Bücherschrank – Aprilbuch 2019

Jeden Monat lese ich ein Buch aus einem anderen öffentlichen Bücherschrank. Anschließend lasse ich das Buch wieder frei, gebe es persönlich weiter oder stelle es in einen anderen Bücherschrank. Jedes Mal lege ich einen Brief mit dazu. Eine Übersicht der bisher besuchten Bücherschränke seht ihr hier.

Jedem Anfang wohnt ein verdammter Zauber inne ~ Andrea Harmonika
Jedem Anfang wohnt ein verdammter Zauber inne ~ Andrea Harmonika

Ein Ausflug nach Koblenz

In den Osterferien 2019 wiederholten wir einen Ausflug aus dem Sommer 2018. Wir fuhren erneut nach Koblenz zum AdventureGolf. Da in Rheinland-Pfalz noch keine Osterferien waren, war die Bahn recht leer und das Spiel sehr entspannt. Der größte Unterschied zwischen AdventureGolf und normalem Minigolf: Ich kann es besser, denn ich habe gewonnen und ich gewinne Minigolf gegen meine Familie nie!

Adventure Golf, Koblenz
Adventure Golf, Koblenz

Der eigentliche Unterschied liegt abgesehen von den kreativen Bahnen in der Spielweise: Anstatt nacheinander, spielen alle gleichzeitig auf einer Bahn. Natürlich schlägt man noch nacheinander, aber eben nur einmal, dann ist der nächste dran. So liegen alle Bälle zusammen auf der Bahn und man kann die Bälle der anderen wie beim Billard bewegen. Dran ist immer derjenige, der am weitesten vom Loch entfernt liegt. Es macht Spaß.

Adventure Golf - Mein Ball hat es durch das drehende Wasserrad geschafft :-)
Adventure Golf – Mein Ball hat es durch das drehende Wasserrad geschafft 🙂

Nach dem Spiel sind wir auf dem Gelände vor der Festung Ehrenbreitstein noch spazieren gegangen. Seit der Bundesgartenschau von 2011 ist das Gelände vor der Festung schön gestaltet. So gibt es beispielsweise die Möglichkeit einer traumhaften Aussicht über das Deutsche Eck.

Ausblick auf den Rhein, Koblenz, Deutsches Eck
Ausblick auf den Rhein, Koblenz, Deutsches Eck

Etwas einem Bücherschrank ähnlichem haben wir ebenfalls entdeckt: Eine Leselounge. Hier können Bücher ausgeliehen und auf dem Gelände gelesen werden. Leider war der kleine Glaskasten voll mit Büchern geschlossen.

Leselounge auf dem Geländer vor der Festung Ehrenbreitstein
Leselounge auf dem Geländer vor der Festung Ehrenbreitstein

Suche einen öffentlichen Bücherschrank

Anschließend widmeten wir uns der Suche nach einem Bücherschrank. Hierzu nutze ich gerne die Buchschrakfinder-App von Tobi (Lesestunden). Die Idee war auf der anderen Rheinseite von Koblenz zurück nach Bonn zu fahren. Der Vorteil, dass in Rheinland-Pfalz keine Ferien sind, wurde zum Nachteil, wir kamen in den Feierabendverkehr von Koblenz, wir hatten Zeit und alles war halb so schlimm.

Statt Bücherkiste ein Mann am alten Baum

Die „Bücherkiste Neuendorf“ (Am Ufer 12-15, Neuendorf) war unser Ziel. Ein schönes Fleckchen am Rhein gelegen, erinnert ein wenig an das Bonner Graurheindorf. Wir suchten gemeinsam das Gebiet um die angegebene Adresse ab, ein Gasthaus mit Biergarten, eine Hochwasserschutzmauer, dahinter Rheinwiesen mit einem schönen Spielplatz. Auch in eine hübsche kleine Gasse führte uns der Weg. Am Rheinufer stand ein wunderschöner alter Baum. Unter diesem saß ein Herr auf seinem Rollator. Nein, von einer Bücherkiste habe er noch nichts gehört.

Schön wäre so was. Ich habe doch so viele Bücher zu Hause, die könnte ich da hin bringen.

Mann unter dem Baum

Sollte jemand etwas über die Bücherkiste wissen, meldet euch bei Tobi mit Informationen. Meine einzige Idee wäre, falls die Bücherkiste noch existiert, dass sie über das Gasthaus „Zur alten Brauerei“ zugänglich ist, dann wäre der Eintrag dennoch fehlerhaft. Ich habe nach meiner gründlichen Suche vor Ort eine Löschanfrage für die App gestellt.

Hüttchensbaum, Koblenz-Neuendorf
Hüttchensbaum, Koblenz-Neuendorf

Finde den richtigen Bahnhof

Als nächstes Ziel, wollten wir zum Bahnhof nach Andernach. Während mein Mann fuhr, entdeckte ich ein Schild, das auf einen Bahnhof hinwies.

Sind wir schon in Andernach?

Der schlaue Leser, durchschaut es wahrscheinlich schon. Wir waren es noch nicht, an der Straße in die das Schild wies, waren wir auch bereits vorbei. Trotzdem fuhren wir zum Bahnhof, fanden sogar direkt davor einen Parkplatz. Ein uraltes, langsam verfallendes weißes Bahnhofsgebäude stand vor uns. Die Atmosphäre war inspirierend, doch ich habe versäumt ein Foto zu machen. Ein paar Eindrücke finden sich auf der Seite „Bilder von Straßenbahnen und Eisenbahnen“, diese stammen von 2010/2011.

Den richtigen Bahnhof zu finden, war dagegen dann recht unspektakulär.

öffentlicher Bücherschrank Andernach, am Bahnhof
öffentlicher Bücherschrank Andernach, am Bahnhof

Ein Buch wie ein Blog

Auf dem Cover ein süßes Kind, das sich gerade genüsslich in der Nase bohrt. Dazu der Titel „Jedem Anfang wohnt ein verdammter Zauber inne“ mit dem Zusatz „Vom Sinn und Unsinn mit Kindern“. Das versprach gute Unterhaltung.

Das Büchlein enthält verschiedene persönliche Anekdoten aus dem Leben der zweifachen Mutter Andrea Harmonika. Recht schnell breitete sich in meinem Herzen Dankbarkeit für meine beiden wundervollen Töchter aus, denn viele der beschriebenen Situationen musste ich mit ihnen nicht erleben. Es ist eine Mischung aus Unterhaltung und anderen Eltern Mut machen.

Das Buch liest sich wie ein Familienblog, was sicherlich daran liegt, dass die Autorin Bloggerin ist und zumindest einige der Kapitel auch auf ihrem Blog zu finden sind, der leider den Eindruck erweckt, dass mit Erscheinen des Buches 2018 das Bloggen endete.

Blogempfehlung

Wer Lust auf einen Familienblog hat, dem empfehle ich den Blog meiner Freundin Jasmin: Die Rabenmutti. Authentisch und ehrlich schreibt sie über Sorgen und Probleme des Mama-Daseins. Dazu findet ihr bei ihr leckere Rezepte und Buchtipps. Ihre Blogroll führt euch direkt weiter zu anderen Familienblogs.

Ausblick

Das Maibuch 2019 wird voraussichtlich aus Bonn Friesdorf kommen. Dort wird ein neuer Bücherschrank von der Bürgerstiftung Bonn aufgestellt. Vielleicht sehen wir uns ja am 30.4. auf dem Klufterplatz?

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Jedem Anfang wohnt ein verdammter Zauber inne – Vom Sinn und Unsinn mit Kindern
Andrea Harmonika
Bastei Lübbe, 2018
ISBN: 978-3-404-60967-3

Bücherschrank – Märzbuch 2019

Leider gab es kein Februarbuch. Es fiel aus, wie so einige Blogartikel auch. Darüber berichtete ich in meinen kleinen Lebenszeichen. Streng genommen haben wir nun schon beinahe Mitte April, doch das Buch habe ich tatsächlich im März gelesen, also soll es auch das Märzbuch sein. Vielleicht schaffe ich das Aprilbuch noch, ich hoffe es!

öffentlicher Bücherschrank in Bonn Dottendorf, Quiriniusplatz
öffentlicher Bücherschrank in Bonn Dottendorf, Quiriniusplatz

Man soll das Praktische mit dem Nützlichen verbinden, heißt es doch, oder? So holte ich mir mein Märzbuch auf dem Weg zu einer Fortbildung bei der Lebenshilfe Bonn am Quiriniusplatz in Dottendorf.

Enid Blyton

Eine der liebsten Autorinnen meiner Kindheit war Enid Blyton. Ausführlicher habe ich hierzu bereits schon einmal berichtet, daher kürze ich das an dieser Stelle ab. Als ich „Die Burg der Abenteuer“ im Bücherschrank stehen sah, stand die Entscheidung sofort fest.

Die Geschichte erschien erstmals 1946. Von wann die Ausgabe aus dem Bücherschrank stammt, steht leider nicht im Buch. Es ist auf jeden Fall ein sehr altes Exemplar, da bin ich mir sicher. Ich liebe alte Bücher, sofern sie noch lesbar und nicht muffig sind.

Die Burg der Abenteurer

Es ist der zweite Band der Abenteurer-Reihe. Doch die Geschichte ist auch unabhängig gut lesbar, die Figuren werden zu Beginn vorgestellt und es kommt zu einer Begegnung, die Erinnerungen an das erste Abenteuer hervorruft. Diese werden kurz berichtet, aber eben so, dass mir nichts fehlte.

Typisch Enid Blyton handelt es sich um eine Feriengeschichte. Die vier Kinder sind zwei Geschwisterpaare, zwei Jungen und zwei Mädchen. Sie kommen zum ersten Mal an diesen Ort und die Burg erweckt natürlich sofort ihre Neugier. Jack ist ein Tierfreund und begeistert sich für die Adler. Für ihn ist es noch wichtiger den Adlerhorst zu finden, als die Burg selbst zu erkunden. Der Zugang zur Burg ist verschüttet. Dinas und Philipps Mutter verbietet den Kindern zur Burg hinaus zu gehen, der Weg sei zu gefährlich.

Mit Hilfe von Tassie, die sich in der Gegend gut auskennt, finden sie einen Weg …

Was seid ihr doch für merkwürdige Kinder, daß ihr immer so Hals über Kopf in solche Abenteuer geratet!

Die Burg der Abenteuer, Seite 167
Die Burg der Abenteuer ~ Enid Blyton
Die Burg der Abenteuer ~ Enid Blyton

Es war nicht mehr dasselbe

Ich weiß nicht, ob es an dem Buch selbst oder an mir lag. Die abenteuerliche Stimmung stellte sich bei mir nicht ein. Die Seiten zogen sich so dahin, waren stellenweise sogar langweilig. Es war schade, sehr schade. Vielleicht hatte ich aber auch zu viel erwartet.

Es ist ein Roman von 1946, da sind die Rollenbilder noch ganz andere. Es fehlt an Technik und es ist ganz normal, dass die Kinder weite Wege auf sich nehmen, um in die Stadt zu kommen, wohin nur ein Zug am Tag fährt.

Zigeuner

In einigen Enid Blyton Büchern tauchten sie bereits auf, die Zigeuner, ein Garant für ein Abenteuer. Die Kinder sind meist fasziniert von ihnen, haben Warnungen erhalten, sich von diesen Menschen fern zu halten. Tassie entspricht dem Klischee eines verwilderten Mädchens, dass von Dinas Mutter erst einmal gebadet und in ein frisches Kleid gesteckt wird. Schwierig aus heutiger Sicht, aber dennoch wertvoll zu lesen, wie die Sichtweise damals war. Wofür ich Enid Blyton schätze ist, dass sie neben den gängigen Vorurteilen ihrer Zeit deutlich macht, dass auch Zigeuner wertvolle Menschen sind. Sie sind anders, aber nicht gefährlich. Aus heutiger Sicht

Rollenverstännis Anno 1946

Aus meiner Erinnerung heraus, schrieb Enid Blyton starke weibliche Figuren. Diese kontrastierte sie mit typisch weiblichen, ängstlichen, auf ihre Kleidung bedachte Mädchen, denen es wichtig war, der Mutter keinen Kummer zu bereiten. Hanni und Nanni, sowie auch Dolly waren für mich starke Figuren. Allerdings trafen sie selten und ich bin mir nicht sicher, ob in der ursprünglichen Romanen überhaupt, auf Jungen.

George von den fünf Freunden dagegen ist eine besondere Figur. Sie möchte kein Mädchen sein und wer sie Georgina nennt oder erwartet, dass sie ein Kleid trägt, verärgert sie sehr. Sie hält mit den Jungen mit, behandelt Anne allerdings besser, als die Jungen, die sie ständig beschützen wollen. Anne ist eine dieser mädchenhaften Figuren. Ich könnte mir vorstellen, dass es bei einigen renommierten Verlagen heute schwierig wäre eine Figur wie George unterzubringen, wenn ich manch eine Diskussion in den sozialen Netzwerken lese.

Bei den Freunden aus „Die Burg der Abenteuer“ fehlte mir eine starke weibliche Figur. Dina und Lucy sind verschieden, aber stehen beide hinter den Jungen zurück. Tassie ist anders, aber ihre Wildheit steht im Fokus. Sie hat Fähigkeiten, die die Jungen nicht haben, aber sie bleibt ein Mädchen, deren Schwächen klar benannt werden. Die Jungen scheinen keine zu haben.

Ihr Mädchen bleibt am besten hier unten stehen. (…) Phillip und ich werden hinaufklettern. Ich glaube nicht, daß die Adler uns angreifen werden, Philipp. Aber wir wollen doch lieber vorsichtig sein.

Die Burg der Abenteurer, Seite 62

In guter Erinnerung behalten?

Mich beschäftigt die Frage, ob ich die alten Bücher lieber in guter Erinnerung behalte oder doch noch einmal lesen soll. Habt ihr Lieblingsbücher aus eurer Kindheit noch einmal gelesen? Falls ja, konnte der Zauber erneut wirken oder wart ihr enttäuscht?

Kathi stellt sich derzeit ihrer Kinderbuch-Lesechallenge, allerdings mit einem geringeren zeitlichen Abstand.


Die Burg der Abenteuer
Enid Blyton
übersetzt von Lena Stepath
Erika Klopp Verlag Titel-Nr. 05117 7
„The Castle of Adventures“ erschien 1946 bei Darell Waters Ltd., London

Bücherschrank – Dezemberbuch 2018

"Kolki der Leserabe", Kunstwerk neben dem öffentlichen Bücherschrank in Bonn Vilich-Müldorf

„Kolki der Leserabe“, Kunstwerk neben dem öffentlichen Bücherschrank in Bonn Vilich-Müldorf

Für das Dezemberbuch 2018 war ich in besonderer Mission unterwegs, denn es galt nicht nur, das Novemberbuch in einen anderen Bücherschrank zu stellen, sondern auch in spezieller Mission Lesefreude zu verbreiten.

Es fehlen mir nur noch wenige Bonner Bücherschränke, die ich noch nicht besucht habe. Einer davon steht in Tannenbusch. Allerdings musste ich feststellen, dass er gar nicht frei zugänglich ist. Der Schrank befindet sich nämlich innerhalb des Pavillions der Dünenfüchse.

Zweck des Vereins ist es, im Stadtteil Bonn-Tannenbusch Bildung und bürgerschaftliches Engagement zugunsten gemeinnütziger Zwecke zu fördern. (Quelle: Dünenfüchse Bonn-Tannenbusch e.V)

Somit plante ich um und fuhr in einen anderen Stadtteil auf die andere Rheinseite …

Erinnerungen kamen hoch, als ich durch Vilich-Müldorf fuhr. Ganz in der Nähe des Bücherschrankes wohnte eine Schulfreundin. Auf dem Rückweg fuhr ich auch an ihrem Haus vorbei, bin nur nicht mehr ganz sicher, welches es war.

Bücherschrank Bonn Vilich-Müldorf

Bücherschrank Bonn Vilich-Müldorf

Kirschblüten und Coca-Cola

Sidney Sheldon ist mir als Autorenname ein Begriff. Ich bin mir ziemlich, dass einige seiner Bücher im Bücherschrank meiner Großeltern stehen. Allerdings bin ich mir auch recht sicher, dass ich bisher noch keines davon gelesen habe. „Kirschblüten und Coca-Cola“ ist sein erster Jugendroman von 1981.

Bei dem Prolog dachte ich noch ein furchtbar trauriges Buch in den Händen zu halten, denn Masaos Eltern kommen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Für die Trauer um seine Eltern bleibt dem 18-jährigen Erben eines internationalen Firmenimperiums wenig Zeit. Als er mit Onkel und Tante in die USA fliegt, um seine Eltern nach Japan heim zu holen, muss er feststellen, in welcher Gefahr er selbst schwebt.

Eine spannende Flucht beginnt, ohne Geld, ohne Freunde und mit Sprachschwierigkeiten. Eine unheimlich spannende Geschichte, die ich an einem Stück verschlungen habe.

Kirschblüten und Coca-Cola ~Sidney Sheldon

Kirschblüten und Coca-Cola ~Sidney Sheldon


Kirschblüten und Coca-Cola
Sidney Sheldon
Bertelsmann Jugendbuch, 1983
aus dem Amerikanischen von Thomas Linquist
ISBN: 3-570-00272-1

Wer war eigentlich Nelson Mandela?

Nelson Mandela ~ Christian Nürnberger & Stephan Kaußen

Nelson Mandela ~ Christian Nürnberger & Stephan Kaußen

Natürlich habe ich schon von Nelson Mandela gehört, doch wirklich viel weiß ich über ihn nicht. Zwei Fragen und zwei erste Assoziationen, an was denkst du als erstes?

An was denkst du, wenn du den Namen Nelson Mandela hörst?

Ich denke an Afrika und Menschenrechte.

An was denkst du, wenn du Afrika hörst?

Auch wenn ich inzwischen einiges mehr über Afrika weiß, fallen mir die Kontraste Armut und Safari-Tourismus als erstes ein.

Sind das Vorurteile? Nein, es sind Stereotype, beruhend auf den vorliegenden Informationen. In meiner Kindheit war die Aussage „die armen Kinder in Afrika“ sehr präsent, ebenso und das gilt auch heute noch, die vielen Hilfsprojekte. Erst in meiner Jugend habe ich begriffen, wie vielfältig die Länder in Afrika sind. Ägypten, Togo, Süd-Afrika. Genau wie in Europa haben diese Länder gemeinsam, dass sie auf dem selben Kontinent liegen und doch haben sich ganz eigene Kulturen entwickelt. Noch immer weiß ich über viele Länder Afrikas sehr wenig. Daher bin ich sehr schnell auf den Vorschlag eingegangen, ob ich nicht das Jugendbuch über Nelson Mandela und Südafrika lesen mag. Zuerst habe ich gezögert, weil ich mich bisher noch nicht so sehr für Biografien begeistern konnte. Allerdings handelt es sich um ein dünnes Buch und es ist keine ausschließliche Biografie.

Nelson Mandela

Nelson Mandela wuchs während der Apartheit in Südafrika auf, Schwarze lebten getrennt von den reichen Weißen. Er hatte das ungewöhnliche Glück, Bildung zu erleben, sogar studieren zu können. Ein besonderer Wesenszug ist dem jungen Mann bereits zu eigen: Er hasst den Unterdrücker nicht, strebt aber nach Freiheit.

Im Gegensatz zu den anderen Ländern, die von den Kolonialmächte befreit wurden, wurde die Situation in Südafrika nach dem zweiten Weltkrieg schlimmer. Nelson Mandela ging schließlich in den Untergrund, führte eine Widerstandsbewegung an und galt als Terrorist.

Es ist der Kampf des afrikanischen Volkes, der aus eigenen Leiden und eigenen Erfahrungen hervorgegangen ist. Es ist ein Kampf für das Recht auf Leben. (Nelson Mandela)

Von 1963 bis zum Februar 1990 saß Nelson Mandela im Gefängnis.

Der Mensch ist frei, und wäre er in Ketten (Friedrich Schiller).

Dort schrieb er viel, verlor seine Würde nicht und ließ sich nicht brechen.

Niemand wird geboren, um einen anderen Menschen wegen seiner Hautfarbe, seiner Lebensgeschichte oder Religion zu hassen. Menschen müssen zu hassen lernen, und wenn sie zu hassen lernen können, dann kann ihnen auch gelehrt werden zu lieben, denn Liebe empfindet das menschliche Herz viel natürlicher als ihr Gegenteil. (Nelson Mandela)

Nach seiner Freilassung setzte Mandela sich für die Demokratie ein und wurde am 2. Mai 1994 zum ersten gewählten Präsidenten Südafrikas. Er lebt eine Politik der Aussöhnung. Er beendet seinen politischen Weg 1999 und starb 2013 im Alter von 95 Jahren.

Der ehemalige Rassenkonflikt ist einem Klassenkonflikt gewichen. Armut, Aids, Gewalt sind die größten Probleme der jungen Republik. (Christian Nürnberger)

Es war schwierig für mich zu lesen, nicht schwierig von der Wortwahl, sondern schwierig zu begreifen, was da passiert ist. Wie konnte es dazu kommen, dass eine weiße Minderheit so viel Macht über so viele Menschen in ihrer eigenen Heimat bekam? So geht es mir nicht nur mit dieser Geschichte, auch vielen anderen Unterdrückungs-Szenarien unserer Weltgeschichte. Die Tatsache, dass einige sich als wertvoller, menschlicher betrachten, als andere Menschen, will einfach nicht in meinen Kopf. Der zweite Teil des Buches vertieft die Ereignisse in Südafrika, konzentriert sich aber vor allem auf die Entwicklung nach der Apartheit.

Aus dem Radikalinski der frühen 1960er-Jahre war im Gefängnis im Grundsatz aber eben doch eher ein Mahatma Gandhi geworden. (Stephan Kaußen)

Südafrika

Südafrika war und ist ein Land von Schwarz und Weiß. (…) Es ist bunt und gleichzeitig matt.(…) Eines ist Südafrika aber praktisch nie: Emotionslos. (…) Es ist so heterogen, wie eine Gesellschaft nur sein kann. Es ist jeden Tag, ja jede Stunde und jedes Jahr aufs Neue auf der Suche nach sich selbst. Nach dem neuen Südafrika.

Insbesondere die ersten Seiten von Stephan Kaußens Teil über „Mandelas Südafrika“ lassen die Lebendigkeit des Landes spüren. Es liegt eine Leidenschaft in den Worten, eine Faszination für ein außergewöhnliches Land, in dem es auch heute noch sehr viel Leid gibt.

In einem Land, das länger als jedes andere systematisch an der Trennung der Rassen festhielt, konnte ein ehemals strikt Benachteiligter Präsident werden. Respekt!

Nelson Mandelas Einfluss wird auch als Madiba Magic bezeichnet. 1995 kam es zu einem legendären Auftritt Mandelas bei der Rugbyweltmeisterschaft in Johannesburg. Er überreichte im Trikot der „Springboks“ der bis auf eine schwarze Ausnahme, weißen Nationalmannschaft den Weltmeisterpokal.

Der ganze Ellis Park war geschockt. Positiv geschockt. ganz Südafrika war geschockt. Positiv!

Diese Geste verdeutlichte das neue WIR in Südafrika. Es war eine Geste der Versöhnung und Versöhnung stand im Fokus von Mandelas Politik.

Das Buch macht einen weiten Bogen, ordnet die Ereignisse in Südafrika historisch und aktuell in das Weltgeschehen ein. Stephan Kaußen hebt die Sonderrolle Südafrikas hervor und beschreibt schließlich die aktuelle Lage Südafrikas nach dem Tod Nelson Mandelas. Sein Geist ist noch lebendig, doch noch immer gibt es Ungleichheit, Armut und viele Probleme.

Es gibt inzwischen für Schwarze mehr Möglichkeiten. Inzwischen leben auch schwarze Millionäre und ein paar ärmere Weiße in Südafrika, doch noch immer viele sehr arme Schwarze, die leben wie früher.

The problem is that you can´t eat democracy. (Erzbischof Desmond Tutu)

Nelson Mandela machte als erster Präsident lediglich den Anfang. Seine Nachfolger stehen vor zahlreichen Problemen. Wie gut sie mit diesen zurecht kommen, wie sehr sie in alten Traditionen verharren und welche Versuchungen die Machthaber Südafrikas verführen, wird gegen Ende des Buches diskutiert.

Und somit ist das Südafrika des Jahres 2018, in dem Nelson Mandela 100 Jahre alt geworden wäre, im Vergleich zum Jahr 1999, als er abtrat, weit zurückgefallen. Kulturell. Politisch. Sozioökonomisch. Gesellschaftlich.

Bildung als Schlüssel, in diesem Sinne ist das Buch eine Leseempfehlung, ein Blick über den eigenen Horizont auf die Sûdhalbkugel unserer Erde. Vielleicht stellst du fest, dass die Geschehnisse in Südafrika gar nicht so weit entfernt von deiner eigenen Lebenswelt sind.

Fazit zum Buch

Die Lebensgeschichte Mandelas und die Entwicklung Südafrikas werden in dem Buch kompakt und verständlich dargestellt. Die Ereignisse lassen sich ohne Anstrengung lesen und gut verstehen. Besonders gut hat mir gefallen, wie Stephan Kaußen die Entwicklung Südafrikas in einen größeren Kontext eingeordnet hat, nämlich das Weltgeschehen, insbesondere die Entwicklung Europas und der USA. Größere Zusammenhänge werden deutlich. Nicht immer ist es wertneutral geschrieben, dafür mitreißend und fesselnd. Die Kritik am aktuellen Präsidenten Südafrikas erscheint mir berechtigt.

Für mich war die Lektüre der 100 Seiten sehr wertvoll, informativ, bildend. Das Buch richtet sich an Jugendliche ab 13 Jahren. In der Eignung für Jugendliche ohne Vorkenntnisse stimme ich zu, empfehle es aber auch Erwachsenen zur Erweiterung der Allgemeinbildung.

Lesung und Diskussion in Bonn

Zu Ehren von Mandelas 100. Geburtstag, den er dieses Jahr gefeiert hätte, gibt es zahlreiche Veranstaltungen. In Bonn findet am 4. Dezember eine Lesung und Diskussion mit Stephan Kaußen statt:

WANN: 4. Dezember um 19 Uhr
WO: MIGRApolis, Brüdergasse 16-18, 53111 Bonn
Der Eintritt ist frei.

Was ist aus seinem Traum einer „wahrhaft afrikanischen Regenbogen-Nation“ geworden? Was können wir von einem der größten Friedensstifter und Brückenbauer der Menschheit gerade HEUTE noch lernen?

Die Lesung ist eingebunden in die Bonner Woche der Kulturen und Teil der Bonnections #WalkTogether Story Telling Reihe zum 100. Geburtstag von Nelson Mandela. (Auszug der Beschreibung aus der Facebook Veranstaltung)


Das Buch wurde mir vom Thienemann-Esslinger Verlag zur Verfügung gestellt.

Nelson Mandela (Link zur Verlagsseite mit Leseprobe)
Christian Nürnberger & Stephan Kaußen
Gabriel Verlag, 2018
ISBN: 978 3 522 30500 6