Hilfe annehmen – Trauerreise

Erinnerungen an die von mir besuchten Trauerseminare

Trauerseminar oder Trauerreise

Nach Trauerbegleiter und Trauercafe sind wir jetzt beim dritten Teil der Reihe ´Hilfe annehmen´. Ich sage euch schon hier: Das Beste kommt zum Schluss. Heute wird es dann auch wieder sehr persönlich, ich erzähle euch von meinen beiden Reisen.

Doch bevor ich euch hiervon vorschwärme, müsst ihr euch noch einen Moment gedulden. Zunächst möchte ich die eventuell aufkommende Irritation bei dem Begriff „Seminar“ ausräumen. Zumindest hatte mich das irritiert, fand ich das etwas hochtrabend. Doch letztendlich geht es um ein Seminar, geht es darum erfolgreiches Trauern zu lernen.

Bei der Trauerreise geht es zunächst darum mit ebenfalls Trauernden unterwegs zu sein, doch in den meisten Fällen finden auch da Programmpunkte im Sinne eines Seminars statt und das Trauerseminar ist natürlich auch irgendwo eine Reise. Der Schwerpunkt ist vielleicht unterschiedlich, aber beide haben das gleiche Ziel: dem Trauernden durch eine schwere Zeit zu helfen.

Was ist zu berücksichtigen

Bei den meisten Reisen ist Voraussetzung, dass der Todesfall mindestens drei Monate her ist und ich glaube das ist auch gut so.

Man sollte vorher Kontakt zu der Leitung aufnehmen, um zu sehen ob die Chemie stimmt und natürlich muss auch der Ort zu einem passen, damit man sich da wohl fühlen kann.

Natürlich kostet so ein Trauerseminar Geld, die Preise sind unterschiedlich, liegen in etwa zwischen 600 und 800 Euro, manchmal auch noch höher. Meist ist darin die Vollverpflegung jedoch keine Anreise enthalten. Das bedeutet, man muss überlegen, ob man sich die Anreise zutraut, ob es jemanden gibt, der einen hinbringen kann oder ob die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich ist.

Falls deine finanziellen Möglichkeiten beschränkt sind und du deshalb zurückzuckst, finde ich es durchaus passend, wenn man dafür z.B. das Geld, das man über die Trauerkarten bekommen hat, verwendet.
Die zweite Trauerreise habe ich über eine kirchliche Organisation gebucht und da stand ausdrücklich auf der Webseite, dass im Bedarfsfalle auch Ermäßigungen gewährt werden können.

Die Gruppengröße liegt meist bei zehn bis zwölf Personen. Ich war irgendwie davon ausgegangen, dass an sowas nur Frauen teilnehmen würden, doch dem ist nicht so.

Bedenken sollte man auch, dass man nach erfüllten Tagen dann wieder zurück kommt in seine leere Wohnung und das oft an einem Freitag, so dass dann das ohnehin immer etwas schwierige Wochenende vor einem liegt. Vielleicht bietet sich eine Verlängerung an oder du kannst für das Wochenende noch Treffen mit der Familie oder Freunden verabreden. Wenn man die Tage entspannt ausklingen lässt, hat man natürlich noch mehr davon.

Wie bin ich zum Trauerseminar gekommen?

Wie so oft in meinem Leben durch Fügung. Im Oktober 2020, vier Monate nach dem Tod meines Mannes stand mein 60. Geburtstag an. Ein Geburtstag, den ich nicht feiern wollte, vor dem fliehen wollte und so habe ich nach Möglichkeiten gesucht. Nach einem „normalen“ Urlaub war mir aber auch so garnicht und so habe ich nach Trauerreisen recheriert und es wurde tatsächlich genau über den Tag ein Trauerkurs von Gisela Scharf in der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim mit dem Titel: „Lichtblicke in Zeiten der Trauer“ angeboten. Bingo! Fand ich perfekt. Fünf Tage von Montag bis Freitag, mein Geburtstag mitten drin und von da aus lag Bonn, wo meine Tochter mit Familie wohnt, auf dem Weg nach Hause. Leider fand dann coronabedingt diese Reise nicht statt.

Doch der Gedanke fünf Tage mit anderen Trauernden zu verbringen, einfach mal rauszukommen, hat mich nicht los gelassen. So bin ich auf Simone Osteroth gestossen, die von Montag 28. Sep 2020 – Freitag 2. Okt 2020 ein Seminar im Kloster Maria Laach angeboten hat. Puuh Maria Laach … In der Nähe im Schloss-Hotel Mayen habe ich meinen Mann kennen gelernt, in Maria Laach sind wir gemeinsam gewesen und trotzdem oder gerade deshalb fühlte sich das gut an und so habe ich dieses Seminar gebucht.

Mein erstes Seminar

Mit mulmigen Gefühl habe ich mich auf den Weg gemacht, aber es hat sich so gelohnt. Simone ist einfach wunderbar. Soviel Wertschätzung wie sie jedem Einzelnen entgegen gebracht hat. Das hat soviel Kraft gegeben.

Maria Laach als Ort für ein Trauerseminar absolut perfekt. Die Gruppe stimmte, das Essen war gut. Es gab viel gemeinsame Zeit, aber es gab auch die Möglichkeiten des Rückzugs. An den Abenden haben sich immer nur Einzelne zusammen gefunden, jeder hat hier mal seine Ruhe und Zeit für sich gebraucht und bekommen.

Es war wunderbar sich mal fünf Tage um nichts kümmern zu müssen, durch das Weinen auch wieder zum Lachen zu finden, die wunderbare Umgebung des Klosters geniessen zu können.

Das Seminar selber hat mir sehr geholfen, mir Vieles bewusst gemacht, und die Übungen (eine Übung habe ich euch ja vorgestellt) haben so einiges geklärt. Der Austausch untereinander war zu jeder Zeit wertschätzend, offen und ehrlich und bis heute habe ich noch einige Kontakte. Eine Teilnehmerin habe ich sogar noch mehrmals persönlich getroffen und wir haben das zweite Seminar gemeinsam besucht.

Gerne hätte ich spontan auch noch das Wochenende dort verbracht, aber mein Zimmer war leider schon wieder vergeben.

Ich bin gestärkt nach Hause zurückgekehrt und heute noch sehr dankbar für diese Erfahrung.

Mein zweites Seminar

Ein steiniger Weg dahin

Durch meine Anfrage bei Gisela Scharf sind wir miteinander in Kontakt geblieben und sie hat mich als Trauerbegleiterin betreut. Für April 2021 bot sie dann eine Woche für Trauernde auf der Insel Baltrum an und ja, das wollte ich. Eine Reise nicht nur mit dem Thema Trauer sondern auch begleitet von einer Entspannungspädagogin, das klang wunderbar. Als sich eine Bekannte aus dem Seminar in Maria Laach auch da angemeldet hatte, haben wir eine Verlängerung geplant, damit sich die Anfahrt lohnte und wir entspannter anreisen konnten. Wir hatten für ein paar Tage eine schöne Ferienwohnung gemietet und uns schon sehr auf die gemeinsame Zeit gefreut. Leider machte auch hier Corona uns wieder einen Strich durch die Rechnung.

Als Ersatz gab es dann ein Seminar im August in der Abtei vom Hl. Kreuz in Herstelle, Beverungen. Hmm, halt nicht das Meer, aber na gut, an der Weser sollte es ja auch schön sein. Also haben wir Beide auch das gebucht incl. einer Verlängerung über das anschließende Wochenende.

Mein Wochenende allein

Kurz vorher habe ich dann festgestellt, dass die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln dahin doch etwas stressig war. Im Kloster war leider für das Wochenende davor kein Zimmer mehr frei und so habe ich mir ein Hotel gesucht und ganz spontan gebucht. Dieses Hotel kann ich übrigens sehr empfehlen!

Danach kam dann Panik. Was hatte ich getan??? War ich doch noch nie alleine unterwegs gewesen, noch nicht einmal alleine in ein Restaurant zum Essen gegangen. Wie sollte ich das schaffen und das auch noch an unserem 40. Hochzeitstag???? Am liebsten hätte ich alles storniert – hätte ich vielleicht auch gemacht, wenn wir das Wochenende danach nicht zu Zweit gebucht hätten.

Doch ich habe es geschafft, habe das Wochenende sogar geniessen können. Klaus war bei mir, ich habe ihm am Hochzeitstag im Restaurant zugeprostet und ich bin sehr stolz auf mich, dass ich das durchgezogen habe, mich nicht in meinem Zimmer verkrochen, sondern viel unternommen habe.

Das Seminar

Das Seminar war völlig anders, genau wie die beiden Referentinnen völlig unterschiedliche Persönlichkeiten waren. Auch dieses war für mich wieder sehr wertvoll. Frau Scharf ist ein sehr einfühlsamer Mensch und hat uns viele gute Impulse mitgegeben.

Sie hat uns oft zum Weinen gebracht, aber danach wieder aufgefangen und in die positive Richtung geführt. Kreative Übungen haben das Angebot abgerundet. Wir alle hätten gerne noch mehr Zeit mit ihr verbracht.

Besonders wertvoll waren die Einzelgespräche, die sie mit jedem, der wollte geführt hat.

Nachmittags gab es Freiraum, um sich auszuruhen oder die Gegend zu erkunden und der späte Nachmittag gehörte dann der Entspannung mit Beate Bresser, die das ebenfalls wunderbar gemacht hat. Die Atemübungen mache ich – nach einer längeren Pause – seit einiger Zeit wieder fast täglich am offenen Fenster.

Das Kloster war moderner als Maria Laach, daher nicht so meins. Es lag auf einem Hügel so dass man immer erst einmal hinunter und anschließend wieder hinauf musste. Für mich Flachlandtirolerin schon anstrengend.
Unten an der Weser war es allerdings sehr schön.

Durch die Coronaregeln gab es bis auf den Abschiedsabend keine abendlichen Treffen und so sind wir als Gruppe auch irgendwie nicht so wirklich zusammen gewachsen. Trotzdem bin ich froh, dieses Seminar mitgemacht zu haben und ich bin Gisela Scharf für diese Zeit und die hilfreiche Begleitung, die ich vorher und auch hinterher erfahren durfte sehr, sehr dankbar.

Fazit

Ein Trauerseminar ist eine so wertvolle Erfahrung. Fünf Tage raus, sich mal fünf Tage verwöhnen lassen, sich fünf Tage der Trauer stellen, Mitbetroffene kennenlernen und Hilfe erfahren. Wunderbar. Falls ihr irgendwie die Möglichkeit habt, gönnt euch das! Es war unglaublich, welche Veränderung diese wenigen Tage bewirken konnten, raus aus der Verzweiflung mal wieder Freude spüren. Natürlich war die Trauer damit nicht vorbei, aber es waren kostbare Lichtblicke, es war wieder Hoffnung.

Bei einigen Teilnehmern lag der Verlust schon zwei Jahre zurück. Auch dann können diese Tage noch wertvoll sein.

Es werden auch Wochenenden angeboten, aber dies erscheint mir persönlich einfach zu kurz.

Simone Osteroth führt aktuell keine Seminare durch, aber Frau Scharf hat für 2022 einiges geplant. Die Reise nach Baltrum findet vom 2.4.-7.4.2022 statt. In die Abtei vom Hl. Kreuz Herstelle geht es im September, im Oktober nach Rüdesheim und im November gibt es eine Reise nach Wangerooge.

Es gibt aber noch viele weitere Trauerbegleiter/innen die Reisen durchführen, in manchen Trauerbüchern finden sich hierzu auch noch zusätzliche links.

Vor kurzem habe ich euch vom Katrin Biber und dem Seelensport erzählt. Auch hierzu gibt es eine Reise.

Hilfe annehmen – Trauergruppe

Am Rheinufer in Mondorf

Trauergruppe

In der letzten Woche handelte mein Beitrag von der Trauerbegleitung im Einzelgespräch. Heute geht es um die Trauergruppe. Nächste Woche wird es einen Beitrag zum Thema Trauerseminar bzw. Trauerreise geben.

Welche Arten von Gruppen gibt es?

Die Gruppen, die ich über Recherche oder aus Erzählungen von anderen Trauernden kennen gelernt habe, lassen sich in drei Kategorien einteilen. Da sind zunächst die Gruppen, bei der die Treffen thematisch von einem/r Trauerbegleiter/in gestaltet werden. Hierbei werden meist Gesprächsimpulse gegeben, aber es ist trotzdem Freiraum für das, was den Teilnehmern gerade am Herzen liegt.

Dann sind da die Gruppen, in denen mehr oder weniger nur der Raum zum gemeinsamen Gespräch zur Verfügung gestellt wird. Oft ist aber auch hier ein Trauerbegleiter mit anwesend, der im Bedarfsfall zur Verfügung steht.

Die dritte Möglichkeit sind die immer mehr angebotenen Trauerspaziergänge. Man trifft sich im Freien zu einem Spaziergang und kann sich kennen lernen, austauschen und auch mit den Trauerbegleitern ins Gespräch kommen. Oft enden die Spaziergänge noch in einem Cafe.

Die Bedenken bei Trauergruppen

Man hört hier viele traurige Geschichten, viel anderes Leid und muss natürlich aufpassen, dass man sich davon nicht runter ziehen lässt. Oft hat man Ähnliches erlebt und empfindet diesen Schmerz beim Zuhören erneut und besonders intensiv.

Es ist nicht jeder Tag gleich und daher muss man schon in sich hinein spüren, ob gerade der richtige Moment ist, zu einem Treffen zu gehen. Die Trauerbegleiter kennen das und haben auch Verständnis, wenn man kurzfristig wieder absagt.

Das Positive an Trauergruppen

Ich behaupte jetzt einfach mal: Nur, wer Ähnliches durchgemacht hat, kann verstehen, wie es uns geht. Auch ich habe mir das früher nicht vorstellen können, war naiv und habe gedacht, nach ein paar Monaten müsse doch das Schlimmste überstanden sein.

Der Umgang mit Familie und alten Freunden ist oft schwierig. Man war bei Verabredungen mit diesen früher zu zweit. Jetzt sieht man um sich herum die glücklichen oder noch schlimmer, die sich zankenden Päarchen und kann das kaum aushalten.

Hier in der Gruppe ist man unter anderen Trauernden, unter Menschen, die auch alleine sind und in den offenen Gesprächen kommt man sich viel schneller nah, als das im „normalen Leben“ möglich ist. Da ist sehr schnell eine Verbundenheit und es entstehen neue Beziehungen, man trifft sich auch außerhalb der Gruppe, schreibt oder telefoniert miteinander.
Man profitiert voneinander und hat zusätzlich noch die Trauerbegleiter unterstützend an der Seite.

Außerdem kommt man so mal raus, kommt unter Menschen, gönnt sich etwas Gutes.

Ein weiterer Aspekt ist, dass man durch die Geschichten der anderen, oft den Gedanken hat, dass es einem selber doch noch relativ gut geht, dass andere viel mehr haben durchmachen müssen. Ich finde, auch das hilft, ohne dass mein Schmerz an Bedeutung verliert.

Die positive Seite überwiegt für mich und selbst, wenn der Schmerz hochkommt, man befindet sich in einem geschützten Rahmen, wo man sich seiner Tränen nicht schämen muss. Geweint wird in dieser Zeit doch eh soviel, die anderen weinen auch und Tränen sind ja auch heilsam.

Für mich waren diese Treffen immer sehr wertvoll, auch wenn ich aktuell leider keine Gruppe mehr habe.

Praktische Infos zu Trauergruppen

Man findet sie auf dem selben Weg wie die Trauerbegleiter meist über Hospizdienste, Kirchengemeinden oder Bestatter. Für die Trauerspaziergänge wird oft in den kostenlosen regionalen Zeitungen geworben.

Ganz wichtig, die Trauerbegleiter unterliegen der Schweigepflicht und es wird normalerweise auch immer wieder darauf hingewiesen, dass das was in der Gruppe besprochen wird, auch in der Gruppe bleibt.

Man verpflichtet sich zu nichts, manche kommen regelmäßig, andere nur hin und wieder. Jeder entscheidet für sich, was passt.

Auch die Teilnahme an den Trauergruppen ist meist kostenlos. Teilweise wird jedoch auch eine geringe Gebühr erhoben.

Meine Woche KW2 in 2022

Kreisverkehr mit Tanne, vereiste Wiese, kahle Bäume im Hintergrund

Meine Woche war sehr abwechslungsreich. Irgendwie hatte ich mit Müdigkeit zu kämpfen und habe mir daher etwas kürzere Arbeitstage gegönnt, auch in dem Wissen, dass auch der Samstag verplant ist.

Autorinnenleben

Die Überarbeitung von KometsZeitreiseProjekt läuft gut. Das Manuskript geht voraussichtlich Anfang nächster Woche an meine Mama, meine kritische Alphatestleserin. Diesmal wird es besonders spannend, schließlich hatte ich aus dem ersten Entwurf vom ersten Band einen Handlungsstrang entfernt, was ihr im ersten Moment so gar nicht gefallen hatte. Inzwischen mag sie den fertigen ersten Teil ebenfalls. Wird sie meine Begeisterung für die neue Geschichte teilen?

Unschlüssig bin ich, womit ich mich als nächstes beschäftigen werde. Mindestens eine Testleserin wird noch eine Weile mit KometsZwillingen brauchen. Das ist in Ordnung. Zur Wahl steht das Elfenprinzessinnen Manuskript oder Plotten von Folgebänden …

SuiseiNo-Beratung

Auch hier ist es im Moment spannend, denn so einfach ist es nicht, ein Beratungsangebot zu eröffnen und die Klient*innen kommen angelaufen. Erstmal müssen diese von dem Angebot erfahren, dann sich dafür entscheiden.

Kometenreise

Währenddessen widme ich mich intensiv meinen vier fiktiven Klient*innen, was mir große Freude bereitet. Lenas Kometenreise ist bereits in zwei Etappen veröffentlicht, nächste Woche lernt ihr eine weitere Person kennen.

Intervision

Neben dem Marketing ist das Weiterbilden ein wichtiges Thema. Hierzu gehörte am Samstag ein Intervisionstreffen, ein Treffen mit Kolleg*innen, die ebenfalls in der Ausbildung sind. Wir besprechen Fälle, persönliche Themen und Themen rund um die Ausbildung. Es war sehr spannend.

Diesmal habe ich mein Gefühlschaos rund um die Eröffnung zum Thema gemacht, mir selbst gesagt, dass es eine gute Idee ist und ich Geduld brauche, bis die ersten Klient*innen kommen. Die Perspektiven der anderen waren dabei sehr hilfreich und wohltuend.

Besuch im LVR- Museum – Storytelling meets Lehre

Am Freitag war ich mit meinem Psychologie-Kurs der Uni Bonn im Museum. Was einst ein klassischer Museumsbesuch mit Führung war, bevor ich das Seminar übernommen hatte, wurde letztes Jahr zum kreativen Storytellingworkshop, den ich gemeinsam mit der Museumspädagogin und Historikerin Anne Segbers online durchgeführt habe. Dieses Jahr konnten wir denselben Workshop vor Ort im Museum durchführen.

Drei Stunden verflogen wie nichts und es gab anschließend fünf großartige Geschichten der Studentinnen zu fünf völlig verschiedenen Ausstellungsstücken. Wie sah das Familienleben in verschiedenen Epochen aus? Ein Blick in die Geschichte schärft immer auch unseren Blick auf heutige Situationen, verhilft zu einem besseren Verständnis oder bringt neue Perspektiven ein.

So begannen wir beim Neandertaler und hörten eine spannende Geschichte der Mammutjagd, um daraufhin in die Eisenzeit, etwa 2000 v. Christus zu reisen, wo wir nicht nur den prächtigen Goldschmuck aus dem Grab der Fürstin von Waldalgesheim bestaunten, sondern auch einer dramatischen Familiengeschichte lauschten, welche fiktiv, aber inspiriert von den historischen Befunden war.

Im Jahre 1602 wurde es dann interaktiv. Wir setzten uns wie auf dem Gemälde von Geldorp Gortzius gemeinsam an einen fiktiven Tisch. Die Studentinnen schufen bereits mit ihren ersten Worten eine spannungsgeladene Atmosphäre. Die Tochter soll verheiratet werden, doch der Auserwählte sagte ihr gar nicht zu. Sie fleht schließlich ihre Schwester an, die Ehepflichten für sie zu übernehmen. Doch auch diese kann den Mann nicht leiden, welchen die Eltern für eine gute Partie halten. Die steife und strenge Atmosphäre im Bild war im Raum spürbar. Ähnliches erlebten wir auch bei den anderen Geschichten. Allen Gruppen war es auf unterschiedliche Weise gelungen, uns emotional abzuholen und uns auf erzählerische Weise einen Einblick in die Besonderheiten der einzelnen Epochen zu bieten.

Tragisch wurde es dann in den letzten beiden Geschichten. Ferdinand Theodor Hildebrandt schuf 1833 ein Kunstwerk mit dem Titel „Der kranke Ratsherr“. Bereits in der Einführt wies Anne Segbers daraufhin, dass uns das im Gemälde vorhandene Bildnis einer jungen Frau verrät, dass die Mutter des Kindes wahrscheinlich bereits verstorben sei, denn dieses ist mit einem Kranz geschmückt. Der Ratsherr selbst sitzt in einem Sessel vor diesem Gemälde und hält eine Hand auf dem Kopf seiner jungen Tochter, im Hintergrund sein Krankenbett. Was soll aus dem Mädchen werden, wenn er verstirbt?

Da ich in meiner Aufgabenstellung darum gebeten habe, dass die Studentinnen Geschichten für Kinder erzählen sollen, die sich fragen, wie das Familienleben früher ausgesehen hat, haben sie sich um ein hoffnungsvolles Ende bemüht. Dieses Detail hatte die letzte Gruppe außer Acht gelassen und uns mit einem dramatischen Ende überrascht. Immerhin habe ich ihnen als Anregung für die Entwicklung der Geschichte die 5 Akt-Struktur des Dramas nach Gustav Freytag an die Hand gegeben.

Wir reisten zum Abschluss von der Chronologie abweichend in die Römerzeit. Aktuell gibt es im LVR-Museum eine wundervolle Ausstellung zum römischen Leben am Rhein, welche sich im obersten Stockwerk befindet. Das ausgewählte Ausstellungsstück war ein Spielzeugpferd, welches hier in Bonn gefunden worden ist. Die Geschichte begann ganz spielerisch, bis zum erwähnten dramatischen Ende. Und doch gibt es eine wundervolle Botschaft, egal ob arm oder reich, wir alle sind irgendwie gleich und haben Freude am Spiel.

Nach dem Abschluss war ich einfach glücklich über den gelungenen Vormittag. Ich hoffe die Studierenden konnten viel für sich mitnehmen, ich habe es auf jeden Fall.

Ich freue mich sehr, weiter mit dem LVR-Museum zusammen arbeiten zu dürfen. Hierzu sind Mélina, Astrid und ich gerade eifrig in den Vorbereitungen zu den beiden StoryUp Your Artefact Formaten für das Museum.

Bloggen

Ganz ehrlich, ich gehöre selbst zu den Menschen, die gerne alles mit sich selbst ausmachen. Um so schöner, sind für mich die Erfahrungen, wenn ich Hilfe annehme, wie bereichernd eine andere Perspektive sein kann, wie gut es tut, sich zu öffnen und auszusprechen. Meine Mama ist da ganz ähnlich, kein Wunder. Und doch hat sie in ihrer Trauer einen Weg gefunden, Hilfe anzunehmen. Darüber schreibt sie nun im Blog. Es wird drei Teile geben, drei unterschiedliche Wege der Unterstützung, wobei psychologische Beratung oder auch Therapie, weitere Wege sein könnten. Diese Woche hat sie über ehrenamtliche Trauerbegleitung geschrieben.

Auch ich habe diese Woche einen weiteren Beitrag geschrieben, übrigens einen, den ich noch gar nicht auf Social Media geteilt habe (siehe nächsten Abschnitt), der Beitrag war vorgeplant, ich am Freitag im Museum und irgendwie bin ich dann gar nicht dazu gekommen … Es geht um ein interessantes Buch eines Wissenschaftsjournalisten. Steve Silberman hat sich in „Geniale Störungen“ intensiv mit Autismus auseinander gesetzt. Es wird historisch, persönlich, unangenehm und wundervoll. Die Lektüre hat mich mehrere Monate begleitet und ich habe ein sehr persönliches Fazit gezogen bzw. meine persönliche Haltung gestärkt.

Automatisches Posten auf Social Media

Ich poste vor allem auf Twitter und in meinen Insta-Stories gerne spontan. Doch wenn es darum geht meine Blogbeiträge oder meine Montagsfrage zeitversetzt auf den verschiedenen Kanälen zu teilen, greife ich gerne auf ein Tool zurück. Bisher habe ich hierzu Buffer verwendet. Als ich die Kometenreise begonnen habe, fügte ich LinkedIn als vierten Kanal hinzu, welcher mir nach zwei Wochen wieder entfernt wurde. Also stellte ich für Twitter, Instagram und Facebook die Posts ein und postete manuell auf LinkedIn. Ein Grund sich nach einem anderen Tool umzusehen.

Das Schöne am Netzwerken ist, dass man auf Tipps aufmerksam wird, wenn andere etwas ausprobieren. Über LinkedIn bekam ich so den Hinweis auf ein interessantes Tool, das ich auch gleich ausprobiert habe: Publer. Hiermit konnte ich alle vier Kanäle bedienen, hatte alle Einstellungsmöglichkeiten, die ich brauchte und die ersten Posts sind ohne Probleme rausgegangen. Eddy, über den ich Publer entdeckt habe, hat bereits ausführlich darüber gebloggt.

Ich wünsche euch noch ein schönes Wochenende!