Ein unglaublich glaubwürdiger Uri (Geschichte)

 

(c) Stephanie Katharina Braun

Es war einmal vor vielen Jahren, da feierte der Willi seinen 70. Geburtstag. Verwandte und Freunde waren gekommen, ja, sogar die Verwandtschaft aus dem fernen Elsass war vertreten.

Es wurde in bester Laune gefeiert, bis spät in die Nacht hinein. Alle wussten, der Willi hatte einen geheimen Wunsch, der sich leider an diesem Tage nicht erfüllte.

Denn es kam ein wenig anders und er musste noch zwei Tage warten.

Schon damals hatte das Kind einen Dickkopf, diesen durchgesetzt und sich einen eigenen Geburtstag gesichert.

Das Urenkelchen, gesund und munter hatte viele Opas und Omas.

So ergab es sich schon bald, dass aus dem Uropa Willi der Uri wurde.

Der Uri war ein ganz besonderer Opa, stets gut gelaunt, lustig und mit einer ganz besonderer Gabe bedacht:

Der Uri war ein Zauberer. Er zauberte mit Holz und Leim die tollsten Dinge. Gar eine Puppenvilla oder ein Kleiderschränkchen hat er dem glücklichen Mädchen gezaubert.

Wenn einmal ein Spielzeug zerbrach und die Tränen flossen, war der Uri stets schnell zur Stelle. Er tröstete sein Enkelchen und reparierte das Zerbrochene im Nu. Ein wenig Holzleim wirkt in seinen Händen wahre Wunder.

Das merkte auch das kleine Mädchen schnell und immer, wenn etwas kaputt ging, da sagte es: „Uri heile machen!“

Dann nickte er freundlich und gab sein Bestes, alles wieder in Ordnung zu bringen.

So bekam das Mädchen ein unglaubliches Vertrauen in die Fähigkeiten seines Opas.


So vergingen sechs wunderbare Jahre.

In der Zwischenzeit war der Uri stolzer Uropa von zwei Mädchen geworden und immer wieder erfreute er die Kinder mit seiner Magie.

So näherte sich eines Tages der sechste Geburtstag des Mädchens.

Der Uri nahm sein Urenkelchen auf den Schoss und fragte: „Was wünscht mein Mädchen sich denn zum Geburtstag?“

Es strahlte ihn an und sagte: „Ohrringe.“

Hast du denn schon Löcher?“ Neugierig schaute er sich die Ohren an. Noch waren sie heil.

Das Mädchen schüttelte den Kopf und grinste Mama erwartungsvoll an, damit sie dem Opa alles erklärte. Erst wenn es sechs Jahre alt war, durfte es Löcher in die Ohren bekommen.

Zuerst war der Opa entsetzt, dass in die schönen Ohren Löcher kommen sollten, doch dann hatte er eine tolle Idee: „Weißt du was? Ich geh mal in den Keller und hole mein Werkzeug. Dann mache ich dir die Löcher in die Ohren. Das ist ganz schnell gemacht.“

Da mussten Beide schrecklich lachen.

Kichernd kuschelte das Mädchen sich an seinen Opa und nickte begeistert. „Au ja! Mach das!“

Doch an diesem Tag ging der Uri nicht mehr in den Keller. Der Geburtstag kam und die Ohren waren noch immer heil.

Mit großer Freude packte das Kind Uris Geschenk aus. Es waren wunderschönen Delfinohrringe.

Jetzt wurde es aber allerhöchste Zeit für die Löcher.

Wenige Tage später war es dann so weit: Mama wollte mit ihrem Mädchen in die Stadt zum Juwelier fahren, um die Löcher machen zu lassen.

Doch oh weh, da war das Geschrei groß.

Ich will nicht! Der Uri soll das machen!“

Da hatte Mama ihre liebe Not, das Mädchen zu beruhigen. Das gelang ihr nicht, es blieb dabei: „Uri soll die Löcher machen!“

So half alles nichts, dieses Problem konnte wirklich nur der einzig wahre Uri lösen.

Lange redete er auf das Mädchen ein, erklärte er hätte nur Spaß gemacht und da seine Ohren nicht aus Holz seien, sollte es doch lieber mit Mama in die Stadt fahren.

Da glaubte das Mädchen dem lieben Opa und hielt ganz tapfer still.

Es folgten schließlich sechs ungeduldige Wochen, bis es endlich die schönen Delfine vom Uri und Oma anstecken durfte.


Der einzig wahre Uri, dem diese Geschichte gewidmet ist, wird heute 87 Jahre alt und wir gratulieren herzlich! Vor genau 10 Jahren habe ich ihm diese Geschichte zum Geburtstag geschenkt. Sie gehört noch zu den Originalen von der alten Webseite.

Stephanie Braun

Ich liebe Geschichten - fiktive wie Geschichten aus dem echten Leben. Als kleiner Komet tauche ich ein in verschiedene Welten und erzähle euch von meinen Abenteuern.

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