Luzide Träume – Zwischen Wissenschaft und Fiktion

Lucid – Tödliche Träume – Christoph Mathieu & Dennis Todorovic

Psychologiestudium, 1. Semester, 2007, Bonn

Wer von Ihnen weiß nachts bewusst, dass er träumt?

Frau Professor Ursula Voss erklärte uns, was Klarträume sind, luizide Träume in denen der Träumer sich des Träumens bewusst ist und auch darüber Auskunft geben kann.

Sie erzählte Geschichten aus dem Schlaflabor, erzählte von einer Probandin, die ihr Zeichen geben konnte, dass sie aktuell in einem Klartraum ist …

Es war faszinierend. Sie bat uns ein Traumtagebuch zu führen und ich glaube wir machten fast alle bei ihrer Studie mit.

Eine Klarträumerin bin ich nicht, aber ich konnte mich meistens sehr gut an meine Träume erinnern. Im Rahmen dieser Studie leider nicht. Die Aufgabe mich erinnern zu müssen, führte dazu, dass ich nur sehr wenige Träume in mein Traumtagebuch eintragen konnte.

Traumforschung ist ein faszinierendes Forschungsfeld, das übrigens nichts zu tun hat mit Traumdeutung

Auch zehn Jahre später befasst Frau Voss sich noch mit dem Thema:

Unsere Studie zu luziden Träumen zeigt, dass Bewusstsein im Schlaf manipulierbar ist und dass also Schlaf kein Zustand mit fehlendem Bewusstsein, sondern lediglich mit einer im Vergleich zum Wachen geringeren Bewusstseinstiefe darstellt. (Universität Frankfurt)

Träume sind nicht nur vom Klarträumer selbst, sondern auch von außen beeinflussbar.

Lucid – Tödliche Träume

An diesem Punkt, Träume von außen beeinflussen zu können setzen Christoph Mathieu und Dennis Todorovic an.

Sie lassen ihre Wissenschaftler im Forschungszentrum Jülich einen Schritt weiter gehen und den Probanden kleine Nanobots ins Gehirn implantieren …

Das Forschungszentrum Jülich gibt es übrigens tatsächlich. Neben den Bereichen “Energie und Umwelt” und “Schlüsseltechnologien” gibt es auch den Forschungsbereich “Information und Gehirn“. Zu den zahlreichen spannenden neurowissenschaftlichen Forschungsthemen zählt aktuell keine Traumforschung, aber die Verortung im Roman ist gut gewählt.

Die Geschichte beginnt mit zwei Handlungssträngen. Auf der einen Seite lernen wir ein Ehepaar kennen, der Mann scheint einen tödlichen Unfall mit Fahrerflucht begangen zu haben. Auf der anderen Seite gibt es ein junges Pärchen, er engagierter Nachwuchswissenschaftler auf dem Gebiet der luziden Träume, sie Kunststudentin und luzide Träumerin.

Grenzen gib es vielleicht nur da, wo Signes Vorstellungskraft endet, aber glauben Sie mir …

Die Geschichte ist gespickt mit fachlichen Hintergrundinformationen, die mir plausibel erscheinen, was die Geschichte für mich ganz schön unheimlich macht.

Es ging vor allem um den empirischen Vergleich der Aktivitätswerte von Amygdala, Insula udn orbitofrontalem Kortex und deren jeweiligen Korrelation mit der Tätigkeit im Hippo …

Auch Signe gibt ihrem Freund verabredete Zeichen im Schlaflabor und erinnert an die Probandin von Frau Voss.

Die Fäden laufen in Jülich zusammen. Signe soll dort eine Probandin im großen Forschungsprojekt der renommierten Wissenschaftlerin Dr. Dryden werden. Für Fabian wäre es eine große Chance, denn sie haben den Deal ausgehandelt, dass sie nur geht, wenn er mit kommen darf. Doch der jungen Frau kommen Zweifel …

Signe, was die Frau macht, ist Grundlagenforschung. Es geht noch lange nicht um Anwendung.

Ist das so?

Grundlagenforschung

… ist spannend, aber von außen wird immer wieder eine Rechtfertigung gefordert: Und was bringt das alles?

Ich weiß nicht, wie oft ich selbst diese Frage schon dahingehend beantwortet habe, dass wir Entwicklungsprozesse und neuronale Prozesse besser verstehen können. Das reicht den meisten Menschen erfahrungsgemäß nicht als Antwort. Forschung muss sinnvoll sein, man muss mit den Ergebnissen etwas “machen” können. Diese Haltung steckt in vielen Köpfen. Das reine Verstehen ist nicht wirtschaftlich, so interessant das Thema auch sein mag …

Der Aspekt, was kann man damit machen führt in vielen Forschungsbereichen zu gruseligen Ideen.

Eine dieser Ideen im Bereich Traumforschung findet sich im Roman “Lucid – Tödliche Träume”. Es ist zum Glück nur ein Roman, doch wie weit ist dieser von unseren tatsächlichen Möglichkeiten entfernt? Liegt zwischen Realität und Roman eventuell nur noch die Ethik?


Das E-Book wurde mir vom Verlag über Netgalley zur Verfügung gestellt.

Lucid – Tödliche Träume

Christoph Mathieu & Dennis Todorovic

be, Bastei Lübbe

ISBN: 978-3-7325-1885-2

Erscheinungstermin: 14.02.2017

kleiner Komet (Stephanie)

Ich liebe Geschichten – fiktive wie Geschichten aus dem echten Leben.
Als kleiner Komet tauche ich ein in verschiedene Welten und erzähle euch von meinen Abenteuern.

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.