Ich bin kein Sorgentelefon
Einige Wochen hat Google mich bei Suchanfragen als Sorgentelefon ausgegeben. Das führte zu einigen unangenehmen Anrufen, denn ich bin kein Sorgentelefon. Ich bin Psychologin, Systemische Beraterin und Systemische Therapeutin . Mein Beratungsangebot findet online statt und richtet sich an Selbstzahlende. Auch mit der privaten Krankenkasse rechne ich nicht ab. Das stößt leider auf Unverständnis und führt auch zu Beschimpfungen.
Kostenfrei sind bei mir die Telefonate. Ich berechne auch nichts für Mails. Das gilt auch für bestehdene Klient*innen, mit denen ich zwischen den Terminen Mails austausche und auch schon mal Notfalltelefonate führe.
Ich habe auch schon Gespräche bis zu 90 Minuten am Telefon geführt, Menschen zugehört und ein paar Gedanken geteilt, ohne, dass es zu einem bezahlten Termin gekommen ist. Einfach weil ich so bin.
Das macht mich allerdings nicht zu einem Sorgentelefon.
Und kein Sorgentelefon zu sein, macht mich auch nicht zu einem schlechten Menschen.
Erwartungshaltung Kostenübernahme
Wenn es dir schlecht geht, gehst du zum Arzt und die Kosten werden übernommen. Dafür haben wir in Deutschland eine Krankenkasse. Einige Leistungen müssen privat bezahlt werden, das mag uns ärgern.
Ich habe mich da schon mehr als einmal gewundert und ein Vermögen für diverse Arztrechnungen bezahlt.
Auch Psychotherapie wird von der Krankenkasse bezahlt. Psychotherapie bei approbierten psychologischen Psychotherapeut*innen mit Kassensitz oder Psychotherapie bei Psychiater*innen. Auch für private Krankenkassen und das Kostenerstattungsverfahren gilt: Es braucht eine Approbation oder den Heilpraktikerschein. Beides habe ich nicht. Ich habe mich bewusst gegen den Weg entschieden, worüber ich bereits geschrieben habe.
Neben dem Therapieangebot haben wir in Deutschland verschiedene Beratungsstellen, auch diese sind ebenso wie das umfassende Jugendhilfesystem kostenfrei für die Hilfesuchenden. Und das ist gut so. Dort arbeiten qualifizierte Fachkräfte. Dieses Wohlfahrtsystem wird durch staatliche Mittel und Fundraising finanziert.
Bevor ich mich selbstständig gemacht habe war ich auch Teil dieses Systems, sowohl in meiner Funktion als Redakteurin für Webcare (Hessische Landesstelle für Suchtfragen), als auch als fachliche Schulbegleiterin (Lebenshilfe). Von beiden Tätigkeiten hätte ich nicht alleine leben können. Das ist ein Fakt, der mich lange belastet hat, nicht genügend Geld verdienen zu können, um für meinen eigenen Lebensunterhalt aufkommen zu können. Es nicht wert zu sein.
Es treffen also grundsätzlich zwei Erwartungshaltungen im Hilfesystem aufeinander:
- Die Erwartungshaltung der Hilfesuchenden, Hilfe zu bekommen, für die sie nicht bezahlen müssen.
- Die Erwartungshaltung derjenigen, die diese Hilfe anbieten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Ich finde unser Hilfesystem wichtig und ich stehe hinter der Idee, dass die Kosten für die Hilfe nicht von den Hilfesuchenden übernommen werden muss.
Unser Hilfesystem reicht allerdings bei weitem nicht aus. Ich nenne keine Zahlen, weil die offiziellen Statistiken nicht zu den Zahlen passen, die ich in Einzelfällen sehe. Gerade beim Thema Autismus gibt es eine große Unetrversorgung und entsprechend eine große Verzweiflung bei den Hilfesuchenden.
Bereicherung am Leid der anderen
So lautet der Vorwurf an mich, der mich von Anfang an begleitet. Per Mail lässt sich das leichter wegstecken, als wenn ich am Telefon angeschrien werde.
Einmal erreichte mich ein Herr zum zweiten Mal. Erneut im Glauben, ich sei ein Sorgentelefon. Ich erklärte ruhig und sachlich, was ich anbiete und ich hätte ihm auch durchaus kurz zugehört. Allerdings verfiel er in beiden Gesprächen in eine wütende Tirade. Beim ersten Mal wechselte er irgendwann in einen Dialket, so dass ich ihn nicht mehr verstehen konnte, was wahrscheinlich besser so war.
Was mich an seinen Vorwürfen besonders ärgert, war nicht die Erwartungshaltung, dass die Hilfe kostenfrei sein solle, sondern die Aussage, dass es eh nichts bringe. Tatsächlich habe er nämlich mal privat für Therapie bezahlt, die ihm aber nicht geholfen habe.
Transparenz und Flexibilität
Du findest auf meiner Webseite transparent meinen Preis, in jeder Mail und jedem Anruf nenne ich transparent meinen Preis und der liegt im mittleren Bereich des Marktes. Viele sagen mir, ich sei zu günstig. Ich möchte einen fair bezahlbaren Preis veranschlagen.
Es gibt bei mir keine Verpflichtungen oder Pakete, wie ich sie bei vielen Coaches sehe. Bei mir bezahlst du jeden einzelnen Termin, ohne Verpflichtung auf eine bestimmte Anzahl. Die Rechnung wird am Monatsende gestellt, egal wie viele Termine du in dieser Zeit wahrgenommen hast. Wie viele Termine und wie oft vereinbaren wir gemeinsam. Das hängt sowohl von deinem Bedarf als auch von deinen finanziellen Möglichkeiten ab.
Aktuell kostet ein Termin bei mir 160€ für 90 Minuten. Überleg mal für was du so viel Geld sonst ausgibst, oder auch mehr für weniger.
Friseurbesuche, Freizeitaktivitäten, diverse Einkäufe von Dingen, die dich erfreuen, aber nicht zwingend notwendig sind. Wenn du es dir leisten kannst! Und wenn du dir all diese Dinge leisten kannst, dann bist du vielleicht auch bereit, in dich selbst zu investieren.
Denn genau das tust du, wenn du mein Angebot der Wegbegleitung annimmst. Du holst dir eine qualifizierte Person an deine Seite, die dich individuell auf deinem Weg unterstützt. Die Entscheidungen triffst immer noch du und du bist die Person, die diesen Weg geht. Ich biete dir mein methodisches Wissen, stelle dir Fragen und ermögliche dir neue Perspektiven auf dein Problem. Das ist der Kern meiner Arbeitsweise.
Ich weiß, dass es Menschen gibt, die ein geringes Einkommen haben und ich weiß auch, wie sich das anfühlt. In meinem Lebenslauf findest du eine kurze Phase, in der ich in der Lage gewesen wäre, meinen Lebensunterhalt alleine zu bestreiten. Zu Beginn unserer Ehe mit einer Tochter hatten wir auch mit Wohngeld weniger zur Verfügung als damalige Sozialhilfeempfänger.
Ich will nicht jammern, nur deutlich machen, dass ich verstehe, dass mein Angebot sich nicht an alle Menschen richtet. Ich verstehe, dass es Menschen wütend macht, wenn sie auf ein Hilfesystem angewiesen sind, von dem sie sich alleine gelassen fühlen.
Das ist jedoch nicht meine Schuld und es liegt nicht allein in meiner Verantwortung, die Welt zu retten.
Es liegt in meiner Verantwortung, meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich habe mich übrigens nicht arbeitslos gemeldet, als ich meinen Job gekündigt habe. Ich bin nicht einmal auf die Idee gekommen. Erst später habe ich erfahren, dass ich tatsächlich Arbeitslosengeld hätte beantragen dürfen, um meinen Start in die Selbstständigkeit einfacher zu gestalten. Das wäre mir falsch vorgekommen, weil ich es doch selbst entschieden habe, diesen Weg zu gehen. Das bedeutet keineswegs, dass es falsch wäre, wenn du diesen Weg gehst, für mich hätte es sich so angefühlt. Du hast ein Recht darauf!
Du hast die Wahl
So wie ich meine Entscheidungen für mich getroffen habe, hast auch du eine Wahl. Jede Entscheidung hat ihre Konsequenzen. Das können wir doof finden, so wie wir uns darüber ärgern, dass manche medizinische Leistung dann doch nicht von der Krankenkasse übernommen wird.
Psychotherapie auf Kassenleistung ist übrigens auch begrenzt. Wenn die Stunden aufgebraucht sind, ist Ende. Das ist bei mir nicht so. Du entscheidest, wann Ende ist. Ich sage dir, wenn ich an meine Grenzen komme und du eventuell etwas anderes brauchst. Hier bin ich transparent und auch offen dafür, eine Ergänzung in deinem Hilfesystem zu sein.
Faire Bezahlung
Es war für mich ein langer Weg, bis ich bereit war, einen fairen Preis für meine Arbeit anzunehmen.
Ich stehe hinter meinen Preisen und erwarte, dass diese respektiert werden. Es geht hier um meinen Lebensunterhalt und ich bin noch nicht da angekommen, dass ich sagen würde, ich kann von meiner Arbeit leben.
Ich sehe die Perspektive, dass ich es können werde, besser als in meinen letzten Tätigkeiten und deswegen gehe ich diesen Weg weiter.
Ich liebe meine Tätigkeit als Wegbegleiterin und wünsche mir mehr Klient*innen, weil ich es gerne tue, nicht nur des Geldes wegen. Und das ist eine Arbeitsbedingung von der viele träumen und damit fühlt es sich für mich schon jetzt nach Luxus an.
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