Dankbarkeit

Unser gemeinsamer Traumurlaub Island

Wie soll man diese Zeit der Trauer nur überstehen? Da ist soviel Schmerz, soviel Tränen, soviel Wut, Angst und Verzweiflung. Soviel zerstörerische Gefühle, soviel Ohnmacht, Kraft- und Haltlosigkeit und oft auch Einsamkeit.

Wie soll man zurück ins Leben finden?

Für mich gibt es zwei Schlüssel, die den Weg erleichtern und uns durch diese schwere Zeit helfen können. Der eine davon ist die Liebe. Die Liebe, die Zeit und Raum überdauert, die Liebe, die uns auch nach dem Tod unseres Herzensmenschen noch bleibt.

Dankbarkeit

Der zweite Schlüssel ist die Dankbarkeit, die ganz eng mit der Liebe verknüpft ist. Denn ohne Dankbarkeit, verfluchen wir vielleicht sogar die Liebe. Ohne die Liebe, wäre der Schmerz ja jetzt nicht so groß.

Dankbarkeit ist so ein schönes wärmendes Gefühl und es gibt sicher Vieles, für das wir dankbar sein können.
Wir dürfen dankbar sein, dass uns dieser besondere Mensch, um den wir jetzt trauern begegnet ist. Wir dürfen dankbar sein, dass dieser uns seine Liebe geschenkt und uns soviel gegeben hat. Wir dürfen dankbar sein, für die Zeit, die wir miteinander hatten.

Mit dem Wissen von heute, mit dem Schmerz des Verlustes, würden wir da diese Zeit missen wollen? Wäre es uns lieber, diesen Menschen nie getroffen zu haben? Ich glaube nicht.

Vielleicht gelingt es uns mit diesen Gedanken besser, den Schmerz als Zeichen der Liebe anzunehmen und auszuhalten.

Meine persönliche Dankbarkeit

Ja, mein Mann ist viel zu früh verstorben. Wir hatten noch Vieles vor, hatten noch Träume und Pläne. Trotzdem muss ich sagen, wir haben Glück gehabt. Mein Mann konnte sich seinen größten Traum von einem Wohnmobil erfüllen und diesen Traum auch in 360 Nächten erleben.

Klaus ist immerhin 61 geworden und wir hatten 40 gemeinsame Jahre. Ja, er war schon jahrelang krank und das hat mich zeitweise auch extrem belastet, aber Pflegebedürftigkeit ist uns erspart geblieben.
Ich durfte dabei sein, als Klaus gestorben ist und wir hatten einen schönen Abschied, eine schöne Trauerfeier. Wir wussten um das, was auf uns zu kam und hatten so noch Gelegenheit alles zu regeln. Finanziell komme ich über die Runden, auch etwas für das ich dankbar sein muss.

Ich bin dankbar, dass ich nicht ganz alleine bin, dass ich meine Tochter mit Familie jetzt in der Nähe habe. Dankbar bin ich auch für meine neue Wohnung, für neue Bekanntschaften, dafür, dass mein neues Leben neben der Trauer auch seine Lichtblicke hat.

Dankbarkeit als Druck

Ja, ich habe soviel, was andere nicht haben. Viele konnten sich gerade jetzt in dieser Coronazeit nicht verabschieden. Viele haben ihren Mann viel früher verloren, bleiben vielleicht mit noch kleinen Kindern zurück.

Manchmal empfinde ich das dann auch als Druck, besonders dann, wenn mich der Schmerz besonders heftig überrollt.

Doch ich bemühe mich, das zu vermeiden. Man kann nicht den einen gegen den anderen Schmerz aufwiegen. Auch mein Schmerz darf sein, parallel zur Dankbarkeit.

Darf die junge Frau mehr trauern als die Alte? Ist es wirklich schlimmer, wenn jemand plötzlich und unerwartet stirbt oder ist die Zeit, die man gemeinsam leidet am Ende schlimmer? Es gibt kein ´schlimmer´, es gibt nur den Schmerz, der so individuell ist, wie die Herzensmenschen, die wir so schmerzlich vermissen.

Dankbarkeit hilft

Ich glaube daran, dass Dankbarkeit uns hilft, dass es hilft, wenn wir uns auf die Liebe und Dankbarkeit konzentrieren.

In dieser Zeit der Trauer erscheint uns alles dunkel und kalt, da ist es so wichtig, dass wir auch Licht sehen, dass es etwas gibt, das uns wärmt. Gibt es ein schöneres Licht als Liebe? Spürt ihr die Wärme im Herzen, wenn ihr dankbar an etwas denkt? Diese Gefühle hervorrufen zu können und spüren zu können ist gerade in dieser schweren Zeit so kostbar.

Diese positiven Gefühle dürfen sein, genau wie die Freude und das Lachen, die nach und nach wieder mehr Raum in unserem Leben haben werden. Positive Gefühle durch die Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit und die Gewissheit, dass die Liebe bleibt.