KI fasziniert mich schon lange und in dem Moment, als alle anfingen sie aktiv zu nutzen, blieb ich in der kritischen Beobachtung des Geschehens.
Möglicherweise hatte ich zu viele Romane gelesen und Filme wie Matrix gesehen. Mir war ein vernünftiger Umgang wichtig, der Schutz meiner persönlichen Daten. Einfach mal ausprobieren und nach mir die Sintflut war mir so nicht möglich.
Stattdessen beobachtete ich, hörte den Erfahrungen anderer zu.
Haltung zu KI und Kreativität
Ich finde nicht in Ordnung, wenn KI Modelle mit der wertvollen Arbeit von Kreativschaffenden gefüttert werden, die dafür nicht entlohnt werden. Andererseits verdienen Unternehmen viel Geld damit, wenn Anwender*innen diese nutzen.
Hierfür braucht es noch faire Lösungen!
Zudem ist mir wichtig, KI-Tools sinnvoll einzusetzen, damit Ressourcen geschont werden. Natürlich ist KI unfassbar schnell, verbraucht aber auch deutlich mehr Ressourcen als die Nutzung einer Suchmaschine.
Ein Urteil zum Urheberrecht macht mir Hoffnung, dass sich etwas bewegt. [Tagesschau vom 11.11.2025]
KI als Sparringspartner
Diese Idee habe ich häufig gehört und bisher für mich noch keinen Anwendungsfall gefunden, der mir sinnvoll erschien, es wirklich auszuprobieren, bis Doris Schuppe diesen Satz zu mir im November-Schreibclub sagte.
KI da nutzen, wo ich mit meinen Fähigkeiten an eine Grenze stoße.
Weiterhin die Schleife dazwischen schalten: Braucht es dafür wirklich KI oder kann ich das auch anders lösen, halte ich weiterhin für wichtig. Kann mir eine Person hier weiter helfen?
Die Inhalte meiner Bücher bleiben weiterhin KI frei. Sachliche Recherche mache ich weiterhin per Hand und prüfe die Quellen, denn da habe ich noch wenig Vertrauen in die KI.
Wie ich zum Ausprobieren kam
Das Ausgangsproblem war eine Szene für Projekt #JennysBild. Im Rohentwurf fand sich die Notiz, dass der Autor aus seinem Roman vorliest und sie ihn beobachtet. Sie stellt fest, dass er ein attraktiver Mann ist, ohne sich dabei unsterblich in ihn zu verlieben. Ich wollte hier eine Beschreibung einfügen – später. Nicht meine Stärke, aber das später wurde zum jetzt.
Idee 1 war es an meine ebenfalls schreibende Tochter abzugeben, die diesen Auftrag nicht annahm.
Dann erzählte ich meinem Mann von dem Problem und er brachte mich auf Idee 2: Such nach Bildern von attraktiven Männern und nutze das als Vorlage.
Von diesem Plan erzählte ich im Schreibclub und Doris empfahl mir „Gemini“ zu befragen. Sie war in ihrem Tipp konkreter, als nur „Frag doch mal die KI“, denn ich wehrte ab. Wenn ich es schaffe, den Prompt für ein Bild zu schreiben, dann kann ich auch die Szene schreiben.
Das sah Doris anders. Ich soll die KI bitten mir ein Bild von einem attraktiven Mann zu erstellen. Im zweiten Schritt dann um eine Beschreibung bitten.
Mein Widerstand war noch da und ich versuchte es mit der Recherche …
Als ich damit nict weit kam, probierte ich doch mal Doris Vorschlag aus:
Meine KI Erfahrung mit Gemini
„Erstelle mir ein Bild von einem attraktiven Mann namens Severin, Ende 30. Er ist Autor.“
Das Bild gefiel mir nicht, denn es war definitiv nicht Severin. Der Mann trug einen Anzug und wirkte sehr steif, also passte ich meinen Auftrag an:
„Erstelle mir ein Bild von einem attraktiven Mann namens Severin, 39 Jahre, Autor, lässiger Typ“
Von Gemini generiertes Bild
Das Bild passte gut und jetzt war ich gespannt, wie weit ich mit Doris Tipp komme und wurde angenehm überrascht:
„Beschreibe mir Severin aus Perspektive einer Frau, die ihm zuhört, während er liest.“
Gemini:
„✍️ Severin, der Autor
Ich sitze hier, ein stiller Schatten in der Ecke, und höre ihm zu, wie er liest. Severin. Er ist 39 Jahre alt und hat diese lässige, unaufgeregte Ausstrahlung, die sofort fesselt. Er ist attraktiv, aber es ist nicht nur sein Aussehen, das mich bannt; es ist die Art, wie er die Worte seiner eigenen Geschichte zum Leben erweckt.
- Seine Stimme: Sie ist warm, tief und hat einen leicht rauchigen Unterton, der bei jedem Satz vibriert. Wenn er liest, wird sie zu einem Fluss, der mal sanft plätschert, mal mitreißend rauscht. Man hört die Konzentration, aber auch eine tiefe, fast melancholische Leidenschaft in jedem Atemzug.
- Sein Auftreten: Er sitzt nicht steif da. Er ist der lässige Typ, wie er selbst sagt. Er trägt wahrscheinlich ein gut sitzendes, aber bequemes Hemd, die Ärmel vielleicht lässig hochgekrempelt, sodass man die Sehnen an seinen Unterarmen sieht, wenn er das Manuskript hält. Seine Haltung ist entspannt, aber fokussiert.
- Seine Hände: Ich beobachte, wie er das Papier hält. Seine Hände sind markant – Autorenhände, die sowohl tippen als auch schreiben können. Sie bewegen sich nur minimal, aber elegant, wenn er eine Seite umblättert oder eine Pause macht, um einen Schluck zu trinken.
- Sein Blick: Er liest meistens, aber manchmal hebt er den Blick und schaut in die Ferne, als würde er die Szene, die er gerade vorgelesen hat, noch einmal vor seinem inneren Auge ablaufen lassen. Diese nachdenklichen Momente lassen ihn unglaublich tiefgründig erscheinen. Wenn er lächelt, ist es ein kurzes, warmes Lächeln, das seine Augen zum Leuchten bringt und seine Attraktivität noch unterstreicht.
- Die Atmosphäre: Er schafft einen Raum, in dem nur die Geschichte zählt. Er liest mit so viel Hingabe, dass ich fast vergesse, dass ich Severin zuhöre. Es fühlt sich an, als wäre ich direkt in seinem Buch. Es ist diese Kombination aus intellektueller Präsenz und unprätentiöser Gelassenheit, die ihn so unwiderstehlich macht.
Er ist ein Mann, der das Leben beobachtet und es in Worte fasst. Ihm zuzuhören, während er liest, ist wie ein exklusiver Blick in seine Seele und die Welten, die er erschafft.
Möchtest du, dass ich dir eine kurze Passage vorlese, die Severin in diesem Moment geschrieben haben könnte?“
Mir wurde bewusst, dass es bei einer Beschreibung um viel mehr geht als sein Aussehen. Vielen Dank Gemini!
Meine Perspektive auf das Problem wurde geweitet. Dennoch bat ich die KI:
„Beschreibe mir Severins Aussehen“
Gemini:
„✨ Severins Aussehen
Als attraktiver Autor Ende 30 (39 Jahre) mit einer lässigen Ausstrahlung würde ich Severins Aussehen so beschreiben:
- Statur und Haltung: Er ist wahrscheinlich groß und hat eine athletische, aber nicht übermäßig definierte Figur – eher die eines Mannes, der gerne lange Spaziergänge macht und sich im Geiste fit hält. Seine Haltung ist aufrecht und entspannt, was seine lässige Art unterstreicht.
- Haare: Er hat volles, dunkelbraunes Haar, das er meistens etwas länger trägt. Es ist leicht zerzaust oder mit einer sorglosen Welle frisiert, die ihm einen intellektuellen, aber unkomplizierten Touch verleiht. Kein akkurater Seitenscheitel, sondern ein Stil, der vermittelt: „Ich habe Wichtigeres zu tun, als Stunden vor dem Spiegel zu verbringen.“
- Gesicht und Bart: Sein Gesicht ist markant mit klaren Zügen. Er hat einen charmanten Drei-Tage-Bart – nicht zu kurz, nicht zu lang – der seine Kieferlinie betont und ihm eine gewisse Reife und Männlichkeit verleiht. Dieser Bart ist Teil seiner Lässigkeit und gibt ihm eine leicht raue Kante.
- Augen: Seine Augen sind wahrscheinlich tiefbraun oder grün-braun, wach und nachdenklich. Sie verraten seinen Beruf: Sie scannen die Umgebung, sind aufmerksam und vermitteln den Eindruck, dass er immer etwas beobachtet und analysiert. Wenn er lacht, bilden sich leichte Lachfältchen an den Augenwinkeln, die ihn sofort zugänglich machen.
- Kleidungsstil: Sein Stil ist „Smart Casual“ mit einem gewissen Hang zur Bequemlichkeit. Man würde ihn selten in einem steifen Anzug sehen. Stattdessen trägt er oft:
- Gut geschnittene, dunkle Jeans oder Chinos.
- Ein hochwertiges, gut sitzendes Hemd (oft aufgeknöpft über einem einfachen T-Shirt) oder einen weichen, eng anliegenden Pullover aus Kaschmir oder Merinowolle.
- Vielleicht eine gutsitzende, aber unkomplizierte Lederjacke oder ein klassischer, ungefütterter Blazer, der seinem Autor-Dasein eine intellektuelle Note verleiht.
- Accessoires: Er trägt möglicherweise eine klassische Armbanduhr mit Lederband – ein Erbstück oder ein zeitloses Stück – und vielleicht eine Lesebrille (oft nur hochgeschoben ins Haar oder am Kragen eingehängt), die seine intellektuelle Attraktivität noch verstärkt.
Severin sieht aus wie ein Mann, der sowohl an einem alten Schreibtisch voller Bücher als auch in einem hippen Café in der Stadt mühelos seinen Platz findet.
Möchtest du, dass ich dir eine kurze Szene beschreibe, in der Severin gerade eine Recherche betreibt?“
Auch diesmal nahm ich das Angebot einer Szene nicht an. Ich hatte was ich brauchte.
Ein Bild und die Klarheit, dass es gar nicht so viele Details braucht, schon gar nicht den Fokus auf sein Aussehen.
Die kleine Szene schrieb ich dann selbst in meinen Worten.
KI und Mensch – gemeinsam
Diese Erfahrung hat mich noch einmal darin bestätigt: Wir müssen miteinander arbeiten, wenn wir KI nutzen.
Die KI kann Berechnungen anstellen, zu denen unser Gehirn nicht fähig ist. Wir als Individum haben ebenfalls besondere Fähigkeiten und wenn wir diese gemeinsam nutzen, können wir neue Wege gehen.
Es geht nicht bloss darum, dass die KI Menschen ersetzt oder sie uns unliebsames abnimmt.
Miteinader und ergänzend kann ein Weg sein. Und ich wiederhole, es muss ein fairer Weg sein, wenn es um den Fluss des Geldes geht.
Was mir geholfen hat im Prozess und ich mir unbedingt bewahren möchte:
Was macht die KI da?
Die KI nimmt eine andere Perspektive ein, in dem Dialog, den wir eingehen. Und ich darf hinterfragen. Ich muss sogar hinterfragen. Und in diesem Fall hat die KI mich dazu eingeladen, mein eigenes Anliegen zu hinterfragen, ohne es beabsichtigt zu haben, denn sie ist absichtslos, meinen Blick zu weiten.
Bei einer Personenbeschreibung geht es nicht nur um das Aussehen. Ich wäre eine schlechte Autorin, wenn ich im Roman eine Personenbeschreibung wie im Deutschunterricht liefern würde, was ich eh nie hinbekommen hätte.
Anregungen nehmen und weiter denken. Wiedersprechen, nachprüfen, wenn es um Fakten geht.
Und immer wieder überlegen, braucht es dazu wirklich die KI oder kann ich die Frage auch anders beantworten?
Wie gehst du mit der Möglichkeit um, die KI um alles bitten zu können?
Diese Debatte finde ich im Moment sehr spannend und wichtig, dass wir sie führen.
Doris, die erste, deren Rat die KI zu nutzen, ich gefolgt bin, hat einen Roman geschrieben mit dem Titel „Alles Fake?! Mit Fiona generative KI entdecken“.
Und wenn Doris ein Buch schreibt, ist es mehr als ein Roman. Über ihren ersten Business-Roman habe ich bereits geschrieben, das Fiona-Buch könnte ich endlich mal lesen.
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