Klassiker 24 von 50: Das Bildnis des Dorian Gray

Das Bildnis des Dorian Gray ~ Oscar Wilde
Das Bildnis des Dorian Gray ~ Oscar Wilde

Ewige Jugend – Traum oder Albtraum?

Es ist ein Motiv, das vielfältige mystische und auch literarische Beachtung gefunden hat. Der Stein der Weisen, Brunnen, Tränke oder andere Artefakten, die ewige Jugend versprechen. Vampire leben ebenfalls ewig und sind insbesondere in modernen Darstellungen wunderschön.

Doch nicht nur in der Literatur auch in der Realität finden wir den Traum der ewigen Jugend. Oft wird von Schönheitswahn gesprochen, insbesondere wenn es um die Selbstdarstellung auf Instagram geht. Doch zeigt sich der Jugendwahn nicht nur im Optischen. Auch im beruflichen Kontext herrscht der Glaube vor, Bewerbende müssten möglichst jung, aber zugleich sehr erfahren sein, was ja schlichtweg nicht so gut funktioniert. Damit es funktioniert, wird suggeriert, man müsse bereits zu Schulzeiten oder spätestens im Studium oder der Ausbildung (weiß nicht, ob es da auch so schlimm ist), unglaubliche Erfahrungen nebenbei sammeln, aber bitte in Regelzeit fertig werden.

Jugend wird häufig mit Schönheit, Gesundheit und Kraft assoziiert. Klingt alles super und erstrebenswert, allerdings sind wir Menschen vergänglich, so ungern wir das akzeptieren möchten. Je älter wir werden, desto näher kommen wir dem Tod, welcher uns aber auch in der wunderschönen Jugend urplötzlich ereilen kann. Sicher können wir uns davor niemals sein. Und doch ist da diese Angst …

Die vielfältigen Geschichten über den Traum von ewiger Jugend haben eins gemeinsam: Sie zeigen uns die Schattenseiten dieses Wunsches, so auch Oscar Wilde mit:

Dorian Gray

Dorian war ein wunderschöner junger Mann, der zu Beginn der Geschichte dem Künstler Basil Modell sitzt und diesem so zu seinem Meisterwerk verhilft. Er wirkt noch so herrlich naiv und unschuldig. allerdings trifft er im Atelier von Basil auf Lord Henry, der alles andere als tugendhaft erscheint.

Kaum ist das Gemälde fertig gestellt, hasst Dorian es, denn er würde altern und das Gemälde auf ewig schön bleiben. Damit löst er seinen eigenen Fluch aus und erhält das Geschenk ewiger Jugend. Das Bild altert für ihn und nicht nur das. Schließlich sieht man uns nicht nur das Alter, sondern auch die Lebenserfahrung an. Während Dorian Gray ewig jung und strahlend schön durch London und Umgebung spaziert, nimmt das Gemälde all sein Leid, sein schlechtes Gewissen auf und altert für ihn.

Fluch oder Segen?

Oscar Wilde spielt wunderbar mit dieser Thematik, lässt Dorian so einiges erleben, ihn lieben, gewinnen und verlieren. Nur äußerlich bleibt er vermeintlich derselbe, ein Zustand, um den ihn viele beneiden …

Fazit

Ich habe diese Geschichte wirklich gerne gelesen. Der Tiefsinn faszinierte mich, auch wenn in der Mitte für meinen Geschmack ein wenig gekürzt hätte werden können. Wie so oft bin ich recht unbedarft an diesen Klassiker gegangen und die ersten Seiten lasen sich, als ginge es um eine Liebe zwischen Männern, Dorian und Lord Henry. Es gibt gewisse Spannungen zwischen den beiden und doch wenden sie sich beide den Frauen zu … Ein Roman über eine homosexuelle Beziehung war wahrscheinlich im 19. Jahrhundert undenkbar.

Es gibt diverse Verfilmungen zu Dorian Gray und ich würde mir gerne eine ansehen. Könnt ihr mir eine besonders empfehlen?


Gelesen habe ich die freie eBook Ausgabe und im Anschluss das Print im Regal entdeckt …

Das Bildnis des Dorian Gray
Oscar Wilde

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