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Eine unfreiwillige Reise zu sich selbst

Nach oben führt auch ein Weg hinab ~ April Wynter Smartphone mit geöffnetem Buch in der App Livley Story liegt halb auf einem Rucksack, halb auf der Wiese
Nach oben führt auch ein Weg hinab ~ April Wynter

Ein komplexer Titel „Nach oben führt auch ein Weg hinab“ deutet bereits an, dass es sich nicht um einen leichten Reiseroman handelt. Und doch fängt alles, abgesehen von einer ekligen Szene im Flugzeug, wie eine luftig leichte Lektüre an. Maddy fliegt unfreiwillig nach Kanada zu ihrem Vater, zu dem sie seit sie zehn Jahre alt war, keinen Kontakt mehr hatte. Auch sonst läuft es in ihrem Leben nicht ideal. Ihr fehlt ein guter Schulabschluss, was ihr die Suche nach einem Ausbildungsplatz erschwert. Derzeit arbeitet sie in einer Tankstelle. Ihre Freundin beginnt ihren Schwarm zu daten …

Bereits auf dem Weg zu ihrem Vater macht sie eine Bekanntschaft. Die Studentin Heather will mit ihr shoppen gehen und schürt ihre Hoffnung auf eine Karriere als Influencerin. Maddy träumt davon, in die Rocky Mountains zu fahren und traumhaft schöne Fotos für Instagram zu machen.

Die Begegnung mit ihrem Vater ist schwierig. Er ist ihr fremd, ebenso ihr Großvater, der im Rollstuhl sitzt. Es kommt zu einem Streit und letztendlich brechen Gandpa und Maddy zu einem Roadtrip auf. Das Abenteuer beginnt.

Alles für das Foto

Früher haben Menschen ganz bewusst Urlaubsbilder gemacht, die Anzahl der Bilder auf einem Film war begrenzt. Es wurden bewusste Erinnerungen geschaffen. War das wirklich so? Wenn ich mich an Urlaubsbilder von meinem Opa zurück erinnere, sehe ich einen Haufen Fotos mit Blumen drauf. Auf wenigen war mal meine Oma zu sehen. Hat er Erinnerungen geschaffen oder Blumenbilder gesammelt? Hat er vielleicht auch nach dem nächsten schönen Motiv gesucht, wenn es sich auch um Blumen und keine Selbstdarstellung handelt. Mein Opa ist Gärtner gewesen und liebt Blumen.

Heute ist die Grenze der Speicherchip der Kamera oder des Smartphones. Wir können nahezu sorglos fotografieren, verschwenden keinen Film. Die Frage, die in meiner Kindheit noch relevant war: „Will ich dieses Motiv wirklich fotografieren? Will ich es dringend genug haben, um einen zweiten Versuch zu machen?“, hat keine Bedeutung mehr. Stattdessen machen wir lieber gleich mehrere Bilder oder schauen direkt nach, ob sie etwas geworden sind.

Wie erleben wir die Momente, die wir fotografieren? Was steht im Vordergrund? Der Moment oder das Foto? Im Buch wird eine Szene geschildert, in dem die Touristen hinaus auf einen Gletscher gefahren werden. Viel Zeit bleibt dort nicht, bis sie wieder zurück in den Bus müssen. Massentourismus in sterbender Natur …

Neben dem Erleben von Momenten, gibt es eine weitere Komponente, die der Gefahr. Wie viel Gefahr nehmen Menschen auf sich, für ein einzelnes Bild. Geht es in diesem Moment einzig um das Foto oder wenigstens ein bisschen um den dazugehörigen Nervenkitzel? Ich weiß es nicht. Bei einigen Bildern frage auch ich mich, ob sie es wert sind gemacht worden zu sein. Das Risiko, dass die Menschen dafür eingehen mussten auf der einen Seite, der Schaden für die Natur auf der anderen. Schließlich bedeutet InfluencerIn sein auch Einfluss zu haben, Vorbild zu sein, andere folgen und wollen auch solche Fotos haben … Ein Kreislauf, eine Spirale zu wagemutigeren Fotos. Man will ja nicht langweilig sein.

April Wynter beleuchtet das Thema Social Media aus verschiedenen Blickwinkeln, zeigt interessante Kritikpunkte auf, ohne Social Media zu verteufeln. Schließlich nutzt sie Instagram selbst gerne.

Reise zu sich selbst

Das Schöne am Reisen ist die Auszeit vom Alltag, Zeit über einiges nachzudenken, Abstand zu gewinnen von einigen Problemen. Auf dem Roadtrip mit ihrem Grandpa erlebt Maddy genau das. Sie wächst mehrfach über sich hinaus und entwickelt sich weiter. Auch in den Begegnungen mit anderen Menschen lernt sie. Es sind sehr vielfältige Begegnungen … eine ist auch etwas ganz besonderes …

Wie es so mit Reisen ist, es gibt verschiedene Wege und so tun sich auch für Maddy neue Möglichkeiten auf. Neue Perspektiven durch neue Orte und Begegnungen. So wertvoll.

Fazit

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Zunächst war es unterhaltsam und abenteuerlich, dann wurde es richtig spannend auf verschiedenen Ebenen. So eine Tiefe hätte ich zu Beginn des Buches nicht erwartet. Es gibt sehr emotionale Momente!

Lively Story

„Nach oben führt auch ein Weg hinab“ ist zunächst als ganz gewöhnliches Taschenbuch erschienen. Gelesen habe ich es in der App Lively Story, als Tap-Story. Eigentlich lese ich nicht gerne am Handy, eReader ist da etwas anderes. Doch diese Geschichte ist anders als ein eBook auf dem Handy. Es ist ein Buch mit Special Effects.

Es gibt Soundeffekte, die nicht alle angenehm sind, Schnarchen, Reifen quietschen, ein nerviges Piepsen … Die unangenehmen haben sich offenbar besser eingeprägt. Zur Geschichte passende Fotos aus dem Rocky Mountains sind ein besonderer Bonus dieses Buches. April Wynter ist selbst vor Ort gewesen und somit stammt das Bildmaterial nicht nur aus Onlinedatenbanken.

Gleich zu Beginn der Geschichte meldet sich die Autorin per Videocall bei dir. Es ist ein wenig irritierend und du musst die bewusst machen, dass es eine Aufzeichnung ist und sie dich nicht sehen kann, so real wirkt die Situation. Es gibt auch weitere Anrufe im Laufe der Geschichte, die die Geschichte lebendig machen. Wichtig ist, dass du nicht nur die Effekte in der App aktivierst, sondern auch die Sounds deines Smartphones aktivierst, damit die App richtig läuft. Den Fehler habe ich nämlich zuerst gemacht.


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Nach oben führt auch ein Weg hinab
April Wynter
Selfpublisher
ISBN (Taschenbuch) 3966983311

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