Theater mit Herz

Das Ensemble von "Lenoce und Lena" inklusives Theater - Bild: (c) Lebenshilfe Bonn/ Eugenia Brüse

Das Ensemble von „Lenoce und Lena“ inklusives Theater – Bild: (c) Lebenshilfe Bonn / Eugenis Brüse

Ich liebe Geschichten. Manch eine Geschichte berührt mich tief. Geschichten live auf der Bühne zu erleben ist jedes Mal ein wunderbares Erlebnis. Gestern erlebte ich eine Aufführung, die mich auf ganz andere Art tief berührt hat. Es war gar nicht so sehr die eigentliche Geschichte, die die Schauspieler erzählt haben. Es waren die Schauspieler und Schauspielerinnen selbst. Sie alle waren so unglaublich großartig und mit einer ganz besonderen Leidenschaft dabei. Wen diese wunderbare Aufführung von „Leonce und Lena“ im GOP Varieté Theater kalt gelassen hat, an demjenigen ist wirklich etwas vorbei gegangen.

Leonce und Lena

Leonce ist ein Prinz dessen Leben aus einer Menge Langeweile besteht. Er philosophiert über die Langeweile und die Idee, dass Menschen doch nur aus Langeweile lieben. Mit sich selbst und dem Leben ist er unzufrieden.

Ich bin ein Buch ohne Buchstaben.

Die Idee seines Vater, er solle Prinzessin Lena heiraten und König werden, missfällt ihm. Sämtliche Vorschläge von Valerio, etwas anders aus seinem Leben zu machen, schmettert er ab. Gemeinsam gehen sie fort.

Währenddessen ist auch Prinzessin Lena unglücklich. Warum sollte sie einen Prinzen heiraten, den sie nicht einmal kennt? Sie möchte jemanden heiraten, den sie auch liebt. So ergreift auch sie die Flucht vor der Hochzeit, gemeinsam mit ihrer hochschwangeren Gouvernante …

Es kommt alles, wie es kommen muss: Eine Begegnung … Alles mit einer unglaublichen Leidenschaft von der inklusiven Schauspielgruppe inszeniert.

Theater Inklusiv

Das Ensemble der Laienschauspielgruppe „17:30“ ist inklusiv. Das bedeutet die Mehrzahl der Mitglieder hat eine Behinderung. Es gab große und kleinere Rollen. Der Zusammenhalt der Gruppe war sichtbar, gegenseitige dezente Unterstützung auf der Bühne.

Jeder einzelne von ihnen hat einfach alles gegeben an diesem Abend! Wir haben sehr viel gelacht und mit Leonce und Lena mitgefühlt. Auch mit dem König, der eine solche Ausstrahlung hatte, dass er die Bühne bereits ausfüllte, bevor er überhaupt das Wort ergriffen hatte. Alle anderen Rollen hatten ihren ganz besonderen Auftritt.  Es gab zwischen der Haupthandlung zahlreiche kleine Szenen, liebevoll inszeniert und großartig gespielt. Während Henrik, der Schauspieler von Leonce bereits seit fünf Jahren Theater spielt, war es für die Schauspielerin der Lena, Antonia, der erste (bzw. gestern zweite) große Auftritt. Mir wurde erzählt, sie habe im letzten Jahr beim „Froschkönig“ im Publikum gesessen und sich gewünscht, im nächsten Jahr dabei zu sein. Es macht mich sehr glücklich, dass ihr Wunsch in Erfüllung gegangen ist und ich ihre Freude darüber miterleben durfte.

Das Publikum

Nicht nur die Truppe auf der Bühne war inklusiv, auch das Publikum. Mehrere Bewohner der Wohngruppen der Lebenshilfe waren mit ihren Betreuern im Publikum.  Dazwischen Ehrengäste und andere Theaterbesucher.

Die Atmosphäre im Publikum war ebenfalls besonders. Noch relativ zu Beginn hörte ich eine Stimme, leise, aber klar vernehmlich:

Darf ich applaudieren.

Gerne hätte ich geantwortet: Du darfst immer applaudieren, wenn es dir gefällt.

Später gab es eine Szene in der der Wechsel von Nacht und Tag visualisiert wurde, indem erst ein Mond und anschließend eine Sonne über die Bühne getragen wurde. Während der Mond über die Bühne getragen wurde, stimmte eine Stimme ein Schlaflied an. Nur kurz, aber sehr passend!

Frei von jeglicher Ettikette war das GOP-Theater von ungefilterten Gefühlen erfüllt, auf der Bühne und im Publikum. Es war ein Ping-Pong-Spiel zwischen dem Ensemble und uns. Am deutlichsten sichtbar wurde dies beim Finale. Während die Schauspielgruppe auf der Bühne sich verbeugte und unseren wohlverdienten Applaus genoss. Ganz besonders der Schauspielerin der Lena sah man an, wie glücklich sie war. Sie strahlte und streckte stolz die Arme in die Luft. Es war ihr Abend, der Abend der inklusiven Schauspielgruppe und unser aller Abend, die wir mit dabei sein durften.

Ganz großes Theater!

Projekt Theater Inklusiv

Das inklusive Theater ist ein Projekt der Lebenshilfe Bonn unter der Organisation von Marion Frohn. Ein Jahr hat die Gruppe zusammen unter der Leitung von Regisseurin Katharina Weishaupt geprobt. Gefördert wurde das Projekt von der Aktion Mensch und unterstützt vom GOP Varieté Theater durch das Bereitstellen der Bühne, nicht nur für die beiden Aufführungen, sondern auch für die Proben. Eine wunderbare Kooperation! Das Theater verfügt über einige barrierefreie Sitzplätze. Eine Fortsetzung im nächsten Jahr wird es hoffentlich geben. Mein Eindruck war, dass die Beteiligten auf jeden Fall alle Lust dazu haben.

Die Lebenshilfe Bonn zeigt wunderbar anschaulich, zu was Menschen mit einer Behinderung fähig sind. Eine solche Aufführung ist für mich gelebte Inklusion deluxe. Auch in vielen anderen Aktionen zeigt die Lebenshilfe Bonn deutlich, dass es ihnen nicht darum geht in Wohngruppen Behinderte zu verwahren. Es geht um Menschen, Menschen, die ihr Leben leben und dies mit großer Freude tun.

Danke an all die wunderbaren Menschen, die diesen Abend ermöglicht haben: die Schauspielgruppe und ihr Background-Team, ehrenamtliche Helfer, Geldgeber und alle anderen Beteiligten. Danke, liebe Ute, dass du mich mitgenommen hast!

Ich wünsche mir mehr solche Projekte!

Kleiner Komet auf dem Litcamp Bonn 2018

Das erste Bonner Literaturcamp war phantastisch! Ich habe viele nette Leute kennen gelernt und ganz viel Inspiration für mich mitgenommen.

Beinahe wäre ich zum diesjährigen LitcampBN18 nicht gegangen. Der Termin lag einfach blöd, einen Tag vor der großen Familienfeier … Vorbereitungswahnsinn und Barcamp, kann doch gar nicht funktionieren … Doch, es hat!

Das beste am Barcamp …

… sind die Menschen.

Und so habe ich einige Menschen wieder getroffen, manche zum ersten Mal persönlich, nachdem man sich bereits online begegnete. Andere ganz neu kennen gelernt und einige auch vermisst.

Es war interessant, denn einige Besucher des ersten Bonner Litcamp waren auch diesmal wieder mit dabei, aber auch viele zum ersten mal und es sind mir auch Menschen begegnet, die ich beim ersten Barcamp nicht hatte kennen lernen können. Ein Tag ist leider nicht genug für so viele mögliche gute Gespräche. Mit manch einem hätte ich gerne mehr Zeit verbracht.

Und weil die Menschen das beste am Barcamp ist habe ich mir diesmal besonders viel Zeit für Gespräche genommen, auch wenn es nicht gereicht hat. Daher hoffe ich einfach, dass wir in Kontakt bleiben und uns wieder sehen!

Ein Barcamp ist so vielseitig wie seine Teilnehmer, ebenso vielseitig sind die angebotenen Sessions. Doch besuchen kann man sie nicht alle … Daher ist es schön, sich über Tweets #LitcampBN18 und Blogbeiträge auszutauschen. Eine Linksammlung folgt am Ende.

Vom Schwinden der Aufmerksamkeit

Parallel zuhören, mich an der Diskussionsrunde beteiligen und nebenbei darüber twittern ist eine meiner Stärken.

Es macht mir einfach Spaß, aber wie kann das funktionieren? Echtes Multitasking gibt es nicht, es ist ein permanenter Wechsel der Aufmerksamkeit nötig. Es ist also nicht möglich gleichzeitig aufmerksam zuzuhören, aufmerksam zu twittern und auch noch mitzureden. Wie mache ich das jetzt trotzdem? Trainiert habe ich diese Fähigkeit im Studium. Während die Dozenten ihre Vorlesungen gehalten haben, habe ich eifrig mitgeschrieben. Dabei habe ich trainiert, den Schreibprozess möglichst zu automatisieren. Schnell schreiben können, war dabei hilfreich, die Schrift nicht immer leserlich und ganz ehrlich, die Notizen machten im Nachhinein nicht immer Sinn. Es besserte sich im Laufe der Jahre, vor allem auch die Filterung der Relevanz, was ich aufschreiben wollte. Inzwischen habe ich einige Barcamps besucht und der permanente schnelle Wechsel der Aufmerksamkeit zwischen tippen und zuhören, dabei auch noch denken, gelingt mir inzwischen ganz gut. Wichtig ist auch wirklich schnell hin und her zu switchen, nicht erst, wenn der Tweet fertig geschrieben ist, so verpasst man möglichst wenig,

Allerdings erfordert dies eine hohe Konzentration, die nicht permanent zur Verfügung steht. Pausen sind wichtig, entspannte Gespräche, ohne dabei zu twittern oder auch mal ein paar Minuten alleine zurückziehen und kurz abschalten. Beim Litcamp habe ich gemerkt, dass ich einige Fehler gemacht habe, sogar manchmal den Hashtag vergessen … Eine Kleinigkeit, die sich eigentlich relativ leicht vermeiden lässt … Hashtag auf Twitter suchen und diese Suche (am besten „neueste“ anzeigen lassen) einfach aktiv lassen. So werden stets die neuesten Tweets der anderen angezeigt (lese ich nur dann, wenn gerade jemand abschweift und etwas erzählt, was mich nicht so sehr interessiert). Aus dieser Ansicht heraus twittern, dann ist der Hashtag direkt mit im Tweet.

Es waren diesmal auch deutlich weniger Tweets, was aber auch an den Sessions lag, denn es muss Content sein, der in wenige Worte verpackt für Nicht-Anwesende interessant sein könnte.

Ich war schlicht nicht fit und so war es auch für mich nicht mehr so einfach gleichzeitig aufmerksam vor Ort und im Netz zu sein! Bei zweitägigen Barcamps merke ich übrigens auch, dass es am zweiten Tag schwieriger wird und die Pausen wichtiger sind! Es ist also eine Fähigkeit, die nicht unbegrenzt eingesetzt werden kann. Ein Läufer läuft auch nicht jeden Tag einen Marathon!

Vom Lesen langer Romane

Oliver hat einst viel und gern gelesen, sich auch von langen Texten nicht abschrecken lassen. Inzwischen ist es anders, er ist kurze Einheiten gewöhnt und ein ganzes Buch wird zu einer Herausforderung … Warum ist das so und wie kann man das wieder ändern? Das war die Motivation von Oliver und Sascha für die erste Litcamp-Session „Aufmerksamkeitsspanne“, mit der ich gestartet bin.

Ablenkung durch das Smartphone

Immer dabei, ein Griff, ein Klick und ganz schnell sind wir verloren in der Informationsflut …


Ein Tipp aus der Runde lautet, die Benachrichtigungen der Apps auszuschalten, um nicht bei jeder neuen Notification nach dem Gerät zu greifen, nur um festzustellen, dass es irrelevant war. Dafür besteht aber möglicherweise die Gefahr, noch schnell was nachzuschauen und sich in den Kanälen zu verlieren.

Hierzu passen die Erfahrungen von Cynthia, die sie auf webcare+ schildert. Lustigerweise habe ich Cynthia auf meinem letzten Barcamp kennen gelernt.

Meine persönliche Haltung zu dem Thema ist: Wir brauchen individuelle Filtermechanismen, keine digitalen, sondern in uns selbst. Was will ich sehen, wann will ich mir Zeit für die Messenger-Kommunikation nehmen, welche Themen interessieren mich wann. Habe ich Lust auf Bilder, kurze News, persönliche Updates, sachliche Informationen oder Zerstreuung. Je nach Bedürfnis kann man gezielt die Kanäle heranziehen, die dazu passen. Genau so kann man aber auch das Smartphone, den Laptop oder den PC einfach auslassen, Zeit mit Freunden oder der Familie verbringen. Auch dieses Vorgehen klappt nicht immer perfekt, aber das ist menschlich. Seien wir nicht zu streng mit uns selbst!

Einen Erfahrung aus der Runde fand ich ebenfalls interessant. Eine Teilnehmerin greift häufig nach ihrem Smartphone, was ihre Freunde negativ kommentieren. Sie checkt nicht ihre Nachrichten oder Social-Media-Kanäle, sie recherchiert. Sie ist unheimlich neugierig und hat das Bedürfnis, nach Antworten auf ihre Fragen zu suchen. Sie genießt es, dass sie nicht mehr wie früher, die Frage merken und später auf das Sofa klettern muss, um den Brockhaus vom Regal zu holen, bis sie möglicherweise eine Antwort auf die Frage findet. Dafür hat ihr Umfeld wenig Verständnis. Sie empfindet daher eher das Umfeld, weniger ihr Verhalten als problematisch. Sobald sie die Information gefunden hat, ist sie zufrieden und wieder aufmerksam für ihre Umwelt.

Insgesamt war es eine abwechslungsreiche Diskussion, aus der ich nur Teile und vor allem meine Gedanken zum Thema hier wiedergegeben habe.

Einen Roman wie einen Film schreiben

Die zweite Session bezog sich auf ein anderes Thema, war dafür aber sehr literarisch. Claus Vaske ist ein Autor von dem ich bislang noch nichts gehört, nichts gelesen habe. Vielleicht habe ich schon mal etwas von ihm gesehen oder einen seiner Texte mitbekommen, die er als Ghostwriter verfasst hat. Eigentlich ist Claus ja Drehbuchautor, u.a. war er schon an TV-Total beteiligt, nicht ganz mein Format, „7 Tage – 7 Köpfe“ schon eher, lang ist es her …

Seine Session über die Entstehung des Comedy-Romans war sehr interessant.

Wie Gustaf wurde, was er ist…
Mal sehen, was @ClausVaske über Gustaf zu erzählen hat pic.twitter.com/F3wfV5UgTu

Es war übrigens nicht seine Idee, einen Roman zu schreiben, sondern die einer Agentin. Er hat es dann einfach mal gemacht. Wie man Romane schreibt, davon hat er keine Ahnung. Wie man Comedy macht, das weiß er. Also hat er seinen Roman wie einen Film geschrieben, inzwischen seinen dritten, den über jenen Gustaf. Wie kommt er auf seine Ideen?

Ideen kommen zu dir, du musst sie nur erkennen!

Gerade das macht gute Comedy doch aus, finde ich, Szenen aus dem Leben und ein Protagonist, der sich dämlich anstellt, einer, dem viel misslingt und den Zuschauer oder Leser in seinem eigenen Selbstwert stärkt. So blöd wären wir doch nicht gewesen, oder? Falls doch, dann sind wir mit unserer Blödheit nicht alleine, auch prima.

Comedy braucht Chaos, erklärt uns Claus Vaske. Der Knackpunkt ist, den Protagonisten völlig gegen die Wand laufen zu lassen, bis zu dem Punkt, an dem sich das Publikum fragt:

Wie kommt der aus der Nummer wieder raus?

Dann muss noch einmal alles auf links gedreht werden. Der Protagonist läuft noch einmal von vorne los …

Das mit dem Laufen beginnt direkt nach dem Plot-Start, denn wenn die Story gezündet ist, laufen gute Figuren selbstständig los. Auch gute Nebenfiguren sind sehr wichtig, ihre Aufgabe kann sein, dafür zu sorgen, dass aus einem Drama Comedy wird. Sie können dabei helfen, die Hauptfiguren zu lenken, beispielsweise mussten bei „Gustaf“ für eine Szene die Kinder aus dem Haus geschafft werden. Da sie nicht freiwillig gingen, brauchte es Nebenfiguren mit passenden Argumenten …

Übrigens sind es insbesondere die Tweets zu dieser Session, die von Tippfehlern und fehlendem #LitcampBn18 – Hashatag wimmeln. Der Spuk von Gutsaf?

Wer dieser Gustaf ist? Ein Gespenst, wohnhaft in einer Villa, die von einer Familie neu bezogen wird. Gustav ist auch noch ein Alter Schwede und verantwortlich für eine Menge Chaos, Hauptfigur im dritten Comedy-Roman von Claus Vaske.

Auf Youtube habe ich einen Ausschnitt aus dem Roman gefunden, gelesen von Hella von Sinnen.

Local Heroes

Ein Bonner Barcamp mit zahlreichen Gästen von außen – Brainstorming zu lokalen Projekten sollte in einer eigenen Session stattfinden.

Es war eine verrückte Session, eine in der der Sessiongeber zwischendurch weglief … eine mit einer eigenen Vorstellungsrunde, aus der sich aber auch gleich kleine Netzwerke bildeten. In diesem Fall, war die Runde vielleicht keine kostbare Zeitverschwendung, sondern Teil der offenen Diskussion. Diese stockte nämlich nach der Runde kurz.

Dann kam die Idee, die hinter der Session lag, zur Sprache. Diese Idee finde ich interessant. Carmen (Webseite in Überarbeitung / Twitter) überlegt, eine lokale Plattform für Literatur auf der Kunstrasenbühne zu starten. Nicht, wie ich es im ersten Moment verstanden habe: einer sitzt auf der Bühne und liest, während auf der Fläche, wo sonst Platz für 10.000 Konzertbesucher ist, die Zuhörer sitzen. Nein, alle dürfen auf die überdachte Bühne, die im Lounge-Charakter gemütlich gemacht werden kann. Es wurden Ideen hin und her geworfen und ich glaube sie hat einiges mitgenommen. Wer sich angesprochen fühlt, melde sich gerne bei ihr. Angesprochen fühlen sollen sich ausdrücklich Menschen mit Leidenschaft, die „Texte aus der Schublade“ vor Publikum vortragen mögen.

Weitere Beiträge

Wie oben erwähnt, kann ein einzelner Barcamper nicht überall sein. Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin erlebt dieselbe Veranstaltung ganz individuell verschieden. In diesem Sinne empfehle ich euch bei den anderen ein wenig zu stöbern. Beiträge, die bereits erschienen sind (ohne Anspruch auf Vollständigkeit, dieser Beitrag entstand über mehrere Tage verteilt):

Eine vollständige Liste wird es auf der Veranstaltungsseite „LiteraturcampNRW“ geben.

 

Danke und bis 2019! Bis dahin lesen wir uns oder treffen uns sogar persönlich bei der ein oder anderen Gelegenheit.

Bücherschrank – Aprilbuch 2018

Bücherschrank Südstadt

Neuer Bücherschrank

Jeden Monat ein Buch aus einem anderen Bücherschrank. In Bonn habe ich ja den Luxus, von zahlreichen Offenen Bücherschränken umgeben zu sein. Zu meiner großen Freude gibt es einen brandneuen, der jetzt in der Südstadt steht. Dort habe ich ein Buch entdeckt, dass gar nicht lange im Schrank stand. Immerhin habe ich die feierliche Eröffnungsfeier besucht.

War ich gerade noch dabei Fotos vom frisch befüllten Schrank zu machen, entdeckte ich oben in der Ecke etwas grünes … Meine Augen erfassten den Titel, mein Gehirn verarbeitete die Informationen und leitete einen sofortigen Befehl an meine Füße weiter, auf die anderen Seite des Zaunes zu wechseln und das Buch zu holen.

Känguru-Chroniken – Marc-Uwe Kling

Des einen Qual, des anderen Schatz

Anwesend auf der Feier war auch die Vorbesitzerin des Schatzes. Das Buch sah verdächtig ungelesen aus. Es war auch lediglich angelesen, wie ich später erfuhr. Unglaublich!, dachte ich. Sie lese gerne Krimis, je blutiger desto besser, erzählte sie mir. Vielleserin sei sie, bräuchte eine gute Alternative zu dem ganzen politischen Kram, den sie lesen müsse. Ja, ich verstehe.

Die „Känguru-Chroniken“ von Marc-Uwe Kling sind großartig! Unterhaltsam, bissig und nicht frei von politischen Themen. Ergo keine ablenkende Alternative zu politischem Papierkram, aber definitiv eine amüsantere!

Die Känguru-Chroniken

Seit ich „Qualityland“ gelesen habe, wollte ich unbedingt auch die Känguru-Chroniken lesen!

Und ja, ich liebe es!

Viel gelernt habe ich auch, vor allem Dinge, die ich nicht lernen wollte. Verdammt, wie werde ich das Wissen über die Tatoos von Robbie Williams wieder los?

Worum geht es?

Um das Leben, das Zusammenleben eines Kleinkünstlers und eines Känguru. Zwei spezielle Exemplare, doch was sie erleben und besprechen ist gar nicht so speziell, sondern mitten aus dem Leben gegriffen. Und wir sind live dabei, in der ungewöhnlich gewöhnlichen WG.

Fazit

Die Känguru-Chroniken dürfen in keiner WG-Bibliothek fehlen. Gibt es das überhaupt – WG-Bibliotheken? Was es nicht gibt, muss erfunden werden, also eröffnet bitte in der WG eine Bibliothek und da stellt ihr „Die Känguru-Chroniken“ von Marc-Uwe Kling rein. Euer WG-Leben wird fortan bereichert durch Sätze wie

„Das Känguru würde …“

„Schnapspralinen“

„Mein, Dein, das sind doch bürgerliche Kategorien.“

bereichert. Ihr habt kein Platz? Die Känguru-Chroniken Bibliothek ist auch gut am Klo aufgehoben. Sehr kurze Kapitel, kleine Szenen für das stille Örtchen.

Sonntagsgeschichte Kapitel 31 – Buchparadies

Dies ist das 31. Kapitel des Blogromans.

Das erste Kapitel findest du hier, du kannst auch von Kapitel zu Kapitel blättern.

letztes Kapitel

Sonntagsgeschichte Kapitel 31, Blogroman

Josephine war alleine, alleine im Paradies, umgeben von scheinbar unendlich vielen Büchern. Sie konnte das Ende des Raumes nicht erkennen, so viele Regale umgaben sie. Svens Opa hatte sie zum Regal mit den Sagen und Legenden aus dem Rheinland geführt. Hier würde sie Antworten auf ihre Fragen finden. Wie konnte es sich da so sicher sein? Sie kannten einander doch gar nicht, waren sich vor wenigen Minuten zum ersten Mal begegnet. Doch auch wenn sie auf dem Weg durch die Aquilaburg nicht viel gesprochen hatten, war ihr der alte Herr bereits vertraut geworden. Sie fühlte sich an diesem Ort zu Hause, so verrückt es ihr auch erschien. Gedankenverloren streckte sie die Hand aus und strich sanft über die Buchrücken. Einige waren druckfrisch und neu, andere schienen uralt zu sein.

Welches sollte sie lesen? Bis zum Abendessen blieb ihr Zeit, dann würde Sven sie abholen. Sie wusste nicht, wann es Zeit zum Abendessen war, aber ein Blick auf die Uhr verriet, dass ihr auf jeden Fall ein paar Stunden blieben. Nicht genug Zeit für all diese Schätze, aber kostbare Zeit allein mit diesem Wissen. Wo sollte sie anfangen? Langsam schritt sie an dem Regal entlang, mit den Fingerspitzen über die Buchrücken streichend. Endlich widmete sie sich den Titeln. Natürlich, dachte sie bei sich, die Nibelungensage und die Sage um Loreley musste ja hier stehen. Sie kannte beide Sagen grob und schaute weiter, entdeckte historische Bücher über Bonn und Köln. Römer, zweiter Weltkrieg und dann die Heinzelmännchen zu Köln. Vielleicht sollte sie mal wieder nach Köln fahren und Marcel in der Buchhandlung Ludwig besuchen? Wie klein der Buchladen gegen diese Bibliothek doch war.

Schließlich blieben ihre Finger an einem Buch hängen, dass ein kleines Stück hervorstand. Sie zog es heraus und entdeckte einen grinsenden Zwerg auf dem in Leder gebunden Buch. Er sah ganz und gar nicht wie Marcel und die Kölner Heinzelmännchen aus. Nein, das Gesicht erinnerte sie vielmehr an Hein. Besonders groß war der Mann ja auch nicht, dachte sie bei sich, und musste Grinsen. Sie nahm das Buch und ging damit zum Ohrensessel am Fenster. Ein Blick aus dem Fenster zeigte ihr den Vorplatz der Burg. Dort waren sie vorhin angekommen. Noch gar nicht lange her, auch wenn es sich anfühlte, als wäre es bereits letzte Woche gewesen. Die Krähen fielen ihr wieder ein und sie suchte den Himmel ab. Sie musste die Augen zusammenkneifen, aber sie entdeckte die Vögel. Sie hockten in einem Baum vor dem Tor. Offenbar hatten sie die Verfolgung doch noch nicht aufgegeben, aber aus irgendeinem Grund konnten sie nicht auf das Gelände der Burg.

Sie wandte sich ab, machte es sich im Sessel bequem und schon bald war sie völlig im Zwergenbuch vertieft.

***

nächstes Kapitel