Es ist Freitag … Kindheitserinnerungen

Klein-Stephanie mit Oma Lore
Klein-Stephanie mit Oma Lore

Heute ist Freitag und früher war der Freitag unser Tag.

Freitags nach der Schule habt ihr mich abgeholt. Dafür seid ihr 100 km gefahren. Gemeinsam sind wir weitere knapp 50 km bis nach Bad Neuenahr ins Schwimmbad gefahren. Jede Woche, wenn nichts dazwischenkam. Ich durfte eine Freundin mitbringen. Abends habt ihr uns wieder nach Hause gebracht. Anschließend seid ihr selbst wieder die 100 km nach Hause gefahren.

Viele haben euch dafür für verrückt gehalten. Das war mir egal. Wir hatten viel Spaß an unseren Freitagen. Irgendwann hat es aufgehört. Das lag wahrscheinlich an mir … Pubertät und so …

Heute ist Freitag. Heute fahre ich die Strecke.

Gemeinsam mit meinem Mann und unseren zwei Töchtern, euren Ur-Enkelinnen fahre ich diese 100 km. Wir fahren nicht zu euch nach Hause, wie ich es früher so oft getan habe. Nicht dorthin, wo ich meine Ferien verbrachte. In die Wohnung mit dem Wintergarten und dem kleinen Fernseher auf dem ich so viele Filme und Serien gesehen habe, während Manfred mir so viele Stuten mit Nutella geschmiert hatte. Zuhause durfte ich abends keine Nutellabrote essen, aber bei euch war das etwas vollkommen anderes. Bei Großeltern gelten eben andere Regeln.

Ihr wart nie Oma und Opa, ihr wart Lore und Manfred. Später einfach nur MuH, wie ihr selbst Karten und Geschenke unterschrieben habt. Manfred und Hannelore. Für Oma und Opa wart ihr zu jung, habt ihr gesagt. Ja, ihr wart immer meine jungen Großeltern, doch irgendwann seit auch ihr älter geworden. Doch irgendwie habe ich euch nie als „alt“ gesehen, schließlich wart ihr irgendwann, die jungen Ur-Großeltern.

Wie haben aber nicht nur fern gesehen und Brote gegessen. Wir sind oft an den See gefahren, spazieren gegangen und Manfred hat mir ausmalen beigebracht. Es ging nicht nur darum, die Linien nicht zu übermalen, er zeigte mir, wie ich den Stift halten musste, damit gleichmäßige Flächen entstehen. Später wurden Manfred und ich zu Architekten. Lore schüttelte regelmäßig den Kopf über uns, aber wir waren ein gutes Team. Wir planten ein Nurdachhaus. Alles sollte in einen Raum, keine Wände, alles offen, nur die Toilette etwas diskreter. Endlose Diskussionen, zahlreiche Zeichnungen. Zur Umsetzung kam es nie, aber das hat uns nicht gestört.

Es ist Freitag und es wird Zeit Abschied zu nehmen.

Bereits Anfang des Jahres ging Lore von uns und bezog ihr neues Zuhause im Kolumbarium, eine alte entweihte Kirche mit offenem Dach, beinahe ein Nurdachhaus mit zahlreichen Nischen. Heute wird auch Manfred in seiner Urne seinen Platz in der Nische am Fenster bekommen. Dann seid ihr zwei wieder vereint, an dem Ort, an dem Manfred damals in den Kindergarten ging und eine Menge Blödsinn angestellt hat.

Heute ist Freitag. Das ist unser Tag und ich erinnere mich gerne zurück an viele glückliche Freitage und eine Menge Blödsinn.

Drama Abiball – eine Komödie

Abiball - Meine Familie am Rande der Reifeprüfung - Geogr Koeniger

Abiball – Meine Familie am Rande der Reifeprüfung – Geogr Koeniger

Auch bei uns ist es so weit, ein Abiball steht ins Haus. Auf dem Weg ein Kleid zu finden, hatte ich die passende Lektüre: „Abiball – Meine Familie am Rande der Reifeprüfung“ von Georg Koeniger. Der Beitrag erscheint auch nicht ohne Grund heute am 23.06.2018, denn heute vor 17 Jahren fand meine Abi-Abschlussfeier statt. Das Datum des Balls weiß ich tatsächlich nicht mehr.

Patchworkfamilie und Patchworkgeschichte

Nach der Lektüre des Klappentextes habe ich eine humorvolle Geschichte erwartet. Ein Vater klagt sein Leid, wie er den Abiball seines Sohnes erlebt. Diese humorvolle Geschichte ist auch enthalten, doch es ist komplizierter. Prolog und Epilog fassen die Geschichte ein. Diese spielen jeweils im Jahre 2016 und es geht zu einem Abiball. Es ist der Abiball des Stiefsohnes … Abi 2016.

Die Kapitel tragen Jahreszahlen als Überschrift und wir springen zeitlich hin und her zwischen dem Abi 2004, dem Abiball von Sohn Finn, und der Vergangenheit des Vaters. Sein Abitur machte der Kabarettist bereits 1976. Damals gab es keinen Ball, keine Abschlussfeier, die es eigentlich hätte geben sollen.

Ein Ball wäre bei uns auch nicht besonders spannend gewesen. Wir waren eine reine Jungenschule.

Er war selbst alles andere als ein braver Junge, eher ein Rebell, ein Junge seiner Zeit, einer Zeit vor meiner Geburt, daher spannend zu lesen. Wir springen nicht nur zurück zu seinem Schulabschluss, passend zu den Szenen auf dem Abiball kramt er Erinnerungen aus seinem Leben hervor. Dabei sind die Übergänge geschickt gewählt, wie perfekte Überblendungen im Film. Es passt einfach jedes Mal.

Die gesamte Familiengeschichte ist komplex, ich versuche mal einen Überblick

Georgs Vater ist in den Osten abgehauen. Dann wurde eine Mauer gebaut und er konnte nicht mehr zurück, wäre wahrscheinlich auch nicht gut gewesen, da er ja vor etwas davonlief … Jedenfalls stellte sich die Frage ob Frau und Kinder nachkommen, beinahe wäre es so gekommen, aber dann doch nicht. So wuchs Georg ohne Vater auf, mit den besten Vorsätzen, seinem eigenen Kind das niemals zuzumuten. Es kam zu einer späteren Vater-Sohn Begegnung in der DDR, interessant zu lesen. Als Kind hatte ich große Schwierigkeiten mir vorzustellen, dass Menschen hinter der Mauer leben, sich frei bewegen können, aber doch irgendwie eingesperrt sind. Noch komplizierter empfand ich, dass wir Familie in Westberlin hatten, ebenfalls umgeben von einer Mauer, aber frei.

Zurück zur Abiball-Familie: Georg wurde früh Vater, aber seine Ehe scheiterte. Seine Exfrau Ruth, Mutter von Finn, heiratete Ehemann Nummer 2, den Hubert. Dieser Hubert ist der Grund für die Trennung von Georg, entsprechend sind diese beiden Männer keine Freunde! Doch Hubert wird für Finn zu einem zweiten Vater, also muss auch Hubert mit zum Abiball, auch wenn inzwischen auch seine Ehe mit Ruth gescheitert ist und sie bereits in einer neuen Beziehung ist …

Tja, der Kreis schließt sich irgendwie, wenn Georg, Vater von Finn, im Jahre 2016 erneut zu einem Abiball geht. Diesmal mit seiner neuen Partnerin. Diesmal ist er der Patchworkanhängsel auf dem Ball, der „Neue“. Natürlich ist auch der leibliche Vater anwesend, in Begleitung einer neuen Frau.

Viel Stoff für eine Geschichte, inspiriert vom wahren Leben. Die Geschichte ist autobiografisch. Ob sich alle Katastrophen tatsächlich genau so ereignet haben oder doch künstlerische Freiheiten beinhalten. Ich weiß es nicht, aber es wirkt alles tatsächlich in aller Absurdität sehr realistisch.

Abiball 2004 versus 2001 versus 2018

Der Ball selbst steckt voller typischer Dramen, aber ich kann zum Glück sagen: So schlimm war es bei uns nicht! Wir hatten auch noch keine Agentur, die sich darum kümmerte. Es war ein wirklich schönes Fest. Ja, ich war im Ballkomitee und zuständig für die dramatische Raumsuche. Kilometer um Kilometer bin ich mit einer Freundin und der kleinen Abiturientin von 2018 gefahren. Wir haben Säle gesehen, unglaubliche Preise und uns letztendlich ganz klassisch (was uns damals nicht klar war) für die Stadthalle entschieden. Dann erfolgte die Übergabe an das Team für Deko und Programm. Es gab damals noch keine separate Abiballparty, wie sie seit einigen Jahren veranstaltet wird. Als ich das erste Mal in der Straßenbahn hörte, dass man nicht nur ein Abiballkleid, sondern zwei braucht, wollte ich es nicht glauben. Doch es ist Realität! Gingen bei uns die Eltern früher freiwillig, wurden sie bei Finn 2004 rausgeworfen, ist es inzwischen üblich den Ball zu beenden und sich für die After-Ball-Party umzuziehen …

Es ist ein Fest, an das ich persönlich kaum Erinnerungen habe, außer, dass es ein schöner Abend war. Ich erinnere mich, dass meine Eltern gingen und mir viel Spaß wünschten, erinnere mich ebenfalls, mich nicht betrunken zu haben, daran liegt es also nicht. Das große Fest, zum Abschluss eines Lebensabschnittes hatte dann doch nicht so eine große Bedeutung für mich. Dennoch sehe ich mit großer Aufregung dem Abiball 2018 entgegen, auch wenn ich diesen zeitig werden verlassen müssen … Cinderella durfte ja auch nur bis Mitternacht auf den Ball … Meinen Prinz habe ich schon dabei, denselben, wie 2001.

Fazit zum Buch

Es ist mehr als nur eine unterhaltsame Lektüre, die vor allem für Eltern lesenswert ist, aber auch für alle, die sich an ihren Abiball erinnern möchten. Ich selbst reiste mit Sohn Finn in die Vergangenheit, schließlich machte er nur drei Jahre nach mir sein Abitur. Reiste auch ein wenig in die Zukunft mit dem Vater, denn einen Abiball als Mutter habe ich noch nicht erlebt, steht mir aber bevor. Zum Glück muss ich nicht durch dieses Patchwork-Drama, sehr kompliziert. Wer hofft eine Lösung für Patchwork-Fragen in diesem Buch zu finden: vergiss es!

Aber der Humor, der kommt nicht zu kurz! Der Autor ist schließlich Kabarettist!


Das Buch wurde mit vom Piper-Verlag über NetGalley zur Verfügung gestellt.

Abiball – Meine Familie am Rande der Reifeprüfung
Georg Koeniger
Piper
ISBN 978-3-492-31272-1
Erscheinungsdatum 2.05.2018

Benefizlesung zu kleinen und großen Abschieden – Federleicht

Pantheon Theater Bonn

Pantheon Theater Bonn

Ich liebe spontane Aktionen, vor allem, wenn meine Freundin Ute mit schreibt: „Ich habe für heute Abend noch eine Karte, kommst du mit.“ So ging es mir erst neulich, als wir zusammen im inklusiven Theater bei „Leonce und Lena“ waren. Diesmal ging es zu einer Lesung und ich hatte überhaupt keine Idee, was und vor allem wer mich da erwartete. Auch das Pantheon habe ich noch nie besucht, kannte lediglich den alten Saal der Schauspielhalle Beuel.

Christine Westermann las am 11.06.2018 im Pantheon aus ihrem Buch „Manchmal ist es federleicht – Von kleinen und großen Abschieden“.

Benefiz-Lesung

Die Lesung im Pantheon fand zugunsten des Vereins „Bonn Lighthouse“ statt. Darf ich sagen, dass ich diesen Verein ein kleines bisschen kenne? Auch die Benefizlesung von Wolf Küper zu “ Eine Millionen Minuten“ wurde u.a. für Bonn Lighthouse veranstaltet. Damals hatte mich begeistert, wie drei Organisationen/ Vereine gemeinsam eine tolle Veranstaltung auf die Beine stellen konnten, sich gegenseitig unterstützten ohne sich als Konkurrenz im Kampf um Spendengelder zu sehen. Diesmal agierte Bonn Lighthouse alleine und wie ich hörte, zögerte Christine Westermann nicht eine Sekunde, sondern sagte sofort zu.

Bonn Lighthouse ist ein Verein für Hospizarbeit. Das Angebot ist vielfältig und unheimlich wichtig. Ein Verein, der durch ehrenamtliches Engagement lebt und auf Spenden angewiesen ist. Menschen, die andere Menschen in ihrem Abschied begleiten.

Christine Westermann auf der Benefizlesung im Pantheon - Foto: Ute Schulze

Christine Westermann auf der Benefizlesung im Pantheon – Foto: Ute Schulze

Christine Westermann – Na, wer kennt diese Frau genauso wenig wie ich?

Korrigiere: ich weiß ja inzwischen ein bisschen etwas über sie. Davon erzähle ich euch gerne weiter. Für ausführliche Fakten verweise ich auf die Webseite der vielfältigen Dame und das Buch, aus dem sie gelesen hat. Sie ist Journalistin, Moderatorin und Autorin, bekannt aus Radio und Fernsehen, insbesondere aus der Sendung „Zimmer Frei“, die 20 Jahre lief.

Wie der attraktive Orthopäde ihr am Morgen der Lesung bestätigte, ist sie 69,6 Jahre alt. Der Mann muss wohl ein ganz schöner „Schuss“ gewesen sein. Christine Westermann war dies auch einmal, wie ihr kürzlich erst ein alter Freund bestätigte, den sie mehrere Jahre nicht mehr gesehen hatte.

Sie hat mir einiges an Lebenserfahrung voraus, einiges davon in ihrem Buch verarbeitet und mich mit einigen dieser Erfahrungen tief berührt und nachdenklich gestimmt. Als sie über ihr Unvermögen Verpackungen zu öffnen erzählte, erinnerte sie mich an meine Oma. Ich glaube beide Damen wären wunderbar geeignete Produkttesterinnen für das Öffnen von Verpackungen. Diese Empfehlung hat auf jeden Fall der Mann, der Christine Westermann „liebt und auch geheiratet hat“ ausgesprochen. Ein Produkt, welches sie öffnen könne, sei ein gutes Produkt, oder so ähnlich. Meiner Oma habe ich als Kind oft einen „Kursus fürs Öffnen von Verpackungen“ vorgeschlagen. (Woher auch immer ich das merkwürdige Wort Kursus hatte).

Manchmal ist es federleicht …

In der Buchhandlung ist da Buch „Manchmal ist es federleicht – Von kleinen und großen Abschieden“ in der Ratgeber-Abteilung zu finden. Doch Frau Westermann ist da ganz eindeutig:

Es ist kein Ratgeber, ich kann Ihnen nicht sagen, wie Sie Abschied nehmen können. Ich kann Ihnen nur erzählen, was ich erlebt habe. (…) Vor dem einen großen Abschied habe ich genauso Angst wie Sie. (frei aus dem Gedächtnis zitiert)

Es ist eine Sammlung verschiedener Geschichten von großen und kleinen Abschieden aus dem Leben von Christine Westermann. Abschiede von Menschen, Abschiede von Gegenständen oder Orten. Erzählungen aus dem Leben, sehr persönlich mit viel Gefühl. Wir haben während der Lesung viel gelacht und mir standen auch Tränen in den Augen, dazu später mehr. Ihre Geschichten können inspirieren, zum nachdenken anregen. In dieser Absicht stimmen wir beide wunderbar überein, auch wenn mir ihre Lebenserfahrung und Weitsicht noch fehlen.

Über den Titel hat Christine Westermann lange mit dem Verlag diskutiert. Sie wollte unbedingt das Wort Abschied mit drin haben. Doch die „Menschen, die vom Marketing Ahnung haben“ rieten davon ab. Abschied sei zu schnell mit dem Tod assoziiert. Auch mir ging es so, als ich mich über die Lesung informierte, nachdem ich bereits zugesagt hatte. Doch ihr geht es anders und sie wollte das Wort „Abschied“ unbedingt mit im Titel haben. Abschiede seien manchmal federleicht und so ergab sich endlich ein passender Titel mit „federleicht“ am Anfang und dem „Abschied“ am Ende. Ihre Sprechweise ist auf jeden Fall wunderbar „federleicht“.

Erst als ich diesen Beitrag schreibe, fällt mir auf, dass das Buch im KiWi Verlag erschienen ist, dem Verlag, den ich erst am Samstag auf der LitBlog Convention (#lbc18) in Köln kennen gelernt habe. Bisher habe ich ihn einfach nicht bewusst wahrgenommen. Wäre ich nicht spontan auf der Lesung gewesen, wäre heute vielleicht der Beitrag zur LBC erschienen … Zufälle gibt es.

… von kleinen und großen Abschieden

Schon früh hat Christine Westermann ihren Vater verloren. Sie war erst 13 Jahre alt, als er starb. Zuvor hatte sie bereits von ihm Abschied nehmen müssen, als sich ihre Eltern scheiden ließen. Der Vater selbst nahm einst Abschied von der DDR, floh nach Westberlin und hatte dabei lediglich eine Aktentasche dabei.

Die junge Christine Westermann ging für zehn Jahre nach San Francisco, lagerte ihren Besitz bei verschiedenen Freunden ein und nahm nur wenig mit. Zwei Kaffeebecher und ein Buch. Warum die Kaffeebecher mit mussten, weiß sie nicht mehr. Welches Buch es war, erzählte sie später und es passte einiges so wunderbar zusammen. Ich glaube diese Frau, weiß ganz genau, welche Dinge und Menschen ihr persönlich wichtig sind und hat eine unglaubliche Fähigkeit loszulassen und nicht an allem festzuklammern. Doch auch sie ist nicht völlig frei von dem Bedürfnis nach Erinnerungsstücken und sehnsuchtsvollen Gefühlen. Dies wird deutlich, als sie von San Francisco nach Köln zieht. Ein Container macht sich auf Reisen … inklusive einer angefangenen Packung Frühstücksflocken (welche Sorte habe ich vergessen).

Der Abschied von „Zimmer Frei“ nach 20 Jahren fiel ihr nicht leicht. Sie wollte zunächst gar nicht kommen, hatte sie bei der vorletzten Folge einem Redakteur angedroht. Dahinter steckte die Sorge vor dem Publikum in Tränen auszubrechen. Er hatte Sorge, sie könne es ernst meinen und sich etwas besonderes für sie überlegt … Sie war bei der letzten Sendung dabei, hat es durchgestanden und auch genossen. Welche Worte Götz Alsmann in seinem Abschiedssong wählte, weiß sie nicht, ihre Gedanken waren eng bei ihrem Kollegen, damit beschäftigt mental seine Tränen zurück zu halten. Nach und nach begegnen ihr Erinnerungsstücke an diese Zeit oder ihr begegnen Fans, die einfach „Danke für 20 Jahre Zimmer Frei“ zu ihr sagen. Federleichte Glücksmomente nach dem Abschied.

In ihrem Buch und auch in der Lesung ging es nicht nur, aber auch um den Tod. Es ist noch nicht lange her, dass Anne aus Amsterdam verstarb. Christine Westermann erzählte so lebendig von dieser Freundin, dass ich auch kurz das Gefühl hatte, sie zu kennen, mich von ihr zu verabschieden und dann Weihnachten 2017 ohne sie zu feiern. Nein, nicht ohne sie, denn sie war dabei, saß vor Kopf und erfüllte den Abend mit ihrem Wesen. Geschichten, Erinnerungen, so leben wir alle weiter.

Kleine Anekdote zum Abschluss

Wir drei kleinen Menschen, Ute, ihre Schwester und ich hatten den perfekten Platz auf erhöhten Barhockern und somit einen wunderbaren Überblick über das Publikum und einen guten Blick auf die Bühne. Nahe bei uns saß ein Star aus Fernsehen und von der Bühne, den sogar ich kannte, denn hin und wieder besuche ich sehr gerne das Contra Kreis Theater (einmal hab ich sogar darüber berichtet). Er war derjenige, der mich auf den Tisch aufmerksam machte, beobachtet habe ich allerdings eine junge Frau, die sich mit einem Notizbuch zu ihm gesellte. Sie machte eifrig Notizen und wurde daher von mir verdächtigt Journalistin zu sein, vielleicht auch Bloggerin. Ich dagegen machte mir keine Notizen, lauschte, beobachtete und genoss den Abend. Daher ist meine Erinnerungen vielleicht auch ein wenig verzerrt. So wie diese: Es gab eine wirklich gute Stelle in der Lesung, erzählenswert. Tiefsinnig, lustig oder einfach nur schön? Alles, was ich euch erzählen kann, ist, wie mir auffiel, dass die eifrig schreibende junge Frau, diese nicht notiert hat. Ich auch nicht und das ist alles, an was ich mich erinnere.

Abschied

Christine Westermann hatte die perfekten letzten Worte für den Abschied von uns, bevor sie ins Foyer ging, um für Signaturen in Büchern, auf Armen oder Unterhemden zur Verfügung zu stehen.

Auch wenn etwas aufhört. Ist es noch lange nicht zu Ende.

Christine Westermann signiert alles, was man ihr hinhält

Christine Westermann signiert alles, was man ihr hinhält


Informationen zum Buch

Christine Westermann
Manchmal ist es federleicht – Von kleinen und großen Abschieden
Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-05050-9

Bücherschrank – Das Maibuch 2018

… welches eigentlich das Aprilbuch gewesen wäre, aber dann wurde plötzlich ein neuer Bücherschrank in Bonn eröffnet. Dort musste ich hin und fand einen Schatz, der sofort gelesen werden wollte …

Bücherschrank am Gymnasium Rodenkirchen

Bücherschrank am Gymnasium Rodenkirchen

Die Suche nach dem Bücherschrank

Im April führte mich mein Weg zu Ikea in Köln-Godorf. Dort findet sich ein Bücherschrank, vielmehr Regal, das wusste ich, hatte ich dort doch bereits mein Februarbuch 2017 gefunden.

Dank der Buchschrankfinder-App von Tobi (Lesestunden) suchte ich die Gegend ab und plante den Bücherschrank „Vor dem Café an der Wachsfabrik“ aufzusuchen. Doch er war nicht zu finden … Kein Café, kein Schrank. Habe mich wahrscheinlich zu dumm angestellt. Falls ihr Hinweise habt, gerne her damit, es gibt weitere Buchschrankmonate, weitere Fahrten zu Ikea …

Irgendwann gab ich auf und besuchte den Bücherschrank vor dem Gymnasium Rodenkirchen.

Es war doch recht interessant, welche Auswahl sich so vor einer Schule findet, nämlich in etwa dieselbe, wie in anderen Bücherschränken. Die ein oder andere offensichtliche „Schullektüre“ deutet darauf hin, dass der Schrank auch von Schülern, zumindest fürs Einstellen von Büchern, die sie loswerden wollen, genutzt wird. Jugenbücher oder Young Adult, wie es heute so schön heißt, sind mir nicht wirklich begegnet.

Trotzdem wurde ich fündig (dank Daggis Buch-Challenge suche ich ja aktuell gezielt in den Bücherschränken, für ihre kniffligen Aufgaben).

Das Buch ist auch bereits weit gereist, gehörte einst zum Bestand der Stadtbücherei von Königsbrunn. Eine Adresse mit Telefonnummer in Milano-Iltalia ist ebenfalls handschriftlich am Ende des Buches vermerkt. Es scheint eine Empfehlung für ein Café gewesen zu sein, inzwischen befindet sich dort keines mehr. Ob das Buch bereits in Mailand war? Es hat auf jeden Fall schon viel erlebt.

Gute alte Krimis

Ich war noch recht jung, als ich den Bücherschrank meines Opas öffnen und seine Bücher lesen durfte. Es war eine große Glasvitrine, voll mit Opas Büchern. Er überlegte lange und gab mir dann meinen ersten Krimi. Immer wieder fragte er mich, ob das Buch auch wirklich was für mich sei. Es war spannend. Im Sessel sitzend versuchte ich den Fall zu lösen, versagte kläglich, aber genoss es sehr mit Opa zusammen zu lesen. Kein Kinderbuch, sondern ein Buch für Erwachsene.

Es blieb nicht bei dem einen Krimi, ich las einige von Opas Büchern, nicht nur die alten. Er ließ mich John Grisham entdecken. Doch irgendwann entdeckte ich Fantasy und las keine Krimis mehr …

Doch vor einiger Zeit habe ich bereits einen Krimi über einen Bücherschrank entdeckt, einen alten, der auch in Opas Schrank hätte stehen können. Diesmal ist es ein Krimi, der bereits 1968 veröffentlicht wurde, geschrieben von Frank Arnau, der damals bereits 74 Jahre alt war, also deutlich vor meinem Opa geboren ist.

Das faszinierende an einem alten Krimi ist, dass die Welt noch so völlig anders tickt. Das Digitale in der Geschichte war ein Tonbandgerät oder ein Telefon, bei dem unbemerkt mitgehört wird. Oberinspektor Brewer muss für seine Ermittlungen zahlreiche Orte aufsuchen, Gespräche führen und auch die Forensik arbeitet noch vollkommen anders. Es gibt keine DNA-Analysen, aber auf der anderen Seite werde ich beeindruckt, welche Informationen aus einem getragenen Pelzmantel gezogen werden.

Das verbrannte Gesicht - Frank Arnau

Das verbrannte Gesicht – Frank Arnau

Das verbrannte Gesicht

Es handelt sich um einen klassischen Krimi mit Mordfall. Allerdings ist der Mord zu Beginn noch gar nicht geschehen. Eine junge Frau, die ihrer Tante an der Garderobe des Theaters ausgeholfen hat kommt spät noch auf die New Yorker Wache um dem Chef der Mordkommission von ihrem Erlebnis zu berichten. Alles begann damit, dass Laureen Kenneth sich den kostbaren Pelzmantel einer Theaterbesucherin angelegt hatte …

Blödsinniger Klappentext

Auf dem Klappentext steht tatsächlich:

Oberinspektor Brewer von der New Yorker Mordkommission hörte sich ihren nächtlichen Bericht zwar an, nahm die Sache aber nicht ganz ernst.

Das ist Blödsinn, denn er geht der Sache umgehend nach, stellt Fragen und bemüht sich darum, herauszufinden, wer die beteiligten Menschen sind und wo der Mord geschehen soll. Er ist allerdings realistisch und weiß, dass es nahezu unmöglich ist, den Mord zu verhindern. Laut Klappentext glaubt er der jungen Frau erst, als er die Leichte gefunden hat …

Das bezweifle ich, denn bereits zuvor im ersten Gespräch mit Collins, dem Chef des Polizeilabors, freut er sich darüber, dass dessen Erkenntnisse zu der Geschichte von Laureen passen.

Fazit

Es war schön, mal wieder einen alten Krimi zu lesen. Es hat mir Spaß gemacht und Erinnerungen geweckt. Das Buch selbst ist keine dringende Leseempfehlung, quält euch nicht mit der Suche.

Ich mag mein Projekt Bücherschrank. Das Buch wandert in den nächsten Tagen in einen anderen, welchen weiß ich noch nicht, aber ich bin gespannt, welche Überraschung mich dann erwartet.

 

Das verbrannte Gesicht

Frank Arnau

Ullstein Verlag

18. Buch: Louisa M. Alcott, Eine glückliche Zeit

Eine glückliche Zeit - Louisa M. Alcott

Eine glückliche Zeit – Louisa M. Alcott

Ja, ich habe es wieder! Als ich mir damals Gedanken gemacht habe, welche 50 Bücher auf meine Liste kommen, kam mir ganz schnell dieses Buch in den Sinn. „Und da ist noch ein Buch in alter Schrift, das ich als junges Mädchen so gerne gelesen habe, weil es auch so schön traurig ist. Leider komme ich trotz allen Grübelns und Recherchierens noch nicht auf den Titel und was noch schlimmer ist, es wurde beim Umzug vor 3 Monaten wohl mit entsorgt…. (einige Bücherkartons im Dachgeschoss waren feucht und muffelig geworden, daher schweren Herzens – dieses Buch habe ich dabei aber leider übersehen 🙁 ).“ Beim Sortieren der Fotos auf meinem PC ist mir aber auch zum Glück eine Aufnahme von meinem früheren Bücherregal begegnet und da stand es, das heißgeliebte Buch und hurra, nun hatte ich den Titel und habe es mir gleich gebraucht (Neuauflage gibt es leider nicht) gekauft.

Und ihr werdet es vielleicht nicht glauben, aber ich habe auch bei diesem erneuten Lesen wieder mehr als eine Träne verdrückt. Ich liebe Bücher, die mich zum Weinen bringen ;-).

Es handelt sich um einen Jugendroman, der für Jugendliche ab 12 Jahren gedacht ist.

Zum Inhalt

Die Autorin, 1832 als zweite von 4 Schwestern in Pennsylvania geb., beschreibt in diesem Roman zum Teil ihre eigenen Kindheitserinnerungen.

In dem Buch geht es um die Familie March. Der Vater ist Pfarrer und ist freiwillig an die Front gegangen. Die Familie lebte mal im Wohlstand, aber ist jetzt verarmt. Als älteste Tochter haben wir hier Margaret, 16 Jahre alt und sehr hübsch – ihr Äußeres ist ihr aber auch sehr wichtig. Als nächstes kommt die 15-Jährige Jo, die ich am meisten ins Herz geschlossen habe und die eigentlich lieber ein Junge wäre. Sie ist zwar herzensgut, aber macht sich vieles kaputt durch ihre große Klappe und burschikose Art. Dann kommt Elisabeth (Betty oder Beth genannt)

war ein scheues, sanftes Ding von dreizehn Jahren mit leiser Stimme und ausgeglichenem Wesen,

der Klavierspielen über alles geht. Und als Jüngste dann Amy, die sich mit ihren goldenen Locken wie eine junge Dame gibt. Die beiden Älteren gehen schon einer bezahlten Beschäftigung nach, Betty hilft der Mutter im Haushalt und Amy geht zur Schule. Trotz ihrer Armut helfen sie aber noch anderen Familien, die noch bedürftiger sind und eigentlich sind sie mit ihrem Leben ganz zufrieden, weil sie sehen, dass sie einander haben und eigentlich glücklicher sind als die Mitglieder manch reicher Familie.

Dann gibt es da noch das Nachbarhaus mit dem alten Herrn Laurenz und seinem Enkel Laurie, der von einem Hauslehrer unterrichtet wird.

Wir erleben den Alltag der Familie und insbesondere die Nöte der jungen Mädchen, wenn sie leiden, weil sie wieder einmal nicht das passende zum Anziehen haben… Wir erleben wie aus ihnen junge Damen werden und natürlich die ersten zarten Gefühle. Aber auch traurige Ereignisse, so dass ich empfehle, Taschentücher bereit zu halten. Man fühlt sich mit hinein versetzt in die Zeit, fühlt und leidet mit, kann sich die Menschen sehr gut vorstellen und mir wurde es beim Lesen nicht eine Sekunde langweilig.

Fazit

Ja, ich liebe dieses Buch immer noch und werde es ganz bestimmt ein weiteres Mal lesen!