Sonntagsgeschichte Kapitel 60 – Kaffeeklatsch

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Sonntagsgeschichte - Blogroman Kapitel 60

Nervös standen Josephine, Sven und Jenny vor der Haustür des kleinen Einfamilienhauses der Familie Waldhorn.

Vor einigen Tagen hatte ihre Tochter Marie im Kindergarten ein Bild von Schneewittchens Prinzen gezeichnet, der aussah wie Sven. Gleichzeitig sah Sven offenbar aus, wie Maries Cousin. Frau Waldhorn empfand die Geschichte als so unglaublich, dass sie die drei jungen Leute zu sich eingeladen hatte, damit sie ihren Bruder kennen lernten. Die Idee war ihnen allen als eine gute erschienen, schließlich lag der Verdacht nahe, dass Maries Cousin tatsächlich Schneewittchens Prinz war. Doch das konnten sie Frau Waldhorn und ihrem Bruder nicht sagen. Wie war aber Marie auf diese Idee gekommen?

Es war Jenny, die nach einer scheinbaren schweigenden Ewigkeit auf die Klingel drückte. „Wenn wir nicht klingeln, kommen wir nicht rein. Wenn wir nicht reingehen, gibt es keinen Kuchen und keine Informationen.“ Sven und Josephine hatten genickt und geschwiegen.

Wenig später fanden sie sich im Wohnzimmer wieder, saßen gemütlich auf dem Sofa, bei Kaffee, Tee und Schokoladentorte. Während Josephine noch immer nicht wusste, was sie sagen sollte, fühlte Sven sich nicht wohl in seiner Haut. Frau Waldhorns Bruder, der sich ihnen als Karl vorgestellt hatte, starrte ihn permanent an. Er bemühte sich offensichtlich es zu unterlassen, doch gelang es ihm nicht, den Blick abzuwenden. Während Frau Waldhorn von ihrer Tochter abgelenkt war, gelang es mal wieder Jenny die unangenehme Situation zu durchbrechen: „Es ist schon verrückt, dass Maries Bild, sowohl meinem Bruder, als auch deinem Sohn so ähnlich sieht, nicht wahr?“ Mit einem Blick auf das kleine Mädchen fügte sie noch hinzu: „Sie hat unglaubliches Talent!“

Karl nickte, während sie vom Talent seiner Nichte sprach. Dann schüttelte er den Kopf. „Es ist nicht die Zeichnung, die hier so erstaunlich ist. Du könntest ein Zwilling meines Sohnes sein, so ähnlich seht ihr euch. Doch es scheint einen Altersunterschied zu geben. Lars ist bereits 26, du scheinst mir ein wenig jünger.“

Sven nickte stumm. Er war sich ganz sicher, keinen älteren Bruder zu haben. Jenny hatte erst gestern noch ein kompliziertes Gespräch mit ihrer Mutter geführt, ihm die Details erspart, aber versichert, dass es keine Zweifel daran gäbe, dass sie beide die einzigen Kinder ihrer Mutter wären.

„Um ehrlich zu sein, ist Lars nicht mein leiblicher Sohn. Streng genommen ist er nicht einmal adoptiert. Er lebt seit zehn Jahren bei mir und meinem Lebensgefährten. So wie er damals in unser Leben stolperte und blieb, so scheint er auch entschwunden zu sein.“ Karl musste schwer schlucken und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. „Entschuldigt, es ist erst wenige Tage her und dich heute zu sehen, macht es nicht leichter.“ Erneut sammelte er sich einen Moment, dann sprach er weiter. „Lars stand mit gepacktem Rucksack vor uns, es würde Zeit zu gehen, sagte er. Wenn es ihm möglich wäre, würde er sich melden. Dann umarmte er uns und verließ das Haus.“

Karl legte ein Blatt auf den Tisch, es hatte einige Flecken, als wäre Tränen darauf gefallen. „Den Brief fanden wir später in seinem Zimmer. Er hatte nie viel gesprochen.“

Die Freunde lasen den Brief, er war so herzlich, dankbar für die gemeinsame Zeit, ließ aber keinen Zweifel, dass Lars nicht zurückkehren würden. Einem spontanen Impuls folgend umarmte Sven Karl. „Er hat euch sehr geliebt, das wird aus diesen Zeilen deutlich.“

„Danke“, schluchzte Karl und er hielt seine Tränen nicht länger zurück.

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Die letzte erste Nacht ~ Bianca Iosivoni

“Die letzte erste Nacht” ist der dritte Teil der Firsts-Reihe von Bianca Iosivoni. Der Beitrag enthält keine Spoiler zum ersten und zweiten Band.

Die letzte erste Nacht ~ Bianca Iosivoni
Die letzte erste Nacht ~ Bianca Iosivoni

Tate studiert Kriminologie, um herauszufinden was es mit dem Tod ihres Bruders auf sich hat. Trevor hat ein Interesse daran, dass sie niemals raus findet, was wirklich geschehen ist. Als die beiden miteinander im Bett landen, bringt das Chaos in ihre Welt. Trevor macht sich Vorwürfe und Tate versteht nicht warum Trevor danach abweisend ist.

Die beiden kennt man ja schon aus „Der letzte erste Blick“ und „Der letzte erste Kuss„. Tate war für mich immer die coole selbstbewusste Person in der Clique und es war großartig sie aus ihrer Perspektive näher kennen zu lernen. Die Spannungen zwischen Tate und Trevor konnte ich förmlich durch die Seiten spüren. Die Verzweiflung in Trevor für sie da sein zu wollen und doch Abstand zu halten, das Richtige zu tun.

Das Buch hat mich genau wie seine Vorgänger gefesselt. Ich musste es so schnell wie möglich lesen. Von allen Bücher dieser Reihe ist das mein absoluter Favorit.

Kathi ♥

Die letzte erste Nacht
Bianca Iosivoni 
erschienen 2018, im Lyx Verlag 
ISBN: 978-3-7363-0717-9

Sonntagsgeschichte Kapitel 58 – Ein seltsamer Mann

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Sonntagsgeschichte Kapitel 58 Blogroman

Auch wenn sie es selbst vorgeschlagen hatte, fühlte Josephine sich unwohl, während sie sich mit Jenny und Sven dem Spielplatz näherte. Sie brauchten nur ein paar Straßen zu gehen, bis das Lachen spielender Kinder ihnen entgegen schallte. Würde Marie auch dort sein? Wie würde sie auf Sven reagieren? Wie war es überhaupt möglich, dass ein so kleines Mädchen, so unglaublich gut malen konnte? So gut, dass sie ihren eigenen Freund auf dem Bild zu erkennen glaubte? Gar nicht! Wahrscheinlich spielte ihre Phantasie ihr nur einen Streich.

Gerade als sie die anderen aufhalten und zum Umkehren bewegen wollte, erreichten sie den Zaun des Spielplatzes. Marie war tatsächlich dort. Sie hockte zusammen mit ihrer besten Freundin Nora oben auf dem Klettergerüst. Fröhlich winkten beide Mädchen ihr zu. Zum Umkehren war es zu spät. Sven und Jenny lehnten sich lässig an den Zaun und beobachteten die spielenden Kinder. „Hier haben wir früher auch oft gespielt“, erinnerte sich Jenny. „So lange ist das gar nicht her“, zog Sven seine Schwester auf. „Stimmt“, lachte sie. „Ist noch nicht lange her, dass ich auf meinen kleinen Bruder hier aufpassen musste.“

Während die beiden sich kabelten kam ein Mann an den Zaun. „Was treibt ihr hier?“, schimpfte er. „Zum Spielen seid ihr zu alt. Eltern seid ihr auch keine. Also verschwindet!“

„Wir stehen doch nur hier“, versuchte Sven ihm zu widersprechen. „Papperlapapp, nur stehen. Das sagen sie alle. Und dann, wenn ich nicht aufpasse, entführt ihr eines der Kinder.“ Sven starrte ihn nur fassungslos an.

„Herr Wolf, was treiben Sie denn schon wieder auf dem Spielplatz“, erklang eine strenge Stimme hinter ihnen, ein Polizist. „Hatten wir Ihnen nicht ausdrücklich untersagt, sich hier aufzuhalten?“ Dabei ging er um den Zaun herum und packte den älteren Herren sanft am Arm, um ihn fort zu führen.

„Jawohl, Herr Wachtmeister. Doch ich komme meiner Bürgerpflicht nach und passe auf die Kinder auf. Nehmen Sie mal lieber diese jungen Leute hier fest, die stehen hier rum und suchen nach ihrem nächsten Opfer.“

Josephine wollte zu einer Erklärung ansetzen, aber der Polizist schüttelte nur den Kopf. Sie verstand und schwieg, während sich die Geschwister einen wissenden Blick zuwarfen. Offenbar kannten sie den Polizisten oder Herrn Wolf.

„Habt noch einen schönen Nachmittag“, grüßte der Polizist zum Abschied. „Ihnen einen ruhigen Dienst, Herr Michels“, verabschiedete sich Jenny. Also den Polizisten, dachte Josephine.

„Jophine“, riefen zwei Kinderstimmen fröhlich. Marie und Nora waren vom Klettergerüst herunter geklettert und kamen zum Zaun gelaufen. „Was machst du denn hier?“, freute sich Nora, während Marie Sven von oben bis unten musterte. „Du siehst aus wie er“, erklärte sie, „aber du bist es nicht.“

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Sonntagsgeschichte Kapitel 42 – Der Zwergenkönig

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Sonntagsgeschichte, Blogroman

„Wenn er einen Seelengefährten hätte, dann würden wir jetzt nicht ohne ihn hier stehen. Seelengefährten finden sich immer. Hättest du dich gegen die Anziehung wehren können.“ Auch wenn sie sich aufregte klang Loreleys Stimme noch lieblich. Lore versuchte sie zu besänftigen, wurde aber gar nicht mehr beachtet. Wenn seine Großtante sich so in Rage redete war sie auch nicht zu bremsen. Offensichtlich sahen die beiden sich nicht nur ähnlich, sondern waren es auch.

Das Drachenmädchen Johanna setzte zu einer Erwiderung an: „Das können wir doch gar nicht wissen. Wenn sie sich nicht finden …“. Doch sie wurde von einer für Sven sehr vertrauten Stimme unterbrochen: „Dann werden wir das nie erfahren, weil Menschen ohne einen Seelengefährten ihren Weg nicht zu uns finden. Finden sie sich nicht, kommt die Verbindung nicht zustande. Ganz Recht mein Kind.“ An der Seite von Svens Großvater ging ein Zwerg, ein beeindruckendes Wesen, das dem zugegeben nicht sehr großen Heinrich bis zur Schulter reichte. Im Vergleich zu den Steinfiguren war er größer und trug eine eiserne Krone auf dem lockigen schwarzen Haar. Bis auf die Größe und das viele Haar sahen sich Opa Henry und der Zwergenkönig ebenfalls sehr ähnlich. Sven warf einen raschen Blick auf seine Großtante und Loreley, auch sie sahen sich nicht zum Verwechseln ähnlich, wie seine Freundin Josephine und Johanna. Das musste das Alter sein.

„Willkommen in der Anderswelt, mein Junge“, sagte Herny und zog seinen Enkel in die Arme. „Ich habe doch immer gewusst, dass du dazu gehörst. Das Rätsel um deinen Seelengefährten werden wir auch noch lösen. Hauptsache du bist hier.“ Die Umarmung tat gut, zum ersten Mal fühlte er sich wohl an diesem seltsamen Ort. Bisher waren alle viel zu sehr auf ihn fokussiert gewesen, hatten ihn angestarrt und über ihn diskutiert, während er ratlos daneben stand. Auch die Steifiguren schienen ihn anzustarren. Sieben Zwergenfiguren, die im Kreis um Schneewittchen aufgestellt waren. Waren sie wirklich aufgestellt oder tatsächlich hier versteinert. Langsam bekam Sven Kopfschmerzen von all diesen Fragen. Seine Freundin stand auf der anderen Seite des steinernen Schneewittchens, nahe und doch unerreichbar.

„Was das Rätsel angeht“, räusperte sich der Zwergenkönig. „Seht ihn euch doch an.“ Er seufzte schwer. Alle folgten seiner Aufforderung und starrten Sven an, der sich gleich wieder unwohl fühlte. Doch niemand erkannte etwas neues an ihm, schließlich hatten sie ihn in dieser Nacht immer wieder und ausgiebig angestarrt.

„Was meinst du Harek, was siehst du in ihm oder vielmehr wen?“, erkundigte sich Henry mit sanfter Stimme bei seinem Seelengefährten.

Der Zwergenkönig seufzte erneut, bevor er sprach: „Meinen Sohn.“

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