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Mein LitCamp21

#Litcamp21
Schriftzug über Büchern

Zwei Tage virtuelles Litcamp, gefühlt tausend Themen, die mich und meine Figuren alle interessieren. Wir haben einen kleinen Kampf geführt und hier berichte ich euch über die Sessions, die wir gemeinsam besucht haben.

Ich gebe in diesem Beitrag verschiedene Sessions so wieder, wie ich sie verstanden habe. Auch wenn die Darstellung umfassend ist, ist es keine vollständige Wiedergabe. Lies kritisch und wenn mir Fehler in der Darstellung unterlaufen sind, bin ich offen für Kritik!

Wie immer mischen sich im Blogbeitrag Gesagtes aus den Sessions mit meinen Gedanken zum Thema.

Übersicht

Da alles mal wieder sehr viel geworden ist ein kleines Inhaltsverzeichnis:

Vom Dorffight bis zum Tanzkampf mit den Vögten

Kampfszenen überfliege ich in Büchern schon mal gerne. Meine eigenen Projekte werden nicht ganz ohne auskommen. Wohin mit den Armen & Beinen? Wer macht was zuerst, wenn doch alles gleichzeitig passiert? Mit diesen Fragen bin ich in die Session von Judith Vogt (Twitter) und Christian Vogt (Twitter) gegangen.

Die Vögte machen ziemlich viel cooles Zeug und schreiben selbst Fantasy und Science Fiction. Sie üben sich online im historischen Fechtkampf, vertreten aber auch die Meinung, dass es nicht unbedingt hilfreich ist, den schwarzen Gürtel in irgendwas zu haben.

Mein Thread zur Session, folgt dem Link und ihr könnt sie alle nachlesen.

Wir befassten uns mit verschiedenen wichtigen Fragen rund um die Kampfszene im Roman. Dabei wurden große Schlachten ausgeklammert. Allerdings geht es auch bei den großen Schlachten darum, wieder auf eine individuelle persönliche Ebene zu kommen. In Schlachten kann man von einem kleinen Kampf zum nächsten hüpfen, von einer Person zur nächsten. Eventuell als Kette, eine Figur bleibt bestehen, Gegner wechselt. Dabei muss der Fokus nicht immer dieselbe Seite liegen.

Beim Aufbereiten ist mir bewusst geworden, dass die Fragen nicht nur für Kampfszenen hilfreich sind, auch für viele andere Szenen, um sich bewusst zu werden, warum wir sie schreiben und wie wir sie schreiben können.

Welche Arten von Kämpfen gibt es?

Zweikampf, Schwertkampf, Faustkampf, Kampf in der Gasse, Tanzkampf, Kampf mit Worten, Duelle, …

Ich habe nicht mitgeschrieben, die Liste ist lang und noch viel länger, als wir sie in der Session gesammelt haben. Es gibt also nicht DIE EINE Kampfszene.

Wer kämpft?

Rivalen, Freunde, Geschwister, Protagonist gegen Antagonist, Kleingruppen, fiese Schläger, Mentor*in versus Schüler*in, Meuterei ….

Wieder eine endlos fortzusetzende Liste. Für die Szene ist es entscheidend, wer sich gegenüber steht. Beziehungen machen einen Kampf interessanter. Es geht nicht nur um Action, sondern um die persönliche Ebene. Was steht zwischen den Figuren? Worum geht es ihnen? Was sind ihre Motive?

Wie sind die Umstände?

Warum wird gekämpft? Wo wird gekämpft? Wie ist das Skillevel der Kämpfenden? Im Rollenspiel gibt es dafür klare Regeln und die Würfel. Im Roman braucht es die Vorüberlegung. Es ist spannend, wenn die Figuren sich ihre Skills erarbeiten müssen – Figurentwicklung. Manchmal fällt eine Fähigkeit göttlich vom Himmel. Man kann es sich auch leicht machen. Es wird interessant, wenn dies einen Preis hat, einen der eventuell später gezahlt werden muss.

Eine Kampfszene charakterisiert Figuren sehr stark. Es sind Extremsituationen und in Extremsituationen zeigt sich bekanntlich der wahre Charakter eines Menschen. Welche Werte hat die Figur? Kämpft sie ehrlich oder dreckig?

Allerdings ist es in einem Kampf auf Leben und Tod doch meistens dreckig, oder? Im Grunde macht man im Zweikampf, der nicht im Ring stattfindet, alles was geht. Wenn du es nicht machst, macht es der/die andere.

Es gibt auch stark emotionale Kämpfe, die nicht um Leben und Tod geführt werden. Auch Sportwettkämpfe können krass ablaufen.

Alles hängt vom Setting und den Figuren ab.

Gewinnen oder verlieren?

Es ist wichtig, dass Protagonisten auch mal verlieren. Es macht sie viel menschlicher. Wenn ein begnadete*r Schüler*in direkt gegen seinen/ihren Meister*in gewinnt, ist es nicht nur unrealistisch, sondern auch sinnlos. Was soll die Figur noch lernen?

Niederlagen haben einen Impact auf die Figuren. Welche Erfahrungen machen sie? Was nehmen sie mit? Wie gewinnen sie Zuversicht, beim nächsten Mal zu gewinnen? So wird eine Geschichte spannend.

Interessant wird es auch, wenn die schwächere Figur durch einen Trick gewinnt.

Bezieh die Umgebung mit ein

Neben den erlernten Kampftechniken, hat die Umgebung auch einen Einfluss auf die Szene. Wie ist der Boden? Wie viel Platz haben wir? Kann man das Schwert überhaupt fröhlich über den Kopf schwingen oder ist da eine Decke im Weg?

Wo kann gekämpft werden?

dunkle Gasse, Puff (Figuren sind ggf. nackt und unbewaffnet), Raum mit Kronleuchter, Wald, Brücke, Ballsaal (Reifröcke), im oder am Wasser, öffentliches Klo

Was kannst du aktiv aus der Umgebung für den Kampf nutzen?

  • Sand in die Augen streuen
  • Teppich wegziehen
  • Gegenstände werfen
  • andere Gegner als Schilde nutzen

Das ist alles legitim.

Wenn deine Figur Ahnung davon hat, kann er oder sie auch anatomische Besonderheiten nutzen. Dahin zielen, wo es besonders weh tut.

Es ist immer spannend, wenn etwas kaputt geht. Es muss weh tun. Was kannst du opfern und was kann eventuell wieder heilen?

Warum kommt es zu Kämpfen?

Zentrale Frage: Warum findet der Kampf statt?

Die Kampfszene muss einen Sinn haben. In Pen & Paper ist es manchmal üblich, dass es mindestens einen Kampf pro Abend geben muss. Ich erinnere mich an meine erste Spielrunde, als ich einen super mächtigen Bogen hatte und es mir viel Spaß gemacht hatte zu würfeln. Der Haken, meine beiden Mitspieler waren Nahkämpfer und wurden tendenziell stärker verletzt als ich … Entsprechend hielten sich mich dann doch das ein oder andere Mal davon ab, mich schon wieder in einen Kampf zu stürzen, sie mussten sich schließlich noch vom lezten erholen.

Actionfilme brauchen Kämpfe, sie gehören zum Genre und diese haben starke Optik. In einem guten Actionfilm gibt es dafür aber auch einen Grund, der sich aus der Handlung ergibt. Oder?

Schreibregel: Keine Kämpfe um des Kämpfens willen im Roman! Sie haben hier eine andere Wirkung als im Film.

Mögliche Motive

  • einen Konflikt lösen
  • jemand möchte etwas erreichen
  • Trainingskampf – ein Traingskampf um des Trainings willen ist langweilig. Lernt die Figur darin etwas Wichtiges, was sie oder er später einsetzen?

Wir brauchen Figurentwicklung, neue Informationen oder ein sich änderndes Setting.

Seitenlange Kampfszene

Ein realistischer Kampf dauert ein paar Sekunden, dann ist eine Person schwer verletzt oder tot. Im Roman kann man dennoch Seiten mit der Kampfszene füllen, beispielsweise durch Dialoge, die die Story weiterbringen und die Figuren charkterisiert. Man sagt auch, der Moment des Klingenkreuzens sei das Sprechfenster.

Was machen wir mit friedfertigen Figuren

Kampfszenen haben nicht zwingend etwas mit Körperkontakt zu tun. Es gibt auch Wortduelle. Es können auch andere Personen den eigentlichen Kampf übernehmen.

Erreiche deinen Breaking Point: Es geht nicht ohne Kampf, alle anderen Möglichkeiten sind bereits ausgeschöpft. Genau das ist der richtige Moment für eine Kampfszene.

Eine spannende Frage der Figurentwicklung kann auch sein, wann der friedfertige Charakter bricht.

Wann wird gekämpft?

„Zur Teestunde muss der Kampf beendet sein“, wurde in der Runde zitiert. Nein, es geht an dieser Stelle, um den Zeitpunkt in der Handlung.

Eine Kampfszene kann zur Einführung von Figuren gebracht werden, die dies beruflich machen.

Oft gibt es einen Endkampf. Aus gutem Grund: Wir kennen die Figuren und es kommt zum finalen Konflikt.

Typisch für die Heldenreise ist auch der wiederholte Kampf. Beim ersten Versuch scheitert unser Protagonist, dann wird trainiert und schließlich kommt es zum Sieg.

Wenn Leute einen Plan haben, diesen vorher erzählen, klappt das nie. Typischer Satz: „Vertrau mir, ich habe einen Plan.“ Auch das kann man im Kampf nutzen und natürlich läuft dann alles anders. Reizvoll ist ein Dubblecrossing, der Plan geht auf, weil das Scheitern bereits einkalkuliert war.

Muss ich als Autorin kämpfen können?

Für Menschen, die eh nicht gerne Kämpfe lesen, für die schreibt ihr keine Kämpfe.

Man kann Kämpfe selbst ausprobieren, muss man aber nicht zwingend. Eine detaillierte korrekte Beschreibung möchte niemand lesen. Überleg dir etwas Cooles, prüfe, ob es funktionieren könnte, dann überlegst du dir wie es doch funktionieren kann, auch wenn es auf den ersten Blick unrealistisch ist. Es gibt viele gute Videos, die dir zeigen, wie Kampfszenen aussehen können. Einige zeigen dir, warum Hollywooddarstellungen unrealistisch sind und welche, die zeigen, wie realistische Kämpfe cool aussehen könnten.

Der schwarze Gürtel in einer Kampfkunst kann dir auch im Wege stehen, kreative Szenen zu schreiben. Wenn deine Figur die Skills nicht hat, muss diese sich anders helfen.

Du brauchst auch nicht jedes Detail beschreiben. Konzentrier dich auch kleine realistsiche Informationen und darauf Schwachstellen anzugreifen.

Im Buch haben wir einen Vorteil gegenüber dem Film: Wir können zwischen der inneren und der äußeren Handlung wechsel, dabei können Begwegungen wegfallen. So können wir auch gute Kämpfe schreiben, ohne viel Ahnung zu haben. Wenn wir bei den Emotionen bleiben, packen wir unsere Leser*innen.

Piouretten sehen übrigens cool aus, sind aber gefährlich, weil dem Gegenüber der Rücken zugewandt wird. Drehen wir dem Gegner den Rücken zu, sind wir tot. Der Angriff auf die Beine ist realistisch seltener, die Distanz ist größer als zum Oberkörper.

Schreibübungstipp aus der Runde

Schau dir Kampfszenen an, die dir optisch gefallen und versuche sie zu beschreiben.

Finaler Tipp

Lasse das Setting vor deinem inneren Auge entstehen. Schreib die Szene, ohne zu viele Details bringen. Fokussiere auf die Details, die im Kampf eine Rolle spielen. Relevante Details werden ausformulieret. Wandteppiche sind zum Beispiel cool um Leute einzuwickeln.

Jüdische Repräsentationen miT Rachel

Rachel (Twitter) hat mit uns offen über Repräsentationen von Juden und Jüdinnen in der Literatur (und Filmen) gesprochen. Rachel ist Buchbloggerin, Youtuberin und politisch interessiert. Ihre jüdische Identität ist Rachel wichtig, sie lebt traditionell, ohne religiös zu sein. Sie spricht gerne über ihre jüdische Identität. Dabei begegnet ihr viel Unwissen, dank einer limitierten jüdischen Repräsentation.

In fiktionalen Geschichten gibt es ziemlich genau 2 Repräsentationen von Juden und Jüdinnen:

  • die streng Religiösen
  • in Verbindung zum Holocaust, als Opfer oder Überlebende

Der Holocaust ist ein wichtiges Thema, keine Frage. Es ist allerdings zeitlich gesehen nur ein kleines Kapitel aus 600 Jahren jüdischer Geschichte. Da ist so viel mehr.

Im amerikanischen Raum gibt es noch eine Variante der jüdischen Repräsentation in Film und Literatur, die der superreichen und verwöhnten Juden.

Es gibt auf Figuren, dich nicht ausdrücklich jüdisch, aber jüdisch gecodet geschrieben sind. Dies wird deutlich an der Kleidung oder daran, dass ihr Verhalten jüdsch gelesen werden kann. Ein prominentes Beispiel hier zu Nevernight, in der ein bluttrinkender Dämon namens Adonai eine Rolle spielt.

Auf der Suche nach einem Beispiel für eine positive Repräsentation fällt Rachel nur ein Beispiel ein: Rick Riodan. (Rachels Video zum Universum von Rick Riordan)

Rick Riordan definiert seine Halbgötter über das Halbgottsein. Im zweiten Schritt definiert er die Familienhintergründe. Er eignet sich die Kulturen nicht an. Es ist normal zu verschiedenen Kulturen zugehörig zu sein. Genau das ist es, was ich mir für mein Projekt Elfenprinzessin wünsche. Ich muss mir die Reihe noch einmal bewusst ansehen, wie er das macht. Es ist so selbstverständlich, dass es mir nicht aufgefallen ist. Ich habe die Figuren als vielfältig erlebt.

Was bedeutet es jüdisch zu sein?

Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Ich würde sagen, es sind Menschen, genau so vielseitig wie Menschen, vieler Gruppen auch. Jüdisch zu sein ist nur ein Teil ihrer Identität. Es gibt keine klare Abgrenzung und Definition.

Es gibt kein Aufnahmeritual ins Judentum, wie die Taufe im Christentum. Kinder werden jüdisch geboren. Es gibt viele jüdische Menschen, die nichts mit Religion zu tun haben, auch nicht viel Kultur mitbekommen haben, weil es besser war nach außen nicht jüdisch zu sein.

Wenn es um eine vielseitige Gruppe von Menschen geht, können wir dann überhaupt eine Darstellung wählen? Versuchen wir es, landen wir dann nicht zwangsläufig bei Stereotypen?

Aussteigergeschichten sind spannend zu konsumieren. Geschichten über extreme Gruppen, zum Beispiel streng gläubige, sind unterhaltsam, aber sie sprechen nicht die Mehrheit derjenigen an, die zu der Minderheitengruppe gehören. Lesende suchen Figuren, mit denen sie sich identifizieren können. Menschen, die als Teil einer Minderheit aufwachsen, finden solche Figuren kaum bis nicht.

Jüdische Figuren schreiben

Judentum ist mehr als Holocaust und das bisschen Wissen aus dem christlichen Religionsunterricht. Musik, Literatur, … Die jüdische Kultur ist vielseitig und geht über die religiösen Traditionen hinaus.

Benennt die Feiertage als das, was sie sind. Hanuka ist nicht das jüdische Weihnachten. Es ist ein historisch interessanter Feiertag, aber kein religiöser. Es gibt religiöse Feiertage im Judentum, die aus der Tora hervorgegangen sind. Andere Feiertage sind historisch bedingt. Hanuka wird Zuhause gefeiert, man geht nicht in die Synagoge. Pessach ist ein viel wichtigerer Feiertag als Hanuka.

Juden und Jüdinnen sind divers und vielseitig. Lerne sie kennen als Menschen. Folge jüdischen Creatorn, um einen Einblick zu bekommen. Du erkennst in Deutschland jüdische Menschen nicht immer an ihrer Kleidung. Vermeintlich kennst du niemanden.

Recherche & Gespräche sind der Schlüssel zu repräsentativen Figuren.

Wir sind uns nicht bewusst, wenn wir unseren alten eigenen Traditionen folgen und andere nicht beachten. Darf das eine Entschuldigung sein? Nein! Wir Menschen sind wunderbar vielfältig, interessiert euch für eure Mitmenschen! Social Media macht es euch da wirklich leicht, ihr müsst nur bereit sein in Kontakt zu gehen.

Link zu meinem Thread zur Session

Ask the Sensitivity Reader. FAQ mit Victoria Linnea und Aşkın-Hayat Doğan

Ich weiß, dass es Sensitivity Reading gibt und von vielen Autor*innen genutzt wird. Victoria Linnea (Twitter) und Aşkın (Twitter) sind Sensitvity Reader mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Die Session habe ich als sehr inspirierend erlebt. Vorab hatte ich bereits ein wunderbares persönliches Gespräch mit Jade (Twitter) im Chat-Roulette und ich denke ich werde ihre Dienstleistung (Angebotsseite) in Anspruch nehmen, wenn ich mich an den Plot eines weiteren Bandes der Elfenprinzessin begebe. Das Projekt umfasst mehrere Hauptfiguren, die verschiedene kulturelle Hintergründe haben.

Aşkın ist Diversity & Empowerment-Trainer, Sensitivity Reader, Autor, Übersetzer. Wertvolle Tipps für Autor*innen gibt er auch auf seinem Blog, wie beispielsweise in diesem Beitrag.

Victoria ist Autorin, Lektorin und Schreibcoach, Bloggerin und setzt sich für eine bessere Repräsentation von marginalisierten Gruppen. Mit weiteren Personen teilt sie auf Sensitvity Reading wertvolle Informationen darüber, was das eigentlich ist und wie die Zusammenarbeit funktioniert.

Was ist Sensitivity Reading?

Es ist ein bisschen wie ein Lektorat. Es wird geprüft was bei den Lesenden ankommt. Der Fokus liegt hier auf bestimmten sensiblen Themen und da Besondere ist, dass ein Sensitiviy Reader besonders sensibel für diese Themen ist. Es geht darum, dass keine problematischen Inhalte verbreitet werden. Stattdessen braucht der Buchmarkt empowernde Geschichten für Menschen marginalisierter Gruppen.

Es gibt noch keine Ausbildung für Sensitivity Reading. Du brauchst eine für dich passende Person für deine Geschichte.

Auch Bilderbücher und Cover können in einem Senisitivity Reading besprochen werden. Welche Dartstellungen und Symbole werden verwendet? Framing findet auch in Bildern statt.

Die Verantwortung liegt letztendlich bei den Autor*innen, Sensitivity Reader können nur beraten. Auch wenn im Impressum steht, dass ein Reading stattgefunden hat, heisst das nicht, dass die Empfehlungen umgesetzt wurden.

Wie kommt es zum Sensitivty Reading?

Ein idealer Zeitpunkt für das Sensitivity Reading ist zwischen zwei Lektoratsdurchgängen. Dann ist der Bogen des Storytellings sauber. Liegt es vor dem Lektorat, könnten im Lektorat überarbeitete Szenen wieder „korrigiert“ werden. Du kannst eine Beratung auch vor dem Schreiben in Anspruch nehmen und den Plot besprechen. Sind die marginalisierten Gruppen nur vertreten durch die Nebenfiguren? Dann wird es nach dem Schreiben schwierig das umzuändern. Mach dir vorher Gedanken, welche Erwartungen du hast. „Wie mache ich das denn?“, ist eine schwierige Frage an Sensitivity Reader. Den Anspruch, keine rechtliche Schwierigkeiten zu haben, ist auch nicht angemessen. Formuliere möglichst klare Fragen.

Angepasst an deine Erwartungen, wird das Honorar vereinbart. Das macht jede Person individuell. Du bekommst nicht nur Streichungen, sondern auch Erklärungen und weiterführende Links. Du lernst viel, was du auch für weitere Projekte verwenden kannst. Es lohnt sich!

Victoria erzählt, dass Senistivity Reading für sie im Vergleich zum Lektorat anstrengender ist.

Es gibt Dinge, die du vorher als Autor*in selbst tun kannst:

  • Recherchiere ableistische Begriffe, such sie selbst raus und streiche sie
  • Schreib Trigger-Warnungen zu den Kapiteln für deinen Sensitvity Reader
  • Recherchiere gründlich, wer für dich passen könnte. Dabei spielt nicht nur die Thematik, auch das Genre eine Rolle.
Meine Tweets zur Session

Schaut euch mal den Victoria-Linnea-Test an. Bestehen eure Figuren den?

Dialoge mal anders mit Jana Tomy

Erst Sprechen, dann denken!, ist der ultimative Tipp von Jana Tomy (Twitter). Es war eine wunderbar interaktive Session. Sie hat uns Dialoge vorgelesen und gezeigt, welch wunderbare Dinge man mit der Stimme einer Figur machen kann. Wenn es uns gelingt diese zu Beginn zu charakterisieren, wissen die Lesenden, wie die Figur spricht, wie sie drauf ist und es steigert das Lesevergnügen. Bei mir liegt Janas Roman Sépharial und ich freue mich schon sehr darauf es mit dem Augenmerk auf die Dialoge zu lesen. Auch auf die Gegenstände werde ich achten. Hierzu durfte ich Jana bereits in einer anderen Session erleben.

Meine Twitter-Mitschrift zur Session

Die Schreibtipps sind zahlreich gewesen, einen wichtigen, hat Maria für euch eingefangen:

Sex Positivity – Smash the Patriarchy mit Alex

Eine Barcamp Empfehlung lautet, gehe in die Session zu einem Thema von dem du am wenigsten Ahnung hast. So entschied ich die Frage des Sonntags, ob ich mich mit Religion oder Sex befassen möchte. Tja, als aufgeklärter Mensch habe ich dann noch so einiges von Alex (Twitter) gelernt.

Eine Info steht nicht in den Tweets: Es gibt Studien, dass wir nicht monogam veranlagt sind, auch nicht seriell monogam, wie es unsere Gesellschaft vorsieht. Es gibt auch Menschen, die monogam sind und gerne so leben möchten, der gesellschaftliche Zwang ist das Problem. Patriarchalisch geprägt durch das Bedürfnis, sicherzustellen, wer der Vater ist.

Multikulturalität in der Fantasy mit Nora Bendzko

Nora Bendzko (Twitter) ist nicht nur Autorin und Sängern, sondern auch Lektorin und Sensitivity Readerin. Dabei ist ihr Fokus auf #Mulitkulturaliät und vorzugsweise Fantasy.

Meine Tweets zur Session

Noras Session zur Multikulturalität war unheimlich bereichernd. Manche Themen überschneiden sich mit den Sessions zur jüdischen Repräsentation oder dem Sensitivity Reading, Nora brachte dabei ihren persönlichen Blickwinkel ein. Sie hat uns auf viele Fallstricke aufmerksam gemacht. Zum Beispiel rät sie dringend davon ab sich kreuz und quer bei verschiedenen Kulturen zu bedienen, um daraus eine eigene Fantasy-Kultur zu entwickeln. Wenn Menschen ihre eigene Kultur in einem Mischmasch wiedererkennen, fühlt sich das für sie komisch an. Ganz wichtig empfinde ich den Hinweis, dass PoC keinen Grund brauchen, um in deiner Fantasy Welt zu existieren. Dann ist es eine gute Repräsentation! Fokussiere nicht auf die Hautfarbe. Ein erster Schritt, um zu zeigen, dass Figuren divers sind, ist auf ihre unterschiedlichen Kulturen einzugehen.

Schreibe dreidimensionale sympathische nichtweiße Menschen! Mach das ruhig in mehr Schritten, nicht zu sehr darauf konzentrieren, einzelne Figuren als nicht-weiß zu schreiben, das kann dazu führen, dass du dich von Stereotypen leiten lässt.

Recherchiere und wende dein Wissen an, wie es in deine Welt passt. Der Licht-und-Schatten-Diskurs wird in der Fantasy meist durch Hautfarben verkörpert, die Schwarzen stehen auf der bösen Seite. Licht-Schatten-Diskurse kannst du führen. Mach es bunt, breche Schwarz-Weiß-Denken auf und bezieh es nicht auf Hautfarben.

Vergesst mixed People of Color nicht! Normalisiere Multikultralität in deiner Welt. Auch in Fantasywelten, in denen Kinder zwischen verschiedenen Völkern entstehen, sind diese unsichtbar, exotisch oder tragisch. Häufig entstehen sie durch Vergewaltigung durch das dunkle Böse.

Auch PoC haben ein Recht auf ein Happy End!

Ja, wir müssen uns rantasten, wie wir PoC ohne Stereotype darstellen. Das ist nicht einfach, aber wichtig. Du musst nicht biologisch erklären, warum deine Figuren sind, wie sie sind. Du kannst es auch kulturell erklären. Das darf auch magisch sein. „Als unsere Göttin, die Welt erschuf, schenkte sie uns …“

Zeige Diversität bei allen deinen Völkern, nicht nur bei den Menschen.

Übung um dein Schreiben besser zu reflektieren

Gedankenspiel: Wann ist Weißsein in deinen Texten markiert? Wir sehen unser Weißsein nicht. Versuche herauszufinden, wo drin steckt, dass deine Figur Deutsch ist, irgendwo wird es transportiert.

In einem nächsten Schritt, überlegst du, wie solche Marker für deine PoC Figuren aussehen könnten.

Entwickle einen kulturell offen Blick. Denke über ein stärkeres kulturelles Worlsbuilding nach! Es gibt auch andere Marker als Hautfarben!

Außerdem

Lest Bücher von Nora Bendzko! Ich habe mir „Die Götter müssen sterben“ vorbestellt.

Auf Twitter findet ihr noch die wunderbaren Tweets von Elea Brandt (Twitter) zur Session

Wichtige Links 

Während der Session hat Nora uns folgende wertvollen Informationen in den Notizen zur Verfügung gestellt, die euch bei der eignen Recherche weiter helfen können.

Häufige Stereotypisierungen, als Schlagwörter für deine weitere Recherche

Exotismus = Darstellung von Nichtweißen als „fremd“ & „exotisch“, selbst, wenn sie gar nicht im Ausland geboren sind, z. B. bei Schwarzen Deutschen oft verzahnt mit Fetischisierung: Entmenschlichung von Nichtweißen als konsumierbare Sexobjekte, z. B. Witze über Genitalien, Vergleich von Haut mit Essen

Orientalismus (Literaturtipp: „Orientalism“ von Edward Sahid): Imagination eines fiktionalisierten exotischen Orients, der meist mit wenig Wirklichkeit zu tun hat und wahllos Kulturelemente Nordafrikas, des Mittleren Ostens, Indiens und Ostasiens zusammenwirft

Colorism: Diskriminierungsform, bei der hellere Haut bevorzugt und idealisiert wird, im Gegensatz zu dunkleren Hauttypen. Dies ist auch in PoC-Communities wirksam, so werden in Hollywood vornehmlich Schwarze Menschen, insbesondere Frauen, des helleren Spektrums porträtiert

Barbar vs. der edler Wilde: Darstellung von PoC als „unzivilisiert“, im Gegensatz zu einigen wenigen Ausnahmefällen, die als „anders“ und „besser“ markiert werden, weil sie „edle“ Eigenschaft im Gegensatz zu ihren Volksgenossen habenSiehe auch Vortrag von Sabrina Železný: „Darstellung Indigener“

(Black) Brute, Angry Black Woman / Man: Darstellungen von insb. Schwarzen Menschen als wild und irrational wütend

Liste von Nora Bendzko aus den Notizen zur Session

Progressive Phantastik

An diese Session fügte sich sehr schön die Session der Vögte mit Jamie an. Leider war ich nur halb dabei. Gebe euch gerne zwei wertvolle Links dazu weiter einen Artikel, den ich in der Session-Beschreibung gefunden habe und das folgende YouTube Video bette ich euch ein:

Janas Lesungssession

Vielleicht bin ich ein Fan von Jana Tomy ;-). Ich liebe ihre Barcamp Sessions, sie sind so wunderbar lebendig und lehrreich. Diesmal hat sie uns zahlreiche Tipps zum Thema Online-Lesung gegeben. Lesungen sind übrigens nicht nur was, für Autor*innen, sondern auch wir Blogger*innen könnten mehr lesen. Selbstverständlich in Absprache mit Autor*innen. Beispielsweise könnten wir eine Lesung auf Twitch halten, während die Autorin oder der Autor im Chat anwesend ist und gar nicht vor die Kamera braucht. Eine andere Variante wäre gemeinsam zu lesen und über das Buch zu plaudern. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!

Meine Tweets zur Session mit zahlreichen weiteren Tipps

Janas persönliche Tipps aus den Notizen zur Session

Message: Autor:innen dürfen mehr aus sich rausgehen! Sich der Welt ruhig zeigen! Etablieren: Lesungen sind ein Event!

Jana Tomy

Wo halte ich eine Online-Lesung?

Instagram ist eher kompliziert (kleiner Bildschirm, Aufnahmespanne der Zuhörer:innen ist zu kurz, Interaktion fehlt), es sei denn all deine Follower sind alle da

Facebook (funktioniert auch auf Handy)

Twitch (geht vor allem um Interaktion)

Jana Tomy

Technik Basics:

achte auf gute Mikroqualität

nimm dich einmal testweise selbst auf 

Ablauf deiner Online Lesung

Begrüßung
Über sich erzählen
Über Buch erzählen

10-15 Min lesen

Austausch: Über Szene natürlich, was will man den Lesenden mitgeben, gibt es Fragen? Wie kam man zu der Szene? 

-> Eher Dialoge, lieber weniger lange Beschreibungen

Körpersprache: Präsenz zeigen! Nicht für Verhaspler entschuldigen, entspannt bleiben

Möglichkeit: Blogger:innen lesen für ihr Publikum dabei und Autor:innen sind dabei und beantworten Fragen

Ankündigungen, dass es tatsächlich als Event funktioniert: 

Ich stelle euch meine Figuren vor
Stellt mir gerne eure Fragen!
Ich erzähle euch Background-Infos!

Bringt euch Essen mit! 

Suche nach Support auf Twitter:#Autorinnenleben#Schreiballtag  

Jana Tomy

Twine

Konkurrenz der Sessions ist immer groß und ein Problem auf BarCamps ist immer, sich entscheiden zu müssen. Eine Session, die ich leider nicht besucht habe, stellte eine Lösung vor, nach der ich schon länger suche. Das Tool zum Erstellen von Spielbüchern werde ich mir noch einmal für mich ansehen und gebe euch den Tipp von Alessandra Reß (Twitter) gerne weiter: Twine ist ein OpenSource Tool für Textadventures.

Kia (Twitter)hat ein wunderbares Sketchnot zur Session angefertigt:

Historische Korrektheit mit Aurelia

Noch ein wichtiges Thema, zu dem Aurelia Brandenburg (Twitter) nicht nur eine Session angeboten, sondern auch einen ausführlichen Blogbeitrag geschrieben hat, den ich euch hiermit gerne empfehle.

Und zum Schluss ein wenig Twitch Talk

Offiziell war das BarCamp beendet. Wer noch nicht genug hatte oder neugierig auf Twitch war, konnte sich mit Juliana Fabula (Twitch) und Jana Tomy (Twitch) weiter darüber unterhalten. Sie gaben ein paar praktische Tipps und ich habe es jetzt endlich geschafft auf meinem bislang noch passiven Kanal andere Kanäle zu empfehlen. Ich hatte einfach nicht die richtige Einstellung gefunden. Twitch ist super, aber eben auch komplex. Es ist so wunderbar, dass zum einen zahlreiche Tutorials auf YouTube zu finden sind und sich innerhalb der Community gegenseitig geholfen wird.

Mein #Litcamp21 war vielseitig und lehrreich. Ich habe sehr viel für mich und meine Figuren mitgenommen. Herzlichen Dank für die Organisation, an alle Sponsoren, an alle Session-Gebenden und alle anderen Teilnehmenden für den tollen Austausch!

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