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Die Trauerfeier

Bild von der Trauerfeier meines Schwiegervaters im Walsumer Kolumbarium

Ein schöner Abschied vom Herzensmenschen ist so wichtig und hilft uns später, besser durch die Trauerzeit zu kommen. Der letzte Moment des Abschieds ist die Beisetzung und diese ist besonders wichtig für diejenigen, die sich von dem Verstorbenen vorher nicht verabschieden konnten.

Es ist das letzte Fest, dass wir mit und für unseren Verstorbenen feiern können. Es geht darum, das Leben des Verstorbenen noch einmal zu würdigen, ihm die letze Ehre zu erweisen und es geht auch darum einander Kraft und Halt zu geben. So sollten wir das auch sehen und den Tag entsprechend vorbereiten.

Die Angst vor dem Tag

Trotzdem ist da diese Angst und ich weiß aus zahlreichen Gesprächen, dass vielen vor diesem Tag graut. Über diese Angst denken wir meist nicht weiter nach, sie gehört irgendwie dazu. Wenn wir uns aber hier im Vorfeld ein paar Gedanken machen, können wir dem Tag vielleicht entspannter entgegen sehen.

Wovor haben wir ganz konkret Angst? Es nicht zu schaffen? Den Schmerz an diesem Tag nicht aushalten zu können? Den Schmerz zu zeigen? Eigentlich eine unnötige Angst, denn keiner erwartet von uns Tapferkeit. Wir dürfen weinen, den Schmerz zeigen und raus lassen, dürfen uns Halt suchen. Wer das nicht versteht, wäre besser nicht gekommen.

Haben wir mehr Angst vor diesem letzten Moment, der Endgültigkeit? Dann könnte man sich bewusst machen, dass der eigentliche Abschied doch eh vollzogen, der Verstorbene doch leider eh nicht mehr auf dieser Welt ist.
Jetzt geht es doch „nur“ noch darum, den Abschied mit Angehörigen, Freunden und Bekannten zu teilen.

Viele haben auch Angst vor den Kondolenzbekundungen. Ja, es ist hart am Grab zu stehen und darauf zu warten, dass jeder zu einem kommt. Doch jede ehrliche Anteilnahme, jedes Mitleiden, jede Umarmung gibt auch Kraft.

An diesem Tag gilt, nichts muss. Wir sollten den Mut haben, an uns zu denken, an das was wir brauchen und uns nicht den Konventionen beugen. Eventuell kann man das, vor dem man die größte Angst hat sogar umgehen oder sich genau für diesen Moment Unterstützung suchen.

Eine Beisetzung kann und darf schön sein

Es hört sich sicher immer etwas befremdlich an, wenn man davon spricht, dass eine Beerdigung schön war. Doch ich finde, genau das sollte und darf eine Beerdigung sein. Trotz aller Tränen, trotz allen Schmerzes, trotz des traurigen Anlasses. Ich finde es so wichtig, dass man gerne an den Moment zurück denkt und hieraus Kraft schöpfen kann.

Für viele gilt, die Beerdigung so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Früher fand diese meist schon nach drei Tagen statt. Dann kam die Zeit, als es vermehrt um Urnenbestattungen ging und die Verbrennungen einfach dauerten und sich so die Bestattungen verzögerten. Inzwischen geht auch das zügig, aber ich plädiere trotzdem dafür, sich Zeit zu lassen. Wenn wir eine große Feier vorbereiten, benötigen wir dafür doch auch Zeit. Also sollten wir uns die für die Planung der Beerdigung auch geben.

Ich habe tatsächlich einige wirklich schöne Beerdigungen erleben dürfen – allerdings auch andere, die einfach nur trostlos waren.

Wann und wie?

Bei meinem Schwiegervater und später auch meinem Mann habe ich mir 3 Wochen dazwischen gegeben.
Diese Zeit war mir nicht nur wegen der Planung und Vorbereitung wichtig, diese Zeit habe ich für mich erst einmal gebraucht, um den Tod zu fassen und anzunehmen. Ich musste erst einmal für mich im Kleinen Abschied nehmen.

Auch das Thema „Einladung“ ist nicht ganz einfach. Wen will man dabei haben? Möchte man eine große Beerdigung, bei der jeder willkommen ist oder lieber eine Feier im engsten Kreis? Wenn man sich die Todesanzeigen in den Zeitungen anschaut, werden die Beerdigungen im kleinen Kreis immer mehr.
Es ist eine schwierige Entscheidung, denn man schließt damit Menschen aus, die sich gerne noch verabschiedet hätten.

Bei meiner Schwiegermutter war das so und es gab einige, die uns übel genommen haben, dass sie nicht dabei sein durften. Doch in der Situation war es für uns genau richtig, dass wir nur zu sieben Personen waren. Ihr Tod kam unerwartet. Mein dementer Schwiegervater wollte es nicht anders und hätte mehr auch nicht verkraftet.

Bei meinem Mann haben die Coronabestimmungen uns die Entscheidung abgenommen und das war irgendwo auch gut so. Es war nur ein ganz kleiner Kreis erlaubt. Doch auch hier gab es Menschen, die gerne noch dazu gekommen und die Klaus und ich gerne noch dabei gehabt hätten.

Ort und Dekoration

Der Ort, an dem die Trauerfeier statt findet, spielt natürlich auch eine ganz entscheidende Rolle. Allerdings sind hier die Auswahlmöglichkeiten meist nicht so groß. Eine Trauerfeier im kleinen Kreis in einer großen Kirche ist genauso schwierig, wie eine Feier in der Trauerhalle des Friedhofs, in die nicht alle hinein passen. Wir alle haben sicher schon einmal erlebt, eine Trauerfeier nur von draussen mitbekommen zu können.

Die Dekoration sorgt für den ersten Eindruck und ich finde es schön, wenn ich hier schon berührt werde.
Dabei müssen es gar nicht die vielen aufwändigen Kränze sein. Die halte ich persönlich tatsächlich irgendwie für Geldverschwendung.

Es gibt inzwischen so viele andere Möglichkeiten, ein schön gestecktes Herz kann so wirkungsvoll sein.
Ja, Dekoration kostet Geld, jede Kerze wird vom Bestatter berechnet, aber der Anteil an den Gesamtkosten ist trotzdem nicht so hoch. Bei anderen Feiern gönnen wir uns doch auch Dekoration in Form von Blumen, Kerzen und schönen Servietten.

Oft ist hier weniger mehr und die meisten Bestatter haben hier ein gutes Händchen. Man darf gerne ein Thema vorgeben, das dann zu den Texten passt.

Wer hält die Trauerfeier?

War der Verstorbene Mitglied einer kirchlichen Gemeinschaft wird man sich meist an diese wenden.

In der heutigen Zeit sind aber viele Menschen nicht mehr in der Kirche. Dann kann man sich einen freien Trauerredner suchen oder auch den Bestatter bitten, das zu übernehmen.

Egal wer die Feier halten wird, wichtig ist das Gespräch, das vorher geführt wird. Dabei geht es nicht darum, dem Redner einen vollständigen Lebenslauf zu schildern – der sollte den meisten Gästen der Trauerfeier hinreichend bekannt sein – wichtig ist, dass sich der Redner ein Bild von unserem Herzensmenschen machen kann. Wichtig ist, dass er seine Persönlichkeit kennen lernt und hierzu kann man gerne auch kleine Anekdoten erzählen. Wichtig ist, dass man ihm vermittelt, was einem bei der Feier wichtig ist, was man sich wünscht und was Familie/Freunde vielleicht selber einbringen möchten.

Natürlich besteht auch die Möglichkeit die Trauerfeier komplett selber zu gestalten, aber dann bitte mit Netz und doppeltem Boden. Damit meine ich, dass es jemanden gibt, der nicht so betroffen ist und der in der Lage ist das Lesen der Texte zu übernehmen, wenn man selber merkt, es doch nicht zu schaffen! Dieses Wissen hat mir bei meinen Trauerfeiern sehr geholfen.

Wer gibt mir Kraft?

Etwas über das ich vorher nicht nachgedacht hatte. Dabei ist das so wichtig. Wer sitzt neben mir, wer stützt mich auf dem Weg zum Grab, wer passt auf mich auf und hilft mir bei den Beileidsbekundigen oder schirmt mich im Notfall ab?

Ich hatte bei der Bestattung meines Mannes nicht darüber nachgedacht, aber brauchte ich auch nicht. Mein Bruder war ganz selbstverständlich da. Mein Bruder Raymund, der Klaus und mich auch in den letzten Tagen so unterstützt und begleitet hatte. Er stand die ganze Zeit hinter mir. Er hat mir immer dann, wenn ich es brauchte seine Hand auf die Schulter gelegt, hat auf mich aufgepasst. Das war so gut und so wichtig und so schön.

Kraft habe ich tatsächlich auch von Pfarrerin Michaela Schuster erhalten, die die Trauerfeier genau so gestaltet hat, wie wir uns das gewünscht hatten, die mir mit ihren Texten soviel Kraft gegeben hat, dass ich meinen persönlichen Text wirklich sprechen konnte. Auf dem Weg zum Mausoleum war ich mir ziemlich sicher gewesen, dass ich das nicht schaffen würde …

Persönliche Elemente

Eine Trauerfeier sollte mener Meinung nach persönlich sein, sollte den Verstorbenen wiederspiegeln, sollte ihn noch einmal würdigen, darf aber auch seine Schwächen liebevoll zeigen. Es ist sicher nicht einfach, aber es ist schön, wenn nicht nur die Familie sondern auch Freunde die Möglichkeit haben, noch ein paar letzte Worte zu sagen. Falls man so etwas plant, wäre es hilfreich schon im Vorfeld dazu aufzufordern, damit diese sich vorbereiten können.

Statt gesprochener Worte kann man auch zum Schreiben eines kurzen persönlichen Grusses auffordern und damit später ein Erinnerungsalbum gestalten. Man kann auch darum bitten, Fotos mitzubringen, die man dann beim anschließenden Kaffee gemeinsam anschauen kann.

Oft werden die Verstorbenen heute in Grabstelen oder Grabkammern beigesetzt und das bei Grabbestattungen übliche Ritual sich mit einer Blume oder einer Handvoll Erde zu verabschieden ist so nicht möglich. Da braucht es Ersatz. Schön ist die Möglichkeit, dass jeder ein Teelicht entzündet.

Bei der Bestattung meines Mannes, der immer und überall Steine gesammelt hat, hatten wir das Thema Steine gewählt. Wir haben darum gebeten, dass jeder einen Stein mitbringt und diesen dann zur Urne bringt, bevor diese beigesetzt wurde. Dabei durfte dann jeder, der wollte, noch ein paar kurze Worte sagen Mit den Steinen habe ich dann später seinen persönlichen Erinnerungsplatz bei mir Zuhause gestaltet.

Musik

Eine Trauerfeier wird für mich erst stimmig durch die passende Musik. Ich erinnere mich an so manche Trauerfeier, wo gesungen werden sollte, die meisten die Lieder aber nicht kannten und es so einfach nur trostlos war.

Wie wichtig mit das Thema Musik ist, seht ihr daran, dass es hierzu bereits einen eigenen Beitrag gibt.
Deshalb werde ich hier nicht weiter darauf eingehen.

Abschied

Wir haben alles getan um die Trauerfeier schön zu gestalten und das ist hoffentlich auch gelungen. Doch dann kommt er, der letzte Moment des Abschiednehmens. Man muss den Herzensmenschen an seiner letzten Ruhestätte zurück lassen. Hier werden und dürfen noch einmal alle Emotionen aufbrechen. Oft wird dieser Moment aber verschoben, indem man zunächst gemeinsam zum Beerdigungskaffee geht und danach noch einmal im engsten Kreis zurückkehrt. Das macht es sicher einfacher, den Kaffee durchzustehen.

So schwer dieser letzte Moment auch ist, es ist letztendlich nur ein Abschied von der Hülle. In unseren Herzen lebt der Verstorbene zum Glück ewig weiter.

Die Liebe überdauert auch den Tod,
die Liebe bleibt.

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