehmen den Alien Neven bei sich auf. Er reagiert positiv auf das junge Mädchen und ist bereit von ihr die menschliche Sprache zu lernen.

Flüchtlinge

Die Aliens haben viel durchgemacht, sind ausgehungert und ihre Körper zeigen zahlreiche Verletzungen. Sie sind ganz offensichtlich Flüchtlinge, die auf der Erde gestrandet sind. Je näher die Menschen sie kennen lernen, desto deutlicher wird, dass der anfängliche Verdacht stimmt. Die Aliens waren Sklaven gewesen und sind schwer traumatisiert.

Ähnlich ergeht es Flüchtlingen, die bei uns ankommen. Sie kommen aus Kriegsgebieten oder aus Gebieten in denen sie schlimmes erlebt haben. Sie haben einen beschwerlichen Weg hinter sich und hoffen darauf, bei uns ein neues Leben beginnen zu dürfen. Viele von ihnen sind ebenfalls traumatisiert. Die meisten sprechen weder unsere Sprache, noch verstehen sie unsere Kultur, wie die Aliens in „Starfall“. Häufig begegnen sie bei uns Angst, Misstrauen und Feindseligkeit …

Es gibt viele Parallelen zwischen den Aliens und den menschlichen Flüchtlingen. Es gibt viele Probleme beim Kennenlernen und der Integration, aber es gibt in beiden Fällen nur einen Weg, der zu einer wirklichen Akzeptanz der Ankommenden in der Gesellschaft führt:

Offenheit auf beiden Seiten.

Die Bereitschaft aufeinander zu zu gehen, miteinander zu kommunizieren und einander zu verstehen.

Daher finde ich es schön, dass die Geschichte von Jennifer Wolf die negativen Gefühle, die Angst und die Vorwürfe ernst nimmt und zeigt, wie die Angst besiegt werden kann.

Doch diesen blinden Hass ohne Hintergrundwissen haben die Flüchtlinge nicht verdient.

Fazit

Eine lesenswerte Science Fiction Geschichte, die eigentlich gar nicht in der Zukunft spielt, sondern im Hier und Jetzt.

Eine Geschichte über Aliens, Flüchtlinge und unsere Erde.

Die Geschichte zeigt auch, wie bereichernd es sein kann, sich anderen Kulturen gegenüber zu öffnen und von ihnen zu lernen, egal, ob die Wesen von einem anderen Stern oder nur aus einem anderen Teil der Welt kommen.

Liebe ist immer noch der mächtigste Katalysator auf dieser Erde und wenn ich mir unsere Gäste so ansehe, bin ich sehr dankbar dafür.


Das Buch wurde mir von Carlsen über NetGalley zur Verfügung gestellt.

Starfall – So nah wie die Unendlichkeit
Jennifer Wolf
Carlsen Impress
ISBN: 978-3-646-60325-5

Dust (Elite 4) Romantisches Finale einer Dystopie

Bisher war meine Meinung zur Elite-Reihe ja sehr gespalten, jetzt habe ich den vierten und letzten Teil der Reihe gelesen.

Hier geht es zu den vorherigen Beiträgen: Spark (Elite 1); Fire (Elite 2) und Blaze (Elite 3).

Dust (Elite 4) – Vivien Summer

Im Hintergrund der Elite-Reihe stehen Genexperimente und ein Krieg. Im Vordergrund steht eine Liebesgeschichte, die Geschichte von Malia und Chris.

Chris ist ein Frauenheld auf den sich Malia besser nicht einlassen sollte, das wissen wir seit dem ersten Band.

Sollte sie doch oder sollte sie sich gegen ihre Gefühle wehren?

Es ist unklar mit wie vielen Frauen Chris bisher geschlafen hat, sollte Malia ebenfalls mit ihm das Bett teilen? Wäre sie dann eine weitere seiner Betthäschen? Zentrale Frage der Geschichte.

Da wird doch die Frage, wie sie den Krieg beenden können, beinahe nebensächlich. Doch auch hier spielt Malia eine zentrale Rolle, Chris als Anführer der Rebellen sowieso.

Zitieren wir an dieser Stelle Theo:

Falls ich dich daran erinnern darf, verehrter Anführer, warst du derjenige, der die Welt verändern wollte. Ich wusste ja nicht, dass du deswegen gleich zum hormongesteuerten Schwachkopf mutierst.

Im Gegensatz zum letzten Band wird Malia jetzt endlich etwas selbstständiger, trifft eigene Entscheidungen und scheint endlich ihren Weg zu finden. Das freut mich!

Auch wenn mir Chris noch immer unsympathisch ist und auch Malia in der Realität schlechte Chancen hätte, meine Freundin zu werden, kann ich beide inzwischen besser verstehen, mögen muss ich sie nicht.

Das Beste am vierten Band der Elite-Reihe: Es bleiben keine Fragen offen!


Das E-Book wurde mir freundlicherweise vom Carlsen-Verlag über Netgalley zur Verfügung gestellt.

Dust – Die Elite 4

Vivien Summer
Impress, 2017
ISBN: 978-3-646-60340-8

Neuauflage einer starken Figur meiner Kindheit

rinzessin Fantaghiro Im Bann des weißen Waldes - Jennifer Alice Jager

Prinzessin Fantaghiro Im Bann des weißen Waldes – Jennifer Alice Jager

Kindheitserinnerungen

Die Fantaghiro-Filme habe ich als Kind mal gesehen, ist schon ewig her und die Erinnerungen sind sehr verschwommen.

Ich weiß nicht mehr viel, nur, dass sie mir sehr gut gefallen hatten und ich sehnsüchtig auf eine Wiederholung gewartet hatte. Die Grausamkeiten der damaligen Zeit vor Netflix und Co …

Fantaghiro schnitt sich die Haare kurz, etwas, dass ich auch heute nicht freiwillig tun würde. Schließlich verkleidete sich die Prinzessin als Mann und bewies, dass sie auch stark sein konnte … Sie war eine starke Figur meiner Kindheit, längst vergessen, bis Jennifer Alice Jäger auf Facebook verkündete, sie würde eine Neuauflage des Märchens schreiben.

Ich wusste nicht einmal, dass die Filme eine Märchengrundlage hatten. Es ist laut verschiedener Quellen im Netz ein italienisches Märchen.

Fantaghiro

Während ich die Anfänge des neuen Romans von Jennifer Alice Jager las, kamen einzelne Erinnerungen an den Film wieder. Allerdings nicht nur richtige, wie sich herausstellte. Ich habe das Buch im Rahmen einer Facebook-Leserunde gelesen und musste mich dann doch korrigieren lassen. Denn ich erinnere mich tatsächlich verschwommen an einen Überfall, den es wohl nie gegeben hat …

Doch schnell ließ ich die Filme hinter mir und tauchte in die neue Märchenwelt ein. Geboten wurden mir lebendige Figuren, eine starke Frau, die sich von ihrem Vater nicht zur braven Prinzessin erziehen lässt und stattdessen durch die Weißen Wälder streift.

Sie wird zur Kämpferin und Retterin des Königreiches, ganz wie es sich für ein Märchen gehört. Doch es gibt nicht nur eine tapfere Heldin, auch eine Liebesgeschichte, romantisch, amüsant und dramatisch zugleich. Ganz wie es Jennifer Alice Jagers Art zu sein scheint, wirbelt sie alles kräftig durcheinander und würzt die Spannung mit einer ordentlichen Prise Humor. Mir gefällt das!

In diesem Märchen stecken Themen, die längst selbstverständlich sein sollten:

Das Geschlecht spielt keine Rolle, sondern die Persönlichkeit.

Die Liebe fällt wohin sie will, unabhängig vom Geschlecht des anderen oder der gesellschaftlichen Stellung.

Fazit

Eine gefühlvolle Neuauflage eines wunderschönen Märchens.

Tiefsinnig und unterhaltsam zugleich. Eine Geschichte fürs Herz, ohne all zu kitschig zu sein.

Danke liebe Jennifer für diese herzliche, märchenhafte Adaption.


Das Buch wurde mir über die Autorin vom Verlag für die Leserunde auf Facebook zur Verfügung gestellt.

Prinzessin Fantaghiro – Im Bann der weißen Wälder
Jennifer Alice Jager
Impress, Carlsen
ISBN 978-3-646-60342-2
Erscheinungstermin: Dezember 2017