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November

Eschmarer Mühle

Der November ist nicht nur für Trauernde ja so ein Monat, den man einfach nur gerne vorbei haben möchte. Ein Monat oft regnerisch, oft trostlos und auch mich hat er früher oft deprimiert.
Heute möchte ich euch über meinen aktuellen November berichten, ehrlich und persönlich.

Diesen Beitrag habe ich bewusst fortlaufend und nicht rückblickend geschrieben.

Aufbruch im November

Es soll in diesem November viel passieren. Ich habe mir ganz bewusst den November ausgesucht für einen innerlichen Neubeginn, bewusst den November gewählt, um endlich mehr Struktur in meinen Tagesablauf zu bringen. Ich will mich gezielt mit mir und meinen Gefühlen beschäftigen, mit Meditationen und mit positiven Gedanken, mit Affirmationen und kann so hoffentlich dem Novemberblues entgehen.

Mit meiner Wohnung will ich weiter kommen. Die Gardinen für den Wohnraum sind ausgesucht, die Esszimmerlampe ist bestellt, der Auftrag für das Neupolstern meiner Stühle erteilt. Da geht mein Dank an Kathi, die mich hierbei sehr unterstützt hat.

Ich will versuchen auch Zuhause täglich wenigstens kurz in Bewegung zu kommen. Da mein Appetit wieder da ist, habe ich leider auch zugenommen. Viele Pläne, mal schauen was geht. Ich bin selber gespannt ;-).

1. November

Allerheiligen, in diesem Jahr ein Montag und hier bei uns in NRW ein Feiertag. Für viele einfach ein langes Wochenende, für andere der Tag, an dem sie die Gräber ihrer Verstorbenen besuchen oder besonders für diese beten. Ich gehe immer mal wieder in die Kirche, bin aber kein regelmäßiger Kirchgänger. Eigentlich hatte ich geplant an diesem Feiertag um 11.30 Uhr zum Gedenken an Klaus in die Messe zu gehen.

Doch der 1. November hat uns hier mit strahlendem Sonnenschein begrüßt und Kirche und Klaus, das passte eigentlich nie. Was aber für ihn passte solange es ging, war rausgehen, raus in die Sonne. Also habe ich lieber einen besonders langen Spaziergang gemacht und Klaus dabei in Gedanken mitgenommen. Und das war so schön. Ich habe einen neuen Weg gewählt und bin an der Eschmarer Mühle gelandet. Wow, was für ein tolles Wohnhaus hier aus einer alten Mühle entstanden ist. Wunderbar. Das Mühleninnenleben ist geblieben, was erneuert wurde passt sehr gut zum alten Stil. Hier hätte Klaus mit mir wohnen mögen. Lest gerne die Infotafel dazu.

Infotafel an der Eschmarer Mühle

Ja, irgendwie fühle ich mich gerade auch so wie diese Mühle. Da ist das alte Leben tief in mir, das Leben mit Klaus, die Liebe zu Klaus, aber da herum ist inzwischen soviel Neues und auch Besonderes entstanden.
Mein 1. November, ein rund herum positiver Tag. Ich fühle mich stark, irgendwie unbesiegbar und ja, sogar irgendwie mal wieder glücklich.

2. November

Ich wache schon mit Tränen in den Augen auf. Heute ist Allerseelen und das ist für mich und meine Familie seit dem letzten Jahr ein besonderer Tag. Mein Mann ist im Mausoleum von Carstanjen bestattet. Ein beeindruckendes Gebäude, in das man jedoch nur einmal im Jahr – abgesehen von dort statt findenden Trauerfeiern – hinein darf. Dieser Tag ist heute. Im letzten Jahr hatte ich nicht die Kraft für diesen Besuch, da waren meine Tochter und meine große Enkelin alleine da. Dieses Jahr will ich mit, wollen wir zu Dritt dahin.

Passend dazu ist es heute trüb und regnerisch. Wir müssen noch einen Moment im Park warten. Aus der Rotunde schallt das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, ein Lied, das wir auch bei der Trauerfeier hatten. Die ersten Tränen fliessen … Dann dürfen wir hinein und nach einer kurzen Andacht gehe ich zum ersten Mal die ausgetretene Treppe hinunter in die Krypta, wo sich die Grabkammern befinden.

in der Krypta des Mausoleum von Carstanjen

Und dann stehen wir da, vor dem Vorhang hinter dem neben anderen Aschenkapseln auch die Kapsel von Klaus steht und hinter dem auch die Meine eines hoffentlich fernen Tages stehen wird. Aber dahinter ist nur Asche. Ja, es ist ein schöner Platz, der Klaus gefallen hätte, aber hier ist er mir trotzdem so gar nicht nah. Nah ist mir hier nur der tiefe Schmerz des Verlustes.
Gestern beim Spaziergang war Klaus mir so viel näher.

Wir gehen noch zu seinem Namensschild draussen am Geländer und dann bin ich froh, als ich wieder zu Hause bin. Ich fühle mich einfach emotional nur völlig erschöpft.

Die Tage danach

Am nächsten Tag wache ich völlig gerädert auf, aber das Leben geht weiter.

Das Wetter ist nicht so toll, aber ich habe so einiges an Papierkram zu erledigen, da der Verkauf unseres Hauses in Holten endlich abgeschlossen ist. Daher stört es mich nicht.

Ich bin trotzdem immer wenigstens zu einem kurzen Spaziergang draussen und mache es mir abends mit Kerzen gemütlich. Kerzen, die Klaus besonders geliebt hat. Daher hatte ich diese zunächst gemieden, doch jetzt kann ich sie wieder brennen sehen.

Dann ist da die Chorprobe, die mich aufbaut, mich fröhlich stimmt.

Immer wieder gibt es schöne Zeit mit meiner Familie, Zeit mit meiner Tochter und mit meinen Enkelinnen. Ganz spontan sind z.B. am Samstagabend meine beiden Mädels zum gemeinsamen „Wetten Das Schauen“ vorbeigekommen und wir hatten viel Spaß.

Novemberblues?

Dann kommt dieses Wochenende an dem es mich voll erwischt. Der 13.11., ein trüber Tag, ein typischer Novembertag. Ich weiß nicht wirklich, was ich machen soll, bin angespannt und irgendwie mies drauf. Dann kommt da auch noch der Anruf meiner Schwester mit schlechten Nachrichten zum Gesundheitszustand meiner Mutter. Ihr sage ich noch, wir sollten uns keine Sorgen machen, wir können es nicht ändern, müssen auf uns zukommen lassen was kommt, aber ich bin danach in meiner Sorge um meine Mama gefangen.

Und keiner ist da, der mich auffängt. So überrollt mich die Trauer, ganz plötzlich, unerwartet, heftig, haut mich völlig um. Um 20.45 Uhr gehe ich erschöpft ins Bett und weine und weine und weine wie schon lange nicht mehr.

Die Erschöpfung hält an, die Freude an dem was ich neu begonnen habe völlig weg. Wieder ist da dieses: „Ich kann doch nicht, ich schaffe das doch nicht.“ Ich fühle mich ganz klein und unfähig und hasse mich dafür …

Am Montag, geht es mir zum Glück wieder etwas besser und ich habe Spass beim Line Dance Training.

21. November

Nochmal so ein besonderer Tag. Diesmal ein Sonntag, Totensonntag. Am 21. November 1979 habe ich Klaus bei der Arbeit im Schloss-Hotel in Mayen kennen gelernt. Ich war unsicher, wollte den Tag erst einfach auf mich zukommen lassen, doch dann habe ich ihn lieber bewusst geplant.

Das war gut so, der Tag war gut! Ich hatte Ablenkung, ich hatte Erinnerungsfenster. Ich habe den alten Hotelprospekt hervor gekramt, alte Fotos aus der Zeit und habe – was ich schon lange wollte – damit begonnen unsere Geschichte aufzuschreiben. Einfach so, nur für mich oder vielleicht auch irgendwann für meine Familie. Begonnen mit dieser besonderen Geschichte unseres Kennenlernens.

Nachmittags kam dann eine neue Bekannte, die ebenfalls ihren Partner verloren hat und wir hatten gute Gespräche. So ist der Tag wie im Flug vergangen.

Natürlich habe ich an dem Tag auch geweint, aber da war ganz oft auch ein Lächeln beim Erinnern, da war ganz viel Dankbarkeit, ganz viel Liebe.

Abends brannte dann die Kerze, die auch bei der Trauerfeier gebrannt hat und die ich an besonderen Tagen gerne anzünde.

Der 1. Advent im November

Ich finde es immer schön, wenn der 1. Advent schon in den November fällt. Damit endet der eher trostlose Monat gefühlt immer schon ein paar Tage früher. Es kommen Licht und festliche Stimmung hinein.
Ich liebe die Adventszeit und hoffe, sie in diesem Jahr auch wieder bewusst genießen zu können.

Allerdings kommt vorher das Schmücken. Im letzten Jahr hatte ich nur sehr sparsam dekoriert. Da war mir noch nicht so nach Advent und da es einige Dinge gibt, die Klaus mir von seinen Geschäftsreisen mitgebracht hat, war gerade das Dekorieren schwierig. Die hatte ich mit Tränen aus- und dann ganz schnell wieder eingepackt. Auch auf einen Tannenbaum hatte ich verzichtet, da ich ja eh die Feiertage bei meiner Familie verbringen wollte.

Dieses Jahr habe ich Lust aufs Dekorieren. Mir fehlen allerdings die breiten Fensterbänke meiner alten Wohnung. Vielleicht ist es ja auch gut so, dass es jetzt dadurch anders aussieht.
Es gibt aber wieder dieses besondere Teil, bei dem mir die Tränen kommen und für das ich lange nach einem Platz suchen muss.

Mir gefällt mein geschmückter Raum, beim Entzünden der 1. Adventskranzkerze kommen allerdings auch wieder die Tränen und der Sonntag schleppt sich nach einer sonst eher positiven Woche so ein wenig mühsam dahin.

Was ist aus meinen Plänen geworden?

Ja, es gibt etwas mehr Struktur in meinem Leben. Ich mache beinahe täglich morgens Atemübungen am offenen Fenster und verbinde diese manchmal mit ein paar weiteren Übungen, versuche den Tag auch besinnlich ausklingen zu lassen. Motiviere mich mit positiven Affirmationen, doch diese wirkliche innere Entspannung ist das noch nicht erreichte Ziel. Nach wie vor fühle ich mich oft grundlos gestresst.

Wirkliche Gymnastik habe ich nur ganze zwei Tage durchgehalten. Doch ich mache jetzt ja LineDance. Das macht richtig gute Laune, und ich freue mich schon beim Frühstück auf mein Training. Noch hat sich kein Nachbar beschwert. 🤠
Ich denke, das ist dann auch für den Moment erst mal Sport genug.
Hier stelle ich euch gerne meinen aktuellen Lieblingstanz vor.

Mit den versuchten Meditationen kam ich nicht klar. 15 Minuten sind einfach zu lang für mich, meine Gedanken schweifen ständig ab, das bringt mir gerade nichts. Ich habe dann eine Empfehlung für die App 7Mind bekommen. Hier gibt es eine kostenlose Meditationseinführungswoche. Finde ich sehr gut gemacht. Diese dauern nur je 7 Minuten. Das kommt mir teilweise schon sehr lang vor, war aber ein guter Einstieg. Die Woche habe ich gemacht, jeden Morgen gleich nach dem Frühstück, mehr jedoch nicht. Doch ich werde sie nochmals wiederholen.

Meine Wohnung ist noch gemütlicher geworden mit den Gardinen und der Lampe. Die Stühle kommen Anfang Dezember. Ich freue mich darüber, aber da ist auch der Schmerz, da ist irgendwas tief in mir, dass die Freude blockiert, sie nicht richtig zulassen will.

Fazit

Für mich fühlt es sich so an, als hätte uns der November dieses Jahr mehr Sonne und weniger Regen geschenkt als sonst, obwohl die letzten beiden Tage schon echt schäbig waren. Der November war für mich kein schlechter Monat, er hat mich schonmal mehr deprimiert.

In diesem November bin ich nochmal weiter voran gekommen, weiter gekommen auf der Suche nach Begeisterung, weiter damit zu meinem neuen Selbst zu finden.

Es gab das Auf und Ab von guten und schlechten Tagen und das in diesem Monat besonders intensiv. Die Tränen sind mir deutlich häufiger gekommen, aber es gab auch Lachen und Freude. Eine emotionale Achterbahnfahrt, die viel Kraft gekostet hat.

Die Krise in der Monatsmitte habe ich überwunden, allerdings blieb für den Rest des Monats eine gewisse emotionale Labilität zurück. Lag das wirklich am Monat oder war es einfach nur die Trauer, die zugeschlagen hat, weil ich ihr zuvor durch meine positiven Projekte zu wenig Raum gelassen habe?

Ja, ich weiß, lass dir Zeit … Sage ich mir ja auch immer, aber ich will doch einfach nur wieder leben.
Dieses Auf und Ab wird mich wohl noch eine Weile begleiten und ich sollte es annehmen, mich nicht dagegen wehren. So starte ich hoffnungsvoll in den Advent.

mein diesjähriger Adventskranz

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