Abschluss der Reihe „Tod und Trauer“

Abendstimmung vor meinem Balkon

Rückblick

Unfassbar, am 17. Juni sind nun schon zwei Jahre seit dem Tod meines Mannes vergangen.
Ein Jahr lang habe ich Woche für Woche Beiträge zum Thema Tod und Trauer geschrieben und hier veröffentlicht. Dies hier ist nun mein letzter Beitrag. Ein Jahr war geplant und ja, jetzt ist ein guter Zeitpunkt, diese Reihe nun auch abzuschließen.

Schreiben in der Trauer hilft. Ich habe in den zwei Jahren viel geschrieben und mir hat das Schreiben hier gut getan. Vieles ist dadurch auch für mich selber noch klarer geworden, aber ich hoffe, ich konnte auch euch mit meinen Beiträgen etwas mitgeben.

Ausblick

Jetzt beginnt mein drittes Jahr ohne Klaus und in diesem Jahr möchte ich nicht zurück, sondern nach vorne blicken.

Ich habe versucht, mir die Trauer zum Freund zu machen und schon einiges unternommen, um gut in meinem neuen Leben anzukommen. Nun bin ich gespannt, was noch auf mich wartet. Aus einer Zufallsbekanntschaft an der Bushaltestelle ist eine Freundin geworden. LineDance und Gospelchor sind nach wie vor meine wöchentlichen Highlights. In meinem neuen Umfeld fühle ich mich wohl. Trotzdem fehlt da noch etwas in meinem Leben, gibt es da noch Dinge, die ich in Angriff nehmen muss.

Eine Idee für ein neues Projekt habe ich schon, mal sehen ob ich es wirklich realisieren will und werde. Mal sehen, ob es mir gelingt andere hierfür zu begeistern, denn das ist ein Projekt, das ich nicht alleine machen möchte.

Vor allem muss ich jetzt endlich damit beginnen wieder etwas gesünder zu leben. In dieser Trauerzeit gab es zuviel Trostschokolade und ja, auch zu häufig Alkohol, wenn auch immer nur in kleinen Mengen. Das will ich wieder ändern, geholfen hat es eh nicht ;-).

Wie geht es mir im Moment?

Noch vor zwei Wochen hätte ich gesagt: „Danke, es geht mir gut.“ Doch nein, im Moment geht es mir alles andere als gut.

Der Gedanke an den zweiten Todestag meines Mannes am 17.6. belastet mich sehr. Die Trauer schlägt gerade wieder voll durch, schlägt mir auch massiv auf den Magen. Im Moment weine ich wieder, wie lange nicht mehr.

Ja, wir haben damit die Situation, dass der Gedanke an den Tag schlimmer ist, als der Tag dann am Ende werden wird. Deshalb bin ich auch aus der Planung ausgestiegen und lasse ihn einfach auf mich zukommen. Meine Tochter hat sich Zeit für mich freigeschaufelt und wir schauen spontan was wir brauchen.
Das einzige was feststeht ist, dass wir zum Todeszeitpunkt an seiner Grabstätte sein wollen.

Doch es ist nicht der Tag an sich, der mich so belastet, es ist eher das Ende des zweiten Trauerjahres. Von daher bin ich mir auch sicher, dass sich ab dem 18.6. mein seelischer und körperlicher Zustand wieder bessert.

Warum mich gerade dieser Tag so bewegt?

Da ist so irgendwie das Gefühl, dass ich meinen „Welpenschutz“ verliere. Bis jetzt konnte ich mich ein Stück weit auch immer hinter meiner Trauer verstecken. Bis jetzt wurde akzeptiert, wenn ich gesagt habe, das kann ich gerade nicht. Nun ist da neben dem Schmerz des Verlustes, der ja immer noch neben der wieder gewonnen Lebensfreude steht, auch noch der Druck, jetzt endgültig funktionieren zu müssen. Auch wenn ich mir dieses „Lasst uns Zeit“ auch weiterhin wünsche, wenn es Momente gibt, wo ich das brauche.

Und da ist noch etwas Ungeklärtes, das mich auch gerade sehr belastet, die Frage mit dem Ehering.

Was tun mit dem Ehering?

Die Frage, was mache ich mit meinem Ring, hat mich von Anfang an sehr beschäftigt. Ihn irgendwann abzunehmen erschien mir komisch, ihn bis an mein Lebensende zu tragen, aber irgendwie auch. Daher hatte ich überlegt, ihn am Tag nach der Beerdigung abzuziehen. Doch nein, das konnte ich dann doch nicht. Das war einfach zu früh.

In einem Forum hatte ich die begeisterten Worte von einem Witwer gelesen, der den neuen Ring in Händen hielt. Einen Ring in dem sein und der seiner verstorbenen Ehefrau zu einer Einheit verschmolzen waren. Ja, so etwas wollte ich auch.

Ich hatte mich nach einem guten Goldschmied erkundigt und dachte auch, den richtigen gefunden zu haben. In der Auslage waren tolle Schmuckstücke, alle von ihm hergestellt. Er hat sich Zeit für mich genommen, hatte vorgeschlagen einen Kettenanhänger aus beiden Ringen zu machen, bei denen die Namen zwar noch lesbar, die Ringe aber nicht mehr als Ringe erkennbar sein würden.

Die ersten Entwürfe waren schön, aber ich hatte dann doch nicht den Mut, mich hierauf einzulassen. Da ich diese Kette nicht ständig tragen würde, fühlte sich das nicht wirklich gut an. Inzwischen hatte der Goldschmied einen wunderschönen Rubin für mich gekauft und ich habe dann spontan unsere Freundschaftsringe umarbeiten und damit verzieren lassen. Beim Abholen hätte ich einfach nur heulen können. Der Ring war einfach nur lieblos zusammen gebogen, fett und klobig, der Ring meines Mannes nicht verkleinert, so dass er auch überhaupt nicht sitzt.

Furchtbar. Doch an dem Tag, dem 21. November (unser Kennenlerntag), war ich emotional eh nah am Wasser gebaut und konnte so nichts dazu sagen. So habe ich wortlos bezahlt. Seither liegt dieses Werk in der Schublade.
So schade um die schönen Ringe und den Rubin. Zum Glück hatte ich nicht unsere Eheringe hergegeben!

Was nun?

Bisher habe ich meinen Ehering weiterhin getragen während der Ring von meinem Mann im Schmuckkästchen liegt.

Doch jetzt habe ich die Sache erneut in Angriff genommen, habe eine Idee, die Ringe schlicht in X-Form zusammen fügen zu lassen. Der Plan ist den Ring am 17.6. abzunehmen und dann beim Juwelier abzugeben. Ich war auch bereits bei einem Goldschmied, doch bei ihm hätte ich eine Bearbeitungszeit von mindestens fünf Wochen. Das fühlt sich auch nicht gut an. Auf der anderen Seite spricht das vielleicht ja auch für ihn, dass er gut zu tun hat.

Da ist aber auch die Angst noch einmal reinzufallen und meinen Ehering unwiederbringlich zu verderben. Entscheidungen unter Druck – den ich mir gerade mache – sind ja eigentlich nie gut. Vielleicht doch einfach alles so lassen? Doch nein, das will ich ja auch nicht.

Ich werde auf jeden Fall noch zu einer Goldschmiedin in Bonn gehen.

Was hat mich beim Schreiben am meisten bewegt?

Eigentlich würde das zu einem Fazit dazu gehören, aber nein, ich mag hier jetzt nichts auswählen. Jeder Artikel hat mich bewegt und interessanterweise musste ich nie krampfhaft nach einem Thema suchen. Es stehen sogar noch Themen auf der Liste, die nun nicht mehr berücksichtigt werden.

Natürlich waren die persönlichen Artikel besonders emotional, aber gerade auch die Artikel mit Tipps zum Umgang mit Trauernden haben mich sehr bewegt, waren mir sehr wichtig.

Statt zurück zu blicken, finde ich dann die nächsten Fragen wichtiger und spannender.

Was hat mir gefehlt?

Gefehlt hat mir tatsächlich, der Austausch, das Feedback.
Ja, meine Tochter ist jeden Artikel mit mir durchgegangen, aber mich hätte schon interessiert, wie sie bei euch, bei denen, die mich nicht kennen angekommen sind.

Wie denkt ihr darüber? Was habt ihr erlebt? Konntet ihr davon etwas mitnehmen? Konnte euch das Lesen helfen?
Aber klar, hier war und ist nicht der richtige Ort für diesen Austausch. Vielleicht war es aber gut, dass ich mich so nicht auf Diskussionen einlassen musste, unbeeinflusst bei meinem Stil bleiben konnte.

Was möchte ich euch (und mir) noch mitgeben?

Ihr müsst nicht alleine dadurch! Nehmt Hilfe an oder sucht euch Hilfe.

Lebt euer Leben! Tut euch jeden Tag etwas Gutes, ihr seid es wert.
Lasst das gemeinsame Leben in Liebe und Dankbarkeit zurück. Beginnt nun ein neues Leben, euer Leben, ohne schlechtes Gewissen! Wir haben das Recht auf eine glückliche Zukunft und das ist doch das, was auch unsere Herzensmenschen sich für uns gewünscht hätten.

Sicher gibt es auch Dinge, die ihr immer mal machen wolltet, die sich in der Ehe/Beziehung jedoch nie ergeben haben wie bei mir das Singen im Chor. Jetzt ist die Chance dafür, probiert euch aus. Man ist nie zu alt für einen Neubeginn.

Euer Verstorbener wird immer ein Teil von euch sein, in euerem Herzen bleiben und wird euch hierbei in Liebe begleiten.

Feiert die Erinnerungstage und ja, ich meine bewusst feiern. Klar die ersten muss man eher überstehen, aber dann überwiegt hoffentlich die Dankbarkeit den Schmerz. Also macht aus diesen Tagen ein Fest. Eine Bekannte von mir, deren Mann schon länger tot ist, feiert diese Tage regelmäßig nur mit ihrem verstorbenen Mann und ist ganz beseelt, wenn sie davon erzählt. Sie kann sich gar nicht vorstellen, an diesen Tagen jemand anderes um sich zu haben und ja, sie feiert und weint. Für meinen nächsten Hochzeitstag im August, habe ich da schon so eine Idee wie ich ihn ganz besonders feiern möchte.

Ich wünsche allen Trauernden, die hier mitgelesen haben und dies hier lesen, dass ihr gut durch die schwere Zeit kommt und, dass auch ihr eueren ganz persönlichen Weg findet, um wieder glücklich zu sein!

Nachbemerkung: Am Sonntag bin ich mit Stephanie den Beitrag durchgegangen und wir haben ihn für die Veröffentlichung geplant. Familienmitglieder therapiert man ja eigentlich nicht, aber jetzt musste die systemische Beraterin kurz einmal eingreifen. Mit zwei, drei Fragen/Sätzen hat sie das Blatt für mich gewendet. Unglaublich.
Hat natürlich nicht sofort gewirkt, ich musste das erstmal sacken lassen, kurz drüber nachdenken, aber seit Montagabend geht es mir deutlich besser!!!