Rezension: Ein Planet, viele Welten (Anthologie, Kinder von 6 bis 17 Jahren)


Unsere Welt ist Multi-Kulti und das ist gut so!

Dennoch begegene ich immer wieder Menschen, die Angst haben, Angst vor Berührung mit Fremden, Angst davor Neues zu entdecken.
Es gibt viele Gründe Angst zu haben, aber per se Angst vor Menschen zu haben, nur weil sie anders sind, das ist ein großer Fehler.
Ein Fehler, der dazu führt, dass du viel verpasst!

Meine Tochter dürfte etwas zwei Jahre alt gewesen sein, als sie mich fragte: “Warum spreche ich nur eine Sprache!”.
Der Vorwurf traf mich hart und unvorbereitet, aber sie hatte Recht. Alle ihre Freunde auf dem Spielplatz sprachen zwei oder sogar drei Sprachen, alle verschiedene!

Immer wieder begegne ich Menschen, denen es genau anders ergeht, Menschen die nur eine Sprache sprechen, nur eine Kultur kennen und das gut so finden.

Dabei ist es so spannend, andere kennen zu lernen, egal woher sie kommen.

Das Buch

“Ein Planet viele Welten” Geschichten von Kindern und Jugendlichen von 6 bis 17 Jahren, herausgegeben vom Auswärtigen Amt und dem Aufbruch Verlag

Das Auswärtige Amt hat Kinder und Jugendliche dazu aufgerufen, Texte zum Thema: “Ein Planet, viele Welten” zu verfassen. Der Aufbau Verlag hat das Buch in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt im August 2016 herausgegeben. Es ist ein Buch, das Tagebucheinträge, Gedichte und Aufsätze von Kindern und Jugendlichen aus aller Welt vereint. Ein bunter kultureller Strauß, ein Buch das ein klein wenig dazu beitragen kann einander besser zu verstehen.

Die Texte sind gegliedert in drei Altersgruppen: bis 9 Jahre, von 10 bis 13 Jahre und von 14 bis 17 Jahre.

Denn wer könnte uns die Welt besser zeigen, als Kinder?

Die meisten Texte sind auf deutsch verfasst, manche auch in englischer Sprache.

Zu jedem Text ist angegeben und aus welchem Land der Autor oder die Autorin kommt. In dieser Information steckt leider nichts über den teilweise vielfältigen kulturellen Hintergrund, den die jungen Autoren haben. Manche der Kinder haben in mehr Ländern gelebt, als ich bisher bereist habe!

Der 7-jährige Moritz Schaufelberger aus der Schweiz bringt es wunderbar auf den Punkt:

Eine Weltreise ist wie ein Schulzimmer. Man lernt ganz viel.

Etwas ausführlicher erklärt uns Josephine Ressel (12 Jahre, Mexiko), warum wir reisen. Das sollten wir uns öfter mal bewusst machen:

Wir sind neugierig, wir wollen so viel wie möglich über andere Länder wissen und kennenlernen, und das nicht nur aus dem Erdkundebuch oder aus dem Reiseführer, sondern aus eigenen Erfahrungen, mit allen Sinnen, fühlen, riechen und ja – schmecken.

Texte, die mir besonders gut gefallen haben

Altersgruppe bis 9 Jahre

In der ersten Geschichte entführt uns Henriette Runge (9 Jahre, Deutschland) in Malalis Abenteuer. Das Mädchen floh mit ihren Eltern aus Somalia nach Indien, ihre Eltern überlebten diese Flucht nicht. Henriette erzählt uns die phantastische Geschichte von Malalis zweiter Flucht zu fremden Planeten. Gefolgt wird diese schöne Geschichte von einem Gedicht von Julie Lake (9 Jahre,  Vereinigte Arabische Emirate) “Wie sieht es im Universum aus?”. Das Weltraumthema taucht in vielen Geschichten immer wieder auf. Lisa Rohde (Deutschland) ist ebenfalls erst 9 Jahre alt, hat aber bereits einen sehr guten Schreibstil und erzählt eine lustige Geschichte mit dem Titel “Der fremde Planet”.

Celina Lütticke (9 Jahre, Vereinigte Arabische Emirate) erzählt von einer Reise nach Afrika. Sie besucht Namibia, ein Land in dem die Menschen auf der Straße tanzen. Weiter geht die Reise nach Kenia, wo sie die drei Tage nur im Zimmer verbringt, bevor es wieder heim geht. Zu gerne würde ich sie fragen, warum sie Kenia nicht entdeckt hat.

Ähnlich wie meiner Tochter erging es Audrey Marshall (9 Jahre, Deutschland). Sie ist amerikanisch und deutsch und beschreibt in ihrem Text “Ganz verschieden” wie unterschiedlich die Kinder und auch Lehrer in ihrer Schule sind, wie unterschiedlich sie aussehen, woher ihre Familien kommen und welcher Religion sie angehören. Für sie ist es auch selbstverständlich mit Jungen befreundet zu sein. Sie findet es falsch, wenn Mädchen nur Mädchenfreunde haben und Jungen nur mit Jungen befreundet sind.

In Namibia lebt das Volk der San und sie kennen keine Pizza. Das erklären uns Walter Alpers und Julian Förtsch (beide 9 Jahre aus Namibia).

Clara von der Heyde (8 Jahre, Deutschland) erzählt uns ehrlich von ihren Ängsten vor der neuen Klasse an ihrer Schule “Deutsch als Zweitsprache”. Doch dann kam alles ganz anders, eine Geschichte, wie nur Kinder sie erzählen können.

Altersgruppe 10 bis 13 Jahre

Es gibt keine Überschrift, dass der Teil der nächsten Altersgruppe beginnt, aber man merkt es den Texten an. Sie werden länger und inhaltlich komplexer.

Penelope S. Duran (13 Jahre, Ägypten) schreibt über ihre Erinnerungen an Ägypten, ihr Wissen über das Land und ihre eigenen Träume für die Zukunft. Dieser Beitrag ist ein guter Anfang für ihren Traumberuf Autorin.

Die elfjährige Sina Feld (Deutschland) hatte eine interessante Begegnung im Fußballstadion, wie sie wahrscheinlich schon vielen passiert ist mit dem Unterschied, dass Sina mit ihrem Sitznachbarn das Gespräch gesucht, philosophiert und alles niedergeschrieben hat.

“Ein Jahr später” von Nikolas Consantinou (13 Jahre, Niederlande), erzählt die Geschichte von einem Geburtstag in Deutschland und der Erinnerung an das vergangene Jahr, seit dem letzten Geburtstag, dem Tag der Flucht aus Syrien. Es folgte eine lange gefährliche Reise und die Ankunft in einem völlig fremden Land, in dem das Essen nicht schmeckte und sich die Leute so seltsam verhielten und kleideten.

Justin Jaegers (12 Jahre, Niederlande) kleine Sci-Fi Geschichte blickt auf unsere heutige Erde zurück und der Schüler Tom wundert sich, dass die Menschheit auf einem einzigen Planeten in verschiedenen Welten gelebt hat.

Philipp von Poelnitz (11 Jahre, Tschechische Republik) wohnt aktuell in der Tschechischen Republik,  seinem vierten Heimatland, und er weiß was außer gegenseitigem Respekt das wichtigste ist: Man muss die Sprache lernen, um sich zu hause zu fühlen!

Ich weiß nicht, ob Jonas Gundlach (13 Jahre, Niederlande) selbst traumatische Erfahrungen gemacht hat, aber seine Geschichte “Der Flashback” ist beeindruckend!

Eine gefühlvolle Geschichte über den Widerspruch / Konflikt zwischen Ansprüchen der anderen an das Normal-Sein und den Gefühlen eines einzelnen Jugendlichen erzählt Larissa Holz (12 Jahre, Deutschland) mit “Der Außenseiter”.

Eine Geschichte, die mir besonders aufgefallen ist, ist die lustige Geschichte von Gero Stöwe (10 Jahre, Deutschland). Leider habe ich mich am Ende der Geschichte geärgert, denn sie war plötzlich zu Ende, obwohl noch zu viel offen war. Zu gerne wollte ich weiter lesen. Über Twitter habe ich ihm daher eine Nachricht zukommen lassen:

Der Verlag hat auch schnell reagiert und versprochen meine Nachricht weiter zu leiten. Vielleicht erfahre ich ja noch, wie es mit dem kleinen Affen und dem geheimnisvollen Brief weiter geht! Mein Blog stelle ich auf jedenfalls gerne zu diesem Zweck zur Verfügung.

Oskar Rudloff (12 Jahre, Deutschland) hatte eine interessante Idee. Er schreibt in seiner Geschichte über das Thema Flucht. Allerdings fliehen bei ihm die Menschen aus Deutschland und kommen in Syrien an – ein spannendes Gedankenexperiment.
Es sind so viele schöne Texte dabei! Lest das Buch selbst!

Altersgruppe 14 bis 17 Jahre

Die Texte der Teenager werden ernster, teilweise philosophischer. Viele der Autoren und Autorinnen haben sich differenzierte Gedanken zum Thema “Ein Planet, viele Welten” gemacht und teilen ihre Gedanken mit uns in diesem Buch.

“Eine Welt der Empfindsamkeit und Fantasie” von Sanjin Juric Fot (17 Jahre, Kroatien) ist ein schönes Beispiel für einen der philosophischen Texte. Sie macht sich Gedanken über den Begriff “Welt”, stellt eine Theorie von “einer Welt pro Person” auf, erklärt ihm nächsten Schritt die Abhängigkeit dieser Welten voneinander und der gegenseitigen Beeinflussung. Sie schließt mit einem wunderschönen Satz:
Empfindsamkeit und Fantasie machen unsere Welten grenzenlos und viel schöner, als der Weltraum je sein könnte!
Über die Schönheit des Weltraums kann man diskutieren, denn dort warten weitere “Welten” auf uns, aber der erste Teil des Satzes sollte uns zum nachdenken über unsere eigene persönliche Welt anregen. Laden wir andere Besuch in unsere Welt? Lassen wir gemeinsame Welten entstehen, die Sanjin “Beziehung” nennt?
Von Cecilia Stricker (16, Singapur) erfahren viel über die Kultur des Taxifahrens in Singapur. Das Thema klingt banal, ihr Text ist aber wirklich spannend und sehr gut geschrieben. Faszinierend finde ich den Gedanken, dass es den Taxifahrer dort eigentlich immer gelingt dem Fahrgast ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.
Alle vier Jahre eine neue Heimat. So erging es Christian Köhler Pinzón (16 Jahre, Deutschland). In der USA geboren,  lebte er bereits in Deutschland,  El Salvador und Bolivien.  Er beschreibt wie schwierig das Leben in El Salvador ist, da es als eines der unsichersten Länder gilt.  In Bolivien dagegen war es für ihn viel leichter auszugehen. Jetzt lebt er wieder in Berlin und ist gespannt auf den Beginn einer ganz neuen Reise, wenn er die Schule beendet hat, denn den nächsten Ortswechsel seiner Familie wird er wahrscheinlich nicht mehr mitmachen.

Kritik

Das Buch ist vielseitig und berührt viele Kulturen. Bei vielen Texten bin ich unsicher, ob es sich um Fiktion oder Erfahrungsberichte handelt. Es wäre schön gewesen, wenn es angegeben wäre, was wahrscheinlich schwierig ist, da die Grenze schnell verschwimmt. Oft ist es erkennbar daran ob die Figuren im Text andere Namen haben, als der Autor bzw. die Autorin.

Fazit

Lest auf jeden Fall mal rein! Es lohnt sich!

 

Dieses Buch habe ich über NetGalley in der Rubrik “Direkt Lesen” entdeckt und dort als Rezensionsexemplar heruntergeladen.

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bei Lena bedanken, die mich auf das Angebot von NetGalley aufmerksam gemacht hat!

Das Buch steht zum kostenlosen Download im Aufbau Verlag zur Verfügung.

Ein Planet, viele Welten
E-Book, 250 Seiten
Aufbau Digital
ISBN 9783841212511

kleiner Komet (Stephanie)

kleiner Komet (Stephanie)

Ich liebe Geschichten - fiktive wie Geschichten aus dem echten Leben. Als kleiner Komet tauche ich ein in verschiedene Welten und erzähle euch von meinen Abenteuern.

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